Die Rückkehr des amerikanischen Imperiums: Die Donroe-Doktrin – Nach Venezuela nun Mexiko und Kuba im Visier von Donald Trump
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Xpert.Digital bei Google bevorzugen ⓘVeröffentlicht am: 9. Januar 2026 / Update vom: 9. Januar 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Die Rückkehr des amerikanischen Imperiums: Die Donroe-Doktrin – Nach Venezuela nun Mexiko und Kuba im Visier von Donald Trump – Bild: Xpert.Digital
Nach Maduros Sturz: Diese zwei Länder stehen jetzt auf Trumps Abschussliste (Lesezeit: 44 min / Keine Werbung / Keine Paywall)
Kampf ums Lithium: Wie die USA China aus dem „Hinterhof“ verdrängen wollen
Die Vereinigten Staaten unter Donald Trump haben im Januar 2026 mit dem militärischen Eingreifen in Venezuela eine neue Ära der Machtpolitik in Lateinamerika eingeleitet. Was nach außen hin als humanitäre Mission zur Befreiung vom autoritären Regime Nicolas Maduros inszeniert wurde, zeigt sich bei genauerem Hinsehen als harte Interessenpolitik mit weitreichenden geopolitischen Folgen. Die aggressive Neuausrichtung der US-Außenpolitik gegenüber Mexiko und Kuba fügt sich nahtlos in ein Gesamtbild ein, das von der Sicherung wichtiger Rohstoffe, der Ausweitung von Machtzonen und der Zurückdrängung des chinesischen Einflusses geprägt ist.
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Die wirtschaftlichen Hintergründe der Venezuela-Intervention
Venezuela besitzt mit geschätzten 303 Milliarden Barrel die weltweit größten nachgewiesenen Erdölreserven und übertrifft damit sogar Saudi-Arabien, das führende Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC). Diese gewaltige Menge entspricht etwa 17 Prozent der weltweiten Reserven. Allerdings handelt es sich dabei überwiegend um Schweröl, das nur mit spezialisierter Technik gefördert und verarbeitet werden kann. Genau über diese Technik verfügen mehrere Raffinerien an der US-Golfküste, die traditionell auf diese Art von Rohöl ausgelegt sind.
Die Realität der Produktion in Venezuela zeigt jedoch einen dramatischen Niedergang. Während das Land vor zwei Jahrzehnten noch knapp drei Millionen Barrel pro Tag förderte, liegt die aktuelle Produktion bei lediglich rund einer Million Barrel täglich. Verantwortlich für diesen Einbruch sind jahrzehntelanges Missmanagement beim staatlichen Energiekonzern PDVSA, massive Korruption, fehlende Investitionen in die Infrastruktur und nicht zuletzt die verheerenden Auswirkungen der amerikanischen Sanktionen, die das Land seit Jahren wirtschaftlich einschnüren.
Trump hat unmittelbar nach der Festnahme Maduros am 3. Januar 2026 verkündet, dass Venezuela zwischen 30 und 50 Millionen Barrel des sanktionierten Öls an die USA liefern werde. Diese Menge entspricht ungefähr der gesamten venezolanischen Ölproduktion von ein bis zwei Monaten. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Liefermenge, sondern wer die Kontrolle hat. Trump erklärte unmissverständlich, dass er persönlich als Präsident die Einnahmen aus dem Ölverkauf überwachen werde, um sicherzustellen, dass das Geld zum Wohl des venezolanischen Volkes und der Vereinigten Staaten verwendet wird.
Die totale Finanzkontrolle: Wenn der Partner zum Herrscher wird
US-Energieminister Chris Wright präzisierte diese Strategie weiter. Der Verkauf venezolanischen Öls werde auf unbestimmte Zeit in die Hände der USA gelegt. Die Erlöse sollen auf Konten bei weltweiten Banken fließen, die von den USA kontrolliert werden, wobei die Auszahlung allein nach dem Ermessen der Trump-Regierung erfolgt. Dies bedeutet faktisch die vollständige Übernahme der wichtigsten Einnahme- und Devisenquelle Venezuelas durch eine ausländische Macht.
Der amerikanische Vizepräsident J.D. Vance formulierte die dahinterstehende Logik mit bemerkenswerter Offenheit. Venezuela dürfe sein Öl nur dann verkaufen, wenn es den Interessen der Vereinigten Staaten diene. Man kontrolliere die Energieressourcen und sage dem Regime, dass es das Öl verkaufen dürfe, solange es Amerikas nationalem Interesse nutze. Die Wortwahl ist entlarvend. Hier spricht kein Partner, sondern ein Herrscher über seinen Vasallen.
Außenminister Marco Rubio kündigte zudem einen Dreiphasenplan für Venezuela an. Die erste Phase sei die Stabilisierung des Landes. Darauf folge eine Phase der Erholung und des Wiederaufbaus, die darin bestehe, sicherzustellen, dass amerikanische, westliche und andere Unternehmen fairen Zugang zum venezolanischen Markt hätten. Der dritte Schritt sei natürlich der politische Übergang, wobei Rubio betonte, dass dies Sache des venezolanischen Volkes sei. Die Ironie dieser Aussage angesichts der totalen amerikanischen Kontrolle über die Staatsfinanzen dürfte kaum jemandem entgangen sein.
Knebelverträge und geopolitische Erpressung
Die US-Regierung hat Venezuela zudem klare Bedingungen für eine erweiterte Ölförderung auferlegt. Laut Berichten aus Regierungskreisen wird Caracas aufgefordert, seine wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu China, Russland, Iran und Kuba zu beenden, bevor es wieder in größerem Umfang Öl fördern darf. Dies würde einen radikalen Bruch mit langjährigen Partnerschaften bedeuten. Außerdem soll Venezuela künftig ausschließlich mit den USA in den Bereichen Ölförderung und Schwerölverkauf zusammenarbeiten.
Trump verkündete darüber hinaus, dass Venezuela zugestimmt habe, die Erlöse aus dem Verkauf seines Öls ausschließlich für den Kauf von Waren aus amerikanischer Produktion zu verwenden. Dabei gehe es etwa um Produkte aus der Landwirtschaft, Medikamente, medizinische Geräte sowie Ausrüstung zur Verbesserung des Stromnetzes und der Energieanlagen. Dieser Mechanismus erinnert fatal an koloniale Wirtschaftsstrukturen, bei denen Rohstofflieferanten gezwungen wurden, ihre Einnahmen nur für Waren der Kolonialmacht auszugeben.
Das Weiße Haus kündigte ein Treffen mit Ölmanagern für den 6. Januar 2026 an, bei dem es um Möglichkeiten für Investitionen in Venezuela gehen sollte. Trump hatte bereits erklärt, dass US-Ölkonzerne nach dem Sturz Maduros in das südamerikanische Land zurückkehren sollen. Der amerikanische Ölriese Chevron fördert bereits seit einiger Zeit mit einer Sondergenehmigung wieder in Venezuela und schickte nach Berichten von Bloomberg weitere elf Schiffe in die Region, um mehr Öl als bisher zu exportieren.
Seeblockaden und das Kappen der chinesischen Verbindung
Die USA haben ihre militärische Überwachung der Region massiv verstärkt. Bei zwei Militäreinsätzen wurden Öltanker beschlagnahmt, die gegen US-Sanktionen verstoßen haben sollen. Eines der Schiffe, die unter russischer Flagge fahrende Marinera, wurde im Nordatlantik festgesetzt. Das andere Schiff, der Supertanker Sophia, in der Karibik. US-Heimatschutzministerin Kristi Noem teilte mit, beide Tanker hätten entweder zuletzt in Venezuela angelegt oder seien auf dem Weg dorthin gewesen. Der Tanker Sophia transportierte nach US-Angaben nicht nur Erdöl aus Venezuela, sondern auch aus dem Iran.
Die geopolitische Dimension dieses Eingreifens wird besonders deutlich, wenn man die bisherigen Handelsbeziehungen Venezuelas betrachtet. China war bislang der größte Abnehmer für venezolanisches Erdöl. Allerdings machte Rohöl aus Venezuela im vergangenen Jahr nur etwa vier Prozent der chinesischen Ölimporte aus. Zudem liefert der Karibikstaat hauptsächlich schwefelhaltiges Rohöl, das nur mit hohem Aufwand verarbeitet werden kann und etwa zur Herstellung von Asphalt verwendet wird. Das Öl wird zudem stark rabattiert angeboten, was es bei kleineren und privaten Raffinerien in China beliebt macht.
Chinas Außenministerium verurteilte das gewaltsame Vorgehen der USA und den Machtmissbrauch, die venezolanischen Ölreserven zu eigenen Gunsten zu verwalten. Laut dem Sender ABC hat die US-Regierung Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodriguez aufgefordert, bisherige Partner wie China, Russland und den Iran aus dem Land zu werfen und die wirtschaftlichen Beziehungen abzubrechen. Die Aktivitäten der USA könnten jedoch für China weitreichendere Folgen haben. Venezuela war in den letzten Jahren nicht nur ein wichtiger Rohstofflieferant, sondern auch ein Schuldner und ein Investitionsstandort für chinesische Infrastrukturprojekte mit dem Ziel, den globalen Einfluss zu erweitern und den USA die Stirn zu bieten.
