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Wie Ursula von der Leyen und die EU-Kommission erst den Atomausstieg stillschweigend durchwinkte und ihn nun als fatalen Irrtum verdammt

Wie Ursula von der Leyen und die EU-Kommission erst den Atomausstieg stillschweigend durchwinkte und ihn nun als fatalen Irrtum verdammt

Wie Ursula von der Leyen und die EU-Kommission erst den Atomausstieg stillschweigend durchwinkte und ihn nun als fatalen Irrtum verdammt – Bild: Xpert.Digital

Ein historisches Lehrstück politischer Heuchelei, regulatorischer Verunsicherung und industrieller Selbstsabotage

Rückkehr zur Kernenergie: Scheitert Europas grüner Traum an der harten Realität?

Lange Zeit galt der European Green Deal als leuchtendes Vorzeigeprojekt für ein klimaneutrales Europa – angetrieben von Wind, Sonne, Wasserstoff und strikter Energieeffizienz. Die Atomkraft schien auf europäischer Ebene ein politisches Auslaufmodell zu sein, ihr stufenweiser Abbau in großen Mitgliedstaaten ein stillschweigend akzeptierter Konsens. Doch nun vollzieht EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine beispiellose energiepolitische Kehrtwende: Auf dem Weltgipfel für Kernenergie in Paris bezeichnete sie die einstige Abkehr von der Atomkraft überraschend als „strategischen Fehler“ und kündigte millionenschwere Förderungen für neue Reaktoren an. Ist diese plötzliche nukleare Renaissance eine zwingend notwendige Korrektur im Lichte von globaler Energiekrise und ehrgeizigen Klimazielen? Oder erleben wir hier vielmehr den opportunistischen Schwenk einer Machtpolitikerin, die ihre Agenda lediglich dem veränderten politischen Wind anpasst? Diese tiefgreifende Analyse durchleuchtet die harten ökonomischen Fakten hinter dem neuen Atom-Hype, offenbart gefährliche Abhängigkeiten von russischem Uran und zieht eine kritische Bilanz der wahren Kosten von Europas Energiewende.

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Von der Leyens atomare Kehrtwende: Eine ökonomische Analyse des europäischen Energiewendeparadoxons

Wenn die Architektin des Green Deal ihr eigenes Fundament untergräbt

Am 10. März 2026 sprach EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf dem Weltgipfel für Kernenergie in Boulogne-Billancourt bei Paris Worte aus, die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wären. Die Abkehr von der Atomkraft sei ein strategischer Fehler gewesen, Europa habe einer zuverlässigen, bezahlbaren Quelle für emissionsarmen Strom den Rücken gekehrt. Während 1990 noch ein Drittel des europäischen Stroms aus Kernenergie stammte, liege der Anteil heute bei nur noch knapp 15 Prozent. Die EU sei weder ein Öl- noch ein Gasproduzent, erklärte sie, und Europa wolle an der weltweiten Renaissance der Kernenergie teilhaben. Gleichzeitig kündigte sie 200 Millionen Euro an Risikoabsicherungen für private Investoren in neue Atomtechnologien an sowie eine europäische Strategie für kleine modulare Reaktoren (SMR), die bis Anfang der 2030er-Jahre einsatzbereit sein sollen.

Diese Aussagen markieren einen fundamentalen Bruch mit der energiepolitischen Kommunikation, die von der Leyen seit ihrem Amtsantritt als Kommissionspräsidentin im Dezember 2019 gepflegt hat. Es ist eine Wende, die zahlreiche Fragen aufwirft, nicht nur über die Zukunft der europäischen Energiepolitik, sondern vor allem über die politische Glaubwürdigkeit der mächtigsten Spitzenvertreterin der Europäischen Union. Diese Analyse zeichnet den Weg nach, den Brüssel in der Energiepolitik genommen hat, untersucht die ökonomischen Realitäten hinter der nuklearen Renaissance und fragt, ob der jetzige Kurswechsel auf einer faktenbasierten Neubewertung beruht oder schlicht politischem Opportunismus entspringt.

Der Green Deal von 2019: Europas Mondlandung ohne Atomtriebwerk

Als Ursula von der Leyen am 11. Dezember 2019, nur elf Tage nach ihrem Amtsantritt, den European Green Deal im Europäischen Parlament vorstellte, nannte sie ihn nicht weniger als Europas Mondlandung. Das ehrgeizige Programm sollte Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent machen, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 50 bis 55 Prozent gegenüber 1990 senken und eine umfassende CO2-Grenzsteuer auf den Weg bringen. Es ging um Klimaneutralität, mehr Ambition, einen wirksamen CO2-Preis, eine Renovierungswelle, nachhaltige Mobilität und Kreislaufwirtschaft.

