WM 2026 und die USA: Wenn Macht den Anstoß gibt – Wie Trump und Infantino den Weltfußball korrumpieren
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Xpert.Digital bei Google bevorzugen ⓘVeröffentlicht am: 6. Juli 2026 / Update vom: 6. Juli 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

WM 2026 und die USA: Wenn Macht den Anstoß gibt – Wie Trump und Infantino den Weltfußball korrumpieren – Bild: Xpert.Digital
WM-Eklat 2026: Wie ein einziges Telefonat den Fußball in seinen Grundfesten erschütterte
Rote Karte annulliert! Der beispiellose WM-Skandal um Trump und die FIFA
Nicht nur ein Gefallen: Die dunkle Wahrheit hinter Infantinos Geschenk an Trump
Bei der Weltmeisterschaft 2026 in den USA kommt es zu einem beispiellosen Eklat, der die Grundfesten des sportlichen Wettbewerbs erschüttert: Nach einer berechtigten Roten Karte für den US-Stürmer Folarin Balogun greift Präsident Donald Trump zum Telefon und fordert von FIFA-Boss Gianni Infantino höchstpersönlich die Aufhebung der Sperre. Nur vier Tage später beugt sich der Weltverband und setzt sein eigenes Regelwerk faktisch außer Kraft. Was auf den ersten Blick wie ein juristischer Taschenspielertrick wirkt, offenbart bei genauerem Hinsehen einen handfesten Skandal. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer toxischen Symbiose, in der politische Macht und wirtschaftliche Gier die sportliche Fairness endgültig vom Platz verweisen – und die FIFA als Marionette politischer Interessen entlarven.
Der Skandal um Balogun ist kein Betriebsunfall – er ist das System
Es war der 1. Juli 2026, kurz nach dem Schlusspfiff im Spiel der USA gegen Bosnien-Herzegowina (2:0), als der mächtigste Mann der Welt zum Telefon griff. Donald Trump rief Gianni Infantino an – nicht als Privatmann, nicht als Fußballliebhaber, sondern als amtierender Präsident der Vereinigten Staaten. Sein Anliegen war von entwaffnender Direktheit: Die Rote Karte, die US-Stürmer Folarin Balogun in der 64. Minute des Sechzehntelfinales erhalten hatte, sollte rückgängig gemacht werden, zumindest in ihren sportrechtlichen Konsequenzen. Vier Tage später, am 5. Juli 2026, tat die FIFA genau das, was ihr Präsident offenbar als richtig empfunden hatte: Die Disziplinarkommission setzte die automatische Spielsperre für den 25-jährigen Angreifer zur Bewährung aus – ein Vorgang, der in der 96-jährigen Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft ohne vergleichbaren Präzedenzfall ist.
Die New York Times berichtete unter Berufung auf drei mit dem Gespräch vertraute Personen, dass Trump Infantino direkt gebeten hatte, die Sperre zu überprüfen. Trump selbst ließ auf seiner Plattform Truth Social umgehend verlauten, er danke der FIFA dafür, dass sie das Richtige getan und eine große Ungerechtigkeit rückgängig gemacht habe. Die Wortwahl ist bezeichnend: Ein amtierender Staatspräsident wertet eine sportrechtliche Regelentscheidung als persönlichen Erfolg – und niemand bei der FIFA widerspricht ihm. Die FIFA ließ entsprechende Anfragen zunächst gänzlich unbeantwortet und berief sich in ihrer offiziellen Mitteilung ausschließlich auf Artikel 27 des Disziplinarreglements, der es der Disziplinarkommission erlaubt, eine Suspendierungsmaßnahme zur Bewährung auszusetzen.
Was auf den ersten Blick wie eine juristische Spitzfindigkeit wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als das, was es ist: eine politische Entscheidung mit sportrechtlichem Deckmantel. Denn Artikel 9.6 der Turnierregularien der WM 2026 hatte noch kurz zuvor unmissverständlich festgestellt, dass gegen Schiedsrichterentscheidungen über spielbezogene Tatsachen kein Einspruch möglich sei. Und ein FIFA-Sprecher hatte nach dem Spiel explizit bestätigt, dass gegen die automatische Sperre kein Rechtsmittel eingelegt werden könne. Zwischen dieser Aussage und der Entscheidung vom 5. Juli lagen vier Tage und ein Anruf aus dem Weißen Haus.
