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Trumps Zölle fordern Tribut: US-Unternehmen melden reihenweise Insolvenz an

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Veröffentlicht am: 29. Januar 2026 / Update vom: 29. Januar 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Trumps Zölle fordern Tribut: US-Unternehmen melden reihenweise Insolvenz an

Trumps Zölle fordern Tribut: US-Unternehmen melden reihenweise Insolvenz an – Bild: Xpert.Digital

Statt Job-Boom melden hunderte Firmen Konkurs an

„Das Eigentor Amerikas“: Experten fällen vernichtendes Urteil über Trumps erstes Amtsjahr

Donald Trumps Vision bei seinem Amtsantritt im Januar 2025 war gewaltig: Ein goldenes Zeitalter der amerikanischen Wirtschaft sollte anbrechen, geschützt durch hohe Zollmauern und getragen von wiederbelebter heimischer Produktion. Der selbsternannte „größte Job-Präsident“ versprach sinkende Preise und blühende Landschaften. Doch ein Jahr später holt die Realität die Versprechen gnadenlos ein – mit verheerenden Folgen auf beiden Seiten des Atlantiks.

Die Bilanz der „Trumpomics 2.0“ liest sich ernüchternd: Statt des erhofften Booms erlebt die US-Wirtschaft eine historische Insolvenzwelle. Über 700 Unternehmen haben bereits aufgegeben, traditionsreiche Einzelhändler schließen ihre Pforten, und der einst robuste US-Arbeitsmarkt schwächelt so stark wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Besonders bitter: Die aggressiven Zölle, die eigentlich ausländische Konkurrenten treffen sollten, entwickeln sich zum Bumerang für den amerikanischen Mittelstand.

Doch die Schockwellen machen an den US-Grenzen nicht halt. Auch die deutsche Exportwirtschaft, insbesondere die Automobil- und Maschinenbaubranche, spürt den protektionistischen Gegenwind mit voller Wucht. Sinkende Exporte und trübe Wachstumsprognosen alarmieren Experten, während Verbraucher in den USA mit steigenden Preisen kämpfen müssen.

Dieser Artikel analysiert detailliert, warum die Rechnung der US-Regierung nicht aufgeht, welche Branchen am Abgrund stehen und warum Experten von einem „wirtschaftlichen Eigentor“ sprechen, das die globale Ökonomie nachhaltig verändern könnte.

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Welche Versprechen hat Trump zur Wirtschaft gemacht und warum geraten sie in die Kritik?

Donald Trump versprach bei seinem Amtsantritt im Januar 2025 einen beispiellosen Wirtschaftsboom für die Vereinigten Staaten. Der Präsident kündigte an, der „größte Job-Präsident zu werden, den Gott je geschaffen hat” und versprach, die Inflation zu besiegen, die Lebenshaltungskosten zu senken und Millionen neue Arbeitsplätze zu schaffen. Mit seiner aggressiven Zollpolitik wollte Trump die heimische Produktion stärken, das Handelsbilanzdefizit reduzieren und amerikanische Arbeitsplätze zurückholen.

Die Realität sieht jedoch deutlich anders aus. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt sind die wirtschaftlichen Kennzahlen ernüchternd. Statt der versprochenen Millionen neuer Jobs entstanden 2025 lediglich 584.000 neue Arbeitsplätze – das schwächste Jahr seit 2009, abgesehen von der Corona-Pandemie. Die Arbeitslosenquote stieg bis Dezember 2025 auf 4,6 Prozent, den höchsten Stand seit vier Jahren. Besonders dramatisch ist die Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe, das Trump eigentlich stärken wollte: Allein im November 2025 wurden 8.000 Industriejobs abgebaut.

Die versprochene Senkung der Lebenshaltungskosten ist ebenfalls ausgeblieben. Stattdessen stiegen die Preise weiter, und die Inflation verharrte bei 2,7 Prozent. Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Chuck Schumer, warf Trump vor, seine zentralen Wahlversprechen nicht eingelöst zu haben: „Er hat versprochen, die Kosten vom ersten Tag an zu senken. Und die Kosten steigen und steigen und steigen”.

Wie viele US-Unternehmen sind tatsächlich in die Insolvenz gegangen?