Was in dieser Gründungsrede des Green Deal und in den nachfolgenden offiziellen Dokumenten der Kommission auffällig fehlte, war jede substanzielle Erwähnung der Kernenergie als strategisches Element des europäischen Dekarbonisierungspfades. Die Kommission betonte stattdessen Investitionen in Innovation, saubere Technologien und grüne Infrastruktur, also vor allem Wind, Solar, Speicher, Effizienz und saubere Mobilität. Die offizielle Zusammenfassung des Green Deal spricht von einer modernen, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaft, deren Transformation von Energieversorgung, Verkehr und Industrie Europa nachhaltiger machen soll. Kernenergie kam darin schlicht nicht als Schlüsseltechnologie vor.

In den offiziellen Green-Deal-Unterlagen wurde Kernenergie bestenfalls technikneutral als Teil des bestehenden Energiemixes einzelner Mitgliedstaaten erwähnt, ohne politische Förderung und ohne eine erkennbare Strategie, diese Technologie als zentralen Baustein der europäischen Dekarbonisierung zu behandeln. Im Abschnitt zu sauberer und sicherer Energie ging es primär um die Reduktion fossiler Brennstoffe, den Ausbau erneuerbarer Energien und schnellere Genehmigungsverfahren. Selbst der REPowerEU-Plan von 2022, der als Antwort auf die russische Aggression in der Ukraine die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten drastisch reduzieren sollte, setzte seine Schwerpunkte auf Energieeinsparungen, Diversifizierung der Versorgung und die beschleunigte Einführung erneuerbarer Energien. Die Kernenergie spielte auch hier keine prominente Rolle.

Politisch sendete die Kommission damit ein unmissverständliches Signal: Der grüne Weg Europas beruht auf erneuerbaren Energien und Effizienz. Die schrittweise Reduktion der Kernenergie in mehreren Mitgliedstaaten, allen voran Deutschland, wurde nicht infrage gestellt. Im Gegenteil, der gesamte Kommunikationsrahmen des Green Deal suggerierte, dass Klimaneutralität mit Windrädern, Wärmepumpen und Solarpaneelen erreichbar sei, ohne dass Brüssel die Kernenergie aktiv verteidigen oder gar als unverzichtbar darstellen müsste.

Fukushimas langer Schatten und Deutschlands Sonderweg

Um die Dimension des heutigen Kurswechsels zu begreifen, muss man die Vorgeschichte der europäischen Atompolitik verstehen. Die Reaktorkatastrophe von Fukushima am 11. März 2011 veränderte die energiepolitische Landschaft in Europa nachhaltig, wenn auch in sehr unterschiedlichem Ausmaß. Auf EU-Ebene war die unmittelbare Reaktion die Durchführung von sogenannten Stresstests für alle 143 Kernkraftwerke in der Europäischen Union. Der damalige EU-Energiekommissar Günther Oettinger berief binnen Tagen ein Sondertreffen mit Energieministern und Aufsichtsbehörden ein, das zu einer einvernehmlichen Zustimmung für europaweite Sicherheitsüberprüfungen führte.

Diese Stresstests waren allerdings freiwillig und liefen vor allem am Computer ab, was erhebliche Kritik von Umweltschützern auf sich zog. Der EU-Stresstest erreichte erstmals eine EU-weite Überprüfung aller Kernkraftwerke auf Grundlage gemeinsamer Kriterien, doch eine EU-weite Ausstiegsstrategie war er nie. Der eigentliche Atomausstieg blieb eine nationale Entscheidung, vor allem eine deutsche.

Deutschland hatte seinen Atomausstieg bereits 2002 unter der rot-grünen Regierung Schröder beschlossen, diesen unter der schwarz-gelben Koalition Merkel zunächst rückgängig gemacht und dann nach Fukushima 2011 beschleunigt. Die letzten drei deutschen Kernkraftwerke – Emsland, Isar 2 und Neckarwestheim II – gingen am 15. April 2023 vom Netz. Sie hatten zuletzt mit rund 4 Gigawatt installierter Leistung etwa 7 Prozent der deutschen Stromnachfrage gedeckt. Aufgrund der durch den russischen Angriffskrieg ausgelösten Energiekrise war ihre Laufzeit bereits um einige Monate über das ursprünglich für 2022 vorgesehene Abschaltdatum hinaus verlängert worden.

Die ökonomischen Auswirkungen des deutschen Atomausstiegs auf die Strompreise waren nach seriösen Studien deutlich geringer als in der öffentlichen Debatte oft suggeriert. Eine Analyse des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle kam zu dem Ergebnis, dass die Großhandelsstrompreise im Jahr 2023 mit Kernkraft etwa 1 bis 8 Prozent niedriger gewesen wären. Eine Modellrechnung des Analyseunternehmens Prognos bezifferte den Effekt auf rund 0,3 bis 0,4 Cent weniger pro Kilowattstunde bei einer hypothetischen Laufzeitverlängerung. Der Börsenstrompreis fiel nach dem Atomausstieg sogar deutlich – von 99,01 Euro pro Megawattstunde im April 2023 auf 55,01 Euro im April 2024. Andere Faktoren wie die Streichung der EEG-Umlage, die Senkung der Stromsteuer, ein hoher Anteil erneuerbarer Energien und sinkende Gaspreise wirkten sich stärker preisdämpfend aus, als der Ausstieg preistreibend wirkte.

