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Strompreis-Kompensation vs. Industriestrompreis: Wie eine EU-Regel den deutschen Industriestrompreis aushebelt

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Veröffentlicht am: 17. April 2026 / Update vom: 17. April 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Strompreis-Kompensation vs. Industriestrompreis: Wie eine EU-Regel den deutschen Industriestrompreis aushebelt

Strompreis-Kompensation vs. Industriestrompreis: Wie eine EU-Regel den deutschen Industriestrompreis aushebelt – Bild: Xpert.Digital

Industriestrompreis und Papierindustrie: Eine energiepolitische Klarstellung

Das große Strompreis-Missverständnis: Warum die Politik die Papierindustrie täuscht

Hygienepapier-Irrtum: Wie eine EU-Regel den deutschen Industriestrompreis aushebelt

Die Einführung des neuen Industriestrompreises wurde von der Politik als historischer Meilenstein gefeiert – ein Befreiungsschlag, der insbesondere energieintensive Branchen wie die Herstellung von Hygienepapier im internationalen Wettbewerb schützen soll. Doch hinter den vollmundigen Versprechen verbirgt sich ein massives beihilferechtliches Problem: Für die deutsche Papier- und Zellstoffindustrie greift die Maßnahme schlichtweg nicht. Wer bereits von der bewährten Strompreiskompensation (SPK) profitiert, ist aufgrund strenger EU-Regeln vom neuen Fördertopf ausgeschlossen. Anstatt der suggerierten Rettung sieht sich eine Branche, die ohnehin unter massiven Produktionsrückgängen und enormen Energiekosten leidet, mit einer völlig realitätsfernen politischen Kommunikation konfrontiert. Dieser Artikel beleuchtet, warum politische Wunschvorstellungen und wirtschaftliche Realität beim Industriestrompreis so eklatant auseinanderklaffen, welche Gefahr dem Standort Deutschland dadurch droht und was die Papierindustrie jetzt wirklich braucht, um die strukturelle Krise zu überwinden.

Wenn politische Kommunikation und wirtschaftliche Realität auseinanderfallen

Die Ankündigung des deutschen Industriestrompreises im Jahr 2025 wurde von der Politik als historischer Durchbruch für den Industriestandort Deutschland gefeiert. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sprach von einer umfassenden Entlastung energieintensiver Branchen, und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) führte Hygienepapierhersteller als Paradebeispiele für die Wirkung des neuen Instruments an. Diese Darstellung ist jedoch in einem zentralen Punkt faktisch unzutreffend – und die Konsequenzen dieser Ungenauigkeit für die betroffene Branche sind erheblich.

Ein Instrument für 91 Sektoren – aber nicht für alle gleich

Der Industriestrompreis trat rückwirkend zum 1. Januar 2026 in Kraft und läuft bis Ende 2028. Die EU-Kommission genehmigte ein Beihilfevolumen von 3,8 Milliarden Euro, mit dem der Staat die Differenz zwischen dem Marktpreis und einem Zielpreis von 5 Cent pro Kilowattstunde für begünstigte Unternehmen übernimmt. Grundlage ist der europäische Beihilferahmen des sogenannten Clean Industrial Deal State Aid Framework (CISAF), der bereits im Juni 2025 von der EU-Kommission verabschiedet worden war.

Die Berechtigung zur Inanspruchnahme des Industriestrompreises richtet sich nach der sogenannten KUEBLL-Liste – den Klima-, Umwelt- und Energiebeihilfeleitlinien der EU. Diese Liste umfasst rund 91 Wirtschaftssektoren, darunter Unternehmen aus der Chemie-, Glas-, Metall- und Papierbranche. Die Papierindustrie erscheint also auf dem Papier als begünstigt – und genau hier beginnt das Missverständnis.

Denn die tatsächliche Entlastungswirkung hängt nicht allein von der Listenzugehörigkeit ab. Das Instrument ist nach den EU-Beihilferegeln so konzipiert, dass es lediglich auf 50 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs eines Unternehmens angewendet werden darf, und zwar als Zuschuss in Höhe von maximal 50 Prozent des Großhandelsstrompreises. In der Praxis ergibt sich daraus eine reale Entlastung, die deutlich unterhalb der in der öffentlichen Debatte kommunizierten 5 Cent pro Kilowattstunde liegt. Wer dieses Instrument mit der Strompreiskompensation kombinieren oder gar ersetzen möchte, stößt auf eine fundamentale beihilferechtliche Schranke.

