Sprachauswahl 📢


China, Japan und Südkorea: Gemeinsame Reaktion auf US-Zölle und Stärkung der regionalen Wirtschaftskooperation

Veröffentlicht am: 3. April 2025 / Update vom: 3. April 2025 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

China, Japan und Südkorea: Gemeinsame Reaktion auf US-Zölle und Stärkung der regionalen Wirtschaftskooperation

China, Japan und Südkorea: Gemeinsame Reaktion auf US-Zölle und Stärkung der regionalen Wirtschaftskooperation – Kreativbild: Xpert.Digital

Handelswende in Asien: China, Japan und Südkorea ziehen an einem Strang

Die drei größten Wirtschaftsmächte Ostasiens, China, Japan und Südkorea, haben sich nach Jahren der zurückhaltenden Zusammenarbeit auf eine gemeinsame Strategie verständigt, um auf die zunehmend protektionistische Handelspolitik der USA unter Präsident Donald Trump zu reagieren. Das erste trilaterale Wirtschaftsgespräch seit fünf Jahren markiert eine bedeutende Wende in den regionalen Wirtschaftsbeziehungen und könnte weitreichende Auswirkungen auf die globalen Handelsströme haben.

Das historische Treffen der drei Wirtschaftsmächte

Ende März 2025 trafen sich die Handelsminister Chinas, Japans und Südkoreas in Peking zu ihrem ersten trilateralen Wirtschaftsdialog seit 2020. Bei diesem Treffen einigten sich Wang Wentao (China), Yoji Muto (Japan) und Ahn Duk Geun (Südkorea) auf eine koordinierte Antwort auf die US-Zollpolitik. Diese Zusammenkunft stellt einen bedeutenden Moment dar, da es sich um die erste wirtschaftspolitische Gesprächsrunde dieser Art zwischen den drei Staaten seit fünf Jahren handelte.

Die drei Nachbarländer, deren Beziehungen historisch durch territoriale Streitigkeiten und politische Spannungen belastet sind, fanden angesichts der gemeinsamen wirtschaftlichen Bedrohung durch US-Zölle einen pragmatischen Weg zur Zusammenarbeit. Die Abstimmung erfolgt nur wenige Tage vor der von Donald Trump angekündigten Rede, in der weitere Strafzölle vorgestellt werden sollten. Der US-Präsident hatte diesen Tag im Vorfeld bereits als “Befreiungstag” bezeichnet und damit seine Absicht bekräftigt, die bestehenden Handelsbeziehungen der USA grundsätzlich umzugestalten.

In einer gemeinsamen Erklärung betonten die drei Minister ihre Verpflichtung, “eng zusammenzuarbeiten für umfassende und hochrangige” Verhandlungen über ein gemeinsames Freihandelsabkommen zwischen ihren Ländern. Das erklärte Ziel ist die Förderung des regionalen und globalen Handels unter zunehmend schwierigen geopolitischen Bedingungen.

Passend dazu:

Konkrete Kooperationsfelder und Vereinbarungen

Die trilaterale Zusammenarbeit konzentriert sich auf mehrere konkrete Bereiche, die für alle drei Volkswirtschaften von strategischer Bedeutung sind:

Halbleiterhandel und Technologiekooperation

Ein zentraler Aspekt der Vereinbarung betrifft die Halbleiterindustrie, einen Schlüsselsektor für alle drei Länder. Japan und Südkorea planen, verstärkt Halbleiterrohstoffe aus China zu beziehen, während China Interesse am Import fertiger Chipprodukte aus beiden Ländern signalisiert hat. Diese Vereinbarung könnte eine bedeutende Verschiebung in den regionalen Technologie-Lieferketten darstellen und die Widerstandsfähigkeit dieser strategisch wichtigen Industrie stärken.

Die Kooperation im Halbleiterbereich ist besonders bemerkenswert angesichts der Tatsache, dass sowohl Japan als auch Südkorea enge politische Verbündete der USA sind und von Washington gedrängt werden, sich dessen Strategie der wirtschaftlichen Eindämmung Chinas anzuschließen. Die drei asiatischen Nachbarn versuchen offenbar, einen eigenen Weg zu finden, der ihre wirtschaftlichen Interessen schützt, ohne ihre jeweiligen geopolitischen Positionen zu kompromittieren.

Stärkung der Lieferketten und Exportkontrollen

Ein weiterer Schwerpunkt der Vereinbarung ist die Stärkung regionaler Lieferketten. Die drei Länder haben sich auf eine engere Zusammenarbeit bei Lieferketten verständigt und planen, den Austausch über Exportkontrollen zu intensivieren. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Widerstandsfähigkeit ihrer Volkswirtschaften gegenüber externen Schocks wie handelspolitischen Konflikten zu verbessern.

