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Trumps geheime Strategie und kalkuliertes Zögern: Darum wollen die USA die Straße von Hormus gar nicht öffnen

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Veröffentlicht am: 25. Mai 2026 / Update vom: 25. Mai 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Trumps geheime Strategie: Darum wollen die USA die Straße von Hormus gar nicht öffnen

Trumps geheime Strategie: Darum wollen die USA die Straße von Hormus gar nicht öffnen – Bild: Xpert.Digital

Das Ende des Petrodollars? Wie der Konflikt am Golf das globale Finanzsystem umbaut

Trumps Iran-Falle: Warum der wahre Gegner im Persischen Golf in Wahrheit China heißt

Asien blutet, Amerika profitiert: Die brutale Wahrheit hinter dem stockenden Iran-Deal

Ein scheinbar unberechenbarer US-Präsident, ein blockiertes Nadelöhr des Welthandels und ein Konflikt, der die globalen Märkte in Atem hält: Die Iran-Krise des Jahres 2026 wird auf den ersten Blick oft als rein regionales Chaos abgetan. Doch hinter Donald Trumps zögerlichen Verhandlungen und der militärischen Blockade der Straße von Hormus verbirgt sich eine weitaus größere, eiskalt kalkulierte Strategie. Es geht längst nicht mehr nur um Teherans Atomprogramm oder einen lokalen Waffenstillstand. Der Persische Golf ist zum zentralen Schachbrett im Ringen um die globale Vorherrschaft geworden. Das eigentliche Zielgebiet dieses geoökonomischen Krieges liegt Tausende Kilometer weiter östlich: Peking. Wie die USA den Iran als Hebel nutzen, um Chinas Wirtschaft gezielt zu drosseln, warum Washington den Konflikt bewusst in die Länge zieht und wieso dieses geopolitische Pokerspiel letztlich das Ende des US-Dollars als Weltleitwährung einläuten könnte, zeigt die folgende Analyse.

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Trumps kalkuliertes Zögern: Der Iran-Deal als Hebel gegen China?

Auf den ersten Blick wirkt Trumps widersprüchliches Verhalten in den Iran-Verhandlungen wie politische Unberechenbarkeit: Erst drängt er auf ein schnelles Abkommen, dann warnt er vor Übereilung, dann signalisiert Außenminister Rubio Optimismus, während iranische Staatsmedien wesentliche Punkte dementieren. Doch wer diese Schwankungen isoliert betrachtet, übersieht die strategische Tiefenstruktur, die dahinter liegt. Die Iran-Krise des Jahres 2026 ist kein regionaler Konflikt, der zufällig globale Märkte erschüttert. Sie ist ein präzise platzierter Hebel im globalen Machtpoker zwischen Washington und Peking – und die Unentschlossenheit beim Deal ist ein wesentlicher Teil der Strategie.

Zwischen Optimismus und Bremse: Die Verhandlungsdynamik im Mai 2026

Am 23. Mai 2026 erklärte US-Präsident Donald Trump auf Truth Social, ein Rahmenabkommen mit dem Iran sei „weitgehend ausgehandelt“ und die Straße von Hormus werde geöffnet werden. Wenige Stunden später betonte Außenminister Marco Rubio, der sich gerade in Neu-Delhi aufhielt, es könne bald „gute Nachrichten“ geben – räumte aber ein, es gebe „noch Arbeit zu tun“. Gleichzeitig meldeten iranische Staatsmedien wie Fars und Tasnim, es bestünden weiterhin erhebliche Differenzen, insbesondere über die Kontrolle der Meerenge und die atomare Frage.

Damit ist die Ausgangslage präzise beschrieben: Die USA und der Iran verhandeln seit Wochen über ein mehrseitiges Memorandum of Understanding, das zunächst den Waffenstillstand zementieren, die Straße von Hormus öffnen und Teherans eingefrorene Vermögenswerte teilweise freigeben soll. Die atomare Frage soll in einer zweiten Phase innerhalb von 60 Tagen verhandelt werden. Doch genau dieser Aufschub ist für Washington heikel, denn die USA fordern einen vollständigen Stopp des iranischen Urananreicherungsprogramms sowie die Übergabe des Bestands an hochangereichertem Uran – Teheran lehnt beides in dieser ersten Phase kategorisch ab. Laut Reuters hat eine hochrangige iranische Quelle explizit klargestellt, es gebe keine Einigung über den Abtransport des iranischen Uranvorrats.

