DefTech-Boom in Deutschland: Der radikale Masterplan für Deutschlands Verteidigungsfähigkeit – vom Tabu zum Milliarden-Magneten
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Veröffentlicht am: 2. März 2026 / Update vom: 2. März 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

DefTech-Boom in Deutschland: Der radikale Masterplan für Deutschlands Verteidigungsfähigkeit – vom Tabu zum Milliarden-Magneten – Bild: Xpert.Digital
„Eine Milliarde für Innovationen“: Der Masterplan, der Deutschlands Verteidigungsfähigkeit retten soll
Flucht aus den USA: Warum Europas Tech-Gründer plötzlich lieber in Deutschland bleiben
Lange Zeit galt die Verteidigungstechnologie in Deutschland als moralisches Tabu – heute ist sie ein regelrechter Milliarden-Magnet. Geopolitische Krisen und die neue sicherheitspolitische Realität haben einen beispiellosen Boom ausgelöst: Der sogenannte DefTech-Sektor (Defense Technology) hat sich in Rekordzeit zu einem der dynamischsten Segmente des deutschen Startup-Ökosystems gewandelt. Wie der aktuelle *DefTech Report 2026* des Digitalverbands Bitkom eindrucksvoll belegt, bündeln Startups aus diesem Bereich mittlerweile satte 17 Prozent des gesamten deutschen Risikokapitals. Es fließen immense Summen in junge Unternehmen, die mit Künstlicher Intelligenz, autonomen Drohnen und vernetzter Sensorik die digitale Souveränität Europas sichern wollen. Mit Vorreitern wie Helsing und Quantum Systems hat Deutschland bereits echte Milliarden-Schwergewichte – sogenannte Unicorns – hervorgebracht, und Standorte wie München entwickeln sich zu führenden Technologie-Hubs des Kontinents.
Doch der steile Aufstieg stößt auf ein großes strukturelles Hindernis: die deutsche Bürokratie. Während Investoren mutig Kapital bereitstellen, sich die gesellschaftliche Wahrnehmung wandelt und Gründer dem Standort USA zunehmend den Rücken kehren, bremst das schwerfällige Beschaffungswesen der Bundeswehr den technologischen Fortschritt spürbar aus. Langwierige, auf Großkonzerne zugeschnittene Vergabeverfahren sind für Startups oft existenzbedrohend und verhindern, dass innovative Lösungen schnell bei der Truppe ankommen. Die Branche schlägt nun Alarm und fordert ein radikales Umdenken, beschleunigte Fast-Track-Verfahren und ein festes Milliardenbudget für Innovationen. Denn der Kampf um die technologische und strategische Unabhängigkeit der Bundesrepublik entscheidet sich in hohem Maße nicht mehr nur durch brillante Software, sondern vor allem durch staatliche Schnelligkeit.
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Die Verteidigungstechnologie hat sich in Deutschland innerhalb weniger Jahre von einem tabuisierten Randthema zu einem der dynamischsten Segmente des gesamten Startup-Ökosystems entwickelt. Der DefTech Report 2026 des Digitalverbands Bitkom, veröffentlicht im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2026, zeichnet das Bild eines Sektors, der an einem kritischen Wendepunkt steht: Technologisch innovativ, finanziell zunehmend gut ausgestattet, aber institutionell noch immer durch ein Beschaffungswesen ausgebremst, das mit der Geschwindigkeit technologischer Innovation nicht Schritt halten kann.
Die Finanzierungsexplosion: Vom Nischeninvestment zum Schwergewicht
Die vielleicht eindrucksvollste Zahl des DefTech Reports 2026 betrifft die Kapitalallokation: Startups aus dem DefTech- und Dual-Use-Bereich vereinten in Deutschland im Jahr 2025 siebzehn Prozent des gesamten Venture-Capital-Volumens auf sich, obwohl sie nur rund zwei Prozent aller Deals ausmachten. Der Anteil von DefTech am gesamten Venture-Capital-Volumen in Deutschland ist seit 2019 von 2,9 Prozent auf 10,7 Prozent gestiegen und hat sich damit mehr als verdreifacht.
Diese Konzentration von Kapital auf wenige, dafür hochvolumige Finanzierungsrunden spiegelt eine Marktdynamik wider, die typisch für Sektoren im Übergang vom Nischen- zum Massenmarkt ist. Das Kapital folgt nicht mehr einer breiten Streuung über viele kleine Wetten, sondern konzentriert sich auf eine Handvoll von Unternehmen, denen das Potenzial zugeschrieben wird, Plattform- oder Kategorie-Gewinner zu werden.
