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Teilnahme am Innovation Award für Unternehmen: German Innovation Spotlight 2026 – Scientic Partner: Fraunhofer INNOVATION

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Veröffentlicht am: 19. Januar 2026 / Update vom: 27. Januar 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Teilnahme am Innovation Award für Unternehmen: German Innovation Spotlight 2026 – Scientic Partner: Fraunhofer INNOVATION

Teilnahme am Innovation Award für Unternehmen: German Innovation Spotlight 2026 – Scientic Partner: Fraunhofer INNOVATION

Die Bewerbungsfrist für den Innovation Award läuft noch bis zum 31. Januar 2026: Hier können Unternehmen ihre Innovationsstärke unter Beweis stellen

Wie deutsche Unternehmen zwischen Effizienz und Transformation zerreißen und warum Entscheidungsfähigkeit zur kritischen Ressource der Dekade wird

Der Innovationskrise in Deutschland: Warum strategische Absicht ohne organisationale Ambidextrie zum Scheitern verurteilt ist

Deutschland steht in einem fundamentalen Widerspruch. Das Land, das sich global als Hort der Ingenieurkunst, technologischen Exzellenz und industriellen Innovation versteht, konfrontiert sich mit einer neuen Art von Innovationskrise. Diese Krise ist nicht das Resultat mangelnder Ideen oder fehlenden technologischen Know-hows. Die aktuelle Studie „German Innovation Spotlight 2026″ des Fraunhofer-Verbunds in Kooperation mit dem German Design Council offenbart ein tiefer liegendes Problem: Die Diskrepanz zwischen strategischen Ambitionen und Realität ist in deutschen Unternehmen zu einem kritischen Wettbewerbsfaktor geworden.

Die Zahlen deuten auf ein Spannungsfeld hin, das die Wirtschaftspraxis der nächsten Jahre definieren wird. Zwei Drittel der befragten deutschen Mittelstandsunternehmen geben an, Innovation fest in ihrer Unternehmensstrategie verankert zu haben. Doch in derselben Befragung berichten die meisten dieser Unternehmen gleichzeitig von Blockaden, die ihre Innovationsfähigkeit im Tagesgeschäft systematisch blockieren. Die Entscheidungsprozesse sind langsam, die Prioritäten unklar, die organisationalen Strukturen zu starr. Ein Unternehmen kann Innovation noch so laut verkünden – wenn die Organisation nicht folgt, wird sie zur Rhetorik.

Dieser Diagnose liegt ein ökonomisches Fundamentalproblem zugrunde: das Versagen der organisationalen Ambidextrie. Ambidextrie, abgeleitet vom lateinischen „beidhändig”, beschreibt die Fähigkeit von Organisationen, zwei eigentlich gegensätzliche Aufgaben gleichzeitig erfolgreich zu meistern. Auf der einen Seite müssen Unternehmen ihre bestehenden Kernprozesse optimieren, ihre aktuellen Geschäftsmodelle stabilisieren und Effizienzgewinne realisieren. Auf der anderen Seite müssen sie gleichzeitig neue Märkte erschließen, technologische Umbrüche antizipieren, neue Geschäftslogiken erforschen und ihre Organisation zukunftssicher gestalten. Diese beiden Imperative sind nicht einfach zu vereinen – sie erfordern teilweise gegensätzliche Kulturen, Strukturen und Managementlogiken.

Bühne für Innovation

Der German Innovation Award versteht sich als Plattform für Lösungen, die zeigen, wie Innovation wirksam wird. Ausgezeichnet werden Produkte, Projekte und Strategien, die technologische, ökologische und organisatorische Innovation erfolgreich in die Praxis überführen.

Einreichungen für den German Innovation Award 2026 sind noch bis 31. Januar 2026 möglich. Prämiert werden herausragende Innovationen in den Kategorien Excellence in Business to Consumer und Excellence in Business to Business sowie in den Sonderkategorien AI Method, Circular Impacts und Transformation Solutions.

Die Preisverleihung findet im Mai 2026 in Berlin statt und wird von einer Ausstellung der ausgezeichneten Innovationen sowie einer Paneldiskussion zu zentralen Zukunftsfragen von Wirtschaft und Gesellschaft begleitet.

