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Macht, Öl und die Heuchelei der Weltordnung

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Veröffentlicht am: 4. Januar 2026 / Update vom: 4. Januar 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Macht, Öl und die Heuchelei der Weltordnung

Macht, Öl und die Heuchelei der Weltordnung – Bild: Xpert.Digital

Wie die Entmachtung Nicolás Maduros die wahren Triebfedern der Geopolitik offenlegt

Der Kollaps einer Rentierökonomie

Wer nur in Gut und Böse denkt, versteht keine Weltpolitik – Wer nur moralisiert, ersetzt Denken durch Haltung

Venezuela präsentiert eines der faszinierendsten und zugleich tragischsten Fallbeispiele wirtschaftlicher Misswirtschaft in der modernen Geschichte. Das Land, das bis Anfang der 2010er Jahre als das wohlhabendste Lateinamerikas galt, ist in weniger als eineinhalb Jahrzehnten in einen quasi-vollständigen ökonomischen Kollaps abgerutscht. Diese Entwicklung war nicht das Resultat äußerer Kräfte allein, sondern das Produkt einer fundamentalen Fehlkonstruktion des venezolanischen Wirtschaftssystems unter Hugo Chávez und dessen Nachfolger Nicolás Maduro.

Die venezolanische Ökonomie war historisch völlig abhängig von Ölexporten geworden. Mit dem Verfall des Ölpreises von über 100 Dollar pro Barrel im Jahr 2011 auf zeitweise unter 30 Dollar Mitte der 2010er Jahre brach das Geschäftsmodell des gesamten Staates zusammen. Das BIP ist seitdem um über 70 Prozent eingebrochen. Doch dies war nicht einfach eine Folge externer Schocks, sondern das Ergebnis systematischer Unfähigkeit und planwirtschaftlicher Fehlsteuerung.

Das grundlegende Problem bestand darin, dass die Chávez-Regierung während der Ölpreis-Boom-Jahre der 2000er nicht in die Infrastruktur oder Diversifizierung der Wirtschaft investierte, sondern die Gewinne für kurzfristige sozialpolitische Versprechen und Klientelismus verprasste. Die staatliche Ölgesellschaft PDVSA wurde nicht modernisiert, sondern politisiert. Fachkräfte wurden vertrieben, Wartung vernachlässigt, und die Produktionskapazität der Ölfelder sank kontinuierlich. Während Venezuela einst über drei Millionen Barrel täglich förderte, sind es heute kaum noch eine Million.

Zeitgleich wurden Verstaatlichungen ohne wirtschaftliches Konzept durchgeführt. Die Regierung übernahm private Unternehmen, enteignete Landwirtschaftsflächen und zentralisierte die Kontrolle über die meisten Produktionsmittel. Dies führte nicht zu einer gerechteren Verteilung, sondern zu Korruption, Ineffizienz und wirtschaftlicher Stagnation. Die geplante Misswirtschaft, gepaart mit Preisvergaben und künstlichen Wechselkursen, führte zu massiven Marktverzerrungen.

Als die Öleinnahmen dann tatsächlich zusammenbrachen, hatte der Staat keine flexiblen Institutionen, keine Rücklagen und keine produktive Basis, um die Krise zu bewältigen. Die Inflation explodierten. Die Inflationsrate betrug 2016 rund 800 Prozent, im Jahre 2017 über 2000 Prozent und 2018 80.000 Prozent. Schätzungen für 2019 lagen nach offiziellen venezolanischen Quellen zwischen 7.374 und 9.585 Prozent, laut dem Internationalen Währungsfonds bei 200.000 Prozent. Dies ist nicht nur ein statistisches Problem – es bedeutet konkrete Hölle für die Bevölkerung.

Mit solcher Inflation verliert das Geld täglich seinen Wert. Ein Mindestlohn, der am Monatsanfang noch irgendetwas kauft, ist am Ende des Monats praktisch wertlos. Im November 2017 wurden Lebensmittel wegen der täglich steigenden Preise in kleinen Portionen von unter 200 Gramm verkauft. Vier Esslöffel Zucker kosteten 4.000 Bolivares, was zwei Drittel des täglichen Mindestlohns entsprach. Die Menschen begannen, ihre Haustiere zu essen, dann Tiere aus Zoos. Dies ist nicht eine Metapher – dies ist dokumentierte Realität von Menschen, die in einem der rohstoffreichsten Länder der Welt verhungern.

