Logistik-Krise und der neue Mega-Kran für BASF: Warum das 100-Millionen-Projekt die eigentliche Krise nicht löst
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Xpert.Digital bei Google bevorzugen ⓘVeröffentlicht am: 19. August 2026 / Update vom: 19. August 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Logistik-Krise und der neue Mega-Kran für BASF: Warum das 100-Millionen-Projekt die eigentliche Krise nicht löst – Kreativbild zum Thema, mit KI: Xpert.Digital
Rekord-Trockenheit am Rhein: Wie BASF jetzt auf die historische Logistik-Krise reagiert
Produktion gedrosselt, Frachtkosten explodieren: So hart trifft die Dürre den Chemie-Riesen BASF
BASF schlägt Alarm: Warum der wichtigste Fluss der Industrie zur Achillesferse wird
Die deutsche Industrie steht vor einer ihrer größten logistischen Herausforderungen: Der Rhein führt historisches Niedrigwasser, und eine der wichtigsten Lebensadern der europäischen Wirtschaft droht auszutrocknen. Mitten in dieser dramatischen hydrologischen Krise im August 2026 gibt der Chemie-Gigant BASF am Stammwerk in Ludwigshafen den Startschuss für ein millionenschweres Ausbauprojekt. Mit der Erweiterung des gigantischen Kombiverkehrsterminals sollen künftig deutlich mehr Güter auf die Schiene verlagert und so die Abhängigkeit von der Wasserstraße verringert werden. Doch hinter dem feierlichen Spatenstich verbirgt sich eine bittere ökonomische Realität: Selbst der größte Mega-Kran kann keinen wasserführenden Fluss ersetzen. Während Frachtschiffe nur noch einen Bruchteil ihrer üblichen Ladung transportieren können und die Transportkosten regelrecht explodieren, muss sich nicht nur BASF, sondern die gesamte deutsche Exportwirtschaft die Frage stellen, wie lange ihre jahrzehntealten Logistikkonzepte noch tragfähig sind. Dieser Artikel beleuchtet, warum die akute Dürre am Rhein weit mehr als nur eine kurzfristige Wetterkapriole ist – und welche massiven Konsequenzen dieser Strukturwandel für Konzerne, Anleger und die makroökonomische Stabilität hat.
BASF zwischen Rekordtrockenheit und Milliardeninvestition: Der Kampf um die Logistik am Rhein
Am 17. August 2026 gaben Bundesverkehrsminister Steffen Bilger und BASF-Vorstandschef Markus Kamieth in Ludwigshafen offiziell den Startschuss für die Modernisierung des dortigen Kombiverkehrsterminals. Auf den ersten Blick handelt es sich um eine klassische Infrastrukturmeldung, wie sie im deutschen Wirtschaftsjournalismus regelmäßig erscheint: Ein Konzern investiert, der Staat fördert, ein Minister hält eine Rede. Doch der Zeitpunkt dieser Veranstaltung ist alles andere als zufällig gewählt, denn er fällt mitten in eine der dramatischsten hydrologischen Krisen, die der Rhein seit Beginn systematischer Pegelmessungen im Jahr 1880 erlebt hat. Der Pegel Kaub, die zentrale Referenzmarke für die Schifffahrt zwischen Mittel- und Oberrhein, rutschte im August 2026 zeitweise auf Werte um 17 bis 19 Zentimeter ab und unterschritt damit den bisherigen Rekordtiefstand aus dem Dürrejahr 2018 von 25 Zentimetern deutlich. Die symbolische Kranhebung in Ludwigshafen ist damit weit mehr als eine Routinemeldung zur Standortentwicklung. Sie ist ein Signal dafür, wie sehr die deutsche Chemieindustrie inzwischen gezwungen ist, ihre über Jahrzehnte gewachsene Logistikarchitektur neu zu denken, weil ein einst als verlässlich geltender Fluss zunehmend zur Achillesferse der industriellen Produktion wird.
