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Faktencheck zum “Wirtschaftswunder USA”: Totes Land? Die überraschende Wahrheit über die US-Wirtschaft vor Trump

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Veröffentlicht am: 13. Februar 2026 / Update vom: 13. Februar 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

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Faktencheck zum “Wirtschaftswunder”: “Totes Land”? Die überraschende Wahrheit über die US-Wirtschaft vor Trump – Bild: Xpert.Digital

Verzerrte Inflationsdaten: Warum die offiziellen Zahlen in die Irre führen

Trump feiert angebliches “Wirtschaftswunder” – die Realität sieht anders aus

US-Präsident Donald Trump inszeniert sich derzeit als wirtschaftlicher Heilsbringer: In einem Meinungsbeitrag im “Wall Street Journal” feiert er seine Zollpolitik als historischen Erfolg und spricht von einem “amerikanischen Wirtschaftswunder”, das eine zuvor “tote” Nation wiederbelebt habe. Doch hält diese Erzählung einer Überprüfung stand? Ein detaillierter Faktencheck der Nachrichtenagentur AP sowie Analysen renommierter Institutionen wie der Harvard Business School und Goldman Sachs zeichnen ein gänzlich anderes Bild.

Die Realität hinter den Schlagzeilen offenbart komplexe Zusammenhänge: Während Trump auf Rekorde am Aktienmarkt und angeblich sinkende Inflationsraten verweist, warnen Ökonomen vor statistischen Verzerrungen durch den jüngsten Regierungsstillstand und die kurzfristigen Effekte des “Frontloading” bei Importen. Zudem widerlegen Daten die Behauptung, die USA hätten unter Vorgänger Biden wirtschaftlich am Boden gelegen – tatsächlich wuchs die US-Wirtschaft 2024 stärker als die der meisten anderen Industrienationen. Auch das zentrale Versprechen, dass ausländische Akteure die Kosten der neuen Zölle tragen würden, wird durch aktuelle Studien erschüttert, die die Last primär bei amerikanischen Unternehmen und Verbrauchern verorten.

Stimmungswandel in den USA: Trumps Umfragewerte brechen überraschend ein

US-Präsident Donald Trump bezeichnet seine Handelspolitik als großen Erfolg. In einem Meinungsbeitrag im “Wall Street Journal” erklärte er, die von ihm eingeführten Zölle hätten ein “amerikanisches Wirtschaftswunder” geschaffen. Kritiker, darunter viele Ökonomen, hätten sich geirrt, so Trump. Doch laut der Nachrichtenagentur AP sind viele seiner Behauptungen falsch oder irreführend. Im Folgenden werden die zentralen Behauptungen des Präsidenten einem detaillierten Faktencheck unterzogen und die tatsächlichen wirtschaftlichen Zusammenhänge offengelegt.

War die US-Wirtschaft vor Trump “tot”?

Was behauptet Trump konkret zur Lage der US-Wirtschaft vor seinem Amtsantritt?

Trump behauptet wörtlich, die USA seien “vor etwas mehr als einem Jahr ein TOTES Land” gewesen und nun “das HEISSESTE Land der Welt”. Diese Aussage gehört zu seinen Standardformulierungen und soll den Eindruck erwecken, er habe eine wirtschaftlich am Boden liegende Nation übernommen und durch seine Politik in eine beispiellose Boomphase geführt. Die rhetorische Strategie zielt darauf ab, seinen eigenen Anteil an wirtschaftlichen Erfolgen zu maximieren, indem der Ausgangszustand möglichst düster dargestellt wird.

Wie war der tatsächliche Zustand der US-Wirtschaft Ende 2024?

Die Behauptung, die USA seien wirtschaftlich “tot” gewesen, hält keiner empirischen Überprüfung stand. Im Jahr 2024, dem letzten Jahr der Biden-Präsidentschaft, wuchs das amerikanische Bruttoinlandsprodukt um 2,8 Prozent, inflationsbereinigt. Damit wuchs die US-Wirtschaft schneller als fast alle anderen wohlhabenden Industrieländer weltweit, mit Ausnahme von Spanien. Auch in den Jahren 2021 bis 2023 verzeichneten die Vereinigten Staaten ein solides Wachstum. Das Weiße Haus unter Biden veröffentlichte Daten, wonach das reale BIP kumuliert um 12,6 Prozent seit dem vierten Quartal 2020 gestiegen war, eine historisch robuste Expansion. Im internationalen Vergleich lag das US-Wachstum seit dem vierten Quartal 2019 bei 11,4 Prozent, mehr als doppelt so hoch wie das nächstbeste G7-Land.