Das Foul auf dem Platz und die Frage der Verhältnismäßigkeit
Um die Dimension des Vorfalls vollständig zu verstehen, ist ein Blick auf das tatsächliche Geschehen im Spiel notwendig. Folarin Balogun, der bis dahin mit drei Toren erfolgreichste Torschütze der USA bei dieser WM, streifte in einer Szene den Unterschenkel des bosnischen Verteidigers Tarik Muharemović und trat ihm anschließend auf den Knöchel. Schiedsrichter und VAR werteten die Szene nach langer Überprüfung als direkte Rote Karte. US-Trainer Mauricio Pochettino erklärte, es sei niemals Baloguns Absicht gewesen, den Spieler zu treten, und das Vergehen sei keinesfalls als Rote Karte zu werten. Diese Einschätzung mag sportlich diskutabel sein. Sie ist jedoch irrelevant für die grundlegende Frage, die dieser Vorfall aufwirft.
Die eigentliche Problematik liegt nicht in der Frage, ob die Rote Karte gerechtfertigt war oder nicht. Sportliche Entscheidungen sind immer mit einem Interpretationsspielraum verbunden, und VAR-Entscheidungen werden weltweit regelmäßig kontrovers diskutiert. Die eigentliche Problematik liegt darin, dass ein Staatsoberhaupt glaubte, durch einen persönlichen Anruf beim Verbandspräsidenten eine sportrechtliche Sanktion beeinflussen zu können – und dass dieser Mechanismus zu funktionieren scheint. Bemerkenswert ist auch der historische Kontext: Balogun wurde damit zum ersten Spieler seit 1962, der nach einem Platzverweis bei einer Weltmeisterschaft in der unmittelbar folgenden Partie dennoch spielberechtigt war.
Als Vergleichspunkt sei erwähnt, dass die Disziplinarkommission dieselbe Regelanwendung gemäß Artikel 27 auch im Fall von Cristiano Ronaldo vorgenommen hatte, wodurch der Portugiese in den ersten beiden WM-Spielen eingesetzt werden konnte. Das Verfahren ist also nicht grundsätzlich unbekannt. Der Unterschied liegt jedoch in der mutmaßlichen Kausalität: In Baloguns Fall steht ein direkter politischer Eingriff als Auslöser im Raum, was eine völlig andere qualitative Bewertung erfordert.
Die Bromance der Mächtigen: Wie Infantino sich Trump andiente
Die Entscheidung vom 5. Juli 2026 ist kein spontaner Betriebsunfall, sondern das Ergebnis einer systematisch aufgebauten Beziehung zwischen Gianni Infantino und Donald Trump, die sich über Jahre hinweg in einer Weise verdichtet hat, die zahlreiche Fachleute für sportrechtlich und institutionell hochgradig problematisch halten. Infantino hat Trump in den vergangenen Jahren nahezu alles geschenkt, was der Fußball an Repräsentationsobjekten hergibt: Trikots, Bälle, Gelbe und Rote Karten, Wimpel, Pokale und Medaillen. Der symbolische Höhepunkt dieser Annäherung war die Verleihung des eigens für diesen Anlass geschaffenen FIFA-Friedenspreises an Trump bei der Auslosung der WM-Vorrundengruppen im Dezember 2025 – kurz nachdem Trump den Friedensnobelpreis nicht erhalten hatte, obwohl er dies öffentlich gefordert hatte.