Link zur Teilnahme an der Studie: https://websites.fraunhofer.de/iao-befragungen/index.php?r=survey/index&sid=596326&lang=de

Die Ausschreibungsphase zum German Innovation Award läuft noch bis zum 31. Januar 2026. Informationen gibt es hier: https://www.german-innovation-award.de/how-to

Organisationale Starrheit als Wettbewerbsnachteil

Der ökonomische Kontext für diese Herausforderung ist eindeutig geworden. Digitalisierung, künstliche Intelligenz, neue Materialien und zirkuläre Geschäftsmodelle verändern Märkte nicht mehr in Dekaden, sondern in Quartalen. Gleichzeitig wächst der Druck auf deutsche Unternehmen aus mehreren Richtungen gleichzeitig: Fachkräftemangel macht Innovationsprozesse schwerer, regulatorische Anforderungen steigen, die geopolitische Lage wird unsicherer. In dieser Situation ist die Fähigkeit, schnell zu entscheiden und schnell zu handeln, nicht mehr ein Vorteil von Eliteunternehmen – sie ist die Minimalvoraussetzung für wirtschaftliches Überleben.

Die Innovation Spotlight Studie zeigt, dass mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen Innovation als „wichtig bis überlebenswichtig” für ihren Erfolg einstuft. Diese Unternehmensführer sind nicht ahnungslos. Sie verstehen die Bedrohung. Aber sie können ihre Erkenntnis nicht in Handlung umsetzen. Diese Lähmung ist nicht neurotisch – sie ist strukturell. Sie ist das Ergebnis organisationaler Designs, die für eine Welt des stabilen Wettbewerbs und technologischer Kontinuität optimiert wurden.

Der deutsche Mittelstand ist historisch als Systemlieferant für globale Wertschöpfungsketten erfolgreich gewesen. Das hat zu Unternehmensorganisationen geführt, die auf Verlässlichkeit, Prozessstabilität und inkrementeller Verbesserung aufgebaut sind. Das ist noch immer erfolgreich – aber nur wenn man die Spielregeln des Marktes nicht neu definieren muss. Und genau das müssen Unternehmen heute tun. Nicht einmalig, sondern kontinuierlich.

Darin liegt die eigentliche Krise: Die Organisationen sind zu exploitations-lastig, also zu sehr auf das Optimieren des Bestehenden fokussiert. Die Fähigkeit zur Exploration – zum Erforschen von Neuem, zum Experimentieren ohne garantierte Erfolgsaussicht, zum organisativen Risiko – ist unterentwickelt. Und sie ist nicht einfach eine optionale Fähigkeit, die man „nebenher” aufbauen kann. Die Forschung zu Ambidextrie zeigt eindeutig: Unternehmen, die es schaffen, beide Logiken gleichzeitig zu leben, outperformt, erzielen höhere Profitabilität, schnellere Marktreaktionen und langfristig stabilere Wettbewerbspositionen.

Die KI-Falle: Technologie ohne organisative Reife

Kein Thema illustriert dieses Ambidextrie-Dilemma besser als der aktuelle Umgang mit künstlicher Intelligenz. Die Mehrheit der befragten Unternehmen anerkennt KI als zentrales Zukunftsthema. Jeder CEO weiß, dass KI-Technologien die nächste Welle der Produktivitätssteigerung und Geschäftsmodellinnovation sind. Aber die operative Realität ist eine andere: KI-Initiativen bleiben in Pilotprojekten stecken. Sie werden in separaten Innovation Labs erforscht, zeigen beeindruckende Proof-of-Concepts – und dann passiert: nichts.

Die Skalierung marktreifer KI-Lösungen in die bestehenden Geschäftsprozesse der Unternehmen gelingt nur wenigen. Das ist nicht zufall. Es ist die unmittelbare Konsequenz mangelnder Ambidextrie. Ein Unternehmen braucht für die Entwicklung innovativer KI-Lösungen eine ganz andere organisationale Logik als für deren Integration in bestehende Kernprozesse. Die Explorationseinheiten sind agil, experimentell, schnell, risikotolerant. Die Exploitationseinheiten sind hierarchisch, prozessorientiert, standardisiert, risikominimierend. Diese beiden Welten kollidieren bei der Skalierung.

