Strompreis-Lüge entlarvt: Warum Ökostrom nicht der Grund für Ihre hohe Rechnung ist
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Xpert.Digital bei Google bevorzugen ⓘVeröffentlicht am: 6. April 2026 / Update vom: 6. April 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Strompreis-Lüge entlarvt: Warum Ökostrom nicht der Grund für Ihre hohe Rechnung ist – Bild: Xpert.Digital
Milliarden-Verschwendung im Stromnetz und fatale Diagnose: Wie ein massiver politischer Fehler unseren Strom künstlich verteuert
Strom-Wunder Spanien: Warum unsere eigene Energiepolitik die deutsche Wirtschaft ruiniert
Atomkraft als Retter? Die bittere Wahrheit über Deutschlands tatsächliche Energiekosten
Der deutsche Strompreis zählt zu den höchsten in Europa – doch die Schuld daran trägt nicht, wie von Kritikern oft behauptet, der Ausbau der erneuerbaren Energien. Im Gegenteil: Wind- und Solarkraft sind längst die mit Abstand günstigsten Erzeugungsformen auf dem Markt. Dass Verbraucher und Industrie dennoch tief in die Tasche greifen müssen, liegt an einem massiven strukturellen Versagen: Das Stromnetz hält mit dem Ausbau schlicht nicht Schritt. Anstatt jedoch hunderte Milliarden zügig in smarte Netze und Speicher zu investieren, plant die Politik einen fatalen Irrweg. Erneuerbare Energien sollen ausgebremst und künstlich verteuert werden, während alte Mythen über eine Renaissance der teuren Atomkraft den Diskurs vernebeln. Ein Blick nach Spanien zeigt derweil eindrucksvoll, wie eine erfolgreiche Energiewende die Strompreise drastisch senken kann. Warum Deutschlands politisches Zögern längst zu einem existenziellen Standortrisiko geworden ist und wer wirklich von den hohen Preisen profitiert, zeigt diese tiefgehende Analyse.
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Wenn politischer Mut ausbleibt, zahlt am Ende der Standort
Es ist eine der beharrlichsten Fehlannahmen im deutschen Energiediskurs, dass erneuerbare Energien teuer seien und die Stromrechnung in die Höhe treiben. Das Gegenteil ist wahr. Onshore-Wind und Freiflächen-Photovoltaik erzeugen Strom zu Gestehungskosten von 4,1 bis 9,2 Cent pro Kilowattstunde, wie das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in seiner Studie von 2024 berechnet hat. Das macht sie nicht nur zur günstigsten erneuerbaren, sondern zur günstigsten Stromerzeugungsform überhaupt – unter allen Kraftwerkstypen. Neue Kohlekraftwerke kommen auf 15,1 bis 25,7 Cent pro Kilowattstunde, neue Kernkraftwerke auf 13,6 bis 49,0 Cent. Der internationale Markt spiegelt diesen Befund: Weltweit wächst im Stromsegment fast ausschließlich die Kapazität aus erneuerbaren Quellen und Batteriespeichern, weil schlicht kein anderer Weg wirtschaftlich konkurrenzfähig ist.
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Wie Gaspreise den europäischen Strommarkt spalten
Hinter dem scheinbar einheitlichen europäischen Strommarkt verbirgt sich eine tiefe strukturelle Spaltung, die durch das sogenannte Merit-Order-Prinzip entsteht. Dieses Preisbildungsverfahren besagt: Das teuerste Kraftwerk, das im jeweiligen Moment noch zur Bedarfsdeckung benötigt wird, bestimmt den Preis für alle Erzeuger. In der Praxis ist dieses Grenzkraftwerk in Europa häufig ein Gaskraftwerk. Wenn Öl- und Gaspreise steigen, schlägt sich das folglich unmittelbar im Börsenstrompreis nieder, obwohl der Großteil des Stroms längst billiger erzeugt wird. Die Konsequenz: Länder, die ihren Gasbedarf für die Stromerzeugung weit reduziert haben, sind von Preisschocks an den Rohstoffmärkten weitgehend entkoppelt. Jene, die es nicht getan haben, zahlen jeden Ausschlag mit.