Die Zahlen sind alarmierend: Mehr als 700 US-Unternehmen meldeten 2025 Insolvenz an – der höchste Stand seit 2010 und ein Anstieg von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im dritten Quartal 2025 allein stiegen die Insolvenzen von 23.043 auf 24.039 Fälle. Besonders bemerkenswert ist die Verschiebung der betroffenen Branchen: Anders als in früheren Jahren, als hauptsächlich Einzelhändler betroffen waren, traf es 2025 vor allem den Industriesektor – Unternehmen aus Fertigung, Transport und Logistik.

In der ersten Jahreshälfte 2025 gab es 17 bedeutende Insolvenzen von Unternehmen mit Vermögenswerten über einer Milliarde Dollar. Die Gesamtzahl der Insolvenzen übertrifft damit das Niveau vor der Pandemie und markiert einen Wendepunkt in der US-Wirtschaft. Experten führen diese dramatische Entwicklung auf eine Kombination aus hohen Zinsen, anhaltenden Kostenpressionen, Inflation und insbesondere auf die Auswirkungen der Trump’schen Zollpolitik zurück.

Welche Branchen sind besonders von den Insolvenzen betroffen?

Der Einzelhandel wurde besonders hart getroffen. Über 8.000 Filialen von Handelsketten schlossen 2025 ihre Türen. Zu den prominentesten Opfern zählen Party City, das nach fast 40 Jahren im Geschäft im Dezember 2024 alle rund 700 Filialen schloss, und Big Lots, das ebenfalls seine gesamten verbleibenden Standorte aufgab. Die Modeschmuckkette Claire’s meldete im August 2025 zum zweiten Mal Insolvenz an und kündigte die Schließung hunderter Filialen an. Im Januar 2026 folgte mit Saks Global eine der größten Einzelhandelsinsolvenzen seit der Corona-Pandemie – das Luxuswarenhaus-Konglomerat, das erst 2024 durch die Fusion von Saks Fifth Avenue, Neiman Marcus und Bergdorf Goodman entstanden war, musste Gläubigerschutz beantragen.

Besonders dramatisch ist die Situation bei kleineren Unternehmen. Der Schuhhersteller Crocs verlor nach einer Gewinnwarnung 30 Prozent seines Börsenwerts und bezifferte die Belastung durch die Zölle auf 40 Millionen Dollar. Auch Traditionsketten wie Joann Fabrics und Rite Aid meldeten innerhalb kurzer Zeit mehrfach Insolvenz an.

Anders als in vergangenen Jahren traf es 2025 jedoch vor allem den Industriesektor. Unternehmen aus Fertigung, Transport und Logistik litten besonders unter den Zollkosten. Der Grund: Viele dieser Firmen sind auf importierte Rohstoffe und Komponenten angewiesen, deren Preise durch die Zölle massiv gestiegen sind. Laut einer Analyse sind kleine Einzelhändler mit Vermögenswerten unter 50 Millionen Dollar besonders gefährdet – ihre Gewinnmargen rutschten ins Minus, und 36 Prozent von ihnen gelten als akut insolvenzgefährdet, verglichen mit nur 12 Prozent bei größeren Einzelhändlern.

Wie wirken sich die Zölle auf kleine und mittelständische Unternehmen aus?

Für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) entwickeln sich Trumps Zölle zur existenziellen Bedrohung. Anders als Großkonzerne verfügen KMU weder über die finanziellen Ressourcen noch über die globalen Lieferketten-Strukturen, um die Zollbelastungen zu absorbieren. Die Zahlen sind eindeutig: 97 Prozent aller US-Importeure sind kleine Unternehmen, und 88 Prozent der kleinen Firmen sind auf Importe für ihre Produkte und Dienstleistungen angewiesen.

Die finanzielle Belastung ist präzise kalkulierbar und brutal: Ein durchschnittliches Kleinunternehmen mit einem Jahresumsatz von 1,2 Millionen Dollar kann durch die Zollvolatilität 10 bis 15 Prozent seines Umsatzes verlieren. Die jährlichen Zusatzkosten durch die Handelspolitik belaufen sich für ein typisches Kleinunternehmen auf 856.000 Dollar. Gleichzeitig haben nur 37 Prozent dieser Unternehmen Zugang zu Geschäftskrediten, um diese Turbulenzen zu überstehen.