In diesem Zusammenhang überrascht nicht, dass allein im Jahr 2025 die Hälfte der neuen deutschen Unicorns, also Startups mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Euro, aus dem Verteidigungs- beziehungsweise Dual-Use-Sektor kamen. Deutschland nimmt beim DefTech-Funding in Europa sowohl in absoluten als auch relativen Zahlen eine führende Rolle ein. Mit einer kumulierten Venture-Capital-Finanzierung von zwei Milliarden Dollar seit 2019 und 1,5 Milliarden Dollar allein seit 2024 liegt Deutschland deutlich vor Großbritannien, Südeuropa und Frankreich.
Die Unicorn-Fabrik München: Helsing und Quantum Systems
München hat sich als zentraler Standort des deutschen DefTech-Ökosystems etabliert, getragen vor allem durch die spektakulären Entwicklungen bei Helsing und Quantum Systems. Helsing, 2021 von Torsten Reil, Niklas Köhler und Gundbert Scherf gegründet, hat sich in nur vier Jahren vom ambitionierten KI-Startup zum europäischen Decacorn entwickelt. Im Juni 2025 sammelte das Unternehmen in einer Serie-C-Finanzierungsrunde 600 Millionen Euro ein und wurde dabei mit zwölf Milliarden Euro bewertet, damit gehört es zu den fünf wertvollsten privaten Technologieunternehmen Europas. Insgesamt hat Helsing bisher rund 1,4 Milliarden Euro eingesammelt.
Helsing entwickelt KI-Software für den Verteidigungsbereich, die unter anderem Soldaten bei der Einschätzung von Gefechtslagen unterstützt und militärische Zielselektion optimiert. Die Software ist bereits im realen Einsatz, unter anderem in der Ukraine. Das Unternehmen erhielt 2023 den Auftrag der Bundesregierung, den Eurofighter für den elektronischen Kampf zu befähigen, und liefert die KI-Infrastruktur für das europäische Future Combat Air System.
Quantum Systems, der Drohnenhersteller aus Gilching bei München, stieg im Mai 2025 mit einer Finanzierungsrunde über 160 Millionen Euro zum Unicorn auf. Die Serie-C wurde von Balderton Capital angeführt, mit Beteiligungen von HENSOLDT, Airbus Defense and Space, Bullhound Capital, HV Capital und Peter Thiel. Mit einer Gesamtfinanzierung von 310 Millionen Euro und einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar ist Quantum Systems das zweite Verteidigungs-Unicorn aus Deutschland.
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Die Verteidigungsfähigkeit: Schonungslose Selbstdiagnose
Der DefTech Report 2026 enthält auch eine schonungslose Bewertung der deutschen Verteidigungsfähigkeit durch diejenigen, die sie am besten einschätzen können: Die Gründerinnen und Gründer, die Technologien für genau diesen Zweck entwickeln. 76 Prozent der befragten DefTech-Gründer stufen die Verteidigungsfähigkeit der Bundesrepublik als gering ein, weitere elf Prozent als sehr gering. Insgesamt bewerten damit 87 Prozent die deutsche Verteidigungsfähigkeit als unzureichend.
Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich allerdings eine marginale Verbesserung. Der Anteil besonders kritischer Einschätzungen (sehr gering) hat sich von 25 Prozent auf elf Prozent mehr als halbiert. Gleichzeitig bewerten elf Prozent, und damit deutlich mehr als im Vorjahr mit vier Prozent, die Verteidigungsfähigkeit als hoch. Die Befragten nehmen also wahr, dass sich etwas bewegt, aber der Weg zu einer substantiell gestärkten Verteidigungsfähigkeit bleibt lang.
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst formulierte es mit Nachdruck: Die Dringlichkeit sei zu oft noch nicht spürbar. Deutschland könne nicht Jahre auf Veränderungen warten, sondern brauche schnell einsatzfähige Lösungen. Zur Verteidigungsfähigkeit gehörten heute auch Daten, Künstliche Intelligenz und vernetzte Systeme. Software Defined Defense müsse das Leitmotiv deutscher Verteidigungspolitik sein.
