Blog/Portal für Smart FACTORY | CITY | XR | METAVERSE | KI (AI) | DIGITIZATION | SOLAR | Industrie Influencer (II)

Industrie Hub & Blog für B2B Industry - Maschinenbau - Logistik/Intralogistik - Photovoltaik (PV/Solar)
Für Smart FACTORY | CITY | XR | METAVERSE | KI (AI) | DIGITIZATION | SOLAR | Industrie Influencer (II) | Startups | Support/Beratung

Business Innovator - Xpert.Digital - Konrad Wolfenstein
Mehr dazu hier

Zivile Technik, militärischer Nutzen: Darum gehört Karlsruhe zu den Top-Zentren im Dual-Use-Boom

Xpert Pre-Release


Konrad Wolfenstein - Markenbotschafter - Industrie InfluencerOnline Kontakt (Konrad Wolfenstein)

Available in 27 languages 📢

Xpert.Digital bei Google bevorzugen ⓘ

Veröffentlicht am: 21. Juli 2026 / Update vom: 21. Juli 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Zivile Technik, militärischer Nutzen: Darum gehört Karlsruhe zu den Top-Zentren im Dual-Use-Boom

Zivile Technik, militärischer Nutzen: Darum gehört Karlsruhe zu den Top-Zentren im Dual-Use-Boom – Bild: Xpert.Digital

Wenn der Sensor zur Verteidigung gehört: So enorm profitiert die deutsche Industrie vom „Dual-Use“-Boom

Zivil oder Verteidigung? Warum die deutsche Industrie vor ihrer größten strategischen Neuausrichtung steht

Fernab der großen öffentlichen Debatten verschmelzen zivile Produktion und sicherheitsrelevante Technologie immer stärker miteinander. Ein neuer „Dual-Use-Atlas“ der Prognos AG und des Handelsblatts belegt nun erstmals das gewaltige Ausmaß dieser Entwicklung: Rund 3,5 Millionen Beschäftigte arbeiten hierzulande in Branchen, deren Produkte – vom einfachen Sensor bis zur komplexen Software – sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Während klassische Wirtschaftszweige unter Transformationsdruck stehen, entwickelt sich die sogenannte Sicherheitsökonomie zum neuen industriepolitischen Motor. Die umfassende Studie zeigt nicht nur, wie dieser stille Wandel die gesamte Bundesrepublik erfasst, sondern offenbart auch überraschende regionale Gewinner. Technologiestandorte wie Karlsruhe rücken plötzlich ins Zentrum einer neuen, strategischen Wirtschaftsmacht. Lesen Sie, warum der Schraubenschlüssel von heute die Sicherheitsinfrastruktur von morgen ist – und wie sich die deutsche Wirtschaftslandschaft gerade unwiderruflich verändert.

Deutschlands stille Rüstung der zivilen Industrie: Wenn der Schraubenschlüssel zur Verteidigung gehört, ob wir wollen oder nicht

Deutschland erlebt derzeit eine industriepolitische Neuausrichtung, die in ihrer Tragweite kaum überschätzt werden kann, auch wenn sie in der öffentlichen Debatte noch immer unterschätzt wird. Der neue Dual-Use-Atlas der Prognos AG, entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt, liefert erstmals eine flächendeckende, methodisch saubere Vermessung jener Wirtschaftszweige, deren Produkte, Technologien und Kompetenzen sowohl zivil als auch militärisch oder sicherheitsrelevant genutzt werden können. Das Ergebnis ist mehr als eine akademische Fußnote: Rund 3,5 Millionen Beschäftigte arbeiten in Branchen, die grundsätzlich in der Lage sind, Dual-Use-Güter herzustellen, was fast der Hälfte der gesamten industriellen Beschäftigung in Deutschland entspricht. Über 43 Prozent der deutschen Industrieproduktion entfallen bereits heute auf entsprechende Güter, von Bauteilen für Drohnen über Robotikkomponenten bis hin zu satellitenbasierten Kommunikationssystemen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass sich die Grenze zwischen ziviler Wertschöpfung und sicherheitsrelevanter Produktion in weiten Teilen der deutschen Industrie längst aufgelöst hat, ohne dass dies bislang in der breiten wirtschaftspolitischen Wahrnehmung angekommen wäre.