Trumps Botschaft, die Zeit sei „auf unserer Seite“, ist deshalb mehr als eine Verhandlungstaktik. Sie ist ein Bekenntnis zur asymmetrischen Drucklogik: Je länger der Konflikt anhält, desto tiefer blutet Irans Wirtschaft – und desto schmerzhafter werden die Kollateralschäden für China.

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Das stille Aushungern: Wie die US-Seeblockade den Iran wirtschaftlich zermürbt

Die US-Marine verhängte am 13. April 2026 eine formelle Seeblockade gegen iranische Häfen. Die wirtschaftliche Wirkung war sofort spürbar. Über 90 Prozent des iranischen Außenhandels im Volumen von jährlich rund 109,7 Milliarden US-Dollar laufen über die südlichen Seehandelswege und durch die Straße von Hormus. Die Blockade unterbricht schätzungsweise nahezu den gesamten iranischen Seehandel – ein Schaden von rund 435 Millionen US-Dollar täglich in direkten wirtschaftlichen Aktivitäten. Allein der Stillstand der Ölexporte dürfte Iran innerhalb weniger Wochen zur Drosselung der Ölförderung zwingen, sobald die Lagerkapazitäten an der Kharg-Insel erschöpft sind.

Analysten des Thinktanks Foundation for Defense of Democracies (FDD) rechnen damit, dass eine monatelange Blockade Irans Wirtschaft in einen finanziellen Kollaps treibt, da das Land strukturell auf die Ölexporteinnahmen angewiesen ist. Gegenstimmen mahnen zur Vorsicht: Der Wirtschaftsanalytiker Saeed Laylaz von der Universität Teheran argumentiert, die „reale materielle Wirkung“ sei bislang begrenzt, da Iran über Parallelmechanismen – das sogenannte Schattentankersystem, über das vor allem China bisher iranisches Öl bezog – zumindest punktuelle Lieferungen aufrechterhalten hat. Dennoch wächst der Druck unverkennbar: Trumps Aussage, Iran „kollabiere finanziell“, und Finanzminister Bessents Hinweis, die Lagerkapazitäten seien am Limit, spiegeln eine Drucklogik wider, die bewusst auf Zeit gespielt wird.

Hormus als Waffe: Warum die USA die Meerenge nicht öffnen wollen

Die Straße von Hormus ist das engste Nadelöhr des globalen Energiesystems. Durch sie fließen täglich rund 20,9 Millionen Barrel Rohöl, Kondensate und Erdölprodukte – das entspricht rund 20 Prozent des weltweiten Petroleumkonsums und etwa einem Viertel des gesamten globalen Seetankhandels. Saudi-Arabien allein ist für rund 37 Prozent der Durchflussmenge verantwortlich, gefolgt vom Irak mit 23 Prozent. Rund 80 Prozent dieser Exporte fließen nach Asien – und damit in erster Linie nach China, Indien, Japan und Südkorea.

Seit dem Beginn des Konflikts am 28. Februar 2026 haben große internationale Reedereien wie Maersk und Hapag-Lloyd ihren Betrieb durch die Meerenge ausgesetzt. Der tägliche Durchsatz ist von über 150 normalen Tankerpassagen auf zeitweise nur zwei bis dreizehn eingedampft worden. Hunderte Tanker liegen ankerfest außerhalb der Straße. Versicherer haben die Deckung für Schiffe in der Region größtenteils entzogen. Die US-Marine operiert mit drei Trägerkampfgruppen in der Region – dem größten Aufgebot seit 2003 – und hat mehrere Tanker zurückgewiesen sowie Beschuss von Minenlegern autorisiert.

Dass Washington dabei nicht einfach freie Durchfahrt erzwingt, ist die eigentliche strategische Aussage. Die USA könnten militärisch die Meerenge für neutrale Schifffahrt öffnen. Sie tun es nicht vollständig – und das ist kein Versagen, sondern Absicht. Solange die Meerenge de facto blockiert bleibt, sitzt Washington am Hebel über die Energieversorgung von Chinas gesamter Industrieproduktion.

