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Krieg und Frieden: Was nun Donald? Geht Trumps Iran-Wette schief? Wie der Iran-Krieg die US-Wirtschaft in den Abgrund reißt

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Veröffentlicht am: 16. März 2026 / Update vom: 16. März 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Krieg und Frieden: Was nun Donald? Geht Trumps Iran-Wette schief? Wie der Iran-Krieg die US-Wirtschaft in den Abgrund reißt

Krieg und Frieden: Was nun Donald? Geht Trumps Iran-Wette schief? Wie der Iran-Krieg die US-Wirtschaft in den Abgrund reißt – Kreativbild: Xpert.Digital

Trumps 11-Milliarden-Dollar-Falle: Benzinpreis-Schock und blockierte Meere – Trumps verheerendste Fehlkalkulation

Geopolitisches Eigentor: Die globale Öl-Krise 2026 – Warum ausgerechnet China und Russland über Trumps Krieg jubeln

Im Frühjahr 2026 sollte die „Operation Epic Fury“ Amerikas absolute Stärke demonstrieren – doch Donald Trumps militärischer Erstschlag gegen den Iran hat sich in rasender Geschwindigkeit zur teuersten außenpolitischen Fehlkalkulation seiner zweiten Amtszeit entwickelt. Statt sinkender Energiepreise und eines schnellen Regimewechsels in Teheran erlebt die Welt einen beispiellosen geoökonomischen Flächenbrand. Die strategisch essenzielle Straße von Hormus ist de facto blockiert, die globalen Ölpreise schießen in die Höhe und die US-Wirtschaft ächzt unter unkalkulierbaren Kriegskosten von bis zu einer Milliarde Dollar täglich. Während Washington nun verzweifelt nach einer Exit-Strategie sucht und europäische Verbündete brüskiert, reiben sich zwei geopolitische Rivalen die Hände: China und Russland gehen als die wahren strategischen Profiteure aus einer Krise hervor, die das Weiße Haus selbst entfacht hat. Eine detaillierte Analyse über den Zusammenbruch der amerikanischen Abschreckungslogik und die fatalen Folgen einer rein innenpolitisch motivierten Außenpolitik.

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Trumps Iran-Wette: Der geoökonomische Flächenbrand

Wie ein kalkulierter Machtbeweis zur teuersten außenpolitischen Fehlkalkulation der zweiten Amtszeit werden könnte

Donald Trump wollte mit einem gezielten Militärschlag gegen den Iran ein Signal der Stärke senden: Amerika ist zurück, entschlossen und furchtlos. Was er bekam, war ein sich ausbreitender Flächenbrand, der die Weltwirtschaft erschüttert, die Energiemärkte in den Ausnahmezustand versetzt und Russland sowie China als strategische Gewinner aus einer Krise hervorgehen lässt, die Washington selbst entfacht hat. Die Frage, die sich Ökonomen, Militärstrategen und republikanische Wahlkampfberater gleichermaßen stellen, lautet nicht mehr, ob Trumps Iran-Kalkulation aufgeht, sondern wie groß der Schaden noch werden kann.

Operation Epic Fury: Machtdemonstration mit unkalkulierbaren Folgen

Am 28. Februar 2026 starteten die Vereinigten Staaten und Israel gemeinsam die „Operation Epic Fury“, ein koordiniertes Bombardement iranischer Militärinfrastruktur, das innerhalb von Stunden die geopolitische Ordnung des Nahen Ostens auf den Kopf stellte. Der Angriff kostete in den ersten sechs Tagen allein bei der Munition mehr als 11,3 Milliarden US-Dollar, wobei die ersten 48 Stunden bereits 5,6 Milliarden Dollar verschlangen. Das Pentagon bereitete parallel einen Nachtragshaushaltsantrag von 50 Milliarden Dollar vor, um die nicht eingeplanten Munitionsausgaben zu decken. Die täglichen Kriegskosten belaufen sich nach Schätzungen des Penn Wharton Budget Model auf rund 800 Millionen Dollar, andere Experten taxieren sie auf bis zu 1 Milliarde Dollar pro Tag.