Wie entwickelte sich die Wirtschaft in den ersten Monaten unter Trump?

Die ersten Monate der zweiten Amtszeit Trumps waren wirtschaftlich keineswegs ein Triumph. Im ersten Quartal 2025, von Januar bis März, schrumpfte das US-BIP zum ersten Mal seit drei Jahren. Der Hauptgrund war klar identifizierbar: Ein massiver Anstieg der Importe, die in der BIP-Berechnung abgezogen werden. Amerikanische Unternehmen hatten in großem Umfang ausländische Waren eingekauft, bevor die angekündigten Zölle in Kraft traten. Dieses sogenannte “Frontloading” war eine rationale unternehmerische Reaktion auf die angekündigte Zollpolitik und verursachte einen statistischen Einbruch, der weniger die wirtschaftliche Grunddynamik widerspiegelte als vielmehr die Unsicherheit durch Trumps Handelspolitik.

Wie verlief die wirtschaftliche Erholung im weiteren Jahresverlauf 2025?

In der zweiten Jahreshälfte 2025 erholte sich die Wirtschaft deutlich. Von April bis Juni expandierte die Wirtschaft mit einem annualisierten Tempo von 3,8 Prozent. Von Juli bis September beschleunigte sich das Wachstum sogar auf 4,4 Prozent, das stärkste BIP-Wachstum seit dem dritten Quartal 2023. Ein wesentlicher Treiber dieses Aufschwungs war allerdings ein Rückgang der Importe, der wahrscheinlich sowohl auf Trumps Zölle als auch auf die Tatsache zurückzuführen war, dass Importeure bereits zu Jahresbeginn ihre Lager aufgefüllt hatten. Hinzu kam ein robuster Konsum der privaten Haushalte. Die Aufwärtsrevision des zweiten Quartals von ursprünglich 3,3 auf 3,8 Prozent war hauptsächlich auf eine nach oben korrigierte Schätzung der Konsumausgaben zurückzuführen.

Welche Rolle spielte die Vorperiode für den statistischen Aufschwung?

Ein wesentlicher Aspekt, der in der Debatte oft untergeht, ist der sogenannte Basiseffekt. Wenn das erste Quartal durch den Importboom einen künstlichen Einbruch erleidet, erscheint die anschließende Erholung übertrieben stark, selbst wenn die zugrunde liegende Wirtschaftsdynamik weitgehend unverändert bleibt. Die starken Wachstumszahlen im zweiten und dritten Quartal 2025 spiegeln teilweise eine Normalisierung nach dem verzerrten ersten Quartal wider. Das ist ein statistisches Muster, kein Beweis für ein “Wirtschaftswunder”. Die endgültigen Jahreswerte für 2025 liegen noch nicht vor, sodass eine abschließende Beurteilung der wirtschaftlichen Gesamtleistung unter Trump noch aussteht.

Wie schnitt die US-Wirtschaft unter Biden im historischen Vergleich ab?

Unabhängige Analysen zeigen, dass die US-Wirtschaft unter Biden keineswegs schlecht abschnitt. Eine Analyse der Yale School of Management ergab nahezu identische annualisierte Wachstumsraten über die ersten drei Jahre der jeweiligen Amtszeiten: Trump 2,58 Prozent, Biden 2,59 Prozent. Das Pro-Kopf-BIP wuchs unter Biden mit durchschnittlich 2,5 Prozent pro Jahr, dem höchsten Wert seit Clintons zweiter Amtszeit. Im Vergleich aller 19 Präsidentschaftsperioden seit Truman lag Biden im oberen Drittel auf Platz sechs, während Trumps erste Amtszeit mit 1,3 Prozent Wachstum pro Jahr auf Platz 13 rangierte, an der Grenze des unteren Drittels.

Wie steht es um den Aktienmarkt unter Trump?

Trump verweist gerne auf die 52 neuen Rekordstände, die der US-Aktienmarkt 2025 erreichte. Tatsächlich entwickelte sich der amerikanische Aktienmarkt 2025 positiv. Doch im internationalen Vergleich blieb er hinter vielen ausländischen Börsen zurück. Der S&P 500 stieg um 17 Prozent, was ein ordentliches Plus darstellt, aber deutlich unter dem Anstieg von 71 Prozent in Südkorea, 29 Prozent in Hongkong, 26 Prozent in Japan, 22 Prozent in Deutschland und 21 Prozent in Großbritannien lag. Dies relativiert Trumps Narrativ vom amerikanischen Wirtschaftswunder erheblich.