Die britische Menschenrechtsorganisation FairSquare reichte daraufhin eine achtseitige Beschwerde bei der FIFA-Ethikkommission ein und warf Infantino vier konkrete Verstöße gegen den FIFA-Ethikcode vor, insbesondere gegen Artikel 15, der alle Funktionäre zur politischen Neutralität verpflichtet. In einem Instagram-Beitrag vom Oktober 2025 hatte Infantino im Zusammenhang mit dem Israel-Konflikt geschrieben, Trump verdiene für sein entschlossenes Handeln zweifellos den Friedensnobelpreis. FairSquare argumentierte, Infantino habe durch öffentlich geäußerte Unterstützung Trumps wiederholt gegen die Neutralitätspflicht verstoßen. Bis Ende Juni 2026 hatten sich 50 Mitglieder des Europäischen Parlaments in einem Brief an die FIFA dieser Beschwerde angeschlossen und die Ethikkommission zu einer zügigen Untersuchung aufgefordert. Zuvor hatte bereits der norwegische Fußballverband die Beschwerde unterstützt.
Politikwissenschaftler Jules Boykoff beschrieb das Verhältnis als symbiotisch, aber asymmetrisch: Infantino umwerbe, besuche und beschenke Trump – nicht umgekehrt. Die dominierende Kraft sei Trump, der das politische Potenzial von Sportgroßereignissen erkannt habe und die WM nutze, um sich spektakulär zu inszenieren, seine Beliebtheitswerte zu verbessern und von politischer Kritik abzulenken. Boykoff nennt das beim Namen: Trump betreibe Sportswashing. Der Sportökonom Stefan Szymanski stellte aus wirtschaftlicher Perspektive fest, dass Infantino trotz seiner institutionell unterlegenen Position beim Thema WM-Einnahmen eindeutig die Oberhand behalte – Infantino profitiere von der WM wirtschaftlich stärker als Trump. Das erklärt, warum er bereit ist, seinen institutionellen Ruf für das Wohlwollen des US-Präsidenten zu riskieren: Er braucht Trump, um die Einnahmen des Turniers zu sichern.
Das ökonomische Fundament: Warum die FIFA auf Trump angewiesen ist
Die WM 2026 ist das größte und finanziell ambitionierteste Fußballturnier der Geschichte. Die FIFA peilt für den Zyklus 2023 bis 2026 ein Umsatzziel von 13 Milliarden US-Dollar an – eine signifikante Steigerung gegenüber den sieben bis acht Milliarden Dollar der WM in Katar. Fernsehrechte sind mit über 50 Prozent die größte Einnahmequelle, Sponsoring macht etwa 30 Prozent aus, Ticketverkäufe lediglich rund zehn Prozent. Die Aufstockung des Turniers von 32 auf 48 Mannschaften und von 64 auf 104 Spiele war eine explizit ökonomisch motivierte Entscheidung, die mehr Sendezeit, mehr Sponsorenplattformen und höhere Zuschauerreichweiten erzeugen soll.
Der US-amerikanische Markt ist dabei von zentraler Bedeutung. Die FIFA und die Welthandelsorganisation schätzten den Beitrag des Turniers zum US-Bruttoinlandsprodukt auf bis zu 17 Milliarden US-Dollar, wobei unabhängige Sportökonomen wie Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln darauf hinwiesen, dass dieser Betrag gemessen am US-BIP von 30 Billionen Dollar gerade einmal 0,05 Prozent ausmache und damit kaum messbar sei. Gemessen an den Kosten für die Gastgeberländer ergibt sich ein strukturell unausgewogenes Bild: Die Haupteinnahmen fließen in die FIFA-Kassen, während Infrastruktur, Sicherheit und organisatorischer Aufwand mehrheitlich aus öffentlichen Mitteln finanziert werden.
In diesem wirtschaftlichen Kontext lässt sich Infantinos Haltung gegenüber Trump strategisch erklären, ohne sie moralisch zu rechtfertigen. Ein konfliktreicher WM-Verlauf in den USA – etwa durch Visa-Probleme für ausländische Fans, Sicherheitsbedenken oder politische Turbulenzen – könnte die kommerziellen Einnahmen der FIFA empfindlich treffen. Bereits im Vorfeld des Turniers berichteten fast 80 Prozent der befragten US-Hotels von einer Buchungslage unter den Erwartungen, unter anderem bedingt durch Visaschwierigkeiten und die angespannte geopolitische Stimmung. Infantino hat also handfeste wirtschaftliche Motive, das Gastgeberland und seinen Präsidenten bei Laune zu halten – eine Abhängigkeit, die FIFA-interne Kritiker seit Langem als strukturelles Governance-Problem bezeichnen.