Die US-Streitkräfte zerstörten und versenkten innerhalb weniger Tage insgesamt 17 iranische Kriegsschiffe sowie ein U-Boot, griffen iranische Raketenstartanlagen, Luftabwehrsysteme und Führungsknoten an und eliminierten Teherans Kapazitäten für ballistische Raketen nach eigenem Bekunden um 90 bis 95 Prozent. Ayatollah Ali Khamenei wurde bei den Angriffen getötet; sein Sohn übernahm als neuer Oberster Führer. Dennoch entwickelte die Operation eine eigenständige Dynamik, die Washington sichtlich überraschte. Der Iran blockierte die Straße von Hormus, griff Tanker an und machte die wichtigste Energiearterie der Welt zur Kampfzone. Zehn Schiffe wurden in den ersten zwei Kriegswochen in oder nahe der Meerenge angegriffen, mindestens sieben Seeleute kamen ums Leben.

Trumps Kalkulation: Energiepreise, Wahlversprechen und das Gewicht der Innenpolitik

Um Trumps Entscheidung zur militärischen Eskalation zu begreifen, muss man zunächst seine innenpolitische Agenda verstehen. Trump hatte den amerikanischen Wählern im Wahlkampf und in seiner State of the Union niedrige Energiepreise versprochen. Das Ziel von 50 Dollar je Barrel Rohöl war ein zentrales wirtschaftspolitisches Leitmotiv. Dazu passte die Strategie der maximalen Druckausübung auf den Iran: Strafzölle gegen alle Handelspartner Teherans, Sanktionsdrohungen und schließlich der Griff zum militärischen Mittel, um das Mullah-Regime dauerhaft zu schwächen und damit das iranische Ölangebot nachhaltig zu unterdrücken.

Die Eskalationsdynamik hatte ihre eigene Vorgeschichte. Bereits im Januar 2026 hatte Trump, als iranische Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Massenproteste vorgingen, Strafzölle von 25 Prozent gegen alle Iran-Handelspartner angekündigt. Die Rohölsorte Brent reagierte sofort: Am 13. Januar 2026 stieg der Preis binnen weniger Tage um mehr als vier Dollar, was einer Verteuerung von sieben Prozent entsprach. Energieminister Chris Wright verbreitete die Botschaft, die US-Angriffe auf den Iran im Sommer 2025 hätten keine Ölpreisexplosion ausgelöst, weil die amerikanische Inlandsproduktion als Puffer diene. Diese Annahme erwies sich im Frühjahr 2026 als gefährliche Fehlkalkulation.

Das Versagen der Preisannahmen: Der Ölschock trifft die US-Haushalte

Trumps innenpolitische Kalkulation ruhte auf einem Fundament, das sich rasch als brüchig erwies. Der Ausbruch offener Kampfhandlungen schickte die Rohölpreise in eine Höhe, die selbst optimistische Experten nicht prognostiziert hatten. In der ersten Kriegswoche stiegen die Ölpreise um mehr als 25 Prozent. Der Brent-Preis erreichte zwischenzeitlich fast 120 Dollar je Barrel, bevor er nach Trumps Ankündigung, der Krieg sei bald vorbei, auf etwa 88 Dollar zurückfiel und damit immer noch knapp 30 Prozent über dem Vorkriegsniveau verharrte. Vor Kriegsbeginn hatte das Barrel rund 70 Dollar gekostet; Trumps Ziel von 50 Dollar erscheint seither wie ein Relikt aus einer anderen Zeitrechnung.

