Systemkrise vs. Dauer-Frust: Die erschreckenden Parallelen zwischen den USA und Deutschland
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Xpert.Digital bei Google bevorzugen ⓘVeröffentlicht am: 24. Februar 2026 / Update vom: 4. April 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Systemkrise vs. Dauer-Frust: Die erschreckenden Parallelen zwischen den USA und Deutschland – Bild: Xpert.Digital
Amerika im Stimmungstief: 57 Prozent sehen die Nation im Niedergang
Trump-Schock und Merz-Tief: Warum die USA und Deutschland zeitgleich wackeln
Wir schreiben den Februar 2026, und die politische Großwetterlage beiderseits des Atlantiks ist geprägt von einer tiefgreifenden Ernüchterung. Kurz vor der prestigeträchtigen State-of-the-Union-Ansprache von US-Präsident Donald Trump offenbart eine brisante Umfrage einen alarmierenden Befund: 57 Prozent der Amerikaner halten den Zustand ihrer Nation für schwach. Trotz eines makroökonomisch soliden Wirtschaftswachstums treiben spürbare Inflationsschübe durch aggressive Zollvorgaben, der drastische Staatsumbau unter Elon Musks „DOGE“-Initiative und die wachsende Sorge um die demokratischen Grundfesten das Land in eine beispiellose Zerreißprobe. Das Vertrauen in die klassischen Institutionen und die Gewaltenteilung erodiert in einem rasanten Ausmaß – und das sogar bis weit ins republikanische Lager hinein.
Doch dieser massive Vertrauensverlust ist kein rein amerikanisches Phänomen. Ein Blick nach Deutschland offenbart verblüffende und zugleich erschreckende Parallelen: Auch hierzulande stürzen die Zufriedenheitswerte der schwarz-roten Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz auf historische Tiefstände ab. Während die USA jedoch mit einer handfesten System- und Institutionenkrise ringen, bei der die Exekutive selbst das Fundament der Gewaltenteilung attackiert, leidet Deutschland unter einer lähmenden Performanzkrise und Dauer-Stagnation. Dieser Artikel beleuchtet die Anatomie einer doppelten nationalen Frustration und zeigt auf, warum zwei der wichtigsten Demokratien der Welt derzeit gegen den schleichenden Entzug des gesellschaftlichen Vertrauens ankämpfen müssen – bevor sich der Frust bei den nächsten Wahlen endgültig entlädt.
Wenn die eigene Bevölkerung das Vertrauen verliert, wackelt mehr als nur eine Umfrage
Die Vereinigten Staaten von Amerika erleben im Februar 2026 einen bemerkenswerten Moment politischer Selbstwahrnehmung. Wenige Stunden vor der mit Spannung erwarteten State-of-the-Union-Ansprache von Präsident Donald Trump am 24. Februar 2026 zeichnet eine breit angelegte Umfrage von NPR, PBS News und dem Marist-Institut ein ernüchterndes Bild: 57 Prozent der befragten US-Bürger bezeichnen den Zustand der Nation als nicht stark oder sogar als überhaupt nicht stark. Das ist kein statistisches Rauschen, sondern ein Befund mit Substanz, der sich aus konkreten ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen speist. Parallel dazu ergibt eine Umfrage der Washington Post, ABC News und Ipsos eine Missbilligungsrate von 60 Prozent für Trumps Amtsführung insgesamt, wobei 47 Prozent eine starke Missbilligung äussern. Noch dramatischer fällt das Urteil bei konkreten Politikfeldern aus: Nur 32 Prozent der Befragten billigen Trumps Umgang mit der Inflation, lediglich 34 Prozent seine Zollpolitik.
Diese Zahlen sind mehr als nur ein Momentbild. Sie verdichten sich zu einem Narrativ des institutionellen Vertrauensverlustes, das weit über parteipolitische Linien hinausgeht und in seiner Tiefe durchaus Parallelen zur deutschen Stimmungslage aufweist, wenngleich die Ursachen und Kontexte erheblich divergieren.
