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USA: Tech-Gigant, Industrie-Zwerg? Ein überraschender Wirtschaftskontrast

Veröffentlicht am: 3. April 2025 / Update vom: 3. April 2025 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

USA: Tech-Gigant, Industrie-Zwerg? Ein überraschender Wirtschaftskontrast

USA: Tech-Gigant, Industrie-Zwerg? Ein überraschender Wirtschaftskontrast – Bild: Xpert.Digital

Amerikas Wirtschaft im Wandel: Tech-Boom trifft Industrie-Krise

Technologische Stärke und industrielle Schwäche der USA: Eine vergleichende Analyse

Die Wirtschaftsstruktur der Vereinigten Staaten zeigt ein bemerkenswertes Ungleichgewicht: Während der Technologiesektor, insbesondere die IT-Branche, eine globale Führungsposition einnimmt, weist der industrielle Sektor deutliche Schwächen auf. Diese wirtschaftliche Dichotomie prägt nicht nur die US-Ökonomie selbst, sondern beeinflusst auch maßgeblich die globalen Handelsbeziehungen und die Wirtschaftsdynamik in Europa und Deutschland.

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Die Dominanz der USA im Technologiesektor

Der amerikanische Technologiesektor hat sich als treibende Kraft der US-Wirtschaft etabliert und trägt maßgeblich zum Wirtschaftswachstum bei. Im Jahr 2022 entfielen auf die Technologiebranche mehr als 10% des gesamten Bruttoinlandsprodukts (BIP) der USA. Mit 12,2 Millionen Beschäftigten ist die Technologiebranche ein wichtiger Arbeitgeber – bemerkenswerte 7,9% der gesamten US-Belegschaft sind in technikbezogenen Berufen tätig.

Nach einem sehr erfolgreichen Jahr 2023, in dem der technologielastige NASDAQ-Index einen Gesamtertrag von 45% verzeichnete, setzte sich die überdurchschnittliche Performance auch 2024 fort. Besonders im Blickpunkt standen dabei die sogenannten “Magnificent Seven” – Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, NVIDIA und Tesla – die als führende Akteure im Bereich der Künstlichen Intelligenz erheblich zu diesem Erfolg beitrugen.

Forschungs- und Entwicklungsfokus im Hightech-Bereich

Ein entscheidender Faktor für die Dominanz der USA im Technologiesektor ist ihre starke Konzentration auf Hightech-Forschung und -Entwicklung. US-Unternehmen konzentrieren ihre Forschung und Entwicklung hauptsächlich auf Hightechindustrien, die 85% der privatwirtschaftlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung in den Vereinigten Staaten ausmachen. Im Vergleich dazu investieren Unternehmen in der Europäischen Union etwa gleich viel in Hightech- und Midtechindustrien, jeweils etwa 45% der Gesamtausgaben.

Diese Fokussierung hat zu einer beeindruckenden Innovationsdynamik geführt. Die Forschungsausgaben in den USA haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten etwa vervierfacht, während sie sich in der EU im gleichen Zeitraum nur ungefähr verdoppelt haben. Die hohen Investitionen in stark wachsenden Hochtechnologiebereichen gehen mit einem zunehmenden Wirtschaftsgefälle zwischen den USA und der EU einher.

Innovationskraft und Zukunftsausrichtung

Die USA haben in wichtigen Zukunftsfeldern wie IT-Services (soziale Medien, künstliche Intelligenz), Online-Handel und Finanzmärkten einen deutlichen Vorsprung errungen, vor allem bei den entscheidenden immateriellen Vermögensgütern. Der sprichwörtliche amerikanische Unternehmergeist trägt dazu bei, dass die USA besser als viele andere Länder den Technologiewettlauf prägen und davon profitieren können.

Neben den großen Technologieriesen gedeihen in den USA viele andere innovative Unternehmen mit vielversprechenden Geschäftsmodellen. Beispiele sind ServiceNow, ein Anbieter von Cloud-Computing-Plattformen, dessen Aktienkurs 2023 um über 50% gestiegen ist, oder Cadence, ein Spezialist für Entwicklungstools, dessen Aktienkurs im selben Zeitraum um 38% gestiegen ist. Auch im Bereich der Cybersicherheit, einem weiteren Wachstumsmarkt, haben viele führende Unternehmen ihren Sitz in den USA.

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Die Schwächen der US-Industrie

Aktuelle Lage des verarbeitenden Gewerbes

Im Gegensatz zum florierenden Technologiesektor zeigt die US-Industrie deutliche Schwächen. Der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe lag im September bei 47,2 Punkten und damit unter der Schwelle von 50 Punkten, die eine Expansion signalisieren würde. Dies bedeutet, dass die Industrie weiterhin in der Rezession verharrt. Besonders besorgniserregend sind die Komponenten des Index: Die Beschäftigung liegt bei 43,9 Punkten, die Neuaufträge bei 46,1 Punkten, und die Preise bei 48,3 Punkten.