Strompreiskompensation und Industriestrompreis: Zwei Welten, eine Branche

Der entscheidende Knackpunkt liegt im Verhältnis zwischen dem neuen Industriestrompreis und dem bereits bestehenden Instrument der Strompreiskompensation (SPK). Die SPK ist ein langfristig etabliertes Instrument, das energieintensiven Industrieunternehmen einen teilweisen Ausgleich für die indirekten CO₂-Kosten im Strompreis gewährt, die durch das europäische Emissionshandelssystem (EU-ETS) entstehen. Diese indirekten Kosten ergeben sich daraus, dass Stromproduzenten CO₂-Zertifikate erwerben müssen, was sich über höhere Strompreise auf die Industrie überträgt. Deutschland macht von diesem Kompensationsmechanismus bereits seit 2013 Gebrauch.

Die Papier- und Zellstoffindustrie gehört zu jenen Branchen, die vom Schutz durch die Strompreiskompensation erfasst sind. Für sie ist die SPK nach wie vor das primäre und wirtschaftlich relevantere Entlastungsinstrument. Der Grund: Pro Megawattstunde fällt die SPK-Entlastung in der Regel höher aus als die Förderung über den Industriestrompreis. Vor diesem Hintergrund erscheint eine vollständige Umstellung auf den neuen Industriestrompreis für die meisten Papierhersteller wirtschaftlich unattraktiv.

Hinzu kommt ein beihilferechtliches Kumulierungsverbot. Das CISAF-Rahmenwerk der EU-Kommission untersagt ausdrücklich die gleichzeitige Inanspruchnahme von Strompreiskompensation und Industriestrompreis für identische Strommengen. Unternehmen, die SPK beantragen, sind also für denselben Stromverbrauch vom Industriestrompreis ausgeschlossen. Es besteht zwar formal ein Wahlrecht – ein Unternehmen kann verschiedene Anlagen oder Strommengen unterschiedlichen Instrumenten zuordnen –, doch die Trennung ist administrativ komplex und wirtschaftlich nur in Ausnahmefällen vorteilhaft. Die Darstellung des BMWE, wonach Hygienepapierhersteller von dem neuen Instrument profitieren, greift daher ins Leere: Für Unternehmen, die bereits unter der SPK entlastet werden, ist der Industriestrompreis de facto kein relevantes Entlastungsinstrument.

Energieintensität als Standortproblem: Die strukturelle Lage der Papierbranche

Um die Tragweite dieser Klarstellung zu verstehen, muss man sich die energiepolitische Ausgangslage der deutschen Papier- und Zellstoffindustrie vor Augen führen. Mit einem Jahresenergiebedarf von über 50 Terawattstunden zählt die Branche nach der Metall- und Chemieerzeugung zum drittgrößten industriellen Energieverbraucher in Deutschland. In einzelnen Produktionsstufen macht Energie 20 bis 30 Prozent der Gesamtkosten aus. Diese strukturelle Abhängigkeit macht die Branche außerordentlich sensitiv gegenüber Energiepreisbewegungen.

Die vergangenen Jahre haben diese Verwundbarkeit schmerzhaft offengelegt. Im ersten Halbjahr 2023 brach die Produktion um 21 Prozent ein, der Umsatz um 25 Prozent. 2025 setzte sich der Abwärtstrend fort: Die Gesamtproduktion sank gegenüber dem Vorjahr um weitere 2,5 Prozent auf 18,7 Millionen Tonnen, der Branchenumsatz fiel um 5 Prozent. Besonders gravierend ist die Situation bei den grafischen Papieren, deren Produktion in Deutschland 2025 um dramatische 16,7 Prozent zurückging – mehr als doppelt so stark wie der europäische Durchschnitt von 7 Prozent. Diese Diskrepanz ist symptomatisch: Die hohen deutschen Energiepreise beschleunigen den Strukturabbau weit stärker als in vergleichbaren europäischen Ländern.