Brüssel hat diesen deutschen Sonderweg nie aktiv infrage gestellt. Im Gegenteil: Der Green Deal wurde parallel so kommuniziert, dass er die Energiewende inklusive des Ausstiegs einzelner Länder aus der Atomkraft als machbar darstellte, ohne dass die Kommission Kernenergie aktiv verteidigt hätte. Das war kein Versehen, sondern politisches Kalkül. Es erlaubte der Kommission, den Green Deal als breiten Konsens zu verkaufen, der weder die pro-nuklearen Staaten wie Frankreich noch die Ausstiegsländer wie Deutschland vor den Kopf stieß.

Die Taxonomie-Wende: Leiser Seitenwechsel im Regelwerk

Der erste erkennbare Schwenk in der europäischen Atompolitik vollzog sich nicht auf einer großen Bühne, sondern im technischen Regelwerk der Finanzmarktregulierung. Am 2. Februar 2022 stellte die EU-Kommission einen delegierten Rechtsakt vor, der Investitionen in Atom- und Gaskraftwerke unter bestimmten Bedingungen als klimafreundlich einstufte. Diese Entscheidung im Rahmen der EU-Taxonomie, des Klassifizierungssystems für nachhaltige Finanzprodukte, war politisch hochumstritten.

Kernkraftwerke sollten als klimafreundlich gelten, wenn eine Baugenehmigung bis 2045 vorliegt und das betreffende Land einen Plan sowie finanzielle Mittel für die Atommüllentsorgung vorweisen kann. Das Europäische Parlament hätte die Kommission überstimmen können, doch der Einspruch scheiterte am 6. Juli 2022 mit 278 zu 328 Stimmen, weit entfernt von der erforderlichen absoluten Mehrheit von 353 Stimmen. Damit traten die Taxonomie-Regeln zum 1. Januar 2023 in Kraft.

Die Reaktionen waren scharf gespalten. Der Grünen-Europaabgeordnete Michael Bloss sprach von einem irrsinnigen Vorhaben und verglich den Vorgang damit, aus Pommes Salat machen zu wollen. Über 330.000 Unterschriften wurden gegen die Pläne gesammelt. Österreich klagte sogar vor dem EU-Gericht gegen die Einstufung und warf Brüssel Greenwashing vor – das Kennzeichnen von etwas als klimafreundlich, obwohl es das nicht sei. Doch das Gericht der Europäischen Union wies die Klage im September 2025 ab und befand, dass die Erzeugung von Atomenergie nahezu keine Treibhausgasemissionen verursache und derzeit keine ausreichenden alternativen Technologien zur Verfügung stünden, um den Energiebedarf stetig und zuverlässig zu decken.

Die Taxonomie-Entscheidung war der institutionelle Türöffner für die heutige Pro-Atom-Rhetorik. Sie schuf die regulatorische Grundlage, auf der von der Leyens späterer Kurswechsel aufbauen konnte. Bemerkenswert ist, dass die Kommission diese Weichenstellung 2022 primär als technisch-finanzielle Maßnahme verkaufte, ohne die politische Dimension offen zu adressieren. Es war ein leiser Seitenwechsel im Regelwerk, kein lautes Bekenntnis auf der Bühne.

Die Energiekrise als Katalysator: Wenn Ideologie auf Realität trifft

Die Energiekrise von 2022 und 2023, ausgelöst durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, wirkte als brutaler Realitätscheck für die europäische Energiepolitik. Die Verwerfungen an den Gasmärkten trieben die Strompreise auf historische Höchststände. Der Großhandelsstrompreis in Europa überschritt zeitweise 850 Euro pro Megawattstunde, wobei der wöchentliche Mittelwert Ende August 2022 bei 586 Euro pro Megawattstunde lag. Im Jahresdurchschnitt 2022 wurden 240 Euro pro Megawattstunde bezahlt, das Achtfache des Preises von 2020. Die Inflationsrate im Euroraum erreichte im Juli 2022 mit rund 8,9 Prozent den höchsten Wert seit Bestehen der Eurozone.

Die Krise legte schonungslos offen, wie verwundbar Europa durch seine Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen war. Die Verknappung des russischen Gasangebots stürzte Europa in eine Rezession und führte zu sozialen Spannungen und Verteilungskonflikten. Die REPowerEU-Initiative, im Mai 2022 von der Kommission vorgestellt, mobilisierte bis zu 300 Milliarden Euro, um die Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen so schnell wie möglich zu beenden. Doch auch in diesem Krisenmanagement lag der Schwerpunkt auf erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und Diversifizierung der Gasversorgung, nicht auf der Kernenergie.