Ein dramatisches Beispiel ist die Geschäftsführerin Beth Benike von Baby Tula, einem kleinen Unternehmen, das Babyprodukte vertreibt. Die Transportkosten ihrer Waren aus China wurden durch die 145-prozentigen Zölle unbezahlbar – Produktionskosten von 160.000 Dollar standen auf dem Spiel. „Ich habe große Angst um mein Unternehmen und um alle kleinen Betriebe in den USA”, erklärte sie verzweifelt. „Ich könnte mein Haus verlieren”.

Die Situation wird durch die ständigen Politikwechsel verschärft. In den vergangenen zwölf Monaten gab es acht größere Zollanpassungen – ein „Policy Whiplash”, den große Konzerne mit Handelskonsultanten und Rechtsabteilungen navigieren können, kleine Unternehmen jedoch nicht. Banken verlangen für Kreditgenehmigungen mehrjährige Geschäftspläne, doch wenn die Zölle auf Inputs jedes Quartal zwischen 0 und 145 Prozent schwanken können, werden Finanzprognosen bedeutungslos. Das Ergebnis ist eine Kreditwüste für kleine Unternehmen.

Eine Gruppe von Kleinunternehmern hat sich zusammengeschlossen und im April 2025 Klage gegen die Trump-Regierung eingereicht. Die fünf betroffenen Firmen argumentieren, dass keine nationale Notlage existiere, die die extremen Zölle rechtfertigen könne. Doch selbst wenn sie Erfolg haben sollten, könnte es Jahre dauern, bis die Klage durch die Gerichte gegangen ist – Zeit, die viele Unternehmen nicht haben.

Welche konkreten Zölle hat Trump eingeführt?

Die Zollpolitik der Trump-Administration ist komplex und umfasst zahlreiche Produktkategorien und Länder. Für die Europäische Union gilt seit September 2025 ein allgemeiner Zollsatz von 15 Prozent auf die meisten Waren. Besonders hart trifft es die Automobilindustrie: Auf Fahrzeuge und Fahrzeugteile werden ebenfalls 15 Prozent erhoben, nachdem Trump ursprünglich 25 Prozent angekündigt hatte.

Extremer sind die Zölle auf Stahl und Aluminium: Hier werden pauschal 50 Prozent fällig – und dies gilt nicht nur für reine Stahlprodukte, sondern auch für den Stahlanteil in anderen Waren wie Maschinen. Diese Regelung trifft den deutschen Maschinenbau besonders hart.

China als Hauptkonkurrent der USA wurde noch schärfer sanktioniert. Die Zölle auf chinesische Waren stiegen zeitweise auf bis zu 145 Prozent. Nach intensiven Verhandlungen und einem Deal im Sommer 2025 stabilisierten sich die China-Zölle bei etwa 30 Prozent für die meisten Produkte, doch für bestimmte Kategorien wie Halbleiter gelten weiterhin 25 Prozent oder mehr.

Andere Länder wurden ebenfalls nicht verschont. Südkorea sah sich im Januar 2026 mit einer Erhöhung der Zölle von 15 auf 25 Prozent konfrontiert, weil das südkoreanische Parlament ein bereits ausgehandeltes Handelsabkommen nicht ratifiziert hatte. Besonders brisant sind die im Januar 2026 angekündigten zusätzlichen Zölle im Zusammenhang mit dem Grönland-Konflikt: Deutschland und sieben weitere europäische Staaten sollen gestaffelte Zusatzzölle von 10 Prozent ab Februar und 25 Prozent ab Juni 2026 zahlen.

Trump rechtfertigte seine Zölle mit Verweis auf die „nationale Sicherheit” gemäß Section 232 des Trade Expansion Act von 1962 sowie mit dem International Emergency Economic Powers Act (IEEPA). Zusätzlich führte er sogenannte „reziproke Zölle” ein, die sich am jeweiligen Handelsüberschuss der Länder gegenüber den USA orientieren sollten.

Wie stark trifft die Zollpolitik die deutsche Wirtschaft?