Inflation niedriger als erwartet

Welche Inflationszahl nennt Trump und warum ist sie problematisch?

Trump feiert, dass die jährliche Kerninflation der letzten drei Monate auf nur 1,4 Prozent gesunken sei, “weit niedriger als fast jeder, außer mir, vorhergesagt hatte”. Doch laut dem AP-Faktencheck handelt es sich dabei um eine gezielte Auswahl verzerrter Daten. Die Zahl mag mathematisch korrekt sein, aber sie bildet die tatsächliche Inflationsentwicklung nicht angemessen ab, da sie durch außergewöhnliche Umstände verfälscht wurde.

Wie hat der Regierungsstillstand die Inflationsdaten verzerrt?

Im Herbst 2025 kam es zu einem Regierungsstillstand, der 43 Tage andauerte und massive Auswirkungen auf die Datenerhebung des Bureau of Labor Statistics hatte. Das BLS konnte im Oktober 2025 keine Preisdaten erheben, der CPI-Bericht für Oktober musste komplett ausfallen. Als die Datenerhebung Mitte November wieder aufgenommen wurde, konnte die Behörde die fehlenden Informationen nicht rückwirkend sammeln. Stattdessen stützte man sich auf statistische Annahmen, bei denen vielfach die September-Preise fortgeschrieben wurden, so als hätte es keinerlei Inflation gegeben.

Welche konkreten Verzerrungen traten bei den Inflationsdaten auf?

Die gravierendsten Verzerrungen traten im Bereich der Wohnkosten auf, die mehr als 40 Prozent des Kernverbraucherpreisindex ausmachen. Die Shelter-Kosten, also Mieten und die Eigenheimäquivalentmiete, wurden für Oktober praktisch auf null gesetzt, weil die September-Werte fortgeschrieben wurden. Diane Swonk, Chefökonomin bei KPMG, bezeichnete die November-Inflationszahlen als “eine verrückte Zahl” und warnte, dass die Annahmen des Oktober nicht nur einen Monat verzerren, sondern “den Index für die Zukunft verankern” und nachwirken. Auch Joseph Brusuelas, Chefökonom bei RSM, schrieb, es handele sich um “einen fehlerhaften CPI-Bericht”. Weitere Unstimmigkeiten betrafen die Benzinpreise, die trotz tatsächlicher Rückgänge saisonbereinigt einen Anstieg zeigten, sowie die Kinderbetreuungskosten, die plötzlich sanken, obwohl sie zuvor zu den am schnellsten steigenden Kategorien gehörten.

Wie hoch lag die tatsächliche Kerninflation?

Betrachtet man die gesamte zweite Jahreshälfte 2025, also einen Zeitraum, der weniger anfällig für die Shutdown-Verzerrungen ist, lag die jährliche Kerninflation bei 2,6 Prozent. Das ist zwar ein Rückgang gegenüber dem Stand von Januar 2025, aber ungefähr auf dem Niveau von Oktober 2024. Die Gesamtinflation lag im September 2025, vor dem Government Shutdown, bei 3 Prozent, genau auf dem Niveau von Januar 2025. Die Inflation hat sich 2025 insgesamt stabilisiert, aber nicht dramatisch verbessert.

Warum blieb die Inflation unter den befürchteten Werten?

Viele Ökonomen hatten vorhergesagt, dass Trumps Zölle die Inflation deutlich in die Höhe treiben würden. Dass dies nur teilweise eintrat, hatte jedoch weniger mit der Genialität der Zollpolitik zu tun als vielmehr mit deren teilweiser Rücknahme. Viele der am “Liberation Day” im April 2025 angekündigten Zölle wurden zurückgenommen, reduziert oder mit Ausnahmen durchlöchert. Als die Demokraten bei einigen hochkarätigen Wahlen mit dem Thema “Bezahlbarkeit” punkteten, nahm die Regierung bestehende oder geplante Zölle auf Kaffee, Rindfleisch und Küchenschränke zurück. Dies war ein indirektes Eingeständnis, dass die Zölle tatsächlich die Preise in die Höhe trieben.

Welchen messbaren Effekt hatten die Zölle auf die Inflation?

