
Social‑Media‑Bann? Trend zum Social-Media-Verbot: Wie Europa Minderjährige schützen will – Stand und Entwicklung – Bild: Xpert.Digital
Griechenland blockiert, Frankreich und Spanien planen: Der Flickenteppich der Social-Media-Verbote in Europa
Schutz vor Sucht oder Verlust der Teilhabe? Der Streit um digitale Altersgrenzen spitzt sich zu
Europa erlebt derzeit eine dynamische politische Debatte über die Zukunft von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum. Inspiriert vom weltweiten Vorstoß Australiens, wächst in der Europäischen Union der Druck, den Zugang von Minderjährigen zu sozialen Netzwerken wie TikTok, Instagram und Snapchat drastisch einzuschränken. Getrieben von alarmierenden Forschungsergebnissen zu psychischen Belastungen, Suchtverhalten durch “endloses Scrollen” und Cybermobbing, suchen die Mitgliedsstaaten nach wirksamen Schutzmechanismen. Doch der Weg dorthin ist alles andere als einheitlich: Während das EU-Parlament ein generelles Mindestalter von 16 Jahren fordert und die Kommission an technischen Lösungen zur Altersverifikation arbeitet, schaffen Fakten vor Ort bereits eine fragmentierte Realität.
Griechenland hat als Vorreiter bereits ein Verbot für unter 16-Jährige umgesetzt, Frankreich und Spanien stehen mit ähnlichen Gesetzesvorhaben für 15- beziehungsweise 16-Jährige kurz vor der Einführung. Andere Länder wie Dänemark oder Österreich diskutieren differenzierte Modelle mit elterlicher Zustimmung, während Deutschland sich angesichts komplexer technischer und medienpädagogischer Fragen noch zurückhaltend zeigt. Die zentrale Herausforderung bleibt dabei überall gleich: Wie lässt sich ein wirksamer Schutz vor manipulativen Plattform-Designs und schädlichen Inhalten technisch durchsetzen, ohne die digitale Teilhabe und die Entwicklung von Medienkompetenz der Jugendlichen vollständig zu unterbinden? Die Diskussion bewegt sich in einem schwierigen Spannungsfeld zwischen notwendiger Repression gegenüber Tech-Konzernen und den Freiheitsrechten der jungen Generation.
Rahmen der Debatte in der EU
In der Europäischen Union wird die Frage, ab welchem Alter Kinder und Jugendliche soziale Netzwerke nutzen dürfen, seit 2024/2025 immer deutlicher als politischer Schwerpunkt behandelt. Ausschlaggebend war zunächst der weltweite Vorstoß Australiens, das als erstes Land ein umfassendes Verbot für unter 16‑Jährige eingeführt hat. Dieses Modell hat in der EU als politischer Orientierungspunkt gedient und sowohl die Kommission als auch mehrere Mitgliedstaaten dazu animiert, eigene Regeln zu diskutieren oder bereits zu verabschieden.
Das Europäische Parlament hat im November 2025 einen Initiativbericht verabschiedet, in dem unter anderem ein einheitliches Mindestalter von 16 Jahren für soziale Medien gefordert wird. Zugleich soll für Kinder und Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren die Nutzung nur mit elterlicher Zustimmung erlaubt sein. Dieser Beschluss ist jedoch bisher nicht rechtsverbindlich, sondern richtet sich an die EU‑Kommission und fordert sie auf, konkrete Vorschläge für ein gesetzliches Mindestalter und eine verpflichtende Altersverifikation zu entwickeln.
Die Debatte in Brüssel stützt sich auf Forschungsergebnisse, wonach etwa ein Viertel der Minderjährigen in Europa ein „problematisches“ Smartphone‑ und Social‑Media‑Nutzungsverhalten zeigt. Kritikpunkte gelten vor allem endlos scrollenden Feeds, automatischen Autoplay‑Funktionen, aggressiven Empfehlungsalgorithmen und monetären Rewardsystemen, die eine exzessive Nutzung begünstigen sollen. Die EU‑Staaten fordern auf Gipfelebene, dass Kinder und Jugendliche wirksamer vor psychischen Belastungen, Online‑Mobbing, sexualisierter Gewalt und manipulativer Inhalte geschützt werden – und sehen dabei auch gesetzliche Zugangsbeschränkungen als eine Option.