Diese Zahlen deuten auf eine anhaltende strukturelle Schwäche des industriellen Sektors hin, die in deutlichem Kontrast zur Dynamik des Technologiesektors steht. Die Preisentwicklung in der Industrie zeigt eine interessante Anomalie: Die Preise fallen erstmals seit langer Zeit, was angesichts der allgemeinen Inflation eine bemerkenswerte Entwicklung darstellt.

Industrielle Rezession und ihre Auswirkungen

Die industrielle Schwäche in den USA hat vielfältige Ursachen. Die Globalisierung der Lieferketten hat zu einer Verlagerung der industriellen Produktion ins Ausland geführt, während die Fokussierung auf den Dienstleistungs- und Technologiesektor zu einer relativen Vernachlässigung der klassischen Industriezweige beigetragen hat.

Die Märkte reagieren derzeit stark auf geopolitische Spannungen, insbesondere auf Meldungen über internationale Konflikte und Handelskriege. Solche Unsicherheiten könnten die wirtschaftliche Lage weiter destabilisieren und haben bereits jetzt Auswirkungen auf die Marktstimmung. Die jüngsten Ankündigungen der USA, zusätzliche Zölle auf Importe aus verschiedenen Ländern zu erheben, haben die Aktienmärkte stark belastet, besonders im Technologiesektor.

Investitionsdynamik im Industriesektor

Die industrielle Schwäche spiegelt sich auch in der Investitionsentwicklung wider. Während die USA in den Bereichen Finanzmärkte, IT-Services und Online-Handel einen deutlichen Vorsprung errungen haben, sind die Investitionen im industriellen Sektor zurückgegangen. Dies unterstreicht die Verlagerung des wirtschaftlichen Schwerpunkts weg von der klassischen Industrie hin zu Technologie und Dienstleistungen.

Allerdings gibt es auch Anzeichen für eine Trendwende: Die USA haben Antworten auf ihre zwischenzeitliche Investitionsschwäche gefunden und mit dem “Inflation Reduction Act” einen kräftigen Impuls für Industrieinvestitionen gegeben. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die industrielle Basis der USA zu stärken und eine teilweise Reindustrialisierung zu fördern.

Neuere Entwicklungen und Wirtschaftstrends

Reindustrialisierungsinitiativen

Für eine stabilere industrielle Entwicklung in den USA sorgen aktuell die großen Ausgabenprogramme: Der Infrastructure Investment and Jobs Act (IIJA), der Inflation Reduction Act (IRA) sowie der CHIPS and Science Act. Diese Programme pumpen viele Milliarden US-Dollar in den Wirtschaftskreislauf und fördern eine teilweise Reindustrialisierung der USA.

Allein in den Bereichen Solartechnik, Elektromobilität und Halbleiter befinden sich nach Angaben von Branchenverbänden Projekte im Umfang von knapp 500 Milliarden US$ in der Pipeline. Gleichzeitig verlagern auch Industriesparten, die nicht direkt gefördert werden, Teile ihrer Fertigung zurück in die Heimat, um die Lieferketten robuster zu gestalten.

Die wertmäßigen Bauleistungen des verarbeitenden Gewerbes stiegen zwischen 2021 und 2023 nominal um den Faktor 2,5 und legten in den ersten sieben Monaten 2024 nochmals um ein Viertel zum Vorjahreszeitraum zu. Laut Global Market Insights soll das US-Marktvolumen für Fertigungstechnologie zwischen 2023 und 2032 von knapp 250 Milliarden auf 600 Milliarden US$ steigen.

Auswirkungen der KI auf den Arbeitsmarkt

Die zunehmende Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) hat erhebliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt im IT-Sektor der USA. Die Arbeitslosenquote in diesem Bereich stieg von 3,9% im Dezember 2024 auf 5,7% im Januar 2025, was über dem allgemeinen Durchschnitt von 4% liegt. Dies könnte ein Anzeichen dafür sein, dass KI und Automatisierung Arbeitsplätze gefährden.

Ein wesentlicher Faktor für diesen Trend ist die Verschiebung der Investitionen großer Technologieunternehmen. Anstatt neue Arbeitsplätze zu schaffen, fließen erhebliche Mittel in den Aufbau von KI-Infrastrukturen. Besonders betroffen sind Routineaufgaben innerhalb der IT, wie Berichterstattung und administrative Tätigkeiten, sowie zunehmend auch die Nachfrage nach Programmierern und Systemdesignern.

Diese Entwicklung zeigt, dass selbst im boomenden Technologiesektor strukturelle Veränderungen stattfinden, die zu einer Verschiebung der Arbeitsmarktdynamik führen können und die Frage aufwerfen, ob KI letztendlich zum “Jobkiller” wird.

Aktuelle Konjunktursignale

Die US-Wirtschaft zeigt derzeit gemischte Signale. Während der Arbeitsmarkt überraschend starke Zahlen liefert, bleibt die Industrie in der Rezession. Die jüngsten JOLTs-Daten zeigen, dass die Anzahl der offenen Stellen in den USA mit 8,040 Millionen deutlich über den Erwartungen liegt, was auf eine anhaltend starke Nachfrage nach Arbeitskräften hindeutet.