Anatomie einer nationalen Ernüchterung: Was die 57 Prozent konkret antreibt
Die 57 Prozent, die den Zustand der Union als schwach bewerten, setzen sich aus mehreren, sich gegenseitig verstärkenden Unzufriedenheitsschichten zusammen. Am offensichtlichsten wirkt die ökonomische Dimension. Obwohl die US-Wirtschaft im dritten Quartal 2025 mit einer annualisierten Rate von 4,3 Prozent gewachsen ist und Goldman Sachs für 2026 ein BIP-Wachstum von 2,5 Prozent prognostiziert, kommt dieses Wachstum bei vielen Bürgern nicht an. Die Verbraucherpreise stiegen 2025 um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wobei die von Trump eingeführten Zölle nach Berechnungen von Ökonomen allein rund 0,7 Prozentpunkte zur Inflation beigetragen haben. Ohne die Zolleffekte hätte die Inflationsrate bei etwa 2,2 Prozent gelegen und damit deutlich näher am Ziel der US-Notenbank.
Die Zollpolitik, ein Kernelement von Trumps wirtschaftspolitischer Agenda, hat 2025 insgesamt 287 Milliarden Dollar an Zolleinnahmen generiert. Während Unternehmen zunächst rund 80 Prozent der Zollkosten absorbierten, prognostiziert JPMorgan, dass dieser Anteil 2026 auf nur noch 20 Prozent sinken könnte, was einen spürbaren Preisschub bei Konsumgütern, insbesondere bei Lebensmitteln und Waren mit geringen Gewinnmargen, auslösen dürfte. Die Preise für importierte Waren stiegen zwischen März und September 2025 bereits um rund 5,4 Prozent, während inländische Güter um 3 Prozent über dem Vortrend lagen. Besonders einkommensschwache Haushalte sind betroffen, da sie überproportional günstigere Produkte kaufen, bei denen die Zollbelastung stärker durchgereicht wird.
Hinzu kommt ein historischer Einschnitt: Am 20. Februar 2026, nur vier Tage vor der State-of-the-Union-Rede, erklärte der Supreme Court mit einer Mehrheit von sechs zu drei Stimmen Trumps weitreichende Notstandszölle nach dem International Emergency Economic Powers Act für verfassungswidrig. Oberrichter John Roberts formulierte, die Verfassungsväter hätten keinerlei Steuerhoheit bei der Exekutive angesiedelt und der Präsident müsse eine klare Ermächtigung durch den Kongress nachweisen, um derart weitreichende Zölle zu erheben. Trump reagierte umgehend mit einem neuen 10-Prozent-Globalzoll unter einer anderen Rechtsgrundlage, dem Trade Act von 1974, der für 150 Tage gelten soll. Doch die politische Beschädigung war bereits eingetreten.
Die Erosion institutionellen Vertrauens: Checks and Balances unter Druck
Die ökonomische Unzufriedenheit allein erklärt die Tiefe der Malaise jedoch nicht. Was die Marist-Umfrage besonders alarmierend macht, ist der rapide Verfall des Vertrauens in die Funktionsfähigkeit der demokratischen Institutionen. 68 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass das System der Gewaltenteilung zwischen Präsident, Kongress und Justiz nicht gut funktioniert, ein Anstieg von zwölf Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Seit Dezember 2024, also kurz vor Trumps Rückkehr ins Weisse Haus, hat sich der Anteil der Skeptiker sogar verdoppelt.
Bemerkenswert ist, dass dieser Vertrauensverlust alle politischen Lager erfasst. Natürlich liegen Demokraten mit einem Rückgang um 45 Punkte und Unabhängige mit 34 Punkten vorn, doch selbst Republikaner verzeichnen einen Rückgang von 19 Prozentpunkten beim Vertrauen in die Checks and Balances. Diese Entwicklung spiegelt sich in der breiteren Wahrnehmung wider: 78 Prozent aller Befragten sehen eine ernsthafte Bedrohung der Demokratie, ein Wert, der parteiübergreifend von mindestens sechs von zehn Befragten geteilt wird, darunter auch 61 Prozent der Republikaner.
Politikwissenschaftler von Harvard und der Universität Toronto argumentierten bereits Ende 2025 in der Zeitschrift Foreign Affairs, die USA seien unter Trump in einen Zustand des kompetitiven Autoritarismus abgeglitten, in dem zwar Wahlen stattfinden, die Regierungspartei aber ihre Macht nutze, um die Opposition mundtot zu machen und das politische Spielfeld zu ihren Gunsten zu verzerren. Ob man diese These teilt oder nicht, sie zeigt die Tiefe der akademischen Besorgnis.
