Amazon verliert 2026 erstmals Marktanteile in Deutschland â Kaufland, OTTO & eBay schlagen zurĂŒck
Xpert Pre-Release
Sprachauswahl đą
Veröffentlicht am: 3. April 2026 / Update vom: 3. April 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Amazon verliert 2026 erstmals Marktanteile in Deutschland â Kaufland, OTTO & eBay schlagen zurĂŒck – Bild: Xpert.Digital
Heimliche Wende im E-Commerce: Diese 3 MarktplÀtze jagen Amazon jetzt Marktanteile ab
Die Amazon-Falle: Warum Online-HĂ€ndler 2026 ohne Multi-Channel-Strategie scheitern
Alarmstufe Rot bei Amazon? Was die historischen GebĂŒhrensenkungen fĂŒr HĂ€ndler bedeuten
Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist Amazon der unangefochtene König des deutschen E-Commerce. FĂŒr unzĂ€hlige HĂ€ndler galt lange die ungeschriebene Regel: Wer auf Amazon gewinnt, gewinnt den Markt. Doch im Jahr 2026 vollzieht sich eine stille, aber gewaltige Zeitenwende im deutschen Online-Handel. Der Riese wĂ€chst zwar absolut weiter, doch er verliert erstmals strukturell Marktanteile. Das Wachstum verteilt sich neu â und zwar auf Akteure, die viele lĂ€ngst abgeschrieben oder stark unterschĂ€tzt hatten. Kaufland Global Marketplace, OTTO Market und eBay greifen mit völlig unterschiedlichen, aber hochgradig erfolgreichen Strategien an und verschieben die MachtverhĂ€ltnisse nachhaltig. Die aggressive Niedrigpreiskonkurrenz durch Temu und Shein spielt dabei nur eine Nebenrolle. FĂŒr Online-HĂ€ndler bedeutet diese Entwicklung einen fundamentalen Wendepunkt: Wer sein GeschĂ€ft weiterhin exklusiv auf Amazon konzentriert, geht ein gefĂ€hrliches Klumpenrisiko ein. Dieser Artikel analysiert die neuen KrĂ€fteverhĂ€ltnisse, erklĂ€rt, warum Amazon plötzlich mit historischen GebĂŒhrensenkungen reagiert, und zeigt auf, wie eine zukunftssichere und profitable Multi-Channel-Strategie fĂŒr das Jahr 2026 aussehen muss.
Drei Plattformen, eine Botschaft: Wer heute nicht diversifiziert, verliert morgen
Der scheinbar unbesiegbare Riese und seine erste echte SchwÀchestunde
Amazon ist in Deutschland seit mehr als zwei Jahrzehnten die dominierende Kraft im Online-Einzelhandel. Mit einem Marktanteil von rund 60 Prozent am deutschen E-Commerce â aufgeteilt in 17 Prozent Eigenhandel und 43 Prozent Marketplace-UmsĂ€tze â ist die Plattform fĂŒr viele HĂ€ndler nicht nur der wichtigste, sondern schlicht der einzige relevante Absatzkanal geblieben. Diese AbhĂ€ngigkeit war lange Zeit ökonomisch rational: Kein anderer Marktplatz bot vergleichbare Reichweite, Logistikinfrastruktur und Kundenbindung. Doch 2026 verĂ€ndert sich die Landschaft grundlegend.
Amazon erzielte in Deutschland 2025 einen Umsatz von rund 40,6 Milliarden Euro, was einem Wachstum von acht Prozent entspricht. Absolut betrachtet wĂ€chst der Konzern also weiter. Die entscheidende Frage lautet aber nicht, ob Amazon wĂ€chst â sondern ob Amazon schneller wĂ€chst als der Markt. Und hier beginnt sich das Bild zu verschieben. WĂ€hrend der gesamte deutsche E-Commerce-Markt 2026 voraussichtlich um rund vier Prozent zulegt, verteilt sich dieses Wachstum auf immer mehr Akteure. Denn erstmals in der jĂŒngeren Geschichte der Plattform gewinnen drei konkrete MarktplĂ€tze strukturell Terrain: Kaufland Global Marketplace, OTTO Market und eBay. Keiner dieser drei wird Amazon in absehbarer Zeit gefĂ€hrden. Zusammen aber verschieben sie die KrĂ€fteverhĂ€ltnisse im deutschen Online-Handel in einem MaĂ, das HĂ€ndler jetzt verstehen mĂŒssen.