Für amerikanische Verbraucher war die Konsequenz unmittelbar spürbar. Der nationale Durchschnittspreis für Benzin stieg innerhalb der ersten Kriegstage um 27 Cent und erreichte 3,25 Dollar je Gallone, was 15 Cent mehr war als im Vorjahr. Seither ist der Preis um mehr als 21 Prozent weiter gestiegen. Trump selbst räumte in einem Reuters-Interview ein, dass die Preise steigen könnten, spielte das Problem jedoch herunter: Die Preisanstiege seien temporär und klein. Zuvor hatte er noch erklärt, dass er keine Notwendigkeit sehe, die strategische Ölreserve anzuzapfen, weil die Straße von Hormus dank der geschwächten iranischen Marine passierbar bleibe. Wenige Tage später signalisierte er gegenüber der IEA eine koordinierte Freigabe von 400 Millionen Barrel aus nationalen Reserven — ein deutliches Zeichen, dass die anfängliche Zuversicht der Realität weichen musste.

Fiskalexperten rechnen damit, dass ein Anstieg des Ölpreises um 10 Dollar eine inflationäre Wirkung von rund 0,2 Prozentpunkten entfaltet und das Wirtschaftswachstum um 0,1 Prozentpunkte drückt. Die bisher eingetretenen Preissteigerungen übersteigen diesen Schwellenwert deutlich. Der Penn Wharton Budget Model-Direktor Kent Smetters beziffert den wirtschaftlichen Gesamtschaden für die amerikanische Volkswirtschaft auf 115 Milliarden Dollar, mit einer Bandbreite zwischen 50 und 210 Milliarden Dollar, abhängig von der Intensität und Dauer des Konflikts.

Die Straße von Hormus: Wo Geopolitik und globale Energieversorgung kollidieren

Die Straße von Hormus ist mehr als ein geografisches Nadelöhr. Durch sie fließen rund 20 Prozent der weltweiten Rohöl- und Flüssiggaslieferungen, darunter 30 Prozent des europäischen Treibstoffs für den Luftverkehr und 20 Prozent des global gehandelten Flüssiggases. Der Iran nutzte diese strategische Überlegenheit unmittelbar. Die Revolutionsgarden erklärten, sie würden keinen Liter Öl an die feindliche Seite und ihre Partner passieren lassen, solange die Angriffe andauerten. Ab dem 4. März berichteten Quellen, dass der Iran de facto nur noch chinesischen Schiffen freie Durchfahrt gestattete.

Der Iran produziert rund vier Prozent der weltweiten Rohölnachfrage und ist der drittgrößte OPEC-Produzent. Das macht ihn zu einem global systemrelevanten Akteur, dessen Ausfall die Märkte stärker trifft als vergleichbare Produktionsausfälle in Venezuela oder anderen mittleren Förderländern. Für den Fall einer vollständigen Blockade der Meerenge schätzten Analysten das Preispotenzial auf über 200 Dollar je Barrel, wie der Iran selbst ankündigte. Der Economist schrieb, die effektive iranische Blockade habe bereits 15 Prozent der weltweiten Ölversorgung unterbrochen. Tanker mieden die Meerenge in großer Zahl; Reedereien stellten ihren Betrieb im Golf ein.

Trumps Reaktion auf die Hormus-Krise offenbarte eine charakteristische Mischung aus Selbstüberschätzung und nachträglicher Improvisation. Zunächst behauptete er, der Iran habe keine Marine mehr und die Meerenge werde offen bleiben. Dann erwog er öffentlich, die Straße von Hormus zu übernehmen. Zuletzt forderte er andere Länder auf, Kriegsschiffe zu entsenden, um die Sicherheit des Seewegs zu gewährleisten. Die ursprüngliche Gewissheit, eine kurze, saubere Operation zu führen, die die Energie günstig und die Märkte ruhig hält, war von der Realität überholt worden.