Das Beschaffungsdilemma: Der größte Hemmschuh
Rund neunzig Prozent der befragten Gründer bewerten die Einführung neuer Vergabe- und Beschaffungswege wie Fast-Track-Verfahren als essenziell. 76 Prozent stufen deren Relevanz als sehr hoch ein, weitere 14 Prozent als hoch. Die komplexen und langwierigen Verfahren bleiben insbesondere für junge DefTech-Unternehmen eine zentrale Hürde.
Das Problem ist struktureller Natur. Das Beschaffungsamt der Bundeswehr, das BAAINBw, operiert nach Verfahren, die auf die Zusammenarbeit mit großen, etablierten Rüstungskonzernen zugeschnitten sind. Langwierige Ausschreibungen, komplexe Vergabeverfahren und mehrstufige Prüfprozesse sind für Großunternehmen mit entsprechenden administrativen Ressourcen handhabbar, für Startups mit begrenztem Personal und endlicher Finanzierungsreichweite hingegen existenzbedrohend.
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Weniger als ein Drittel der befragten Gründer gibt an, bereits direkt durch die Bundeswehr beauftragt worden zu sein, etwa über das BAAINBw mit 21 Prozent oder im Rahmen der Ukraine-Hilfe mit acht Prozent. 33 Prozent der Gründer sind bislang überhaupt nicht direkt beauftragt worden. 28 Prozent sind lediglich über projektbezogene Arbeiten wie gemeinsame Studien eingebunden, ohne dabei als direkter Auftragnehmer aufzutreten.
Bitkom fordert deshalb die konsequente Beschleunigung und Vereinfachung der Vergabe innovativer Lösungen. Fast-Track-Verfahren benötigten eine klare Zuständigkeit, um unabhängig von bestehenden Standardverfahren agieren zu können. Es sollten SaaS-Rahmenverträge konzipiert werden, die es Startups erleichtern, ihre Lösungen schnell und unkompliziert anzubieten. Ergänzend wird ein zentraler Marktplatz für DefTech-Lösungen gefordert.
Hub für Sicherheit und Verteidigung - Beratung und Informationen
Der Hub für Sicherheit und Verteidigung bietet fundierte Beratung und aktuelle Informationen, um Unternehmen und Organisationen effektiv dabei zu unterstützen, ihre Rolle in der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu stärken. In enger Verbindung zur Working Group Defence der SME Connect fördert er insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die ihre Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit im Bereich Verteidigung weiter ausbauen möchten. Als zentraler Anlaufpunkt schafft der Hub so eine entscheidende Brücke zwischen KMU und europäischer Verteidigungsstrategie.
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Die Haushaltsforderung: Eine Milliarde für Innovation
87 Prozent der befragten Gründer sprechen sich für mehr Mittel aus dem Verteidigungshaushalt zur Beschaffung innovativer Lösungen aus. 60 Prozent bewerten die Relevanz als sehr hoch, weitere 27 Prozent als hoch. Die Forderung des Bitkom ist konkret: Ein jährliches Beschaffungsvolumen von mindestens einer Milliarde Euro für innovative Lösungen durch einen dezidierten Haushaltstitel. Mittelfristig soll der Anteil innovativer Beschaffung auf mindestens ein Prozent des Verteidigungshaushalts festgelegt werden.
Diese Forderung ist nicht nur aus der Perspektive der Startups relevant, sondern auch aus einer makroökonomischen Logik heraus begründet. Verlässliche öffentliche Beschaffung senkt das Investitionsrisiko für private Kapitalgeber erheblich. Wenn Venture-Capital-Investoren wissen, dass ein DefTech-Startup einen planbaren Absatzmarkt bei der Bundeswehr hat, steigt ihre Bereitschaft, Risikokapital bereitzustellen. Eine verbindliche Budgetzusage für innovative Beschaffung wirkt damit als Hebel, der ein Vielfaches an privatem Kapital mobilisiert.
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Der Ukraine-Faktor: Erprobung unter realen Bedingungen
Ein besonderer Aspekt des DefTech-Ökosystems betrifft die Kooperation mit der Ukraine. 65 Prozent der Befragten bewerten die politische Unterstützung für deutsch-ukrainische Kooperationen mit hoher bis sehr hoher Relevanz. Die Erprobung von Technologien unter realen Einsatzbedingungen beschleunigt die Weiterentwicklung und erhöht die Einsatzreife in einem Maße, das in simulierten Testumgebungen nicht erreichbar ist.