Wenn Marktanteile von vielen statt von einem gewonnen werden
Das Besondere an der aktuellen Verschiebung liegt in ihrer Struktur. Es ist keine Revolution durch einen einzigen Herausforderer, wie es Temu und Shein im Niedrigpreissegment versucht haben. Es ist eine schleichende, strukturell untermauerte Diversifizierung der Kaufentscheidungen der deutschen Verbraucher und â noch wichtiger â der Vertriebsstrategien professioneller Online-HĂ€ndler. Online-MarktplĂ€tze erreichten in Deutschland 2025 ein Umsatzvolumen von 46,2 Milliarden Euro, ein Plus von 4,9 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr, und inzwischen laufen 56 Prozent aller Online-UmsĂ€tze in Deutschland ĂŒber MarktplĂ€tze. Dieses Wachstum kommt nicht mehr ausschlieĂlich Amazon zugute.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) und das Kölner EHI Retail Institute haben fĂŒr das Jahr 2024 ein Wachstum des deutschen E-Commerce von knapp 3,5 Prozent gemessen. FĂŒr 2025 prognostizierten EHI und ECDB sogar ein nominales Plus von 5,3 Prozent fĂŒr die Top-1.000-Onlineshops. Der Markt wĂ€chst also insgesamt â aber die WachstumsbeitrĂ€ge verteilen sich neu. WĂ€hrend reine Online-HĂ€ndler (Pure Player) im Jahr 2024 mit einem Minus von 3,6 Prozent konfrontiert waren und der Direktvertrieb um 2,3 Prozent schrumpfte, war es ausgerechnet das Segment der Online-MarktplĂ€tze, das als einziges wachsen konnte. FĂŒr HĂ€ndler bedeutet das: Wer weiterhin nur auf einen einzigen Kanal setzt, nimmt strukturelle Wachstumspotenziale nicht mit.
Die durchschnittliche Anzahl aktiver Marktplatz-Anbindungen pro HĂ€ndler ist bereits von 2,46 in Q1 2024 auf 2,52 in Q1 2025 gestiegen. Das klingt nach einer kleinen Verschiebung â ist aber ein deutliches Signal fĂŒr eine sich beschleunigende Professionalisierung im Multi-Channel-Vertrieb.
Kaufland Global Marketplace: Die europÀische Wette mit strategischer Konsequenz
Kaum ein E-Commerce-Akteur in Europa hat 2025 so konsequent auf Expansion gesetzt wie der Kaufland Global Marketplace. Nach dem erfolgreichen Start in Polen und Ăsterreich im Jahr 2024 expandierte die Plattform im SpĂ€tsommer 2025 zunĂ€chst nach Frankreich (August) und kurz darauf nach Italien (September). Damit ist Kaufland jetzt in sieben europĂ€ischen MĂ€rkten aktiv â Deutschland, Ăsterreich, Polen, Tschechien, Slowakei, Frankreich und Italien â und erreicht potenziell rund 140 Millionen Online-Kunden.
Was diese Expansionsstrategie von anderen unterscheidet, ist die Kombination aus institutioneller Geduld und struktureller RĂŒckendeckung. Kaufland gehört zur Schwarz-Gruppe, zu der auch Lidl zĂ€hlt, einem der gröĂten stationĂ€ren EinzelhĂ€ndler der Welt. Dieses Fundament ermöglicht eine Plattformstrategie, die nicht auf schnelle RentabilitĂ€t ausgelegt ist, sondern auf langfristige Marktdurchdringung. CEO Gerald Schönbucher hat die Ambition klar formuliert: Kaufland will die gröĂte europĂ€ische Online-Plattform werden und positioniert sich explizit als Alternative zu den globalen E-Commerce-Giganten â aus Europa, fĂŒr Europa.
Im Jahr 2024 wuchs das GMV (Gross Merchandise Volume) von Kaufland Global Marketplace um 7,85 Prozent ĂŒber alle Marktplatz-LĂ€nder hinweg. Die erfolgreichsten Kategorien waren Elektronik und Computer mit 24 Prozent Wachstum sowie Garten und Heimwerken mit 20 Prozent. Zum Vergleich: Kaufland.de verzeichnete im MĂ€rz 2025 rund 28,5 Millionen Besuche pro Monat, wĂ€hrend Amazon.de auf ĂŒber 360 Millionen Besuche kam â ein Faktor von mehr als 12 zugunsten des amerikanischen Konkurrenten. Diese Diskrepanz zeigt, dass Kaufland noch weit von Amazon entfernt ist.
