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Innovationszentrum der Bundeswehr (InnoZBw): Neue Wege für schnellere militärische Technologieentwicklung

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Veröffentlicht am: 3. Februar 2026 / Update vom: 3. Februar 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Innovationszentrum der Bundeswehr (InnoZBw): Neue Wege für schnellere militärische Technologieentwicklung

Innovationszentrum der Bundeswehr (InnoZBw): Neue Wege für schnellere militärische Technologieentwicklung – Kreativbild: Xpert.Digital

Neues Zentrum in Erding: Hier entsteht die High-Tech-Zukunft der deutschen Armee

Lehren aus der Ukraine: So will die Bundeswehr neue Technik in Rekordzeit beschaffen

Am 2. Februar 2026 fiel im bayerischen Erding der Startschuss für eine technologische Zeitenwende bei den deutschen Streitkräften. Verteidigungsminister Boris Pistorius eröffnete gemeinsam mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder feierlich das neue „Innovationszentrum der Bundeswehr“ (InnoZBw). Dieser Schritt markiert den Übergang von bloßen Ankündigungen hin zu konkretem Handeln: Weniger als ein Jahr nach der Vorstellung der Idee soll das Zentrum nun die behäbigen Beschaffungswege der Vergangenheit aufbrechen.

Angesichts der rasanten technologischen Entwicklungen im Ukraine-Krieg, wo Innovationszyklen oft nur Wochen dauern, steht die Bundeswehr unter Zugzwang. Das neue Zentrum in Erding soll daher als Scharnier zwischen Truppe, Wissenschaft, Start-ups und etablierter Industrie fungieren. Ziel ist es, sogenannte „Gamechanger“ – von KI-gestützten Drohnenschwärmen bis hin zu modernster Software – nicht erst nach Jahren, sondern in kürzester Zeit einsatzbereit zu machen.

Dabei machte Pistorius deutlich, dass es nicht nur um militärische Schlagkraft geht, sondern auch um die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands. Mit der Aussage, die Rüstungsindustrie sei für den Standort künftig ebenso entscheidend wie die Automobilbranche, unterstrich der Minister die strategische Dimension des Projekts. Was genau das neue Innovationszentrum plant, warum Erding als Standort gewählt wurde und welche Rolle das „Innovationslabor System Soldat“ dabei spielt, erfahren Sie im folgenden Überblick.

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Warum hat Verteidigungsminister Boris Pistorius das Innovationszentrum der Bundeswehr eröffnet?

Am 2. Februar 2026 hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius am Standort Erding bei München das neue Innovationszentrum der Bundeswehr (InnoZBw) feierlich eröffnet. An der Veranstaltung nahm auch der bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder teil. Diese Eröffnung markiert einen bedeutenden Schritt in der technologischen Weiterentwicklung der deutschen Streitkräfte und setzt eine Ankündigung um, die Pistorius weniger als ein Jahr zuvor auf der Münchner Sicherheitskonferenz gemacht hatte.

Der Minister betonte bei der Eröffnung, dass Innovation für die Bundeswehr kein Nice-to-have sei, sondern ein Schlüssel zum Erfolg. Mit diesem Statement unterstreicht Pistorius die strategische Bedeutung, die technologische Innovationskraft für die militärische Leistungsfähigkeit der Bundeswehr hat. Das neue Zentrum soll dazu beitragen, dass militärische Technik künftig rascher zur Verfügung steht und nicht mehr den langwierigen klassischen Beschaffungszyklen unterliegt.

Die Eröffnung folgt dem Motto, das Pistorius bereits auf der Innovation Night der Münchner Sicherheitskonferenz formuliert hatte: “Es ist Zeit für weniger Versprechungen und mehr Taten.” Die zügige Umsetzung innerhalb eines knappen Jahres demonstriert den politischen Willen, die Bundeswehr technologisch zu modernisieren und ihre Reaktionsfähigkeit auf aktuelle Bedrohungslagen zu erhöhen.