Die Bedeutung dieser Entwicklung lässt sich nicht isoliert betrachten, sondern muss im Kontext einer sich verändernden globalen Sicherheitsarchitektur gelesen werden. Nach Jahrzehnten, in denen die deutsche Industriepolitik primär auf zivile Exportmärkte, Kosteneffizienz und globale Lieferketten ausgerichtet war, rückt nun die Frage der strategischen Resilienz in den Vordergrund. Der Atlas macht sichtbar, dass diese Resilienz nicht erst neu aufgebaut werden muss, sondern in weiten Teilen bereits vorhanden ist, allerdings ungleich über die Bundesrepublik verteilt und in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung bislang nicht systematisch erfasst wurde.

Die Vermessung einer verborgenen Wirtschaftsstruktur

Der methodische Ansatz der Prognos-Studie ist bemerkenswert kleinteilig und zugleich konsequent standardisiert. Ausgangspunkt ist die EU-Dual-Use-Güterliste, ein über zweihundert Seiten umfassendes Regelwerk, das Produkte mit doppeltem Verwendungszweck systematisch erfasst und durch die Delegierte Verordnung der Europäischen Union geregelt wird. Diese Güterliste wurde von Prognos entschlüsselt und über mehrere Zwischenschritte mit amtlichen Klassifikationen der deutschen Wirtschaftsstatistik verknüpft, angefangen bei Warengruppen der Außenhandelsstatistik bis hin zur Produktionsstatistik und schließlich zur Wirtschaftszweigsystematik. Am Ende dieser Verkettung steht eine belastbare Abschätzung, welcher Anteil der Beschäftigung in einzelnen Wirtschaftszweigen als dual-use-fähig einzustufen ist.

Untersucht wurden insgesamt 19 Branchen aus dem verarbeitenden Gewerbe sowie der Informations- und Kommunikationstechnologie, während vor- und nachgelagerte Dienstleistungen wie Logistik oder Teile der Kultur- und Kreativwirtschaft aus Gründen der Datenverfügbarkeit unberücksichtigt blieben. Als räumliche Bezugsgröße dienten nicht die 401 Stadt- und Landkreise, sondern die 79 Bezirke der Industrie- und Handelskammern, weil diese funktionale Wirtschafts- und Arbeitsräume abbilden, die über administrative Grenzen hinausgehen und für Unternehmen einen vertrauten Bezugsrahmen darstellen. Grundlage der Berechnung sind sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Stichtag 30. Juni 2025, erhoben in einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit. Wichtig für die Einordnung ist, dass der Atlas ausdrücklich kein Messinstrument tatsächlicher Rüstungsproduktion ist, sondern ein Potenzialindikator, der zeigt, wo technologische und industrielle Voraussetzungen für eine Ausweitung sicherheitsrelevanter Fertigung bereits bestehen, ohne dass daraus automatisch neue Aufträge, Umsätze oder Geschäftsmodelle entstehen müssen.

Zwei Kennziffern, ein Gesamtbild der wirtschaftlichen Relevanz

Um die regionale Bedeutung von Dual Use greifbar zu machen, arbeitet die Studie mit zwei sich ergänzenden Kennzahlen. Der Regionalanteil beschreibt, wie stark die Wirtschaftsstruktur einer Region selbst auf dual-use-fähige Branchen ausgerichtet ist, also welchen Anteil diese Branchen an der gesamten regionalen Beschäftigung einnehmen. Der Deutschlandanteil hingegen misst den Beitrag einer einzelnen Region zum gesamtdeutschen Dual-Use-Beschäftigungspotenzial und zeigt damit, welches Gewicht ein Standort im nationalen Gefüge besitzt. Aus beiden Kennziffern wird ein ungewichteter arithmetischer Gesamtindex gebildet, der auf einer Skala von null bis hundert normiert wurde, wobei die zehn bestplatzierten Regionen die oberste Klasse bilden.

Diese doppelte Perspektive ist entscheidend, weil hohe Werte in beiden Dimensionen keineswegs zwangsläufig zusammenfallen. Manche Regionen verfügen über ein enormes absolutes Beschäftigungsvolumen und prägen dadurch das nationale Gesamtbild maßgeblich, ohne dass Dual Use innerhalb ihrer eigenen, breit diversifizierten Wirtschaft besonders dominant wäre. Andere Regionen wiederum sind vergleichsweise klein, weisen aber eine derart hohe Spezialisierung auf dual-use-relevante Branchen auf, dass die eigene wirtschaftliche Identität kaum noch ohne diesen Bezug zu denken ist. Erst das Zusammenspiel beider Werte offenbart, welche Standorte tatsächlich zu den strukturprägenden Zentren der neuen Sicherheitsökonomie zählen.