FĂŒr HĂ€ndler liegt der strategische Mehrwert trotzdem auf der Hand: Mit einer einzigen Registrierung erhalten sie Zugang zu 13.000 bestehenden HĂ€ndlern und 140 Millionen potenziellen Kunden in ganz Europa. Kaufland bietet dabei kostenlose, automatisierte ProduktdatenĂŒbersetzungen, ĂŒber 70 Software-Schnittstellen, mehrsprachigen Support, eine Tiefstpreis-Automatik sowie eine Umsatzsteuer-Automatisierung. FĂŒr mittelstĂ€ndische HĂ€ndler, die ihr GeschĂ€ft internationalisieren wollen, ohne die operative KomplexitĂ€t einer manuellen LĂ€nderexpansion zu stemmen, ist das ein Angebot, das in seiner PraktikabilitĂ€t oft unterschĂ€tzt wird.
Der entscheidende Differenzierungsfaktor gegenĂŒber Amazon ist dabei nicht die aktuelle GröĂe, sondern die Wachstumsdynamik in MĂ€rkten, in denen Amazon noch keine vergleichbar starke Position hat. In Osteuropa verzeichnet Kaufland nach eigenen Angaben ein besonders starkes Wachstum. Und wer als HĂ€ndler heute in Frankreich oder Italien auf Kaufland prĂ€sent ist, profitiert von First-Mover-Vorteilen in einem Markt, der sich noch formiert. Frankreich ist der drittgröĂte E-Commerce-Markt Europas, Italien der viertgröĂte â zusammen sind dies MĂ€rkte mit erheblichem Potenzial fĂŒr HĂ€ndler, die heute den Schritt wagen.
OTTO Market: QualitĂ€t statt Masse, und warum das fĂŒr HĂ€ndler besser sein kann
OTTO ist das vielleicht am meisten unterschĂ€tzte Kapitel im deutschen E-Commerce. Wer OTTO noch immer mit dem Bild des klassischen Versandhauses verbindet, hat die Entwicklung der Plattform in der letzten Dekade nicht wahrgenommen. Im GeschĂ€ftsjahr 2024/25 wuchs das GMV von OTTO um rund neun Prozent von 6,5 auf ĂŒber 7 Milliarden Euro. Damit wuchs OTTO deutlich stĂ€rker als der Gesamtmarkt und gewann nach eigenen Angaben Marktanteile hinzu. FĂŒr das aktuelle GeschĂ€ftsjahr 2025/26 steigerte OTTO seinen Plattformumsatz erneut um sechs Prozent auf rund 7,5 Milliarden Euro GMV â der deutsche E-Commerce wuchs im gleichen Zeitraum um lediglich rund drei Prozent.
Die Kundenbasis von OTTO ist bemerkenswert: 12,6 Millionen aktive KĂ€ufer registrierte die Plattform zuletzt, ein Plus von vier Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. Der Marktplatz verzeichnet inzwischen 6.100 Partner-HĂ€ndler, mit einem GMV-Wachstum von neun Prozent allein im Marktplatz-Segment. Das MarktplatzgeschĂ€ft macht inzwischen 40 Prozent des Gesamt-GMV aus. Besonders stark entwickelten sich die Kategorien Fashion und Sports mit neun Prozent GMV-Wachstum sowie Home und Living mit sieben Prozent.
Was OTTO von Amazon strukturell unterscheidet, ist das KĂ€uferprofil. Der durchschnittliche OTTO-Kunde kauft bewusster, ist preissensibel, aber nicht preisgetrieben, und verbindet mit der Plattform ein QualitĂ€ts- und Vertrauensversprechen, das historisch gewachsen ist. Die Handelsblatt-exklusive NielsenIQ-Analyse vom Black Friday 2025 belegte, dass OTTO â im Gegensatz zu Amazon â praktisch keinen Umsatzverlust durch den Aufstieg von Temu und Shein verzeichnete. Das ist ein bemerkenswertes Zeichen fĂŒr Plattformresilienz und KundenloyalitĂ€t.