Der Faktor DOGE: Staatszerschlagung als Regierungsprogramm
Ein konkreter Katalysator des Vertrauensverlustes ist die systematische Verkleinerung des Bundesapparates unter dem Etikett des Department of Government Efficiency, kurz DOGE, das de facto von Elon Musk geleitet wird. Seit Trumps Amtsantritt im Januar 2025 haben über 352.000 Bundesbedienstete den Staatsdienst verlassen. Nach Berücksichtigung von Neueinstellungen schrumpfte die Bundesbelegschaft netto um rund 242.000 Personen, was einer Reduktion von etwa zehn Prozent entspricht. Betroffen waren insbesondere die US-Agentur für internationale Entwicklung (USAID), das Verbraucherschutzbüro, das Bildungsministerium und das Gesundheitsministerium.
Für das Jahr 2026 sind weitere Einschnitte geplant. Das Veteranenministerium beabsichtigt, bis zu 35.000 Stellen im Gesundheitswesen zu streichen, nachdem es 2025 bereits fast 30.000 Mitarbeiter verloren hat. Die menschlichen Kosten dieser Politik sind erheblich. Ehemalige Bundesbedienstete berichten von chaotischen, schwierigen und verheerenden Umständen, von Schwierigkeiten bei der Jobsuche und finanziellen Engpässen. Etwa ein Drittel der über ein Vermittlungsprogramm platzierten Bundesangestellten musste in einen anderen Bundesstaat umziehen, zehn Prozent davon quer durch das Land.
Die Protestwellen, die das Land durchziehen, dokumentieren das Ausmass der gesellschaftlichen Polarisierung. Im Jahr 2025 wurden über 10.700 Proteste registriert, ein Anstieg um 133 Prozent gegenüber den 4.588 Protesten im vergleichbaren Zeitraum von Trumps erster Amtszeit 2017. Diese Demonstrationen fanden nicht nur in liberalen Metropolen statt, sondern erstmals auch flächendeckend in konservativen und ländlichen Gebieten.
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Vertrauenskrise auf zwei Kontinenten: Warum Amerikaner und Deutsche ihrer Politik misstrauen
Die parteipolitische Bruchstelle: Eine Nation, zwei Wirklichkeiten
Die tiefste Kluft in den Umfragedaten verläuft entlang der Parteilinien. Während 79 Prozent der Demokraten und 68 Prozent der Unabhängigen den Zustand der Nation als schwach bewerten, sind es bei den Republikanern lediglich 23 Prozent. Umgekehrt glauben 77 Prozent der Republikaner, die Vereinigten Staaten stünden auf solidem Fundament. Auch bei der Frage, ob es dem Land schlechter gehe als vor einem Jahr, zeigt sich die Polarisierung: 90 Prozent der Demokraten und 68 Prozent der Unabhängigen bejahen dies, während 82 Prozent der Republikaner das Gegenteil behaupten.
Jenseits der Parteizugehörigkeit treten weitere Trennlinien hervor. Der Bildungsgrad spielt eine zentrale Rolle: 69 Prozent der Befragten mit Hochschulabschluss bezeichnen den Zustand der Nation als schwach, während Befragte ohne akademischen Abschluss exakt gespalten bei 50 zu 50 liegen. Frauen bewerten die Lage zwölf Prozentpunkte negativer als Männer, mit 63 Prozent gegenüber 51 Prozent. Zu den Gruppen, die den Zustand am pessimistischsten einschätzen, gehören Personen über 60 Jahre und Frauen in Kleinstädten und Vororten.
Auch Trumps eigenes Lager zeigt Risse. Laut einer CNN-Umfrage sank die Zustimmungsrate unter Republikanern auf 82 Prozent, ein Rückgang um acht Punkte gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil derjenigen, die seine Arbeit stark billigen, fiel in der Washington-Post-Umfrage sogar von 63 Prozent auf 48 Prozent. Bei Unabhängigen erreichte Trumps Zustimmung in der CNN-Erhebung einen neuen Tiefstand.
Deutschland im Vergleich: Andere Ursachen, ähnliche Malaise
Die Frage, ob die Deutschen ihren eigenen Zustand ähnlich negativ bewerten, lässt sich mit einem differenzierten Ja beantworten. Die Unzufriedenheit ist vergleichbar hoch, speist sich aber aus anderen Quellen.
