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Die Lübecker H. & J. Brüggen KG: Warum dieser deutsche Müsli-Hersteller jetzt auf Mega-Logistik setzt

Die Lübecker H. & J. Brüggen KG: Warum dieser deutsche Müsli-Hersteller jetzt auf Mega-Logistik setzt

Die Lübecker H. & J. Brüggen KG: Warum dieser deutsche Müsli-Hersteller jetzt auf Mega-Logistik setzt – Kreativbild zum Thema, mit KI: Xpert.Digital

Vom Müsli-Macher zum Logistik-Giganten: Die Millionen-Wette eines norddeutschen Familienunternehmens

Größte Investition der Firmengeschichte: Wie Brüggen den Supermarkt-Preiskampf neu erfindet

Mehr als nur Haferflocken: Warum ein Traditionsunternehmen plötzlich wie ein Tech-Konzern agiert

Jeden Morgen landet ihr Müsli auf Millionen deutschen Frühstückstischen – doch das wahre Geheimnis ihres Erfolgs liegt längst nicht mehr nur in Haferflocken und Nüssen. Die Lübecker H. & J. Brüggen KG, einer der größten Getreideflockenproduzenten Europas, wagt aktuell den größten finanziellen Kraftakt ihrer über 150-jährigen Geschichte. Mit dem Bau eines gigantischen, vollautomatisierten Hochregallagers reagiert das Familienunternehmen auf den gnadenlosen Preiskampf im Supermarkt, den akuten Personalmangel in der Logistik und fehlende Industrieflächen. Wie aus einem klassischen Lebensmittelproduzenten ein hochtechnisierter Logistikkonzern wurde und warum vertikale Lagerhallen die Antwort auf die dringendsten Herausforderungen der gesamten Branche sind, zeigt ein Blick hinter die Kulissen dieser bemerkenswerten Millionen-Wette auf die Zukunft.

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Wenn Getreide zum Kapital wird: Brüggens Milliarden-Wette auf die Zukunft der Lebensmittellogistik

Warum ein Müsli-Hersteller plötzlich wie ein Logistikkonzern denkt

Die Meldung klingt zunächst unspektakulär: Ein Familienunternehmen aus Lübeck baut ein neues Lager. Doch hinter dieser nüchternen Formulierung verbirgt sich eine der bemerkenswertesten industriellen Weichenstellungen der norddeutschen Ernährungswirtschaft der vergangenen Jahre. Die H. & J. Brüggen KG, seit 1868 in Lübeck ansässig und heute einer der größten Müsli- und Getreideflockenproduzenten Europas, plant nach übereinstimmenden Berichten den Bau eines Hochregallagers, das als die größte Investition in der über 150-jährigen Firmengeschichte gilt. Um die Dimension dieser Entscheidung wirklich zu verstehen, muss man sie nicht als isoliertes Bauprojekt betrachten, sondern als konsequente Fortsetzung einer strategischen Linie, die das Unternehmen seit mehr als einem Jahrzehnt konsequent verfolgt: die systematische Verlagerung von Wettbewerbsvorteilen aus dem reinen Produktgeschäft in die Beherrschung komplexer Warenströme.

Brüggen ist längst kein reiner Lebensmittelhersteller mehr, sondern faktisch ein integrierter Logistikbetrieb mit angeschlossener Getreideverarbeitung. Das Unternehmen erzielt nach jüngeren Schätzungen einen Umsatz von rund 330 bis 560 Millionen Euro und beschäftigt konzernweit etwa 1.900 bis 2.000 Mitarbeiter, wobei die genannten Zahlen je nach Berichtsjahr und Konsolidierungskreis variieren, da Brüggen mittlerweile über mehrere Tochtergesellschaften und Joint Ventures verfügt. Diese Größenordnung macht deutlich, dass es sich nicht um einen Mittelständler im klassischen Sinne handelt, sondern um einen europäischen Marktführer im Segment Müsli und Knuspermüsli, dessen operative Exzellenz maßgeblich von der Fähigkeit abhängt, riesige Mengen an Rohstoffen wie Hafer, Nüssen und Trockenfrüchten just-in-time zu verarbeiten und ebenso zuverlässig als Fertigware an den Einzelhandel auszuliefern.