Oft ist das Ergebnis: Die Pilot-Lösung wird von der Kernorganisation in ein Korsett von Compliance-Anforderungen, Risikomanagement und Standardisierungsprozessen gepresst – bis sie ihre Innovativität völlig verliert. Oder sie wird als „zu riskant” für den Kernbetrieb klassifiziert und bleibt für immer ein Silo-Projekt. Das bedeutet konkret: Deutsche Unternehmen investieren in KI-Technologien, erkennen deren Potenzial, können dieses Potenzial aber nicht in wirtschaftliche Realität transformieren.

Das Problem ist nicht technologisch, sondern organisational. Es ist ein Ambidextrie-Problem.

Nachhaltigkeit als Symptom der Exploitations-Dominanz

Ein ähnliches Muster zeigt sich bei Nachhaltigkeit und der Circular Economy. Viele Unternehmen verstehen mittlerweile, dass Nachhaltigkeit nicht mehr optional ist. Regulatorische Anforderungen (Lieferkettensorgfaltgesetz, Corporate Sustainability Reporting Directive) zwingen zur Auseinandersetzung. Marktdruck von Großkunden, die Nachhaltigkeitsanforderungen an ihre Zulieferer stellen, schafft ökonomische Anreize. Talente, besonders junge Generationen, wollen für Unternehmen arbeiten, die sich nachhaltig positionieren.

Aber auch hier zeigt die Innovation Spotlight, dass die organisationale Integration unzureichend ist. Nachhaltigkeit wird von vielen Unternehmen als relevantes Innovationsfeld anerkannt. In der Praxis ist sie aber oft in einzelnen Projekten organisiert, nicht strukturell in Strategie, Steuerung und tägliche operative Realität integriert. Das ist eine klassische Symptomatik von mangelnder Ambidextrie. Nachhaltigkeit bleibt eine Explorations-Initiative, wird aber nicht in die Exploitations-Logik des Kerngeschäfts übersetzt.

Die Circular Economy wird noch deutlicher als Zukunftsoption verstanden, denn als aktueller Wettbewerbshebel. Das ist ökonomisch kurzsichtig. Zirkuläre Geschäftsmodelle – also Modelle, die Rücknahme, Refurbishment, Recycling und Wiederverwendung in ihre Wertschöpfung integrieren – verändern gerade die Wettbewerbsdynamiken in klassischen Industrien. Unternehmen, die Zirkularität als strategisches Kernthema verstehen und nicht als CSR-Projekt, bauen Wettbewerbsvorteile auf. Sie differenzieren sich von reinen Kostenkonkurrenten, sie reduzieren Rohstoffabhängigkeiten, sie erschließen neue Geschäftslogiken. Aber diese Transformation ist nur möglich, wenn Unternehmen ihre Kernprozesse, ihre Lieferketten, ihre Produktdesign-Logik, ihre Geschäftsmodelle grundlegend neu gestalten. Das ist Exploration, die in Exploitation integriert sein muss. Und genau das gelingt vielen Unternehmen nicht.

Die Führungsfrage als Schlüsselvariable

Die Innovation Spotlight 2026 bringt einen kritischen Befund zu Tage: Dort, wo Innovationsverantwortung eindeutig auf Geschäftsführungsebene verankert ist, steigen Umsetzungsgrad und Geschwindigkeit messbar. Das ist kein Zufall. Es ist die unmittelbare Konsequenz davon, dass Innovation nicht als separate Funktion (Innovation Manager, Innovationsabteilung), sondern als Führungsverantwortung der Gesamtorganisation verankert wird.

Dieses Befund hat tiefe organisationale Bedeutung. Er zeigt, dass Innovation kein technologisches oder prozessuales Problem ist. Es ist ein Führungsproblem. Und damit ein Ambidextrie-Problem. Denn Ambidextrie kann nicht von unten gedacht werden. Sie kann nicht dadurch entstehen, dass einzelne Innovation Labs experimentieren, während der Rest der Organisation wie gewohnt weitermacht. Ambidextrie ist eine Top-Management-Aufgabe.