Europäische Gesetzesrahmen: DSA und geplante Ergänzungen
Zentrales Instrument ist der Digital Services Act (DSA), der seit Februar 2024 gilt. Für „very large online platforms“ (sehr große Online‑Plattformen) verpflichtet der DSA diese, systematische Risikoanalysen für Kinder und Jugendliche vorzunehmen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, etwa spezielle Kinderschutz‑Settings, Altersverifikation und verstärkte Moderation. Allerdings wird kritisiert, dass diese Regelungen nicht ausreichen, um bestimmte Schadpraktiken wie addictive Design‑Elemente oder übermäßig personalisierte Werbung bei Jugendlichen vollständig zu bannen.
Vor diesem Hintergrund drängen Europaparlament und mehrere Regierungen auf eine intensivere Ergänzung der Regeln. Geplant sind unter anderem:
- einheitliche Altersgrenzen für Social Media,
- ein verpflichtender Einsatz von Altersverifikationssystemen,
- ein Verbot bestimmter suchtfördernder Funktionsmerkmale für Minderjährige, etwa endloses Scrollen oder Autoplay‑Videos,
- sowie eine stärkere Haftung und gegebenenfalls Sanktionen bis hin zu Zugangsbeschränkungen für Plattformen, die den Vorgaben nicht nachkommen.
Parallel arbeitet die EU‑Kommission an einer Verifizierungs‑App, mit der Nutzerinnen und Nutzer überprüfen können, ob sie das Mindestalter überschreiten, ohne ihr genaues Geburtsdatum offenzulegen. Diese App befindet sich in der Testphase und soll als technische Grundlage für eine europaweite Alterskontrolle dienen.
Frankreich: Verbot für unter 15‑Jährige auf dem Weg
In Frankreich ist der Streit um ein Social‑Media‑Verbot für Kinder am weitesten fortgeschritten. Die Regierung von Präsident Emmanuel Macron hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der vorsieht, dass Online‑Plattformen wie Instagram, TikTok, Facebook und Snapchat für Kinder unter 15 Jahren nicht mehr zugänglich sein sollen. Die Nationalversammlung hat das Kernprinzip eines Verbots für unter 15‑Jährige bereits beschlossen; der Gesetzesentwurf muss nun noch den Senat passieren und gilt dann voraussichtlich ab dem 1. September 2026, also dem Ende der Sommerferien.
Ausgenommen von dem Verbot sind Bildungs‑ und Wissenschaftsangebote, Online‑Lexika sowie private Messenger‑Dienste wie WhatsApp oder Messenger‑Funktionen von Plattformen. Die Begründung der Regierung beruft sich auf zahlreiche Studien, die einen Zusammenhang zwischen intensiver Social‑Media‑Nutzung und psychischen Belastungen, Veränderungen des Schlafverhaltens, Online‑Mobbing und dem Zugang zu problematischen Inhalten feststellen.
Die rechtliche Umsetzung steht jedoch unter Vorbehalt des Digital Services Act und möglicher Prüfungen durch den Europäischen Gerichtshof. Frankreich hat sich damit als einer der führenden Staaten in Europa positioniert, die Altersgrenzen für Online‑Plattformen explizit per Gesetz festlegen wollen.
Griechenland: bereits durchgesetztes Verbot für unter 16‑Jährige
Griechenland ist in Europa bislang das einzige Land, in dem ein Social‑Media‑Verbot für Kinder und Jugendliche bereits in Kraft ist. Ab Ende Oktober 2025 wurden soziale Netzwerke wie Facebook, TikTok, Instagram und X (ehemals Twitter) für alle Nutzer unter 16 Jahren blockiert. Die Umsetzung erfolgt über eine staatliche App, die auf Smartphones unter 16‑Jährigen die Zugriffe auf soziale Medien unterbindet; Messenger‑Dienste bleiben in der Regel weiterhin nutzbar.
Die griechische Regierung begründet die Regelung mit dem Schutz vor psychischen Belastungen, Online‑Mobbing und dem Zugang zu gewaltfördernden oder sexualisierten Inhalten. Gleichzeitig betont sie, dass Kinder nicht komplett aus dem Internet ausgeschlossen werden sollen, sondern dass sie auf sichere Bildungs‑ und Kommunikationsangebote zugreifen können.
Das griechische Modell hat in anderen EU‑Staaten, etwa in Spanien und Portugal, als Beispiel für eine flächendeckende technische Umsetzung gedient. Kritiker sehen jedoch Bedenken hinsichtlich der technischen Überwachbarkeit und der praktischen Durchsetzbarkeit; insbesondere alternative Geräte oder VPN‑Nutzung könnten die Blockade umgehen.