Die unsichtbare Infrastruktur hinter jeder Frühstücksschale

Wer die Investitionsgeschichte von Brüggen der letzten zwei Jahrzehnte nachzeichnet, erkennt ein klares Muster kontinuierlicher Kapazitätserweiterung. Bereits zwischen 2017 und 2018 errichtete das Unternehmen am Standort Glashüttenweg ein Versand- und Logistikzentrum mit einem vollautomatischen Hochregallager und rund 20.000 Palettenstellplätzen, das die Gesamtkapazität der Lagerflächen auf 50.000 Europaletten anhob. Wenige Jahre später, zwischen 2018 und 2020, folgte der Bau eines neuen Müsligebäudes mit integrierter Rohwarenanlieferung und Schiffslöschanlage direkt am Wasser, was die enge Verzahnung von Seehafenlogistik und Produktion unterstreicht. Am Konstinkai entstand ab 2022 ein weiteres Zentrallager mit einem Investitionsvolumen von über 20 Millionen Euro, während parallel ein Gebäude mit vollautomatischem Hochregallager für die Rohstoffversorgung inklusive Kommissioniersystem sowie Produktionslinien für konventionelles, biologisches und gemischtes Müsli in Betrieb genommen wurde.

Diese Abfolge zeigt, dass das jetzt angekündigte Vorhaben keine spontane Einzelmaßnahme ist, sondern der vorläufige Höhepunkt einer über Jahre verfolgten Kapitalallokationsstrategie. Bereits 2022 erklärten die geschäftsführenden Gesellschafter Johannes, Hanno und Jochen Brüggen in einem Interview, dass innerhalb von drei bis vier Jahren rund 100 Millionen Euro in die Standorte Lübeck und Polen investiert werden sollten. Die aktuelle Ankündigung des größten Bauprojekts der Firmengeschichte reiht sich damit organisch in eine Investitionswelle ein, deren einzelne Bausteine sich gegenseitig verstärken: Mehr Lagerkapazität ermöglicht größere Produktionslose, größere Produktionslose senken die Stückkosten, und niedrigere Stückkosten verschaffen dem Unternehmen im ohnehin durch scharfen Preiswettbewerb geprägten deutschen Lebensmitteleinzelhandel entscheidende Verhandlungsmacht gegenüber den großen Handelsketten.

Ein Markt im Zangengriff zwischen Wachstum und Preisdruck

Die ökonomische Logik hinter der Investition erschließt sich erst vollständig, wenn man den Zustand des europäischen Frühstücksflockenmarktes betrachtet. Dieser Markt wird aktuell auf einen Wert von rund 13 Milliarden US-Dollar taxiert und soll bis zum Jahr 2031 auf etwa 15 Milliarden US-Dollar anwachsen, was einer moderaten jährlichen Wachstumsrate von knapp 3 Prozent entspricht. Innerhalb dieses insgesamt reifen Marktes gibt es jedoch deutlich dynamischere Nischen: Kochfertige Cerealien und funktionale Porridge-Varianten wachsen mit einer Rate von über 5 Prozent, also fast doppelt so schnell wie der Gesamtmarkt, getrieben von einem anhaltenden Gesundheitstrend und der Nachfrage nach protein- und ballaststoffreichen Frühstücksoptionen. Hafer bleibt mit einem Marktanteil von gut 34 Prozent die dominierende Rohstoffbasis, während insbesondere osteuropäische Märkte wie Polen mit einer prognostizierten Wachstumsrate von fast 5 Prozent zu den dynamischsten Wachstumsregionen zählen.

Für Brüggen bedeutet dieses Marktumfeld eine doppelte Herausforderung. Einerseits eröffnet das Wachstum in Premiumsegmenten wie Bio-Knuspermüsli, glutenfreien Produkten und funktionalen Frühstücksriegeln neue Ertragsquellen, wie auch die jüngste Beteiligung an der Roscher Mühle im niedersächsischen Rosche zeigt, mit der sich Brüggen gemeinsam mit dem Partnerunternehmen Bauck stärker im Bereich Bio-, Glutenfrei- und Spezialprodukte positioniert. Andererseits herrscht im deutschen Lebensmitteleinzelhandel seit Jahren ein ausgesprochen ruinöser Preiskampf, in dem sich Hersteller nur behaupten können, wenn sie zugleich als verlässlicher Hoflieferant der großen Handelsketten auftreten und ihre Kostenstruktur kontinuierlich optimieren. Genau in diesem Spannungsfeld zwischen Premiumisierung und Kostendisziplin gewinnt die Automatisierung der Lagerlogistik ihre strategische Bedeutung, denn sie erlaubt es, beide Ziele gleichzeitig zu verfolgen, ohne dass sie sich gegenseitig ausschließen.