Alberto Cavallo, Ökonom an der Harvard Business School und Autor einer von Trump selbst zitierten Studie, hat berechnet, dass Trumps Zölle die Gesamtinflation um rund drei Viertel eines Prozentpunktes, also etwa 0,7 Prozentpunkte, angehoben haben. Seine Forschung mit dem HBS Pricing Lab verfolgt täglich die Preise von mehr als 350.000 Einzelhandelsprodukten, deren Herkunftsland bekannt ist. Die Ergebnisse zeigen, dass importierte Waren seit März 2025 etwa 5 Prozent teurer geworden sind, während inländische Waren um 2,5 Prozent zulegten. Berücksichtigt man den deflationären Trend von 2024, ist der Effekt noch größer: Importwaren sind 6,6 Prozent teurer, Inlandswaren fast 3,8 Prozent.

Wie zeigt sich der Zolleffekt bei den Kernwarenpreisen?

Ein besonders aufschlussreicher Indikator sind die Kernwarenpreise, die Lebensmittel und Energie ausklammern. Vor der Pandemie stiegen diese Preise kaum oder sanken sogar jedes Jahr. Im Dezember 2025 lagen sie jedoch 1,4 Prozent höher als ein Jahr zuvor, der größte Anstieg außerhalb der Pandemie seit 2011. Dies ist ein klarer Fingerabdruck der Zölle, da Waren im Gegensatz zu Dienstleistungen am stärksten von Importzöllen betroffen sind.

Wer trägt die Kosten der Zölle?

Was behauptet Trump über die Verteilung der Zollkosten?

Trump behauptet in seinem WSJ-Artikel, dass die Daten zeigten, “die Last oder die Inzidenz der Zölle sei überwiegend auf ausländische Produzenten und Zwischenhändler gefallen, einschließlich großer Konzerne, die nicht aus den USA stammen”. Er zitiert dabei eine Studie der Harvard Business School und behauptet, “diese Gruppen zahlen mindestens 80 Prozent der Zollkosten”.

Was sagt die von Trump zitierte Harvard-Studie tatsächlich?

In einer bemerkenswerten Verdrehung der Fakten scheint die von Trump zitierte Studie genau das Gegenteil dessen zu belegen, was er behauptet. Die Studie von Alberto Cavallo und seinen Kollegen Paola Llamas und Franco Vazquez kommt zu dem Ergebnis, dass “US-Verbraucher nach sieben Monaten etwa 43 Prozent der zollbedingten Grenzkosten trugen, wobei der Rest hauptsächlich von US-Firmen absorbiert wurde”. Der geschätzte Retail-Tariff-Pass-Through liegt bei 20 Prozent, wobei der kumulative Beitrag zur Gesamtinflation bei etwa 0,7 Prozentpunkten lag. Cavallo erklärte per E-Mail gegenüber der AP, dass die Importpreise kaum gesunken seien, “was darauf hindeutet, dass ausländische Exporteure ihre Preise vor Zöllen nicht genug gesenkt haben, um einen großen Teil der Last zu tragen”.

Was ergab die Goldman-Sachs-Analyse zur Kostenverteilung?

Eine unabhängige Analyse von Goldman Sachs zeichnet ein noch deutlicheres Bild. Stand August 2025 absorbierten US-Unternehmen netto 51 Prozent der Zollkosten, während amerikanische Verbraucher 37 Prozent trugen. Ausländische Exporteure übernahmen lediglich 9 Prozent, und etwa 3 Prozent wurden durch Zollumgehung vermieden. Goldman Sachs prognostizierte, dass bis Ende 2025 die Verbraucher 55 Prozent der Kosten tragen würden, US-Unternehmen 22 Prozent, ausländische Exporteure 18 Prozent und 5 Prozent durch Umgehung vermieden würden. Dies steht in krassem Widerspruch zu Trumps Behauptung, dass ausländische Produzenten 80 Prozent der Kosten tragen.

Warum tragen Unternehmen zunächst einen höheren Anteil?

Goldman Sachs erklärte, dass US-Unternehmen derzeit einen größeren Anteil der Kosten tragen, weil einige Zölle erst kürzlich in Kraft getreten seien und es Zeit brauche, Preise für Verbraucher zu erhöhen und niedrigere Importpreise mit ausländischen Lieferanten auszuhandeln. Wenn Verträge erneuert und Lieferketten angepasst werden, verschiebt sich die Last zunehmend auf die Konsumenten. Sollte der Konsumentenanteil auf 70 Prozent steigen, könnte die Inflation um weitere 0,6 Prozentpunkte klettern und das Zwei-Prozent-Ziel der Federal Reserve weit bis ins Jahr 2026 verfehlen.