Das spanische Modell als Blaupause für Resilienz
Spanien hat in den letzten Jahren vorgeführt, wie eine konsequente Ausbaustrategie für Erneuerbare den Strompreis vom Gaspreis löst. Laut einer Analyse des Energie-Think-Tanks Ember hat das spanische Wachstum bei Wind- und Solarenergie den Einfluss fossiler Kraftwerke auf den Strompreis seit 2019 um 75 Prozent reduziert. War Spanien noch vor wenigen Jahren eines der teuersten Länder beim Haushaltsstrom, zählt es 2026 zu den günstigsten in Europa. Das Gegenbild ist Italien: Dort gibt Gas in weit mehr als der Hälfte der Stunden den Preis vor, was zu einem erheblich teureren Strommarkt führt. In Deutschland kostete Haushaltsstrom 2025 im Schnitt 38,35 bis 39,3 Cent pro Kilowattstunde – Platz eins im europäischen Hochpreisranking. Spanien hingegen liegt mit einem Industriestrompreis von rund 12,4 Cent pro Kilowattstunde weit darunter. Der Preisunterschied ist nicht zufällig, sondern die direkte Folge unterschiedlicher Investitionsentscheidungen der vergangenen Jahre.
Smarte Netze als Schlüssel zur Entkopplung
Der britische „Economist“ und eine wachsende Zahl von Energieökonomen weisen auf den Kern der Lösung hin: Netze müssen größer und intelligenter werden, damit das Angebot günstiger erneuerbarer Energie die Nachfrage flexibel bedienen kann, anstatt in Engpässen zu verpuffen. Batteriegroßspeicher auf Netzebene gelten laut internationalem Energiepolitik-Konsens inzwischen als die am schnellsten wachsende Energietechnologie weltweit; die Internationale Energieagentur prognostiziert, dass die Kombination aus Photovoltaik und Batteriespeicher ab 2025 günstiger ist als neue Kohlekraftwerke. Ein flexibles, digitalisiertes Netz erlaubt zudem eine aktive Nachfragesteuerung: Wer einen variablen Stromtarif nutzt, kann Waschmaschine, Elektroauto oder industrielle Prozesse in Stunden mit Überangebot und damit Niedrigpreisen legen. Das ist volkswirtschaftlich doppelt sinnvoll, weil Netzengpässe entschärft und Redispatch-Kosten gesenkt werden. Grüne Parlamentarier haben errechnet, dass allein eine konsequente Digitalisierung der Verteilnetze bis zu 30 Prozent mehr Kapazität ermöglichen könnte, ohne einen einzigen Kilometer neue Leitung zu bauen.
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Die Investitionslücke im deutschen Netz
Deutschlands Kernproblem ist bekannt und seit Jahren dokumentiert: Das Netz kommt mit dem Ausbau der Erzeugungskapazitäten nicht mit. Der notwendige Investitionsbedarf ist gewaltig. Studien gehen davon aus, dass bis 2045 zwischen 500 und 732 Milliarden Euro in Übertragungs- und Verteilnetze fließen müssen. Allein die Übertragungsnetzbetreiber veranschlagen im aktuellen Netzentwicklungsplan 440 Milliarden Euro für den Ausbau des Übertragungsnetzes – ein Anstieg von mehr als einem Drittel gegenüber der Prognose aus dem Jahr 2023. Die jährlichen Investitionen müssten auf rund 34 Milliarden Euro steigen, mehr als doppelt so viel wie die 15 Milliarden Euro, die 2023 tatsächlich flossen. Diese Lücke zwischen Bedarf und Wirklichkeit ist der eigentliche Ursprung der Redispatch-Kosten: Strom wird dort erzeugt, wo er nicht gebraucht wird, und kann nicht dorthin transportiert werden, wo der Bedarf ist. Der Norden Deutschlands produziert Windstrom im Überfluss, der Süden hungert danach und verbrennt stattdessen Erdgas.