„Drill baby drill“: Profitinteressen contra Klimaschutz
Die wirtschaftlichen Folgen für die USA selbst sind durchaus zwiespältig. Der Zugriff auf venezolanisches Öl mit seinen rund 300 Milliarden Barrel passt zwar perfekt zu Trumps energiepolitischen Vorstellungen unter dem Motto „Drill baby drill“ (Bohren, Baby, bohren). Die bestätigten Ölreserven der USA liegen mit rund 46 bis 48 Milliarden Barrel deutlich niedriger. Die hohe Produktion wurde zuletzt vor allem durch Fracking ermöglicht. Allerdings ist der Rohölpreis auf den Weltmärkten derzeit relativ niedrig. Er kostet weniger als 60 Dollar pro Fass, was historisch selten vorkommt. Dies schmälert die unmittelbaren finanziellen Gewinne aus dem venezolanischen Ölgeschäft erheblich.
Für den globalen Klimaschutz, von dem sich der „Drill baby drill“-Präsident offen verabschiedet hat, ist diese Entwicklung ein fatales Signal. Die Erschließung und verstärkte Förderung der gigantischen venezolanischen Ölreserven läuft allen Bemühungen um eine Energiewende und die Reduktion fossiler Brennstoffe zuwider. Es wird deutlich, dass unter Trump kurzfristige ökonomische und machtpolitische Interessen absolute Priorität vor langfristigen ökologischen Notwendigkeiten haben.
Mexiko und die Militarisierung der Drogenpolitik
Die zweite Zielscheibe der aggressiven Trump-Strategie in Lateinamerika ist Mexiko. Hier überlagern sich mehrere Interessensphären. Die Drogenproblematik, insbesondere die Fentanyl-Krise, liefert den offiziellen Vorwand. Dahinter stehen jedoch komplexe wirtschaftliche Verflechtungen und die bevorstehende Neuverhandlung des wichtigsten Handelsabkommens zwischen den beiden Ländern.
Die Fentanyl-Krise in den Vereinigten Staaten hat inzwischen dramatische Ausmaße erreicht. Zwischen Juli 2021 und Juni 2022 starben in den USA mehr als 107.000 Menschen infolge einer Überdosis. Im Jahr 2022 waren es nach einer Schätzung 111.029 Tote und 2023 sank erstmals seit 2018 die Zahl auf 107.543 Tote. Laut der US-Behörde CDC sind von 1999 bis März 2021 fast 841.000 Menschen an einer Drogenüberdosis verstorben. Der größte Teil von ihnen war von Schmerzmitteln abhängig geworden, die zuvor ärztlich verschrieben worden waren.
In jüngerer Zeit spielt für die Krise vor allem das in der Herstellung kostengünstige und extrem starke synthetische Fentanyl eine zentrale Rolle und verdrängt andere, teurere und schwerer zu beschaffende Substanzen wie das etwa 50 Mal schwächere Heroin. Im Laufe der Opioid-Epidemie wurde die Fentanyl-Vergiftung zur häufigsten Todesursache unter US-Amerikanern in der Altersgruppe zwischen 18 und 45 Jahren. Die Todeszahlen dieser Epidemie übersteigen jene der Crack-Welle in den USA in den 1980er und frühen 1990er Jahren bei weitem.
Fentanyl ist 50-mal wirksamer als Heroin und 100-mal stärker als Morphin. Bereits die Menge eines Salzkorns kann tödlich sein. Anne Milgram, Leiterin der US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA von 2021 bis 2025, stellte fest, dass Fentanyl besonders häufig von sehr jungen Menschen konsumiert wird. Jede Woche sterben 22 Teenager im Alter zwischen 14 und 18 Jahren daran. Das entspricht praktisch einer ganzen Schulklasse, die wöchentlich der Droge zum Opfer fällt.
Die Droge wird hauptsächlich in Mexiko hergestellt, oft unter Verwendung von Vorprodukten aus China, und dann in die USA geschmuggelt. Laut der Drug Enforcement Administration sind die Hauptquellen für Fentanyl in den USA die mexikanischen Drogenkartelle Sinaloa und Jalisco. Mexikanische Kartelle haben ihren Handel während der Covid-19-Pandemie zu großen Teilen von Heroin oder Kokain auf Fentanyl umgestellt. Die für die Fentanylproduktion notwendigen Chemikalien bekommen diese vor allem aus der Volksrepublik China und Indien.
Kriegserklärung an die Kartelle: Die Bedrohung der Souveränität
Trump nutzt diese dramatische Situation als Rechtfertigung für eine beispiellose Militarisierung der Drogenpolitik. Im Januar 2025 stufte er acht Drogenkartelle, sechs davon in Mexiko, offiziell als terroristische Organisationen ein. Diese Einstufung hat weitreichende rechtliche und militärische Konsequenzen. Sie erlaubt es der US-Regierung, mit militärischen Mitteln gegen diese Organisationen vorzugehen, auch auf ausländischem Boden.
Im August 2025 unterzeichnete Trump eine Anweisung, die das US-Militär beauftragt, Drogenkartelle und andere als ausländische terroristische Organisationen eingestufte Gruppen ins Visier zu nehmen. Dieser Schritt hat Bedenken hinsichtlich diplomatischer Beziehungen und präsidialer Befugnisse ausgelöst. Laut Insidern aus dem aktiven und ehemaligen US-Militärdienst, den Justizbehörden und von Geheimdiensten befinden sich das Weiße Haus, das Pentagon und die CIA in einem frühen Stadium der Planungen für Militäroperationen gegen Kartelle in Mexiko. Trump hofft demnach auf die Zustimmung Mexikos, aber auch verdeckte Alleingänge seien nicht ausgeschlossen.
US-Militär und CIA haben ihre Aufklärung über Mexiko mit Genehmigung der Regierung von Präsidentin Claudia Sheinbaum bereits ausgeweitet. Ziel sei es, eine Liste der potenziellen Angriffsziele zu erstellen, darunter etwa Drogenlager oder sogar einzelne Kartellmitglieder. Eine endgültige Entscheidung stehe aber noch aus. Im Kampf gegen die Todes-Droge Fentanyl erwägt Donald Trump laut US-Medien den Einsatz von Drohnen, um den Schmuggel über die Südgrenze der USA einzudämmen und mexikanische Drogenkartelle anzugreifen.
Im Januar 2026 kündigte Trump in einem Interview mit Fox News an, dass die USA auch auf dem Landweg gegen Drogenkartelle vorgehen werden. „Wir werden jetzt beginnen, an Land zuzuschlagen“, erklärte der US-Präsident. Trump stellte diesen Schritt als Reaktion auf die von ihm als Kontrolle der Kartelle über Mexiko beschriebenen Zustände dar und nannte eine jährliche Zahl von Todesfällen in den USA von 250.000 bis 300.000. Diese Zahl ist allerdings deutlich überhöht und dient primär der Dramatisierung. Die realen Zahlen liegen, wie bereits ausgeführt, bei etwa 107.000 bis 111.000 jährlichen Drogentoten.
Trump betonte im Interview, dass die Kartelle Mexiko regieren würden. „Es ist sehr sehr traurig zu sehen, was mit diesem Land passiert ist. Aber die Kartelle haben die Kontrolle, und sie töten jedes einzelne Jahr 250.000 bis 300.000 Menschen in unserem Land. Die Drogen, es ist furchtbar. Es hat Familien zerstört. Man verliert ein Kind oder ein Elternteil. Auch Eltern sterben durch Drogen.“
Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum hat wiederholt und unmissverständlich klargestellt, dass sie keine US-Militäroperationen auf mexikanischem Boden dulden werde. „Die Vereinigten Staaten werden nicht militärisch nach Mexiko kommen“, sagte sie. „Wir kooperieren, aber es wird keine Invasion geben. Das ist ausgeschlossen, absolut ausgeschlossen.“ Mexiko hat dies nach der Unterzeichnung der Direktive durch Trump im August 2025 bekräftigt. Sheinbaum erklärte damals, dass die mexikanische Regierung darüber informiert worden sei, dass ein Befehl gegen die Kartelle erlassen worden sei und dass dieser nichts mit der Beteiligung von Militärangehörigen zu tun habe.
Trumps Äußerung über das Zuschlagen an Land deutet auf eine mögliche Eskalation hin, die über die bisher hauptsächlich seegestützten Anti-Drogen-Operationen der Regierung hinausgeht. Diese neuen Einsätze könnten möglicherweise mexikanisches Gebiet oder Infrastrukturen, die mit Kartellen verbunden sind, betreffen. Ein solches Szenario wirft gravierende Fragen hinsichtlich der Souveränität, der Befugnisse des Kongresses und möglicher Reaktionen entlang der US-mexikanischen Grenze auf.
Experten haben gewarnt, dass ein militärischer Einsatz gegen Kartelle in Mexiko als Aggression interpretiert werden könnte und unbeabsichtigte Folgen wie Vertreibungen und einen erhöhten Migrationsdruck nach sich ziehen könnte. Alleingänge wären völkerrechtlich heikel. Der mexikanische Ex-Botschafter Arturo Sarukhan sagte, sollte es tatsächlich zu einem Alleingang kommen, würde das die bilateralen Beziehungen in den freien Fall stürzen.
Dennoch zeigt sich Mexiko in gewissem Maße kooperationsbereit, wohl auch weil es nicht das erste Mal wäre, dass beide Länder im Kampf gegen die Kartelle gemeinsame Sache machen. Im März 2025 hatte Mexiko 10.000 Soldaten an die Nordgrenze entsandt, um Fahrzeuge nach Fentanyl zu durchsuchen. 29 mutmaßliche Drogenhändler wurden an die US-Behörden ausgeliefert, allerdings bisher ohne messbare Erfolge.
