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Saudi-Arabien stoppt Bau des Mukaab-Würfel-Wolkenkratzers: Hintergründe und wirtschaftliche Analyse

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Veröffentlicht am: 4. Februar 2026 / Update vom: 4. Februar 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Saudi-Arabien stoppt Bau des Mukaab-Würfel-Wolkenkratzers: Hintergründe und wirtschaftliche Analyse

Saudi-Arabien stoppt Bau des Mukaab-Würfel-Wolkenkratzers: Hintergründe und wirtschaftliche Analyse – Kreativbild: Xpert.Digital

Ende der Gigantomanie? Die wahren Gründe hinter dem Stopp des Mukaab-Wolkenkratzers

Problem, das noch nicht existiert“: Technische Hürden bringen Saudi-Arabiens Architektur-Wunder zu Fall

Es sollte das Herzstück eines neuen Riad werden und die Grenzen der modernen Architektur sprengen: Der „Mukaab“, ein gigantischer, würfelförmiger Wolkenkratzer mit 400 Metern Kantenlänge, war als eines der spektakulärsten Symbole der saudi-arabischen „Vision 2030“ geplant. Doch nun holt die wirtschaftliche Realität die futuristischen Träume des Wüstenstaates ein.

Im Januar 2026 gab Saudi-Arabien überraschend bekannt, die Bauarbeiten an dem 50 Milliarden US-Dollar teuren Projekt vorerst zu stoppen – und das, obwohl Fundamente und Aushubarbeiten bereits im Gange waren. Die Entscheidung markiert einen tiefgreifenden Wendepunkt in der Strategie von Kronprinz Mohammed bin Salman. Was als Aufbruch in eine Science-Fiction-Zukunft begann, weicht nun einem erzwungenen Pragmatismus.

Der Grund für die Notbremsung ist ein brisantes Zusammenspiel aus fallenden Ölpreisen, explodierenden Haushaltsdefiziten und technischen Herausforderungen, die selbst modernste Ingenieurskunst an ihre Grenzen bringen. Nach der drastischen Verkleinerung der Spiegelstadt „The Line“ ist der Mukaab das nächste Opfer einer finanziellen Neukalibrierung. Statt auf unbewiesene architektonische Wunderwerke setzt der Staatsfonds PIF nun auf greifbare Ziele: Die Fußball-WM 2034, die Expo 2030 und den Ausbau künstlicher Intelligenz.

Hier analysieren wir die Hintergründe des Baustopps, beleuchtet die prekäre wirtschaftliche Lage Saudi-Arabiens durch den Ölpreisverfall und zeigt auf, welche neuen Prioritäten das Königreich nun setzt, um seine Zukunft jenseits des schwarzen Goldes zu sichern. Erfahren Sie, warum die Gigantomanie endet und welche Chancen sich aus dem neuen, realistischeren Kurs für die Weltwirtschaft ergeben.

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Was ist das Mukaab-Projekt und warum wurde der Bau gestoppt?

Das Mukaab-Projekt sollte als architektonisches Meisterwerk das Herzstück des neuen Stadtviertels New Murabba in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad werden. Der würfelförmige Wolkenkratzer mit einer Seitenlänge von jeweils 400 Metern war als eines der ambitioniertesten Bauprojekte der Vision 2030 konzipiert. Im Januar 2026 gab Saudi-Arabien bekannt, die Bauarbeiten am Mukaab vorerst zu stoppen, nachdem bereits umfangreiche Aushubarbeiten und Pfahlgründungen durchgeführt worden waren.

Die offiziellen Gründe für den Baustopp sind finanzielle und technische Überprüfungen des Projekts. Der saudi-arabische Staatsfonds Public Investment Fund, der die Vision-2030-Projekte finanziert, musste seine Pläne anpassen, um Kosten zu senken und die Ausgabenprioritäten neu zu ordnen. Diese Entscheidung spiegelt den zunehmenden Druck wider, dem das Königreich aufgrund niedriger Ölpreise unterliegt. Die Arbeiten am eigentlichen Gebäude wurden ausgesetzt, während die Entwicklung der umliegenden Immobilienprojekte fortgesetzt werden soll.

Nach der Überarbeitung der Pläne wurde die Fertigstellung des gesamten New Murabba-Viertels von ursprünglich 2030 auf 2040 verschoben. Das Projekt sollte nach Schätzungen der Immobilienberatung Knight Frank etwa 50 Milliarden US-Dollar kosten, was dem Bruttoinlandsprodukt Jordaniens entspricht. Bisher wurden Aufträge im Wert von lediglich rund 100 Millionen US-Dollar vergeben.

Welche architektonischen Besonderheiten sollte der Mukaab bieten?

Der Mukaab war als technologisches Wunderwerk konzipiert, das die Grenzen moderner Architektur sprengen sollte. Der 400 Meter hohe und ebenso breite Metallwürfel sollte eine zylindrische Struktur in seinem Inneren beherbergen. Das spektakulärste Element war die geplante weltweit größte KI-gesteuerte Display-Kuppel, die Besuchern von einer spiralförmigen, über 300 Meter hohen Turm-Struktur aus sichtbar gewesen wäre.

CEO Michael Dyke von New Murabba beschrieb das Mukaab bei einer Konferenz im Dezember als eine “andere Welt”, die Besucher beim Betreten erleben sollten. Die Vision war es, einen immersiven Raum zu schaffen, der Kultur, Kreativität und modernste Technologie vereint. Das Gebäude sollte nicht nur ein architektonisches Wahrzeichen sein, sondern auch ein Zentrum für kreative Industrien und innovative Erlebnisse.

Gleichzeitig räumte Dyke ein, dass die Umsetzung des Projekts mit erheblichen Herausforderungen verbunden sei. Seine Aussage “Es ist schwierig, eine Lösung für ein Problem zu finden, das heute noch nicht existiert” verdeutlicht die technischen Schwierigkeiten, die mit einem derart innovativen und noch nie realisierten Konzept einhergehen. Die Kombination aus extremen Dimensionen, innovativer Displaytechnologie und komplexer innerer Struktur stellte selbst für erfahrene Ingenieure und Architekten neue Herausforderungen dar.