Das Gesundheitssystem kollabierte. Krankenhäuser hatten keine Medikamente, keine Instrumente, keinen Strom. Ärzte verließen das Land in Scharen. Die Kindersterblichkeit stieg dramatisch. Das Bildungssystem brach zusammen. Schulen hatten keinen Strom und keine Heizmittel; Lehrer verließen den Beruf, weil ihr Gehalt nicht ausreichte, um zu essen.

Die Armutsquote, die unter Chávez in den 2000ern durch reine Ölfinanzierung gesunken war, schnellte wieder nach oben und übersteigt heute 80 Prozent der Bevölkerung. Etwa 53 Prozent leben in extremer Armut und können sich nicht einmal einen Grundwarenkorb leisten. Das ist nicht entwicklungsökonomisches Rückwärtsgehen – das ist zivilisatorischer Zusammenbruch.

Eine Rentierökonomie ist eine Wirtschaftsform, in der ein wesentlicher Teil des Wohlstands nicht durch produktive Arbeit oder Wertschöpfung entsteht, sondern durch das Abschöpfen von „Renten“, also Einkünften aus Knappheiten, Monopolen oder externen Zahlungen (z.B. Rohstoffrenten, Transitgebühren, Hilfszahlungen). Typisch ist, dass Akteure (oft der Staat) hohe Einnahmen erzielen können, ohne die eigene Wirtschaft breit zu entwickeln, was häufig zu politischer Verkrustung, geringer Innovationsdynamik und Abhängigkeit von diesen Renten führt.

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Die geopolitische Dimension: Rohstoffe, Macht und strategische Interessen

Es wäre naiv zu glauben, dass die USA Maduro allein aus humanitärer Besorgnis gestürzt haben. Aber es wäre gleichermaßen naiv zu behaupten, dass nur wirtschaftliche Interessen am Werk wären. Die Realität ist komplexer und weniger moralisch aufgeladen als beide extremen Positionen suggerieren.

Venezuela verfügt über die größten bekannten Ölreserven der Welt – geschätzte 303 Milliarden Barrel, mehr als Saudi-Arabien, mehr als der Iran, mehr als Russland. Hinzu kommen massive Goldvorkommen (schätzungsweise etwa 8.000 Tonnen im Orinoco-Bergbaugürtel), Diamanten, Nickel, Coltan und andere kritische Mineralien. Für ein Land, das Energiesicherheit braucht und technologische Abhängigkeiten reduzieren will, sind solche Ressourcen strategisch wertvoll.

Doch die Ölfrage wird oft übersimplifiziert. Amerikanische Ölfirmen wie Chevron könnten heute leicht günstigeres Öl aus dem Golf oder sogar aus Guyana (das ebenfalls von den USA bevormundet wird) beziehen. Der wirkliche Grund liegt tiefer: Es geht um die Kontrolle von Einflusssphären, um die Verhinderung, dass eine andere Großmacht – insbesondere China – die Ressourcen kontrolliert.

China war der Hauptabnehmer venezolanischen Öls geworden. Circa 70 Prozent der venezolanischen Ölexporte gingen nach Peking. Darüber hinaus hatte China massive Investitionen getätigt und Kredite in der Höhe von 60 bis 70 Milliarden Dollar vergeben. Dies machte Venezuela zu einem impliziten Klienten Chinas – oder zumindest zu einem Staat mit starken Bindungen zu einer Macht, die Washington als existenzielle Bedrohung betrachtet.

Russland spielte eine unterstützende Rolle. Moskau lieferte Waffen, Ausrüstung und diplomatische Deckung. Die Koordination zwischen Russland und Venezuela, die im Oktober 2025 in einer strategischen Partnerschaft manifestiert wurde, signalisierte, dass Venezuela nicht allein ein ölreicher Staat war, sondern Teil eines Gegenbündnisses gegen westliche Dominanz.