FĂŒr HĂ€ndler mit mittleren bis höheren Preispunkten, besonders in den Segmenten Wohnen, Einrichten, Mode und Elektronik, bedeutet dies konkret: Auf OTTO ist der Preiskampf weniger intensiv als auf Amazon. Das kann â je nach Sortiment â zu besseren Margen und einer qualitativ hochwertigeren Kundschaft fĂŒhren. OTTO investiert parallel massiv in eine KI-gestĂŒtzte Personalisierung und hat einen eigenen KI-Assistenten fĂŒr das Einkaufserlebnis entwickelt. Bis 2028 strebt das Unternehmen zehn Milliarden Euro Umsatz an â eine Ambition, die, wenn sie realisiert wird, OTTO zu einem der drei oder vier bedeutendsten MarktplĂ€tze Europas machen wĂŒrde.
Strategisch öffnet OTTO seinen Marktplatz zudem schrittweise international: zunĂ€chst fĂŒr Anbieter aus den Niederlanden, spĂ€ter sollen Polen, Ăsterreich, Frankreich und Spanien folgen. Auch diese Internationalisierung schafft fĂŒr HĂ€ndler mittelfristig neue Cross-Border-Möglichkeiten, die heute noch wenig beachtet werden.
eBay: Die unterschÀtzte Reichweite eines Plattform-Klassikers
eBay wird in strategischen Diskussionen ĂŒber E-Commerce hĂ€ufig mit einem mĂŒden LĂ€cheln quittiert â als eine Plattform der Vergangenheit, die von Amazon und modernen Konkurrenten lĂ€ngst ĂŒberflĂŒgelt worden sei. Diese Wahrnehmung ist empirisch schlicht falsch. eBay.de verzeichnet monatlich rund 106 Millionen Besuche und gehört damit unverĂ€ndert zu den bekanntesten Handelsplattformen Deutschlands. Weltweit sind 134 Millionen KĂ€ufer auf eBay aktiv, 18 Millionen aktive VerkĂ€ufer bieten 2,4 Milliarden Artikel an.
Im vierten Quartal 2025 meldete eBay einen Umsatz von rund drei Milliarden US-Dollar bei einem GMV von 21,2 Milliarden US-Dollar â der Umsatz wuchs um 15 Prozent, das GMV um zehn Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. FĂŒr das Gesamtjahr 2025 weist eBay 11,1 Milliarden US-Dollar Umsatz und 79,6 Milliarden US-Dollar GMV aus. Dabei entfĂ€llt fast die HĂ€lfte des Umsatzes auf das internationale GeschĂ€ft auĂerhalb der USA. Deutschland ist traditionell einer der wichtigsten eBay-MĂ€rkte weltweit.
Wenig beachtet, aber hochrelevant: 40 Prozent des eBay-GMV stammen mittlerweile aus Secondhand- und generalĂŒberholten Produkten. Und 86 Prozent der Nutzer haben in den vergangenen zwölf Monaten Gebrauchtwaren auf der Plattform gehandelt. Das ist kein Zufallsbefund, sondern Ausdruck einer fundamentalen Verhaltensverschiebung der Konsumenten hin zu Circular Economy und Recommerce. eBay hat diese Entwicklung erkannt und investiert gezielt in KI-gestĂŒtzte Verkaufstools und erweiterte Authentifizierungsangebote, um die PlattformqualitĂ€t zu steigern.
Was eBay fĂŒr HĂ€ndler attraktiv macht, ist die SpezifitĂ€t der Suchintention auf der Plattform. Wer auf eBay sucht, hat in vielen Kategorien eine konkretere Kaufabsicht als auf einem generischen Marktplatz. Preisvergleiche, spezifische Modellnummern, Nischen-Segmente und Angebote, die auf Amazon schlicht nicht verfĂŒgbar sind oder dort keine ausreichende Sichtbarkeit erhalten, funktionieren auf eBay ĂŒberproportional gut. Die Plattform belegt bei deutschen E-Commerce-Bestellungen nach wie vor einen festen Platz unter den Top-5-MarktplĂ€tzen â direkt hinter Amazon und noch vor Temu.
đŻđŻđŻ Datengetriebener B2B-Industry-Hub als Quasi-Inhouse-Lösung

Die Quasi-Inhouse-Lösung: Wie Xpert.Digital operative LĂŒcken in B2B-Marketing und Vertrieb schlieĂt â Smart Content-Driven Business - Bild: Xpert.Digital
Xpert.Digital ist ein von Konrad Wolfenstein gefĂŒhrter, datengetriebener B2B-Industry-Hub. Das Unternehmen agiert als externe Quasi-Inhouse-Lösung fĂŒr Industriepartner und schlieĂt operative LĂŒcken in Marketing, Content und Vertrieb â ohne zusĂ€tzlichen Ressourcenaufbau auf Kundenseite.