Das Nervensystem des größten Chemiestandorts der Welt
Um die Bedeutung dieses Projekts einzuordnen, muss man sich die physische Konstruktion des BASF-Stammwerks Ludwigshafen vor Augen führen. Es handelt sich um den größten zusammenhängenden Chemiestandort weltweit, ein Geflecht aus mehreren tausend Rohrleitungskilometern, Dampfkesseln, Reaktoren und Lagertanks, das nur deshalb funktioniert, weil kontinuierlich Rohstoffe hinein- und Fertigprodukte herausfließen. Rund 40 Prozent der in Ludwigshafen produzierten Mengen werden traditionell über den Rhein transportiert, eine Zahl, die verdeutlicht, wie tief die Binnenschifffahrt in das Geschäftsmodell des Konzerns eingewoben ist. Das Kombiverkehrsterminal am Nordrand des Werksgeländes wurde im Jahr 2000 bewusst als Ergänzung zu dieser Wasserstraßenlogistik errichtet, mit dem klaren Ziel, eine zweite, wetterunabhängige Säule für den Güterverkehr zu schaffen. Seit seiner Eröffnung hat die Anlage mehr als 7,5 Millionen Umschlagvorgänge zwischen Lastwagen und Güterzügen abgewickelt, was nach Unternehmensangaben ebenso vielen Lkw-Fahrten entspricht, die auf längeren Strecken vermieden werden konnten. Bemerkenswert ist dabei, dass BASF-eigene Produkte nur 30 bis 40 Prozent der umgeschlagenen Mengen ausmachen, während der überwiegende Teil auf externe Speditionen und Verlader entfällt. Das Terminal ist damit längst kein reines Werkslogistikinstrument mehr, sondern ein regionaler Infrastrukturknotenpunkt, dessen Ausfall auch weit über die Werksgrenzen hinaus spürbare Folgen hätte.
Ein Ausbauprojekt, das seit Monaten in der Pipeline steckt
Wichtig für eine nüchterne Einordnung ist, dass die Modernisierung des Terminals keine spontane Reaktion auf die aktuelle Dürre ist, sondern bereits im Frühjahr 2026 angekündigt und im Detail geplant wurde. Ende März 2026 hatte BASF eine Förderzusage des Bundes in Höhe von knapp 51 Millionen Euro erhalten, nachdem die interne Prüfung des Zuwendungsbescheids abgeschlossen war. Das Gesamtinvestitionsvolumen bewegt sich nach Unternehmensangaben im niedrigen dreistelligen Millionenbereich, wobei einzelne Berichte konkret von mehr als 100 Millionen Euro sprechen. Kernstück der Baumaßnahme ist der Ersatz der vier vorhandenen, in die Jahre gekommenen Portalkräne durch drei neue Anlagen mit einer Spannweite von mehr als 100 Metern, die künftig auch deutlich längere Güterzüge bedienen können sollen, wobei eine spätere Erweiterung auf vier Kräne technisch weiterhin vorgesehen bleibt. Parallel dazu werden die Ein- und Ausfahrtsbereiche für Lastwagen optimiert, um Rückstaus und Wartezeiten zu reduzieren. Die Bauzeit ist auf einen mehrjährigen Zeitraum angelegt: Mitte 2027 sollen die alten Terminalmodule geschlossen und durch Neubauten ersetzt werden, wobei die Anlage für rund ein Jahr nur mit eingeschränkter Kapazität arbeiten kann, bevor die vollständige Fertigstellung für Ende 2028 angepeilt wird. Konzernchef Markus Kamieth bezifferte den Klimaeffekt des neuen Moduls, intern als Modul 50 bezeichnet, mit einer jährlichen Einsparung von etwa 200.000 Tonnen Kohlendioxid, weil zusätzliche Gütermengen von der Straße auf die klimafreundlichere Schiene verlagert werden können.