Trump hat dies klarer und direkter ausgesprochen als seine Vorgänger. Er hat nicht versucht, dies hinter humanitärer Rhetorik zu verstecken. Seine Aussagen wie “Sie haben unser Öl genommen und wir wollen es zurück” waren eine explizite Referenz auf Chávez’ Verstaatlichung von ExxonMobil-Anlagen 2007. Trump spricht in Kategorien von Besitz und Kontrolle – die Monroe-Doktrin, die vor 200 Jahren die westliche Hemisphäre als amerikanische Einflusssphäre deklarierte, wird revitalisiert.

Die Monroe-Doktrin 2.0, wie Trumps Sicherheitsberater sie nannten, ist eine explizite Rückkehr zu einer Politik der Einflusssphären. Sie bedeutet, dass die USA Lateinamerika als ihr legitimes Gebiet betrachten, auf dem keine anderen Großmächte dominanten Einfluss haben dürfen. Dies ist nicht neu – es ist die Grundlage der US-Außenpolitik seit zwei Jahrhunderten. Aber unter Trump wird es unverhoblener durchgesetzt.

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Die Völkerrechtliche Grauzone und westliche Heuchelei

Hier wird es unangenehm für die westliche Ordnung. Der US-Militäreinsatz in Venezuela verstößt eindeutig gegen fundamentale Normen des Völkerrechts. Die Entführung eines ausländischen Staatschefs ohne UN-Mandat ist ein Bruch der UN-Charta. Artikel 2, Absatz 4 der Charta verbietet die Androhung oder Anwendung von Gewalt gegen die territoriale Unversehrtheit oder politische Unabhängigkeit eines anderen Staates.

Es gibt nur zwei legal anerkannte Ausnahmen: eine Autorisierung durch den UN-Sicherheitsrat oder ein Recht auf Selbstverteidigung gegen einen bewaffneten Angriff. Keine dieser Ausnahmen trifft auf Venezuela zu. Es gab keinen bewaffneten Angriff auf die USA durch Venezuela, und China und Russland hätten im Sicherheitsrat einen solchen Beschluss blockiert.

Zahlreiche Völkerrechtler und internationale Organisationen haben den Einsatz als illegal qualifiziert. Der UN-Generalsekretär Guterres warnte davor, dass keine dauerhafte politische Lösung von außen erzwungen werden könne. Deutschland, unter dem neuen Bundeskanzler Merz, spricht von “Besorgnis” und fordert einen “geordneten Übergang unter Achtung des Völkerrechts” – was ein diplomatisches Understatement für “Das war völkerrechtswidrig, aber wir wollen nicht zu laut protestieren” ist.

Und genau hier liegt das zentrale Problem der westlichen Glaubwürdigkeit. Der Westen – insbesondere Deutschland, die EU, Frankreich und Großbritannien – haben jahrelang auf einer “regelbasierten internationalen Ordnung” insistiert. Diesen Begriff haben sie ständig verwendet, um Russlands Invasion der Ukraine, Chinas Drohungen gegen Taiwan und andere Verstöße zu kritisieren. Das ist moralisch richtig. Russland sollte nicht in die Ukraine einmarschieren.

Aber wenn der Westen dann bei einem amerikanischen Militäreinsatz gegen einen undemokratischen, aber nicht den USA direkt angreifenden Staat stumm bleibt oder sogar leise Unterstützung signalisiert, dann zeigt dies eine eklatante Doppelmoral. Die Heuchelei ist nicht nur analytisch unhaltbar – sie ist auch strategisch töricht, weil sie genau die Länder des Globalen Südens, die die westliche Ordnung braucht, weiter entfremdet.

