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Alarmstufe Rot im Maschinenbau: Darum fordert die deutsche Industrie jetzt harte EU-Zölle gegen China

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Veröffentlicht am: 19. Juli 2026 / Update vom: 19. Juli 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Alarmstufe Rot im Maschinenbau: Darum fordert die deutsche Industrie jetzt harte EU-Zölle gegen China

Alarmstufe Rot im Maschinenbau: Darum fordert die deutsche Industrie jetzt harte EU-Zölle gegen China – Bild: Xpert.Digital

Preisdumping und Subventionen: Das riskante China-GeschÀft der deutschen Maschinenbauer

Beweislastumkehr und Strafzölle: Der neue Masterplan gegen Chinas Industriemacht

Radikaler Strategiewechsel: Zieht die EU im Maschinenbau bald die Reißleine?

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau steht vor einer historischen Belastungsprobe. Über Jahrzehnte hinweg galt die Branche als unangefochtener Exportweltmeister und industrielles RĂŒckgrat der Bundesrepublik. Doch zunehmend drĂ€ngen chinesische Konkurrenten nicht nur mit gewachsener technologischer Kompetenz, sondern vor allem mit aggressiven Preisen und massiver staatlicher UnterstĂŒtzung auf den Weltmarkt. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) schlĂ€gt nun Alarm: In einem ĂŒberarbeiteten Positionspapier fordert er von der EuropĂ€ischen Union ein entschlossenes, aber chirurgisch prĂ€zises Vorgehen gegen die eklatanten Wettbewerbsverzerrungen aus Fernost. Statt pauschaler Einfuhrquoten plĂ€diert die Industrie fĂŒr Ausgleichszölle auf ganzer Warengruppenebene und eine juristisch brisante Beweislastumkehr. Doch der Spagat zwischen dem notwendigen Schutz heimischer Innovationen und der Vermeidung eines eskalierenden Handelskrieges gleicht einer hochkomplexen politischen Gratwanderung. Lesen Sie im Folgenden, warum der VDMA jetzt einen Paradigmenwechsel fordert und welche Risiken die neue HĂ€rte gegenĂŒber Peking birgt.

Handelskonflikt im Maschinenbau: Der VDMA fordert von der EU entschlossenes Vorgehen gegen China

Wenn Fairness zur Systemfrage wird – Deutschlands Maschinenbauer schlagen Alarm

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau, jahrzehntelang das industrielle RĂŒckgrat der Bundesrepublik und Exportweltmeister in zahlreichen Teilsegmenten, sieht sich einem strukturellen Wandel des globalen Wettbewerbs gegenĂŒber, der seine Grundfesten erschĂŒttert. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, kurz VDMA, hat ein ĂŒberarbeitetes Positionspapier mit dem Titel „China – FĂŒr WettbewerbsfĂ€higkeit und fairen Wettbewerb“ veröffentlicht, das die Bundesregierung und die EuropĂ€ische Union zu einem entschiedeneren Vorgehen gegen Wettbewerbsverzerrungen auffordert. PrĂ€sident Bertram Kawlath reiste dafĂŒr eigens nach BrĂŒssel, um seinem Anliegen in direkten GesprĂ€chen mit EU-Vertretern Nachdruck zu verleihen und die Dringlichkeit der Forderungen zu unterstreichen. Der Verband, der rund 3.600 Mitgliedsunternehmen vertritt, betont dabei ausdrĂŒcklich, dass es ihm nicht um Abschottung gegenĂŒber einem gleichwertigen Konkurrenten geht, sondern um die Wiederherstellung gleicher Wettbewerbsbedingungen gegenĂŒber einem Rivalen, dessen Aufstieg durch staatliche Eingriffe erheblich beschleunigt wurde. Diese Unterscheidung zwischen Respekt vor unternehmerischer Leistung und Kritik an systemischer Verzerrung bildet den argumentativen Kern der gesamten Positionierung und zeigt, wie sehr sich der Ton der deutschen Industrie gegenĂŒber China in den vergangenen Jahren verschĂ€rft hat.