Gleichzeitig zeigte die Krise, dass Frankreichs nuklear dominiertes Energiesystem keineswegs immun gegen Verwerfungen war. Die Hälfte der französischen Kernkraftwerke musste 2022 zeitweise wegen Korrosionsproblemen und Wartungsarbeiten vom Netz genommen werden, was die Produktion drastisch einbrechen ließ und Frankreich zeitweise vom Stromexporteur zum Importeur machte. Erst 2024 stieg die EU-Kernenergieproduktion wieder um 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, vor allem getrieben durch die Erholung der französischen Flotte.

Die Krise verschob den politischen Diskurs fundamental. Energiesicherheit und Versorgungssouveränität rückten in den Mittelpunkt, während rein klimapolitische Argumente an Gewicht verloren. In diesem veränderten Umfeld konnte die Kernenergie als heimische, CO2-arme und grundlastfähige Energiequelle neu positioniert werden – eine Chance, die die Pro-Atom-Fraktion in der EU konsequent nutzte.

Die ökonomische Realität der nuklearen Renaissance

Von der Leyens Bekenntnis zur Kernenergie und ihre Ankündigung einer SMR-Strategie für Europa müssen an den harten ökonomischen Fakten gemessen werden. Und diese Fakten zeichnen ein erheblich komplexeres Bild, als die Rhetorik einer nuklearen Renaissance suggeriert.

Das Flamanville-Desaster in Frankreich ist dabei das prominenteste Warnsignal. Der EPR-Reaktor Flamanville 3, dessen Bau 2007 begann und der 2012 hätte ans Netz gehen sollen, ging erst im Dezember 2024 in Betrieb – mit zwölf Jahren Verspätung. Die Kosten explodierten von ursprünglich veranschlagten 3,3 Milliarden Euro auf 23,7 Milliarden Euro laut dem französischen Rechnungshof, eine Versiebenfachung des Budgets. Um über die gesamte Laufzeit von 60 Jahren einen Profit von vier Prozent zu erwirtschaften, müsste die EDF den Strom für über 12 Cent pro Kilowattstunde verkaufen, im wahrscheinlicheren Szenario sogar für knapp 14 Cent. Zum Vergleich: Der französische Industriestrompreis lag bei 4,2 Cent pro Kilowattstunde, wird aber 2026 auf 7 Cent angehoben. Der französische Rechnungshof bescheinigte dem Projekt allenfalls mittelmäßige Rentabilität und forderte wegen der Anhäufung von Risiken und Zwängen einen sofortigen Stopp aller Kernkraft-Ausbaupläne Macrons. Die EDF hat mittlerweile einen Schuldenberg von über 50 Milliarden Euro angehäuft.

Ähnliche Kostenüberschreitungen zeigen sich bei anderen EPR-Projekten. In Hinkley Point C im Vereinigten Königreich steht eine Wertminderung von rund 11 Milliarden Euro in den Büchern, nachdem der chinesische Mitgesellschafter sich zurückgezogen hat und EDF das Projekt mehrheitlich allein finanzieren muss. Das Muster ist global erkennbar: Konventionelle Kernkraftwerke großer Bauart leiden systematisch unter massiven Kosten- und Zeitüberschreitungen.

Die kleinen modularen Reaktoren (SMR), auf die von der Leyen nun setzt, sind technologisch noch weitgehend Zukunftsmusik. Weltweit gibt es, abgesehen von Pilotobjekten in China und Russland, praktisch keine kommerziell betriebenen SMR. Das prominenteste westliche SMR-Projekt, NuScale Power in den USA, musste seine veranschlagten Erzeugungskosten von 58 auf 119 US-Dollar pro Megawattstunde nach oben korrigieren – eine Verdopplung, die das Projekt letztlich zum Scheitern brachte. Die Baukosten wurden von 3,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 auf 6,1 Milliarden im Jahr 2020 revidiert. Eine Mehrheit der Experten geht davon aus, dass die ersten SMR in Europa nicht vor 2036 bis 2040 in Betrieb gehen werden, und eine größere Zahl von Reaktorblöcken mit einer Gesamtleistung von mehr als fünf Gigawatt nicht vor 2045.

Aktuelle Ausgaben des World Nuclear Industry Status Report bestätigen diese Skepsis. Weltweit stagniert die Zahl der in Betrieb befindlichen Reaktoren seit Jahren, während sich der Bau neuer Anlagen immer weiter verzögert und verteuert. Nur wenige neue Reaktoren gehen jährlich ans Netz, zugleich werden ältere Blöcke endgültig stillgelegt – von einem dynamischen globalen Ausbau kann keine Rede sein. In der Europäischen Union liegt die Zahl der laufenden Reaktorblöcke deutlich unter früheren Höchstständen, und der Anteil der Kernenergie am Strommix ist langfristig rückläufig. Besonders auffällig ist, dass bei den weltweit noch im Bau befindlichen Projekten vor allem russische und chinesische Reaktordesigns dominieren. Von einer westlich dominierten nuklearen Renaissance, wie sie von der Leyen rhetorisch heraufbeschworen wird, bleibt damit vor allem ein politisches Narrativ – die ökonomische und industrielle Realität spricht eine andere Sprache.