Chinas Energieabhängigkeit: Der strukturelle Nerv, den Washington drückt

China ist der weltgrößte Rohölimporteur und bezieht den Löwenanteil seiner Importe aus Golfregionen, die über die Straße von Hormus verschifft werden. Im Jahr 2025 kaufte China mehr als 80 Prozent des exportierten iranischen Rohöls – im Schnitt 1,38 Millionen Barrel pro Tag, was rund 13,4 Prozent der gesamten chinesischen Seetransportimporte von 10,27 Millionen Barrel täglich entsprach. Über die Hälfte aller chinesischen Rohölimporte stammt aus Ländern, deren Lieferwege direkt oder indirekt durch den Hormus-Konflikt beeinträchtigt wurden.

Das Bruegel-Institut in Brüssel hat berechnet, dass ein Ölpreisanstieg von 25 Prozent Chinas BIP-Wachstum um etwa 0,5 Prozentpunkte reduziert. Angesichts der massiven Preissteigerungen – Rohöl stieg nach den US-israelischen Angriffen vom 28. Februar von rund 70 auf über 92 US-Dollar je Barrel, LNG-Preise mehr als verdoppelten sich auf 24 bis 25 US-Dollar pro MMBtu – sind die wirtschaftlichen Belastungen für Peking erheblich. China hat seine Wachstumsprognose bereits von 4,9 bis 5 Prozent auf eine Spanne von 4,5 bis 5 Prozent gesenkt. Analysten sehen auch diesen Zielkorridor noch als zu optimistisch.

Die „Teapot“-Raffinerien, Chinas kleine Independents, die bislang bereitwillig sanktioniertes iranisches Billigöl verarbeiteten, geraten nun doppelt unter Druck: einerseits durch die Unterbrechung der Lieferwege, andererseits durch US-Sanktionen gegen chinesische Raffinerien, die weiterhin iranisches Öl kauften. Peking hat diese Sanktionen zwar abgeblockt und seine Unternehmen angewiesen, sich nicht zu fügen – doch die Unsicherheit über Versicherung, Logistik und Zahlungsabwicklung wächst.

Chinas strategische Schutzmaßnahmen – strategische Ölreserven, diversifizierte Lieferwege, steigende Inlandsproduktion und der rasante Ausbau der Elektromobilität – federn den Schock teilweise ab. Doch vollständig immun ist Peking nicht: Die Volkswirtschaft leidet bereits unter schwacher Binnennachfrage, einer Immobilienkrise, rückläufigen Geburtenraten und dem Druck durch US-Zölle. Der Iran-Schock trifft auf ein bereits geschwächtes System.

Petroyuan gegen Petrodollar: Der Währungskrieg in der Meerenge

Der Iran-Konflikt hat eine zweite, noch grundlegendere Dimension freigelegt: den Kampf um die Vorherrschaft im globalen Währungssystem. Das Petrodollar-System, das seit den 1970er-Jahren die US-Dominanz im globalen Ölhandel sichert, sieht sich erstmals einer ernsthaften strukturellen Herausforderung gegenüber. Rund 80 Prozent aller globalen Öltransaktionen werden laut JP Morgan Chase in US-Dollar abgewickelt. Diese Tatsache ermöglicht es Washington, Sanktionen als Waffe einzusetzen und de facto die Energieversorgung von Gegnern zu kontrollieren.

Der Iran hat diese Schwachstelle gezielt ausgenutzt: Durch ein De-facto-Tollhaus-Regime gewährt Teheran Schiffen die Durchfahrt durch die Straße von Hormus gegen Transitgebühren – die in chinesischen Yuan beglichen werden. Mindestens zwei Schiffe haben diese Zahlungen nachweislich geleistet. Chinas Handelsministerium bestätigte die Berichte implizit über eine Social-Media-Botschaft. Die Deutsche Bank hat diesen Trend in einer Analystennotiz als potenziell „historischen Katalysator für die Erosion des Petrodollars und den Beginn des Petroyuans“ bezeichnet.