Die Ukraine fungiert de facto als ein Echtzeit-Labor für Verteidigungstechnologien. Drohnen, KI-gestützte Aufklärung, vernetzte Sensorik und Cyberabwehr werden dort unter Bedingungen getestet, die alle theoretischen Annahmen überprüfen. Für deutsche DefTech-Startups bietet die Kooperation mit der Ukraine die Möglichkeit, ihre Technologien gegen die Realität zu validieren und daraus Erkenntnisse zu gewinnen, die in keinem Labortest gewonnen werden können.
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Der Standortwandel: Deutschland gewinnt, USA verlieren
Eine der bemerkenswertesten Verschiebungen im DefTech Report 2026 betrifft die Standortpräferenzen der Gründer. 49 Prozent würden bei einer erneuten Gründung Deutschland wählen, ein Plus von zehn Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Die Attraktivität der USA geht dagegen dramatisch zurück: Nur noch acht Prozent würden dort gründen. Im Vorjahr war es mit 25 Prozent noch dreimal so viel. Andere EU-Staaten gewinnen an Bedeutung und erreichen 24 Prozent. Insgesamt würden damit rund drei Viertel der Befragten erneut in Deutschland oder einem anderen EU-Land gründen.
Dieser Attraktivitätsverlust der USA als Gründungsstandort für europäische DefTech-Startups steht in direktem Zusammenhang mit der veränderten transatlantischen Dynamik. Die protektionistische Handelspolitik der Trump-Administration, die verschärften Export- und Technologiekontrollen und die generelle Unsicherheit über die zukünftige Ausrichtung der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik haben dazu geführt, dass europäische Gründer verstärkt auf eine europäische Orientierung setzen.
Die gesellschaftliche Wende: DefTech wird salonfähig
Ein kultureller Wandel von erheblicher Tragweite zeigt sich in der wahrgenommenen Wertschätzung der DefTech-Gründer. Mit 65 Prozent fühlen sich inzwischen fast zwei Drittel der Gründerinnen und Gründer in ihrer Arbeit gesellschaftlich und politisch anerkannt. Im Vorjahr war es mit 41 Prozent noch nicht einmal jeder Zweite. Der Anteil derjenigen, die sich nicht wertgeschätzt fühlen, ist von 34 Prozent auf 19 Prozent gesunken.
Diese Verschiebung reflektiert einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Bewusstseinswandel. Die jahrzehntelange deutsche Haltung, dass Verteidigungstechnologie ein moralisch zweifelhaftes Betätigungsfeld sei, weicht einer pragmatischeren Sichtweise, die Sicherheit als Voraussetzung für Freiheit und Wohlstand begreift. Die Zeitenwende-Rhetorik hat ihre Spuren hinterlassen, auch wenn die institutionelle Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse noch erheblich hinterherhinkt.
Die Industriekooperation: Startups und Mittelstand als Tandem
Acht von zehn der befragten Gründer bewerten die politische Unterstützung für Kooperationen zwischen DefTech-Startups und etablierten Unternehmen als relevant oder hoch relevant. Branchen wie Automobilzulieferer und Maschinenbau brächten Kompetenzen in Massenfertigung und Ingenieurwissen ein, die für die Skalierung von DefTech-Innovationen unverzichtbar seien.
Hier schließt sich der Kreis zur Krise der Automobilindustrie. Die Zulieferer, die wegen sinkender Aufträge aus der Autobranche unter Druck stehen, verfügen über genau die Fertigungskapazitäten und das technische Know-how, das DefTech-Startups für die Skalierung ihrer Innovationen benötigen. Die Startups liefern die Innovation, die Zulieferer die Produktionsinfrastruktur. Es ist eine Symbiose, die volkswirtschaftlich Sinn ergibt und die politisch gefördert werden sollte.
Das vom Bundesministerium der Verteidigung eröffnete Innovationszentrum der Bundeswehr, das Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft mit der militärischen Praxis verbindet, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Das Potenzial entfaltet sich allerdings nur dann, wenn Testkampagnen in Schlüsseltechnologien kontinuierlich ausgeweitet und die Synergien zwischen bestehenden Innovationsakteuren wie dem Cyber Innovation Hub und der Cyberagentur systematisch genutzt werden.