Welche Ziele verfolgt das Innovationszentrum der Bundeswehr?

Das Bundeswehr Innovation Center verfolgt mehrere strategische Ziele, die darauf ausgerichtet sind, die Innovationsfähigkeit der deutschen Streitkräfte grundlegend zu verbessern. Im Zentrum steht die Absicht, Forschung, Innovation und militärische Praxis enger miteinander zu verzahnen. Truppe, Start-ups, Industrie und Forschende sollen gemeinsam an Lösungen für einsatzbereite und hochmodern ausgestattete Streitkräfte arbeiten.

Ein zentrales Anliegen ist die deutliche Beschleunigung von Innovationsprozessen. Innovative Produkte sollen schneller und in der benötigten Anzahl den Soldatinnen und Soldaten zur Verfügung gestellt werden. Pistorius verwies in diesem Zusammenhang auf die Ukraine-Erfahrungen, wo sich Drohnentechnologie binnen Wochen ändert. Diese rasante Entwicklung erfordert neue, agilere Strukturen abseits der klassischen Beschaffungsorganisation.

Das InnoZBw soll als zentrales Koordinations- und Steuerungselement für technologiegetriebene Innovationen in der Bundeswehr fungieren. Von Erding aus soll ein Netzwerk entstehen, das gezielt Technologiepartner anspricht und kleine sowie mittelständische Unternehmen sowie Start-ups neue Möglichkeiten zum Austausch, zur Projektbeteiligung und zum Wettbewerb um frische Ideen bietet. Damit wird ein ähnlicher Ansatz verfolgt wie beim bereits erfolgreichen Cyber Innovation Hub in Berlin.

Welche Rolle spielt das Innovationslabor System Soldat?

Das bereits bestehende und seit 2022 erfolgreich arbeitende Innovationslabor System Soldat bildet den Nukleus des neuen Innovationszentrums. Es ist am Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB) in Erding angesiedelt und hat sich in den vergangenen Jahren als Pilotprojekt für beschleunigte Innovationsprozesse etabliert.

Der Wissenschaftsrat hat das Konzept des Innovationslabors begutachtet und betont dessen richtungsweisende Ansätze für die notwendige Modernisierung der Bundeswehr. Das Labor zielt darauf ab, den Innovationstransfer in die Praxis zu beschleunigen und die Zusammenarbeit zwischen wehrtechnischer und ziviler Forschung zu intensivieren. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Wick, hob hervor, dass dieses Projekt großes Potenzial habe, technologische Neuerungen künftig schneller nutzbar zu machen.

Das Innovationslabor arbeitet mit einem besonderen Ansatz: Beschaffung, Forschung und Truppe gehen Hand in Hand auf dem Weg zu zukunftsweisenden Lösungen. Die künftigen Anwenderinnen und Anwender werden früh in den Entwicklungsprozess eingebunden, was als wesentlicher Beschleunigungsfaktor gilt. Im Labor werden unter anderem unbemannte Systeme zu Lande, zu Wasser und in der Luft sowie Loitering Munition Systems erprobt.

Ein weiteres Kernelement ist die Entwicklung von Software-Souveränität. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Innovationslabor programmieren bundeswehreigene Software-Anteile für unbemannte Systeme selbst, wodurch diese unabhängig, schnell anpassbar und sicher werden. Projektleiter im Labor haben erklärt, dass das Ziel darin besteht, der ausschließlich deutschen Industrie konkrete Forderungen zu nennen, was die verschiedenen unbemannten Systeme können sollen.

Warum wurde Erding als Standort gewählt?

Der Standort Erding bietet nach Einschätzung des Verteidigungsministeriums durch die Nähe zum Innovationsumfeld der Metropolregion München ideale Bedingungen. Die Region verfügt über eine ausgeprägte Start-up-Szene, etablierte Industrie und renommierte Universitäten, die zusammen ein leistungsfähiges Innovationsökosystem bilden.