Für Washington ist das ein Alarmsignal. Denn das Petrodollar-System ist nicht nur wirtschaftlich wertvoll, sondern ein geopolitisches Fundament: Es zwingt alle ölimportierenden Länder, US-Dollar zu halten, stützt die Nachfrage nach amerikanischen Staatsanleihen und sichert der Federal Reserve außerordentliche geldpolitische Spielräume. Ein Aushöhlen dieses Systems durch einen wachsenden Petroyuan-Markt würde die strukturelle Vormachtstellung der USA langfristig untergraben. Gleichzeitig zeigen Golfstaaten wie Saudi-Arabien und die VAE Bereitschaft, ihre Abhängigkeit von der US-Sicherheitsgarantie zu hinterfragen – schon drei der vier größten GCC-Volkswirtschaften prüfen laut einer Meldung vom März 2026 ihre Sovereign-Wealth-Fund-Investitionen in amerikanischen Märkten. Das Petrodollar-System funktioniert nur, solange die Golfstaaten ihre Ölerlöse in US-Assets reinvestieren – diese Gewissheit bröckelt.

 

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Hormus als geopolitische Zündschnur: Folgen für China, Indien, Japan

Der asiatische Kollateralschaden: China, Japan, Südkorea und Indien

Rund 90 Prozent des durch die Straße von Hormus fließenden Öls ist für asiatische Länder bestimmt. Der Konflikt wirkt damit als globaler Energieentzug mit asymmetrischem Einschlag: Die USA – ein Nettoenergieexporteur – leiden vergleichsweise wenig. Asien dagegen leidet massiv.

Japan ist besonders verwundbar: Das Land bezieht 93 Prozent seines Rohöls aus dem Nahen Osten, fast alles über Hormus-Routen. Für Südkorea gelten ähnliche Zahlen – 70 Prozent des Öls und 20 Prozent des Erdgases folgen dieser Route. Die Premierminister beider Länder haben deshalb im Mai 2026 eine gemeinsame Notfallkooperation zur Ölversorgung beschlossen, einschließlich gemeinsamer Lagerkapazitäten und einer koordinierten Suche nach Alternativlieferanten in Oman, Kasachstan und Saudi-Arabien. Einzelne Öllieferungen konnte Teheran durch bilaterale Absprachen freischalten – zu deutlich höheren Preisen.

Indien befindet sich in einer ähnlich heiklen Lage. Laut dem Analysehaus Kpler liefen in den Monaten Januar und Februar 2026 knapp 50 Prozent aller indischen monatlichen Rohölimporte über die Straße von Hormus. Indiens Gesamtimporte aus dem Nahen Osten sanken im März 2026 um 23 Prozent im Monatsvergleich. Als Reaktion darauf haben indische Raffinerien ihre Käufe aus Russland nahezu verdoppelt – der Anteil russischen Öls stieg auf rund 44 Prozent der Gesamtimporte Anfang März. Indien investiert gleichzeitig in westliche und afrikanische Alternativlieferanten, doch die Transportkosten, Frachtprämien und Versicherungsaufschläge verteuern jedes Barrel erheblich. Jeder Anstieg des Ölpreises um 10 US-Dollar könnte Indiens Verbraucherpreisindex um 20 bis 25 Basispunkte erhöhen, wenn die Kosten weitergegeben werden.

China wiederum verzeichnete im April 2026 den siebten monatlichen Rückgang in Folge bei den Inlandsautoverkäufen: Die Verkäufe sanken um 21,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1,4 Millionen Fahrzeuge – der niedrigste April-Wert seit den COVID-Lockdowns im Jahr 2022. Benziner-Verkäufe brachen um ein Drittel ein. Selbst Elektro- und Hybridfahrzeuge verloren 6,8 Prozent. Morgan Stanley senkte seine Prognose für Chinas inländische Automobilverkäufe auf minus 11 Prozent für das Gesamtjahr 2026.

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Der Doppelschock für die Türkei: Zwischen Anpassungsfähigkeit und Zerreißprobe

Die Türkei illustriert exemplarisch, wie der Iran-Schock mittelbar vernetzte Volkswirtschaften trifft, ohne dass eine direkte militärische Exposition vorliegt. Ankara importiert zwar den Großteil seines Öls nicht über die Hormus-Route, aber auf globalen Märkten wird Öl global bepreist: Jeder Preisschock in der Straße von Hormus hebt den weltweiten Ölpreis und damit Ankaras Importrechnung.