Die Auswirkungen auf Deutschland sind massiv. Die deutschen Exporte in die USA brachen in den ersten elf Monaten 2025 um 9,4 Prozent auf 135,8 Milliarden Euro ein. Besonders dramatisch ist die Situation in der Automobilindustrie, traditionell eine der Säulen der deutschen Exportwirtschaft: Die Ausfuhren von Autos und Autoteilen fielen um 17,5 Prozent auf 26,9 Milliarden Euro. Im Maschinenbau sanken die Exporte um 9 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro. Einzig die Pharmaindustrie konnte ihre Exportzahlen mit einem Plus von 0,7 Prozent auf 26,2 Milliarden Euro stabil halten.

Die volkswirtschaftlichen Kosten sind beträchtlich. Das ifo-Institut beziffert die negativen Wachstumseffekte der US-Zölle für die deutsche Wirtschaft auf 0,3 Prozentpunkte in 2025 und prognostiziert 0,6 Prozentpunkte für 2026. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung geht davon aus, dass Deutschland in den ersten beiden Jahren nach Einführung der Zölle Wachstumseinbußen in Höhe von mehr als einem Prozent des BIP hinnehmen muss.

Die deutschen Unternehmen spüren die Belastung direkt. Der Volkswagen-Konzern wurde in den ersten neun Monaten 2025 mit 2,1 Milliarden Euro belastet. VW-Chef Oliver Blume erklärte dem Handelsblatt, dass das erwogene Audi-Werk in den USA bei unveränderter Zollbelastung nicht finanzierbar sei und verlässliche Rahmenbedingungen fordere.

Die deutsche Industrie insgesamt sieht sich massiv betroffen. Laut einer ifo-Umfrage vom Juni 2025 berichten insbesondere Unternehmen im stark exportorientierten Maschinenbau am häufigsten von negativen Auswirkungen durch die Zollpolitik – ein Viertel der Maschinenbauunternehmen sieht sich sogar von sehr negativen Effekten betroffen. Ähnlich dramatisch ist die Situation in der Metallerzeugung und -bearbeitung, wo rund 70 Prozent negative Auswirkungen angeben.

Ein besonders problematisches Phänomen sind die indirekten Effekte: China überholt die USA wieder als wichtigsten Handelspartner Deutschlands, da der Handelsumsatz mit der Volksrepublik in den ersten elf Monaten 2025 bei 230,8 Milliarden Euro lag, während er mit den USA nur noch 222,8 Milliarden Euro betrug. Gleichzeitig befürchtet die deutsche Stahlindustrie massive Mengenumleitungen: Wenn chinesischer und anderer Stahl aufgrund der US-Zölle nicht mehr in die USA exportiert werden kann, droht eine Überflutung des europäischen Markts.

Welche deutschen Branchen sind am stärksten betroffen?

Die Automobilindustrie steht an vorderster Front der Betroffenen. Die USA zählen traditionell zu den wichtigsten Auslandsmärkten für deutsche Premiumhersteller wie Porsche, BMW und Mercedes. Die Zölle trafen die Branche härter und früher als andere Sektoren – zunächst mit 27,5 Prozent, die nach dem EU-USA-Deal im August 2025 auf 15 Prozent sanken, was immer noch sechsmal so viel ist wie die vorherigen 2,5 Prozent. Autoexperte Stefan Bratzel warnt: „Trump hat die Autoindustrie in Deutschland und in Europa massiv getroffen. Mit seinen Zöllen verstärkt er den Trend, dass Autos immer mehr da gebaut werden, wo sie verkauft werden. Für unsere exportorientierte Autoindustrie ist das ein völliges Erodieren ihres klassischen Geschäftsmodells”.

Der Maschinenbau leidet unter einer doppelten Belastung: Einerseits treffen ihn die allgemeinen Zölle von 15 Prozent, andererseits berechnen die Amerikaner die 50-prozentigen Stahlzölle auch auf den Stahlanteil in Maschinen. Das Ergebnis: Die Produktion im deutschen Maschinenbau schrumpfte das dritte Jahr nacheinander, was zu Jobabbau und Kurzarbeit in vielen Betrieben führte.

Die Stahlindustrie sieht sich mit den höchsten Zöllen von 50 Prozent konfrontiert. In den ersten zehn Monaten 2025 schrumpften die Stahlexporte in die USA um elf Prozent. Die direkten Auswirkungen für Deutschland mögen begrenzt sein, da die USA kein so bedeutendes Ziel für EU-Stahl- und Aluminiumexporte darstellen, doch die indirekten Effekte durch Mengenumleitungen bereiten der Branche größere Sorgen.