Ein Verband am Rande seiner institutionellen Glaubwürdigkeit
Die FIFA-Ethikkommission, die eigentlich als unabhängige Kontrollinstanz fungieren sollte, ist längst zu einem Symbol institutioneller Aushöhlung geworden. Seit Infantinos Amtsantritt 2016 wurden die unabhängigen Chefs der Ermittlungs- und der Rechtsprechungskammer – Cornel Borbély und Hans-Joachim Eckert – abgesetzt, nachdem sie unangenehme Untersuchungen gegen hochrangige Funktionäre eingeleitet hatten. Eckert bezeichnete die neue Ethikkommission damals als weniger als ein Feigenblatt. Anti-Korruptions-Experte Mark Pieth, einst FIFA-Reformbeauftragter, beschrieb Infantino als jemanden, der ganz ähnlich wie sein Vorgänger Joseph Blatter agiere, aber noch ungenierter auf der Klaviatur der Macht spiele.
Die Systematik ist dabei dieselbe geblieben, die FIFA-Governance-Experten seit Jahrzehnten kritisieren: Wer die Kontrolleure kontrolliert, kann im Grunde für immer an der Macht bleiben. Miguel Maduro, früherer Governance-Chef der FIFA, beschrieb diesen Mechanismus als ein System der Kontrolle durch Angst – Verbände, die gegen den Präsidenten Stellung nähmen, müssten politische Konsequenzen befürchten. Das erklärt die auffällige Stille der meisten nationalen Verbände angesichts der Balogun-Affäre: Nur Belgien wagte öffentlich Widerspruch, und selbst dort blieb ein formeller Protest bis Redaktionsschluss aus. Der Königliche Belgische Fußballverband zeigte sich fassungslos, erklärte, die FIFA widerspreche sich selbst, und verwies auf das FIFA-Rundschreiben vom 12. Mai 2026, in dem der Weltverband allen teilnehmenden Verbänden die automatische Spielsperre nach einer Roten Karte ausdrücklich bestätigt hatte.
Nicholas McGeehan von FairSquare formulierte es nach dem Balogun-Entscheid mit einer Schärfe, die das eigentliche Ausmaß des Vorgangs trifft: Die Regeln seien eindeutig in einer Weise gebrochen worden, die den politischen Interessen des US-Präsidenten zugutekommt. Nationale Verbände und Politiker sollten Antworten von der FIFA fordern. Wenn das Gastgeberland seinen politischen Einfluss auf den FIFA-Präsidenten genutzt habe, um einen unfairen Vorteil zu schaffen, wäre das ein skandalöser Verstoß gegen die Regeln und eine Manipulation des Wettbewerbs. Dieser Befund steht im Raum, und die FIFA hat ihn bislang weder widerlegt noch ernsthaft kommentiert.
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Infantino, Trump und die Machtfrage: Ist fairer Wettbewerb noch möglich?
MAGA und der Fußball: Wenn ein Wahlkampfslogan zur Spielregel wird
Der Slogan „Make America Great Again“ war nie als Sportphilosophie gedacht – und doch entfaltet er auf der Fußball-Weltbühne seine vielleicht beunruhigendste Wirkung. Trump hat das politische Potenzial von Sportgroßereignissen früh erkannt und die WM 2026, die erstmals auf amerikanischem Boden stattfindet, von Beginn an als Teil seines politischen Inszenierungsarsenals behandelt. Die Freundschaft mit Infantino, die Besetzung des sogenannten Friedensrats mit dem FIFA-Präsidenten, die Vergabe des FIFA-Friedenspreises – all das fügt sich in ein Muster ein, das Politikwissenschaftler als strategisches Sportswashing bezeichnen: die Nutzung internationaler Sportereignisse zur Imagepflege und zur Ablenkung von politischen Kontroversen.