Mehr dazu hier:
Vier-SĂ€ulen-Strategie 2026: So sichern HĂ€ndler Umsatz jenseits von Amazon â MultiâChannel statt Monopol
Die komparative Einordnung: Was die drei Plattformen unterscheidet
Um die strategische Entscheidung fĂŒr HĂ€ndler zu strukturieren, lohnt ein direkter Vergleich der wesentlichen KenngröĂen:
| Plattform | GMV Deutschland/weltweit | Aktive KÀufer | StÀrke | Wachstum 2024/25 |
|---|---|---|---|---|
| Amazon.de | 51,4 Mrd. ⏠(DE) | ~35 Mio. (DE, geschÀtzt) | Reichweite, Prime, Logistik | 8% |
| OTTO Market | 7,5 Mrd. ⏠GMV | 12,6 Mio. aktiv | QualitÀtskÀufer, Mode/Living | 6% GMV |
| Kaufland Marketplace | ~2 Mrd. ⏠GMV angestrebt | 140 Mio. potenzielle Kunden EU | Cross-Border, EU-Expansion | 7,85% |
| eBay.de | 8,9 Mrd. ⏠(DE) | 134 Mio. global | Reichweite, Nischen, Recommerce | 10% GMV Q4 |
Amazon.de erzielt in Deutschland einen GMV von rund 51,4 Mrd. ⏠und erreicht schĂ€tzungsweise etwa 35 Mio. aktive KĂ€ufer in Deutschland; seine StĂ€rken liegen in Reichweite, Prime-Services und Logistik, das Wachstum fĂŒr 2024/25 wird mit etwa +8% beziffert. OTTO Market kommt auf einen GMV von 7,5 Mrd. âŹ, hat 12,6 Mio. aktive Kunden und punktet mit QualitĂ€tskĂ€ufern sowie einem Fokus auf Mode und Living, bei einem GMV-Wachstum von rund +6%. Der Kaufland Marketplace strebt einen GMV von etwa 2 Mrd. ⏠an und kann auf ein Potenzial von 140 Mio. Kunden in der EU setzen; seine StĂ€rken sind Cross-Border-Handel und EU-Expansion, das prognostizierte Wachstum liegt bei etwa +7,85%. eBay.de weist einen deutschen GMV von 8,9 Mrd. ⏠auf, profitiert global von rund 134 Mio. aktiven Nutzern und zeichnet sich durch Reichweite, Nischenangebote sowie Recommerce aus; im vierten Quartal wurde ein GMV-Wachstum von +10% verzeichnet. Diese Zahlen verdeutlichen das zentrale Argument: Keine der drei Plattformen wird Amazon als fĂŒhrende Kraft im deutschen EâCommerce ablösen. Dennoch besetzen OTTO, Kaufland und eBay jeweils Bereiche, in denen Amazon strukturelle SchwĂ€chen zeigt oder keine ĂŒberzeugende Antwort bietet â etwa europĂ€ische DatensouverĂ€nitĂ€t und CrossâBorder-FĂ€higkeiten (Kaufland), QualitĂ€tskĂ€ufer mit klarer Kaufabsicht (OTTO) oder Nischen, Recommerce und etablierte Bekanntheit (eBay). Angesichts zunehmender Konkurrenz reagieren Plattformen wie Amazon nicht nur mit Investitionen, sondern auch taktisch, etwa durch GebĂŒhrensenkungen, um das Signal zu senden, dass sie HĂ€ndler halten wollen und sich der Wechselbereitschaft von HĂ€ndlern zu Alternativplattformen bewusst sind.
Amazons Reaktion: GebĂŒhrensenkungen als strategisches Signal
Der Befund, dass Amazon 2026 erstmals ernsthaft unter Druck gerĂ€t, wird durch eine bemerkenswerte MaĂnahme des Konzerns unterstrichen: Zum Ende des Jahres 2025 kĂŒndigte Amazon eine der gröĂten GebĂŒhrensenkungen seiner Unternehmensgeschichte an. Ab dem 15. Dezember 2025 wurden die FBA-VersandgebĂŒhren um durchschnittlich 0,32 Euro pro Sendung in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und GroĂbritannien gesenkt. Gleichzeitig reduzierten sich die Referral Fees (VerkaufsgebĂŒhren) in der Kategorie Bekleidung und Accessoires von acht auf fĂŒnf Prozent fĂŒr Produkte bis 15 Euro und von 15 auf zehn Prozent fĂŒr Produkte im Bereich von 15 bis 20 Euro. Ab Februar 2026 folgten weitere Kategorien wie Home Products, Tiernahrung sowie Lebensmittel und Vitamine.