Die Auswirkungen auf die Produktionsstruktur sind bereits sichtbar. Ende 2025 waren in Deutschland nur noch 128 Werke mit 216 Papiermaschinen in Betrieb – fünf Jahre zuvor waren es noch 152 Werke mit 260 Papiermaschinen. Das entspricht einem Rückgang von mehr als 15 Prozent der Produktionskapazitäten innerhalb eines halben Jahrzehnts. Die Beschäftigtenzahl sank im gleichen Zeitraum von 45.600 auf rund 41.000. Diese Zahlen sind kein statistisches Rauschen, sondern Ausdruck einer schleichenden Deindustrialisierung, die durch unzureichende energiepolitische Rahmenbedingungen begünstigt wird.

Carbon Leakage und die Grenzen der Förderinstrumente

Hinter dem Instrument der Strompreiskompensation steht ein klares ordnungspolitisches Ziel: die Vermeidung von sogenanntem Carbon Leakage. Gemeint ist die Verlagerung industrieller Produktion in Länder mit weniger strengen Klimavorgaben, die paradoxerweise zu einem Anstieg der globalen CO₂-Emissionen führt, weil der Energieeinsatz anderswo weniger effizient erfolgt. Die SPK soll energieintensive Industrieunternehmen im internationalen Wettbewerb schützen, ohne den Klimaschutzanreiz des ETS zu untergraben.

Die EU hat diese Logik in jüngster Zeit deutlich ausgebaut. Im Dezember 2025 überarbeitete die EU-Kommission ihre ETS-Beihilfeleitlinien grundlegend, mit dem Ergebnis, dass Deutschland die Strompreiskompensation von bisher 11 auf 31 berechtigte Sektoren ausweiten durfte. Hintergrund ist der anhaltende Anstieg der CO₂-Zertifikatspreise, die zwischenzeitlich auf rund 82 Euro je Zertifikat gestiegen sind und damit die indirekten Stromkosten für die Industrie erheblich verschärft haben. Die maximale Förderquote wurde dabei von 75 auf 80 Prozent erhöht.

Für die Papierindustrie ist diese Weiterentwicklung der SPK grundsätzlich positiv zu bewerten. Der Verband DIE PAPIERINDUSTRIE forderte denn auch nicht primär den Industriestrompreis als Entlastungsmechanismus, sondern die dauerhafte Verstetigung und Ausweitung der Strompreiskompensation über das Jahr 2030 hinaus. Diese differenzierte Positionierung des Branchenverbandes unterstreicht, dass die Papierindustrie sehr genau zwischen den verfügbaren Instrumenten unterscheidet – eine Feinheit, die in der öffentlichen Kommunikation des Wirtschaftsministeriums offenbar keine ausreichende Berücksichtigung fand.

 

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Wettbewerbsdruck und Stromkosten: Warum die deutsche Papierindustrie ins Hintertreffen gerät

Wettbewerbsverzerrung im europäischen Vergleich

Die energiepolitische Diskussion in Deutschland sollte nicht im nationalen Vakuum geführt werden. Ein Blick auf europäische Nachbarländer zeigt das Ausmaß der Wettbewerbsverzerrung, unter der die deutsche Papierindustrie leidet. In Österreich, einem der wichtigsten Exportmärkte für deutsche Papierhersteller, zahlen vergleichbare Produzenten laut einer Studie des Austrian Institute of Technology (AIT) 50 Prozent weniger für Strom, die Stromnetzkosten liegen um 75 Prozent höher als in Deutschland. Diese Kostendifferenz ist struktureller Natur und kann kurzfristig durch kein einzelnes Förderinstrument vollständig ausgeglichen werden.

Nordeuropäische Wettbewerber – insbesondere in Finnland und Schweden – profitieren traditionell von niedrigeren Energiepreisen, günstigen Netzentgelten und einer stärker auf industrielle Anwendungen ausgerichteten Energieinfrastruktur. Die deutschen Papierhersteller sehen sich damit einer Zangenbewegung ausgesetzt: Während die Produktionskosten durch hohe Energiepreise steigen, erodiert die Nachfrage nach grafischen Papieren durch den strukturellen Medienwandel. Beides trifft gleichzeitig auf und verstärkt sich gegenseitig.