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Stimmungslage in den USA: Konsumenten im Krisenmodus, Zustimmungswerte unter Druck

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges schlagen sich direkt in der Stimmung der amerikanischen Bevölkerung nieder. Der University of Michigan Consumer Sentiment Index fiel im März 2026 auf 55,5 Punkte, den tiefsten Stand seit drei Monaten, und lag damit 2,6 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Bemerkenswert ist die Auskunft der Umfragekoordinatorin Joanne Hsu: Interviews, die vor dem Kriegsbeginn am 28. Februar geführt worden waren, zeigten noch steigende Stimmungswerte; doch die danach erhobenen Daten eliminierten diese Verbesserung vollständig. Ein breit gefächerter Rückgang von 7,5 Prozent bei den persönlichen Finanzerwartungen verteilt sich über alle Einkommensgruppen, Altersklassen und politischen Zugehörigkeiten. Die Inflationserwartungen für das kommende Jahr stagnieren bei 3,4 Prozent und liegen damit deutlich über dem von der Federal Reserve angestrebten Ziel von 2 Prozent.

Trumps Zustimmungswerte sind auf einem bemerkenswert niedrigen Niveau eingefroren. Eine Economist/YouGov-Umfrage vom März 2026 wies einen Wert von 40 Prozent Zustimmung aus, bei einem Missbilligungswert von 55 Prozent. Die Quinnipiac-Erhebung maß gar nur 37 Prozent Zustimmung gegenüber 57 Prozent Ablehnung. Speziell zur Iran-Politik zeigt sich eine ausgeprägte Skepsis: 52 Prozent der Befragten missbilligen Trumps Vorgehen im Iran-Konflikt, 53 Prozent sprechen sich gegen die Militäraktionen aus, und 55 Prozent sehen den Iran gar nicht als unmittelbare militärische Bedrohung für die USA. Eine New York Times-Analyse historischer US-Militäreinsätze seit dem Zweiten Weltkrieg ergab, dass die Unterstützung für den Iran-Krieg mit nur 41 Prozent so niedrig ist wie bei kaum einem anderen Konflikt; einzig der Libyen-Einsatz 2011 war mit 47 Prozent ebenfalls ohne Mehrheitsunterstützung.

Dass diese Unzufriedenheit Trumps Gesamtzustimmungswerte bisher kaum beeinflusst hat, liegt paradoxerweise daran, dass die Ausgangswerte bereits so niedrig waren. Nate Silvers Aggregatmodell zeigt seit dem 28. Februar weniger als einen Prozentpunkt Rückgang. Die Zustimmung der Trump-treuen MAGA-Basis zum Krieg liegt bei 90 Prozent; bei Republikanern außerhalb dieses Kerns sind es jedoch nur knapp über 50 Prozent, und ein Drittel dieser Gruppe lehnt die Militäraktion ab. Für die Midterm-Wahlen im November 2026 ist diese Spaltung brisanter als jede absolute Zahl.

Das Schuldenproblem: Wie der Krieg ein bereits fragiles Haushaltsgebäude destabilisiert

Die Kosten des Iran-Krieges treffen eine amerikanische Staatsfinanzsituation, die das Congressional Budget Office (CBO) bereits im Februar 2026 als äußerst ernst bezeichnet hatte. Das CBO prognostizierte für das Haushaltsjahr 2026 ein Defizit von 1,853 Billionen Dollar bei Gesamtausgaben von rund 33 Prozent mehr als die Steuereinnahmen. Die Schuldenquote soll bis 2035 auf 120 Prozent des BIP steigen. Ein Iran-Krieg, der 60 Tage dauert, würde das Defizit laut Penn Wharton nach Gesamtrechnung inklusive Zinslast und Steuermindereinnahmen um rund 139 Milliarden Dollar ausweiten, was einer Erhöhung der CBO-Prognose um 7,5 Prozent entspricht.