Die Chemie- und Pharmaindustrie ist ebenfalls betroffen, wobei die Pharmaunternehmen bislang ihre Exportzahlen noch stabilisieren konnten. Experten warnen jedoch, dass besonders Pharmaexporteure um ihr US-Geschäft bangen müssen, da auch in diesem Bereich Zollerhöhungen drohen.

Der Medizintechniksektor steht vor besonderen Herausforderungen. Medizinprodukte, die zuvor praktisch zollfrei waren, unterliegen nun Zöllen von 20 Prozent für Importe aus der EU. Die globalen Lieferketten der Branche – ein einzelnes Gerät kann japanische Elektronik, deutsche Präzisionsteile und US-Software enthalten, in Mexiko montiert und in Irland sterilisiert werden – werden an jeder Station durch Zölle belastet.

Interessant ist, dass auch kleinere Branchen wie Lebensmittel und Landwirtschaft (1,6 Prozent der Exporte), medizinische Geräte (7,4 Prozent), Schmuck und Textilien (jeweils 1,2 Prozent) sowie elektronische Geräte betroffen sind. Die Exportwirtschaft insgesamt sieht sich mit einer fundamentalen Unsicherheit konfrontiert, die Investitionen hemmt und Planungen erschwert.

 

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Amerikas Eigentor: Wie eine umstrittene Politik die eigene Wirtschaft zu ruinieren droht“

Wie entwickeln sich die deutschen Insolvenzzahlen?

Auch in Deutschland steigen die Unternehmensinsolvenzen deutlich an. Für 2025 erwartet Allianz Trade einen Anstieg um elf Prozent auf 24.320 Fälle – eine Zunahme, die doppelt so hoch ist wie der internationale Durchschnitt. Für 2026 prognostiziert das Unternehmen eine weitere Stabilisierung auf hohem Niveau mit einem Plus von einem Prozent auf einen Höchststand von 24.500 Unternehmensinsolvenzen. Erst für 2027 wird eine signifikante Trendwende mit einem Rückgang um vier Prozent erwartet.

Die Allianz Trade hatte ihre Prognose im Oktober 2025 deutlich nach oben korrigiert: Ursprünglich war das Unternehmen für 2026 von einem Anstieg um nur drei Prozent ausgegangen, doch aufgrund der wachsenden Risiken von Zahlungsausfällen wird nun ein globaler Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um fünf Prozent erwartet. Als wesentlicher Faktor für diese negative Entwicklung werden die von den USA eingeführten Einfuhrzölle genannt, die Exporteuren massive Schwierigkeiten bereiten.

Besonders alarmierend ist die Warnung der Allianz-Experten vor Dominoeffekten: Die wachsende Zahl an Insolvenzen bei großen Unternehmen könnte das Risiko von Kettenreaktionen erhöhen. Im internationalen Vergleich werden die Auswirkungen besonders deutlich: In Kanada könnten im schlimmsten Szenario bis zu 1.900 zusätzliche Insolvenzen auftreten, in Frankreich 6.000, in Spanien 10.000 und in den Niederlanden 700.

Deutschland wird zwar als weniger stark betroffen eingeschätzt als einige andere Länder, doch die Lage bleibt angespannt. Die Unternehmen, die 2025 Insolvenz anmelden mussten, reichen von der Wohnimmobilienfirma Ziegert Group über das Chemieunternehmen Venator Germany bis zur Schuhhandelskette Görtz. Auch der traditionsreiche Autozulieferer Brose, ein bedeutender Anbieter von Türschließsystemen für die Autoindustrie, musste Insolvenz anmelden.

Miro Bartz von Allianz Trade in Wien, Österreich und der Schweiz sieht jedoch einen Lichtblick am Ende des Insolvenz-Tunnels für Deutschland: Nach dem Höchststand 2026 sei eine Entspannung in Sicht. Dies hängt jedoch stark davon ab, ob sich die handelspolitischen Rahmenbedingungen stabilisieren und die Zollbelastungen nicht weiter verschärft werden.

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Wie wirken sich die Zölle auf die Inflation und Verbraucherpreise aus?