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Das Herzstück dieser technologischen Weiterentwicklung ist die bewusste Abkehr von der konventionellen Klemmenbefestigung, die seit Jahrzehnten den Standard darstellt. Das neue und zeit- wie kostengünstigere Montagesystem begegnet dieses mit einem grundlegend anderen, intelligenteren Konzept. Anstatt die Module punktuell zu klemmen, werden sie in eine durchgehende, speziell geformte Trägerschiene eingelegt und dort sicher gehalten. Diese Konstruktion sorgt dafür, dass alle auftretenden Kräfte – seien es statische Lasten durch Schnee oder dynamische Lasten durch Wind – gleichmäßig über die gesamte Länge des Modulrahmens verteilt werden.
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Reiches Diagnose und die falsche Therapie
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat die Diskrepanz zwischen Netzzustand und Ausbaugeschwindigkeit erkannt und benennt sie öffentlich. Wegen fehlender Netzkapazitäten müssen erneuerbare Anlagen immer wieder abgeregelt werden, und dieser Ausgleich kostet Geld. So weit ist ihre Diagnose korrekt. Die Therapie, die sie daraus ableitet, ist jedoch ein schwerwiegender wirtschaftspolitischer Fehler. Anstatt den Netzausbau massiv zu beschleunigen und so den Engpass zu beseitigen, plant sie, den Ausbau erneuerbarer Energien zu bremsen und an den Netzausbau zu koppeln. Konkret sieht ein Gesetzentwurf vor, dass Betreiber neuer Ökostrom-Anlagen in Engpassgebieten bis zu zehn Jahre auf Entschädigungszahlungen verzichten sollen, wenn ihre Anlage wegen Netzengpässen abgeregelt wird. Da diese Zahlungen fester Bestandteil der Wirtschaftlichkeitsrechnung vieler Projekte sind, würde die Regelung viele Investitionen schlicht unrentabel machen. Zudem soll die Antragsflut für Großbatteriespeicher gedrosselt werden, obwohl diese Speicher exakt jene Lücke schließen, die ein fehlendes Netz reißt. Es ist eine Politik, die das Symptom – nämlich zu viel Strom an falscher Stelle – bekämpft, indem weniger Strom produziert wird, anstatt dafür zu sorgen, dass er besser fließt.
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Zahlen, die einer Korrektur bedürfen
Reiche begründet ihre Politik unter anderem mit einer Aussage, die Faktenprüfer als irreführend eingestuft haben. In einem Video des Bundeswirtschaftsministeriums behauptete sie, dass jedes Jahr in Deutschland Strom für drei Milliarden Euro einfach weggeworfen werde, und bezeichnete dies als Beleg für eine Energiewende ohne ökonomische Vernunft. Diese Zahl ist grob verzerrt. Die tatsächlichen Entschädigungszahlungen, die 2025 an Betreiber abgeregelter erneuerbarer Anlagen geflossen sind, beliefen sich auf knapp 435 Millionen Euro – ein Rückgang von rund 120 Millionen Euro gegenüber 2024. Der Trend ist also seit Jahren rückläufig. Die drei Milliarden Euro, auf die das Ministerium auf Nachfrage verwies, beziehen sich auf die Gesamtkosten des sogenannten Redispatch, also des gesamten Netzengpassmanagements im Jahr 2024. Davon entfiel aber der größte Einzelposten laut einer Auskunft des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik an das Recherchebüro Correctiv auf Einsatzkosten für fossile Kraftwerke mit etwa 1,1 Milliarden Euro sowie auf Vorhaltekosten für Reservekraftwerke von etwa einer Milliarde Euro. Die Kosten für Reservekraftwerke allein stiegen 2025 auf 952 Millionen Euro, ein Anstieg von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der weitaus größte Teil der von Reiche genannten Summe fließt also nicht in erneuerbare Energie, sondern in fossil betriebene Reservekapazität, die genau deshalb gebraucht wird, weil das Netz nicht ausreichend ausgebaut ist. Trotzdem konnte Deutschland im Jahr 2024 stolze 96,5 Prozent des erzeugten Erneuerbaren-Stroms zu den Verbrauchern transportieren, im dritten Quartal 2025 waren es immer noch rund 96 Prozent.