Welche wirtschaftliche Bedeutung hatte das New Murabba-Viertel für Saudi-Arabien?

Das New Murabba-Viertel sollte weit mehr als nur ein prestigeträchtiges Bauprojekt sein. Nach Angaben der saudi-arabischen Regierung sollte die Entwicklung bis 2030 insgesamt 104.000 Wohneinheiten bereitstellen und 180 Milliarden Riyal zur saudi-arabischen Wirtschaft beitragen. Besonders bedeutsam war die Erwartung, dass das Projekt bis 2030 insgesamt 334.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze schaffen würde.

Mit einer Fläche von 19 Quadratkilometern war New Murabba als größter Vorstadtkomplex der Welt konzipiert. Das Projekt sollte auf einem 15-Minuten-Stadt-Philosophie basieren, bei der alle täglichen Bedürfnisse innerhalb von 15 Minuten zu Fuß erreichbar sein sollten. Die Entwicklung umfasst 19 Millionen Quadratmeter bebaubare Fläche, aufgeteilt in Einzelhandel, Gastgewerbe, Wohngebäude und Büroflächen.

CEO Michael Dyke betonte bei verschiedenen Veranstaltungen, dass New Murabba die perfekte Harmonie zwischen urbanem Leben und Natur schaffen sollte. Die Nachhaltigkeit stand im Mittelpunkt des Konzepts, wobei Energieeffizienz, Wasserschonung und menschenzentrierte Planung zentrale Elemente waren. Das Projekt sollte demonstrieren, wie hochverdichtetes urbanes Wohnen mit hoher Lebensqualität und Umweltverträglichkeit vereinbar ist.

Wie hat sich die wirtschaftliche Situation Saudi-Arabiens entwickelt?

Die wirtschaftliche Lage Saudi-Arabiens hat sich seit dem Start der Vision 2030 im Jahr 2016 erheblich verändert. Das Königreich kämpft mit den Folgen niedriger Ölpreise, die deutlich unter dem Niveau liegen, das für einen ausgeglichenen Staatshaushalt erforderlich wäre. Laut Berechnungen von Goldman Sachs benötigt Saudi-Arabien einen Ölpreis von etwa 93 US-Dollar pro Barrel, um seinen Haushalt auszugleichen. Anfang 2025 lag der Ölpreis jedoch bei nur etwa 62 bis 65 US-Dollar, nachdem US-Präsident Trump neue Zölle angekündigt hatte, die eine weltweite Rezession befürchten ließen.

Das Haushaltsdefizit Saudi-Arabiens ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Für das Jahr 2025 wird ein Defizit von 245 Milliarden Riyal erwartet, was etwa 65 Milliarden US-Dollar oder 5,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Dies ist deutlich höher als ursprünglich geplant. Für 2026 prognostiziert die Regierung ein reduziertes, aber immer noch erhebliches Defizit von 165 Milliarden Riyal, etwa 44 Milliarden US-Dollar oder 3,3 Prozent des BIP.

Die sinkenden Öleinnahmen haben direkte Auswirkungen auf die Staatsfinanzen. Im ersten Halbjahr 2025 gingen die Öleinnahmen um 24 Prozent zurück, was das Haushaltsdefizit von 28 Milliarden Riyal im ersten Halbjahr 2024 auf 93 Milliarden Riyal ansteigen ließ. Trotz dieser Herausforderungen betont der Internationale Währungsfonds, dass Saudi-Arabien mit einer Staatsverschuldung von etwa 31,7 Prozent des BIP vergleichsweise gut aufgestellt ist. Diese Quote ist deutlich niedriger als in vielen entwickelten Ländern wie Japan mit 236 Prozent oder den USA mit 124 Prozent.

Um die Finanzierungslücke zu schließen, hat Saudi-Arabien seine Kreditaufnahme erhöht. Für 2026 genehmigte das Finanzministerium einen Kreditplan von etwa 217 Milliarden Riyal, umgerechnet rund 58 Milliarden US-Dollar. Diese Mittel sollen das erwartete Haushaltsdefizit von 165 Milliarden Riyal decken und etwa 52 Milliarden Riyal für die Rückzahlung fälliger Schulden bereitstellen.

Was ist die Vision 2030 und welche Rolle spielen Megaprojekte darin?

Die Vision 2030 wurde 2016 von Kronprinz Mohammed bin Salman lanciert und stellt Saudi-Arabiens umfassendsten Versuch dar, sich von der “gefährlichen Abhängigkeit vom Öl” zu befreien. Der Plan zielt darauf ab, die saudi-arabische Wirtschaft grundlegend umzugestalten und neue Einnahmequellen jenseits des Ölsektors zu erschließen. Das Programm umfasst Investitionen im Wert von bis zu vier Billionen US-Dollar in verschiedene Sektoren.

Der zentrale Akteur hinter der Vision 2030 ist der Public Investment Fund, Saudi-Arabiens Staatsfonds, der von Kronprinz Mohammed bin Salman geleitet wird. Der PIF wurde 1971 gegründet, hat sich aber unter der Führung des Kronprinzen dramatisch gewandelt. Die Belegschaft wuchs von nur 50 Mitarbeitern im Jahr 2015 auf fast 500 im Jahr 2018. Das verwaltete Vermögen stieg von 74 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf 925 Milliarden US-Dollar Ende 2024. Bis 2030 strebt der PIF ein verwaltetes Vermögen von 2 Billionen US-Dollar an, was ihn zum zweitgrößten Staatsfonds der Welt machen würde.