Warum ein Kran keinen Fluss ersetzen kann
An dieser Stelle offenbart sich jedoch die zentrale ökonomische Schwäche der aktuellen Kommunikationslinie. Der Ausbau des Kombiverkehrsterminals adressiert primär die Straße-Schiene-Achse, während die eigentliche akute Belastung derzeit von der Wasserstraße ausgeht. Die Binnenschifffahrt auf dem Rhein büßt nach Angaben des Bundesverbands Spedition und Logistik derzeit bis zu 80 Prozent ihres regulären Leistungsvolumens ein, da Frachtschiffe wegen der geringen Fahrrinnentiefe nur noch einen Bruchteil ihrer üblichen Ladung transportieren können. Die Industrie- und Handelskammer-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz zieht dabei eine klare Grenze: Unterhalb eines Pegelstands von 40 Zentimetern bei Kaub sei eine wirtschaftlich sinnvolle Binnenschifffahrt praktisch nicht mehr möglich, und genau dieser Schwellenwert wurde im August 2026 über Wochen deutlich unterschritten. Für Tankschiffe, die etwa Rohöl- oder Chemieprodukte von Rotterdam ins rheinland-pfälzische Karlsruhe transportieren, sind die Frachtraten Berichten zufolge von rund 45 Euro pro Tonne Ende Juni 2026 auf 120 bis 125 Euro pro Tonne gestiegen, ein Anstieg um mehr als das Zweieinhalbfache innerhalb weniger Wochen. Diese Kostenexplosion trifft die Chemieindustrie besonders hart, weil viele ihrer Rohstoffe wie Naphtha, Ammoniak oder andere Grundchemikalien in großen Volumina und mit geringer Wertdichte transportiert werden, sodass Logistikkosten überproportional stark auf die Gesamtkalkulation durchschlagen.
Die physikalische Logik des Niedrigwassers
Um zu verstehen, warum das Problem so hartnäckig ist, hilft ein Blick auf die technische Funktionsweise der Binnenschifffahrt. Ein Frachtschiff darf nach den Regeln der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung niemals so beladen fahren, dass sein Tiefgang die verfügbare Wassertiefe der Fahrrinne überschreitet, ein Zustand, der in der Branche als Fahrt auf Grund bezeichnet wird und aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen bleibt. Sinkt der Pegel, muss die Ladung reduziert werden, damit das Schiff höher im Wasser liegt. Bei einem Rekordtief wie im August 2026 bedeutet das konkret, dass ein Schubverband, der unter normalen Bedingungen mehrere tausend Tonnen transportieren könnte, teilweise nur noch 15 bis 20 Prozent seiner Kapazität ausschöpfen kann. Für dieselbe Gütermenge werden dann proportional mehr Fahrten benötigt, was wiederum mehr Schiffe, mehr Personal und mehr Betriebszeit erfordert, während das Angebot an verfügbaren Schiffen und erfahrenen Schiffsführern kurzfristig nicht beliebig skalierbar ist. Ein Vorstandsmitglied der Deutschen Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt brachte die historische Dimension auf den Punkt, als er erklärte, eine derart frühe und ausgeprägte Niedrigwasserphase in 45 Berufsjahren noch nicht erlebt zu haben. Besonders alarmierend ist zudem die Warnung des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt, dass der Rhein bei anhaltend sinkenden Pegeln im mittleren Flussabschnitt faktisch nicht mehr durchgängig befahrbar sein und damit in zwei voneinander getrennte Schifffahrtsgebiete zerfallen könnte, eines nördlich und eines südlich der Engstelle Kaub.