 

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Hochregallager als Standortstrategie: Warum die vertikale Verdichtung zur Norm wird

Warum vertikale Regale die horizontale Flächenknappheit lösen

Der Bau von Hochregallagern ist branchenübergreifend die naheliegende Antwort auf ein strukturelles Problem, das viele deutsche Industriestandorte betrifft: die zunehmende Knappheit und Verteuerung von Gewerbeflächen, insbesondere in etablierten Hafenstädten wie Lübeck, wo historisch gewachsene Werksgelände kaum noch horizontal erweitert werden können. Anstatt zusätzliche Flächen am Stadtrand zu erschließen, was mit langen Genehmigungsverfahren, höheren Transportkosten zwischen getrennten Standorten und dem Verlust betrieblicher Nähe zur bestehenden Produktion einherginge, erlaubt die vertikale Verdichtung eine deutlich effizientere Nutzung des vorhandenen Grundstücks. Ein Hochregallager mit Höhen von 20 bis 30 Metern kann auf derselben Grundfläche ein Mehrfaches der Lagerkapazität eines konventionellen Flachlagers unterbringen, wie auch vergleichbare Projekte in der Branche zeigen, bei denen auf 30 Metern Höhe automatisierte Shuttle-Systeme täglich mehr als 200.000 Warenkolli bewegen.

Diese räumliche Verdichtung ist jedoch nur die halbe Geschichte. Der eigentliche wirtschaftliche Hebel liegt in der Automatisierung der internen Materialflüsse, die mit dem Bau solcher Anlagen fast immer einhergeht. Regalbediengeräte, Shuttle-Systeme und automatisierte Kommissionierstationen ersetzen die klassische, personalintensive Lagerarbeit durch softwaregesteuerte, rund um die Uhr verfügbare Prozesse, die sowohl die Fehlerquote senken als auch die Durchlaufzeiten drastisch verkürzen. Für einen Lebensmittelproduzenten wie Brüggen, dessen Geschäftsmodell auf der termingerechten Anlieferung an Discounter und Supermarktketten mit engen Zeitfenstern beruht, ist diese Verlässlichkeit kein Nice-to-have, sondern eine überlebenswichtige operative Voraussetzung.

Der Personalmangel als heimlicher Motor der Automatisierungswelle

Ein Faktor, der in der öffentlichen Debatte über Lagerautomatisierung oft unterschätzt wird, ist der demografisch bedingte Fachkräftemangel in der Logistikbranche. Aktuelle Branchenanalysen zeigen, dass Automatisierung in der aktuellen Trendstudie des Bundesverbandes Logistik von Platz neun auf Platz vier der wichtigsten Zukunftsthemen aufgestiegen ist, wobei der eigentliche Treiber hinter dieser Entwicklung weniger ein technologischer Hype als vielmehr der spürbare Mangel an verfügbarem Personal für unattraktive, körperlich belastende Lagertätigkeiten ist. Wo Fachkräfte fehlen, verschwinden zunächst die unangenehmsten Nebentätigkeiten aus dem menschlichen Aufgabenspektrum, und genau diese Lücke schließen heute autonome Fördersysteme, Regalbediengeräte und zunehmend auch KI-gestützte Steuerungssoftware.

Die Branche befindet sich dabei im Jahr 2026 in einer Phase der pragmatischen Konsolidierung. Nach Jahren experimenteller Technologieeinführungen setzen viele Unternehmen inzwischen auf hybride Systeme, bei denen mobile Roboter und stationäre Automatisierungslösungen wie klassische Regalbediengeräte kombiniert werden, wobei jedes System dort eingesetzt wird, wo es seine spezifischen Stärken am besten entfalten kann. Große, zentralisierte Lagerstandorte bleiben dabei ein wichtiger Treiber für Automatisierungsinvestitionen, wobei sich ihre Rolle im Zuge der Konsolidierung mehrerer kleinerer Standorte zu größeren Distributionszentren zunehmend wandelt. Genau in dieses Muster fügt sich das Lübecker Vorhaben ein: Es handelt sich nicht um den Aufbau eines völlig neuen Standortsegments, sondern um die konsequente Verdichtung und Modernisierung eines bestehenden, historisch gewachsenen Produktionsstandortes.