Megaprojekte wie Neom, Diriyah, New Murabba, Qiddiya und der Red Sea Development Project symbolisieren die Ambitionen der Vision 2030. Diese Projekte sollen nicht nur die Wirtschaft diversifizieren, sondern auch Hunderttausende von Arbeitsplätzen schaffen und Saudi-Arabien als globales Zentrum für Tourismus, Kultur und Innovation positionieren. Der Immobiliensektor hat seit 2003 etwa 30 Milliarden US-Dollar an ausländischen Direktinvestitionen angezogen und ist zu einem führenden Sektor außerhalb der Ölwirtschaft geworden.

Die Vision 2030 sieht auch einen massiven Ausbau erneuerbarer Energien vor. Bis 2030 sollen 9,5 Gigawatt an Kapazitäten aus erneuerbaren Energien installiert werden. Dies ist Teil der Strategie, Saudi-Arabien auch für die Zeit nach der Erdölförderung wirtschaftlich zu stärken und bereits bis 2020 weitgehend unabhängig vom Ölpreis zu werden – ein Ziel, das angesichts der anhaltenden Herausforderungen nicht erreicht wurde.

Warum musste Saudi-Arabien seine Megaprojekte überarbeiten?

Die Überarbeitung der saudi-arabischen Megaprojekte ist das Ergebnis einer Neubewertung der finanziellen Realitäten und strategischen Prioritäten. Im Oktober 2025 kündigte Saudi-Arabien eine fundamentale Neuausrichtung seines 925 Milliarden US-Dollar schweren Staatsfonds an. Der PIF soll sich von einem Schwerpunkt auf Immobilien-Megaprojekte wegbewegen und stattdessen auf Sektoren konzentrieren, die als dringlicher und profitabler gelten.

Die neuen Prioritäten des PIF umfassen Logistik, Mineralienförderung, künstliche Intelligenz und religiösen Tourismus. Diese Sektoren versprechen nachhaltigere und kurzfristigere Renditen als die kapitalintensiven Immobilienprojekte, die in den letzten Jahren im Mittelpunkt standen. Saudi-Arabien setzt insbesondere auf seine Rolle als potenzieller KI-Hub, wobei geplante Rechenzentren von den umfangreichen Energieressourcen des Landes profitieren sollen.

Finanzminister Mohammed Al-Jadaan erklärte gegenüber Reuters, dass die Ausgabenniveaus der letzten drei Haushaltszyklen stabil geblieben seien, sich jedoch die Prioritäten verschoben hätten. “Unsere Ausgabenhöhe war stabil, aber der Schwerpunkt liegt nun auf unseren Ausgabenprioritäten und nicht auf dem Gesamtbetrag”, betonte er. Projekte, die zu ambitioniert in Bezug auf Zeitplan oder Investitionsbedarf erschienen, würden auf realistischere Ziele “recalibrated”.

Wirtschaftsminister Faisal al-Ibrahim demonstrierte bemerkenswerte Transparenz, als er erklärte: “Wir arbeiten sehr transparent und werden nicht davor zurückschrecken, zuzugeben, dass wir Projekte verschieben, verzögern oder neu ausrichten mussten.” Diese Offenheit markiert einen Wandel in der Kommunikationsstrategie des Königreichs, das lange Zeit für seinen Optimismus bezüglich der Megaprojekte bekannt war.

Der Internationale Währungsfonds lobte in einer Analyse vom Dezember 2025 Saudi-Arabiens Ansatz. Die im Jahr 2025 gezeigte Resilienz unterstreiche den bereits erzielten Fortschritt bei der Verringerung der Abhängigkeit der Wirtschaft von Ölpreisschwankungen. Trotz eines Ölpreisrückgangs um fast 30 Prozent gegenüber dem Höchststand von 2022 habe die Nicht-Öl-Wirtschaft eine starke Dynamik beibehalten. Dies reflektiere die Wirkung der Vision-2030-Reformen, insbesondere die Schaffung von Arbeitsplätzen im privaten Sektor und die Rekordtiefen bei den Arbeitslosenquoten.

 

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Zu wenig Geld vom Öl: Wie die Realität die saudischen Milliarden-Projekte ausbremst

Welche Projekte werden nun priorisiert?

Anstatt auf futuristische Megaprojekte wie Mukaab und The Line zu setzen, konzentriert sich Saudi-Arabien nun auf Initiativen, die als dringlicher und wirtschaftlich profitabler gelten. An erster Stelle stehen die Vorbereitungen für die Weltausstellung Expo 2030 in Riad und die FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2034. Diese internationalen Großveranstaltungen erfordern massive Infrastrukturinvestitionen und haben für das Königreich höchste Priorität.

Die Expo 2030, die Saudi-Arabien im November 2023 mit überwältigender Mehrheit zugesprochen wurde, wird voraussichtlich über 40 Millionen Besucher aus 190 Ländern anziehen. Das Event ist von Oktober 2030 bis März 2031 geplant und stellt einen wichtigen Meilenstein für die Vision 2030 dar. Kronprinz Mohammed bin Salman bezeichnete die Ausrichtung als “Krönung” der Reformagenda des Königreichs. Die Expo bietet Saudi-Arabien die Möglichkeit, sich der Welt als modernisiertes, zukunftsorientiertes Land zu präsentieren.

Die FIFA-Weltmeisterschaft 2034, für die Saudi-Arabien als einziger Kandidat gilt, wird ebenfalls enorme Investitionen in Stadien und Infrastruktur erfordern. Das Königreich plant den Bau oder die Modernisierung mehrerer Stadien und 134 Trainingsstätten. Kronprinz Mohammed bin Salman betonte, dass Investitionen in den Sport das Bruttoinlandsprodukt des Landes um ein Prozent gesteigert hätten. Die WM-Ausrichtung ist integraler Bestandteil der Strategie, Saudi-Arabien als globales Zentrum für Sport und Unterhaltung zu etablieren.