Ambidextres Führungsverhalten bedeutet konkret: Führungskräfte müssen fähig werden, gleichzeitig klare Vorgaben zu setzen und Autonomie zu gewähren. Sie müssen Strukturen schaffen, die stabilisieren und experimentieren. Sie müssen Teams anleiten, die gleichzeitig Effizienz in bestehenden Prozessen steigern und neue Geschäftslogiken erforschen. Sie müssen Spannungsfelder – zwischen kurzfristigen Erfolgen und langfristiger Anpassungsfähigkeit, zwischen Risikocontrolling und Risikobereitschaft, zwischen standardisierten Prozessen und agilen Experimentierräumen – nicht als Probleme managen, sondern als Quellen von Transformation nutzen.

Das ist nicht unmöglich. Führungskräfte in anderen Industrien zeigen es bereits. Satya Nadella bei Microsoft hat die Transformation von einem reinen Software-Unternehmen zu einem Innovation-getriebenen Cloud- und KI-Leader vollzogen – ohne das profitable Kerngeschäft zu zerstören. Das ist Ambidextrie in Aktion: Die Fähigkeit, das Bestehende zu stabilisieren und zugleich radikal Neues aufzubauen. Aber diese Fähigkeit ist nicht angeboren. Sie muss gelernt, entwickelt und systemisch in der Organisation verankert werden.

 

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Wenn bewährte Strategien versagen: Organisationale Anpassungsfähigkeit im digitalen Wandel der Ambidextrie

Wenn bewährte Strategien versagen: Organisationale Anpassungsfähigkeit im digitalen Wandel der Ambidextrie - Bild: Xpert.Digital

Wir durchleben aktuell eine Phase wirtschaftlicher Unruhe, die sich grundlegend von früheren Rezessionen unterscheidet. In den Führungsetagen europäischer und internationaler Unternehmen herrscht eine trügerische Stille – unterbrochen nur vom Geräusch scheiternder Strategien, die gestern noch als Erfolgsgarant galten. Es handelt sich nicht nur um eine konjunkturelle Delle, sondern um einen tiefgreifenden strukturellen Bruch. Die Werkzeuge, mit denen Unternehmen über zwei Jahrzehnte hinweg Wachstum erzielten, funktionieren schlichtweg nicht mehr.

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  • Wenn bewährte Strategien versagen: Organisationale Anpassungsfähigkeit im digitalen Wandel der Ambidextrie

 

Nicht fehlende Ideen: Das ist der wahre Grund, warum Innovationen scheitern

Entscheidungsfähigkeit als kritische Ressource

Ein häufiger Fehler in der Diagnose von Innovationsproblemen ist es, die Ursache in mangelnden Ideen oder fehlendem technologischen Know-how zu vermuten. Das ist fast immer falsch. Die eigentliche Krise liegt in Entscheidungsfähigkeit, Priorisierung und organisativer Geschwindigkeit. Diese Feststellung wird durch die Innovation Spotlight unterstrichen: Der Anspruch auf Innovation ist hoch, die operative Entscheidungsfähigkeit ist aber oft nicht auf diesem Niveau. Entscheidungsprozesse werden als zu langsam und zu komplex beschrieben, besonders bei innovationsbezogenen Projekten.

Das hat ernsthafte ökonomische Konsequenzen. In dynamischen Märkten ist Geschwindigkeit ein Wettbewerbsfaktor. Ein Unternehmen, das sechs Monate braucht, um eine strategische Entscheidung zur Pilotierung einer KI-Lösung zu treffen, hat bereits verloren – gegen Competitors, die agil experimentieren. Das ist nicht übertrieben. In KI-Märkten geht es um First-Mover-Vorteile, um Talente-Zugänge, um Datenhoheit. Ein halbes Jahr Verzögerung bedeutet möglicherweise, dass die beste Talent-Pipeline bereits erschlossen ist, dass Datenbestände bereits gebündelt sind, dass der Markt bereits dominiert wird.

Entscheidungsfähigkeit ist also nicht einfach eine „soft skill” von Führungskräften. Sie ist ein ökonomischer Faktor. Und sie ist direkt verbunden mit organisativer Ambidextrie. Denn wo Unternehmen Entscheidungsverantwortung klar lokalisiert haben, wo sie Eskalationsprozesse minimiert haben, wo sie Experimentierräume mit klaren (aber großen) Budgetrahmern ausgestattet haben – da entstehen doppelte Entscheidungslogiken. Da können Teams schnell zu neuen Marktchancen experimentieren, während gleichzeitig die Kernorganisation ihre bewährten Prozesse laufen lässt.