Europas DefTech-Landkarte: Deutschland als Führungsmacht
Im europäischen Vergleich hat sich Deutschland als der mit Abstand aktivste DefTech-Standort etabliert. Mit zwei Milliarden Dollar kumulierter Venture-Capital-Finanzierung seit 2019 liegt Deutschland weit vor dem Vereinigten Königreich mit 465 Millionen Dollar, Südeuropa mit 428 Millionen Dollar und Frankreich mit 335 Millionen Dollar. Der Anteil von DefTech an der gesamten nationalen Venture-Capital-Finanzierung liegt in Deutschland seit 2024 bei 10,7 Prozent, verglichen mit 4,4 Prozent in Großbritannien und 1,2 Prozent in Südeuropa.
München hat sich dabei als das europäische Pendant zu den amerikanischen DefTech-Zentren etabliert. Die Kombination aus exzellenter technischer Universität, einer etablierten Luft- und Raumfahrtindustrie und einem wachsenden Pool an KI-Talenten schafft ein Ökosystem, das für DefTech-Gründungen ideale Bedingungen bietet. Mit Helsing und Quantum Systems beherbergt der Großraum München bereits zwei der wertvollsten europäischen Verteidigungs-Startups.
Die ordnungspolitische Agenda: Was jetzt geschehen muss
Die Handlungsempfehlungen des DefTech Reports 2026 lassen sich auf drei zentrale Hebel verdichten, die zusammengenommen das Potenzial haben, die deutsche DefTech-Landschaft von einem vielversprechenden Ökosystem in eine funktionsfähige industrielle Basis zu transformieren.
Erstens muss die Beschaffung fundamental reformiert werden. Fast-Track-Verfahren mit klarer Zuständigkeit, SaaS-Rahmenverträge und ein zentraler Marktplatz für DefTech-Lösungen sind keine Luxusforderungen, sondern Voraussetzungen dafür, dass die technologische Innovation, die in den Startups entsteht, tatsächlich bei der Truppe ankommt.
Zweitens muss der Verteidigungshaushalt verbindliche Zielmarken für innovative Beschaffung enthalten. Die geforderte Milliarde Euro jährlich für innovative Lösungen ist gemessen am Gesamtvolumen der Verteidigungsausgaben ein bescheidener Betrag, der jedoch als Signal an den Venture-Capital-Markt eine überproportionale Hebelwirkung entfalten würde.
Drittens müssen die Kooperationen zwischen Startups, Bundeswehr und etablierter Industrie systematisch gestärkt werden. Das Innovationszentrum der Bundeswehr bietet dafür einen institutionellen Rahmen, der konsequent mit Ressourcen, Entscheidungskompetenz und politischer Unterstützung ausgestattet werden muss.
Die strategische Dimension: Technologische Souveränität als Existenzfrage
Die Bedeutung des DefTech-Sektors geht weit über die Verteidigungspolitik im engeren Sinne hinaus. Autonome Drohnensysteme, softwarebasierte Verteidigung, vernetzte Sensorik und KI-gestützte Lagebilderstellung sind Technologien, die auch in zivilen Anwendungen wie Katastrophenschutz, Grenzüberwachung und kritischer Infrastrukturschutz zum Einsatz kommen können. Dual-Use ist keine Marketingphrase, sondern ein technologisches Prinzip, das die Grenzen zwischen militärischer und ziviler Innovation zunehmend auflöst.
In einer Welt, in der geopolitische Allianzen weniger verlässlich werden und technologische Abhängigkeiten zum strategischen Risiko werden, ist die Fähigkeit, verteidigungsrelevante Technologien im eigenen Land zu entwickeln und zu produzieren, eine Existenzfrage. Deutschland verfügt über das technologische Know-how, das Kapital und das industrielle Fundament, um diese Herausforderung zu meistern. Was fehlt, ist die institutionelle Geschwindigkeit, diese Ressourcen zusammenzuführen und in einsatzfähige Lösungen zu übersetzen.
Die DefTech-Gründerinnen und -Gründer, die der Bitkom befragt hat, sind bereit. Drei Viertel von ihnen würden erneut in Deutschland oder Europa gründen. Sie fühlen sich zunehmend wertgeschätzt und sehen die Chancen, die sich bieten. Was sie von der Politik und den Institutionen erwarten, ist nicht mehr Geld, sondern mehr Geschwindigkeit. In einer Welt, in der technologische Überlegenheit über Sicherheit und Wohlstand entscheidet, ist das keine unangemessene Forderung.
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