Wie reagierte die Trump-Regierung auf diese Analysen?

Die offizielle Antwort der Trump-Regierung auf diese Analysen ist bemerkenswert. White-House-Sprecher Kush Desai erklärte, die Position der Regierung sei “immer klar gewesen: Während die Amerikaner eine Übergangsphase durch die Zölle erleben könnten, die einen kaputten Status quo umstürzen, der Amerika an die letzte Stelle gesetzt hat, werden die Kosten der Zölle letztlich von ausländischen Exporteuren getragen”. Finanzminister Scott Bessent wies die Vorstellung zurück, dass Zölle eine Steuer für amerikanische Verbraucher seien. Diese Aussagen stehen jedoch im Widerspruch zu den Erkenntnissen von Harvard, Goldman Sachs und dem Bureau of Labor Statistics, das steigende Verbraucherpreise dokumentiert.

Welche langfristigen Preiseffekte zeigen sich?

Die Forschung von Cavallo zeigt, dass die Preise bei Einzelhändlern unmittelbar nach Zollankündigungen zu steigen begannen, mit beschleunigten Anstiegen nach dem “Liberation Day” am 2. April 2025. Allerdings haben Einzelhändler die Preise bisher nur teilweise erhöht, wobei verschiedene kurzfristige Anpassungsmechanismen zum Einsatz kamen: Margenreduktionen, Vorratshaltung und Handelsumlenkung. Diese Mechanismen sind jedoch endlich. Wenn Lagerbestände aufgebraucht sind und Margen bereits komprimiert wurden, wird der volle Zolleffekt mit Verzögerung auf die Verbraucher durchschlagen.

 

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Wirtschaftswunder oder Wahrnehmungskrise? Die wachsende Kluft in Nordamerika

Handelsdefizit bleibt hoch

Was behauptet Trump zum Handelsdefizit?

Trump prahlt damit, das monatliche Handelsdefizit um “erstaunliche 77 Prozent” gesenkt zu haben. Diese Zahl ist rechnerisch korrekt, aber ein klassisches Beispiel für selektive Datenauswahl: Sie bezieht sich auf den prozentualen Rückgang von einem extrem hohen Handelsdefizit im Januar 2025 bis zu einem ungewöhnlich niedrigen Defizit im Oktober 2025.

Wie hat sich das Handelsdefizit tatsächlich entwickelt?

Die Gesamtentwicklung erzählt eine andere Geschichte. Von Januar bis November 2025 belief sich das kumulierte Handelsdefizit der USA auf rund 840 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 4 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2024. Im ersten Quartal 2025 eilten Importeure, ausländische Waren zu kaufen, bevor die Zölle greifen konnten. Im März 2025 wurde mit 136,42 Milliarden Dollar das höchste monatliche Handelsdefizit aller Zeiten verzeichnet. Danach lagen die monatlichen Handelsdefizite zwar durchweg niedriger als 2024, aber der enorme Importschub im Januar bis März war so massiv, dass das Jahres-Handelsdefizit 2025 weiterhin über dem von 2024 lag.

Wie sah die monatliche Entwicklung im Detail aus?

Die monatliche Dynamik war von extremen Schwankungen geprägt. Im Oktober 2025 sank das Handelsdefizit auf nur 29,4 Milliarden Dollar, den niedrigsten Wert seit Mitte 2009, getrieben durch einen Exportanstieg von 2,6 Prozent und einen Importrückgang von 3,2 Prozent. Im November stieg das Defizit jedoch wieder deutlich auf 56,8 Milliarden Dollar, den höchsten Wert seit vier Monaten. Diese ausgeprägten monatlichen Schwankungen unterstreichen die Volatilität, die Trumps häufig wechselnde Zollpositionen in den Handelsströmen verursachten. Der Oktober-Tiefstwert, den Trump als Erfolg feiert, war ein statistischer Ausreißer und kein nachhaltiger Trend.

Warum sind die Handelsbilanzeffekte der Zölle komplizierter als dargestellt?

Die Handelsbilanzdynamik unter Trumps Zöllen folgt einem Muster, das Ökonomen seit Langem kennen. Kurzfristig können Zölle Importe senken und damit das Defizit verringern, aber dieser Effekt wird durch mehrere Faktoren konterkariert: Erstens reagieren Handelspartner mit Gegenmaßnahmen, die amerikanische Exporte belasten. Zweitens verteuern Zölle importierte Vorprodukte für amerikanische Hersteller, was deren internationale Wettbewerbsfähigkeit schwächt. Drittens kann ein starker Dollar, der teilweise durch die Zölle gestützt wird, Importe billiger und Exporte teurer machen. Das Jahresdefizit bei Gütern lag 2024 bei 1,2 Billionen Dollar. Durch das erste Halbjahr 2025 betrug die Handelsbilanz bei Gütern bereits minus 606 Milliarden Dollar, was auf eine Fortsetzung der hohen Defizite hindeutet.