Die USA haben ihrerseits die militärische Präsenz an der Grenze massiv ausgebaut. Das US-Verteidigungsministerium hat weitere Soldaten an die südliche Grenze zu Mexiko geschickt. Nach übereinstimmenden US-Medienberichten handelt es sich um etwa 3.000 zusätzliche Soldaten. Mit den zusätzlichen Entsendungen befinden sich nun rund 9.000 US-Soldaten an der Grenze zu Mexiko. Ebenfalls entsendet wurden unter anderem gepanzerte Militärfahrzeuge, sogenannte Stryker.
Die Soldaten sollen die Bemühungen um die Unterbindung der illegalen Einwanderung und des Drogenhandels an der südlichen Grenze noch flexibler und leistungsfähiger machen. Zu den Aufgaben der zusätzlichen Kräfte gehören unter anderem Aufdeckung und Überwachung, administrative Unterstützung, Transportunterstützung, Lagerhaltung und logistische Hilfe. Trump bezeichnet den Zustrom von Migranten an der Südgrenze als Invasion und hat einen nationalen Notstand ausgerufen.
Handelskrieg statt Drogenkrieg: Der Druck auf das USMCA-Abkommen
Hinter der Drogenkriegs-Rhetorik verbergen sich jedoch handfeste wirtschaftliche Interessen. Erstens kann Trump mit hartem Durchgreifen sich innenpolitisch profilieren, indem er verspricht, die Drogenkrise im eigenen Land in den Griff zu bekommen. Zweitens, und das ist aus ökonomischer Sicht entscheidender, kann er Mexiko mit seinen Drohungen dazu bringen, die Öllieferungen nach Kuba einzustellen. Das würde das kubanische Regime empfindlich schädigen und fügt sich nahtlos in die Gesamtstrategie der Isolierung Kubas ein.
Drittens steht im Juli 2026 die vertraglich festgelegte Revision des USMCA an, des Handelsabkommens zwischen den USA, Mexiko und Kanada. Das 2020 geschlossene Abkommen läuft zwar bis 2036, sieht aber nach sechs Jahren eine erste Neubewertung vor. Der Ausgang ist für die mexikanische Wirtschaft, die von der US-Ökonomie direkt abhängig ist, von elementarer Bedeutung.
Trump will vorzeitige Neuverhandlungen des nordamerikanischen Freihandelsabkommens. Das Abkommen hatte Trump 2018 selbst ausgehandelt und damals als das beste Handelsabkommen der Welt gefeiert. Eine Neuverhandlung ist eigentlich erst für Juli 2026 vorgesehen. Trump will aber sofortige Nachverhandlungen mit dem Ziel, den US-Anteil an der nordamerikanischen Autoproduktion von derzeit 75 Prozent auf dann 85 Prozent zu erhöhen. Im Klartext bedeutet dies, dass Trump mehr Jobs in der Autoindustrie zurück in die USA holen will.
Insider gehen davon aus, dass sich Unternehmen in Mexiko auf höhere Mindestanteile lokaler Wertschöpfung und auf Lohnvorgaben einstellen müssen. Mexikos Wirtschaft sieht sich im internationalen Wettbewerb benachteiligt, da etwa die EU und Japan Zölle von nur 15 Prozent mit den USA aushandeln konnten. Zu befürchten ist, dass die US-Regierung diesen Prozess eher als eine komplette Neuverhandlung des Abkommens angeht.
Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum muss ihren diplomatischen Balanceakt, Mexikos Interessen selbstbewusst zu vertreten und gleichzeitig den großen Nachbarn nicht zu verärgern, unter immer schwieriger werdenden Bedingungen fortsetzen. Zunächst bis zum 11. Juni 2026. Dann findet in Mexiko-Stadt das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft mit den Ausrichtern Kanada, Mexiko und den USA statt. Sicherlich wird Donald Trump als Ehrengast in der Loge sitzen. Bis dahin wird Sheinbaum versuchen, die bestmöglichen Bedingungen für die Verhandlungen zur Überprüfung des USMCA zu schaffen.
Trumps Strategie gegenüber Mexiko ist somit vielschichtig. Die Drohung mit militärischen Eingriffen gegen Kartelle dient primär der innenpolitischen Mobilisierung und als Druckmittel für wirtschaftliche Zugeständnisse. Die tatsächliche Durchführung solcher Operationen wäre mit enormen diplomatischen Kosten verbunden und würde die Beziehungen zum drittgrößten Handelspartner der USA massiv belasten. Gleichzeitig ermöglicht die dramatische Inszenierung der Fentanyl-Krise die Rechtfertigung nahezu jeder Maßnahme unter dem Banner der nationalen Sicherheit.
Ähnlich wie im Fall Venezuelas kritisierte Trump zudem mehrfach eine vermeintlich zu lasche Politik der mexikanischen Regierung gegenüber der Drogenkriminalität in dem Land. Nur wenige Stunden nach der Gefangennahme Maduros stellte Trump die Autorität der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum infrage, die Einsätze von US-Kräften gegen Drogenkartelle in Mexiko abgelehnt hatte. „Sie regiert Mexiko nicht, das tun die Kartelle“, sagte Trump. „Wir müssen mit Mexiko etwas tun.“
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Verdeckter Kampf der Supermächte: In Kuba geht es für die USA nur um eines – China
Kuba als strategisches Ziel
Kuba nimmt in Trumps Lateinamerika-Strategie eine besondere Stellung ein. Von allen Ländern, die derzeit im Fokus des US-Präsidenten stehen, muss sich Kuba eigentlich die größten Sorgen machen. Zum einen ist die Insel schon seit der kommunistischen Revolution von 1959 im Visier aller US-Regierungen. Zum anderen hat Außenminister Marco Rubio einen besonderen, auch persönlich motivierten Fokus auf das Regime in Havanna. Seine Eltern sind in Kuba geboren. Rubio hat schon lange auf einen Regimewechsel in Havanna hingearbeitet.
Zum Dritten ist Kuba der engste Verbündete Venezuelas in der Region und wäre zusätzlich mutmaßlich noch eine leichte Beute für die USA. Und letztlich liegt die Insel kaum 145 Kilometer von Florida entfernt und damit im unmittelbaren Einflussgebiet der USA nach der neuen Donroe-Doktrin. Aufgrund ihrer geografischen Nähe zur Südspitze Floridas, ihrer kommunistischen Ideologie, der Kubakrise 1962 und nicht zuletzt der politischen Macht der großen kubanischstämmigen Gemeinde in Südflorida hat die Insel schon lange eine besondere Bedeutung für Washington.
Die politische Situation Kubas ähnelt der von Venezuela. Das Regime ist nicht demokratisch legitimiert und geht mit harten Repressionen gegen die eigene Bevölkerung vor. Insofern hätte Trump womöglich ähnlich wenig internationale Kritik oder Konsequenzen zu befürchten wie nach dem Angriff auf Caracas. Trump erklärte, Kuba sei bereit zu fallen. Eine Militäraktion sei dafür gar nicht nötig, weil sich das Regime auf der Karibikinsel ohne die Unterstützung Venezuelas nicht mehr lange halten könne. „Kuba ist ein gescheiterter Staat, er wird von allein untergehen“, so Trump.
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Dunkle Tage für Havanna: Die fatale Abhängigkeit vom Öl
Die wirtschaftliche Grundlage dieser Einschätzung ist die totale Abhängigkeit Kubas von venezolanischen Öllieferungen. Seit dem Jahr 2021 herrscht eine chronische Energiekrise in Kuba, die sich für die Bevölkerung vor allem durch tägliche längere Stromabschaltungen bemerkbar macht. Am 18. Oktober 2024 gipfelte diese in einen landesweiten Stromausfall, der erste in einer Serie mit insgesamt fünf totalen Blackouts innerhalb nur eines Jahres. Ende Juni 2025 betrug das Produktionsdefizit von Strom fast zwei Gigawatt bei einem Bedarf von 3,6 Gigawatt.
Kuba befindet sich seit den 2020er Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise, die mit der Covid-19-Pandemie begann. Hinzu kam eine verunglückte Währungsreform zum Jahreswechsel 2020/21. Dem Staat fehlt das Geld, um Roh- oder Heizöl zum Betreiben seiner Kraftwerke oder auch notwendige Ersatzteile bedarfsgerecht einzukaufen, um die Wartung der Kraftwerksanlagen ordnungsgemäß durchführen zu können. Zudem fehlen aufgrund Pensionierung und Auswanderung die nötigen Fachkräfte. Auch Rohöl sowie Benzin und Diesel zum Betreiben der Kraftwerke und Generatoren kann wegen chronischer finanzieller Engpässe nur unzureichend importiert werden.
Lediglich fünf Prozent des Energiebedarfs wird aus erneuerbaren Energien gedeckt. Dies führt zu einer vermehrten Anzahl von Störfällen wegen technischer Mängel oder Abschaltungen wegen Treibstoffmangels. Die Folge sind ein dauerhaftes Defizit bei der Stromproduktion und oftmals stundenlange Stromabschaltungen in den kubanischen Haushalten. Stand Ende Oktober 2024 schwankte das tägliche Stromproduktionsdefizit um die 1000 Megawatt. Einem Bedarf von rund 3000 MW stand ein Angebot von 2000 MW gegenüber, was einem Defizit von etwa 35 Prozent entspricht und entsprechende geplante Stromabschaltungen zur Folge hat.
Kubas Stromversorgung beruht der Internationalen Energieagentur zufolge zu gut 80 Prozent auf Öl. Der entscheidendste Faktor sei der Brennstoffmangel. Die beiden größten Kraftwerke des Landes, Felton und Antonio Guiteras, müssen nach offiziellen Angaben dringend gewartet werden und liefern weniger Strom als vorgesehen. Die Regierung macht das seit Jahrzehnten geltende US-Embargo für Schwierigkeiten verantwortlich, an Ersatzteile und Brennstoff zu kommen.