Spanien: geplantes Verbot für unter 16‑Jährige
In Spanien ist ein ähnlich umfassendes Verbot für unter 16‑Jährige angekündigt worden. Die Regierung plant, dass Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren keinen direkten Zugang zu sozialen Netzwerken wie Instagram, TikTok oder Facebook mehr haben sollen. Premier Pedro Sánchez hat betont, dass dieses Vorgehen im Einklang mit der EU‑Richtlinie zum Schutz von Minderjährigen stehen solle und zugleich stärker auf die Verantwortung der Plattformen setze, Altersverifikationen zu implementieren.
Spanien positioniert sich damit als Teil einer „Koalition der digital ordnungspolitisch Willigen“, die sich für gemeinsame Altersgrenzen in der EU einsetzen. Gleichzeitig wird in Madrid diskutiert, wie die Haftung von Social‑Media‑Betreibern für rechtswidrige Inhalte wie Hassrede oder Kindesmissbrauch verschärft werden kann.
Noch ist der spanische Gesetzesentwurf nicht vollständig umgesetzt, doch die politische Zielsetzung – ein technisch durchsetzbares Verbot für unter 16‑Jährige – ist klar definiert.
Dänemark: Altersgrenze von 15 Jahren mit Elterneinwilligung
In Dänemark wird ein nationales Modell diskutiert, das ebenfalls eine Altersgrenze von 15 Jahren für den Zugang zu bestimmten sozialen Netzwerken vorsieht. Kinder unter 15 Jahren sollen keinen uneingeschränkten Zugang zu Plattformen wie Instagram oder TikTok mehr haben; für 13‑ bis 14‑Jährige soll eine Ausnahme mit elterlicher Zustimmung möglich sein.
Die dänische Regierung argumentiert, dass Kinder und Jugendliche so vor primären wirtschaftlichen Interessen der Plattformbetreiber und vor psychischen Belastungen geschützt werden sollen, die sich in Konzentrationsproblemen, Schlafstörungen und erhöhter psychischer Belastung zeigen. Die Debatten im Parlament sind weitgehend konfliktfrei verlaufen, da die meisten Parteien das Konzept eines „digitalen Schutzraums“ für Kinder teilen.
Gleichzeitig wird kritisch angemerkt, dass die Durchsetzung einer Altersgrenze in einer globalen Plattformlandschaft technisch anspruchsvoll ist und die Rolle von Eltern und Schulen bei der Medienkompetenzbildung stärker betont wird.
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Mehr dazu hier:
Europa vor der Wende: Kommt das generelle Social-Media-Verbot für Kinder?
Andere EU‑Staaten: Debatten und Entwürfe
Mehrere weitere EU‑Staaten prüfen oder diskutieren ähnliche Regelungen, gehen aber teils vorsichtiger vor als Frankreich, Griechenland oder Spanien.
- Österreich erwägt, das Mindestalter für den uneingeschränkten Zugang zu sozialen Netzwerken auf 14 Jahre zu senken, während die Nutzung für jüngere Kinder strenger kontrolliert werden soll. Die Regierung hat Signalwirkungen nach Frankreich und Spanien beobachtet, verweist aber auf die Notwendigkeit eines institutionellen Rahmens, der die Unabhängigkeit der Justiz und die Meinungsfreiheit berücksichtigt.
- Portugal hat einen Gesetzentwurf eingebracht, der vorsieht, dass Kinder unter 16 Jahren nur mit ausdrücklicher elterlicher Zustimmung soziale Netzwerke nutzen können. Diese Regelung würde die bestehenden Nutzungsbedingungen von Plattformen ergänzen, die bereits ein Mindestalter von 13 Jahren fordern, aber in der Praxis kaum kontrolliert werden.
- Italien debattiert strengere Altersgrenzen, insbesondere im Zusammenhang mit der Plattformkontrolle und der Bekämpfung von Schock‑Inhalten und gewaltverherrlichender Werbung. Bisher ist jedoch kein eigenständiges Verbot wie in Griechenland oder Frankreich verabschiedet worden.
Insgesamt zeigt sich, dass die EU‑Staaten in eine Richtung ziehen, in der Altersgrenzen, Altersverifikation und der Schutz vor psychischen Belastungen zentrale Elemente der Regulierung werden. Gleichzeitig wird die Forderung laut, dass die EU‑Ebene einheitliche Standards setzt, um nationale Sonderregelungen zu vermeiden und die Umsetzung für Plattformbetreiber handhabbar zu halten.