Das Zusammenspiel zwischen Design und Innovation

Ein subtiler, aber entscheidender Punkt kommt in der Innovation Spotlight 2026 zum Ausdruck: Die Rolle von Design als konstitutives Element wirksamer Innovationsprozesse. Nicht als ästhetischer Zusatz, sondern als Kernfunktion der Problemlösung. Innovation beschreibt Veränderung. Design beschreibt Gestaltung. Erst im Zusammenspiel entsteht Wirkung.

Das hat tiefe Implikationen für organisationale Ambidextrie. Denn Design hilft, Komplexität zu verstehen, Ideen in greifbare Prototypen zu übersetzten, Lösungen greifbar und testbar zu machen. Das ist eine Explorations-Funktion. Innovation entscheidet dann, skaliert und transformiert. Das ist eine Exploitations-Funktion. Die Integration dieser beiden Logiken – Design im Service von Innovation – ist zentral für organisationale Ambidextrie. Ohne Design bleibt Innovation abstrakt. Ohne Innovation bleibt Design folgenlos.

Viele deutsche Unternehmen haben diese Integration nicht gelöst. Design ist oft eine separate Funktion, die erst spät im Entwicklungsprozess eingebunden wird. Design-Teams und Innovations-Teams arbeiten nicht integriert. Das führt zu Lösungen, die technologisch innovativ, aber benutzerorientiert schlecht durchdacht sind. Es führt zu Innovationen, die am Markt nicht ankommen, weil ihre Gestaltung nicht nutzbar ist.

Die Wirtschaftskrise als Kontext und Katalysator

Der Kontext dieser Innovation Spotlight 2026 ist nicht nebensächlich: Die Studie wird durchgeführt in einer Zeit, in der die deutsche Wirtschaft unter multiplen Druck-Faktoren leidet. Die konjunkturelle Lage ist angespannt. Die Energiekosten sind hoch. Die geopolitischen Risiken nehmen zu. Der Fachkräftemangel ist akut. Regulatorische Anforderungen steigen. In dieser Situation behaupten viele Unternehmen, dass Innovation nicht prioritär ist – dass zunächst das Kerngeschäft stabilisiert werden muss.

Das ist wirtschaftlich verständlich, strategisch aber kurzsichtig. Denn Innovation ist nicht optional in Krisenzeiten – sie ist essentiell. Unternehmen, die in wirtschaftlichen Krisen ihre Innovationsinvestitionen stoppen, bauen sich ihre eigene Zukunftskrise. Und umgekehrt: Unternehmen, die es schaffen, in schwierigen Zeiten ambidexterost zu bleiben – also gleichzeitig operative Effizienz zu steigern und in neue Märkte und Technologien zu investieren – bauen sich nachhaltige Wettbewerbsvorteile für die Post-Krise-Phase auf.

Das ist das Kernargument für Ambidextrie in der Krise: Es ist nicht ein Luxus für gute Zeiten. Es ist eine Überlebensstrategie für turbulente Zeiten.

Barrieren und strukturelle Hemmnisse

Die Innovation Spotlight deutet an, was die Praxis-Erfahrung bestätigt: Es gibt tiefe strukturelle Hemmnisse für ambidextres Organisationsdesign. Erste Barriere: Ressourcenteilungskonflikte. Exploration und Exploitation konkurrieren um Budgets, Talente, Management-Aufmerksamkeit. In Krisenzeiten werden Ressourcen zurecht zu Exploitation verschoben – mit der Konsequenz, dass Explorations-Initiativen leiden. Zweite Barriere: Kulturelle Widerstände. Viele Organisationen haben über Jahrzehnte eine Exploitations-Kultur aufgebaut. Hierarchien sind etabliert, Entscheidungswege sind kristallisiert, Risikobereitschaft ist gering. Eine ambidextres Kultur, die auch Scheitern als Lernchance akzeptiert, verlangt fundamentale Verhaltensänderungen – und viele Führungskräfte, die in Exploitations-Kulturen sozialisiert wurden, fühlen sich darin unwohl.

Dritte Barriere: Organisationale Trägheit. Strukturen, die für Stabilität optimiert sind, sind schwer zu verändern. Wenn ein Unternehmen über Jahrzehnte hierarchisch, funktional-getrennt organisiert wurde, dann ist es schwer, parallel explorative Räume zu schaffen, ohne dass diese als „Außenseiter-Bereich” wahrgenommen werden.

