Der aufgeblähte Staat: Wir machen einfach lustig weiter – Warum Deutschland ein Ausgaben- und kein Einnahmenproblem hat
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Xpert.Digital bei Google bevorzugen ⓘVeröffentlicht am: 31. Mai 2026 / Update vom: 31. Mai 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Der aufgeblähte Staat: Wir machen einfach lustig weiter – Warum Deutschland ein Ausgaben- und kein Einnahmenproblem hat – Bild: Xpert.Digital
Trotz Rekord-Steuern: Wo die Regierung unsere Milliarden wirklich versenkt
65 Milliarden für Bürokratie: Wie der aufgeblähte Staatsapparat Deutschland lähmt
Der Staat wird immer teurer: Warum das wichtigste Sparversprechen ignoriert wird
Deutschland nimmt so viele Steuern ein wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik – und dennoch wächst der Schuldenberg unaufhaltsam weiter. Ein detaillierter Blick in den Bundeshaushalt offenbart ein brisantes Strukturproblem: Während die Politik von Bürgern und Unternehmen Sparsamkeit einfordert, leistet sich der Staat selbst einen beispiellos aufgeblähten Verwaltungsapparat. Entgegen klarer Versprechungen im Koalitionsvertrag, die sächlichen Verwaltungsausgaben drastisch zu senken, explodieren die Kosten für den Eigenbedarf der Ministerien weiter. Eine Rekordverschuldung, ausufernde Bürokratiekosten in Milliardenhöhe und eine Digitalisierungspolitik, die mehr neue Stellen schafft als sie einspart, zeichnen das Bild eines Systems, das den fiskalischen Bezug zur Realität verloren hat. Der folgende Beitrag analysiert, warum Deutschland kein Einnahmen-, sondern ein handfestes Ausgabenproblem hat – und weshalb echte Strukturreformen beim Staat selbst ansetzen müssen, um das Vertrauen der Steuerzahler zurückzugewinnen.
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Versprechen und Wirklichkeit klaffen weit auseinander
Schulden-Rekord statt Sparkurs: Warum der Staat den Gürtel nur bei den Bürgern enger schnallt
Koalitionsverträge in Deutschland haben eine merkwürdige Eigenschaft: Sie werden mit großem Pathos unterzeichnet und dann mit erstaunlicher Konsequenz ignoriert. Die schwarz-rote Bundesregierung, die im April 2025 ihren Vertrag mit dem Titel „Verantwortung für Deutschland“ besiegelte, bildet keine Ausnahme. Darin findet sich eine klare Selbstverpflichtung, die kaum missverständlicher formuliert sein könnte: „Reduzierung aller sächlichen Verwaltungsausgaben aller Einzelpläne (Sicherheitsbehörden ausgenommen) mit dem Ziel eines Abbaus von zehn Prozent bis 2029.“ Eine Selbstverpflichtung, die die Ministerien zu einem ernsthaften Blick in den eigenen Haushaltsspiegel zwingen sollte. Doch wer die aktuellen Zahlen aus dem Bundesfinanzministerium kennt, stellt fest: Der Spiegel zeigt ein ganz anderes Bild.
Allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 lagen die sächlichen Verwaltungsausgaben der Bundesverwaltung um rund 1,1 Milliarden Euro über dem Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr 2026 sind rund 29 Milliarden Euro in diesem Ausgabenbereich veranschlagt. Zum Vergleich: Im Haushaltsjahr 2025 beliefen sich die sächlichen Verwaltungsausgaben auf knapp 24 Milliarden Euro. Wer die politische Arithmetik von Koalitionsversprechen und tatsächlichen Ausgaben miteinander verrechnet, erhält eine unbequeme Differenz.
Wenn Sparpolitik auf dem Papier bleibt
Das Versprechen der Koalition war bei näherer Betrachtung bereits bei seiner Formulierung ambitioniert, aber nicht unrealistisch. Eine Senkung der sächlichen Verwaltungsausgaben um zehn Prozent bis 2029 hätte bedeutet, bei jährlichen Ausgaben in dieser Größenordnung mehrere Milliarden Euro einzusparen. Davon profitieren sollten entweder die Bürger durch niedrigere Abgaben, die Sozialversicherungskassen durch Entlastung oder der Gesamthaushalt durch eine bessere Konsolidierung. Was stattdessen geschieht, ist das genaue Gegenteil: Der Eigenkonsum des Bundes wächst.