Das Diriyah-Projekt, ein 63,2 Milliarden US-Dollar teures Kulturzentrum am UNESCO-Welterbe Diriyah am Stadtrand von Riad, wird ebenfalls priorisiert. Das Projekt soll zu einem globalen Zentrum für Kultur, Bildung und Kreativität werden. Diriyah soll nach Fertigstellung 50 Millionen Besucher pro Jahr anziehen, 178.000 Arbeitsplätze schaffen und 18,6 Milliarden US-Dollar zum saudi-arabischen BIP beitragen. Im November 2024 wurden neue Kultur- und Bildungsbezirke vorgestellt, darunter der Qurain Cultural District mit Museen, Kinos und Akademien sowie der Northern District mit der King Salman Foundation.

Das Qiddiya-Tourismusprojekt, das 45 Kilometer südwestlich von Riad entsteht, wird als globale Hauptstadt für Unterhaltung, Sport und Kultur konzipiert. Mit Investitionen von 6,5 Milliarden US-Dollar soll Qiddiya bis 2030 jährlich 17 Millionen Besucher anziehen und mehr als 25.000 Arbeitsplätze schaffen. Das Projekt umfasst über 300 Unterhaltungs- und Lerneinrichtungen, die in fünf verschiedenen Zonen über eine Fläche von 376 Quadratkilometern verteilt sind. Qiddiya soll jährlich 17 Milliarden Riyal zur saudi-arabischen Wirtschaft beitragen und Saudis die Möglichkeit bieten, ihre Freizeit und Ferien im eigenen Land zu verbringen, statt die 30 Milliarden US-Dollar auszugeben, die saudi-arabische Haushalte jährlich für Auslandsreisen aufwenden.

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Was geschah mit dem Neom-Projekt und The Line?

Das Neom-Projekt, insbesondere dessen Herzstück The Line, erfuhr eine noch dramatischere Reduzierung als der Mukaab. The Line war ursprünglich als 170 Kilometer lange lineare Stadt konzipiert, die 9 Millionen Menschen beherbergen sollte. Die Struktur sollte 500 Meter hoch und nur 200 Meter breit sein, vollständig mit verspiegeltem Glas verkleidet und zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Alle Wege des täglichen Bedarfs sollten innerhalb von fünf Minuten zu Fuß erreichbar sein, und ein Hochgeschwindigkeitszugsystem sollte eine Ende-zu-Ende-Fahrt in nur 20 Minuten ermöglichen.

Bereits im April 2024 wurde bekannt, dass The Line drastisch verkleinert wird. Statt 170 Kilometern soll die Stadt bis 2030 nur noch 2,4 Kilometer lang sein – gerade einmal etwa zwei Prozent der ursprünglich geplanten Länge. Die erwartete Bevölkerung wurde von 1,5 Millionen auf weniger als 300.000 Menschen reduziert. Diese massive Reduzierung erfolgte, nachdem das Projekt mit erheblichen Kostenexplosionen und technischen Herausforderungen konfrontiert wurde. Die geschätzten Kosten waren auf bis zu 8,8 Billionen US-Dollar gestiegen.

Im Januar 2026 berichtete die Financial Times, dass The Line einer “signifikanten Verkleinerung und Neugestaltung” unterzogen werde. Der neue Fokus liege auf der Umwandlung des Standorts in ein Zentrum für Rechenzentren als Teil von Kronprinz Mohammed bin Salmans aggressivem Vorstoß, das Königreich zu einem führenden KI-Player zu machen. Die Küstenlage biete ideale Bedingungen für Rechenzentren, da Meerwasser zur Kühlung genutzt werden könne. Saudi-Arabien erhielt im Mai 2025 bereits 18.000 KI-GPUs von Nvidia für seine staatlich geförderten Rechenzentren.

Auch andere Neom-Projekte wurden zurückgefahren. Die asiatischen Winterspiele 2029, die im Bergskigebiet Trojena innerhalb von Neom stattfinden sollten, wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. Dies ist besonders bemerkenswert, da es sich um eines der wenigen Neom-Projekte mit einem konkreten internationalen Termin handelte. Die Verschiebung unterstreicht die finanziellen und logistischen Schwierigkeiten, mit denen das gesamte Neom-Projekt konfrontiert ist.

Welche technischen Herausforderungen machten The Line und Mukaab so schwierig?

Die technischen Herausforderungen bei The Line waren beispiellos in der Geschichte des Bauwesens. Der Ressourcenbedarf sprengte alle bisherigen Maßstäbe. Jedes der 800 Meter langen Module hätte laut internen Daten etwa sieben Millionen Tonnen Stahl und über fünf Millionen Kubikmeter Beton benötigt. Ein Insider gab gegenüber der Financial Times an, dass das Projekt etwa 60 Prozent der weltweiten Jahresproduktion von grünem Stahl verschlingen würde – eine offensichtlich nicht realisierbare Anforderung.

Die strukturellen Herausforderungen waren immens. Die Windlasten auf die 500 Meter hohen Wände wären enorm gewesen, und die Schwingungsdämpfung hängender Gebäudeteile stellte ein komplexes ingenieurtechnisches Problem dar. Auch die Abwasserentsorgung für eine vertikal geschichtete Stadt mit Millionen von Bewohnern auf nur 200 Metern Breite wäre eine logistische Meisterleistung geworden. Das geplante Transportsystem sollte Geschwindigkeiten von 510 Kilometern pro Stunde erreichen und damit den aktuellen Weltrekord der Shanghai Maglev von 431 Kilometern pro Stunde brechen – eine technische Anforderung, die erhebliche Entwicklungsarbeit erfordert hätte.

Der saudi-arabische Industrieminister Bandar Al Khorayef räumte einen strategischen Fehler ein: Man könne nicht erst eine Stadt bauen und dann hoffen, dass Firmen und Menschen kommen. Der neue Ansatz laute stattdessen, erst die Wirtschaft aufzubauen, dann Menschen anzulocken und die Stadt organisch wachsen zu lassen. Diese Einsicht deutet darauf hin, dass The Line in ihrer ursprünglichen Form als monolithische Spiegelwand Geschichte ist.