Lübeck als Nutznießer und Belastungsprobe zugleich

Für den Wirtschaftsstandort Lübeck hat die Investitionsentscheidung eine über das einzelne Unternehmen hinausreichende Bedeutung. Die Hansestadt konkurriert als traditioneller Industrie- und Hafenstandort mit anderen norddeutschen Zentren um Ansiedlungen, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Großinvestitionen etablierter Unternehmen wie Brüggen signalisieren ein starkes Vertrauen in die langfristige Standortqualität. Bemerkenswert ist zudem, dass Lübeck in jüngerer Zeit mehrere vergleichbare Großprojekte im Bereich der Logistikimmobilien verzeichnet hat: Auch der Medizintechnikkonzern Dräger hat am Standort Revalstraße im Rahmen seines Projekts Zukunftsfabrik eine neue Logistikanlage mit rund 30.000 Quadratmetern Fläche und einem Investitionsvolumen von mehr als 70 Millionen Euro errichtet. Diese Ballung industrieller Großinvestitionen deutet darauf hin, dass Lübeck sich als attraktiver Standort für kapitalintensive, automatisierte Produktions- und Logistikinfrastruktur positioniert hat, was langfristig positive Ausstrahleffekte auf lokale Zulieferer, Baugewerbe und qualifizierte Fachkräfte haben dürfte.

Gleichzeitig ist eine gewisse Skepsis angebracht, wenn es um die unmittelbaren Beschäftigungseffekte solcher Projekte geht. Die zentrale ökonomische Eigenschaft von Hochregallagern besteht gerade darin, dass sie den Personalbedarf pro umgeschlagener Tonne Ware drastisch reduzieren. Wo früher Dutzende Lagerarbeiter Paletten von Hand bewegten, übernehmen heute softwaregesteuerte Regalbediengeräte diese Aufgabe weitgehend autonom, sodass sich die Zahl direkt geschaffener Arbeitsplätze in Grenzen halten dürfte, auch wenn die Investition insgesamt zur Standortsicherung und damit zur Erhaltung der bestehenden, deutlich größeren Beschäftigtenzahl in der Produktion beiträgt. Die eigentliche wirtschaftliche Wirkung liegt also weniger in neuen Jobs an sich, sondern in der Absicherung der Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Werks und damit indirekt auch der dort bereits bestehenden, mehreren Tausend Arbeitsplätze.

Kapitalintensität als zweischneidiges Schwert

Aus unternehmerischer Sicht ist der Bau eines Hochregallagers dieser Größenordnung eine hochgradig kapitalintensive Entscheidung mit langem Amortisationshorizont. Vergleichbare Projekte in der Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie bewegen sich üblicherweise im Bereich von 20 bis über 100 Millionen Euro, abhängig von Kapazität, Automatisierungsgrad und Bauzeit, wobei Brüggen selbst bereits für frühere, kleinere Ausbaustufen zwischen 2017 und 2020 Investitionssummen im zweistelligen Millionenbereich aufgewendet hat. Wenn das aktuelle Vorhaben tatsächlich als größte Einzelinvestition der Firmengeschichte gilt, dürfte die Bausumme diese früheren Projekte deutlich übertreffen und sich vermutlich im hohen zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Millionenbereich bewegen, wenngleich konkrete, offiziell bestätigte Zahlen zum jetzigen Zeitpunkt nicht öffentlich vorliegen.

Diese Kapitalintensität bringt ein grundlegendes strategisches Risiko mit sich, das in der öffentlichen Berichterstattung selten thematisiert wird: Automatisierte Hochregallager sind hochgradig spezialisierte, kaum umnutzbare Anlagen, deren Wirtschaftlichkeit fundamental von der Auslastung über einen Zeitraum von zwanzig bis dreißig Jahren abhängt. Anders als flexible Mietflächen oder konventionelle Lagerhallen lassen sich solche Anlagen bei einem Rückgang der Nachfrage oder einer Verschiebung der Produktpalette nur schwer anpassen oder weiterverkaufen. Für ein Familienunternehmen wie Brüggen, das traditionell auf organisches, konservativ finanziertes Wachstum setzt, ist die Entscheidung für ein Projekt dieser Größenordnung daher auch ein Ausdruck starken Vertrauens in die eigene langfristige Marktposition als europäischer Marktführer im Müsli-Segment.