Süden, Westen, Osten, Norden: Vier Gesichter der industriellen Sicherheitsbasis

Die regionale Verteilung des Dual-Use-Potenzials folgt erkennbaren Mustern, die sich an die traditionellen industriellen Stärken der einzelnen Landesteile anlehnen, sie jedoch in einem neuen sicherheitspolitischen Licht erscheinen lassen. Süddeutschland, insbesondere die Räume um Stuttgart, München und Nürnberg, bildet den industriellen Kernraum, in dem Maschinen- und Fahrzeugbau, Luft- und Raumfahrttechnik sowie Elektronik mit zunehmend digitalen Technologien verschmelzen. Auch jenseits dieser Metropolregionen zeigt sich im Süden ein hohes Flächenpotenzial, das über die bekannten Leuchttürme weit hinausreicht.

Der Westen der Republik, geprägt von den Wirtschaftsräumen entlang Rhein und Ruhr sowie in Westfalen, liefert dagegen vor allem Masse und Volumen. Hier trägt eine breite industrielle Basis mit hohen absoluten Beschäftigtenzahlen entlang ganzer Wertschöpfungsketten zum nationalen Dual-Use-Potenzial bei, von der Grundstoffindustrie über den Maschinenbau bis zu industriellen Dienstleistungen. Der Osten Deutschlands hingegen punktet weniger über Masse als über hochspezialisierte Cluster: Regionen wie Dresden, Chemnitz oder Ostthüringen verbinden traditionelle industrielle Strukturen mit Spitzentechnologie etwa in der Optik oder Mikroelektronik, was diese Standorte für die künftige Sicherheitsökonomie besonders interessant macht. Der Norden schließlich zeichnet sich durch konzentrierte Leuchttürme statt flächendeckender Stärke aus, mit Zentren wie Hamburg, Bremen, Kiel und dem Südosten Niedersachsens, wo Fahrzeugbau, Luft- und Raumfahrttechnik sowie maritime Sicherheitstechnologien besondere Bedeutung besitzen. Bemerkenswert ist zudem, dass die Studie zahlreiche Überraschungen jenseits der bekannten Ballungsräume zutage fördert: Regionen mit ausgeprägter industrieller Tradition, aber geringerer bundesweiter Sichtbarkeit, verfügen über relevante, bislang kaum beachtete Anknüpfungspunkte an die Dual-Use-Wirtschaft.

Karlsruhe als unterschätzter Taktgeber der Sicherheitsökonomie

Innerhalb dieses bundesweiten Gefüges nimmt die Region der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe eine Position ein, die angesichts ihrer öffentlichen Wahrnehmung als eher unauffällig geltender Technologiestandort durchaus überraschen dürfte. Im bundesweiten Dual-Use-Gesamtindex erreicht die Region den achten Platz unter allen 79 IHK-Bezirken und zählt damit zur obersten Bewertungsklasse der zehn bestplatzierten Standorte Deutschlands. Beim Regionalanteil, also der Frage, wie stark die eigene Wirtschaftsstruktur auf dual-use-fähige Beschäftigung ausgerichtet ist, belegt Karlsruhe mit einem Anteil von 49,5 Prozent den elften Platz bundesweit, was bedeutet, dass praktisch jeder zweite industrielle Arbeitsplatz in der Region einen Bezug zu sicherheitsrelevanten Technologien aufweist. Beim Deutschlandanteil, der den Beitrag zur gesamtdeutschen Dual-Use-Beschäftigung misst, erreicht die Region mit 1,8 Prozent den 14. Platz und zeigt damit, dass Karlsruhe nicht nur regional stark spezialisiert, sondern auch im nationalen Maßstab ein Standort von substanziellem Gewicht ist.