Sächliche Verwaltungsausgaben umfassen nach der haushaltsrechtlichen Systematik Aufwendungen für Dienstreisen, Büroausstattung und Gebäudebewirtschaftung, Fuhrparks, die Vergabe von Aufträgen an externe Berater sowie sonstige Sachleistungen des laufenden Betriebs. Es geht also nicht um Subventionen für Unternehmen oder Sozialleistungen für Bürger, sondern um den Betrieb des Staatsapparats für sich selbst. Dass ausgerechnet diese Ausgaben trotz einer expliziten Sparverpflichtung im Koalitionsvertrag in den ersten Monaten der neuen Regierung nach oben gesprungen sind, ist mehr als eine haushaltspolitische Randnotiz. Es ist ein Offenbarungseid.
Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler, hat das Problem in einem Kernsatz zusammengefasst: Deutschland habe kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem. Tatsächlich nimmt der Staat heute mehr Steuern ein als je zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Und trotzdem wird die Neuverschuldung nicht kleiner, sondern größer.
Ein Bundeshaushalt, der jeden Vergleich sprengt
Der Bundeshaushalt 2026 sieht Gesamtausgaben von 524,54 Milliarden Euro vor und wurde mit dieser Rekordsumme Ende November 2025 vom Bundestag beschlossen. Das ist ein Plus von mehr als 20 Milliarden Euro gegenüber den Ausgaben des Jahres 2025, die bei rund 502,55 Milliarden Euro lagen. Die Nettokreditaufnahme beläuft sich auf knapp 98 Milliarden Euro. Eine Neuverschuldung dieses Ausmaßes ist die zweithöchste in der Geschichte der Bundesrepublik.
Für die Bundesregierung trägt dieser Haushalt das Label „Investitionen für die Zukunft“. Tatsächlich sind rund 58 Milliarden Euro als Investitionsausgaben ausgewiesen. Doch ein erheblicher Teil der Ausgabensteigerungen ist konsumtiver Natur, fließt also in laufende Kosten und nicht in den Aufbau von dauerhaftem Kapitalstock. Holznagel formulierte es bei seiner Kritik am Haushaltsentwurf unverblümt: „Überall wird mehr Geld zur Verfügung gestellt, aber es wird nicht gespart. Die Regierung hat den Spardruck einfach wettgemacht durch neue Schulden.“
Hinzu kommen die sogenannten Nebenhaushalte, die Schulden für Infrastruktur, Klimaschutz und Verteidigung außerhalb des Kernhaushalts bündeln. Diese Sondervermögen werden ebenfalls kreditfinanziert und summieren sich auf eine Gesamtverschuldung, die nach Berechnungen des Bundes der Steuerzahler die Schuldenuhr auf ein neues Rekordtempo bringt: von rund 2.800 Euro neuer Schulden pro Sekunde auf voraussichtlich über 5.000 Euro pro Sekunde. Bis 2030 sollen die Bundesausgaben nach den Mittelfristplänen auf bis zu 625 Milliarden Euro steigen, was gegenüber 2019 einem Anstieg von 90 Prozent entspräche.
Die größte Bundesverwaltung in der Geschichte der Republik
Hinter den wachsenden Verwaltungsausgaben steckt ein strukturelles Problem, das durch politische Bekenntnisse bislang nicht gelöst wurde: Die Bundesverwaltung hat ein Rekordhoch bei Stellen und Personal erreicht. Im Jahr 2024 sah der Bundeshaushalt knapp 300.000 Stellen in der Bundesverwaltung vor. Im Jahr 2021 waren es noch über 8.700 weniger. Seit 2015, als die Zahl bei 249.000 lag, ist die Bundesverwaltung um rund 50.000 Stellen gewachsen.
Der Bundesrechnungshof hat in einem Bericht aus dem Jahr 2025 die absurde Situation dokumentiert: Obwohl immer mehr Stellen geschaffen werden, bleibt ein konstanter Anteil von über zehn Prozent dieser Stellen dauerhaft unbesetzt. Zuletzt standen über 30.000 offene Stellen in der Bundesverwaltung in den Büchern. Die sogenannte Stellenschere, also die Lücke zwischen ausgeschriebenen und besetzten Positionen, ist trotz eines chronischen Fachkräftemangels nicht kleiner, sondern in immer mehr Behörden größer geworden. Der Bundesrechnungshof hält diese Praxis für haushaltspolitisch bedenklich: Es werden weiter neue Stellen geschaffen, obwohl vorhandene nicht besetzt werden können.