Der türkische Finanzminister Mehmet Şimşek hat das Szenario gegenüber Investoren in London mit den Worten zusammengefasst: „Begrenzte Kriegsinflation, ein breiteres Leistungsbilanzdefizit, langsameres Wachstum“. Konkret: Bei einem Ölpreisdurchschnitt von etwa 85 US-Dollar je Barrel könnte die Inflation in der Türkei um 3,6 bis 4,4 Prozentpunkte steigen und das Wirtschaftswachstum um 0,6 bis 1,5 Prozentpunkte fallen. Sollten die Preise auf über 100 US-Dollar klettern, droht das Leistungsbilanzdefizit auf 55 bis 60 Milliarden US-Dollar zu steigen – weit über das Ziel von 2,3 Prozent des BIP für 2026.

Im April 2026 stieg die monatliche Inflationsrate in der Türkei auf 4,18 Prozent, die Jahresrate auf 32,37 Prozent – trotz jahrelanger Disinflationsbemühungen. Die Zentralbank hält den Leitzins bei 37 Prozent, die effektive Übernachtfinanzierungsrate liegt nahe 40 Prozent. Der Tourismus – ein wichtiger Devisenbringer – leidet: Hotels haben ihre Preise um 20 bis 25 Prozent gesenkt, um überhaupt Auslastung zu erzielen; das staatliche Tourismusziel von 68 Milliarden US-Dollar Einnahmen für 2026 ist kaum mehr erreichbar. Das Zusammenspiel aus Energieschock, Währungsdruck, Inflationsspirale und schwindendem Touristenandrang illustriert den Multiplikatoreffekt geopolitischer Konflikte auf anfällige Schwellenländer.

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Washingtons Hegemoniestrategie: Die Dots verbinden

Wer die Ereignisse seit Beginn des Jahres 2026 in einer strategischen Gesamtsicht betrachtet, erkennt ein Muster, das geopolitische Analytiker wie Velina Tchakarova bereits kurz nach Ausbruch des Konflikts beschrieben haben: „Alle Brennpunkte sind miteinander verbundene Punkte in einer Strategie, die darauf abzielt, alle Anstrengungen auf China und den Indo-Pazifik zu konzentrieren“. Die USA haben nicht nur mit dem Iran Krieg geführt – sie haben gleichzeitig Venezuela destabilisiert und damit einen zweiten chinesischen Öllieferanten erschüttert, der Teile der chinesischen Energieversorgung absicherte.

Die geografische Logik ist eindeutig: Der Persische Golf ist kein nahöstlicher Nebenkriegsschauplatz, sondern der energetische Lebensnerv der asiatisch-pazifischen Wirtschaftszone, die 80 Prozent der weltweiten Güterproduktion trägt. Wer diesen Nerv kontrolliert, kontrolliert die Konditionen, unter denen China produziert, exportiert und konkurriert. Zineb Riboua vom Hudson Institute hat die chinesische Interessenlage präzise analysiert: „Peking brauchte ein trotziges Teheran, um Washington im Golf zu binden, um einen sanktionsresistenten Energiekorridor aufrechtzuerhalten und vor allem als lebendigen Beweis, dass amerikanische Macht an Grenzen stößt“.

Der Iran-Krieg hat diese Kalkulation Pekings erschüttert. Chatham House kommt deshalb zu dem differenzierten Schluss, dass China letztlich von diesem Krieg profitieren könnte, unabhängig vom Verhandlungsausgang – nicht als Sicherheitsgarant, aber als normativer Akteur in einer neuen regionalen Ordnung, in der die Golfstaaten ihren strategischen Bezugsrahmen neu definieren. Das Atlantic Council beschreibt vier mögliche geopolitische Szenarien nach dem Iran-Krieg, von einer US-Hegemonie-Restauration bis zu einer multipolaren Neuordnung.