Was an der Balogun-Affäre jedoch besonders beunruhigend ist, geht über Imagemanagement hinaus. Hier wurde nicht nur ein WM-Turnier zur politischen Bühne gemacht – hier wurden die Regeln eines Wettkampfs im laufenden Betrieb geändert, um einem Team des Gastgeberlandes einen potenziellen Vorteil zu verschaffen. Damit wird eine Grenze überschritten, die selbst in der langen Geschichte der FIFA-Governance-Probleme neu ist. Nick McGeehan benennt es als das, was es ist: eine Manipulation des Wettbewerbs. Die Frage, ob Trump diesen Anruf tatsächlich so interpretiert hat oder ob er schlicht einen Freundschaftsdienst in Anspruch nehmen wollte, macht dabei keinen rechtlichen, aber einen erheblichen moralischen Unterschied.
Die amerikanischen Werte, auf die sich MAGA rhetorisch beruft – Fairness, Chancengleichheit, Rechtsstaatlichkeit, die Idee des fairen Spiels im wörtlichen wie übertragenen Sinne – werden durch diesen Vorgang nicht gestärkt, sondern beschädigt. Ein Amerika, das auf dem Spielfeld nach Sonderregeln begehrt, weil sein Präsident mit dem Verbandschef per Du ist, vermittelt der Welt ein Bild von sich, das weder großartig noch bewundernswert ist. Es ist das Bild einer Weltmacht, die glaubt, Regeln gelten für andere. Laut einer repräsentativen Umfrage der Universität Hohenheim aus dem Jahr 2026 bewerten rund zwei Drittel der deutschen Bevölkerung das Ansehen der FIFA im Zusammenhang mit der WM 2026 negativ, und das Vertrauen in Vergabeprozesse und Regelkonformität des Weltverbands ist auf einem Tiefpunkt angelangt.
Die strukturelle Krise des Weltfußballs: Mehr als eine Affäre
Es wäre bequem, die Balogun-Affäre als isolierten Ausrutscher zu behandeln – als einen unglücklichen Einzelfall, in dem ein impulsiver Präsident und ein opportunistischer Verbandschef kurz ihre institutionellen Grenzen vergessen haben. Die Realität ist komplexer und ernüchternder. Was in diesen Tagen rund um das WM-Achtelfinale der USA gegen Belgien sichtbar wurde, ist die Spitze eines strukturellen Eisbergs.
Die FIFA unter Infantino hat seit 2016 systematisch jene institutionellen Sicherungen demontiert, die eine unabhängige Kontrolle der Verbandsspitze gewährleisten sollten. Ethikkommissions-Chefs wurden ausgetauscht, Statuten wurden angepasst, neue Kommissionen wurden geschaffen, um mehr Posten an loyale Funktionäre vergeben zu können. Wer dieses System kontrolliere, könne im Grunde für immer an der Macht bleiben, warnte Maduro. Und tatsächlich: Dank einer Statutenänderung aus dem Jahr 2024 könnte Infantino bis 2031 FIFA-Präsident bleiben – mit allen strukturellen Einflussmöglichkeiten, die dieses Amt bietet.
Das Muster der Machtkonzentration ist dabei kein rein fußballspezifisches Phänomen. Internationale Sportorganisationen haben strukturell immer mit der Frage zu kämpfen, wie externe politische und wirtschaftliche Einflussnahme verhindert werden kann, wenn die Kontrollmechanismen von denjenigen besetzt werden, die kontrolliert werden sollen. Die FIFA ist in dieser Hinsicht ein Lehrbeispiel dafür, wie eine ursprünglich auf gemeinnützige Ziele ausgerichtete Institution schrittweise in ein Instrument zur Machtabsicherung und Einflussoptimierung ihrer Führungsspitze umgebaut werden kann. Dass ein solches System besonders anfällig für politische Einflussnahme durch mächtige Staatswesen ist, liegt auf der Hand. Die WM 2026 findet in den USA statt – dem wirtschaftlich bedeutsamsten Gastgeberland der FIFA-Geschichte. Der Anreiz, diesen Einfluss zu nutzen, war selten größer.