Die Frage, wer letztendlich die Kosten der Zölle trägt, ist zentral für die Bewertung der Trump’schen Handelspolitik. Eine Studie des Kiel Instituts für Weltwirtschaft kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: 96 Prozent der Zollkosten werden von amerikanischen Importeuren und Verbrauchern getragen. Diese Erkenntnis widerspricht direkt der Darstellung der Trump-Administration, die stets behauptet hat, ausländische Exporteure würden die Zölle bezahlen.

Die konkreten Auswirkungen auf amerikanische Haushalte sind erheblich. Das Budget Lab der Yale University schätzt, dass die Zölle zu einem Preisanstieg von 1,3 Prozent führen, was einem durchschnittlichen Einkommensverlust von etwa 1.751 Dollar pro Haushalt entspricht. Andere Analysen gehen von zusätzlichen jährlichen Kosten zwischen 1.300 und 2.100 Dollar pro Haushalt aus.

Die Österreichische Nationalbank (OeNB) prognostiziert, dass die US-Zölle die Inflationsrate in den USA 2025 um circa 0,8 Prozentpunkte erhöhen würden. Für 2026 warnen Experten vor einem weiteren Anstieg: Die Inflationsrate könnte sogar über vier Prozent steigen, da die verzögerte Wirkung der Zölle, ein angespannter Arbeitsmarkt und eine expansive Fiskalpolitik zusammenwirken.

Interessant ist der zeitliche Verlauf der Preiseffekte. Anfangs blieb die Inflation trotz der Zölle relativ stabil bei 2,7 Prozent, was die Trump-Administration als Beweis dafür anführte, dass die Kritiker falsch lägen. Doch Ökonomen erklärten, dass die Anpassungsprozesse „langsamer als erwartet” verlaufen würden. Eine Analyse der St. Louis Federal Reserve ergab, dass Unternehmen im Frühsommer 2025 bereits 35 Prozent der Zollkosten an die Verbraucher weitergaben, während Goldman Sachs schätzt, dass diese Quote auf bis zu 55 Prozent steigen könnte.

Amazon-Chef Andy Jassy bestätigte im Januar 2026 beim Weltwirtschaftsforum in Davos, dass die Zollpolitik die Verbraucherpreise in den USA allmählich steigen lasse. Der Online-Händler hatte zwar erhebliche Warenbestände aufgebaut, bevor die Zölle in Kraft traten, doch diese Reserven gingen im Herbst aus, sodass die Zölle nun auch in die Preise „kriechen”.

Für die Eurozone prognostiziert die OeNB hingegen eine um 0,2 Prozentpunkte geringere Inflationsrate für 2025, da hier die negativen Wachstumseffekte der US-Zölle dominieren und inflationsdämpfend wirken. Gleichzeitig ist mit vermehrten Importen aus China zu rechnen, weil China weniger in die USA exportieren kann, was ebenfalls preisdämpfend wirkt.

Wie reagiert die US-Wirtschaft insgesamt auf die Zollpolitik?

Die makroökonomischen Auswirkungen der Trump’schen Zollpolitik auf die US-Wirtschaft selbst sind erheblich – und das in negativer Hinsicht. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung hat in Simulationsrechnungen ermittelt, dass die USA bis zu fünf Prozent ihrer Wirtschaftsleistung einbüßen könnten. Im Szenario „Trump 2″, das kräftigere Zollerhöhungen und chinesische Vergeltungsmaßnahmen einschließt, läge das US-BIP Ende 2025 um knapp vier Prozent niedriger als ohne Zölle, im vierten Quartal 2026 sogar um mehr als fünf Prozent.

„Bemerkenswert ist, wie hart die US-Ökonomie in diesem Szenario getroffen wird”, betonen die IMK-Forschenden. Die Hauptgründe: Die Konsumentenpreise steigen, sodass die Kaufkraft der US-Privathaushalte sinkt. Zugleich dürfte die steigende Inflation die US-Notenbank zu einem restriktiveren Kurs veranlassen.

Die Arbeitsmarktzahlen untermauern diese düsteren Prognosen. Mit nur 584.000 neuen Arbeitsplätzen war 2025 das schwächste Jahr seit 2009. Die hohen Zölle, die eigentlich Industriearbeitsplätze „zurückbringen” sollten, haben das Gegenteil bewirkt: Seit April 2025 sinkt die Zahl der Industriejobs kontinuierlich. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bezifferte bereits 2020 die Verluste durch Trumps erste Zollrunde auf etwa 75.000 Arbeitsplätze. Ökonomen machen die Zölle für die aktuell höheren Produktionskosten verantwortlich, die Investitionen bremsen.