Gleichzeitig drücken die indirekten wirtschaftlichen Schäden durch steigende Energiekosten, wachsende Verbraucherunsicherheit und sinkende Investitionsneigung auf das Wachstum. Der Ökonom Kent Smetters warnte, der Gesamtschaden für die US-Wirtschaft durch Handelsstörungen, Energiemarktturbulenzen und steigende Benzinpreise könnte zwischen 50 und 210 Milliarden Dollar betragen. Dieses Szenario wird durch die Entscheidung Trumps zur Aufhebung von Sanktionen gegenüber russischen Öllieferungen an Indien noch verkompliziert: Während man damit den Preisdruck kurzfristig dämpfen will, stärkt man Russland als Profiteur des Krieges gleichzeitig strukturell.

 

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Der Krieg an der Zapfsäule: Steigende Benzinpreise werden zu Trumps größtem Problem

Russland: Der lachende Dritte im amerikanischen Krieg

Während die USA Milliarden in die Kriegsführung investieren, profitiert Russland täglich von steigenden Rohölpreisen und gelockerten Sanktionen. Seit Beginn der Kampfhandlungen verdient Russland täglich rund 510 Millionen Euro mehr aus Öl- und Gasexporten als im Februar 2026 — ein Plus von 14 Prozent. In zwei Kriegswochen summierte sich dieser Zusatzgewinn auf rund 6 Milliarden Euro. Analysten beim Center for Research on Energy and Clean Air rechneten vor, dass diese Summe ausreicht, um täglich 17.000 Shahed-136-Drohnen zu kaufen, die in Russlands Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden.

US-Finanzminister Scott Bessent rechtfertigte einen 30-tägigen Sanktionswaiver für indische Importe russischen Öls als kurzfristige Maßnahme zur Preisberuhigung. De facto bedeutet das: Washington finanziert durch seine eigene Iran-Politik indirekt Moskaus Kriegskasse, während es gleichzeitig die Ukraine mit Waffen beliefert. Dieser Widerspruch ist nicht nur strategisch fragwürdig, er ist auch der Beleg für die reaktive, tagesgetriebene Natur der Trump’schen Außenpolitik, die kurzfristige PR-Kalkulation über langfristige geopolitische Kohärenz stellt.

Die verlorene Energieschlacht gegen China: Peking als strategischer Nutznießer

Trumps Iran-Offensive hat einen zentralen geostrategischen Kontext, der in der öffentlichen Debatte zu selten mitgedacht wird: den globalen Energiekrieg gegen China. Peking kauft rund 80 bis 90 Prozent des iranischen Exportöls, was 2025 im Schnitt 1,38 Millionen Barrel täglich entsprach und rund 13,4 Prozent von Chinas gesamten maritimen Ölimporten ausmachte. Chinas Gesamteinfuhren aus dem Golf belaufen sich auf gut die Hälfte aller maritimen Rohöleinfuhren; Saudi-Arabien, der Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate transportieren nahezu ihre gesamten Ölexporte durch die Straße von Hormus.

Auf den ersten Blick sieht die iranische Ölblockade wie ein Treffer gegen Peking aus. Tatsächlich aber hat sich China in den Jahren vor dem Konflikt systematisch auf genau diese Situation vorbereitet. Im Januar 2026 verfügte China über strategische Lagerbestände von schätzungsweise 1,2 Milliarden Barrel — genug für drei bis vier Monate der chinesischen Nachfrage. Noch bemerkenswerter: Während die Meerenge für alle anderen Tanker zur Gefahrenzone wurde, berichteten Tracking-Dienste, dass der Iran de facto nur chinesischen Schiffen freie Durchfahrt gewährte. Zwischen dem 28. Februar und dem 10. März 2026 erreichten mindestens 11,7 Millionen Barrel iranischen Öls trotz laufendem Krieg chinesische Abnehmer.