Wie steht es um die langfristige Wirksamkeit der Zollpolitik zur Defizitreduktion?

Die historische Erfahrung zeigt, dass Zölle allein kaum geeignet sind, das Handelsdefizit nachhaltig zu senken. Die USA haben seit Jahrzehnten ein strukturelles Handelsdefizit, das auf fundamentale makroökonomische Faktoren zurückzuführen ist: den hohen inländischen Konsum, niedrige Sparquoten und die Rolle des Dollars als weltweite Reservewährung. Die größten Defizite bestanden 2024 mit China (295 Milliarden Dollar), Mexiko (172 Milliarden), Vietnam (123 Milliarden), Irland (87 Milliarden) und Deutschland (85 Milliarden). Der Rückgang des Defizits mit China durch das erste Halbjahr 2025 auf 102 Milliarden Dollar spiegelt zwar die Zollwirkung wider, aber die Gesamtbilanz zeigt, dass Handelsströme oft einfach umgeleitet werden.

Milliarden-Investitionen unklar

Welche Investitionssumme nennt Trump und wie belegt er sie?

Trump behauptet, seine Zollpolitik habe Investitionszusagen in Höhe von über 18 Billionen Dollar gesichert, eine Zahl, die “für viele unvorstellbar” sei. Er hat den Droheffekt der Zölle tatsächlich genutzt, um Investitionszusagen von großen Handelspartnern zu erpressen, etwa von der Europäischen Union, die 600 Milliarden Dollar über vier Jahre zusagte. Trump hat allerdings nie erklärt, wie er auf die Zahl von 18 Billionen Dollar kommt.

Welche Zahlen nennen das Weiße Haus und unabhängige Quellen?

Es besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen den verschiedenen Angaben. Das Weiße Haus selbst veröffentlichte eine Zahl von 9,6 Billionen Dollar, die sowohl private als auch öffentliche Investitionszusagen anderer Länder umfasst. Unabhängige Analysen kommen auf deutlich niedrigere Summen. Bloomberg Economics bezifferte die tatsächlichen Zusagen auf rund 7 Billionen Dollar. Die Forscher Gregory Auclair und Adnan Mazarei vom Peterson Institute for International Economics berechneten im Januar 2026 die Investitionszusagen auf etwa 5 Billionen Dollar, basierend auf Zusagen der EU, Japans, Südkoreas, Taiwans, der Schweiz, Liechtensteins und der Golfstaaten Saudi-Arabien, Katar, Bahrain und der Vereinigten Arabischen Emirate. Adam Posen, Präsident des Peterson Institute, erklärte, die öffentlichen Zusagen stellten zwar einen “bedeutenden Anstieg” dar, aber einen, der sich auf Hunderte Milliarden Dollar belaufe, nicht auf Billionen.

Warum sind die Investitionszusagen fragwürdig?

Die Forscher des Peterson Institute stellen die zentrale Frage: “Wie realisierbar sind diese Zusagen?” Ihre kurze Antwort lautet: “Sie sind in Unsicherheit gehüllt”. Die Probleme sind vielfältig. Erstens handelt es sich bei vielen Ankündigungen um unverbindliche Absichtserklärungen und Pressemitteilungen, nicht um formelle, durchsetzbare Verträge. Zweitens unterscheiden sich die Zeiträume der Zusagen erheblich, und die Kriterien für die Bewertung und Überprüfung sind weitgehend unklar. Drittens wären manche Länder kaum in der Lage, die zugesagten Summen tatsächlich aufzubringen. Jared Bernstein, ein ehemaliger Biden-Berater, brachte die Skepsis auf den Punkt: “Es gibt eine beträchtliche Kluft zwischen dem, was am Rednerpult angekündigt wird, und dem, was am Ende Fabriken baut oder Arbeitsplätze schafft”.

Wie groß wären diese Investitionen im Kontext?