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Von der Leyens Atom-Wende: Tauscht Europa die Abhängigkeit von Gas gegen die von Uran?

Die Kostenwahrheit: Erneuerbare gegen Atom

Eine nüchterne Betrachtung der Stromgestehungskosten zeigt, dass die ökonomischen Argumente für die Kernenergie schwächer sind, als die politische Rhetorik vermuten lässt. Eine Studie des europäischen Windenergieverbands WindEurope und Hitachi Energy, die fünf verschiedene Szenarien für das europäische Stromsystem bis 2050 verglichen hat, kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Ein ambitionierter Ausbau der erneuerbaren Energien ist unter Einbeziehung aller notwendigen Investitionen in Stromnetze, Speicher und Elektrifizierung die kostengünstigste Option. Szenarien, die auf einen starken Ausbau der Erneuerbaren verzichten, verursachen bis 2050 Mehrkosten zwischen 487 und 860 Milliarden Euro. Ein auf Erneuerbaren basierendes Szenario ist sogar 1,6 Billionen Euro günstiger als eines, das die Klimaziele verfehlen würde.

Diese Zahlen relativieren das Narrativ, ohne Kernenergie sei die europäische Dekarbonisierung unbezahlbar. Die Erneuerbaren haben in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Kostenreduktion durchlaufen. Mehr als 47 Prozent des europäischen Stroms stammen inzwischen aus erneuerbaren Quellen. Die Solarenergiekapazität hat sich seit 2019 auf einen Rekordwert von 406 Gigawatt mehr als verdoppelt, die Windenergieleistung stieg um 234 Gigawatt. Niederländische Forscher der Universität Utrecht haben berechnet, dass Erneuerbare zusammen mit Kurzzeitspeichern künftig rund 92,5 Prozent des europäischen Strombedarfs decken können, wobei die restlichen 7,5 Prozent durch grünen Wasserstoff abgedeckt werden könnten.

Das soll nicht heißen, dass die Kernenergie keine Rolle in einem diversifizierten Energiesystem spielen kann. Für Länder wie Frankreich, wo 67,3 Prozent des Stroms aus Kernenergie stammen, oder die Slowakei mit 61,6 Prozent, ist ein abrupter Ausstieg weder realistisch noch sinnvoll. Aber die Darstellung der Kernenergie als unverzichtbare Rettungstechnologie, ohne die Europa seine Klimaziele nicht erreichen könne, hält einer ökonomischen Überprüfung nicht stand.

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Die Abhängigkeitsfalle: Von russischem Gas zu russischem Uran

Ein besonders pikanter Aspekt von Ursula von der Leyens Pro-Atom-Wende betrifft die Frage der Energieunabhängigkeit. Sie argumentiert, Europa müsse unabhängiger von importierten fossilen Brennstoffen werden, und Kernenergie sei eine heimische Energiequelle. Diese Darstellung blendet allerdings eine unbequeme Realität aus: Europa bezieht rund 40 Prozent seines angereicherten Urans aus Russland und dem eng verbündeten Kasachstan.

Die Abhängigkeit ist dabei tiefgreifender als nur der Brennstoff. Rosatom, der russische Staatskonzern, dominiert den internationalen Nuklearmarkt. In der EU werden 41 von insgesamt 133 Kernkraftwerken mit russischer Bauweise betrieben. Diese Druckwasserreaktoren benötigen sechseckige Brennstäbe russischer Bauart, die westliche Hersteller bislang kaum ersetzen können, ohne den Betrieb zu gefährden. Es ist bezeichnend, dass der Nuklearsektor trotz mittlerweile acht EU-Sanktionspaketen gegen Russland stets unangetastet blieb. Fünf Tage nach Beginn der russischen Invasion gab es sogar eine Sondergenehmigung für ein russisches Flugzeug, das Atombrennstoff in die Slowakei brachte.

Die Situation hat sich seit 2022 nicht entspannt, sondern verschärft. Frankreich verlor seine wichtigste Uranquelle Niger nach dem Militärputsch 2023, was das Land dazu zwang, über Umwege – teilweise über Deutschland – in großem Stil Uran aus Russland zu kaufen. Die Vorstellung, durch einen Ausbau der Kernenergie die europäische Energiesouveränität zu stärken, ohne gleichzeitig die Abhängigkeit von russischen Nukleardienstleistungen und -produkten zu adressieren, ist bestenfalls naiv, schlimmstenfalls heuchlerisch.