Deutschland: Beratung und politische Positionen
In Deutschland gibt es bislang kein generelles Social‑Media‑Verbot für Kinder und Jugendliche. Die Bundesregierung sieht zwar einen Handlungsbedarf beim Jugendschutz im Internet, hält aber kurzfristig keine gesetzliche Festsetzung eines Mindestalters von 16 Jahren für realistisch. In einer öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses wurde betont, dass die rechtlichen, praktischen und medienpädagogischen Fragen zu komplex seien, als dass ein einfaches Verbot sofort umsetzbar wäre.
Die CDU hat jedoch einen Antrag auf den Bundestagsparteitag eingebracht, in dem ein gesetzliches Mindestalter von 16 Jahren für offene Social‑Media‑Plattformen mit verpflichtender Altersverifikation gefordert wird. Begründet wird dies mit dem Schutz vor psychischer Belastung, Hassrede, extremistischer Propaganda und manipulativer Werbung. Die SPD lehnt dieser Linie gegenüber eher ab und argumentiert, ein flächendeckendes Verbot sei realitätsfern und könne die Medienkompetenzbildung behindern.
Parallel zur politischen Debatte wurde eine Expertenkommission eingesetzt, die die Risiken und Chancen von Social Media für Minderjährige untersucht und Empfehlungen für rechtliche und pädagogische Maßnahmen erarbeitet. Diese Kommission soll bis Herbst 2025 konkrete Vorschläge vorlegen, die als Grundlage für eine potenzielle Gesetzesänderung dienen könnten.
Technische Umsetzung und praktische Herausforderungen
Ein zentrales Problem bei jedem Social‑Media‑Verbot ist die technische Umsetzung. Die meisten Plattformen verlangen bereits ein Mindestalter von 13 Jahren in den Nutzungsbedingungen, doch die Praxis zeigt, dass Kinder ihr Geburtsdatum häufig fälschen, um Accounts zu nutzen. Ohne verbindliche Altersverifikation ist ein Verbot in der Praxis nur schwer durchsetzbar.
Die EU‑Kommission und mehrere Mitgliedstaaten setzen daher auf eine Kombination aus:
- verpflichtender Altersverifikation (online oder über Apps),
- Verifizierungstools, die ohne Übergabe sensibler Daten funktionieren,
- Verboten von Plastischen IDs für Kinder und Jugendliche und
- Partnerschaften mit Schulen und Kommunen, um Verbote zu unterstützen.
Kritiker weisen darauf hin, dass jede Form der Alterskontrolle Fragen zur Datenschutz und Überwachung aufwirft. Zugleich wird betont, dass technische Blockaden nur ein Teil der Lösung sind; Medienkompetenz, Elternarbeit, Schulcurricula und fachliche Beratung bleiben entscheidend.
Effekte, Kritik und gesellschaftliche Diskussion
Die Einführung von Social‑Media‑Verboten für Kinder und Jugendliche ist hochumstritten. Befürworter argumentieren, dass solche Verbote eine nötige Schutzmaßnahme gegen psychische Belastungen, Online‑Mobbing, Essstörungen, Schlafstörungen und extremistische Inhalte darstellen. Australien und Deutschland haben als Beispiel für positive Effekte angeführt, dass seit Einführung des Verbots mehrere Millionen Zugänge von unter 16‑Jährigen gesperrt wurden und die Nutzung von bestimmten Plattformen durch Jugendliche deutlich abgenommen hat.
Kritiker sehen dagegen Risiken:
- Kinder und Jugendliche könnten sich in weniger kontrollierte Räume oder Dark‑Netzwerke zurückziehen.
- Ein Verbot könnte die Entwicklung von Medienkompetenz behindern und die Nutzung nicht reduzieren, sondern nur in den Hintergrund verdrängen.
- Plattformbetreiber könnten nach einem Verbot ihre bereits vorhandenen Jugendschutz‑Maßnahmen zurückfahren, weil sie sich auf die gesetzliche Blockade verlassen.
- Kinder und Jugendliche bekämen weniger Gelegenheit, bewusst und verantwortungsvoll mit digitalen Medien umzugehen, was die Medienkompetenz langfristig schwächen könnte.
Medienpädagogische Fachstellen und Jugendorganisationen warnen daher vor einem reinen Repressionsansatz. Sie betonen, dass soziale Medien nicht nur Risiken, sondern auch wichtige Räume für Austausch, Identitätsentwicklung, politische Teilhabe und kreative Ausdrucksformen bieten. Eine reine Sperrung könne Probleme verlagern, ohne an die Ursachen zu gehen – etwa manipulative Designs, Suchtmechanismen oder fehlende medienpädagogische Unterstützung in Schulen und Familien.