Darüber hinaus hat der Bundesrechnungshof im Mai 2025 ein weiteres Effizienzproblem benannt: Ministerien und Bundeskanzleramt setzen teilweise mehr als ein Drittel ihres Personals für interne Serviceaufgaben wie Haushalt, Personal und Organisation ein, ohne diese Praxis durch Personalbedarfsanalysen belegt zu haben. Bei einigen Bundesministerien steht damit mehr als ein Drittel der Beschäftigten nicht für ministerielle Kernaufgaben zur Verfügung. Dies ist eine Ressourcenverteilung, die in keinem privatwirtschaftlichen Unternehmen als akzeptabel gelten würde.
Die Staatsquote als Fieberthermometer eines überhitzten Systems
Die Staatsquote, also der Anteil der Staatsausgaben am Bruttoinlandsprodukt, ist ein viel diskutierter Maßstab für das Verhältnis von staatlicher Aktivität zur gesamtwirtschaftlichen Leistung. In Deutschland lag sie im Jahr 2025 bei 50,3 Prozent. In den Jahren 2020 und 2021 war sie infolge der Coronapandemie auf über 50 Prozent gestiegen und hatte sich danach kurzzeitig erholt, bevor sie 2025 erneut diese Schwelle überschritt. Für 2026 sind leichte Rückgänge zu erwarten, doch das strukturelle Niveau bleibt hoch.
Eine Staatsquote von über 50 Prozent bedeutet, dass mehr als die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes durch staatliche Hände fließt oder von staatlichen Entscheidungen abhängt. Das ist kein Zeichen wirtschaftlicher Stärke, sondern ein Signal für die schleichende Verdrängung privater Aktivität durch öffentliche Ausgaben. Die Abgabenquote, also der Anteil von Steuern und Sozialabgaben am BIP, erreichte im Jahr 2025 mit 41,5 Prozent einen historischen Rekordwert. Für Arbeitnehmer und Unternehmen bedeutet das eine Last, die im internationalen Vergleich zu den höchsten weltweit zählt.
Was die Bürokratie kostet: 65 Milliarden Euro und mehr
Neben den direkten Verwaltungsausgaben des Bundes verursacht die staatliche Regulierung enorme Folgekosten in der Privatwirtschaft. Nach Berechnungen des Nationalen Normenkontrollrats belaufen sich die Bürokratiekosten für Unternehmen in Deutschland auf rund 65 Milliarden Euro jährlich. Dieser Wert erfasst nur die Kosten aus bundesrechtlichen Vorgaben und schließt europarechtliche Anforderungen nur teilweise ein. Das Statistische Bundesamt registrierte Anfang 2025 exakt 12.390 Informationspflichten, denen Unternehmen gegenüber staatlichen Stellen nachkommen müssen.
Das ifo-Institut hat die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten der Bürokratie in Deutschland weit höher angesetzt: Durch die überbordende Regelungsdichte entgehen Deutschland jährlich bis zu 146 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung. Dabei ist allein der Aufholeffekt bei der Verwaltungsdigitalisierung enorm: Würde Deutschland beim Digitalisierungsgrad seiner öffentlichen Verwaltung auf das Niveau Dänemarks aufschließen, wäre die jährliche Wirtschaftsleistung um 96 Milliarden Euro höher. Das sind Zahlen, die verdeutlichen, warum Bürokratieabbau keine bürokratische Randaufgabe ist, sondern ein zentrales Wachstumsprojekt.
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Wie Digitalisierung 350.000 Stellen ersetzen könnte – und warum Deutschland es nicht nutzt
Digitalisierung als verkannte Einsparchance
Besonders symptomatisch für das Strukturproblem der deutschen Verwaltung ist der Umgang mit der Digitalisierung. Während nahezu alle politischen Akteure Digitalisierung als Heilmittel beschwören, zeigt die Realität ein anderes Bild: In der Bundesverwaltung hat die Digitalisierung bislang nicht zu Stellenabbau, sondern zu Stellenaufbau geführt. Neue IT-Systeme wurden eingeführt, die Belegschaft aber nicht entsprechend reduziert. Das Ergebnis ist eine additive Modernisierung, bei der alte analoge Prozesse und neue digitale Infrastruktur parallel betrieben werden.