Die politische Chronologie des Opportunismus

Die zeitliche Abfolge von Ursula von der Leyens energiepolitischen Positionierungen legt ein Muster offen, das weniger auf eine evidenzbasierte Neubewertung als auf politischen Opportunismus hindeutet.

Von 2019 bis 2021 verkaufte die Kommissionspräsidentin den Green Deal als erneuerbare Erfolgsgeschichte, in der Kernenergie keine erkennbare Rolle spielte. Der Fokus lag auf Wind, Solar, Wasserstoff, Netzen, Speichern und Energieeffizienz. Der Europäische Grüne Deal war die neue Wachstumsstrategie, bei der in erneuerbare Energien und Algorithmen investiert werden sollte. Der Just Transition Fund, der Fonds für einen gerechten Übergang, zielte auf Kohleregionen ab, nicht auf den Atomausstieg.

Ab 2022 erfolgte der leise Schwenk über die Taxonomie, die Kernenergie als nachhaltige Übergangstechnologie einstufte. Im Februar 2024 startete die Kommission die Europäische Industrieallianz für kleine modulare Reaktoren, die auf eine Beschleunigung der Entwicklung und des Einsatzes von SMR in Europa abzielt. Und im März 2026 folgte das offene Bekenntnis: Der Atomausstieg war ein strategischer Fehler, es lebe die Renaissance der Kernenergie.

Bundeskanzler Friedrich Merz stimmte persönlich zu, Bundesumweltminister Carsten Schneider von der SPD kritisierte die EU-Pläne hingegen als rückwärtsgewandte Strategie, deren Kern aus neuen Subventionen für Atomkraftwerke bestehe. Die deutschen Grünen bezeichneten die Pro-Atom-Wende als das Dümmste, was die EU-Kommission tun könne. Die Argumentation der Grünen: Neue Atomkraftwerke seien aufgrund langer Bauzeiten, hoher Kosten und unkalkulierbarer Risiken keine realistische Option.

Der auffälligste Aspekt dieser Chronologie ist die Abwesenheit einer konsistenten analytischen Grundlage. Von der Leyen hat zu keinem Zeitpunkt eine systematische Kosten-Nutzen-Analyse vorgelegt, die erklärt, warum der Pfad, den sie 2019 als Europas Mondlandung feierte, plötzlich als defizitär gilt. Es gibt keine offizielle Studie der Kommission, die belegt, dass die Klimaziele ohne einen massiven Ausbau der Kernenergie unerreichbar wären. Stattdessen passte sich die Rhetorik den veränderten politischen Windverhältnissen an: Als die Grünen stark waren, sprach man von Erneuerbaren; als die geopolitischen Realitäten und die konservative Verschiebung in Europa die Kernenergie rehabilitierten, entdeckte man die Atomkraft als unverzichtbar.

Deutschlands Stromimporte: Das Argument der Atomkraftgegner und seiner Befürworter

Ein in der deutschen Debatte häufig vorgebrachtes Argument lautet, Deutschland importiere seit dem Atomausstieg massiv Atomstrom aus dem Ausland, was die Entscheidung ad absurdum führe. Die Daten sind differenzierter. Deutschland war 2024 Nettoimporteur von Strom, wobei Frankreich mit 12,9 Terawattstunden der größte Lieferant war, gefolgt von Dänemark mit 12,0 Terawattstunden. 2025 verschob sich das Bild: Dänemark übernahm mit 12,4 Terawattstunden die Führung vor Frankreich mit 11,2 Terawattstunden, gefolgt von den Niederlanden und Norwegen. Der Stromaustauschsaldo lag 2025 bei rund 22 Terawattstunden zugunsten der Importe.

Dass Deutschland Strom importiert, ist an sich kein Zeichen des Scheiterns, sondern Ausdruck eines funktionierenden europäischen Binnenmarkts. Dänemark selbst erzeugt viel Windstrom und wird über Importe mit Wasser- und Atomkraft aus Norwegen und Schweden versorgt. Der deutsche Importstrom ist also keineswegs überwiegend Atomstrom. Gleichzeitig lag der Anteil erneuerbarer Energien am EU-Strom bei 47 Prozent, was die These untergräbt, ohne Atomkraft sei Europas Stromversorgung gefährdet.

Richtig ist allerdings, dass Deutschland durch den Atomausstieg seine Position als Stromexporteur verloren hat und in bestimmten Situationen, etwa bei hoher Nachfrage und geringer Verfügbarkeit erneuerbarer Energien, auf Importe angewiesen ist, die teilweise aus Kernkraftwerken in Frankreich oder Belgien stammen. Dieses Argument hat eine gewisse Berechtigung, muss aber gegen die Tatsache abgewogen werden, dass der europäische Strommarkt als Ganzes funktioniert und die Versorgungssicherheit zu keinem Zeitpunkt ernsthaft gefährdet war.