Pistorius bezeichnete den Großraum München in seiner Rede als “Innovationsstandort besonderer Güte”, der optimale Voraussetzungen für die Vernetzung von Bundeswehr, Wissenschaft, Forschung und Industrie bietet. Hier können Start-ups und etablierte Unternehmen aller Größenordnungen mit den Streitkräften in direkten Austausch treten.

Zusätzlich plant die bayerische Landesregierung mit der Initiative für einen Innovationscampus “Defence Lab Erding” die Ansiedlung ziviler Forschung, Unternehmen und Start-ups auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorsts Erding zu fördern. Diese Synergie zwischen militärischer und ziviler Innovationsinfrastruktur schafft zusätzliches Potenzial für technologische Durchbrüche.

Der ehemalige Fliegerhorst Erding, auf dem bis 2014 der letzte Tornado startete und wo nahezu alle Luftfahrzeugtyper der Luftwaffe gewartet wurden, erfährt damit eine grundlegende Neuausrichtung. Aus der ursprünglich geplanten Konversionsfläche für einen neuen Stadtteil ist ein Zentrum für KI-gesteuerte Drohnen und unbemannte Transportsysteme geworden.

Wer leitet das Innovationszentrum?

Die Leitung des Innovationszentrums übernimmt Flottillenadmiral Christian Bock. Er soll mit seinem Team die Innovationskraft aus der zivilen und militärischen Welt zusammenbringen, schneller vernetzen, Chancen erkennen und Technologiesprünge möglich machen.

Admiral Bock war vor seiner neuen Aufgabe als Unterabteilungsleiter im Bundesministerium der Verteidigung tätig und dort auch zuständig für das Themenfeld Drohnen. Er bringt umfassende Expertise mit hochmodernen Waffensystemen, kurzen Innovationszyklen und schnellen Beschaffungsprozessen mit, die für die Arbeit des Zentrums von entscheidender Bedeutung sind.

Seine Ernennung signalisiert die Bedeutung, die das Verteidigungsministerium dem Thema unbemannte Systeme beimisst. Die schnelle technologische Entwicklung in diesem Bereich, wie sie im Ukraine-Krieg deutlich wird, erfordert Führungspersonal mit spezifischer Fachkenntnis und Erfahrung in agilen Beschaffungsprozessen.

 

Hub für Sicherheit und Verteidigung - Beratung und Informationen

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Hub für Sicherheit und Verteidigung - Bild: Xpert.Digital

Der Hub für Sicherheit und Verteidigung bietet fundierte Beratung und aktuelle Informationen, um Unternehmen und Organisationen effektiv dabei zu unterstützen, ihre Rolle in der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu stärken. In enger Verbindung zur Working Group Defence der SME Connect fördert er insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die ihre Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit im Bereich Verteidigung weiter ausbauen möchten. Als zentraler Anlaufpunkt schafft der Hub so eine entscheidende Brücke zwischen KMU und europäischer Verteidigungsstrategie.

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Welche Rolle spielen Drohnen und unbemannte Systeme?

Drohnen und unbemannte Systeme nehmen eine zentrale Stellung in der Arbeit des Innovationszentrums ein. Bei der Eröffnung wurden ausgewählte Technologien präsentiert, darunter die Vernetzung unbemannter Systeme, Sensortechnologien, Drohnenabwehr und ein Drohnenschwarm.

Pistorius verwies bei der Eröffnung auf die Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg, wo Drohnen als “wirklicher Gamechanger” gelten, vergleichbar mit den ersten Panzern vor 100 Jahren. Die Drohnentechnologie ändert sich in diesem Konflikt binnen Wochen, was neue, schnellere Entwicklungs- und Beschaffungswege erfordert.