Auch das Mukaab-Projekt stand vor erheblichen technischen Hürden. CEO Michael Dyke räumte ein, dass es “schwierig ist, eine Lösung für ein Problem zu finden, das heute noch nicht existiert”. Die geplante weltweit größte KI-gesteuerte Display-Kuppel im Inneren des 400-Meter-Würfels existiert in dieser Form nirgendwo auf der Welt. Die Hologramm-Technologie, wie sie in der Ankündigung des Mukaab beschrieben wurde, ist noch nicht ausgereift genug für eine Anwendung in diesem Maßstab.

Die strukturelle Stabilität des Würfels bei gleichzeitiger Integration komplexer Technologiesysteme, eines spiralförmigen Turms im Inneren und möglicherweise sogar Wasserflächen stellte die Ingenieure vor neuartige Probleme. Der Würfel müsste extrem stabil gebaut und absolut wasserdicht sein, um die Technologie zu schützen. Die Kombination aus architektonischer Innovation, technologischer Komplexität und schierem Maßstab machte das Mukaab zu einem Projekt, das selbst mit modernsten Simulationen schwer zu planen war.

Wie reagierte die Öffentlichkeit auf die Projektreduzierungen?

Die Reaktionen auf die Reduzierung der saudi-arabischen Megaprojekte fielen gemischt aus. In internationalen Medien und auf sozialen Plattformen wurde die Verkleinerung vielfach als Zeichen dafür gewertet, dass die ursprünglichen Pläne unrealistisch waren. Kritiker hatten von Anfang an Zweifel an der Durchführbarkeit von Projekten wie The Line geäußert, und die drastische Reduzierung bestätigte aus ihrer Sicht diese Skepsis.

Das Mukaab-Design sorgte bereits bei seiner Enthüllung für Kontroversen. In sozialen Medien wurde Kritik laut wegen der Ähnlichkeit des würfelförmigen Gebäudes mit der Kaaba, der heiligsten Stätte des Islam im Zentrum der Großen Moschee in Mekka. Die Kaaba ist ein würfelförmiges Gebäude, zu dem Muslime weltweit beim Gebet ihre Gebetsrichtung ausrichten. Die visuelle Ähnlichkeit wurde von einigen als respektlos empfunden, obwohl das Mukaab-Projekt ganz andere architektonische und funktionale Ziele verfolgte.

Im Kontext der FIFA-Weltmeisterschaft 2034 und anderer Sportinvestitionen wurden Vorwürfe des “Sportswashing” laut. Kritiker argumentieren, dass Saudi-Arabien diese hochkarätigen Events nutze, um von Menschenrechtsfragen abzulenken und sein internationales Image aufzupolieren. Kronprinz Mohammed bin Salman erklärte jedoch, es sei ihm “egal”, was über Sportswashing-Vorwürfe gesagt werde, und betonte, dass Investitionen in Sport das BIP des Landes um ein Prozent gesteigert hätten – ein Hinweis darauf, dass die wirtschaftlichen Vorteile im Vordergrund der Strategie stehen.

Bei der Abstimmung über die Expo 2030 zeigte sich allerdings auch deutliche internationale Unterstützung für Saudi-Arabien. Riad erhielt 119 von 182 Stimmen der Mitglieder des Bureau International des Expositions, während die Konkurrenten Busan in Südkorea nur 29 und Rom lediglich 17 Stimmen erhielten. Der italienische Expo-Bewerbungsleiter Giampiero Massolo kritisierte das Ergebnis scharf und meinte, es gehe nicht mehr um Verdienste, sondern um “Transaktionen”.

Welche Rolle spielen niedrige Ölpreise bei den Projektanpassungen?

Die niedrigen Ölpreise sind der zentrale externe Faktor, der Saudi-Arabien zur Neuausrichtung seiner Vision-2030-Projekte zwingt. Saudi-Arabien ist nach wie vor der weltgrößte Ölexporteur, und Öleinnahmen machen den Großteil der Staatseinnahmen aus. Im Jahr 2022, als die Ölpreise hoch waren, stiegen die Öleinnahmen um etwa 50 Prozent auf 225 Milliarden US-Dollar und machten 68 Prozent der gesamten Staatseinnahmen aus. Das Königreich erzielte damals einen Haushaltsüberschuss von 27 Milliarden US-Dollar – das erste Plus nach acht Jahren mit Defiziten von insgesamt 457 Milliarden US-Dollar.

Seitdem hat sich die Situation dramatisch verschlechtert. Der Ölpreis fiel von Höchstständen von über 100 US-Dollar pro Barrel im Jahr 2022 auf etwa 62 bis 65 US-Dollar Anfang 2025. Diese Preise liegen weit unter dem Niveau, das Saudi-Arabien für einen ausgeglichenen Haushalt benötigt. Analysten schätzen, dass das Königreich einen Ölpreis von etwa 93 US-Dollar pro Barrel benötigt, um seine ambitionierten Ausgabenpläne zu finanzieren.

Die Ölproduktion ist ebenfalls ein Faktor. Saudi-Arabien unterliegt als Mitglied der OPEC-Plus-Gruppe Förderquoten, die darauf abzielen, die Ölpreise durch Produktionsbeschränkungen zu stützen. Im Jahr 2023 beispielsweise durfte das Königreich nur noch 10,5 Millionen Barrel pro Tag fördern, verglichen mit 10,6 Millionen im Jahr zuvor. Diese Selbstbeschränkung reduziert die Einnahmen zusätzlich, auch wenn sie theoretisch höhere Preise unterstützen soll.

Die Kombination aus niedrigeren Preisen und eingeschränkter Produktion hat direkte Auswirkungen auf die Fähigkeit des Königreichs, die Vision 2030 zu finanzieren. Goldman Sachs prognostizierte im April 2025, dass das Haushaltsdefizit Saudi-Arabiens auf 67 Milliarden US-Dollar ansteigen würde – mehr als das Doppelte der Basisprognose der Regierung von Ende 2024. Dies würde Kronprinz Mohammed bin Salman zwingen, mehr Kredite auf den globalen Anleihemärkten aufzunehmen und seine Multimilliarden-Dollar-Pläne zur Umgestaltung der Wirtschaft weiter zurückzuschrauben.