Volkswirtschaftliche Größenordnungen jenseits der Chemiebranche
Die makroökonomischen Schätzungen zu den Folgekosten dieser Entwicklung variieren, zeichnen aber ein übereinstimmendes Bild einer spürbaren, wenn auch nicht existenzbedrohenden Belastung für die deutsche Gesamtwirtschaft. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft taxiert den Wertschöpfungsverlust allein für das dritte Quartal 2026 auf ein bis zwei Milliarden Euro, was einer Dämpfung des Bruttoinlandsprodukts um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte entspricht, während andere Institute sogar einen Rückgang von bis zu 0,4 Prozent für möglich halten. Zum Vergleich: Das bislang als historischer Ausreißer geltende Niedrigwasser im Dürrejahr 2018 hatte die gesamtwirtschaftliche Leistung schätzungsweise um 0,4 Prozent reduziert. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie, Wolfgang Große Entrup, formulierte die Kausalkette unmissverständlich: Wenn Schiffe weniger laden könnten oder ganz ausfielen, stiegen die Kosten, gerieten Lieferketten unter Druck und käme es zu Produktionseinschränkungen. Auch für Stahlkonzerne wie Thyssenkrupp Steel in Duisburg, die auf große Mengen Eisenerz und Kohle per Schiff angewiesen sind, führen geringere Ladungen pro Fahrt zu höheren Transportkosten je Tonne, weil für dieselbe Gütermenge deutlich mehr Schiffe und Fahrten bezahlt werden müssen. Der nordrhein-westfälische Verkehrsminister forderte angesichts der Lage sogar eine bundesweite Taskforce, um kurzfristig alternative Transportkapazitäten zu mobilisieren, ein Vorschlag, der die politische Brisanz des Themas unterstreicht.#
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BASF im Ausnahmezustand: Erste operative Einschnitte
Für BASF selbst ist die Situation im August 2026 bereits konkret geworden. Nach Angaben des Konzerns kann das Unternehmen wegen des extremen Rhein-Niedrigwassers erste Produkte nicht mehr in vollem Umfang liefern, sodass einzelne Anlagen gedrosselt werden mussten. Konzernchef Markus Kamieth betonte zwar am Rande des Spatenstichs, es gebe bislang keine signifikanten Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis des laufenden Jahres, doch diese Einschätzung bezieht sich explizit auf den aktuellen Zeitpunkt und schließt eine Verschärfung bei anhaltender Trockenheit nicht aus. Diese Formulierung ist bezeichnend für die Kommunikationsstrategie großer Chemiekonzerne in solchen Situationen: Man erkennt das Problem an, relativiert aber gleichzeitig dessen bisherige finanzielle Tragweite, um Marktreaktionen nicht unnötig zu verstärken. Aus ökonomischer Sicht ist diese Zurückhaltung nachvollziehbar, denn Niedrigwasserperioden sind naturgemäß volatil und können sich durch Niederschlagsereignisse innerhalb weniger Wochen entspannen, wie es historische Verläufe wiederholt gezeigt haben. Gleichzeitig verdeutlicht die Entscheidung, ausgerechnet in dieser Phase den Ausbau des Kombiverkehrsterminals öffentlichkeitswirksam zu inszenieren, dass der Konzern die strukturelle Dimension des Problems durchaus ernst nimmt und aktiv gegensteuern will.
Zwischen Resilienzstrategie und Reparaturbetrieb
Die eigentliche strategische Frage, die sich aus dieser Gemengelage ergibt, lautet, ob Investitionen wie der Ausbau des Kombiverkehrsterminals tatsächlich geeignet sind, das Grundproblem zu lösen, oder ob sie lediglich eine Symptombekämpfung darstellen. Die ehrliche Antwort liegt in der Mitte. Auf der positiven Seite steht, dass eine leistungsfähigere Straße-Schiene-Anbindung die Abhängigkeit von der Wasserstraße strukturell verringert und damit die Resilienz des Standorts gegenüber künftigen Niedrigwasserereignissen erhöht. Mit einer jährlichen Kapazität von bis zu 370.000 Ladeeinheiten auf einer Fläche von rund 260.000 Quadratmetern und 13 Umschlaggleisen gehört das Terminal bereits heute zu den größten seiner Art in Europa, und die geplante Erweiterung der Kranspannweite auf über 100 Meter erlaubt künftig auch die Abfertigung längerer und damit effizienterer Güterzüge. Auf der negativen Seite steht jedoch, dass selbst eine verdoppelte Schienenkapazität die schiere Gütermenge, die traditionell über den Rhein bewegt wird, nicht annähernd vollständig kompensieren kann. Die Bahninfrastruktur in Deutschland leidet ohnehin unter chronischen Kapazitätsengpässen, Baustellen und einem Sanierungsstau, sodass zusätzliche Verkehrsverlagerungen auf die Schiene an anderer Stelle im Netz neue Engpässe erzeugen könnten. Zudem benötigt das Ausbauprojekt bis zur vollständigen Fertigstellung Ende 2028 noch mehr als zwei Jahre, während die aktuelle Krise bereits jetzt akut ist. Wer also erwartet, dass der neue Kran die diesjährigen Lieferengpässe lindert, überschätzt die kurzfristige Wirkung einer langfristig sinnvollen Infrastrukturentscheidung.