Die eigentliche strategische Schwäche der USA zeigt sich jedoch nicht in kurzfristigen Liefermengen, sondern in einer strukturellen Verschiebung. China hat seinen Energiemix in den vergangenen Jahren aggressiv diversifiziert und elektrifiziert. Erneuerbare Energien und Elektromobilität haben die chinesische Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen relativ zum BIP drastisch gesenkt. Die USA unter Trump haben sich derweil in die entgegengesetzte Richtung bewegt, Förderungen für fossile Energieträger ausgebaut und Klimaschutzprogramme zurückgefahren. In einem globalen Krieg um die Energiedominanz, der sich zunehmend im Bereich erneuerbarer Technologien entscheidet, verschlechtert Trump durch seinen Iran-Kurs paradoxerweise Amerikas Ausgangsposition. Der Krieg treibt die Energiepreise hoch, trifft die amerikanische Wirtschaft hart und lässt China gleichzeitig relativen strategischen Vorteil gewinnen — das Gegenteil der erklärten Intention.

Vom Signaleffekt zum Bumerang: Der Zusammenbruch der Abschreckungslogik

Trumps ursprüngliche Logik war einfach und auf den ersten Blick plausibel: Ein entschlossener Militärschlag würde den Iran so schwächen, dass das Regime aufgibt oder kollabiert, die Region sich neu ordnet und Amerika als dominante Macht hervorgeht. Selbst aus dem Sommer 2025, als die „Operation Midnight Hammer“ die iranischen Atomanreicherungsanlagen angegriffen hatte, war kein massiver Ölpreisschock entstanden. Energieminister Wright präsentierte das als Beweis für die Überlegenheit der US-Energiedominanzstrategie. Doch zwischen einem begrenzten Angriff auf Nukleareinrichtungen und einer umfassenden Militäroperation, die die Führungsspitze des Landes eliminiert, liegen Welten — in militärischer, diplomatischer und wirtschaftlicher Hinsicht.

Der Iran zog aus seiner nach außen schwächeren Position die einzig verbliebene strategische Trumpfkarte: die Kontrolle über die Straße von Hormus. Revolutionsgarden-Sprecher Ali Mohammad Naini formulierte das unverblümt: Die iranischen Streitkräfte würden bis auf Weiteres keinen Tropfen Öl an die feindliche Seite und ihre Partner durchlassen. Der Iran exportierte gleichzeitig weiter in Richtung China und signalisierte damit, dass die Blockade selektiv und gezielt eingesetzt wird — als politisches Instrument, nicht als totale wirtschaftliche Selbstverstümmelung. Für Washington bedeutet das: Der erhoffte schnelle Kollaps der iranischen Gegenwehr bleibt aus. Was als Drei-bis-Vier-Wochen-Operation geplant war, entwickelte sich zur unbestimmten Konfrontation mit unklarem Ausgang.

Militärische Grenzen: Warum die US-Marine nicht alles allein lösen kann

Die „Operation Epic Fury“ dokumentiert eindrucksvoll die konventionelle Überlegenheit der US-Streitkräfte in einem Hochintensitätskonflikt. Im Verlauf von 13 Tagen wurden über 15.000 Ziele angegriffen, neun iranische Kriegsschiffe und ein U-Boot versenkt, Irans Raketenkapazitäten um 90 bis 95 Prozent reduziert. US-Zerstörer feuerten Tomahawk-Marschflugkörper, B-2-Bomber griffen gehärtete Raketenbunker an, und erstmals kamen Precision Strike Missiles (PRISM) im Kampfeinsatz zum Einsatz. Doch all diese konventionelle Überlegenheit stößt an eine klare Grenze: die asymmetrische Kriegsführung.