Der brasilianische Wissenschaftler Giorgio Romano Schutte hat dies treffend zusammengefasst: Der Globale Süden sieht die gleichen westlichen Länder, die in Belgrad bombardierten, ohne UN-Mandat in Libyen intervenierten, Afghanistan jahrzehntelang destabilisierten, und nun Venezuela angreifen. Und diese Länder predigen dem Globalen Süden Moral und Völkerrechtskonformität. Es ist kein Wunder, dass Brasilien, Mexiko, Indien und andere bedeutende Staaten sich weigern, US-Sanktionen gegen Russland zu unterstützen. Sie sehen darin eine selektive Anwendung von Regeln zu Gunsten der Großmächte, die es sich leisten können, sie zu ignorieren.

Deutschland und die EU können hier nicht mehr glaubwürdig sein, indem sie nur die Ukraine verteidigen und Venezuela ignorieren. Entweder gilt das Völkerrecht für alle, oder es ist ein Instrument von Macht, kein echtes Recht.

 

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Maduros Sturz enthüllt Europas Doppelmoral: Die bittere Wahrheit hinter der Krise

Die Realität humanitärer Notwendigkeit in einer schmutzigen Welt

Aber es gibt eine andere, unbequeme Wahrheit, die viele nicht aussprechen wollen: Venezuela war unter Maduro eine humanitäre Katastrophe. Die Fakten sind nicht umstritten. Über sieben Millionen Menschen – etwa 30 Prozent der Bevölkerung – haben Venezuela verlassen. Dies ist die zweitgrößte externe Migrationskrise der Welt nach der Flucht aus Syrien.

Täglich fliehen circa 2.000 Menschen aus Venezuela, weil der Hunger unerträglich ist, weil Verbrecher, Banden und Militär die Städte kontrollieren, weil die Infrastruktur zusammengebrochen ist. Die Vereinten Nationen berechneten, dass 2025 etwa 7,9 Millionen Venezolaner auf humanitäre Hilfe angewiesen sind – 4,2 Millionen davon Kinder. 15 Prozent der Gesamtbevölkerung brauchen dringende Nahrungsmittelhilfe.

Maduro ist verantwortlich für Zehntausende von Todesfällen – durch Hunger, fehlende Medizin, Gewalt durch staatliche Sicherheitskräfte und Milizen. Unter seinem Regime gab es außergerichtliche Tötungen, systematische Folter, Unterdrückung der Oppositionsparteien, Manipulation von Wahlen, Kontrolle von Medien und systematische Korruption. Die 2024-Wahl war gefälscht – dies ist durch unabhängige Wahlbeobachter dokumentiert.

Wenn es jemals einen Fall gab, in dem ein Regime seine Legitimität vollkommen verspielt hat, dann Venezuela unter Maduro. Die Frage ist nicht, ob Maduro gehen sollte – er hätte schon vor Jahren gehen sollen, durch Wahlen oder durch Machtwechsel. Die Frage ist: Wie und unter welchen Bedingungen?

Eine humanitäre Intervention hätte unter strengen völkerrechtlichen Standards stattfinden können – mit UN-Mandat, mit internationaler Beteiligung, mit einer Nachbetreuungsstrategie, mit klaren Verpflichtungen zur Restauration demokratischer Institutionen. Das hat nicht stattgefunden. Stattdessen war es ein Militäreinsatz einer Supermacht mit ihren eigenen Interessen.

Das bedeutet aber nicht, dass das Ergebnis schlecht für Venezuela sein muss. Es könnte sein, dass trotz eines völkerrechtswidrigen Prozesses ein besserer Zustand entsteht. Geschichte ist voll solcher Paradoxien. Ein erzwungener Regimewechsel ohne legale Grundlage kann trotzdem bessere Ergebnisse für die Bevölkerung bedeuten als die Fortsetzung eines barbarischen Regimes.

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Europas Lähmung und die Irrelevanz Deutschlands

Was ist die europäische Antwort? Unbehagen. Vorsicht. Besorgnis. Rufe nach “geordnetem Übergang” und Wahrung des Völkerrechts, während man sich zugleich nicht traut, die USA direkt zu kritisieren.

Frankreichs Macron hat sogar versucht, das Beste aus beiden Welten zu haben: Er kritisiert die Methode leise, begrüßt aber das Ergebnis – dass Maduro weg ist – und spricht vom venezolanischen Volk, das “von der Diktatur befreit” wurde. Das ist moralisch und analytisch schwach. Entweder eine Intervention ist illegal, oder sie ist es nicht. Man kann nicht sagen, dass sie gut ist, weil das Ergebnis gefällt.