Interessanterweise hat sich das Handelsdefizit der USA trotz der Zölle kaum verändert. Die IMK-Simulationen zeigen, dass sich die US-Handelsbilanz gerade mal um 0,2 Prozentpunkte verbessert. Der Grund liegt in komplexen wirtschaftlichen Zusammenhängen: Zwar gehen die Importe zurück, doch es kommt auch zu einer Aufwertung des US-Dollars, die Importe wieder billiger und Exporte teurer macht, was der Handelsbilanz entgegenwirkt.

Das Wharton Budget Model der University of Pennsylvania kommt in einer detaillierten Analyse zu dem Schluss, dass Trumps Zölle das BIP bis 2054 um etwa 5,1 Prozent reduzieren würden. Die Kombination aus verringertem Privatkapital und weniger geleisteten Arbeitsstunden führt zu diesem deutlichen Produktionsrückgang. Selbst die zusätzlichen Zolleinnahmen, die die Staatsschulden reduzieren helfen, können diesen Effekt nicht ausgleichen.

Ein Vergleich ist besonders aufschlussreich: Würde man statt der Zölle die Körperschaftssteuer erhöhen, um die gleichen Einnahmen zu erzielen, wäre das wirtschaftlich weniger schädlich. Die Körperschaftssteuer gilt als eine der wirtschaftlich verzerrenden Arten der Einnahmengenerierung, doch die Zollpolitik reduziert BIP und Löhne mehr als doppelt so stark.

Gibt es auch Gewinner der Zollpolitik?

Während die negativen Auswirkungen der Zollpolitik dominieren, gibt es tatsächlich einige Bereiche, die davon profitieren. Die Trump-Administration nahm mit Steuern und Zöllen 2025 insgesamt fast 300 Milliarden Dollar ein – ein nicht zu unterschätzender fiskalischer Effekt. Das erklärte Ziel, durch Zölle die Staatskasse zu füllen, wurde in diesem Sinne erreicht.

In den USA selbst sind die Unternehmensinsolvenzen im Gegensatz zu den internationalen Trends im Jahresverlauf sogar um vier Prozent gesunken, da die Zölle US-Anbieter vor internationalen Wettbewerbern schützen. Amerikanische Unternehmen, die keine Zölle zahlen müssen und keine importierten Vorprodukte benötigen, profitieren vom verringerten Wettbewerbsdruck. Exporteure aus anderen Ländern mussten ihre Produkte in den USA teilweise zu höheren Preisen anbieten oder Lieferketten über Länder wie Indien, Vietnam oder Mexiko umleiten, um die Zollbelastungen zu minimieren, was US-ansässigen Unternehmen zugutekam.

Bestimmte Industriezweige verzeichneten tatsächlich Erfolge: Stahlimporte erreichten Zwanzigjahrestiefs, die Solarmodulproduktion verdoppelte sich im ersten Quartal, und das Reshoring – die Rückverlagerung von Produktion in die USA – sprang um 454 Prozent. Diese Zahlen zeigen, dass Trumps Politik in spezifischen Bereichen die beabsichtigte Wirkung zeigte.

Große Einzelhändler wie Walmart konnten der Krise trotzen und expandieren sogar weiter. Der Erfolg von Walmart wird auf mehrere Faktoren zurückgeführt: Fokus auf essenzielle Produkte, wettbewerbsfähige Preise und ein Schwerpunkt auf Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Online-Verkäufe des Konzerns stiegen im vergangenen Jahr um 27 Prozent. Auch andere große Einzelhändler mit tiefen Taschen und diversifizierten Lieferkettennetzen sind besser positioniert als kleinere Konkurrenten, um die Zollturbulenzen zu überstehen.

Doch Handelsexperten warnen, dass diese scheinbaren Erfolge täuschen: „Wir messen den Erfolg falsch”, argumentiert ein Analyst. Die Siege im Stahlsektor und beim Reshoring maskieren tiefere Schäden für die kleinen Unternehmen, die 46 Prozent der privaten Arbeitskräfte beschäftigen. Wenn diese schrumpfen, breitet sich der Schaden aus: Arbeiter verlieren Jobs, Arbeitsmärkte schwächeln.