Im Ukraine-Krieg spielen verschiedene Drohnentypen eine Schlüsselrolle. Konventionelle Waffensysteme wie Panzer und Artillerie haben einen Teil ihrer Schlagkraft verloren, wenn der Himmel über dem Schlachtfeld von Drohnen gesättigt ist. Sogenannte Kamikazedrohnen oder Loitering Ammunition sind kostengünstige, kleine Flugkörper mit integrierten Sprengsätzen, die in großer Stückzahl produziert werden können.

Besonders FPV-Drohnen (First-Person-View) sind nach Angaben beider Kriegsparteien inzwischen für mehr als die Hälfte der jeweiligen Verluste auf dem Schlachtfeld verantwortlich. Die Ukraine strebt für dieses Jahr eine Produktion von mehr als vier Millionen solcher Drohnen an. Diese Zahlen verdeutlichen die strategische Bedeutung dieser Technologie.

Das Innovationslabor System Soldat arbeitet intensiv an unbemannten Systemen, die verschiedene Funktionen übernehmen können. Bei fliegenden Drohnen steht vor allem Aufklärung, Abwehr und Wirkung im Vordergrund. Am Boden können die Systeme den Transport von Material und Ausrüstung oder die Verwundeten-Rettung unterstützen.

Ein besonderer Fokus liegt auf der elektronischen Kampfführung gegen unbemannte Systeme. Mit der SPECTRA-Challenge haben die Cyberagentur, der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr und das Innovationslabor System Soldat ein gemeinsames Innovationsformat gestartet, um Ideen zur Abwehr elektronischer Bedrohungen wie Jamming, Spoofing oder Signalübernahme zu finden. Den besten Lösungen winken bis zu 100.000 Euro Entwicklungshonorar.

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Welche Bedeutung hat Künstliche Intelligenz für die Bundeswehr?

Künstliche Intelligenz spielt nach Aussage von Verteidigungsminister Pistorius eine entscheidende Rolle in einem möglichen Verteidigungsfall. Die Zahl menschlicher Opfer könne geringer gehalten werden, “wenn wir zuerst die Technik reinschicken”, betonte der Minister bei der Eröffnung.

Im militärischen Bereich gilt KI als Gamechanger, da sie Entscheidungen und Reaktionen, insbesondere im Einsatz, enorm beschleunigen kann. Professorin Michaela Geierhos von der Universität der Bundeswehr München sieht ein “enormes Potenzial” für das Militär. KI-Anwendungen könnten die Aufklärung und Überwachung automatisieren, autonome Waffensysteme steuern, Cyberangriffe abwehren, die Logistik optimieren und realistische Trainingsszenarien ermöglichen.

Die Bundeswehr treibt gemeinsam mit dem Cyber Innovation Hub die Entwicklung KI-gestützter Systeme aktiv voran, etwa für die Analyse komplexer Lagebilder oder die Automatisierung logistischer Prozesse. Das Bundesministerium der Verteidigung setzt zunehmend auf KI-Anwendungen, um sowohl in der Cyberabwehr als auch in der Einsatzplanung schneller und effizienter reagieren zu können.

Konkrete Beispiele für KI-Einsatz finden sich bereits in verschiedenen Bereichen. Im EloKa-Bataillon 912 wird an KI-Projekten geforscht, die auf die Integration von Künstlicher Intelligenz im militärischen Kontext abzielen. Dort wird beispielsweise an der maschinellen Auswertung von Funkverkehr oder der intelligenten Berechnung von Flugrouten gearbeitet.

Erste KI-Modelle hat die Bundeswehr bereits in ihre Arbeitsabläufe integriert, etwa beim Erstellen und Zusammenfassen von Texten. Spezialisierte KI-Modelle werden entwickelt, die speziell für die Nutzung im militärischen Umfeld konzipiert sind und militärisches Urteilsvermögen ermöglichen sollen.