Der Irrweg der Kostenverteilung auf Erneuerbare
Ein weiterer Baustein von Reiches Politik ist der Plan, Betreiber erneuerbarer Energieanlagen an den Kosten des Netzausbaus zu beteiligen, während konventionelle Kraftwerke das Netz weiterhin kostenlos nutzen dürften. Diese Asymmetrie würde einen erheblichen Wettbewerbsnachteil für grüne Erzeuger schaffen, denn ihre Mehrkosten würden auf den Verkaufspreis aufgeschlagen. Damit wären sie automatisch teurer als fossile Konkurrenten, die denselben Aufschlag nicht tragen. Das ist keine marktwirtschaftliche Logik, sondern eine strukturelle Bevorzugung fossiler Erzeugung unter dem Deckmantel von Kosteneffizienz. Im Hintergrund agieren dabei Konzerne wie LEAG, ArcelorMittal und BASF sowie die Gewerkschaft IGBCE, die sich dafür einsetzen, die Industrie dauerhaft vollständig von Übertragungsnetzentgelten zu befreien, womit diese Kosten ausschließlich bei den privaten Verbrauchern verblieben.
Das Kernkraft-Argument und die Realität der Kosten
Dass die politische Debatte in Deutschland trotz aller Datenlage immer wieder auf die Kernkraft als günstigen Ausweg umgelenkt wird – etwa von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder –, hat wenig mit den tatsächlichen Stromgestehungskosten zu tun. Die Fraunhofer-ISE-Studie weist für neue Kernkraftwerke in Deutschland LCOE-Werte zwischen 13,6 und 49,0 Cent pro Kilowattstunde aus. Neue Kernkraftwerke sind nach diesen Berechnungen zwei- bis viermal teurer als Onshore-Wind oder Freiflächen-Photovoltaik. Die praktischen Erfahrungen aus Europa bestätigen das: Das britische Projekt Hinkley Point C und das französische Flamanville sind zu Symbolen für Kostenexplosionen und jahrzehntelange Bauverzögerungen geworden. Neue Kernkraftwerke zu bauen, dauert unter günstigen Bedingungen 15 bis 20 Jahre. Das Netz kann in dieser Zeit mehrfach modernisiert werden, und erneuerbare Kapazitäten können in wenigen Jahren gebaut werden. Wer also auf Kernkraft setzt, um Deutschlands Stromproblem zu lösen, wählt den teuersten und langsamsten möglichen Weg.
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Politisches Zögern als Standortrisiko
Das eigentlich Beunruhigende an Reiches Energiepolitik ist nicht nur die sachliche Unschärfe einzelner Zahlen, sondern die strukturelle Konsequenz: Deutschland verharrt in einer Energiearchitektur, die teurer und gasabhängiger ist als nötig, während Wettbewerber wie Spanien systematisch günstiger werden. Für den Industriestandort ist das kein abstraktes Problem. Industriestrom kostet in Spanien derzeit rund 12,4 Cent pro Kilowattstunde, in Deutschland hingegen ein Vielfaches davon. Energieintensive Industrien, die am Standort rechnen müssen, ziehen diese Differenz bei Investitionsentscheidungen sehr wohl in Betracht. Hinzu kommt: Ein beschleunigter, intelligenter Netzausbau würde nicht nur Redispatch-Kosten senken und den Standort stärken, er würde auch Deutschland unabhängiger von geopolitischen Preisschocks machen, wie sie durch den Iran-Konflikt und die Trump-Administration im Verhältnis zu Energieimporten entstanden sind. Eine Wirtschaftsministerin, deren Aufgabe der Erhalt der deutschen Wettbewerbsfähigkeit ist, sollte genau das als ihre Priorität setzen, anstatt das Instrument zu bremsen, das die Lösung liefert.
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