Die Region der IHK Karlsruhe zählt zu den stärksten Dual-Use-Standorten Deutschlands:

  • Platz 11 beim Regionalanteil dual-use-fähiger Beschäftigung (49,5 %)
  • Platz 14 beim Deutschlandanteil (1,8 %)
  • Platz 8 im bundesweiten Dual-Use-Gesamtindex

Diese Kombination aus hoher Spezialisierung und relevanter absoluter Größe macht Karlsruhe zu einem der wenigen Standorte in Deutschland, die auf beiden Ebenen gleichzeitig überdurchschnittlich abschneiden. Der zugrunde liegende wirtschaftliche Kern dieser Stärke liegt in einer für den deutschen Südwesten typischen Verbindung von klassischer Industrieproduktion und digitaler Systemkompetenz. Karlsruhe gilt seit Langem als eine der forschungsstärksten Technologieregionen Europas, geprägt durch eine enge Verzahnung von Informationstechnologie, Maschinenbau, Elektrotechnik und angewandter Forschung. Gerade diese Kombination aus Hardware-Kompetenz und Software- beziehungsweise IKT-Wissen wird im Rahmen der neuen Sicherheitsökonomie zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil, weil moderne Dual-Use-Technologien wie Sensorik, vernetzte Robotik oder satellitengestützte Kommunikationssysteme genau an dieser Schnittstelle entstehen.

 

Hub für Sicherheit und Verteidigung - Beratung und Informationen

Hub für Sicherheit und Verteidigung

Hub für Sicherheit und Verteidigung - Bild: Xpert.Digital

Der Hub für Sicherheit und Verteidigung bietet fundierte Beratung und aktuelle Informationen, um Unternehmen und Organisationen effektiv dabei zu unterstützen, ihre Rolle in der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu stärken. In enger Verbindung zur Working Group Defence der SME Connect fördert er insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die ihre Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit im Bereich Verteidigung weiter ausbauen möchten. Als zentraler Anlaufpunkt schafft der Hub so eine entscheidende Brücke zwischen KMU und europäischer Verteidigungsstrategie.

Passend dazu:

  • Die Working Group Defence der SME Connect – Stärkung der KMU in der europäischen Verteidigung

 

Vom Maschinenbau zur Sicherheitsplattform: Karlsruhes Weg in neue Wachstumsfelder

Vom Baukastenprinzip zur strategischen Systemfähigkeit

Um die Bedeutung des Karlsruher Ergebnisses vollständig einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf die Branchenlogik, die dem Dual-Use-Atlas zugrunde liegt. Die größten Beschäftigungspotenziale im Dual-Use-Bereich konzentrieren sich bundesweit auf den Maschinenbau, die Elektrotechnik, den Fahrzeugbau sowie die Informations- und Kommunikationstechnologien. Diese Branchen vereinen zentrale Kompetenzfelder wie Sensorik, Software, Automatisierung, Robotik, Kommunikationstechnik und Antriebstechnologien, die zugleich als technologische Grundlage für zahlreiche weitere Wertschöpfungsketten dienen. Sie bilden damit das eigentliche Rückgrat der deutschen Dual-Use-Wirtschaft, und Regionen, in denen mehrere dieser Branchen gleichzeitig stark vertreten sind, profitieren von einem Verstärkungseffekt, der über die Summe einzelner Branchenstärken hinausgeht.

Genau dieser Verstärkungseffekt scheint in Karlsruhe wirksam zu sein. Die Region verfügt nicht über eine einzelne dominante Dual-Use-Branche, sondern über ein Ökosystem, in dem industrielle Fertigungskompetenz auf digitale Systemintegration trifft. Ein Sensor, der in einer Industrieanlage zur Qualitätskontrolle eingesetzt wird, kann technisch dieselbe Grundarchitektur besitzen wie ein Sensor für den Katastrophenschutz, den Schutz kritischer Infrastruktur oder ein militärisches Aufklärungssystem. Diese technologische Anschlussfähigkeit, die weit über das enge Feld klassischer Rüstungsproduktion hinausreicht, ist der eigentliche Kern dessen, was der Dual-Use-Atlas als wirtschaftliche Chance beschreibt. Unternehmen müssen dafür keineswegs ihr Geschäftsmodell radikal verändern, sondern können auf vorhandenen Kompetenzen aufbauen und diese für neue Anwendungsfelder erschließen.

Sicherheitsökonomie als industriepolitisches Zukunftsfeld

Die wirtschaftspolitische Relevanz dieser Entwicklung lässt sich kaum überschätzen, insbesondere angesichts der strukturellen Schwächephase, in der sich große Teile der deutschen Industrie seit einigen Jahren befinden. Klassische Wachstumstreiber wie der Automobilbau stehen unter erheblichem Transformationsdruck, während internationale Lieferketten durch geopolitische Spannungen fragiler geworden sind. In diesem Umfeld eröffnet die Dual-Use-Wirtschaft eine Perspektive, bestehende industrielle und technologische Stärken zu verteidigen und zugleich neue Wachstumsfelder zu erschließen, ohne dass dafür ein vollständiger struktureller Bruch notwendig wäre.