Deutschland unter Merz ist in der klassischen Position der europäischen Schwäche: Es verurteilt das Vorgehen in allgemeinen Begriffen, ohne zu sagen, welche konkreten Konsequenzen dies haben sollte. Es warnt vor “Instabilität” – als würde ein ölreicher, von China und Russland unterstützter Staat, der 80 Prozent seiner Bevölkerung in Armut hält, nicht bereits völlig instabil sein. Das ist Selbsttäuschung.

Die Deutsche Regierung rühmt sich gerne ihrer Werte und ihrer Unterstützung für “regelbasierte Ordnung”. Aber die regelbasierte Ordnung wird von den USA geschrieben, überall dort, wo die USA Interesse haben. In Asien mit China, in Europa mit Russland, in Lateinamerika mit Venezuela. Deutschland kann diesem Spiel nicht wirklich entgegentreten – es ist zu abhängig von der amerikanischen Sicherheitsgarantie und vom Dollar-System.

Das bedeutet nicht, dass Deutschland bösartig handelt. Es bedeutet, dass Deutschland strukturell schwach ist. Europa als Ganzes ist strukturell schwach. China und Russland können solche Operationen durchführen, weil sie zu Staaten bereit sind, wirtschaftliche Kosten in Kauf zu nehmen für geopolitische Ziele. Der Westen – Amerika inbegriffen – kann sie durchführen, weil er die Macht hat und die Konsequenzen anderen aufbürden kann. Europa kann das nicht.

Das tut keinem weh – es ist einfach die realistische Einschätzung. Die europäische Außenpolitik ist in einer Lähmung zwischen moralischen Ansprüchen und strategischer Ohnmacht gefangen.

Die neue multipolaren Weltordnung und die Grenzen der Macht

Was die Trump-Operation in Venezuela wirklich zeigt, ist die Neusortierung der globalen Macht. Die Zeit, in der die USA unilateral agieren konnten, ist nicht vorbei – aber die Kosten sind gestiegen. Die Tatsache, dass Trump eine militärische Operation mit Spezialeinheiten zur Entführung Maduros durchführen musste, statt einfach einen CIA-gestützten Putsch zu orchestrieren wie in Zeiten des Kalten Krieges, zeigt, dass die lokale Macht Venezuelas – gestützt auf China und Russland – größer ist als früher.

China hatte Venezuela massive finanzielle und technologische Unterstützung gegeben. Russland lieferte Waffen und diplomatische Unterstützung. Dies half Maduro, Trump-Sanktionen über Jahre hinweg zu überstehen. Maduros Anrufe bei chinesischen Offiziellen wenige Stunden vor seiner Festnahme zeigen, dass er bis zum Schluss versuchte, externe Unterstützung zu mobilisieren.

Aber China und Russland konnten letztlich nicht intervenieren, ohne direkt mit den USA zu kollidieren – ein Risiko, das sie nicht eingehen wollen. Peking und Moskau werden Venezuela verbale Unterstützung geben, aber keine militärische. Das ist realpolitik: Man unterstützt einen Verbündeten, solange das keine existenzielle Bedrohung für einen selbst darstellt.

Für China bedeutet dieser Machtwechsel einen klaren Verlust. Die Hoffnung war, dass Venezuela ein dauerhafter Rohstofflieferant und Verbündeter im Kampf gegen amerikanische Dominanz sein könnte. Das ist nun fraglich. China wird unter einer US-freundlicheren oder zumindest nicht von China abhängigen Regierung weniger Einfluss haben.

Gleichzeitig könnte für China eine Lektion darin liegen: Finanzielle und wirtschaftliche Abhängigkeit allein schützt dich nicht vor Machtwechsel, wenn die Großmacht, die dich unterstützt, militärisch schwächer ist. Dies ist eine Warnung vor Überextension in Regionen, wo eine andere Großmacht die Militärkapazität hat, ihre Interessen durchzusetzen.