Technologischer Aufholprozess trifft auf staatlich gestĂŒtzte ÜberkapazitĂ€ten

China hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten von einer verlĂ€ngerten Werkbank zu einem technologisch ernst zu nehmenden Wettbewerber im Maschinen- und Anlagenbau entwickelt, der in immer mehr Nischen westliche Anbieter attackiert. Diese Entwicklung wĂ€re fĂŒr sich genommen ein normaler und gesunder Ausdruck wirtschaftlicher Konvergenz, wie sie viele SchwellenlĂ€nder im Laufe ihrer industriellen Reifung durchlaufen. Problematisch wird die Situation aus Sicht des VDMA jedoch dadurch, dass dieser Aufstieg nicht allein auf marktwirtschaftlicher Innovationskraft beruht, sondern in erheblichem Maße durch staatliche Subventionen, verdeckte Exportförderung und eine gezielte Industriepolitik getragen wird. Die EuropĂ€ische Union und internationale Handelsbeobachter dokumentieren inzwischen umfassend, dass chinesische Unternehmen in Sektoren wie Stahl, Chemie und zunehmend auch im Maschinenbau von einem Zusammenspiel aus billigen Krediten, subventionierten Rohstoffen und regionalen Förderprogrammen profitieren, das auslĂ€ndischen Wettbewerbern in dieser Form nicht zur VerfĂŒgung steht. Die EuropĂ€ische Kommission hat bis Ende des vergangenen Jahres bereits 172 Antidumping- und Antisubventionsmaßnahmen in Kraft gesetzt, von denen mehr als drei Viertel gegen chinesische Unternehmen gerichtet sind, was die Dimension des Problems verdeutlicht. Beobachter der EU-Handelspolitik berichten zudem von einem merklichen Anstieg neuer Untersuchungen und endgĂŒltiger Zollfestsetzungen im laufenden Jahr, der die Kommission auf einen Kurs bringt, die Zahlen des Vorjahres zu ĂŒbertreffen, was als Reaktion auf ein zunehmend als strukturelles Problem chinesischer industrieller ÜberkapazitĂ€t wahrgenommenes PhĂ€nomen gilt.

Zwischen Marktzugang und Marktverzerrung – die Ambivalenz der chinesischen Konkurrenz

Es wĂ€re eine unzulĂ€ssige Vereinfachung, den chinesischen Maschinenbau pauschal als bloßes Produkt staatlicher Subventionierung abzutun, denn tatsĂ€chlich verfĂŒgt das Land inzwischen ĂŒber betrĂ€chtliche eigenstĂ€ndige technologische Kompetenzen, insbesondere in Bereichen wie Automatisierung, ElektromobilitĂ€t und erneuerbaren Energien. VDMA-PrĂ€sident Kawlath selbst betont ausdrĂŒcklich den Respekt vor den Leistungen der chinesischen Konkurrenz, was zeigt, dass der Verband sich bewusst von einer rein protektionistischen Rhetorik distanziert, die den technologischen Fortschritt Chinas schlicht ignoriert. Gleichzeitig aber verweist der Verband darauf, dass die Wettbewerbsverzerrungen inzwischen so umfassend dokumentiert seien, dass wirksame Reaktionen der EU notwendig werden, um faire Bedingungen zu sichern. Diese doppelte Perspektive, die technologische Anerkennung mit ordnungspolitischer Kritik verbindet, macht das Positionspapier differenzierter als viele öffentliche DebattenbeitrĂ€ge zum Thema China, die hĂ€ufig zwischen naiver Kooperationsfreude und pauschaler Bedrohungsrhetorik oszillieren. Aus ökonomischer Sicht ist diese Differenzierung auch deshalb bedeutsam, weil sie die Grundlage fĂŒr gezielte statt fĂŒr pauschale handelspolitische Instrumente liefert, ein Aspekt, der sich auch in den konkreten Forderungen des Papiers widerspiegelt.