Wichtig ist dabei die Klarstellung, dass Dual Use keineswegs mit einer Militarisierung von Wirtschaft und Innovation gleichzusetzen ist. Viele der relevanten Technologien werden ursprünglich für zivile Märkte entwickelt und erst in einem zweiten Schritt für sicherheitsrelevante Anwendungen nutzbar gemacht. Im Zentrum steht damit weniger die Frage, wie neue Waffensysteme entstehen, sondern wie bestehende technologische Fähigkeiten zur Erhöhung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Resilienz beitragen können, sei es beim Schutz kritischer Infrastruktur, in der Katastrophenvorsorge oder in der zivilen Sicherheitstechnik. Gerade diese Differenzierung macht das Thema auch für Unternehmen anschlussfähig, die traditionell keine Berührungspunkte mit der Verteidigungsindustrie hatten und dennoch über Kompetenzen verfügen, die in einem erweiterten Sicherheitskontext wertvoll werden.

Grenzen der Betrachtung und methodische Vorsicht

Bei aller Aussagekraft des Dual-Use-Atlas ist eine nüchterne Einordnung seiner Grenzen geboten. Die Studie misst ein Beschäftigungspotenzial, nicht die tatsächliche Produktion konkreter sicherheitsrelevanter Güter, tatsächliche Verteidigungsaufträge oder reale Unternehmensumsätze in diesem Bereich. Ein hohes Dual-Use-Beschäftigungspotenzial bedeutet also nicht automatisch, dass in einer Region kurzfristig neue Wertschöpfung entsteht oder neue Geschäftsmodelle aus dem Boden schießen. Der tatsächliche Einstieg in Dual-Use-Märkte erfordert in der Regel erhebliche technologische Anpassungen, den Aufbau regulatorischen Know-hows im Bereich der Exportkontrolle, neue Netzwerke sowie geeignete Kunden- und Marktzugänge, was eher einen mittel- bis langfristigen Entwicklungsprozess beschreibt als einen kurzfristigen Automatismus.

Hinzu kommt, dass die amtliche Produktions- und Beschäftigungsstatistik in vielen Fällen nicht danach unterscheidet, ob ein konkretes Produkt tatsächlich zivil, sicherheitsrelevant oder militärisch verwendet wird. Die Studie kann daher aufzeigen, in welchen Branchen und Regionen entsprechende Potenziale bestehen, jedoch keine Aussage darüber treffen, welche konkreten Produkte einzelne Unternehmen tatsächlich herstellen oder wofür diese im Einzelfall tatsächlich eingesetzt werden. Auch Daten zur regionalen Bruttowertschöpfung, zu Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten oder zu tatsächlichen sicherheitsrelevanten Unternehmensumsätzen konnten aus Gründen fehlender flächendeckender Verfügbarkeit nicht in die Analyse einfließen. Der Atlas versteht sich deshalb explizit als fundierte Annäherung an die wirtschaftliche Bedeutung von Dual Use und nicht als exakte Vermessung realer Rüstungsproduktion.

Was der Standortvorteil für Karlsruhe konkret bedeutet

Für die Wirtschaftsregion Karlsruhe ergibt sich aus dem Spitzenplatz im Dual-Use-Gesamtindex eine Reihe konkreter strategischer Implikationen. Zunächst liefert das Ranking eine belastbare, datenbasierte Argumentationsgrundlage für die regionale Wirtschaftsförderung, um gezielt Unternehmen aus dual-use-relevanten Branchen anzusprechen, seien es etablierte Mittelständler mit bislang rein zivilem Fokus oder neue Ansiedlungen aus dem Bereich der Sicherheits- und Verteidigungstechnik. Zweitens öffnet die enge Verbindung von industrieller Fertigung und digitaler Systemkompetenz Karlsruher Unternehmen den Zugang zu einem wachsenden Markt für sicherheitsrelevante Anwendungen, ohne dass diese Unternehmen ihre bisherige zivile Kundenbasis aufgeben müssten. Drittens signalisiert die Platzierung potenziellen Investoren, Fördermittelgebern und sicherheitsrelevanten Beschaffungsstellen, dass die Region über eine kritische Masse an technologischer Substanz verfügt, die über punktuelle Einzelkompetenzen weit hinausgeht.