Der südkoreanische Präsident betonte nach dem Treffen, man wolle gemeinsam “eine transparente und vorhersagbare Umgebung für Handel und die Lieferketten aufbauen”. Diese Aussage, obwohl vage formuliert, stellt einen deutlichen Kontrapunkt zur aktuellen US-Politik dar, die versucht, China international zu isolieren und die Hightech-Lieferketten stärker auf die USA zu konzentrieren.

Die Bedrohung durch US-Zölle und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen

Trumps aggressive Zollpolitik

Die neue Zusammenarbeit zwischen den drei asiatischen Wirtschaftsmächten wird vor allem durch die aggressive Zollpolitik der Trump-Administration motiviert. Seit Januar 2025 haben die USA Zölle von bis zu 25 Prozent gegenüber wichtigen Handelspartnern wie Kanada und Mexiko vorgeschlagen und gleichzeitig die Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus allen Ländern auf 25 Prozent erhöht.

Besonders einschneidend ist der von Trump angekündigte Zollsatz von 25 Prozent auf die Einfuhr von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen, der ab dem 2. April 2025 erhoben werden soll. “Wenn Sie Ihr Auto in den Vereinigten Staaten bauen, gibt es keinen Zoll”, erklärte der US-Präsident und machte damit deutlich, dass er mit den Zöllen die USA als Produktionsstandort stärken und Handelsdefizite abbauen will.

Darüber hinaus hat Washington in den vergangenen zwei Monaten die Zölle auf chinesische Importe drastisch von etwa 20 auf 40 Prozent erhöht und einen weiteren Zoll von 25 Prozent auf Importe aus Ländern angekündigt, die große Mengen venezolanischen Öls beziehen, darunter auch China.

Wirtschaftliche Folgen der Handelsspannungen

Die Auswirkungen dieser Zollpolitik könnten erheblich sein. Für Deutschland, das als Beispiel für eine exportorientierte Volkswirtschaft dienen kann, macht der US-Markt ein Fünftel seiner gesamten weltweiten Exporte und ein Viertel seiner weltweiten Autoexporte aus. Simulationen deuten darauf hin, dass ein transatlantischer Zollkonflikt die EU-Exporte in die USA halbieren und das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands langfristig um etwa 0,33 Prozent schrumpfen lassen könnte.

Auch auf den asiatischen Finanzmärkten ist die Unsicherheit spürbar. Obwohl die asiatischen Aktienmärkte zuletzt eine leichte Erholung verzeichneten, dämpft die Spannung hinsichtlich der bevorstehenden US-Importzölle weiterhin die Marktstimmung. Laut der Landesbank Baden-Württemberg sorgt die Unbeständigkeit der politischen Entscheidungen in den USA für Bedenken über mögliche Störungen der Lieferketten und Preiserhöhungen für US-Verbraucher.

Passend dazu:

Historischer Kontext und Zukunftsperspektiven der trilateralen Kooperation

Vorgeschichte der trilateralen Zusammenarbeit

Die aktuelle Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen China, Japan und Südkorea steht in einer längeren Tradition trilateraler Kooperation in Ostasien. Bereits 2011 vereinbarten die Staats- und Regierungschefs der drei Länder den Abschluss eines trilateralen Investitionsschutzabkommens und die Aufnahme von Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen. Im selben Jahr wurde in Seoul ein Sekretariat zur Koordinierung der trilateralen Kooperation eröffnet.

Ausgelöst wurden die ersten Kooperationsbemühungen durch die Asienkrise 1997/98, die eine stärkere wirtschaftspolitische Zusammenarbeit notwendig erscheinen ließ. Seit der asiatischen Finanzkrise hatten regelmäßige Treffen stattgefunden, um geopolitische Risiken zu minimieren, wurden jedoch in der jüngsten Vergangenheit in Folge der Corona-Krise und des Handelskriegs der USA gegen China jahrelang ausgesetzt.

Potential und Herausforderungen für die Zukunft

Die drei Länder sind zusammen bereits für rund 20 Prozent der globalen Wertschöpfung verantwortlich und könnten bis zum Jahr 2020 zum größten Wirtschaftsraum der Welt aufsteigen. Ein trilaterales Freihandelsabkommen würde diese Entwicklung zusätzlich beschleunigen und könnte ein Gegengewicht zur protektionistischen Politik der USA bilden.