Diese GebĂŒhrensenkungen sind kein Ausdruck unternehmerischer GroĂzĂŒgigkeit. Sie sind eine direkte Reaktion auf den zunehmenden Wettbewerb und die erkennbare Abwanderungsbereitschaft von HĂ€ndlern zu alternativen Plattformen. Wenn Amazon etwas so Ungewöhnliches wie eine systematische GebĂŒhrenreduktion vornimmt, ist das ein starkes Marktsignal: Der Konzern weiĂ, dass seine Verhandlungsposition als einzig relevante Alternative schwindet. FĂŒr HĂ€ndler ist dies eine historische Chance, die eigene AbhĂ€ngigkeit zu nutzen, um bessere Konditionen zu verhandeln und gleichzeitig Alternativen aufzubauen â ohne dabei das Amazon-GeschĂ€ft aufzugeben.
Gleichzeitig muss man die Strategie von Amazon im breiteren Kontext betrachten. Im deutschen Werbemarkt bauen Google, Amazon und Meta ihre Dominanz 2026 weiter aus â Amazon steigert sein WerbegeschĂ€ft um zehn Prozent auf 2,97 Milliarden Euro netto. Retail Media wird damit zu einem eigenstĂ€ndigen Gewinnmotor, der die Plattform zunehmend unabhĂ€ngig von reinen TransaktionsumsĂ€tzen macht. Amazon ist nicht am Ende â aber es muss sich neu positionieren.
Die Temu-Shein-Falle: Warum Billigkonkurrenz kein Dauerthema ist
Ein wichtiger Kontextfaktor fĂŒr die Bewertung der aktuellen Marktverschiebungen ist der Aufstieg und das partielle Scheitern der chinesischen Plattformen Temu und Shein. Diese haben seit 2023 mit aggressiven Niedrigpreisstrategien den deutschen E-Commerce erschĂŒttert. Zu Spitzenzeiten entfielen fĂŒnf Prozent der Bestellungen im deutschen Online-Handel auf die beiden Plattformen â ein Wert, der sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt hatte. Eine Auswertung von NielsenIQ auf Basis elektronischer Kaufbelege zum Black Friday 2025 belegte, dass Temu-Kunden im Schnitt nur noch 38 Prozent ihres Einkaufsbudgets bei Amazon ausgaben â gegenĂŒber 45 Prozent bei Nicht-Temu-Kunden.
Doch der Markt korrigiert sich. Trotz einer Markenbekanntheit von 96 Prozent fĂŒr Temu und 93 Prozent fĂŒr Shein in Deutschland kaufen tatsĂ€chlich nur rund 50 Prozent der Markenkenner auch regelmĂ€Ăig dort ein. Die Kundenbindung stagniert: Temus KĂ€uferanteil blieb bei 45 Prozent, Sheins Anteil sank sogar von 49 auf 45 Prozent. EuropĂ€ische Anbieter gewinnen gleichzeitig an Boden zurĂŒck. Die BefĂŒrchtung, dass Temu und Shein den deutschen E-Commerce dauerhaft ins Billigsegment treiben wĂŒrden, hat sich nicht in dieser SchĂ€rfe bestĂ€tigt. Was bleibt, ist ein dauerhafter Preisdruck im untersten Marktsegment â aber keine strukturelle VerdrĂ€ngung der etablierten Akteure.
Das eigentliche Risiko: Klumpenrisiko und die Illusion der Skalierung
Das zentrale Problem, das dieser Artikel adressiert, ist kein technisches, sondern ein strategisches. Rund 80 Prozent der UmsĂ€tze auf einem einzigen Marktplatz zu konzentrieren, war in den Jahren 2015 bis 2022 fĂŒr viele HĂ€ndler eine ökonomisch nachvollziehbare Entscheidung: Amazon wuchs schneller als jede Alternative, und das operative Kostenmodell von FBA belohnte Konzentration. Heute ist diese Konzentration ein Klumpenrisiko, das in keinem professionellen GeschĂ€ftsmodell mehr unkritisch hingenommen werden sollte.