Die Frage, die niemand laut stellt
Spätestens an diesem Punkt muss eine unbequeme Frage gestellt werden: Wann und von wem werden die Grenzen aufgezeigt? Die Mannschaften, die an dieser WM teilnehmen, sind auf das Regelwerk der FIFA angewiesen. Ihre Spieler akzeptieren Sperren, erleiden Rückschläge durch VAR-Entscheidungen, kämpfen um jeden Zentimeter des Spielfelds nach festen Regeln – in dem guten Glauben, dass dieselben Regeln für alle gelten. Wenn dieser Glaube erschüttert wird, ist nicht nur der sportliche Wettbewerb beschädigt. Es ist auch das moralische Fundament dessen, was Sport als gesellschaftliches Phänomen ausmacht: die Idee, dass auf dem Spielfeld Leistung und nicht Herkunft, Status oder politische Verbindungen entscheiden.
Belgien hat versucht, sich zu wehren. Rechtliche Schritte wurden geprüft, ein Statement des Verbands formulierte fassungsloses Unverständnis. Doch gegen einen Weltverband, dessen eigene Ethikkommission strukturell geschwächt ist und dessen Präsident sich offen als enger Verbündeter des mächtigsten politischen Akteurs im Gastgeberland positioniert hat, ist juristisches Vorgehen ein mühsames Unterfangen. Zumal ein formeller FIFA-interner Protest wiederum von denselben Gremien entschieden würde, deren Unabhängigkeit ohnehin bezweifelt wird.
Die eigentliche Hoffnung liegt daher nicht in einem Gerichtsbeschluss, sondern in öffentlichem Druck. Fußball ist ein globales Massenphänomen mit einer emotionalen Mobilisierungskraft, die kaum ein anderes Medium besitzt. Rund sechs Milliarden Menschen werden die WM 2026 weltweit verfolgen. Sie haben eine Stimme. Sponsoren haben eine Stimme. Nationale Verbände haben eine Stimme. Und die Medien – allen voran die Berichterstattung von Reportern, die den Mut haben, Dinge beim Namen zu nennen – haben eine Stimme. Diese Stimmen zu nutzen, um einzufordern, dass das Regelwerk der FIFA von politischen Pressionen frei bleibt, ist nicht nur eine sportpolitische, sondern eine demokratiepolitische Notwendigkeit.
Vertrauen als das eigentlich knappe Gut
Am Ende dieser Analyse steht eine Bilanz, die weit über den Einzelfall Balogun hinausgeht. Was Donald Trump mit seinem Anruf bei Gianni Infantino beschädigt hat, lässt sich nicht durch eine Bewährungsstrafe oder einen Paragrafenverweis reparieren. Es ist das Vertrauen in die Integrität des sportlichen Wettbewerbs – ein Gut, das in der Ökonomie des Sports fundamentaler ist als jede TV-Rechtssumme und jeder Sponsorenvertrag.
Die Universität Hohenheim hat in ihrer repräsentativen WM-Studie 2026 dokumentiert, dass das Vertrauen der deutschen Bevölkerung in die FIFA seit Jahren sinkt und sich nicht erholt. Rund zwei Drittel der Befragten beurteilten das Ansehen des Weltverbands negativ. Nahezu jede zweite befragte Person vermutete hinter der Turniererweiterung auf 48 Teams primär finanzielle Motive. Das sind keine Zufallszahlen. Sie spiegeln eine wachsende kollektive Ernüchterung wider, die sich durch Jahre von Korruptionsskandalen, undurchsichtigen WM-Vergaben und dem offensichtlichen Abbau unabhängiger Kontrollmechanismen aufgebaut hat.
Die Balogun-Affäre addiert sich zu diesem Vertrauensverlust wie ein weiterer schwerer Stein auf einer Waage, die ohnehin schon tief auf die falsche Seite ausschlägt. Und sie tut es zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt: mitten in dem Turnier, das die FIFA als Beweis ihrer globalen Strahlkraft und wirtschaftlichen Potenz inszenieren wollte. Stattdessen liefert die WM 2026 in ihrer ersten K.-o.-Phase das vielleicht deutlichste Symbol dafür, wie politische Macht institutionelle Integrität verdrängen kann – in einem Weltverband, der seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht wird, und auf der Bühne eines Turniers, das gemäß den eigenen Propagandaversprechen das schönste aller Zeiten sein sollte.
Das schönste aller Zeiten. Es hätte so schön sein können.