Die Herausforderungen für eine vertiefte Zusammenarbeit bleiben jedoch bestehen. Die Beziehungen zwischen den drei Ländern sind nach wie vor durch territoriale Streitigkeiten und andere Konflikte belastet, wie etwa die umstrittene Einleitung des aufbereiteten Kühlwassers aus dem zerstörten Atomkraftwerk Fukushima durch Japan. Zudem gibt es unterschiedliche Auffassungen über die Intensität der Kooperation, wie die Äußerung des südkoreanischen Handelsministeriums zeigt, das Berichte über eine gemeinsame Reaktion auf US-Zölle als “etwas übertrieben” bezeichnete.

Neue regionale Allianzen in einer veränderten Welthandelsordnung

Die Annäherung zwischen China, Japan und Südkorea ist Teil eines globalen Trends zur Bildung neuer Handelsallianzen als Reaktion auf die protektionistische Politik der USA. Neben den drei asiatischen Ländern gibt es auch Anzeichen für eine Vertiefung der Handelsbeziehungen zwischen Kanada und der EU.

Wirtschaftsexperten sehen in der Intensivierung regionaler Freihandelsbeziehungen eine vielversprechende Strategie, um den wirtschaftlichen Schaden durch US-Zölle zu begrenzen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) empfiehlt der EU, ihre Exporte zu diversifizieren, indem sie ihre Handelsbeziehungen mit Freihandelspartnern vertieft und die Integration innerhalb des EU-Binnenmarkts verbessert. Simulationen zeigen, dass ein solcher Ansatz nicht nur den wirtschaftlichen Schaden eines Zollkonflikts mit den USA neutralisieren, sondern auch langfristig zu spürbaren BIP-Gewinnen führen könnte.

Die pragmatisch ausgerichtete Kooperation zwischen China, Japan und Südkorea in einer wachsenden Zahl von Politikfeldern könnte als Basis weitergehender Integration in Nordostasien dienen – einer Region, der es bislang an effektiven multilateralen Strukturen mangelt. Wie Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer gegenüber dem ZDF betonte: “Es geht darum, möglichst viel vom freien Welthandel zu retten, damit nicht das ganze System den Bach runtergeht”.

Pragmatismus in Zeiten des Protektionismus

Die neue Kooperation zwischen China, Japan und Südkorea zeigt, dass ökonomischer Pragmatismus politische Differenzen überbrücken kann, wenn gemeinsame Interessen auf dem Spiel stehen. Angesichts der zunehmenden Handelsspannungen mit den USA haben die drei ostasiatischen Wirtschaftsmächte trotz ihrer historischen Rivalitäten einen Weg gefunden, ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit zu vertiefen und gemeinsame Antworten auf die Herausforderungen des US-Protektionismus zu entwickeln.

Die Vereinbarungen zur Stärkung der Lieferketten, zum Ausbau des Halbleiterhandels und zur Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein trilaterales Freihandelsabkommen signalisieren eine neue Phase der regionalen Wirtschaftsintegration in Ostasien. Ob diese pragmatische Kooperation langfristig bestehen und die bestehenden politischen Differenzen überbrücken kann, wird maßgeblich davon abhängen, wie sich die US-Handelspolitik unter Trump entwickelt und welche wirtschaftlichen Vorteile die drei Länder aus ihrer verstärkten Zusammenarbeit ziehen können.

Passend dazu:

 

Ihr globaler Marketing und Business Development Partner

☑️ Unsere Geschäftssprache ist Englisch oder Deutsch

☑️ NEU: Schriftverkehr in Ihrer Landessprache!

 

Digital Pioneer - Konrad Wolfenstein

Konrad Wolfenstein

Gerne stehe ich Ihnen und mein Team als persönlicher Berater zur Verfügung.

Sie können mit mir Kontakt aufnehmen, indem Sie hier das Kontaktformular ausfüllen oder rufen Sie mich einfach unter +49 89 89 674 804 (München) an. Meine E-Mail Adresse lautet: wolfensteinxpert.digital

Ich freue mich auf unser gemeinsames Projekt.

 

 

☑️ KMU Support in der Strategie, Beratung, Planung und Umsetzung

☑️ Erstellung oder Neuausrichtung der Digitalstrategie und Digitalisierung

☑️ Ausbau und Optimierung der internationalen Vertriebsprozesse

☑️ Globale & Digitale B2B-Handelsplattformen

☑️ Pioneer Business Development / Marketing / PR / Messen


⭐️ Künstliche Intelligenz (KI) - AI-Blog, Hotspot und Content-Hub  ⭐️ Augmented & Extended Reality - Metaverse Planungsbüro / Agentur  ⭐️ XPaper