Toby Iles, Chefökonom bei Jadwa Investment in Riad, kommentierte: “Saudi-Arabien ist durch die Ausgabe von Schuldtiteln und die Priorisierung der Ausgaben gut aufgestellt, um eine Phase niedrigerer Ölpreise zu überstehen. Die Staatsverschuldung ist mit rund 30 Prozent des BIP nach wie vor niedrig, und die staatlichen Haushaltsreserven sind nach wie vor hoch.” Dennoch unterstreicht die Notwendigkeit, Projekte zu verschieben oder zu verkleinern, dass auch Saudi-Arabien nicht immun gegen die Realitäten der globalen Energiemärkte ist.

 

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KI statt Megabauten: Saudi-Arabiens überraschender Strategiewechsel

Wie unterscheidet sich die aktuelle Situation von früheren Ölpreiskrisen?

Die aktuelle Situation unterscheidet sich in mehreren wichtigen Aspekten von früheren Ölpreiskrisen, die Saudi-Arabien erlebt hat. In der Vergangenheit, insbesondere während der Hochpreisphase von etwa 2004 bis 2014, als Öl durchschnittlich 90 bis 100 US-Dollar pro Barrel kostete, verließ sich Saudi-Arabien fast ausschließlich auf Öleinnahmen. Damals machte Öl etwa 90 Prozent der Staatseinnahmen und 90 Prozent der Exporte aus. Es gab kaum Bestrebungen zur Diversifizierung, da das Geld reichlich floss.

Als der Ölpreis 2014 und 2015 abstürzte und bis Dezember 2015 auf 36 US-Dollar pro Barrel fiel, lief Saudi-Arabien 2015 ein Haushaltsdefizit von 13 Prozent des BIP auf. Dies war der Weckruf, der zur Entwicklung der Vision 2030 führte. Die damalige Krise war jedoch relativ kurzfristig, und die Preise erholten sich teilweise wieder.

Die aktuelle Situation ist komplexer, weil Saudi-Arabien nun mitten in einem langfristigen Transformationsprozess steckt. Das Königreich hat bereits Milliarden in Projekte investiert, die auf die Diversifizierung der Wirtschaft abzielen. Die niedrigen Ölpreise kommen zu einem kritischen Zeitpunkt, an dem viele dieser Projekte noch nicht abgeschlossen sind und noch keine nennenswerten Renditen abwerfen. Der Internationale Währungsfonds stellte fest, dass die Nicht-Öl-Wirtschaft 2025 trotz niedriger Ölpreise stark wuchs – ein Zeichen, dass die Diversifizierungsbemühungen Wirkung zeigen. Im ersten Halbjahr 2025 wuchs das Nicht-Öl-BIP um 4,8 Prozent und trug damit über 55 Prozent zum Gesamt-BIP bei.

Diese Fortschritte bedeuten, dass Saudi-Arabien heute resilenter ist als in früheren Ölkrisen. Die Arbeitslosenquote ist auf Rekordtiefs gefallen, und die Schaffung von Arbeitsplätzen im privaten Sektor hat sich beschleunigt, insbesondere für Frauen. Die Wirtschaft ist nicht mehr so stark von Ölpreisschwankungen abhängig wie früher. Dennoch reicht die Diversifizierung noch nicht aus, um die ambitionierten Ausgabenpläne zu finanzieren, ohne auf Öleinnahmen angewiesen zu sein.

Ein weiterer Unterschied ist die Verschuldungsstrategie. In früheren Krisen hatte Saudi-Arabien kaum Staatsschulden und zehrte stattdessen von seinen enormen Währungsreserven. Heute nutzt das Königreich aktiv den internationalen Anleihenmarkt. Der Public Investment Fund hat in den letzten Jahren erhebliche Schulden aufgenommen, um seine Investitionen zu finanzieren – eine Strategie, die anderen Staatsfonds folgt, die in den letzten zwei Jahrzehnten rund 700 Milliarden US-Dollar aufgenommen haben. Dies ermöglicht es Saudi-Arabien, die Transformation fortzusetzen, erhöht aber auch den Druck, Projekte erfolgreich abzuschließen und Renditen zu erzielen.

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Welche langfristigen Aussichten haben die Vision 2030 und die verbleibenden Projekte?

Trotz der Rückschläge bei einzelnen Megaprojekten bleiben die langfristigen Aussichten für die Vision 2030 grundsätzlich positiv, wenn auch mit gedämpften Erwartungen. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert für Saudi-Arabien ein BIP-Wachstum von 4 Prozent für 2025 und 2026, was deutlich über den globalen Wachstumsraten liegt. Dieses Wachstum wird zunehmend von der Nicht-Öl-Wirtschaft getragen, was das Hauptziel der Vision 2030 widerspiegelt.

Die Neuausrichtung des Public Investment Fund auf Sektoren wie Logistik, Mineralien, KI und religiösen Tourismus könnte sich als strategisch klug erweisen. Diese Bereiche versprechen nachhaltigere und kurzfristigere Renditen als die kapitalintensiven Immobilienprojekte. Saudi-Arabiens Lage macht es zu einem natürlichen Logistik-Hub zwischen Asien, Afrika und Europa, und die jüngsten Störungen der Schifffahrtsrouten im Roten Meer unterstreichen die Bedeutung resilienter Lieferketten. Das Königreich verfügt zudem über große, bislang wenig genutzte Vorkommen seltener Erden, die im Zeitalter der Elektrifizierung und Digitalisierung zunehmend wertvoll werden.

Der Fokus auf künstliche Intelligenz bietet besonders großes Potenzial. Saudi-Arabien verfügt über reichliche Energieressourcen, die für den Betrieb energieintensiver KI-Rechenzentren erforderlich sind. Die Küstenlage an Neom beispielsweise bietet ideale Bedingungen für die Kühlung von Rechenzentren mit Meerwasser. Mit 18.000 von Nvidia gelieferten KI-GPUs und ehrgeizigen Plänen für weitere Investitionen könnte Saudi-Arabien sich tatsächlich als wichtiger Player im globalen KI-Wettrennen positionieren.