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Die Qualität des möglichen Deals: Was auf dem Tisch liegt

Die konkrete Konturen des Memorandums, über das die USA und der Iran verhandeln, lassen sich aus den übereinstimmenden Berichten vom 23. Mai 2026 grob skizzieren: Das 14-Punkte-Papier sieht eine Öffnung der Straße von Hormus und eine Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte vor. Die USA verpflichten sich, Sanktionen auf iranisches Öl während der Verhandlungsphase auszusetzen. Iran sichert eine Verlängerung der Waffenruhe zu. Die Frage des iranischen Atomprogramms soll binnen 60 Tagen nach Inkrafttreten des Memorandums geregelt werden.

Streitpunkte bleiben erheblich: Teheran besteht darauf, dass die Verwaltung der Meerenge auch künftig durch die Islamische Republik erfolgt – eine für Washington kaum kommunizierbare Konzession. Iran hat einer Übergabe seines Bestands an hochangereichertem Uran nicht zugestimmt. Russland hat angeboten, das Uran zu lagern – ein Arrangement, über das Iran nachzudenken scheint. US-Verhandlungsführer Steve Witkoff und Jared Kushner koordinieren die Gespräche indirekt über Pakistan als Vermittler. Das Weiße Haus erkennt eine Spaltung innerhalb der iranischen Führung und bewertet die Aussichten auf eine einheitliche Positionierung Teherans als schwierig.

Trumps Aussage, „es darf keine Fehler geben“, ist deshalb mehr als ein Qualitätsanspruch – sie ist eine Einschätzung der eigenen Verhandlungsposition: Ein schlecht ausgehandelter Deal, der das iranische Atomprogramm intakt lässt und die Kontrolle über Hormus bei Teheran belässt, würde zwar den Energiepreis kurzfristig senken, aber die geopolitische Hebelwirkung gegen China verringern.

Die Grenzen einer Hegemoniestrategie durch Stellvertreterblockade

Die US-Strategie gegenüber Iran als verlängerter Arm der China-Eindämmung ist analytisch schlüssig – aber mit erheblichen strukturellen Risiken verbunden. Erstens sind die Kollateralschäden für verbündete Volkswirtschaften erheblich. Japan, Südkorea, Indien, die Türkei und weite Teile der Schwellenländer zahlen einen hohen ökonomischen Preis, ohne strategischen Nutzen zu ziehen. Das unterminiert die Legitimität der US-Führungsrolle und treibt genau jene Länder in eine distanziertere Haltung zu Washington, die eigentlich als Partner im Großmachtwettbewerb gebraucht werden.

Zweitens droht die Strategie den unbeabsichtigten Nebeneffekt des Petroyuans zu verstärken. Je länger die USA die Kontrolle über Hormus instrumentalisieren, desto stärker wird der Anreiz für ölimportierende Länder, Alternativen zum Dollar als Handelswährung zu entwickeln. Saudi-Arabien ist dem chinesischen mBridge-Projekt zur Abwicklung von Ölzahlungen in digitalen Zentralbankwährungen bereits beigetreten. Wenn Golfstaaten ihre Sovereign-Wealth-Fund-Investments in US-Märkten systematisch umschichten, gerät der gesamte fiskalische Unterbau der amerikanischen Staatsfinanzierung unter Druck.

Drittens zeigt die chinesische Reaktion eine bemerkenswerte Resilienz: China hat strategische Ölreserven aufgebaut, seine Elektromobilitätsquote erhöht und sich durch bilaterale Korridore – die Jask-Terminal-Route südlich von Hormus, Pipeline-Alternativen durch Zentralasien und eine Vertiefung der russischen Energielieferbeziehungen – alternative Versorgungswege erschlossen. Die chinesische Wirtschaft ist vulnerabel, aber nicht ohnmächtig.

Das eigentliche Paradox der US-Strategie liegt darin, dass sie kurzfristig wirksam und langfristig selbstdestruktiv sein könnte. Trumps kalkuliertes Zögern beim Iran-Deal – die bewusste Verlangsamung auf dem Weg zu einer Einigung – erhöht den Druck auf China im Hier und Jetzt. Aber jede Woche, die vergeht, ohne dass die Meerenge wieder frei befahrbar ist, beschleunigt die strukturelle Neuordnung des globalen Energiehandels, die langfristig die Grundlagen der US-Hegemonie untergräbt. Die Zeit ist vielleicht wirklich auf der Seite der USA – aber vielleicht auch auf der Seite derer, die das Dollar-System ersetzen wollen.

 

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