Havanna ist seit Jahrzehnten eng mit Caracas verbunden, insbesondere durch Energiekooperationen. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump erhöht nun den Druck auf Venezuela und bringt dabei auch Kuba direkt ins Spiel. Laut Berichten aus Regierungskreisen soll Caracas seine politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu China, Russland, Iran und Kuba beenden. Ziel der US-Administration sei es, Venezuela außenpolitisch neu auszurichten und die Vereinigten Staaten als zentralen, wenn nicht einzigen Partner im venezolanischen Ölsektor zu etablieren.
US-Außenminister Marco Rubio erklärte in einer vertraulichen Unterrichtung von Kongressabgeordneten, Washington sehe sich in einer starken Verhandlungsposition. Viele venezolanische Öltanker seien beladen, könnten ihre Fracht jedoch nicht absetzen. Ohne rasche Verkäufe drohe dem Land innerhalb weniger Wochen eine akute Zahlungsunfähigkeit. Für Kuba hätten die Forderungen weitreichende Konsequenzen. Für Kuba hätte ein Ende der engen Energiekooperation mit Venezuela erhebliche wirtschaftliche Folgen und könnte die ohnehin angespannte Versorgungslage weiter verschärfen.
Aber auch so wird der Insel vermutlich der Ölhahn schon deshalb komplett zugedreht, weil die USA mit ihrer massiven Streitmacht in der Karibik weiter jegliche Ölexporte Venezuelas blockieren wollen, ganz besonders diejenigen Transporte, die das Ziel Kuba haben. Und weil Trump venezolanisches Öl für die USA beansprucht. Die USA wollen mit ihrer massiven Präsenz in der Karibik jegliche Ölexporte Venezuelas kontrollieren, besonders die Transporte nach Kuba.
Strategie der Aushungerung und der russische Unbekannte
Nun aber sind die Machthaber in Washington überzeugt, sie müssten gar nichts mehr tun, sondern nur warten. Denn Kubas Tage seien gezählt, sagte Trump kürzlich. Sie werden nicht durchhalten, da sie jetzt keine Einnahmen mehr haben werden, erläuterte er. Auf die Frage nach einem möglichen militärischen Eingreifen der USA auf der Insel antwortete der US-Präsident, er halte dies nicht für notwendig. Die Festnahme von Nicolas Maduro hat Kuba in große Unruhe versetzt. Trump prognostiziert das nahende Ende der kubanischen Regierung.
Sowohl Präsident Donald Trump als auch Außenminister Marco Rubio ließen am Wochenende nach der Maduro-Festnahme keinen Zweifel daran, dass der Zusammenbruch des kommunistischen Regimes in Kuba nicht nur als Folge von Maduros Absetzung zu erwarten sei, sondern auch als ein angestrebtes Ziel. „Ich denke, dass irgendwelche Maßnahmen ergriffen werden müssen“, äußerte Trump. Ohne Maduro und die venezolanischen Öllieferungen, so fügte er hinzu, „sieht es so aus, als würde Kuba vor dem Untergang stehen.“
Die Strategie der wirtschaftlichen Erdrosselung durch Abschneiden der Energiezufuhr ist zynisch, aber aus US-Sicht effizient. Ohne direkte militärische Intervention, die international auf Kritik stoßen würde, soll das kubanische Regime durch ökonomischen Druck zu Fall gebracht werden. Diese Belagerungsstrategie nimmt bewusst in Kauf, dass die kubanische Bevölkerung, die ohnehin unter massiven Versorgungsengpässen leidet, weiter in Elend und Verzweiflung getrieben wird.
Allerdings gibt es einen geopolitischen Faktor, der Trumps Rechnung komplizieren könnte. Kuba betreibt breite Kooperationen mit Russland, unter anderem wirtschaftlicher und militärischer Natur. Mehreren Vorwürfen zufolge schickt das Regime auch Söldner in den Ukraine-Krieg. Präsident Wladimir Putin dürfte ein Machtwechsel in Havanna also nicht gefallen. Die beiden Länder haben in den letzten Jahren ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit intensiviert. Sie haben Verteidigungsabkommen unterzeichnet und russische Kriegsschiffe haben in Havanna angelegt.
Im Jahr 2024, zwei Jahre nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine, wünschte Kubas Präsident Miguel Diaz-Canel Russland Erfolg bei der Durchführung der „besonderen Militäroperation“. Die beiden Länder haben Handelsabkommen unterzeichnet, und die russischen Investitionen in die Ölförderung und Landwirtschaft in Kuba haben zugenommen. Vor allem die Verflechtung Russlands mit Kuba könnte Trump in Schach halten. Das ist vermutlich das, worauf das Regime jetzt hofft.
Weder Russland noch der Iran scheinen in der Lage zu sein, die Öl-Lücke zu füllen. Russland ist jedoch wahrscheinlich Kubas beste Hoffnung auf eine Rettungsleine im Allgemeinen. Die russische Unterstützung könnte den Kollaps des kubanischen Regimes verzögern, aber kaum verhindern, wenn die venezolanischen Öllieferungen vollständig ausbleiben und die USA ihre Blockade konsequent durchsetzen. Kuba ist ein potenzieller Brückenkopf für China und Russland. Das lassen sich die USA unter Trump nicht gefallen. Russische Kriegsschiffe inklusive U-Booten haben wiederholt in kubanischen Häfen angelegt, was in Washington Alarmglocken schrillen lässt.
Mit seiner Aussage, Kuba könnte von selbst fallen, liegt Trump aber vielleicht nicht ganz daneben. Ohne Öl und Unterstützung aus Venezuela könnte das Regime in Havanna tatsächlich implodieren. Die wirtschaftliche Situation ist bereits jetzt verzweifelt. Landesweit lassen die Stromabschaltungen die Produktivität sinken. Das marode Kraftwerksnetz generiert oft kaum die Hälfte des Stroms, auf die es ausgelegt ist. Der latente Mangel an Ersatzteilen, nicht erfolgte Investitionen in Unterhalt und Reparatur sind dafür genauso verantwortlich wie die Abwanderung vieler Techniker.
Experten rechnen nicht mit einer schnellen Lösung. Für das zweite Halbjahr 2025 hatte Präsident Diaz-Canel Besserung angekündigt. Aber auch im Juli konnten die Kraftwerke weniger Energie bereitstellen als erwartet. Ökonomen rechneten erst zum Jahresende mit einer Entspannung. Diese ist jedoch nicht eingetreten, und die Situation hat sich mit der Venezuela-Intervention nochmals dramatisch verschärft.
Ein bis zwei moderne 300 Megawatt-Ölkraftwerke sollen zukünftig die Anschubfunktion für das kubanische Stromsystem übernehmen. Der Rest des auf 3.500 bis 4.000 Megawatt ausgelegten Stromsystems soll bis 2030 vor allem aus regenerativen Energieträgern generiert werden. Das würde bedeuten, dass alle neun zwischen 30 und 40 Jahre alten und maroden Ölkraftwerke zwischen Santiago de Cuba und Pinar del Rio vom Netz gehen sollen. Wie die dafür nötigen Investitionen aufgebracht werden sollen, ist unklar. Unter den gegenwärtigen Bedingungen der totalen wirtschaftlichen Isolation ist eine solche Transformation völlig illusorisch.
Die Donroe-Doktrin als ideologischer Rahmen
Die aggressive Neuausrichtung der US-Politik gegenüber Lateinamerika ist keineswegs improvisiert, sondern folgt einer klar formulierten geostrategischen Lehre. In der im Jahr 2025 veröffentlichten Nationalen Sicherheitsstrategie der USA heißt es, nach Jahren der Vernachlässigung würden die Vereinigten Staaten die Monroe-Doktrin bekräftigen und umsetzen, um die amerikanische Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre zurückzugewinnen.
Trump bezog sich kurz nach der Festnahme Maduros durch amerikanische Streitkräfte auf diese Doktrin und sagte, die Monroe-Doktrin ist eine große Sache, aber wir haben sie um ein Vielfaches übertroffen. Jetzt bezeichnen wir sie als „Donroe-Doktrin“. Diese Wortschöpfung aus Donald und Monroe ist keineswegs scherzhaft gemeint, sondern Signal einer radikalen Neuinterpretation und Verschärfung der ursprünglichen Doktrin.
Präsident James Monroe hatte 1823 Lateinamerika zum Einflussbereich der USA erklärt und jede koloniale Einmischung aus Europa auf dem Subkontinent ausgeschlossen. Die Doktrin war ursprünglich defensiv formuliert und richtete sich gegen europäische Kolonialmächte. Theodore Roosevelt verschärfte 1904 mit dem „Roosevelt Corollary“ (Roosevelt-Zusatz) diese Strategie entscheidend. Er leitete daraus ein Interventionsrecht der USA ab. In der westlichen Hemisphäre könne die Erfüllung der Monroe-Doktrin die Vereinigten Staaten dazu zwingen, in „flagranten Fällen solchen Unrechttuns oder Unvermögens“, wenn auch widerwillig, eine „internationale Polizeigewalt“ auszuüben.