Gleichzeitig gibt es Anzeichen für eine deutliche Konjunkturabkühlung. Das von der Atlanta Fed entwickelte Prognosemodell GDPNow sagt für das erste Quartal 2025 eine BIP-Veränderung von -1,8% voraus, wobei ein “goldbereinigtes” Modell ein Wachstum von 0,2% prognostiziert. Experten rechnen mit einer deutlichen Abkühlung im Vergleich zu den Vorquartalen, wobei die Risiken für eine Rezession erhöht sind.

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Der Vergleich mit Europa und Deutschland

Unterschiedliche Spezialisierungsmuster

Im Vergleich zu den USA zeigen Europa und insbesondere Deutschland ein deutlich anderes Spezialisierungsmuster in der Forschung und Entwicklung. Während US-Unternehmen ihre F&E-Ausgaben zu 85% auf Hightechindustrien konzentrieren, investieren europäische Unternehmen etwa gleich viel in Hightech- und Midtechindustrien. In Deutschland ist der Anteil der Midtechindustrien mit 57% sogar noch höher als im EU-Durchschnitt, während der Hightechanteil nur bei 36% liegt.

Diese unterschiedliche Spezialisierung spiegelt sich auch in der Entwicklung der Arbeitsproduktivität wider. Bis zur Mitte der 1990er Jahre hatten die EU-Staaten gegenüber den USA aufgeholt, doch seitdem hat sich dieser Trend umgekehrt, und die EU fällt wieder hinter die Vereinigten Staaten zurück. Dies deutet darauf hin, dass die Konzentration auf Hochtechnologiebereiche langfristig zu höheren Produktivitätssteigerungen führen kann.

Technologische Abhängigkeiten und Handelsbeziehungen

Die unterschiedlichen Spezialisierungsmuster führen zu gegenseitigen Abhängigkeiten in den Handelsbeziehungen. Die deutschen Lieferungen von Maschinen und Anlagen in die USA stiegen 2023 um 19% auf 37 Milliarden US$, was die Stärke Deutschlands in diesem Bereich unterstreicht.

Gleichzeitig besteht in Deutschland eine erhebliche Abhängigkeit von den USA im Bereich digitaler Technologien. Bei digitalen Technologien führt heute kaum ein Weg an die USA vorbei, und acht von zehn deutschen Unternehmen sehen sich abhängig vom Import dieser Technologien aus den USA. Fast 90% der deutschen Unternehmen importieren digitale Geräte und Services aus den Vereinigten Staaten, während nur 60% auch digitale Güter und Dienstleistungen dorthin exportieren.

Diese Abhängigkeit wird zunehmend als problematisch wahrgenommen. Mit 95% fordert fast jedes deutsche Unternehmen, dass sich Deutschland unabhängiger von den USA beim Import digitaler Technologien und Leistungen machen sollte. Die neue US-Präsidentschaft unter Donald Trump bringt zusätzliche Unruhe in die deutsche Wirtschaft, und jedes zweite Unternehmen geht davon aus, seine Lieferketten durch den Wahlsieg von Trump voraussichtlich ändern zu müssen.

Schlussfolgerungen und Zukunftsaussichten

Die technologische Stärke und industrielle Schwäche der USA prägen nicht nur die amerikanische Wirtschaft, sondern haben auch erhebliche Auswirkungen auf die globale Wirtschaftsordnung. Die Polarisierung zwischen einem dominanten, innovativen Technologiesektor und einer schwächelnden, traditionellen Industrie stellt sowohl Herausforderungen als auch Chancen dar.

Die Konzentration auf Hochtechnologiebereiche hat den USA eine beeindruckende Innovationsdynamik und wirtschaftliche Stärke in diesen Sektoren gebracht. Gleichzeitig haben sie jedoch in traditionellen Industriezweigen an Boden verloren, was zu strukturellen Ungleichgewichten geführt hat. Mit den aktuellen Reindustrialisierungsinitiativen versuchen die USA, dieser Unausgewogenheit entgegenzuwirken und ihre industrielle Basis zu stärken.

Für Europa und insbesondere Deutschland stellt die technologische Überlegenheit der USA eine Herausforderung dar, vor allem angesichts der bestehenden Abhängigkeiten im Bereich digitaler Technologien. Die Forderung nach mehr technologischer Souveränität zeigt, dass diese Abhängigkeit zunehmend als Risiko wahrgenommen wird.

Die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere die Anzeichen einer Konjunkturabkühlung in den USA, könnte zu Verschiebungen in den globalen Wirtschaftsbeziehungen führen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Reindustrialisierungsbemühungen der USA und die Bestrebungen Europas nach mehr technologischer Unabhängigkeit auf die längerfristige wirtschaftliche Entwicklung auswirken werden.

Sowohl die USA als auch Europa stehen vor der Herausforderung, eine ausgewogene wirtschaftliche Struktur zu entwickeln, die sowohl traditionelle Industriezweige als auch moderne Technologiesektoren umfasst. Der Erfolg bei dieser Aufgabe wird maßgeblich die zukünftige wirtschaftliche Stärke und Widerstandsfähigkeit dieser Wirtschaftsräume bestimmen.

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