Wie bewerten Experten die Zollpolitik insgesamt?

Die überwiegende Mehrheit der Wirtschaftsexperten bewertet Trumps Zollpolitik als gescheitert oder zumindest als hochproblematisch. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus dem Jahr 2020 kam bereits nach Trumps erster Amtszeit zu dem Schluss, dass seine aggressive Handelspolitik nicht die gewünschten Erfolge erzielt habe. „Weder die Kündigung und Neuverhandlung diverser Abkommen noch die zahlreichen Importzölle hätten Arbeitsplätze in den USA geschaffen oder Handelsdefizite erheblich gesenkt”, stellte die Untersuchung fest.

Das Kiel Institut für Weltwirtschaft kommt in seiner jüngsten Analyse zu einem vernichtenden Urteil: „America’s own goal” – Amerikas Eigentor. Die Kosten der Zölle werden fast vollständig von der amerikanischen Wirtschaft selbst getragen, nicht von ausländischen Exporteuren. Paul Krugman, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, schreibt in seinem Substack: „Ein Jahr Trumponomics” und warnt, dass Trump obsessiv an Zöllen festhält und auf Beweise des Scheiterns mit Leugnung und Verdoppelung reagiert.

Interessanterweise räumen einige Analysten ein, dass ihre ursprünglichen Prognosen zu düster waren. Ein Kommentar von RSIS (Rajaratnam School of International Studies) in Singapur analysiert, warum die katastrophalen Vorhersagen der Ökonomen über Trumps „Liberation Day”-Zölle nicht eintrafen. Drei übersehene Faktoren hätten den erwarteten Schlag abgefedert: Trumps Muster des Zurückweichens von Drohungen (als „TACO”-Effekt bezeichnet), strukturelle Verschiebungen bei grüner Technologie und KI-Investitionen sowie die geldpolitische Flexibilität in ASEAN-Staaten.

Die Analysten warnen jedoch: „Unsere Prognosefehler rechtfertigen nicht Trumps Zoll-Bewaffnung. Die minimal tatsächlichen Auswirkungen bisher resultierten größtenteils aus Faktoren außerhalb seiner Kontrolle”. Die höheren Zölle und die anhaltende Unsicherheit über ihre endgültigen Niveaus hätten enorme Unsicherheitskosten geschaffen, die weiterhin eine Belastung für Unternehmen darstellen.

Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin beschreibt Trumps Handelspolitik als „erratisch” und warnt vor den systemischen Risiken. Die Vorstellung, mit politischen Maßnahmen mehr Beschäftigung in der Industrie zu schaffen, sei hochumstritten gewesen, da ein Großteil der Industriejobs nicht an China oder Mexiko verloren gehe, sondern durch Maschinen und Roboter ersetzt werde.

Sebastian Dullien vom IMK bringt es auf den Punkt: „Der US-Markt ist für deutsche Exporteure auf absehbare Zeit kein Wachstumsmarkt mehr, sondern hat sich zu einem Risikogeschäft gewandelt”. Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, kritisiert: „Der Fall Grönland verdeutlicht, dass die US-Handelspolitik zunehmend für geopolitische Ziele genutzt wird”.

Eine aktuelle Umfrage zeigt die Stimmung in der amerikanischen Bevölkerung: Laut YouGov glauben erschreckende 69 Prozent der Amerikaner – einschließlich einer Mehrheit der Republikaner –, dass Trumps Zölle die Preise erhöhen, anstatt Arbeiter zu schützen. Dies ist bemerkenswert, da selbst Anhänger der Trump-Administration die negativen Effekte anerkennen.

Die wirtschaftspolitische Bilanz nach einem Jahr Trump 2.0 fällt damit ernüchternd aus. Von dem versprochenen Wirtschaftsboom ist wenig zu spüren. Stattdessen kämpfen Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks mit Insolvenzen, höheren Kosten und massiver Unsicherheit. Die Zollpolitik hat sich als zweischneidiges Schwert erwiesen, das mehr schadet als nützt – und die Rechnung zahlen letztendlich die amerikanischen Verbraucher und Unternehmen selbst.

 

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