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Das Trump-Corollary: Militärische Gewalt als legitimes Mittel
Trump hat nun seinerseits mit dem „Trump Corollary“ (Trump-Zusatz) eine weitere Erweiterung formuliert. „Wir werden außerkontinentalen Wettbewerbern die Fähigkeit verwehren, Streitkräfte oder andere bedrohliche Fähigkeiten zu stationieren oder strategisch wichtige Vermögenswerte in unserer Hemisphäre zu besitzen oder zu kontrollieren“, heißt es in dem Zusatz. Damit knüpft Trump bewusst an das Roosevelt Corollary von 1904 an und verschärft es nochmals.
In Trumps Anhang heißt es, die USA würden ihre militärische Präsenz in der westlichen Hemisphäre ausweiten und sich dabei das Recht nehmen, zielgerichtete Einsätze einschließlich, wo nötig, tödlicher Gewalt durchzuführen. Ziel sei es, Seewege zu kontrollieren und den Zugriff auf strategische Standorte zu sichern. Mit dieser explizit militärischen Option rechtfertigt Trump sein aktuelles Vorgehen gegen Venezuela.
Die imperiale Zielsetzung ist eindeutig. Lateinamerika soll zu Wiederaufbau, Verstärkung und Weiterentwicklung der produktiven, technischen, strategischen und militärischen Kräfte und Kapazitäten der USA beitragen, um ein Machtgleichgewicht mit anderen Akteuren zu bewahren, die als ebenbürtig anerkannt werden, vor allem China, aber auch Russland. Mehrfach haben Minister aus Trumps Umfeld betont, dass Washington Lateinamerika wieder als exklusive Einflusssphäre der USA betrachtet.
Obwohl China niemals ausdrücklich genannt wird, ist es der globale Rivale der USA und dessen wirtschaftlicher, finanzieller und technologischer Einfluss in Lateinamerika, der zwischen den Zeilen ständig ins Visier genommen wird. Um dem Einfluss Pekings entgegenzuarbeiten, setzt Trump auf eine neue Handelsdiplomatie gegenüber den lateinamerikanischen Staaten und fordert sie auf, innen- wie außenpolitisch der Linie Washingtons zu folgen.
In der Nationalen Sicherheitsstrategie wird Lateinamerika die höchste geopolitische Priorität eingeräumt. Mit dieser Bezeichnung sind die Länder in Mittel- und Südamerika gemeint. Das Strategiepapier formuliert überraschend deutlich den amerikanischen Machtanspruch. Die westliche Hemisphäre sei für die USA von existenzieller Bedeutung und müsse daher vor feindlichen auswärtigen Eindringlingen geschützt werden.
Der wirtschaftliche Schwerpunkt der Strategie liegt darauf, Regionen zu priorisieren, die der eigenen Industrie nützen, und jene über Bord zu werfen, die als Belastung gelten. Eine dieser Regionen ist der amerikanische Kontinent, insbesondere Lateinamerika, da er die für die industrielle Produktion benötigten Bodenschätze und Rohstoffe liefert und zugleich einen Absatzmarkt für verarbeitete US-Produkte darstellt. Trump hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er an Venezuelas Ölressourcen, an Kanadas und Grönlands seltenen Erden sowie am Panamakanal interessiert ist.
Die Strategie setzt auf den Aufbau eines neuen Klassenbündnisses aus Industrie-, Energie-, Rüstungs- und Technologiekapital. In seiner neuen Sicherheitsstrategie formuliert Donald Trump überraschend deutlich seinen Machtanspruch auf Lateinamerika und nennt drastische Maßnahmen zu dessen Durchsetzung. Nun ist es offiziell, dass Trump der westlichen Hemisphäre die höchste geopolitische Priorität der USA einräumt.
China als unsichtbarer Gegenspieler
Hinter der aggressiven US-Strategie in Lateinamerika steht primär der Systemkonflikt mit China. Chinas Einfluss in Lateinamerika wächst seit der Jahrtausendwende parallel zum Aufstieg der Volksrepublik zur Supermacht. Das „Reich der Mitte“ ist längst größter Handelspartner der Region und weitet seine Präsenz auf allen Ebenen aus. Ein Blick auf die Dynamik der letzten 20 Jahre zeigt, dass Washington das Rennen gegen den strategischen Konkurrenten China in Lateinamerika zu verlieren droht.
Noch im Jahr 2000 wurden weniger als zwei Prozent der Exporte der Region nach China exportiert. Bereits 2010 war das Exportvolumen auf 80 Milliarden US-Dollar, 2021 bereits auf 450 Milliarden US-Dollar angewachsen. Auch andere wichtige Handelspartner, darunter die USA und Deutschland, können bei diesem Tempo nicht mithalten. Auf der Liste der Exportgüter stehen viele Rohstoffe wie Kupfer und Öl. Im Gegenzug liefert China Fertigprodukte mit höherer Wertschöpfung.
Im Fokus des chinesischen Engagements in Lateinamerika steht traditionell die Sicherung der Nahrungsmittel- und Rohstoffversorgung, etwa mit Rindfleisch und Soja oder Kupfer und Eisen. In diesem Jahr traten Freihandelsabkommen zwischen China und Chile, Costa Rica, Ecuador und Peru in Kraft. Mit Uruguay laufen Gespräche über ein Freihandelsabkommen. 21 lateinamerikanische Länder haben sich bisher der chinesischen „Belt and Road“-Initiative (Neue Seidenstraße) angeschlossen.
Der wachsende Einfluss Pekings wird nicht nur im Handel deutlich. Die Volksrepublik steht mit Direktinvestitionen und Krediten parat. Im Jahr 2022 beliefen sich die chinesischen Direktinvestitionen in Lateinamerika und der Karibik auf rund 12 Milliarden US-Dollar, was rund neun Prozent der Direktinvestitionen in der gesamten Region entsprach. Zwischen 2000 und 2018 investierte China 73 Milliarden US-Dollar in den lateinamerikanischen Rohstoffsektor, unter anderem durch den Bau von Raffinerien und Verarbeitungsanlagen in Ländern mit großen Vorkommen an Kohle, Kupfer, Erdgas, Öl und Uran.
Seit einigen Jahren steht auch Lithium auf dem Programm. Chinesische Unternehmen sind insbesondere in Argentinien, Bolivien und Chile aktiv, den drei Ländern des „Lithiumdreiecks“, in dem etwa die Hälfte der weltweiten Vorkommen des begehrten Batteriemetalls vermutet werden. In Bolivien erklärte Präsident Luis Arce im Januar 2023 den Beginn der Ära der Industrialisierung des bolivianischen Lithiums. Anlass war die Unterzeichnung eines Abkommens mit dem chinesischen Konsortium CBC über die Entwicklung von zwei Industriekomplexen zur Gewinnung des Rohstoffs.
Argentinien gehört mit Chile und Bolivien zum sogenannten Lithiumdreieck, einer Region, wo sich mehr als die Hälfte der weltweiten Reserven des wertvollen Metalls befinden. Für Chinas Rohstoffpolitik ist Argentinien deshalb von großer Bedeutung. Um die Versorgung der eigenen Industrie sicherzustellen, haben sich Firmen wie Ganfeng, Zijin Mining, Tibet Summit Resources und Tianqi Zugang zu lukrativen Lagerstätten in Argentinien gesichert.
In den USA machen sich deshalb Sorgen breit. Peking könnte seine immer engeren Beziehungen nutzen, um eigene geopolitische Ziele durchzusetzen, etwa die Isolation Taiwans. Außerdem wird befürchtet, dass China Regierungen in Ländern wie Kuba oder Venezuela den Rücken stärken könnte. Präsident Biden rief die Initiative „Build Back Better World“ mit der G7 ins Leben. Die Initiative zielt darauf ab, Chinas Expansion durch den Ausbau der Infrastruktur in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, darunter auch in Lateinamerika, entgegenzuwirken. Mehr als sechs Milliarden US-Dollar stellte die US-Regierung für das Projekt zunächst jedoch nicht bereit.
Kampf um Lithium und die Kontrolle über den Panamakanal
Grund für die deutliche Formulierung der neuen Sicherheitsdoktrin ist auch der wachsende Einfluss von China in Lateinamerika. Die Staatsführung in Peking hat in den vergangenen Jahrzehnten Milliarden in den Ausbau der Infrastruktur in Lateinamerika investiert und sich dadurch Zugang zu kritischen Rohstoffen und Agrarimporten gesichert. Deshalb will Washington neue Abkommen an Bedingungen knüpfen, um fremden Einfluss zurückzudrängen, vom Zugriff auf Militäranlagen und Häfen bis zum Kauf strategischer Vermögenswerte. Ausländische Infrastrukturunternehmen sollen zurückgedrängt werden. Druckmittel seien amerikanische Hebel in der Finanz- und Technologiesphäre.
Zwar ist China im Strategiepapier nicht ausdrücklich erwähnt. Doch zwischen den Zeilen wird klar, dass die Volksrepublik der Hauptadressat ist. Außerkontinentale Mächte hätten bereits große Fortschritte erzielt, sowohl um „uns wirtschaftlich zu benachteiligen als auch strategisch zu schaden“, heißt es. Das Lithium aus dem Süden des Kontinents und das Kupfer aus den Anden sind nicht nur für China, sondern für die gesamte Weltwirtschaft von strategischer Bedeutung. Die Energiewende verschärft den Wettbewerb um Ressourcen, der bereits zu sozialen und ökologischen Spannungen in der Region führt.