Zu den strukturellen Risiken der Amazon-AbhĂ€ngigkeit gehören GebĂŒhrenĂ€nderungen, die den Markt in kurzen AbstĂ€nden neu kalibrieren, algorithmische SichtbarkeitsverĂ€nderungen, die den organischen Traffic jederzeit umverteilen können, sowie die zunehmende direkte Konkurrenz durch Amazon selbst in Form von Eigenmarkenprodukten. Dazu kommen regulatorische Risiken: Die EU-Kommission hat Amazon-Praktiken auf dem Marktplatz wiederholt unter kartellrechtlichen Aspekten untersucht. Und nicht zuletzt die Verschiebung der VerbraucherprĂ€ferenzen selbst, die zwar langsam, aber unaufhaltsam mehr KĂ€ufe auf alternativen Plattformen generiert.
Das Gegenmodell â eine diversifizierte Multi-Channel-Strategie â ist keine Abkehr von Amazon. Es ist eine ErgĂ€nzung, die operative Risiken reduziert, neue Zielgruppen erschlieĂt und in der Summe die Verhandlungsposition gegenĂŒber jedem einzelnen Marktplatz verbessert. Nach Angaben von Destatis kauften 2025 in Deutschland 86 Prozent der 16- bis 74-JĂ€hrigen online ein, 70 Prozent sogar innerhalb der letzten drei Monate. Die Kundschaft ist da â sie verteilt sich nur auf mehr Plattformen als je zuvor.
Die Vier-SĂ€ulen-Strategie fĂŒr 2026 und darĂŒber hinaus
Eine strukturell solide Marktplatz-Strategie fĂŒr 2026 besteht nicht darin, Amazon zu verlassen. Sie besteht darin, AbhĂ€ngigkeit durch Streuung zu ersetzen. Konkret empfiehlt sich folgende Positionierung:
Amazon bleibt der Anker. Die Plattform bietet unverĂ€ndert die gröĂte Reichweite, das ausgereifteste Fulfillment-Netzwerk und die stĂ€rkste Kundenbindung durch Prime. Kein HĂ€ndler mit Ambitionen in Deutschland kann auf Amazon verzichten. Was sich Ă€ndern muss, ist der Anteil am Gesamtumsatz, der auf diese Plattform konzentriert wird.
Kaufland Global Marketplace ist der Wachstumskanal fĂŒr Europa. Die Plattform befindet sich strukturell in der Aufbauphase â was fĂŒr HĂ€ndler bedeutet, dass die Eintrittskosten niedrig, First-Mover-Vorteile real und der Wettbewerb noch ĂŒberschaubar sind. Wer jetzt in Kaufland.fr und Kaufland.it investiert, platziert seine Produktkataloge in MĂ€rkten, die in zwei bis drei Jahren deutlich teurer und umkĂ€mpfter sein werden.
OTTO Market ist der QualitĂ€tskanal fĂŒr kaufkrĂ€ftige Zielgruppen. FĂŒr HĂ€ndler in den Segmenten Wohnen, Einrichten, Mode, ElektrohaushaltsgerĂ€te und Sport bietet OTTO eine Zielgruppe, die bewusster kauft, seltener retourniert und weniger preisgetrieben einkauft. Das setzt eine kuratierte Sortimentsstrategie voraus â ist aber in den richtigen Kategorien mit besseren Margen verbunden.
eBay ist der Reichweiten- und Nischenkanal. Mit 106 Millionen monatlichen Besuchen in Deutschland ist eBay weitaus gröĂer, als die meisten HĂ€ndler wahrnehmen. FĂŒr Spezialprodukte, seltene Kategorieartikel, Recommerce-Strategien und SortimentsauslĂ€ufer ist eBay nicht nur relevant â es ist oft die beste Option. KI-gestĂŒtzte Verkaufstools, die eBay aktiv entwickelt, werden die EinstiegshĂŒrde fĂŒr professionelle HĂ€ndler weiter senken.
Strukturwandel ohne Aufmerksamkeit: Warum 2026 ein Wendejahr ist
Es gibt im E-Commerce immer wieder Jahre, die erst im RĂŒckblick als Wendepunkte erkennbar sind. Das Jahr 2020 war ein solcher Moment â der pandemiegetriebene Boom beschleunigte die Digitalisierung des Handels um Jahre. Das Jahr 2026 könnte ein Ă€hnlicher Moment sein, nur leiser, struktureller und deshalb schwerer zu greifen.