Die IEA und das globale Bild: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Die Internationale Energieagentur (IEA) nährt das Narrativ einer nuklearen Renaissance, allerdings mit wichtigen Einschränkungen. Laut IEA erreichte die weltweite Stromerzeugung aus Kernenergie 2025 einen neuen Höchststand, getragen von Reaktorwiederinbetriebnahmen in Japan, einer höheren Produktion in Frankreich sowie neuen Kapazitäten in China und Indien. Für die kommenden Jahre prognostiziert die IEA ein durchschnittliches jährliches Wachstum der Kernenergie von 2,8 Prozent bis 2030. Das Interesse an der Kernenergie sei so groß wie seit der Ölkrise in den 1970er-Jahren nicht mehr, über 40 Länder strebten nach einem Ausbau.

Doch die IEA weist auch auf zwei fundamentale Probleme hin. Erstens stütze sich der Ausbau der Kernkraft stark auf chinesische und russische Technik und Ressourcen, was das Risiko künftiger Abhängigkeiten beinhalte. China lege erheblich zu, während klassische Atomstromländer wie die USA und Frankreich mit Kostenüberschreitungen und Verzögerungen kämpften. Zweitens steht dem globalen Wachstum der Kernenergie eine Realität gegenüber, in der die Zahl der Reaktoren weltweit sogar leicht sank: Zu Jahresbeginn 2026 waren 404 Kernkraftwerke in Betrieb, fünf weniger als ein Jahr zuvor. Vier Neuinbetriebnahmen standen sieben Stilllegungen gegenüber.

Die von der Leyen beschworene Renaissance der Kernenergie ist global betrachtet also eher eine Renaissance der Absichtserklärungen als eine Renaissance der tatsächlichen Kapazitäten. Europa verfüge über alles, um das technologische Rennen in der Kernenergie zu gewinnen, sagte sie in Paris und verwies auf eine halbe Million hochqualifizierter Arbeitskräfte im Nuklearbereich. Angesichts des Desasters von Flamanville und der fehlenden kommerziell betriebenen SMR-Projekte in Europa klingt dieser Optimismus allerdings weniger nach evidenzbasierter Einschätzung als nach politischer Wunschvorstellung.

Die europäische Spaltung: 27 Mitgliedstaaten, 27 Meinungen

Ursula von der Leyens Pro-Atom-Wende ignoriert eine fundamentale Tatsache der europäischen Energiepolitik: Es gibt keinen Konsens unter den 27 Mitgliedstaaten. Zwölf EU-Staaten betrieben 2024 Kernkraftwerke, 15 nicht. Österreich und Luxemburg haben nicht nur gegen die Taxonomie-Einstufung geklagt, sondern lehnen Kernenergie grundsätzlich ab. Deutschland hat seinen Atomausstieg vollzogen, und der Rückbau der Anlagen ist nach Aussagen der Betreiber praktisch irreversibel. Taiwan hat 2025 seinen Atomausstieg abgeschlossen. Italien ist bereits seit 1990 atomfrei.

Auf der anderen Seite stehen Frankreich mit einem Anteil von 67,3 Prozent Atomstrom an der Bruttostromerzeugung, die Slowakei mit 61,6 Prozent sowie Ungarn, Bulgarien, Belgien, Finnland und Tschechien mit Anteilen um die 40 Prozent. Polen, Rumänien und Tschechien treiben Planungen für neue Kernkraftwerke einschließlich SMR voran. Diese Länder begrüßen die neue Brüsseler Linie, weil sie ihre nationalen Investitionsentscheidungen legitimiert und ihnen Zugang zu EU-Fördermitteln verschafft.

Von der Leyens Strategie, die mit Emissionshandelsmitteln finanzierte Risikoabsicherung von 200 Millionen Euro für nukleare Investoren, mag in absoluten Zahlen bescheiden wirken. Ihre symbolische Bedeutung ist jedoch erheblich: Sie signalisiert, dass EU-Klimaschutzmittel künftig auch in die Kernenergie fließen können, was den Charakter des Green Deal fundamental verändert. Aus einem Programm, das Erneuerbare und Effizienz ins Zentrum stellte, wird ein technologieoffeneres Konstrukt, in dem Kernenergie gleichberechtigt neben Wind und Solar steht.

Zwischen Sachzwang und Heuchelei: Eine Bewertung

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Kernenergie in einem europäischen Energiemix eine Rolle spielen kann. Sie kann es, und für bestimmte Mitgliedstaaten tut sie es seit Jahrzehnten. Die entscheidende Frage lautet, ob von der Leyens Darstellung des Atomausstiegs als strategischer Fehler eine ehrliche Neubewertung darstellt oder einen Akt politischen Opportunismus, der die eigene Mitverantwortung für den bisherigen Kurs verschleiert.