Kritische Mineralien stehen im Mittelpunkt dieser neuen Phase. Lithium, Kupfer und sogar seltene Erden sind Gegenstand von Investitionen und Vereinbarungen, die darauf abzielen, die Versorgung mit Rohstoffen für Batterien, Elektrofahrzeuge und erneuerbare Energien in China sicherzustellen. Laut Berichten hat sich das Volumen der chinesischen Finanzierungen zwar verringert, aber die Wirtschaftsbeziehungen sind vielfältiger geworden. Unternehmen spielen nun eine immer wichtigere Rolle, während der chinesische Staat als direkter Kreditgeber weniger involviert ist.
Lateinamerikanische Länder liefern weiterhin strategische Rohstoffe für die chinesische Wirtschaft, wie agroindustrielle Produkte und Energie. Dieses Beziehungsmodell ist nicht neu, gewinnt aber in einem globalen Szenario, das durch die Beschleunigung der Energiewende, das Streben nach Ernährungssicherheit und geopolitische Spannungen zwischen China und den Vereinigten Staaten gekennzeichnet ist, an Bedeutung.
China behält seine Position als wichtigster Handelspartner von Ländern wie Brasilien, Chile und Peru, während die Region immer mehr in China hergestellte Produkte importiert, von Konsumgütern bis hin zu Industrie- und Technologieausrüstung. Für viele lateinamerikanische Länder verstärkt diese Dynamik die Abhängigkeit von Rohstoffen zum Nachteil von Exporten mit höherer Wertschöpfung und vertieft die Handelsdefizite.
Der Fall Panama illustriert die geoökonomische Dimension der Nationalen Sicherheitsstrategie. Das Strategiepapier macht deutlich, dass Besitz und Kontrolle strategischer Anlagen wie Häfen, Knotenpunkte und Transitwege keine beliebigen Anliegen wirtschaftlicher oder entwicklungspolitischer Natur sind, sondern harte Sicherheitspolitik. Berichte über US-Druck auf die Regierung in Panama, Konzessionen chinesisch kontrollierter Hafenbetreiber zu überprüfen und eine Distanzierung von der „Belt and Road“-Initiative einzuleiten, sind in der Region als erste handfeste Umsetzung des Trump-Zusatzes gewertet worden.
Im Streit mit den USA über die Kontrolle des Panamakanals und den Einfluss Chinas hat Präsident Jose Raul Mulino einige Zugeständnisse gemacht, jedoch klargemacht, dass die Hoheit über die Wasserstraße nicht verhandelbar sei. Der Kanal ist „nicht zur Verfügung“, äußerte Mulino. Im kommenden Jahr wird Panama jedoch die Zusammenarbeit mit Chinas umfangreichem Handels- und Infrastrukturprojekt Neue Seidenstraße beenden. Der Vertrag, der 2017 mit China unterzeichnet wurde, wird 2026 nicht verlängert. Panama war das erste Land in Lateinamerika, das sich diesem Projekt anschloss und beendete zuvor diplomatische Beziehungen zu Taiwan, um diese zu Peking aufzunehmen.
US-Präsident Trump zeigt sich besorgt darüber, dass ein Unternehmen aus Hongkong zwei der vier Häfen des Panamakanals betreibt. Außenminister Rubio hatte die panamaische Regierung aufgefordert, sofort den Einfluss und die Kontrolle Chinas über den Kanal zu verringern. Besonders problematisch für die US-Regierung ist, dass die Firma Hutchison Ports, die von dem Multimilliardär Li Ka-shing geleitet wird, seit 1997 zwei der Häfen betreibt. Trump behauptet ohne Beweise zu liefern, dass der Betreiber ein verlängerter Arm der chinesischen Regierung sei.
Die Kontrolle über die Wasserstraße liegt jedoch in den Händen der panamaischen Kanalverwaltung ACP, die vertraglich zur Neutralität verpflichtet ist. Trotz dieser Tatsache wies Rubio darauf hin, dass die USA den Vertrag im Panamakanal ändern könnten, sollte es das wünschen. Etwa sechs Prozent des globalen Handels und 58 Prozent der in Containerschiffen von Asien zur Ostküste der USA transportierten Waren passieren diese Wasserstraße.
China versucht seit Langem, seinen Einfluss in ganz Lateinamerika auszubauen, um Zugang zu Rohstoffen und Nahrungsmitteln zu gewinnen. Das Land ist mittlerweile zweitgrößter Handelspartner der Region und sogar der größte in Südamerika. Laut dem Weltwirtschaftsforum hat sich das Handelsvolumen zwischen China und Lateinamerika in den letzten zwei Jahrzehnten von 12 Milliarden im Jahr 2000 auf 315 Milliarden Dollar im Jahr 2020 erhöht.
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Trumps „Donroe-Doktrin“: Wie Lateinamerika wieder zum Hinterhof der USA wird
Wirtschaftliche Diplomatie als Belohnungs- und Bestrafungssystem
Trump verfolgt eine klare Strategie der wirtschaftlichen Diplomatie, die auf einem System von Belohnungen und Bestrafungen basiert. US-Unternehmen sollen über gegenseitige Handelsabkommen privilegierten Zugang zu den Binnenmärkten lateinamerikanischer Staaten erhalten. „Belohnt würden Regierungen und Bewegungen, die unseren Prinzipien und unserer Strategie weitgehend entsprechen.“ Daraus folgt im Umkehrschluss, dass Regierungen, die andere politische Überzeugungen verfolgen, bestraft werden sollen.
In Argentinien hat Trump bereits vorgeführt, wie seine Belohnung funktioniert. Washington unterstützte die libertäre Regierung von Javier Milei mit Krediten über 40 Milliarden Dollar. Ohne diese Gelder hätte der Präsident die Zwischenwahlen vermutlich deutlich verloren. Zudem schlossen Trump und er eine umfassende Handels- und Investitionsvereinbarung, die weit über die üblichen US-Abkommen in Südamerika hinausgeht. Sie öffnet den US-Markt für argentinische Agrarprodukte und sichert im Gegenzug US-Firmen weitgehenden Zugang zu Argentiniens Wirtschaft.
Was dieses Narrativ ausblendet, ist, dass ohne eine Finanzspritze aus den USA Argentinien im Herbst 2025 seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr hätte nachkommen können. Die Reserven der Zentralbank liegen auf kritischem Niveau. Der Peso hält sich nur dank externer Unterstützung. Die Hilfe ist ideologisch und strategisch. Washington wollte damit ein Signal an Peking senden. Argentinien soll westlich bleiben.
Zudem machte Argentinien in einem Handelsabkommen, das nach den Wahlen im Oktober 2025 unterzeichnet wurde, Dutzende konkreter Zugeständnisse, von der Anerkennung von US-Zertifikaten für Medikamente und Autos bis zur Öffnung des Marktes für lebende Rinder und Geflügel, während die USA nur in zwei Punkten nachgaben. Der Wahlkampf war auch von der Furcht bestimmt vor einem „Schwarzen Montag“ mit einem Peso-Absturz und einer Rückkehr des Peronismus. Trump drohte: „Wenn Milei gewinnt, helfen wir. Wenn nicht, sind wir raus.“ Das hat sich als geschickte Manipulation herausgestellt. Ob und wann wie viel Geld fließt, ist offen.
Dank der ungleichen Partnerschaft mit den USA sitzt die Milei-Regierung nun relativ fest im Sattel. Solange Washington Argentinien stützt, droht kein Zusammenbruch. Aber der Preis ist eine Aufgabe von Souveränität, ohne dass eine reibungslose Regierungsarbeit garantiert wäre. Trump wiederum hat eine klare Agenda, den „Hinterhof“ der USA neu zu ordnen. Wer aufmuckt, wie der kolumbianische Präsident Gustavo Petro, wird kurzerhand zum Drogenhändler erklärt, ohne Beweise. Milei hingegen ist Trumps Kumpel. Mileis teure Reisen in die USA sind innenpolitisch umstritten, zumal sie immer wieder ohne konkrete diplomatische oder wirtschaftliche Ergebnisse enden.
Bei neuen Abkommen sollen auch US-Normen, das US-Patentrecht und US-Sicherheitsstandards durchgesetzt werden. Große Datenmengen sollen ausgetauscht werden. Länder, die über Vorkommen der kritischen Industrierohstoffe seltene Erden oder von wichtigen Erzen verfügen, garantieren den USA Zugang dazu. US-Tech-Konzerne sollen von neuen lokalen Steuern ausgenommen bleiben. Vor wenigen Tagen kündigte die US-Regierung an, ähnliche Abkommen auch mit Ecuador, Guatemala und El Salvador anzustreben.
Passend dazu:
- Zwischen Erwartung und Ernüchterung: Die globale Bewertung (u.a. USA, EU und China) der Trump-Präsidentschaft im November 2025
Freund oder Feind: Der Umgang mit Milei, Petro und Lula
Angesichts eines allgemeinen Rechtsrucks in Lateinamerika werden Trump neue Partner nicht ausgehen. In Bolivien wurde nach 20 Jahren Sozialismus der Mitte-Rechts-Kandidat Rodrigo Paz Pereira gewählt, der dringend ausländische Kredite benötigt und im Gegenzug die größten Lithiumreserven der Welt anbieten könnte. In Chile dürfte mit Jose Antonio Kast ein weiterer Rechtskandidat die Präsidentschaft übernehmen. Das Land ist der größte Kupferexporteur der Welt.
Auf die linksautoritären Regimes in Kuba und Nicaragua hat Trump den Druck bereits erhöht und versucht, sie politisch zu isolieren. Auch Kolumbiens Präsident Gustavo Petro drohte Trump mit Eingriffen, um die Drogenlabors im Land zu zerstören. Die zuvor gewährten Militärhilfen für Bogota wurden bereits gestrichen. Der Republikaner hatte vor Journalisten gesagt, Kolumbien sei sehr krank und werde von einem kranken Mann regiert, der es liebe, Kokain zu produzieren und es in die Vereinigten Staaten zu verkaufen. Das werde er nicht mehr lange machen, sagte Trump, ohne ins Detail zu gehen, was er konkret damit meinte.