Die priorisierten Projekte wie Expo 2030, FIFA WM 2034, Diriyah und Qiddiya haben konkretere wirtschaftliche Grundlagen als die futuristischen Visionen von Neom und Mukaab. Sie basieren auf bewährten Modellen – Weltausstellungen, Sportgroßveranstaltungen, Kulturzentren und Themenparks sind Konzepte, die sich weltweit bereits als erfolgreich erwiesen haben. Qatar demonstrierte mit der FIFA WM 2022, dass ein Golfstaat eine solche Veranstaltung erfolgreich ausrichten kann, auch wenn dies mit erheblichen Investitionen verbunden war.

Der Finanzminister Saudi-Arabiens betonte, dass die Regierung eine Defizitpolitik bis 2028 fortsetzen werde – “by design”, wie er sagte. Dies deutet darauf hin, dass das Königreich bereit ist, kurzfristige Defizite in Kauf zu nehmen, um langfristige Transformationsziele zu erreichen. Mit einer Staatsverschuldung von etwa 30 Prozent des BIP hat Saudi-Arabien deutlich mehr fiskalischen Spielraum als die meisten entwickelten Volkswirtschaften.

Die größte Herausforderung bleibt die Ölpreisabhängigkeit. Solange die Preise deutlich unter 90 US-Dollar pro Barrel bleiben, wird Saudi-Arabien Schwierigkeiten haben, sowohl seine laufenden Ausgaben als auch die ambitionierten Investitionspläne zu finanzieren. Die Entscheidung, Projekte zu verschieben und neu zu priorisieren, zeigt jedoch ein pragmatisches und realistisches Vorgehen, das besser ist als das sture Festhalten an unrealistischen Plänen.

Was bedeuten diese Entwicklungen für ausländische Investoren und Partner?

Für ausländische Investoren und Geschäftspartner bringen die Entwicklungen in Saudi-Arabien sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich. Die Verkleinerung oder Verschiebung von Megaprojekten bedeutet, dass einige der spektakulärsten Geschäftsmöglichkeiten, die in den letzten Jahren angekündigt wurden, zumindest vorübergehend nicht zur Verfügung stehen. Unternehmen, die auf Aufträge im Zusammenhang mit Mukaab oder der ursprünglichen Version von The Line spekuliert hatten, müssen ihre Strategien überdenken.

Gleichzeitig bedeutet die Neuausrichtung auf realistischere und wirtschaftlich tragfähigere Projekte, dass die verbleibenden Initiativen wahrscheinlich tatsächlich realisiert werden. CEO Michael Dyke von New Murabba betonte bei einer Konferenz: “Das Schönste, was ich sagen kann, ist: Wir sind hier. Wir sind real, und es ist jetzt.” Diese Aussage sollte ausländischen Partnern signalisieren, dass trotz der Anpassungen weiterhin erhebliche Investitionsmöglichkeiten bestehen.

Die priorisierten Projekte bieten vielfältige Partnershafsmöglichkeiten. Für die Expo 2030 und die FIFA WM 2034 werden umfangreiche Infrastrukturprojekte benötigt, von Stadien über Verkehrssysteme bis hin zu Unterkünften. Das Diriyah-Projekt vergab bereits Verträge im Wert von 5,8 Milliarden Riyal an ein Joint Venture zwischen Nesma & Partners, UJSC und MAN Enterprise für den Qurain Cultural District sowie 7,8 Milliarden Riyal an ein Joint Venture zwischen China State Construction Engineering und El Seif Engineering Contracting für den Northern District.

Deutsche Unternehmen sind bereits bedeutende Akteure in der saudi-arabischen Bauwirtschaft. Firmen wie Bauer, Keller, Linde, Siemens und ThyssenKrupp haben Verträge im Wert von 40 bis 400 Millionen US-Dollar unterzeichnet. ThyssenKrupp Nucera liefert beispielsweise die Technologie für eine gewaltige Wasserstofffabrik, die Teil der Energiestrategie von Neom ist und 2026 in Betrieb gehen soll.

Die Verschiebung des Fokus auf Technologie und Innovation, insbesondere im KI-Bereich, eröffnet neue Möglichkeiten für Technologieunternehmen. Saudi-Arabien sucht nach den “besten Köpfen des Planeten”, wie CEO Dyke es ausdrückte, um die großen technologischen Herausforderungen zu lösen. Dies könnte besonders für Unternehmen in den Bereichen künstliche Intelligenz, Rechenzentren, erneuerbare Energien und Smart-City-Technologien interessant sein.

Investoren sollten jedoch die Risiken berücksichtigen. Die Abhängigkeit von Ölpreisen bedeutet, dass weitere Projektanpassungen möglich sind, wenn die Preise niedrig bleiben oder weiter fallen. Die hohe Kreditaufnahme des Public Investment Fund, mit jährlichen Finanzierungsbedarfen, die von 40 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf 70 Milliarden US-Dollar bis 2025 steigen sollen, könnte bei Verzögerungen oder Störungen problematisch werden.

Wie transparent ist Saudi-Arabien bei der Kommunikation über Projektanpassungen?

Die Transparenz Saudi-Arabiens bei der Kommunikation über Projektanpassungen hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, auch wenn sie nach westlichen Standards noch Raum für Verbesserungen lässt. Wirtschaftsminister Faisal al-Ibrahim demonstrierte bemerkenswerte Offenheit, als er erklärte: “Wir arbeiten sehr transparent und werden nicht davor zurückschrecken, zuzugeben, dass wir Projekte verschieben, verzögern oder neu ausrichten mussten.” Diese Aussage markiert einen Wandel in der Kommunikationsstrategie des Königreichs.