Die Fakten sprechen eher für Letzteres. Von der Leyen hat als Kommissionspräsidentin den Green Deal nicht nur nicht um eine Pro-Atom-Komponente ergänzt, sie hat ihn aktiv als erneuerbare Erfolgsgeschichte kommuniziert, in der Kernenergie keine strategische Rolle spielte. Sie hat die nationalen Atomausstiege nie öffentlich als problematisch bezeichnet, solange dies politisch inopportun war. Sie hat den REPowerEU-Plan ohne prominente nukleare Komponente vorgelegt, obwohl die Energiekrise die angebliche Unverzichtbarkeit der Kernenergie hätte offensichtlich machen müssen. Und sie präsentiert nun die Kernenergie als Lösung, ohne die massiven ökonomischen Risiken, die unrealistischen Zeitpläne für SMR und die fortbestehende Abhängigkeit von russischer Nukleartechnologie und russischem Uran offen anzusprechen.

Der Green Deal hat den Atomausstieg politisch durchgewunken, indem er ihn als kompatibel mit dem Klimaneutralitätsziel darstellte. Nun verkauft dieselbe Kommissionspräsidentin genau diesen Kurs als strategischen Fehler, ohne zu erklären, warum sie ihn nicht schon 2019 korrigiert hat, als sie die Macht dazu gehabt hätte. Dieses Verhalten ist nicht die intellektuelle Demut einer Politikerin, die aus Fehlern lernt, sondern die Anpassungsfähigkeit einer Machtpolitikerin, die ihre Rhetorik den jeweils vorherrschenden Strömungen anpasst.

Die wahre strategische Frage: Diversifizierung statt Dogma

Jenseits der politischen Glaubwürdigkeitsfrage stellt sich die substanzielle Frage, wie Europa seine Energiezukunft gestalten sollte. Die Antwort liegt weder in einem dogmatischen Festhalten am Atomausstieg noch in einer unkritischen nuklearen Renaissance, sondern in einer evidenzbasierten Diversifizierungsstrategie.

Die Erneuerbaren haben bewiesen, dass sie kostengünstig, schnell skalierbar und von Importabhängigkeiten weitgehend frei sind. Ihre Kosten sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten dramatisch gefallen, und Szenarien, die auf ihren starken Ausbau setzen, sind nach den verfügbaren Studien die ökonomisch günstigste Option für das europäische Stromsystem bis 2050. Gleichzeitig haben sie Schwächen bei der Grundlastfähigkeit und erfordern massive Investitionen in Speicher, Netze und Backup-Kapazitäten.

Die Kernenergie bietet Grundlastfähigkeit und CO2-arme Erzeugung, leidet aber unter systematischen Kosten- und Zeitüberschreitungen bei Neubauten, ungeklärter Endlagerung, Abhängigkeit von russischer Technologie und Brennstoffen sowie dem Risiko großtechnischer Unfälle. Die SMR-Technologie ist vielversprechend, aber kommerziell unbewiesen und wird frühestens in den späten 2030er-Jahren in nennenswertem Umfang verfügbar sein.

Eine rationale europäische Energiepolitik würde anerkennen, dass bestehende und sichere Kernkraftwerke so lange wie vertretbar weiterbetrieben werden sollten, dass der massive Ausbau erneuerbarer Energien die ökonomisch und strategisch überlegene Hauptstrategie bleibt, dass SMR-Forschung gefördert, aber nicht als kurzfristige Lösung verkauft werden sollte, und dass Energiesouveränität eine Diversifizierung aller Abhängigkeiten erfordert, einschließlich der nuklearen Lieferketten. Was Europa nicht braucht, ist eine Kommissionspräsidentin, die ihre strategische Analyse alle paar Jahre den politischen Konjunkturen anpasst und dabei die Kohärenz der eigenen Politik opfert.

Die Kosten der Inkonsistenz

Der eigentliche strategische Fehler, den Ursula von der Leyen begangen hat, ist nicht der Atomausstieg, den sie nie aktiv betrieben hat, sondern die Inkonsistenz ihrer energiepolitischen Kommunikation. Investoren brauchen langfristige Planungssicherheit. Industrieunternehmen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen. Bürgerinnen und Bürger brauchen das Vertrauen, dass politische Entscheidungen auf Fakten und nicht auf Opportunismus beruhen.

Wer 2019 den Green Deal als Mondlandung auf Basis erneuerbarer Energien verkauft und 2026 die Abkehr von der Atomkraft als strategischen Fehler bezeichnet, ohne die Widersprüche aufzulösen, unterminiert genau dieses Vertrauen. Die europäische Energiewende braucht kein neues Dogma, sei es pro oder contra Atom. Sie braucht eine ehrliche, datenbasierte und langfristig konsistente Strategie, die alle verfügbaren Optionen nüchtern bewertet und sich nicht an den politischen Stimmungen des Tages orientiert. Von der Leyens Pariser Auftritt war das Gegenteil davon.

 

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