Ausgleichszölle auf Warengruppenebene als neues Kerninstrument

Die zentrale Neuerung im ĂŒberarbeiteten Positionspapier ist die Forderung nach Ausgleichszöllen auf der Ebene ganzer Warengruppen, wenn hinreichende Indizien fĂŒr unfaire Wettbewerbspraktiken vorliegen. Konkret bedeutet dies, dass beispielsweise die gesamte Kategorie der Baumaschinen mit Ausgleichszöllen belegt werden könnte, sobald belastbare Hinweise auf systematische Subventionierung oder Dumping innerhalb dieser Warengruppe vorliegen, ohne dass fĂŒr jedes einzelne Unternehmen ein separates, jahrelanges Verfahren durchlaufen werden muss. Der Leiter der VDMA-Außenwirtschaft, Oliver Richtberg, brachte diese Forderung pointiert auf den Punkt, indem er erklĂ€rte, die EuropĂ€ische Union mĂŒsse schneller und wirksamer gegen Wettbewerbsverzerrungen wie Subventionen, Dumping und WĂ€hrungsmanipulation vorgehen. Diese Forderung reagiert auf eine reale strukturelle SchwĂ€che des bestehenden EU-Handelsschutzsystems, denn klassische Antidumping- und Antisubventionsverfahren dauern in der Regel gut ein Jahr, wobei unter Einbeziehung der Vorarbeiten hĂ€ufig zwei bis drei Jahre zwischen der Identifikation eines Problems und der tatsĂ€chlichen Umsetzung einer Lösung vergehen. FĂŒr Unternehmen, die im TagesgeschĂ€ft mit aggressiv bepreisenden Wettbewerbern konfrontiert sind, kann eine derart lange Reaktionszeit faktisch bedeuten, dass Marktanteile bereits unumkehrbar verloren gegangen sind, bevor ĂŒberhaupt eine Schutzmaßnahme greift. Kritiker dieser Verfahrensdauer innerhalb der EU-Handelspolitik weisen bereits seit LĂ€ngerem darauf hin, dass dieser Zeitrahmen fĂŒr notleidende heimische Industrien schlicht zu lang bemessen ist.

Die Beweislastumkehr als juristisch brisante VerschÀrfung

Neben den Ausgleichszöllen auf Warengruppenebene enthĂ€lt das Positionspapier eine zweite, juristisch weitaus brisantere Forderung, nĂ€mlich die PrĂŒfung einer Beweislastumkehr bei Ausgleichszöllen. Nach diesem Modell sollen betroffene chinesische Unternehmen bei Vorliegen hinreichender Indizien selbst nachweisen mĂŒssen, dass sie nicht von unfairen Vorteilen profitieren, anstatt dass wie bisher die europĂ€ische Seite die vollstĂ€ndige Beweislast fĂŒr das Vorliegen unlauterer Praktiken trĂ€gt. Diese Verschiebung der Beweislast wĂŒrde das Machtgleichgewicht in Handelsschutzverfahren erheblich zugunsten der europĂ€ischen Industrie verĂ€ndern, da die Informationsasymmetrie zwischen auslĂ€ndischen Unternehmen und europĂ€ischen Ermittlungsbehörden bislang eines der grĂ¶ĂŸten praktischen Hindernisse fĂŒr eine wirksame Durchsetzung von Handelsschutzmaßnahmen darstellt. In der Praxis fĂ€llt es der EuropĂ€ischen Kommission oft außerordentlich schwer, an interne Kostenstrukturen, staatliche Förderbescheide oder Kreditkonditionen chinesischer Unternehmen zu gelangen, weil diese Informationen naturgemĂ€ĂŸ im Zugriffsbereich der betroffenen Unternehmen und ihrer heimischen Behörden liegen und selten freiwillig offengelegt werden. Eine Beweislastumkehr wĂŒrde diesen strukturellen Nachteil zumindest teilweise kompensieren, wirft aber zugleich Fragen der WTO-KonformitĂ€t auf, da das multilaterale Handelsrecht traditionell hohe Anforderungen an die Nachweispflicht der untersuchenden Behörde stellt. Es ist bezeichnend, dass der VDMA hier von einer „PrĂŒfung“ spricht und nicht von einer unmittelbaren Forderung nach Umsetzung, was auf ein Bewusstsein fĂŒr die rechtliche KomplexitĂ€t dieses Instruments hindeutet.