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Der größere Kontext: Europäische Selbstauflösung

Aber nun zu dem Teil, der wirklich weh tut – und den nur wenige aussprechen wollen. Während Europa sich moralisch überlegen fühlt über Trump und die US-Intervention in Venezuela, findet die echte kulturelle und institutionelle Auflösung Europas vor der eigenen Haustür statt.

Deutschland zahlte Milliarden für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der systematisch nationale Kultur erodiert, nationale Geschichte dekonstruiert, nationale Interessen delegitimiert und nationale Identität pathologisiert. Das ist kein Vergleich zu Trump – es ist schlimmer, weil es subtil ist und mit einer Aura von Moral umgeben ist.

Der Anstieg rechtsextremer Parteien in ganz Europa – AfD in Deutschland, RN in Frankreich, FPÖ in Österreich, Meloni in Italien – ist eine direkte Reaktion auf eine wahrgenommene kulturelle Eliten-Übernahme. Der Versuch, sich moralisch überlegen zu fühlen gegenüber Trump in Amerika, während man gleichzeitig zu Hause systematisch die Legitimität eigener Institutionen untergräbt, ist die Heuchelei von Heucheleien.

Dies ist nicht ein Argument gegen Migration oder Multikulturalismus. Es ist ein Argument dafür, dass Institutionen, die ihre eigene Grundlage systematisch delegitimieren, die Kontrolle über ihre Legitimität verlieren. Wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk, die Universitäten, die Medien systematisch den Eindruck geben, dass nationale Kultur, nationale Geschichte und nationale Interessen inherent böse sind, darf man sich nicht wundern, wenn die Bevölkerung sich nach Führungskräften sehnt, die das nicht sagen.

Dies ist ein schlichtes Managementproblem, kein moralisches. Wenn man ein Gemeinwesen führen will, muss man glaubwürdig die Ansicht vertreten, dass der Bestand dieses Gemeinwesens wertvoll ist. Wenn man sich stattdessen von außen irgendeiner globalen progressiven Agenda verpflichtet fühlt, verliert man die Kontrolle über die innenpolitische Narrative.

Nüchternheit statt Heiligkeit

Mehrere Wahrheiten können gleichzeitig gültig sein. Trump handelt aus geopolitischen Interessen – Kontrolle von Rohstoffen, Eindämmung chinesischen Einflusses, Durchsetzung der Monroe-Doktrin. Das ist nicht Heiligkeit, es ist Realpolitik. Dies sollte man nicht moralisieren.

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Gleichzeitig war Maduro ein Diktator, der sein Land in den wirtschaftlichen und humanitären Kollaps geführt hat. Millionen sind geflohen. Menschen verhungerten. Das Gesundheitssystem kollabierte. Dies ist dokumentierte Realität, nicht Propaganda.

Der US-Militäreinsatz war völkerrechtswidrig – es gab kein UN-Mandat, keine internationale Koalition, keine legitimen legalen Gründe. Das ist auch wahr.

Die westliche Reaktion war heuchlerisch – man kritisiert Russland wegen der Ukraine, während man bei Venezuela diplomatisch feige bleibt. Das ist auch wahr.

Das zentrale analytische Problem des Westens besteht darin, dass er moralisch argumentieren will, während er macht-politisch handelt. Dies ist nicht möglich. Man muss sich entscheiden: Entweder ist es Völkerrecht, das für alle gilt, oder es ist Machpolitik, bei der die Starken sich nehmen, was sie brauchen. Man kann nicht behaupten, dass beides gleichzeitig wahr ist.

Für Deutschland und Europa bedeutet dies: Aufhören mit moralischer Vorlesung gegenüber Staaten, die Interessen verfolgen. Stattdessen sollte Europa seine eigenen Interessen klarer definieren, seine Legitimität intern wiederherstellen und dann mit anderen Großmächten auf Basis gegenseitigen Respekts verhandeln. Das ist unbequem. Das ist nicht das Narrative, das man hört. Aber es ist die einzige Grundlage für eine glaubwürdige Außenpolitik.

 

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