Im ARD-DeutschlandTrend vom Februar 2026 sind lediglich 21 Prozent der Befragten mit der Arbeit der schwarz-roten Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz zufrieden, während die Unzufriedenheit bei rund 78 Prozent liegt. Eine YouGov-Erhebung ebenfalls vom Februar 2026 kommt auf nur 22 Prozent Zufriedenheit bei 75 Prozent Unzufriedenheit und markiert damit den schlechtesten Wert seit Regierungsantritt. Merz selbst erreicht laut RTL/ntv-Trendbarometer mit 23 Prozent Zufriedenheit ein Allzeittief. Laut einer INSA-Umfrage im Auftrag der Bild-Zeitung sind rund zwei Drittel der Deutschen mit der Arbeit des Kanzlers und der Regierung unzufrieden. 35 Prozent attestieren Merz sogar eine schlechtere Arbeit als seinem Vorgänger Olaf Scholz.
Die Ursachen liegen jedoch weniger in einer Demokratiekrise als vielmehr in einer anhaltenden wirtschaftlichen Schwächephase. Die deutsche Wirtschaft wuchs 2025 lediglich um 0,2 Prozent, nachdem sie zwei Jahre in Folge geschrumpft war. Für 2026 prognostiziert die Bundesbank ein Wachstum von nur 0,6 Prozent, das ifo-Institut geht von 0,8 Prozent aus. Eine Umfrage der Stiftung für Zukunftsfragen ergab, dass 78 Prozent der Deutschen pessimistisch auf die wirtschaftliche Entwicklung blicken. Die EY-Verbraucherstudie zeigt, dass 49 Prozent der Befragten eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage erwarten, während nur 16 Prozent optimistisch sind.
Drei Viertel der Deutschen (76 Prozent) bewerten laut Körber-Stiftung die wirtschaftliche Lage als weniger gut oder schlecht. 62 Prozent bezweifeln, dass Deutschland die bevorstehenden Transformationsaufgaben bewältigen kann, zwölf Prozentpunkte mehr als noch 2023. Das Konsumklima (GfK/NIM) liegt im Februar 2026 bei minus 24,1 Punkten, ein zwar leicht verbesserter, aber weiterhin auf historisch niedrigem Niveau befindlicher Wert. NIM-Experte Rolf Bürkl warnte, die geopolitischen Spannungen und eine Eskalation der Handelskonflikte könnten die Stimmung schnell wieder kippen.
Demokratieverständnis im Vergleich: Fundamental anders gelagert
Beim Thema Demokratie zeigt sich ein aufschlussreicher Unterschied. In den USA sehen 78 Prozent eine ernsthafte Bedrohung der Demokratie, und 68 Prozent halten die Gewaltenteilung für dysfunktional. In Deutschland liegt die grundsätzliche Zustimmung zur Idee der Demokratie bei 98 Prozent, und 60 Prozent sind mit dem Funktionieren der Demokratie zufrieden. Gleichzeitig bewerten allerdings 71 Prozent die Entwicklung der Demokratie in den vergangenen zehn Jahren als negativ, und die Körber-Stiftung ermittelte für 2025, dass 53 Prozent der Deutschen nur geringes oder wenig Vertrauen in die Demokratie haben.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Zielrichtung der Kritik. In den USA richtet sich die Sorge auf die Aushöhlung demokratischer Institutionen durch die Exekutive selbst, auf die Entlassung unabhängiger Kontrollinstanzen, den Umbau des Staatsapparates und die Konfrontation mit der Justiz. In Deutschland richtet sich die Frustration primär auf die Leistungsfähigkeit der Politik und die Handlungsunfähigkeit bei wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Die politische Kompetenz wird nach der Forsa-Erhebung von 54 Prozent der Deutschen keiner einzigen Partei zugetraut. Es handelt sich also eher um eine Performanzkrise als um eine Systemkrise.
Die Sorgen der Deutschen drehen sich vor allem um handfeste Lebensumstände. 88 Prozent fürchten internationale Konflikte und Kriege, 82 Prozent sorgen sich wegen steigender Lebenshaltungskosten, und die Angst vor Wohlstandsverlust prägt die Wahrnehmung vieler Bürger massgeblich. Die Zufriedenheit mit der Krisenkompetenz der Politik ist von 65 Prozent im Jahr 2020 auf nur noch 23 Prozent gefallen.