Gleichzeitig sollte die Region die methodischen Einschränkungen der Studie ernst nehmen und den Befund nicht als automatischen wirtschaftlichen Erfolg missverstehen. Die eigentliche Herausforderung liegt nun darin, das identifizierte Potenzial in konkrete Marktzugänge zu übersetzen, etwa durch gezielte Vernetzung von Unternehmen mit der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, durch den Aufbau von Exportkontroll-Know-how oder durch die Anpassung bestehender Produkte an sicherheitsrelevante Anforderungen. Initiativen wie regionale Matchmaking-Plattformen zur Vernetzung von Unternehmen mit der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sowie Publikationen zum Einstieg in diesen Sektor deuten darauf hin, dass entsprechende Anstrengungen bereits im Gange sind.

Die größere Erzählung hinter dem Ranking

Der Dual-Use-Atlas fügt sich in eine größere Erzählung über die Neuausrichtung der deutschen Industriepolitik ein, die sich seit einigen Jahren vollzieht. Nach Jahrzehnten der Friedensdividende, in denen sicherheitspolitische Erwägungen in der Wirtschaftsplanung eine untergeordnete Rolle spielten, gewinnt die Frage strategischer Resilienz nun deutlich an Gewicht, begleitet von politischen Weichenstellungen wie einer nationalen Wirtschaftsschutzstrategie und einem gestiegenen öffentlichen Interesse an ziviler wie militärischer Sicherheitsvorsorge. In diesem Kontext liefert der Atlas erstmals eine belastbare, deutschlandweit vergleichbare Datengrundlage, die zeigt, dass die notwendige industrielle Basis für diese Neuausrichtung in weiten Teilen bereits existiert, wenn auch regional sehr unterschiedlich verteilt und in ihrer strategischen Bedeutung bislang nicht ausreichend gewürdigt.

Für Regionen wie Karlsruhe bedeutet dies eine doppelte Chance: einerseits die Möglichkeit, bestehende industrielle und digitale Stärken in einem neuen, wachsenden Marktsegment zur Geltung zu bringen, andererseits die Verantwortung, diese Stärken verantwortungsvoll und im Einklang mit den rechtlichen Rahmenbedingungen der Exportkontrolle sowie den gesellschaftlichen Debatten über die Rolle der Sicherheitsökonomie zu entwickeln. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob es Regionen wie Karlsruhe gelingt, aus einem statistischen Potenzial tatsächliche Wertschöpfung, neue Arbeitsplätze und eine gestärkte industrielle Resilienz zu formen, oder ob das identifizierte Potenzial ungenutzt bleibt, weil regulatorische Hürden, fehlende Netzwerke oder mangelnder politischer Wille die notwendige Transformation ausbremsen. Der Dual-Use-Atlas liefert dafür jedenfalls erstmals eine verlässliche Landkarte, auf der sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren nachvollziehen lassen wird.

 

Beratung - Planung - Umsetzung
Digital Pioneer - Konrad Wolfenstein

Markus Becker

Gerne stehe ich Ihnen als persönlicher Berater zur Verfügung.

Head of Business Development

Chairman SME Connect Defence Working Group

LinkedIn

 

 

 

Beratung - Planung - Umsetzung
Digital Pioneer - Konrad Wolfenstein

Konrad Wolfenstein

Gerne stehe ich Ihnen als persönlicher Berater zur Verfügung.

Sie können mit mir unter wolfenstein∂xpert.digital Kontakt aufnehmen oder

mich einfach unter +49 7348 4088 965 anrufen.

LinkedIn
 

 