Der Iran verfügt über Hunderte von küstennahen Drohnen, Unterwasserdrohnen, Schnellbooten und Minensuchkapazitäten — Waffensysteme, die für Tausende Dollar hergestellt werden und US-Marine-Assets mit einem Vielfachen ihres Wertes abwehren müssen. Schon der Verlust von drei F-15 Strike Eagles durch Friendly Fire in Kuwait sowie elf MQ-9 Reapers bedeutete Sachschäden von über 600 Millionen Dollar. Ein Feuer an Bord der USS Gerald R. Ford, Drohnenangriffe auf US-Basen in der Region mit sieben getöteten und mindestens 140 verwundeten Soldaten — die scheinbar klare Dominanz hat einen Preis, der in der Eröffnungskalkulation offenbar unterschätzt wurde. Trump selbst sprach von einem Zeitplan von vier bis fünf Wochen; Militäranalysten bezweifelten dies öffentlich.

Für das Öffnen der Straße von Hormus braucht die US-Marine vor allem Minensuchboote — und die hat Amerika in deutlich geringerer Zahl als europäische Verbündete. Trump forderte deshalb sieben Länder auf, Kriegsschiffe zu entsenden, um die Meerenge frei zu halten, und nannte China, Frankreich, Japan, Südkorea und Großbritannien als potenzielle Partner.

Die Reaktion der Verbündeten: Westliche Solidarität mit scharfen Grenzen

Die europäische Reaktion auf die „Operation Epic Fury“ offenbarte, wie weit die transatlantische Entfremdung unter Trump bereits fortgeschritten ist. Am Tag des Angriffsbeginns betonten wichtige europäische NATO-Verbündete, dass ihre Streitkräfte an der Offensive nicht beteiligt waren. Frankreichs Präsident Macron beschrieb die US-israelischen Angriffe als außerhalb der Grenzen des Völkerrechts, sandte gleichzeitig aber Militär zum Schutz französischer Interessen in die Region. Spanien verweigerte den USA die Nutzung von Militärbasen auf seinem Territorium, woraufhin Trump ein vollständiges Handelsembargo gegen Madrid androhte; Bundeskanzler Friedrich Merz, sichtlich unwohl, verweigerte die öffentliche Verteidigung Madrids.

Das Ergebnis ist eine Koalition des widerstrebenden Mitmachens: Europäische Regierungen distanzieren sich rhetorisch von der US-Eskalation, stellen Washington aber still und heimlich ihre Infrastruktur bereit, weil eine offene Konfrontation mit Washington in der aktuellen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Lage als riskanter gilt als das Mitschleppen. Großbritannien erlaubt die Nutzung seines Stützpunkts in Akrotiri auf Zypern für defensive Operationen. Litauen signalisierte Bereitschaft zu einer Unterstützung. Aber eine echte Koalitionsmission entsteht daraus nicht. Ein hochrangiger deutscher Sicherheitsbeamter brachte die Ratlosigkeit in Washingtoner und europäischen Hauptstädten gleichermaßen auf den Punkt: Selbst auf höchster US-Ebene seien die Menschen so uninformiert wie ihre europäischen Gesprächspartner über die eigentliche Zielsetzung der Operation.

Verantwortung abschieben statt Koalition bauen: Das strukturelle Dilemma der Trump-Außenpolitik

Trumps Forderung nach internationaler Beteiligung an der Sicherung der Straße von Hormus ist mehr als eine taktische Bitte. Sie offenbart ein grundlegendes strukturelles Problem der Trump’schen Außenpolitik: Amerika handelt unilateral, verlangt dann aber multilaterale Lastenteilung, ohne die diplomatische Grundarbeit geleistet zu haben, die echte Koalitionen erst möglich macht. Trump begründete seinen Anspruch auf Unterstützung mit dem US-Engagement für die Ukraine: Amerika helfe Europa gegen Russland, also solle Europa Amerika im Golf helfen. Das klingt nach reziproker Logik, ignoriert aber den entscheidenden Unterschied: Die Ukraine-Unterstützung war das Ergebnis jahrelanger diplomatischer Arbeit in Allianzen und internationalen Institutionen — der Iran-Krieg wurde ohne Konsultation der Verbündeten begonnen, gegen deren ausdrückliche Empfehlung zur Zurückhaltung.