Amazon wĂ€chst noch. Aber der relative Bedeutungszuwachs der Plattform im deutschen E-Commerce verlangsamt sich. Die Kombination aus der Kaufland-Expansion in Frankreich und Italien, dem OTTO-Wachstum deutlich oberhalb des Marktdurchschnitts, dem eBay-Rebound mit starken Q4-Zahlen und einer nachweislich wachsenden Multi-Channel-Bereitschaft professioneller HĂ€ndler ergibt in der Summe eine Verschiebung, die bisher kaum Schlagzeilen macht â aber in drei Jahren als strukturelle ZĂ€sur eingestuft werden wird.
Der deutsche Online-Marktplatz-Umsatz von 46,2 Milliarden Euro im Jahr 2025 ist nicht mehr nur ein Amazon-PhĂ€nomen. Er ist ein generelles Marktplatz-PhĂ€nomen. Und wer die Zukunft des E-Commerce ernsthaft analysiert, muss akzeptieren, dass die Welt nach Amazon nicht notwendigerweise eine ohne Amazon ist â aber eine, in der Amazon nur noch einer unter mehreren relevanten Playern ist. FĂŒr HĂ€ndler, die heute mit dem Aufbau alternativer KanĂ€le beginnen, ist das keine Bedrohung. Es ist die strategische Gelegenheit der Dekade.
Ihr globaler Marketing und Business Development Partner
âïž Unsere GeschĂ€ftssprache ist Englisch oder Deutsch
âïž NEU: Schriftverkehr in Ihrer Landessprache!
Gerne stehe ich Ihnen und mein Team als persönlicher Berater zur VerfĂŒgung.
Sie können mit mir Kontakt aufnehmen, indem Sie hier das Kontaktformular ausfĂŒllen oder rufen Sie mich einfach unter +49 7348 4088 965 an. Meine E-Mail Adresse lautet: wolfensteinâxpert.digital
Ich freue mich auf unser gemeinsames Projekt.
âïž KMU Support in der Strategie, Beratung, Planung und Umsetzung
âïž Erstellung oder Neuausrichtung der Digitalstrategie und Digitalisierung
âïž Ausbau und Optimierung der internationalen Vertriebsprozesse
âïž Globale & Digitale B2B-Handelsplattformen
âïž Pioneer Business Development / Marketing / PR / Messen
đđ” Ambidextrie oder Untergang: Das einzige Management-Konzept, das in der Dreifach-Krise noch funktioniertđĄ

Wenn bewÀhrte Strategien versagen: Organisationale AnpassungsfÀhigkeit im digitalen Wandel der Ambidextrie - Bild: Xpert.Digital
Wir durchleben aktuell eine Phase wirtschaftlicher Unruhe, die sich grundlegend von frĂŒheren Rezessionen unterscheidet. In den FĂŒhrungsetagen europĂ€ischer und internationaler Unternehmen herrscht eine trĂŒgerische Stille â unterbrochen nur vom GerĂ€usch scheiternder Strategien, die gestern noch als Erfolgsgarant galten. Es handelt sich nicht nur um eine konjunkturelle Delle, sondern um einen tiefgreifenden strukturellen Bruch. Die Werkzeuge, mit denen Unternehmen ĂŒber zwei Jahrzehnte hinweg Wachstum erzielten, funktionieren schlichtweg nicht mehr.
Mehr dazu hier:
đđ” Marktwissen vs. MarketingâWissen: Warum KMU ihr Wachstum selbst blockierenđĄ
Im Mittelstand hĂ€lt sich hartnĂ€ckig ein pragmatischer Irrglaube: Wer seine Kunden und den Markt kennt, der weiĂ auch, wie Marketing funktioniert. Doch genau diese Gleichsetzung wird fĂŒr viele KMU zunehmend zur strategischen Falle.
Der folgende Artikel analysiert das oft ĂŒbersehene Spannungsfeld zwischen operativem Markt-Wissen (dem Blick in den RĂŒckspiegel) und strategischem Marketing-Wissen (dem Fernlicht fĂŒr kĂŒnftige Marktanteile). Erfahren Sie, warum die reine Orientierung an Vertriebszielen langfristig in die Austauschbarkeit fĂŒhrt und wie KMU durch eine bewusste Trennung und Neuausrichtung dieser beiden Disziplinen vom âKurzstreckenlĂ€uferâ zur unverwechselbaren Marke reifen. Denn wer Marketing nur als âbunte Bilder fĂŒr den Vertriebâ versteht, ĂŒberlĂ€sst die 95 Prozent der potenziellen Kunden von morgen kampflos der Konkurrenz.
Mehr dazu hier:






