Strukturwandel statt Wetterkapriole
Ein Aspekt, der in der öffentlichen Debatte oft zu kurz kommt, ist die Frage, ob es sich bei den wiederkehrenden Niedrigwasserperioden noch um statistische Ausreißer handelt oder bereits um eine neue klimatische Normalität. Die Datenlage spricht zunehmend für die zweite Interpretation. Bereits im Juli 2026, also ungewöhnlich früh im Jahresverlauf, meldeten Branchenvertreter historisch niedrige Pegelstände, lange bevor die eigentliche Sommerhitze überhaupt ihren Höhepunkt erreicht hatte. Diese Vorverlagerung der kritischen Phase ist ökonomisch relevant, weil sie die Zeitfenster verkürzt, in denen Unternehmen ihre Lagerbestände und alternativen Transportwege vorausschauend planen können. Die Häufung solcher Ereignisse seit 2018, 2022 und nun 2026 legt nahe, dass sich die Wahrscheinlichkeitsverteilung extremer Trockenperioden am Rhein tatsächlich verschoben hat, was tiefgreifende Konsequenzen für die langfristige Standortplanung wasserintensiver Industrien haben muss. Für Unternehmen wie BASF bedeutet das, dass Investitionsentscheidungen künftig nicht mehr allein nach betriebswirtschaftlicher Amortisationslogik in normalen Jahren getroffen werden können, sondern explizit Szenarien für wiederkehrende, mehrwöchige Totalausfälle der Wasserstraße einpreisen müssen. Vor diesem Hintergrund erscheint die Investition in das Kombiverkehrsterminal weniger als kurzfristige Krisenreaktion, sondern vielmehr als überfällige Anpassung an eine strukturell veränderte Risikolandschaft, die schon seit Jahren erkennbar war.
Die Kapitalmarktperspektive: Zwischen Dividendenstabilität und Kursvorsicht
Aus Anlegersicht ergibt sich aus dieser Gemengelage ein differenziertes Bild. BASF gilt traditionell als einer der verlässlichsten Dividendenzahler im deutschen Leitindex, eine Reputation, die auf Jahrzehnten konstanter oder steigender Ausschüttungen selbst in konjunkturell schwierigen Phasen beruht. Diese langfristige Substanz wird durch die aktuelle Niedrigwasserkrise nicht grundsätzlich infrage gestellt, denn der Konzern hat vergleichbare Situationen, etwa während der Dürre im Jahr 2018, bereits einmal durchlebt und dabei zwar erhebliche Mehrkosten verzeichnet, aber keine Existenzgefährdung erlitten. Gleichzeitig ist es aus Investorensicht nicht ratsam, die aktuelle Situation zu ignorieren. Sollte sich die Trockenheit über mehrere Wochen oder gar Monate fortsetzen, drohen dem Konzern ähnlich wie 2018 spürbare Zusatzkosten durch teurere alternative Transportwege, gedrosselte Anlagenauslastung und mögliche Lieferverzögerungen gegenüber Kunden. Diese Gemengelage spricht dafür, kurzfristig keine übereilten Kaufentscheidungen zu treffen, selbst wenn der Titel auf mittelfristige Sicht für ertragsorientierte Anleger attraktiv bleibt. Wer bereits in der Aktie investiert ist, sollte die Kursentwicklung eng verfolgen und übliche Absicherungsmechanismen wie eine Stop-Loss-Marke im Bereich von etwa 39,00 Euro im Blick behalten, um das Risiko eines abrupten Kursrückgangs bei einer weiteren Verschärfung der Logistikkrise zu begrenzen. Diese Vorsicht schließt eine langfristig positive Einschätzung des Unternehmens keineswegs aus, sondern reflektiert lediglich die Erkenntnis, dass kurzfristige operative Risiken und langfristiges Ertragspotenzial getrennt bewertet werden müssen.