Zwischen Nachhaltigkeitsanspruch und ökonomischer Notwendigkeit

Ein weiterer, oft übersehener Aspekt solcher Großinvestitionen ist ihre ökologische Dimension. Automatisierte Hochregallager benötigen zwar in der Errichtung erhebliche Materialmengen und Energie, ermöglichen im laufenden Betrieb jedoch häufig signifikante Effizienzgewinne, etwa durch optimierte, energiesparende Klimatisierung dank vertikaler Verdichtung, kürzere innerbetriebliche Transportwege und eine bessere Auslastung von Lkw-Kapazitäten durch präzisere Kommissionierung. Angesichts der wachsenden Bedeutung von Nachhaltigkeitszertifizierungen im Einzelhandel, wo Handelsketten zunehmend CO₂-Bilanzen entlang der Lieferkette einfordern, dürfte auch dieser Aspekt in die Investitionsentscheidung eingeflossen sein, selbst wenn er in der öffentlichen Kommunikation bislang nicht im Vordergrund steht.

Zugleich zeigt der Blick auf die parallele Investition in die Roscher Mühle, dass Brüggen seine Wachstumsstrategie bewusst auf zwei sich ergänzenden Ebenen vorantreibt: auf der vorgelagerten Rohstoffseite durch die Beteiligung an spezialisierten Mühlenbetrieben für Bio- und Spezialprodukte, und auf der nachgelagerten Logistikseite durch den systematischen Ausbau der Lager- und Verteilkapazitäten am Hauptstandort Lübeck. Diese doppelte Strategie erlaubt es dem Unternehmen, sowohl die Rohstoffversorgung für wachsende Premiumsegmente zu sichern als auch die operative Effizienz in der Massenproduktion konventioneller Müsliprodukte weiter zu steigern, ohne dass beide Zielrichtungen in Konkurrenz zueinander stehen.

Eine Investition, die mehr über die Branche verrät als über ein einzelnes Unternehmen

Betrachtet man das Lübecker Hochregallager im größeren Kontext der deutschen Lebensmittelindustrie, wird deutlich, dass es exemplarisch für einen branchenweiten Strukturwandel steht. Immer mehr etablierte Konsumgüterhersteller reagieren auf die Kombination aus anhaltendem Preisdruck im Einzelhandel, steigenden Personalkosten, Flächenknappheit an gewachsenen Industriestandorten und wachsenden Anforderungen an Liefergeschwindigkeit mit massiven Investitionen in automatisierte Logistikinfrastruktur. Vergleichbare Beispiele finden sich branchenübergreifend, etwa bei Handelsunternehmen wie Kaufland oder Thalia, die auf Hochregallager, Robotik und KI-gestützte Bestandsoptimierung setzen, um Lieferzeiten zu verkürzen und die Flexibilität ihrer Supply Chain zu erhöhen.

Für Brüggen bedeutet das Projekt letztlich eine konsequente Fortschreibung einer über Jahrzehnte erfolgreichen Unternehmensstrategie, die auf kontinuierlicher, organischer Reinvestition der eigenen Erträge in die Modernisierung des Kernstandorts Lübeck beruht. Die Ankündigung, die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte zu tätigen, ist damit weniger ein plötzlicher strategischer Bruch als vielmehr die logische, wenn auch besonders ambitionierte nächste Stufe einer Entwicklung, die das Unternehmen bereits seit den frühen 2010er-Jahren konsequent verfolgt. Ob sich diese Wette langfristig auszahlt, wird maßgeblich davon abhängen, ob es Brüggen gelingt, das prognostizierte, moderate Marktwachstum im Frühstücksflockensegment durch eine überproportionale Verschiebung in wachstumsstärkere Premium- und Spezialprodukte zu übertreffen und die neu geschaffenen Kapazitäten entsprechend auszulasten.

 

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