Ein wichtiges Fazit von Fachveranstaltungen war, dass die Streitkräfte nur mit dem Einsatz von KI in der Lage für Multi-Domain Operations sein werden, um im Gefecht mit einer Dominanz aus Informations-, Führungs- und Wirkungsüberlegenheit zu siegen.

Wie wird die Zusammenarbeit mit Start-ups und Industrie gestaltet?

Das Innovationszentrum verfolgt einen dezidiert kollaborativen Ansatz. Truppe, Start-ups, Industrie und Forschende sollen miteinander an Lösungen arbeiten, wobei die Grenzen zwischen verschiedenen Organisationen bewusst überwunden werden. Pistorius betonte in seiner Rede, dass im Innovationszentrum Bundeswehr und Wissenschaft, Forschung und Industrie, Start-ups und etablierte Unternehmen aller Größenordnungen zusammentreffen.

Das Zentrum wird sich über Erding hinaus weiter öffnen und Technologiepartner gezielt ansprechen, ähnlich wie es das Cyber Innovation Hub in Berlin bereits erfolgreich gezeigt hat. Kleine und mittelständische Unternehmen sowie Start-ups erhalten neue Möglichkeiten zum Austausch, zur Projektbeteiligung und zum Wettbewerb um frische Ideen.

Bei der Eröffnung präsentierten Universitäten und junge Firmen ihre Ideen direkt vor Ort. Dieser direkte Dialog ermöglicht es, schnell ins Gespräch zu kommen, Fragen zu diskutieren und gemeinsam über Organisationsgrenzen hinweg zu lernen. Die frühe Einbeziehung der späteren Nutzer und die direkte Zusammenarbeit mit der Industrie werden als enormer Zeitvorsprung betrachtet.

Das Innovationslabor System Soldat arbeitet bereits mit kooperierenden Industriepartnern zusammen. Vor der Erprobung in der Truppe werden die militärischen Anwenderinnen und Anwender im Labor gemeinsam mit Industriepartnern ausgebildet, wie die hochmodernen Systeme funktionieren. Diese praktische Zusammenarbeit führt auf allen Seiten zu wertvollen Erkenntnissen.

Welche wirtschaftspolitische Bedeutung hat die Rüstungsindustrie?

Minister Pistorius betonte bei der Eröffnung, dass die Rüstung auch für den Industriestandort Deutschland von entscheidender Bedeutung sei. Er äußerte seinen Glauben sowohl an die Zukunft der deutschen Automobilindustrie als auch an die Bedeutung und Zukunft der deutschen Rüstungsindustrie.

“Beides wird für uns in den nächsten 15 Jahren entscheidend für unseren wirtschaftlichen Erfolg sein, aber auch für unsere sicherheits- und außenpolitische Bedeutung als Deutschland”, erklärte der Minister. Diese Aussage verbindet wirtschaftliche Interessen mit sicherheitspolitischen Erfordernissen und unterstreicht die strategische Dimension der Rüstungsindustrie.

Die Aussage ist bemerkenswert, da sie die Rüstungsindustrie auf eine Stufe mit der traditionell bedeutenden Automobilindustrie stellt. Dies spiegelt die veränderte sicherheitspolitische Lage wider und signalisiert, dass die Bundesregierung die industrielle Basis für Verteidigungsgüter als strategisches Asset betrachtet.

Pistorius erwähnte zudem, dass bereits Gespräche über eine mögliche gemeinsame Produktion von Rüstungsgütern in der Ukraine und Deutschland liefen. Dies zeigt das Bestreben, von den ukrainischen Erfahrungen in der modernen Kriegsführung zu profitieren und gleichzeitig industrielle Partnerschaften aufzubauen.

Welche Erkenntnisse fließen aus dem Ukraine-Krieg ein?