Nach seinen Drohungen gegen Kolumbien hat US-Präsident Donald Trump mit dem kolumbianischen Staatschef Gustavo Petro telefoniert und ein Treffen im Weißen Haus angekündigt. Petro sagte wenig später, er habe rund eine Stunde mit Trump gesprochen. „Ohne Dialog gibt es Krieg“, sagte er vor Demonstranten bei einer Kundgebung für die Souveränität seines Landes. Bei seinem ersten Gespräch mit dem US-Präsidenten seit dessen Amtsantritt sei es um die Themen Venezuela und Drogenhandel gegangen.
Petro hatte auf Trumps jüngste Drohungen scharf reagiert. Die Äußerungen seien eine illegitime Drohung, er werde sie genau prüfen, hatte Petro geschrieben. Sollte gegen ihn selbst vorgegangen werden, warnte Petro vor schweren Folgen. Er wies Vorwürfe zurück, Kolumbien unternehme zu wenig gegen den Drogenhandel. Petro sieht auch nach dem Telefonat mit Trump einen Angriff durch das US-Militär als reale Bedrohung. „Die USA behandeln andere Nationen wie einen Teil eines US-Imperiums. Damit riskieren sie, keine Weltmacht zu sein, sondern stattdessen von der Restwelt isoliert zu werden.“
Auf die Frage, wie und ob sich Kolumbien bei einem amerikanischen Angriff verteidigen würde, antwortete Petro, dass er sich einen Dialog wünschen würde, und fügte hinzu: „Es geht nicht darum, einer großen Armee mit Waffen entgegenzutreten, die wir nicht haben. Wir haben nicht einmal Flugabwehrsysteme. Stattdessen verlassen wir uns auf die Massen, unsere Berge und unsere Dschungel, wie wir es schon immer getan haben.“
Eine besonders interessante Fallstudie ist Brasilien. Der Fall Brasilien scheint zunächst bizarr. Mit Strafzöllen bis zu 50 Prozent ist das südamerikanische Land einsamer Spitzenreiter auf Washingtons schwarzer Liste. Die US-Regierung hat nämlich in der aktuellen Zollrunde zu den 10 Prozent, die seit April 2025 gelten, weitere 40 Prozent hinzugefügt, wegen einer angeblichen „Hexenjagd“ auf Lulas ultrarechten Vorgänger Jair Bolsonaro.
Die jetzige Einmischung Washingtons in die internen Angelegenheiten Brasiliens geht weit über das hinaus, was man im leidgeprüften Lateinamerika gewohnt ist. Offenbar will Trump ein Exempel statuieren und an die Zeiten anknüpfen, als der Subkontinent in Washington als quasi natürliche Einflusssphäre wahrgenommen wurde. In Argentinien, El Salvador und Ecuador sind bereits Trump-Anhänger an der Macht. Die linken Staatschefs in Chile, Kolumbien und Brasilien könnten schon bald von Rechtsextremisten beerbt werden.
Allerdings hat sich das Verhältnis zwischen Trump und Brasiliens Präsident Lula zuletzt entspannt. Trump sagte, dass sein Telefonat mit Luiz Inacio Lula da Silva „sehr gut“ verlaufen sei. „Wir werden weitere Gespräche führen und uns bald sowohl in Brasilien als auch in den USA treffen.“ Lula forderte Aufhebung der Zölle auf brasilianische Waren sowie die Beendigung von Sanktionen. Die beiden Präsidenten hätten 30 Minuten in einem freundlichen Ton miteinander gesprochen. Vizepräsident Geraldo Alckmin bezeichnete das Gespräch als „besser als erwartet“.
Lula und Trump tauschten ihre Kontaktnummern aus, um direkten Kontakt zu ermöglichen. Darüber hinaus einigten sie sich darauf, sich baldmöglichst zu treffen. Lula schlug laut der brasilianischen Regierung vor, sich während des ASEAN-Gipfels in Malaysia zu treffen, zeigte sich jedoch bereit, in die USA zu reisen. Der rechtspopulistische Präsident Trump und der linksgerichtete Lula hatten sich im September 2025 am Rande der UN-Generalversammlung in New York getroffen. Trump lobte danach die „hervorragende Chemie“ zwischen ihnen, obwohl die Beziehungen zwischen beiden Ländern zu diesem Zeitpunkt sehr angespannt waren.
Lula sagte vor Journalisten in der Hauptstadt Brasilia, er habe nach anfänglichen Differenzen eine gute Beziehung zu Trump aufbauen können. „Trump ist mein Freund geworden, ein bisschen Small Talk. Zwei Männer im Alter von 80 Jahren haben keinen Grund zu streiten.“ Lula will im Venezuela-Konflikt vermitteln. Er werde Trump fragen, wie Brasilien zu einem diplomatischen Ausweg aus der Krise beitragen könne. Der Konflikt zwischen den USA und Venezuela spitzt sich immer weiter zu. Lula sagte allerdings, dass er nicht genau verstehe, was dahintersteht. „Jeden Tag gibt es neue Drohungen in den Zeitungen, und wir sind besorgt. Niemand sagt konkret, warum dieser Krieg geführt werden muss. Ich weiß nicht, ob es um Öl oder seltene Mineralien geht. Niemand legt offen, was er will.“
Trump behandelt inzwischen die linksstehenden Präsidenten Claudia Sheinbaum in Mexiko und Luiz Inacio Lula da Silva in Brasilien wieder als Partner. Mit Lula telefoniert Trump inzwischen fast wöchentlich und hat zuletzt die meisten Strafzölle auf brasilianische Exportprodukte gesenkt. Beide Länder wurden zunächst mit hohen Strafzöllen belegt. Doch inzwischen behandelt er die Präsidenten wieder kooperativer.
Langfristige ökonomische und geopolitische Auswirkungen
Die aggressive Neuausrichtung der US-Politik gegenüber Lateinamerika unter der Donroe-Doktrin markiert einen fundamentalen Einschnitt in den Beziehungen auf dem Kontinent. Was Trump als Wiederbelebung amerikanischer Vormachtstellung inszeniert, ist faktisch die Rückkehr zu einem kolonialen Muster, das die Region für Jahrzehnte prägen wird.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind vielschichtig. Kurzfristig sichern sich die USA Zugang zu kritischen Ressourcen, insbesondere Öl aus Venezuela und potenziell Lithium aus dem südlichen Teil Lateinamerikas. Die Kontrolle über diese Rohstoffe verschafft Washington tatsächlich einen strategischen Vorteil im Systemwettbewerb mit China. Allerdings zahlen die betroffenen Länder einen hohen Preis. Die vollständige Übernahme der venezolanischen Ölindustrie durch amerikanische Interessen beraubt das Land seiner wirtschaftlichen Souveränität und macht echte Entwicklung unmöglich.
Mittelfristig droht eine Destabilisierung der gesamten Region. Die Militarisierung der Drogenpolitik in Mexiko, die wirtschaftliche Abschnürung Kubas und die aggressive Einmischung in die inneren Angelegenheiten souveräner Staaten wie Kolumbien und Brasilien schaffen ein Klima der Unsicherheit und Instabilität. Investitionen werden zurückgehalten, Kapital fließt ab, und die wirtschaftliche Entwicklung stagniert.
Die Migration, die Trump angeblich bekämpfen will, wird durch seine Politik langfristig eher verschärft als gelindert. Wenn ganze Volkswirtschaften durch Sanktionen, Blockaden und erzwungene Isolation zusammenbrechen, werden noch mehr Menschen gezwungen sein, ihre Heimat zu verlassen. Die zunehmende Armut in Mexiko könnte erneut Migration in Richtung Norden in die Vereinigten Staaten auslösen. Die Fentanyl-Krise wird durch militärische Schläge gegen Kartelle nicht gelöst, sondern lediglich verlagert. Solange die Nachfrage in den USA besteht und die ökonomischen Anreize für Produktion und Schmuggel erhalten bleiben, werden sich neue Akteure finden.
Die geopolitischen Konsequenzen könnten sich als noch gravierender erweisen. China wird seinen Einfluss in Lateinamerika nicht kampflos aufgeben. Peking verfügt über erhebliche ökonomische Ressourcen und kann lateinamerikanischen Regierungen Alternativen zur einseitigen Abhängigkeit von den USA anbieten. Die aggressive amerikanische Politik könnte paradoxerweise dazu führen, dass sich mehr Länder der Region China zuwenden, um ihre Handlungsspielräume zu wahren.
Russland nutzt die Situation bereits, um seine Präsenz zu verstärken, insbesondere in Kuba und Venezuela. Die militärischen Kooperationen zwischen Moskau und Havanna haben sich in den letzten Jahren intensiviert. Ein vollständiger Kollaps des kubanischen Regimes könnte Russland zu direkteren Interventionen veranlassen, was die Spannungen zwischen den Großmächten gefährlich erhöhen würde. Die Karibik könnte sich zu einem neuen Schauplatz der Großmachtrivalität entwickeln, mit allen damit verbundenen Risiken.