Weitere Themen

  • Die Integration fortschrittlicher Terminalsysteme in ein Dual-Use-Rahmenwerk für die zivile wie militärische Schwerlastlogistik
    Die Integration fortschrittlicher Terminalsysteme in ein Dual-Use-Rahmenwerk für die zivile wie militärische Schwerlastlogistik...
  • Dual-Logistik und die Resilienz: Die strategische Verschmelzung ziviler und militärischer Versorgungsketten für Europas Sicherheit
    Dual-Logistik und die Resilienz: Die strategische Verschmelzung ziviler und militärischer Versorgungsketten für Europas Sicherheit...
  • REGIOLOG SÜD | Dual-Use-Logistikinfrastruktur Pilotprojekt: Für zivile Resilienz und militärische Einsatzbereitschaft
    REGIOLOG SÜD | Dual-Use-Logistikinfrastruktur Pilotprojekt: Für zivile Resilienz und militärische Einsatzbereitschaft...
  • DU-Logistik² | Doppelte Dual-Use-Logistik: Integration von Schiene und Straße für zivile und militärische Zwecke
    DU-Logistik² | Doppelte Dual-Use-Logistik: Integration von Schiene und Straße für zivile und militärische Zwecke...
  • Rüstungs-Boom in Deutschland: Warum Sicherheit und Wirtschaft keine getrennten Welten mehr sind
    Rüstungs-Boom in Deutschland: Warum Sicherheit und Wirtschaft keine getrennten Welten mehr sind...
  • Medizinisches Cannabis: Boom durch Legalisierung – Darum ist Vertical Farming die wahre Zukunft der Cannabis-Industrie
    Medizinisches Cannabis: Boom durch Legalisierung – Darum ist Vertical Farming die wahre Zukunft der Cannabis-Industrie...
  • Rüstungsindustrie und Dual-Use-Logistik - Neuer Jobmotor Rüstung? Rettet die Waffenindustrie jetzt die deutsche Wirtschaft?
    Rüstungsindustrie und Dual-Use-Logistik - Neuer Jobmotor Rüstung? Rettet die Waffenindustrie jetzt die deutsche Wirtschaft?...
  • Dual-Use-Güter als Hoffnungsträger für die gebeutelte deutsche Automobilindustrie
    Dual-Use-Güter als Hoffnungsträger für die gebeutelte deutsche Automobilindustrie...
  • Die Zwei Gesichter der Innovation: Aufstieg und Wandel des Dual-Use-Sektors in Deutschland und Europa
    Die Zwei Gesichter der Innovation: Aufstieg und Wandel des Dual-Use-Sektors in Deutschland und Europa...
Der Sicherheit und Verteidigung Hub der SME Connect Working Group Defence auf Xpert.Digital   SME Connect ist eines der größten europäischen Netzwerke und Kommunikationsplattformen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)  
  • • SME Connect Working Group Defence
  • • Beratung und Informationen
  Markus Becker - Chairman SME Connect Defence Working Group
  • • Head of Business Development
  • • Chairman SME Connect Defence Working Group

 

 

 

Urbanisierung, Logistik, Photovoltaik und 3D Visualisierungen Infotainment / PR / Marketing / Media Kontakt - Fragen - Hilfe - Konrad Wolfenstein / Xpert.Digital
  • KATEGORIEN