Die Konsequenz ist eine beschleunigte Verschiebung der Marktanteile zugunsten ausländischer Wettbewerber. Während die Produktion grafischer Papiere in Deutschland 2025 um 16,7 Prozent fiel, lag das europäische Minus bei lediglich 7 Prozent. Diese Differenz ist ein direkter Ausdruck des deutschen Standortnachteils – und sie wird durch eine fehlerhafte energiepolitische Kommunikation, die eine Entlastungswirkung suggeriert, die gar nicht eintritt, weiter verstärkt.

Energiepolitische Kommunikation und ihre Konsequenzen

Die fehlerhafte öffentliche Darstellung durch das BMWE hat konkrete Konsequenzen, die über eine bloße Ungenauigkeit hinausgehen. Wenn Hygienepapierhersteller öffentlich als Beispiele für die Wirksamkeit des Industriestrompreises angeführt werden, obwohl diese Unternehmen unter dem Regime der Strompreiskompensation operieren und den Industriestrompreis für ihre SPK-relevanten Strommengen gar nicht nutzen können, entsteht ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Förderlandschaft.

Dies hat praktische Implikationen. Unternehmen, die auf Basis dieser Darstellung ihre Energiebeschaffungsstrategie planen, könnten zu falschen Einschätzungen über ihre Förderberechtigungen und deren finanzielle Wirkung gelangen. Zudem untergräbt eine ungenaue Kommunikation das Vertrauen der Branche in die energiepolitische Kompetenz der Bundesregierung – ein Vertrauen, das angesichts der bereits bestehenden Planungsunsicherheit dringend benötigt wird. Verbandspräsident Hans-Christoph Gallenkamp formulierte es unmissverständlich: Die Zukunft des Industriestandortes Deutschland hänge von wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen und langfristiger Planbarkeit ab.

Der Industriestrompreis selbst ist zudem mit erheblichen Einschränkungen verbunden, die in der öffentlichen Debatte häufig untergehen. Die tatsächliche Entlastung beläuft sich für viele Unternehmen auf lediglich einen Cent pro Kilowattstunde oder weniger, da nur 50 Prozent des Verbrauchs gefördert werden und die 5-Cent-Untergrenze nur auf diesen Teilverbrauch angewendet wird. Hinzu kommt die Pflicht zur Reinvestition von mindestens 50 Prozent der erhaltenen Beihilfe in Dekarbonisierungsmaßnahmen. Der Industriestrompreis ist damit weniger ein unmittelbares Liquiditätsinstrument als ein langfristiger Transformationsanreiz – eine wichtige, aber von seiner politischen Inszenierung stark abweichende Funktion.

Was die Papierindustrie tatsächlich braucht

Eine sachgerechte energiepolitische Analyse der Lage der deutschen Papier- und Zellstoffindustrie führt zu einer klaren Handlungsagenda, die sich von der öffentlichen Kommunikation des BMWE deutlich unterscheidet. Der Branchenverband hat diese Agenda in seinem Positionspapier für 2025/2026 konkret benannt.

An erster Stelle steht die dauerhafte Verstetigung und Ausweitung der Strompreiskompensation. Die SPK ist das wirtschaftlich wirksamste Instrument für die Branche, weil sie unmittelbar die indirekten CO₂-Kosten kompensiert, die für die Papierindustrie die größte strukturelle Belastung darstellen. Eine Befristung dieses Instruments gefährdet die langfristige Investitionsplanung. Gleichzeitig müssen die Schwellenwerte für die Netzentgeltvergünstigungen nach Paragraf 19 Absatz 2 der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) erhalten bleiben – konkret der Schwellenwert von 10 Gigawattstunden –, um die Entlastungswirkung für mittelgroße Papierfabriken zu sichern.