Vierte Barriere: Messbarkeit und Kontrolle. Exploitations-Erfolge sind relativ leicht zu messen: Effizienzgewinne, Kostensenkungen, Produktivitätssteigerungen. Explorations-Erfolge sind schwerer zu messen – und gerade in ihrer Natur oft nicht sofort sichtbar. Das führt dazu, dass Explorations-Investitionen schneller zur Debatte stehen als Exploitations-Investitionen.

Diese Barrieren sind nicht unüberwindbar – aber sie sind real. Und sie erklären, warum viele Unternehmen strategisch „pro Innovation” sind, operativ aber explorationsarm bleiben.

Implikationen für die Wettbewerbsposition

Was bedeutet dies für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen? Die Diagnose ist deutlich: Deutschland wird im globalen Wettbewerb nicht deshalb verlieren, weil deutsche Ingenierinnen und Ingenieure weniger innovativ sind als amerikanische oder asiatische. Es könnte verlieren, weil deutsche Organisationen weniger ambidexter sind. Weil deutsche Unternehmen strategische Innovationsintentionen haben, aber organisationale Strukturen, die diese nicht in Realität transformieren. Weil deutsche Führungskultur traditionell auf Stabilität und Prozesszuverlässigkeit setzt, nicht auf Experimentieren und Agilität.

Das ist keine Frage des nationalen Charakters. Es ist eine Organisationsdesign-Frage. Und Organisationsdesign kann gelernt und geändert werden.

Die Chancen sind real: Unternehmen, die es schaffen, ihre exploitativen Kernkompetenzen (das tiefe technische Know-how, die Prozesspräzision, die Qualitätsorientierung) zu bewahren, gleichzeitig aber explorative Räume zu schaffen, werden führend. Sie werden KI-Technologien nicht nur entwickeln, sondern auch skalieren. Sie werden nachhaltige Geschäftsmodelle nicht nur als Compliance-Thema, sondern als Wettbewerbsvorteil realisieren. Sie werden schneller auf Marktveränderungen reagieren. Sie werden Talente anziehen, die sowohl von Stabilität als auch von Innovation wollen.

Schlussfolgerungen und Perspektive

Die Innovation Spotlight 2026 dokumentiert nicht einen Mangel an Innovation in deutschen Unternehmen. Sie dokumentiert ein Ambidextrie-Problem: Die Unfähigkeit, gleichzeitig effizient und flexibel zu sein, gleichzeitig Kerngeschäfte zu stabilisieren und radikale Neuerungen zu erforschen, gleichzeitig Ergebnisse zu liefern und Experimente zu führen.

Die Lösung liegt nicht in mehr Innovation als Strategie-Aussage. Sie liegt in organisativen Design-Entscheidungen: Wie werden Entscheidungsverantwortungen verteilt? Wie werden Explorations- und Exploitations-Teams strukturiert und verbunden? Wie wird Führungskultur entwickelt, die ambidextre Spannung als Quelle von Transformation nutzt, nicht als Konflikt, der zu managen ist? Wie wird das Messsystem aufgebaut, um auch langfristige, explorative Erfolge sichtbar zu machen?

Die gute Nachricht: Es gibt Unternehmen und Führungskräfte, die diese Aufgaben lösen. Microsoft, um ein großes Beispiel zu nennen. Aber auch im deutschen Mittelstand gibt es Vorreiter. Die Innovation Spotlight bietet eine Bühne für genau diese Lösungen. Der German Innovation Award, dessen Ausschreibungsfrist am 31. Januar 2026 endet, sucht nach genau diesem: nach Produkten, Projekten und Strategien, die zeigen, wie technologische, ökologische und organisatorische Innovation erfolgreich in die Praxis überführt werden. Das ist nicht nur ein Award für technologische Brillanz. Es ist ein Signal an den Markt: Dass organisationale Transformation – die echte Integration von Innovation in Alltag – das entscheidende Erfolgskriterium der Dekade ist.

Deutsche Unternehmen haben die Kompetenz, das Know-how und die Ressourcen für echte Ambidextrie. Ob sie es schaffen werden, sie zu mobilisieren, wird über ihre zukünftige Wettbewerbsposition entscheiden.

 

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