Die NATO-Drohung, eine Absage würde eine sehr schlechte Zukunft für das Bündnis bedeuten, verfehlte ihren Effekt weitgehend. Auf die Frage der Financial Times, was er konkret erwarte, antwortete Trump: Was auch immer nötig ist. Diese Unschärfe ist kein Verhandlungsstil, sie ist das symptomatische Zeichen eines strategischen Vakuums. Ohne klar formulierte Kriegsziele, ohne definierten Endpunkt und ohne eingebundene Verbündete bleibt die Hormus-Krise ein amerikanisches Problem, für das Washington versucht, andere in Haftung zu nehmen. China wurde ebenfalls aufgefordert, Kriegsschiffe zu entsenden — ausgerechnet China, das von der Hormus-Blockade doppelt profitiert: als Abnehmer weiterhin fließenden iranischen Öls und als strategischer Gewinner einer amerikanischen Erschöpfung im Nahen Osten.

Republikanische Risse und der Horizont der Midterms

Für die republikanische Partei ist der Iran-Krieg ein innenpolitisches Minenfeld. Trump gewann 2024 maßgeblich, weil die Bevölkerung die Wirtschaftspolitik der Biden-Regierung abstrafte und auf seine Versprechen niedriger Energiepreise und sinkender Inflation hereinfiel. Nun kehrt sich das Argument um: Steigende Benzinpreise, Inflationserwartungen auf 3,4 Prozent, sinkende Konsumentenstimmung — genau die Faktoren, die damals gegen Biden arbeiteten, arbeiten nun gegen den amtierenden Präsidenten. Republikanische Strategen in Florida beraten, wie sie den Krieg aus dem Mittelpunkt des Wahlkampfs heraushalten können.

Innerhalb der republikanischen Basis zeigt sich eine Spaltung, die an die Debatten der Tea-Party-Ära erinnert. Die MAGA-Kernanhänger unterstützen den Krieg zu 90 Prozent. Republikanische Senatoren wie Lindsey Graham und Tom Cotton dringen auf Fortsetzung des militärischen Drucks. Doch Populisten wie Tucker Carlson und Steve Bannon warnen vor einem weiteren Nahost-Abenteuer im Stile Vietnams und dringen auf sofortigen Rückzug. Ein Viertel der Republikaner insgesamt lehnt den Krieg ab; bei der Frage eines möglichen Bodentruppeneinsatzes kippt sogar eine knappe Mehrheit der Parteibasis in den Widerstand. Der pensionierte Oberstleutnant Daniel L. Davis warnte öffentlich vor einer Wiederholung der Vietnam-Dynamik, bei der Amerika trotz überlegener Mittel in einer asymmetrischen Auseinandersetzung festgehalten wird.

Der Preis einer Wette ohne Exit-Strategie

Trumps Iran-Kalkulation stand von Beginn an auf drei Annahmen, die sich alle als falsch erwiesen haben. Erstens: Die Operation würde kurz und entscheidend sein, ohne größere wirtschaftliche Kollateralschäden. Zweitens: Die Straße von Hormus bliebe offen, weil der Iran keine glaubwürdige Gegenwehr leisten könne. Drittens: Die Verbündeten würden Kosten und Risiken teilen, sobald Amerika die Führung übernommen hat. Alle drei Annahmen wurden von der Wirklichkeit widerlegt.

Der geoökonomische Schaden ist greifbar: Rohölpreise bis zu 120 Dollar je Barrel, ein Anstieg des US-Benzinpreises um mehr als 21 Prozent, Kriegskosten jenseits der 11 Milliarden Dollar in der ersten Woche allein, eine amerikanische Öffentlichkeit, die die Operation mehrheitlich ablehnt, Verbündete, die erzwungene Solidarität mit schlecht verhehltem Widerstand leisten, und ein China, das als strategischer Gewinner aus der amerikanischen Erschöpfung hervorgeht.

 

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