Darüber hinaus fordert die Branche wettbewerbsfähige Industrienetzentgelte über das Jahr 2028 hinaus sowie eine Entfristung der reduzierten Stromsteuer. Diese Forderungen haben einen gemeinsamen Nenner: Sie zielen auf strukturelle, dauerhafte Kostensenkungen ab, nicht auf befristete Subventionsimpulse. Der Industriestrompreis mag für bestimmte Sektoren ein sinnvolles Brückeninstrument sein – für die Papierindustrie, die bereits unter der Strompreiskompensation geschützt ist, stellt er hingegen keine relevante Entlastung dar, solange das Kumulierungsverbot gilt und die SPK die höhere Entlastung bietet.

Strukturwandel als Daueraufgabe: Jenseits der Energiepreisfrage

Ungeachtet der energiepolitischen Debatte steht die deutsche Papier- und Zellstoffindustrie vor einer tiefgreifenden strukturellen Transformation, die über das Energiepreisproblem hinausgeht. Die Nachfrage nach grafischen Papieren befindet sich in einem säkularen Niedergang, getrieben durch die Digitalisierung des Kommunikations- und Medienbereichs. Dieser Rückgang ist irreversibel und lässt sich durch keine Energiepolitik aufhalten.

Das Verpackungssegment und der Hygienepapierbereich bieten demgegenüber stabilere Nachfrageperspektiven, wenngleich auch hier der Wettbewerbsdruck aus dem Ausland erheblich ist. Die Kapazitätsauslastung der gesamten Branche lag 2025 bei lediglich 85 Prozent – fünf Prozentpunkte unter dem Niveau von 2020 und zehn Prozentpunkte unterhalb des langjährigen Durchschnitts aus den Jahren 2000 bis 2010. Diese strukturelle Unterauslastung ist ein ernstes Warnsignal, denn sie erhöht die Fixkostenbelastung pro Produktionseinheit und verschlechtert die Wettbewerbsposition zusätzlich.

Die Papierindustrie versucht, durch Effizienzsteigerungen, Investitionen in erneuerbare Energien und die Entwicklung neuer Produktlinien gegenzusteuern. Doch diese Transformation erfordert Investitionskapital und Planungssicherheit – beides wird durch unzureichende und missverständliche energiepolitische Rahmenbedingungen untergraben. Eine Energiepolitik, die auf unzutreffenden Darstellungen basiert, kann keine solide Grundlage für unternehmerische Investitionsentscheidungen bilden.

Präzision als Grundlage verantwortungsvoller Wirtschaftspolitik

Die Papier- und Zellstoffindustrie in Deutschland befindet sich in einer ernsthaften strukturellen Krise, die durch hohe Energiepreise, internationale Wettbewerbsverzerrungen und den Nachfragerückgang bei grafischen Papieren geprägt ist. Sie benötigt präzise, auf ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnittene energiepolitische Instrumente – und keine missverständliche Kommunikation, die eine Entlastungswirkung suggeriert, die faktisch nicht eintritt.

Der Industriestrompreis ist ein bedeutendes wirtschaftspolitisches Instrument. Für die rund 2.000 Unternehmen, die ihn tatsächlich in Anspruch nehmen können, stellt er eine substanzielle Unterstützung dar. Für die deutsche Papier- und Zellstoffindustrie jedoch, die unter dem Regime der Strompreiskompensation operiert, ist er nach gegenwärtiger Ausgestaltung – insbesondere wegen des beihilferechtlichen Kumulierungsverbots und der wirtschaftlich höheren SPK-Entlastung – kein relevantes Entlastungsinstrument. Medienberichte, die die Darstellung des BMWE unkritisch übernehmen, tragen zur Fehlinformation bei und erschweren eine sachgerechte politische Debatte.

Was die Branche stattdessen braucht, ist eine verlässliche, dauerhafte Weiterentwicklung der Strompreiskompensation, wettbewerbsfähige Netzentgelte und eine konsistente langfristige Energiestrategie. Diese Anforderungen mögen weniger medienwirksam sein als die Ankündigung eines neuen Instruments – sie entsprechen aber der wirtschaftlichen Realität einer Industrie, für die Strom nicht nur ein Kostenfaktor, sondern ein existenzieller Standortfaktor ist.

 

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