Zwei Demokratien, ein strukturelles Problem
Ein Vergleich der politischen und wirtschaftlichen Stimmung in den USA und Deutschland offenbart im Februar 2026 ein ähnliches strukturelles Problem in beiden Demokratien. Die Zufriedenheit mit der Regierung ist in beiden Ländern gering: In den USA liegt die Zustimmung zu Präsident Trump bei 39 %, während in Deutschland nur 21-22 % mit der Regierung zufrieden sind. Auch der allgemeine Zustand der Nation wird mehrheitlich negativ bewertet. In Deutschland empfinden 76 % die wirtschaftliche Lage als schlecht, und in den USA stufen 57 % das Land als “nicht stark” ein.
Die Sorge um die Demokratie selbst ist tief verankert. Eine große Mehrheit von 78 % der Amerikaner sieht die Demokratie bedroht, und in Deutschland haben 53 % nur geringes Vertrauen in sie. Bei der Gewaltenteilung gehen die Meinungen jedoch auseinander: Während 68 % der US-Bürger die “Checks and Balances” als dysfunktional ansehen, meinen 60 % der Deutschen, dass die Demokratie im Allgemeinen funktioniert.
Wirtschaftlich blicken die Menschen pessimistisch in die Zukunft. In den USA geben 48 % an, dass sich ihre Lage seit Trumps Amtsantritt verschlechtert hat, und in Deutschland erwarten 49 % eine weitere wirtschaftliche Verschlechterung. Dies spiegelt sich in den unterschiedlichen BIP-Wachstumsprognosen für 2026 wider, die für die USA bei 2,1-2,5 %, für Deutschland jedoch nur bei 0,6-1,0 % liegen. Das Vertrauen in die politische Kompetenz ist ebenfalls erschüttert: 64 % der Amerikaner halten Trump für weltfremd, und in Deutschland trauen 54 % der Bürger keiner Partei mehr Kompetenz zu.
| Kategorie | USA (Feb. 2026) | Deutschland (Feb. 2026) |
|---|---|---|
| Zufriedenheit mit Regierung | 39% Zustimmung (Trump) | 21-22% Zufriedenheit |
| Zustand der Nation negativ | 57% (nicht stark) | 76% (wirtschaftl. Lage schlecht) |
| Demokratie in Gefahr | 78% sehen Bedrohung | 53% geringes Vertrauen |
| Checks and Balances / Gewaltenteilung | 68% dysfunktional | 60% funktioniert (Demokratie allgemein) |
| Wirtschaftliche Verschlechterung | 48% (seit Amtsantritt) | 49% erwarten Verschlechterung |
| BIP-Wachstum (Prognose 2026) | 2,1-2,5% | 0,6-1,0% |
| Vertrauen in politische Kompetenz | 64% sehen Trump als weltfremd | 54% trauen keiner Partei Kompetenz zu |
Die Gegenüberstellung offenbart eine paradoxe Symmetrie. In den USA wächst die Wirtschaft substanziell, doch die politische Instabilität und der institutionelle Vertrauensverlust erzeugen ein Gefühl nationaler Schwäche. In Deutschland stagniert die Wirtschaft seit Jahren, doch die demokratischen Institutionen funktionieren grundsätzlich, wenngleich das Vertrauen in die Problemlösungsfähigkeit der Politik massiv erodiert. Beide Länder teilen das Phänomen, dass die Bevölkerung die Politik als zunehmend weltfremd, handlungsunfähig und den Herausforderungen der Zeit nicht gewachsen empfindet.
Doch während in den USA die Diskussion um eine strukturelle Demokratiekrise kreist, mit konkreten Bezugspunkten wie der Entmachtung von Bundesbehörden, der Konfrontation mit dem Supreme Court und der Verfolgung politischer Gegner, bleibt die deutsche Debatte vorrangig eine Debatte über wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Reformstau. Dass dennoch 71 Prozent der Deutschen die demokratische Entwicklung des letzten Jahrzehnts negativ bewerten und populistische Einstellungen diese Skepsis nachweislich verstärken, sollte allerdings nicht als geringeres Problem abgetan werden. Die Erosion beginnt in beiden Fällen nicht mit einem grossen Knall, sondern mit schleichendem Vertrauensentzug, der sich in Umfragezahlen niederschlägt, lange bevor er sich in Wahlergebnissen materialisiert.
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