Der Ukraine-Krieg dient dem Innovationszentrum als wichtige Erkenntnisquelle für moderne Kriegsführung. Pistorius verwies bei der Eröffnung darauf, dass Deutschland insbesondere in den Bereichen Drohnen, Drohnenabwehr, Künstliche Intelligenz und kostengünstige Waffensysteme von den Erfahrungen der ukrainischen Streitkräfte profitiere.

Die Dynamik der technologischen Entwicklung im Ukraine-Konflikt ist beispiellos. Drohnentechnologie ändert sich binnen Wochen, neue Taktiken und Gegenmaßnahmen werden in kürzester Zeit entwickelt und eingesetzt. Diese schnellen Innovationszyklen machen traditionelle, mehrjährige Beschaffungsprozesse obsolet und erfordern neue, agilere Strukturen.

Das Verteidigungsministerium betrachtet Drohnen im Zusammenhang des Ukraine-Kriegs als Schlüsselentwicklung. Ihre Wirkung wird als vergleichbar mit den ersten Panzern vor 100 Jahren beschrieben. Vor allem der Einsatz im Verbund könne eine “präzise und skalierbare Wirkung in der Tiefe gegen gegnerische Schlüsselfähigkeiten” erreichen und die eigene kämpfende Truppe entlasten.

Kleinere, kostengünstige und in Masse produzierte Systeme haben gezeigt, dass sie hochwertige Waffensysteme im Wert von mehreren Millionen Euro zerstören können. Diese Asymmetrie verändert das strategische Kalkül und macht deutlich, warum Geschwindigkeit bei Innovation und Beschaffung so entscheidend ist.

Die Ukraine arbeitet intensiv an der Entwicklung neuer Drohnen- und Abwehrsysteme, wobei schnelle Handlungsfähigkeit, Flexibilität und Innovation wesentliche Bestandteile der modernen Kriegsführung sind. An diese Erkenntnisse muss sich auch die Bundeswehr anpassen, wie Generalinspekteur Carsten Breuer mit seiner Forderung nach “Tempo” bei der Beschaffung von Kamikaze-Drohnen deutlich machte.

Welche weiteren Entwicklungen sind geplant?

Das Innovationszentrum ist als wachsende Struktur angelegt. Pistorius bezeichnete es als “einen notwendigen ersten Schritt auf einem neuen Weg”, was impliziert, dass weitere Ausbaustufen folgen werden. Das Zentrum soll zuständig sein für Koordination, Entwicklung und Ideenmanagement und von Erding aus ein Netzwerk nach außen aufbauen.

Der Wissenschaftsrat empfiehlt, ein neues strategisches Gesamtkonzept für das Innovationslabor zu erarbeiten, damit es seine Aufgaben als Forschungseinrichtung auf hohem Niveau erfüllen kann. Wichtige Handlungsfelder dabei sind die Profilierung als wissenschaftliche Einrichtung, die Entwicklung einer kohärenten Transfer- und Kooperationsstrategie sowie die Etablierung eines flexiblen Haushalts- und Personalmanagements.

Die im Innovationslabor erprobten Ansätze für neue Arbeits- und Kooperationsstrukturen in der Forschung der Bundeswehr sollen nach Ansicht des Wissenschaftsrats in die Breite getragen werden. Dies deutet darauf hin, dass das Erdinger Modell als Blaupause für weitere Innovationszentren dienen könnte.

Die bayerische Landesregierung plant mit dem “Defence Lab Erding” einen umfassenden Innovationscampus, der zivile Forschung und Start-ups anziehen soll. Diese Symbiose zwischen militärischer und ziviler Innovation könnte Erding zu einem bedeutenden Technologiestandort entwickeln.

Das Innovationszentrum soll auch mit bestehenden Strukturen wie dem Cyber Innovation Hub in Berlin zusammenarbeiten und deren erfolgreiche Ansätze übernehmen. Diese Vernetzung verschiedener Innovationsknoten könnte ein bundesweites Ökosystem für Verteidigungsinnovation schaffen.

 

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