Ein Testfall für die gesamte deutsche Exportwirtschaft
Über den Einzelfall BASF hinaus wirft die aktuelle Situation grundsätzliche Fragen zur Belastbarkeit der deutschen Industrielogistik auf. Der Rhein ist nicht irgendeine Wasserstraße unter vielen, sondern das Rückgrat des größten europäischen Binnenschifffahrtssystems, über das jährlich enorme Mengen an Rohstoffen, Halbfertig- und Fertigprodukten zwischen den Nordseehäfen und dem industriellen Kernland Nordrhein-Westfalens, Rheinland-Pfalz und Baden-Württembergs bewegt werden. Wenn ein Fluss dieser Bedeutung faktisch für Wochen in zwei getrennte Schifffahrtsgebiete zerfällt, wie es der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt im August 2026 als reale Gefahr beschrieb, dann steht nicht nur ein einzelnes Unternehmen, sondern die gesamte exportorientierte Industriestruktur Westdeutschlands vor einer fundamentalen logistischen Zäsur. Die geforderte nationale Taskforce zur Verbesserung der Transportlage ist daher weniger als politisches Symbol zu verstehen, sondern als Ausdruck einer ernsthaften Sorge auf Länderebene, dass die bestehende Verkehrsinfrastruktur den neuen klimatischen Realitäten nicht mehr gewachsen ist. In diesem Kontext erscheint der BASF-Ausbau des Kombiverkehrsterminals als ein sinnvolles, aber isoliertes Puzzleteil in einem viel größeren Bild, das eigentlich eine koordinierte, überregionale Antwort erfordern würde, etwa durch systematische Vertiefung kritischer Fahrrinnenabschnitte, den beschleunigten Ausbau paralleler Schienenkorridore oder verstärkte Investitionen in wasserunabhängige Pipeline-Infrastruktur für besonders kritische Rohstoffströme.
Die Infrastrukturfalle: Warum BASF und Deutschland neue Logistikkonzepte brauchen
Am Ende bleibt ein ambivalentes Gesamtbild. BASF handelt mit dem Ausbau des Kombiverkehrsterminals wirtschaftlich rational und strategisch vorausschauend, indem der Konzern seine Abhängigkeit von einer zunehmend unzuverlässigen Wasserstraße reduziert und gleichzeitig staatliche Fördermittel für ein klimapolitisch begründetes Infrastrukturprojekt nutzt. Zugleich zeigt der zeitliche Zusammenfall mit der schwersten Niedrigwasserkrise der Aufzeichnungsgeschichte schonungslos, wie sehr die deutsche Chemieindustrie noch immer auf eine Transportinfrastruktur des zwanzigsten Jahrhunderts angewiesen ist, die den klimatischen Bedingungen des einundzwanzigsten Jahrhunderts nicht mehr gerecht wird. Der neue Kran in Ludwigshafen wird ab 2028 mehr Container schneller umschlagen können, doch er wird keinen einzigen zusätzlichen Tropfen Wasser in den Rhein bringen. Diese nüchterne Erkenntnis sollte sowohl Unternehmenslenker als auch Investoren davon abhalten, Einzelmaßnahmen als vollständige Lösung eines strukturellen Problems misszuverstehen, das nur durch ein Zusammenspiel aus Infrastrukturdiversifizierung, klimaresilienter Planung und letztlich auch durch eine ehrliche gesellschaftliche Debatte über die langfristigen Folgen des Klimawandels für die industrielle Basis Deutschlands nachhaltig bewältigt werden kann.
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