Um die genannten Zahlen einzuordnen: Die gesamten privaten Investitionen in den USA belaufen sich derzeit auf eine jährliche Rate von 5,4 Billionen Dollar. Die gesamten ausländischen Direktinvestitionen in den USA betrugen im Jahr 2024 lediglich 151 Milliarden Dollar. Direktinvestitionen umfassen dabei Mittel, die in physische Vermögenswerte wie Fabriken und Büros fließen, aber nicht Finanzinvestitionen wie Aktien und Anleihen. Selbst wenn nur die konservativste Schätzung von 5 Billionen Dollar zutrifft, würde dies einen gewaltigen Anstieg gegenüber den bisherigen FDI-Strömen darstellen, aber die Realisierung über mehrere Jahre ist höchst ungewiss.

Wie wurden einige der größten Zusagen eingeholt?

Trumps Strategie bestand darin, den Droheffekt hoher Zölle als Verhandlungswaffe einzusetzen, um Handelspartner zu Investitionszusagen zu bewegen. Die EU sagte 600 Milliarden Dollar über vier Jahre zu. Große Technologiekonzerne wie Apple und Nvidia kündigten Investitionen an. Saudi-Arabien und Japan gehörten ebenfalls zu den Zusagenden. Allerdings waren einige dieser Zusagen bereits unter der Biden-Regierung geplant und wurden lediglich unter Trump erneut angekündigt. Die Webseite des Weißen Hauses scheint einige Investitionszusagen aus der Biden-Ära mit eingerechnet zu haben.

Welche langfristigen Risiken birgt die Strategie?

Adam Posen vom Peterson Institute warnte, dass die Strategie langfristige Kosten verursachen könnte, da Länder möglicherweise weniger geneigt sein werden, zukünftig freiwillig mit den USA zu kooperieren. Die Erpressung durch Zolldrohungen kann kurzfristig Ergebnisse liefern, untergräbt aber das Vertrauen in die USA als berechenbaren Wirtschaftspartner. Zudem besteht die Gefahr, dass Investitionszusagen unter Druck zwar angekündigt, aber nie vollständig umgesetzt werden, insbesondere wenn sich die politischen Rahmenbedingungen nach einem möglichen Regierungswechsel erneut ändern.

Wie hat sich das Meinungsbild seit den Wahlen zu Trump entwickelt?

Wie hoch sind Trumps aktuelle Zustimmungswerte?

Die Zustimmungswerte für Donald Trump sind seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 deutlich gesunken. Die jüngste Umfrage des Pew Research Center vom Januar 2026, durchgeführt mit 8.512 US-Erwachsenen, ergab eine Zustimmungsrate von nur 37 Prozent, ein Rückgang von 40 Prozent im Herbst 2025. Gallup verzeichnete in seiner letzten Erhebung im Dezember 2025 eine Zustimmung von 36 Prozent, einen der niedrigsten Werte seiner gesamten Präsidentschaft. In der Morning-Consult-Umfrage von Anfang Februar 2026 lag die Zustimmung bei 44 Prozent, drei Punkte unter dem Wert zum gleichen Zeitpunkt seiner ersten Amtszeit.

Wie hat sich die Zustimmung seit dem Amtsantritt entwickelt?

Die Entwicklung zeigt eine klare Umkehrung. Bei Trumps Amtsantritt im Januar 2025 lagen seine Zustimmungs- und Ablehnungswerte bei Emerson College Polling bei 49 Prozent Zustimmung und 41 Prozent Ablehnung. Bis Dezember 2025 hatten sich diese Zahlen gespiegelt: 41 Prozent Zustimmung und 50 Prozent Ablehnung. Nate Silver’s Silver Bulletin verzeichnete Mitte Februar 2026 eine Netto-Zustimmung von minus 13,7 Punkten, schlechter als Joe Bidens Wert zum gleichen Zeitpunkt seiner Amtszeit (minus 12,2). Der Anteil der Amerikaner, die Trump “stark ablehnen”, überschritt erstmals die 46-Prozent-Marke.

Wie bewerten die Amerikaner Trumps Wirtschaftspolitik?

Die wirtschaftspolitische Bewertung ist besonders aufschlussreich. Laut einer AP/NORC-Umfrage vom September 2025 billigten nur 37 Prozent der US-Erwachsenen Trumps Wirtschaftsmanagement, ein Rückgang vom Höchstwert von 56 Prozent Anfang 2020 während seiner ersten Amtszeit. Laut der Pew-Umfrage von Januar 2026 sagten mehr als doppelt so viele Amerikaner, die Maßnahmen der Regierung seien schlechter als erwartet (50 Prozent) als besser (21 Prozent). Eine Harvard CAPS/HarrisX-Umfrage vom Januar 2026 ergab, dass 51 Prozent der Befragten glauben, Trump schneide schlechter ab als Biden, während 49 Prozent ihn für besser hielten.