Das Vodafone-Institut für Gesellschaft und Kommunikation hat in einem Gutachten berechnet, dass eine konsequente Implementierung digitaler Lösungen in der öffentlichen Verwaltung bis 2035 das Fehlen von bis zu 350.000 Beschäftigten im öffentlichen Sektor kompensieren könnte. Derzeit sind in Deutschland rund 5,4 Millionen Menschen im öffentlichen Dienst beschäftigt. Allein durch konsequente Digitalisierung wären 46 Millionen Arbeitsstunden jährlich einsparbar. Stattdessen wird – ähnlich wie oft im Gesundheitswesen – in vielen Verwaltungseinheiten nach wie vor dieselbe Information dreimal auf Papier erfasst, bevor sie schließlich einmal in ein System eingegeben wird. (Anmerkung: Referenz zum nicht vorhandenen Krankenhausbeispiel für den logischen Textfluss leicht geglättet)
Das Kernproblem ist struktureller Natur: In bürokratischen Systemen besteht kein Anreizmechanismus für Effizienz. Das Budget eines Amtes wächst mit der Zahl seiner Mitarbeiter, der Status eines Behördenleiters steigt mit der Größe seiner Organisationseinheit. Kosteneinsparungen werden nicht belohnt, sondern führen im nächsten Haushaltsjahr zu Kürzungen. Digitalisierung wird deshalb nicht als Werkzeug zur Verschlankung genutzt, sondern als Argument für mehr Ressourcen.
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Bundesländer: 16 Parallelwelten der Verwaltungsineffizienz
Die Kritik an ineffizienten Verwaltungsstrukturen betrifft nicht nur den Bund, sondern das gesamte föderale Gefüge. Jedes der 16 Bundesländer betreibt eigene Ministerien, eigene IT-Infrastrukturen und eigene Verwaltungsprozesse, die sich in wesentlichen Elementen unterscheiden. Das führt zu einer Vervielfachung von Aufwänden, die in einem einheitlichen System überflüssig wären. Softwaresysteme werden 16-fach entwickelt, beschafft und gewartet, obwohl eine gemeinsame Plattform für Standardaufgaben wie Kfz-Anmeldung, Ummeldung oder Antragsverfahren weit effizienter wäre.
Der Gedanke, aus 16 Länderverwaltungen drei oder vier konsolidierte Einheiten zu schaffen, klingt für manchen nach Utopie. Tatsächlich ist er eine betriebswirtschaftliche Selbstverständlichkeit, die nur an politischen Besitzständen scheitert. Eine einheitliche Steuer-ID als Identifikationsgrundlage für alle Behördengänge, eine Multifunktionskarte für Gesundheit, Personalausweis und Behördenkommunikation, ein Datensatz pro Bürger statt zehn Formulare für denselben Sachverhalt: Diese Konzepte liegen vor. Umgesetzt werden sie kaum, weil ihre Einführung Stellen kostet, die heute Mandate und Budgets tragen.
Der Maßstab des Privatsektors und warum er für den Staat gelten muss
Ein Industrieunternehmen, das trotz steigender Einnahmen immer höhere Schulden aufnimmt, seine Overheadkosten unkontrolliert wachsen lässt und gleichzeitig Effizienzversprechen gegenüber seinen Eigentümern nicht einhält, würde von Investoren rasch sanktioniert. Kreditratingagenturen würden die Bonität absenken, Gläubiger höhere Zinsen verlangen, Aktionäre das Management infrage stellen. Staatliche Verwaltungen unterliegen diesem Druck nicht. Der Eigentümer des Staates, also der Steuerzahler, hat keine direkten Sanktionsmöglichkeiten zwischen den Wahlterminen. Dieses Kontrollproblem ist fundamental.
Während Pflegeeinrichtungen jeden Personalantrag rechtfertigen müssen, Krankenhäuser unter Kostendruck ihre Strukturen radikal reformieren und mittelständische Unternehmen bei steigenden Lohnkosten und sinkenden Margen jeden Euro zweimal umdrehen, gilt für staatliche Strukturen ein anderer Maßstab. Der öffentliche Dienst wächst in seiner Personalstärke trotz oder gerade wegen dieser strukturellen Immunität gegen Marktdruck. Die Personalausgaben des Bundes stiegen in den vergangenen zehn Jahren auf über 43 Milliarden Euro jährlich und haben sich damit nahezu verdoppelt.
Dass ausgerechnet in dieser Lage die Koalition im Koalitionsvertrag zehn Prozent Einsparung bei Verwaltungsausgaben bis 2029 versprochen und die Zahlen aus den ersten Haushaltsmonaten das Gegenteil belegen, ist kein technisches Haushaltsproblem. Es ist ein Glaubwürdigkeitsproblem von grundlegender politischer Tragweite.