Positionen der Jugendlichen
Die Jugendlichen selbst sind in der Debatte gespalten. Viele setzen Social Media als essenziellen Teil ihres Alltags und ihrer sozialen Verbindung – sie organisieren Treffen, tauschen sich über schulische Themen oder politische Fragen aus und nutzen die Plattformen als kreative Ausdrucksräume. Gleichzeitig berichten viele von massiven Ablenkungen, Konzentrationsproblemen, Schlafmangel und dem Gefühl, in Schleifen von Scrolls und Videos gefangen zu sein.
Teilweise zeigen Interviewstudien, dass Jugendliche selbst die Notwendigkeit von Grenzen sehen, aber eher auf verbindliche Schulfestlegungen, klare Regeln zu Hause oder bessere Medienkompetenz setzen als auf ein pauschales gesetzliches Verbot. Einige befürchten, dass ein Verbot zu einem „Versteckspiel“ mit Eltern und Schulen führe, anstatt ihnen zu helfen, sich selbstbewusst und kritisch im digitalen Raum zu bewegen.
Politische und gesellschaftliche Einordnung
Die europäische Debatte um Social‑Media‑Verbote ist inzwischen Teil eines breiteren Diskurses über digitale Selbstbestimmung, Kinderrechte und Plattformregulierung. Einerseits wird argumentiert, dass Heranwachsende ein Recht auf Schutz vor psychischer Überlastung, Mobbing und manipulativen Geschäftsmodellen haben. Andererseits wird betont, dass Kinder und Jugendliche gleichzeitig ein Recht auf digitale Teilhabe, auf Bildung und auf die Entwicklung von Medienkompetenz haben – und dass Letzteres ohne Zugang zu digitalen Räumen nur schwer möglich ist.
Viele Akteure plädieren daher für einen gemischten Ansatz:
- klare gesetzliche Altersgrenzen und verbindliche Regeln für Plattformen,
- eine verstärkte technische Umsetzung von Jugendschutz‑Features (Filter, Zeitlimits, Abschaltungen),
- mehr Bildung und medienpädagogische Angebote in Schulen und außerschulischen Einrichtungen sowie
- eine stärkere Beteiligung der Kinder und Jugendlichen selbst bei der Gestaltung von Regeln und Design‑Prinzipien.
Fragmentierter, aber dynamischer Weg in Europa
Aktuell gibt es in Europa keinen einheitlichen Social‑Media‑Bann für Minderjährige, aber eine deutliche Tendenz zu Altersgrenzen und verstärkten Blockaden für Jugendliche unter 15 oder 16 Jahren. Griechenland ist den Schritt bereits vollständig gegangen und hat ein Verbot für unter 16‑Jährige durchgesetzt, während Frankreich und Spanien in ähnliche Richtung unterwegs sind. Weitere Staaten wie Dänemark, Portugal und Österreich prüfen oder diskutieren Altersgrenzen, meist mit der Möglichkeit elterlicher Zustimmung für jüngere Jugendliche.
Auf EU‑Ebene liegt der Fokus auf der Entwicklung eines gemeinsamen Rahmens, der Altersverifikation, Mindestalter und einheitliche Schutzmaßnahmen verbindlich macht, ohne dass jedes Land eine eigene Blockadeinfrastruktur aufbauen muss. Gleichzeitig wird die Rolle von Medienkompetenz, elterlicher Begleitung und schulischer Bildung wieder stärker ins Zentrum gerückt, um Verbote nicht zu einem Selbstzweck, sondern zu einem Teil eines breiteren Schutzes zu machen.
Die Entwicklung in Europa ist damit noch im Fluss: Es gibt bereits erste nationale Verbote, viele weitere Länder befinden sich in Gesetzesentwürfen oder öffentlicher Diskussion, und auf EU‑Ebene wird ein längerfristiges, verbindlicheres Regelwerk vorbereitet. Die Frage, ob ein Social‑Media‑Bann für Minderjährige in Europa langfristig flächendeckend durchgesetzt wird oder ob sich die Politik eher auf differenzierte Regeln, Altersgrenzen und Bildungsansätze konzentriert, bleibt daher weiterhin offen – aber die Richtung ist klar: Der Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum wird als zentrale politische Aufgabe verstanden, die in den kommenden Jahren weiter verschärft und konkretisiert werden wird.
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