Wie hat sich die Unterstützung unter Republikanern verändert?

Besonders bemerkenswert ist der Rückgang der Unterstützung innerhalb von Trumps eigener Partei. Die Zustimmung unter Republikanern liegt laut Pew bei 73 Prozent, ein leichter Rückgang seit September. Noch gravierender: Nur noch 56 Prozent der Republikaner sagen, sie unterstützten “alle oder die meisten” Pläne und Politiken Trumps, ein Rückgang von 67 Prozent zu Beginn seiner Amtszeit. Das Vertrauen der Republikaner in Trumps ethisches Handeln im Amt sank von 55 auf 42 Prozent, das Vertrauen in seine Achtung demokratischer Werte von 60 auf 52 Prozent, und das Vertrauen in seine geistige Fitness von 75 auf 66 Prozent.

Welche Rolle spielt die Bezahlbarkeit für die öffentliche Meinung?

Die Frage der Lebenshaltungskosten bleibt ein zentraler Faktor für die öffentliche Stimmung. Trotz Trumps Behauptungen eines Wirtschaftswunders empfinden viele Amerikaner die Preissituation als unbefriedigend. Die Wahrnehmung der Inflations- und Preissituation durch die Wähler hat sich laut der Economist/YouGov-Umfrage zwar leicht verbessert, von einem Nettowert von minus 34 im Oktober auf minus 23 im Februar, bleibt aber deutlich negativ. Die Demokraten gewannen 2025 einige hochkarätige Wahlen, indem sie das Thema Bezahlbarkeit in den Vordergrund stellten, was die Trump-Regierung sogar dazu veranlasste, einige Zölle zurückzunehmen.

Wie beurteilen die Amerikaner Trumps wichtigste Berater und Verbündete?

Die Bewertung von Trumps Umfeld ist ebenfalls aufschlussreich. Vizepräsident JD Vance hat mit 46 Prozent die höchste Beliebtheit, bei 41 Prozent Ablehnung. Elon Musk dagegen wird von 40 Prozent positiv und 46 Prozent negativ beurteilt. Nur 25 Prozent der Amerikaner haben Vertrauen, dass Trump gute Berater auswählt, und lediglich 21 Prozent sind zuversichtlich, dass er ethisch im Amt handelt, der niedrigste Wert unter allen sechs abgefragten Eigenschaften.

Was bedeutet dies für die Kongresswahlen 2026?

Der generische Kongresswahlkampfindikator deutet auf ein schwieriges Umfeld für die Republikaner hin. Bei Emerson College lagen die Demokraten im Dezember 2025 mit 44 zu 42 Prozent vorne, wobei unabhängige Wähler den demokratischen Kandidaten mit 40 zu 32 Prozent bevorzugten. Die Zustimmung zum von den Republikanern kontrollierten Kongress sank auf 15 Prozent. 61 Prozent der Republikaner sagen mittlerweile, dass republikanische Kongressabgeordnete keine Verpflichtung hätten, Trumps Politiken zu unterstützen, wenn sie anderer Meinung sind, ein Anstieg von 55 Prozent im Vorjahr. 47 Prozent der Amerikaner glauben inzwischen, Trump werde langfristig ein erfolgloser Präsident sein, ein Anstieg von 14 Prozentpunkten seit seinem Amtsantritt.

Welches Gesamtbild ergibt sich aus den Umfragedaten?

Die Umfragedaten zeichnen ein eindeutiges Bild: Die anfängliche Aufbruchstimmung nach Trumps Wiederwahl ist einer zunehmenden Ernüchterung gewichen. Die Zustimmungswerte haben sich in fast allen Umfragen vom positiven in den negativen Bereich verschoben. Die Enttäuschung greift nicht nur unter Demokraten und Unabhängigen, sondern zunehmend auch unter Republikanern um sich. Trumps Erzählung vom “Wirtschaftswunder” steht in einem wachsenden Widerspruch zur Wahrnehmung der Bevölkerung, die anhaltend hohe Preise, wirtschaftliche Unsicherheit und eine als chaotisch empfundene Handelspolitik beklagt. Die Kluft zwischen der vom Präsidenten verkündeten Erfolgsstory und den tatsächlichen Lebensrealitäten vieler Amerikaner wird mit jedem Monat größer.

 

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