    • Enterprise XR Solution Hub
    • Rohstoffe, Globale Beschaffung & Handel
    • Logistik/Intralogistik
    • Künstliche Intelligenz (KI) – AI-Blog, Hotspot und Content-Hub
    • Neue PV-Lösungen
    • Sales/Marketing Blog
    • Erneuerbare Energien
    • Robotics/Robotik
    • Neu: Wirtschaft
    • Heizsysteme der Zukunft – Carbon Heat System (Kohlefaser Heizungen) – Infrarotheizungen – Wärmepumpen
    • Smart & Intelligent B2B / Industrie 4.0 (u. a. Maschinenbau, Bauindustrie, Logistik, Intralogistik) – Produzierendes Gewerbe
    • Smart City & Intelligent Cities, Hubs & Columbarium – Urbanisierung Lösungen – Stadtlogistik Beratung und Planung
    • Sensorik und Messtechnik – Industrie Sensoren – Smart & Intelligent – Autonome & Automation Systeme
    • Fortschrittliche Metallfertigung & Verbindungstechnik
    • Augmented & Extended Reality – Metaverse Planungsbüro / Agentur
    • Digital-Hub für Unternehmertum und Start-ups – Informationen, Tipps, Support & Beratung
    • Agri-Photovoltaik (Agrar-PV) Beratung, Planung und Umsetzung (Bau, Installation & Montage)
    • Überdachte Solarparkplätze: Solarcarport – Solarcarports – Solarcarporte
    • Stromspeicher, Batteriespeicher und Energiespeicher
    • Blockchain-Technologie
    • NSEO Blog für GEO (Generative Engine Optimization) und AIS Artificial Intelligence Search
    • Auftragsbeschaffung
    • Digital Intelligence
    • Digital Transformation
    • E-Commerce
    • Internet of Things
    • „Realitätscheck Politik“ (National Affairs Observer)
    • Bulgarien
    • USA
    • China
    • Sino-Cooperation
    • Hub für Sicherheit und Verteidigung
    • Social Media
    • Windkraft / Windenergie
    • Cold Chain Logistics (Frischelogistik/Kühllogistik)
    • Experten-Rat & Insider-Wissen
    • Presse – Xpert Pressearbeit | Beratung und Angebot
  • Xpert.Digital Übersicht
  • Xpert.Digital SEO
Kontakt/Info
  • Kontakt – Pioneer Business Development Experte & Expertise
  • Kontaktformular
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
  • AGB
  • e.Xpert Infotainment
  • Infomail
  • Solaranlagen Konfigurator (alle Varianten)
  • Industrial (B2B/Business) Metaverse Konfigurator
Menü/Kategorien
  • Enterprise XR Solution Hub
  • Rohstoffe, Globale Beschaffung & Handel
  • Managed-AI Platform
  • KI-gestützte Gamification Plattform für interaktive Inhalte
  • LTW Lösungen
  • Logistik/Intralogistik
  • Künstliche Intelligenz (KI) – AI-Blog, Hotspot und Content-Hub
  • Neue PV-Lösungen
  • Sales/Marketing Blog
  • Erneuerbare Energien
  • Robotics/Robotik
  • Neu: Wirtschaft
  • Heizsysteme der Zukunft – Carbon Heat System (Kohlefaser Heizungen) – Infrarotheizungen – Wärmepumpen
  • Smart & Intelligent B2B / Industrie 4.0 (u. a. Maschinenbau, Bauindustrie, Logistik, Intralogistik) – Produzierendes Gewerbe
  • Smart City & Intelligent Cities, Hubs & Columbarium – Urbanisierung Lösungen – Stadtlogistik Beratung und Planung
  • Sensorik und Messtechnik – Industrie Sensoren – Smart & Intelligent – Autonome & Automation Systeme
  • Fortschrittliche Metallfertigung & Verbindungstechnik
  • Augmented & Extended Reality – Metaverse Planungsbüro / Agentur
  • Digital-Hub für Unternehmertum und Start-ups – Informationen, Tipps, Support & Beratung
  • Agri-Photovoltaik (Agrar-PV) Beratung, Planung und Umsetzung (Bau, Installation & Montage)
  • Überdachte Solarparkplätze: Solarcarport – Solarcarports – Solarcarporte
  • Energetische Sanierung und Neubau – Energieeffizienz
  • Stromspeicher, Batteriespeicher und Energiespeicher
  • Blockchain-Technologie
  • NSEO Blog für GEO (Generative Engine Optimization) und AIS Artificial Intelligence Search
  • Auftragsbeschaffung
  • Digital Intelligence
  • Digital Transformation
  • E-Commerce
  • Finanzen / Blog / Themen
  • Internet of Things
  • „Realitätscheck Politik“ (National Affairs Observer)
  • Bulgarien
  • USA
  • China
  • Sino-Cooperation
  • Hub für Sicherheit und Verteidigung
  • Trends
  • In der Praxis
  • Vision
  • Cyber Crime/Data Protection
  • Social Media
  • eSports
  • Glossar
  • Gesunde Ernährung
  • Windkraft / Windenergie
  • Innovation & Strategie Planung, Beratung, Umsetzung für Künstliche Intelligenz / Photovoltaik / Logistik / Digitalisierung / Finanzen
  • Cold Chain Logistics (Frischelogistik/Kühllogistik)
  • Solar in Ulm, um Neu-Ulm und um Biberach herum Photovoltaik Solaranlagen – Beratung – Planung – Installation
  • Franken / Fränkische Schweiz – Solar/Photovoltaik Solaranlagen – Beratung – Planung – Installation
  • Berlin und Berliner Umland – Solar/Photovoltaik Solaranlagen – Beratung – Planung – Installation
  • Augsburg und Augsburger Umland – Solar/Photovoltaik Solaranlagen – Beratung – Planung – Installation
  • Experten-Rat & Insider-Wissen
  • Presse – Xpert Pressearbeit | Beratung und Angebot
  • Tabellen für Desktop
  • B2B-Beschaffung: Lieferketten, Handel, Marktplätze & KI-gestütztes Sourcing
  • XPaper
  • XSec
  • Geschützter Bereich
  • Vorabversion
  • English Version for LinkedIn

© Juli 2026 Xpert.Digital / Xpert.Plus - Konrad Wolfenstein - Business Development