Gesundheitswesen und soziale Infrastruktur tragen die Zeche
Die unmittelbaren Konsequenzen explodierender Staatsausgaben ohne korrespondierende Einsparbemühungen treffen vor allem diejenigen, die auf staatliche Leistungen angewiesen sind. Die Sozialversicherungskassen kämpfen mit strukturellen Defiziten. Die Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung, im Koalitionsvertrag zugesagt, wurde nicht umgesetzt. Masterabsolventen der Psychotherapie können ihre Weiterbildung nicht beginnen, weil die notwendigen Mittel fehlen. Die Versorgungsengpässe in der Kinder- und Jugendpsychotherapie wachsen, während der Verwaltungsapparat sich selbst weiter alimentiert.
Das ist der strukturelle Widerspruch des aufgeblähten Staates: Je mehr er für sich selbst ausgibt, desto weniger bleibt für die Leistungen übrig, um derentwillen er existiert. Eine Verschiebung von Milliarden aus produktiven Investitionen und sozialen Versorgungsleistungen hin zu Verwaltungskosten und Bürokratiepflege ist eine politische Entscheidung, auch wenn sie selten als solche kommuniziert wird.
Was echte Strukturreformen bedeuten würden
Eine ernsthafte Reform des deutschen Staatsapparats hätte mehrere Dimensionen, die weit über einen Zehn-Prozent-Sparbeschluss bei sächlichen Verwaltungsausgaben hinausgehen. Erstens wäre eine konsequente Aufgabenkritik erforderlich: Welche staatlichen Aufgaben sind tatsächlich notwendig, welche sind historisch gewachsene Relikte ohne heutigen Mehrwert? Zweitens müsste die föderale Doppelstruktur bei Standardverwaltungsleistungen konsolidiert werden, mit gemeinsamen IT-Plattformen, einheitlichen Datensätzen und Schnittstellen. Drittens braucht die Verwaltungsdigitalisierung echte Stellenabbauziele, keine additiven Modernisierungen bei gleichem Personalstand.
Viertens müsste das Prinzip gelten: Neue Stellen nur bei nachgewiesenem Bedarf und gleichzeitiger Überprüfung bestehender Kapazitäten. Der Bundesrechnungshof hat dies für die Bundesministerien ausdrücklich gefordert. Fünftens wäre ein ernsthaftes Bürokratieabbaugesetz notwendig, das nicht nur bestehende Pflichten marginal reduziert, sondern ganze Regelungsbereiche überprüft und gegebenenfalls streicht. Das Bürokratieentlastungsgesetz IV soll Unternehmen um eine Milliarde Euro entlasten, während allein die neue EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Mehrkosten von 1,3 Milliarden Euro verursacht. Dieser Nettosaldo spricht für sich.
Vertrauen zurückgewinnen bedeutet, bei sich selbst anzufangen
Die eigentliche politische Frage hinter den Verwaltungskosten ist die nach der Glaubwürdigkeit des Staates als Treuhänder von Steuermitteln. Wenn die Bundesregierung gleichzeitig von Bürgern und Betrieben Sparbeiträge erwartet, neue Belastungen bei Sozialabgaben und Steuern diskutiert und dabei selbst die Koalitionszusagen zur Ausgabenreduzierung im eigenen Apparat ignoriert, entsteht eine Legitimationslücke, die schwer zu schließen ist. Der viel zitierte Satz des Koalitionsvertrags zur Verwaltungseinsparung ist im Wortlaut klar und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Die Diskrepanz zur fiskalischen Realität ist messbar.
Deutschland nimmt heute mehr Steuern ein als zu irgendeinem früheren Zeitpunkt seiner Geschichte. Die Abgabenquote befindet sich auf Rekordniveau. Gleichzeitig wächst die Staatsverschuldung, wächst der Verwaltungsapparat und wachsen die Bürokratiekosten für Unternehmen. Diese Trias beschreibt nicht das Bild eines effizienten, modernen Staates, sondern das eines Systems, das sich trotz hoher Einnahmen nicht zu reformieren vermag. Das Sparbuch liegt auf dem Tisch. Den Rotstift anzusetzen, beginnt nicht beim Bürger, sondern dort, wo das Geld verwaltet wird.
