In der Vergangenheit war Saudi-Arabien für seinen Optimismus und eine gewisse Intransparenz bekannt, wenn es um die Details seiner Megaprojekte ging. Kritiker bemängelten oft, dass die Machbarkeit und Finanzierung vieler Projekte unklar blieben. Die jüngsten Ankündigungen über Verzögerungen und Verkleinerungen zeigen jedoch, dass das Königreich zunehmend bereit ist, Herausforderungen öffentlich anzuerkennen.

Das Budget für 2026, das im Dezember 2025 veröffentlicht wurde, enthielt im Gegensatz zu früheren Jahren keine spezifischen Verweise auf Megaprojekte wie Neom oder New Murabba. Dies wurde von Beobachtern als weiteres Zeichen dafür interpretiert, dass Saudi-Arabien diese Projekte de-priorisiert, ohne jedoch eine offizielle Aufgabe zu verkünden. Finanzminister Mohammed Al-Jadaan erklärte, dass PIF und Finanzministerium sicherstellen, dass anfängliche Projektpläne “recalibrated” werden, um zu bestätigen, dass sie das Beabsichtigte liefern.

Die Informationen über den Baustopp des Mukaab und die Verkleinerung von The Line stammen größtenteils aus Medienberichten, die sich auf anonyme Quellen berufen, nicht aus offiziellen Regierungsankündigungen. Als die Financial Times im Januar 2026 über die drastische Verkleinerung von Neom berichtete, bestritt Neom die Berichte nicht, sondern erklärte lediglich, man schaue “immer darauf, wie wir unsere Initiativen phasen und priorisieren, damit sie mit nationalen Zielen übereinstimmen und langfristigen Wert schaffen”.

Diese Art der Kommunikation – weder vollständige Bestätigung noch Dementi – ist charakteristisch für Saudi-Arabiens aktuellen Ansatz. Sie ermöglicht eine gewisse Flexibilität und vermeidet den Eindruck eines vollständigen Scheiterns, während sie gleichzeitig die Realitäten der Situation nicht völlig verschleiert. Für internationale Investoren und Partner bedeutet dies, dass sie zwischen den Zeilen lesen und verschiedene Informationsquellen nutzen müssen, um ein vollständiges Bild der Situation zu erhalten.

Welche Lehren lassen sich aus den Projektanpassungen ziehen?

Die Anpassungen der saudi-arabischen Megaprojekte bieten mehrere wichtige Lehren für ambitionierte Entwicklungsprogramme weltweit. Die erste und vielleicht wichtigste Erkenntnis ist, dass selbst Länder mit enormen finanziellen Ressourcen nicht immun gegen wirtschaftliche Realitäten sind. Saudi-Arabien, eines der reichsten Länder der Welt mit einem Staatsfonds von 925 Milliarden US-Dollar, musste seine Pläne anpassen, als die Finanzierungsgrundlagen sich verschlechterten. Dies unterstreicht die Bedeutung einer realistischen Finanzplanung, die verschiedene Szenarien berücksichtigt.

Eine zweite Lehre betrifft die Balance zwischen Vision und Pragmatismus. Projekte wie The Line und Mukaab waren zweifellos visionär und hätten, wenn sie realisiert worden wären, die Grenzen der Architektur und des städtebaulichen Designs neu definiert. Doch Visionen allein reichen nicht aus. Die Aussage des saudi-arabischen Industrieministers, man könne nicht erst eine Stadt bauen und dann hoffen, dass Menschen und Wirtschaft folgen, bringt einen fundamentalen Planungsfehler auf den Punkt. Erfolgreiche Stadtentwicklung erfordert organisches Wachstum, das auf realer Nachfrage basiert, nicht auf spekulativen Prognosen.

Die technologischen Herausforderungen wurden möglicherweise unterschätzt. CEO Michael Dykes Eingeständnis, dass es “schwierig ist, eine Lösung für ein Problem zu finden, das heute noch nicht existiert”, zeigt die Grenzen des aktuellen Stands der Technik. Projekte, die auf noch nicht existierenden Technologien basieren, bergen erhebliche Risiken. Ein schrittweiser Ansatz, bei dem Technologien erst in kleinerem Maßstab getestet werden, bevor sie in gigantischen Projekten eingesetzt werden, wäre risikoärmer.

Die Bedeutung der Priorisierung wird durch die saudi-arabische Erfahrung deutlich. Nicht alle ambitionierten Projekte können gleichzeitig verfolgt werden, besonders wenn die finanziellen Ressourcen begrenzt sind. Die Entscheidung, sich auf Projekte mit konkreten internationalen Verpflichtungen und Terminen zu konzentrieren – wie Expo 2030 und FIFA WM 2034 – sowie auf Projekte mit bewährten Geschäftsmodellen – wie Kulturzentren und Themenparks – zeigt strategisches Denken. Dies ist ein pragmatischer Ansatz, der wahrscheinlich zu mehr realisierten Projekten führen wird als das gleichzeitige Verfolgen aller ambitionierten Pläne.

Eine weitere Erkenntnis betrifft die Kommunikation. Saudi-Arabiens zunehmende Transparenz über Herausforderungen und Anpassungen ist positiv, auch wenn sie noch nicht perfekt ist. Das Eingeständnis von Schwierigkeiten ist glaubwürdiger als das Festhalten an offensichtlich unrealistischen Zeitplänen. Es ermöglicht auch eine realistischere Planung für alle Beteiligten, von Investoren bis zu Lieferanten.

Schließlich unterstreicht die Erfahrung die Bedeutung wirtschaftlicher Diversifizierung für ressourcenabhängige Volkswirtschaften. Saudi-Arabiens Verwundbarkeit durch niedrige Ölpreise wäre weniger problematisch, wenn die Nicht-Öl-Wirtschaft bereits stärker entwickelt wäre. Die Vision 2030 verfolgt genau dieses Ziel, aber der Transformationsprozess braucht Zeit. Länder, die sich in ähnlichen Situationen befinden, sollten früh mit der Diversifizierung beginnen, idealerweise wenn die Rohstoffpreise noch hoch sind und ausreichend Kapital für Investitionen in alternative Sektoren zur Verfügung steht.

 

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