Für Europa ergeben sich aus dieser Entwicklung erhebliche Herausforderungen. Die transatlantische Partnerschaft, ohnehin unter Trump massiv belastet, erfährt eine weitere Aushöhlung. Die brutale Machtpolitik Washingtons in Lateinamerika widerspricht fundamental europäischen Vorstellungen von regelbasierter internationaler Ordnung und multilateraler Kooperation. Gleichzeitig ist Europa wirtschaftlich und sicherheitspolitisch zu schwach, um eine eigenständige Rolle in der Region zu spielen oder den betroffenen Ländern eine glaubwürdige Alternative zu bieten.
Die kürzlich erfolgte Zustimmung der EU-Staaten zum Mercosur-Abkommen könnte zumindest für Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay eine gewisse Streuung der Handelsbeziehungen ermöglichen. Allerdings ist fraglich, ob dieses Abkommen angesichts des massiven amerikanischen Drucks und der internen europäischen Widerstände tatsächlich umgesetzt wird. Frankreich und andere EU-Staaten lehnen das Abkommen aus protektionistischen Gründen weiterhin ab.
Demokratieabbau und die ökologische Zeitbombe
Die demokratischen Institutionen in Lateinamerika werden durch Trumps Politik massiv unter Druck gesetzt. Das System von Belohnungen für konforme rechte Regierungen und Bestrafungen für linke oder unabhängige Regierungen untergräbt demokratische Wahlentscheidungen. Die offene Einmischung in Wahlkämpfe, wie im Fall Argentiniens, und die Unterstützung autoritärer Tendenzen, wie bei Milei oder Bukele in El Salvador, beschädigen die demokratische Substanz der Region nachhaltig.
Die wirtschaftliche Diplomatie Trumps läuft auf eine Rekolonialisierung Lateinamerikas hinaus. Länder werden gezwungen, ihre Rohstoffe zu Bedingungen zu verkaufen, die von Washington diktiert werden. Sie müssen ihre Erlöse für amerikanische Produkte ausgeben und amerikanischen Unternehmen privilegierten Marktzugang gewähren. Ihre außenpolitischen Beziehungen werden von Washington vorgegeben. Sie verlieren die Kontrolle über strategische Infrastrukturen. Dies ist das Gegenteil einer partnerschaftlichen Beziehung auf Augenhöhe.
Die Auswirkungen auf die globale Energiewende sind verheerend. Die massive Erschließung fossiler Ressourcen in Venezuela, die fortgesetzte Abhängigkeit von Erdöl in der gesamten Region und die Blockade von Investitionen in erneuerbare Energien durchkreuzen alle Klimaziele. Trump macht keinen Hehl aus seiner Verachtung für Klimaschutz. Seine „Drill baby drill“-Politik ist eine bewusste Absage an jede Form nachhaltiger Entwicklung. Die Kontrolle über Venezuelas 300 Milliarden Barrel Öl bedeutet, dass diese Reserven früher oder später gefördert und verbrannt werden, mit katastrophalen Folgen für das globale Klima.
Für die betroffenen Bevölkerungen in Lateinamerika sind die Aussichten düster. Die einfachen Menschen in Venezuela, Mexiko, Kuba und anderen Ländern zahlen den Preis für geopolitische Machtspiele. In Venezuela droht nach Jahrzehnten der Misswirtschaft unter Maduro nun eine direkte Fremdherrschaft durch amerikanische Konzerne. Die Erlöse aus dem Ölgeschäft, die eigentlich der Bevölkerung zugutekommen sollten, werden von Trump persönlich kontrolliert und nach seinem Gutdünken verteilt. Die Hoffnung auf eine demokratische Erneuerung und wirtschaftliche Erholung schwindet.
In Kuba steht die Bevölkerung vor einem völligen Zusammenbruch der Grundversorgung. Die chronischen Stromausfälle machen ein normales Leben unmöglich. Ohne Strom funktionieren weder Kühlung noch Kommunikation noch medizinische Versorgung. Betriebe können nicht produzieren, Geschäfte nicht öffnen. Die wirtschaftliche Strangulierung durch Abschneiden der Energiezufuhr ist eine Form der kollektiven Bestrafung, die ethisch nicht zu rechtfertigen ist, auch wenn das kubanische Regime autoritär und repressiv ist.
In Mexiko droht eine weitere Eskalation der Gewalt. Militärische Operationen gegen Kartelle, ob von mexikanischen oder amerikanischen Streitkräften durchgeführt, fordern immer auch zivile Opfer. Die Kartelle werden nicht einfach verschwinden, sondern sich anpassen, verlagern und möglicherweise noch brutaler agieren. Die Zivilbevölkerung gerät zwischen alle Fronten. Gleichzeitig steigt durch die ökonomische Unsicherheit und die Abhängigkeit von amerikanischen Wohlwollen die Armut, was wiederum die Rekrutierungsbasis für kriminelle Organisationen vergrößert.
Die langfristigen Kosten dieser Politik werden möglicherweise auch die USA selbst treffen. Die brutale Durchsetzung amerikanischer Interessen schafft Feindbilder, die Generationen überdauern werden. Anti-amerikanische Stimmungen werden gestärkt, was zukünftigen Regierungen in Washington die Zusammenarbeit erschwert. Das internationale Ansehen der USA, ohnehin beschädigt, leidet weiter. Das Bild Amerikas als Vorkämpfer von Demokratie und Menschenrechten wird endgültig demontiert.
Ökonomisch könnte sich die Strategie als kontraproduktiv erweisen. Die erzwungene Isolation Venezuelas von China, Russland und anderen Partnern mag kurzfristig amerikanische Konzerne bevorzugen. Langfristig aber benötigt die desolate venezolanische Ölindustrie massive Investitionen, um die Produktion signifikant zu steigern. Diese Investitionen müssen aus amerikanischen Quellen kommen, da andere Investoren durch Sanktionen abgeschreckt werden. Ob amerikanische Ölkonzerne bereit sind, die notwendigen Milliarden in ein politisch instabiles Land zu investieren, dessen Erlöse ohnehin von Washington kontrolliert werden, ist fraglich.
Die Produktionssteigerung selbst könnte die Ölpreise auf dem Weltmarkt drücken, was amerikanischen Produzenten schadet, insbesondere den Fracking-Unternehmen, deren Gewinnschwelle bei deutlich höheren Preisen liegt als bei konventioneller Förderung. Ein Überangebot an Öl aufgrund wieder anlaufender venezolanischer Produktion würde die Rentabilität der amerikanischen Energiewirtschaft beeinträchtigen.
Die Neuverhandlung des USMCA könnte sich ebenfalls als zweischneidiges Schwert erweisen. Höhere lokale Wertschöpfungsanteile und strengere Lohnvorgaben verteuern die Produktion und machen nordamerikanische Produkte im globalen Wettbewerb weniger konkurrenzfähig. Die nordamerikanische Autoindustrie käme innerhalb einer Woche zum Erliegen, wenn Trump tatsächlich drastische Zölle auf Vorprodukte aus Kanada und Mexiko erheben würde. Die Integration der Lieferketten ist so eng, dass eine Entflechtung massive Kosten und Effizienzverluste mit sich brächte.
Die Rückkehr des amerikanischen Imperiums unter Trump in Lateinamerika folgt einer klaren ökonomischen Logik. Die Sicherung von Ressourcen, insbesondere von Öl und kritischen Mineralien, steht im Zentrum. Die Zurückdrängung chinesischen Einflusses ist strategisches Ziel. Die Militarisierung der Drogenpolitik liefert den innenpolitischen Vorwand und das Druckmittel für wirtschaftliche Zugeständnisse. Die Donroe-Doktrin bildet den ideologischen Rahmen für eine Politik der nackten Machtdemonstration.
Venezuela mit seinen gigantischen Ölreserven ist der Hauptpreis. Die vollständige Kontrolle über Förderung, Verkauf und Erlöse bedeutet die faktische Kolonisierung eines souveränen Staates. Mexiko wird durch die Drohung mit Militärinterventionen zu Zugeständnissen bei der Neuverhandlung des USMCA und zur Kooperation bei der Isolation Kubas gedrängt. Kuba selbst soll durch wirtschaftliche Strangulierung zum Kollaps gebracht werden, ohne dass die USA direkt militärisch intervenieren müssen.
Das Belohnungs- und Bestrafungssystem gegenüber verschiedenen lateinamerikanischen Regierungen zielt darauf ab, die gesamte Region zu einem gefügigen Hinterland amerikanischer Interessen umzuformen. Rechte, autoritäre Regime wie die von Milei, Bukele oder Kast werden mit Krediten und Handelsabkommen unterstützt. Linke oder unabhängige Regierungen wie die von Petro oder zeitweise Lula werden mit Zöllen, Sanktionen und öffentlicher Demütigung überzogen.
Die langfristigen Kosten dieser Politik sind enorm. Wirtschaftliche Instabilität, politische Spaltung, soziale Verwerfungen, verstärkte Migration, eine vertiefte Klimakrise und die Gefahr geopolitischer Konfrontationen mit China und Russland sind vorhersehbare Folgen. Die betroffenen Bevölkerungen zahlen den höchsten Preis, während die versprochenen Vorteile für die USA selbst zweifelhaft bleiben.
Was als „America First“ präsentiert wird, ist faktisch eine imperiale Überdehnung, die mehr Probleme schafft als löst. Die Geschichte lehrt, dass Imperien, die ihre Macht rücksichtslos durchsetzen, langfristig Widerstand erzeugen und an Überdehnung zugrunde gehen. Ob Trumps Donroe-Doktrin den Niedergang beschleunigt oder ob eine Korrektur noch möglich ist, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Für Lateinamerika jedenfalls hat eine neue Ära der Abhängigkeit begonnen, deren Ende nicht absehbar ist.
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