Warum Einfuhrquoten beim VDMA auf Skepsis stoßen

Interessant ist, dass der VDMA sich explizit gegen ein Instrument positioniert, das in anderen Branchen wie der Stahlindustrie bereits breite Anwendung findet, nĂ€mlich Einfuhrquoten mit hohen Zusatzzöllen fĂŒr darĂŒber hinausgehende Mengen. Richtberg begrĂŒndete diese Ablehnung damit, dass solche Maßnahmen Drittstaaten gleichermaßen trĂ€fen, unabhĂ€ngig davon, ob sie unfaire Wettbewerbspraktiken anwendeten oder nicht. Diese Position offenbart eine bemerkenswerte ökonomische GrundĂŒberzeugung des Verbandes, der offenkundig zwischen zielgerichteten, verursachergerechten Instrumenten und pauschalen, undifferenzierten Schutzmaßnahmen unterscheidet. WĂ€hrend die Stahlindustrie mit ihren Safeguard-Maßnahmen, die aktuell ĂŒber den regulĂ€ren achtjĂ€hrigen WTO-Rahmen hinaus verlĂ€ngert werden sollen, auf breite mengenmĂ€ĂŸige BeschrĂ€nkungen setzt, die alle Importeure gleichermaßen betreffen, bevorzugt der Maschinenbau offenkundig chirurgisch prĂ€zisere Eingriffe, die tatsĂ€chlich fehlverhaltende Akteure treffen, ohne faire Wettbewerber aus DrittlĂ€ndern zu bestrafen. Diese Differenzierung ist ökonomisch bemerkenswert konsistent, denn sie vermeidet die Gefahr, dass protektionistische Maßnahmen zu KollateralschĂ€den bei Handelspartnern fĂŒhren, die selbst keine unlauteren Praktiken anwenden, gleichzeitig aber wertvolle Lieferketten und diplomatische Beziehungen unnötig belasten wĂŒrden.

 

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Handelsschutzeinnahmen neu gedacht: Innovationsfonds statt Staatskasse

Handelsschutzeinnahmen als Innovationsmotor statt Fiskaleinnahme

Ein besonders bemerkenswerter, weil unkonventioneller Vorschlag des Positionspapiers betrifft die Verwendung der Einnahmen aus Handelsschutzmaßnahmen. Der Verband schlĂ€gt vor, diese Einnahmen vollstĂ€ndig in technologieoffene Innovationsförderung fließen zu lassen und sie gegebenenfalls gezielt zur UnterstĂŒtzung jener Unternehmen einzusetzen, die von chinesischen Gegenmaßnahmen betroffen sind. Dieser Vorschlag adressiert eine reale politische Gefahr, die sich in der jĂŒngeren Handelsgeschichte zwischen der EU und China bereits mehrfach materialisiert hat. Als Reaktion auf die europĂ€ischen Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge, die seit Ende 2024 bei bis zu 35,3 Prozent liegen, hat China seinerseits Gegenmaßnahmen gegen europĂ€ische Produkte wie Schweinefleisch, Brandy und Milchprodukte verhĂ€ngt. Bei Brandy etwa verhĂ€ngte das chinesische Handelsministerium Zölle von bis zu 349 Prozent, wobei große Hersteller wie Pernod Ricard, LVMH und RĂ©my Cointreau durch individuelle Mindestpreisvereinbarungen von den Zöllen ausgenommen wurden. Diese Eskalationsspirale zeigt, dass handelspolitische Schutzmaßnahmen selten folgenlos bleiben und hĂ€ufig zu asymmetrischen Vergeltungsmaßnahmen fĂŒhren, die andere Branchen empfindlich treffen können, selbst wenn diese mit dem ursprĂŒnglichen Streitpunkt nichts zu tun haben. Der VDMA-Vorschlag, betroffene Unternehmen aus den erzielten Zolleinnahmen zu entschĂ€digen, stellt insofern einen pragmatischen Versuch dar, die sektorĂŒbergreifenden Kosten einer aggressiveren Handelsschutzpolitik gesellschaftlich fairer zu verteilen.

MarktĂŒberwachung als zweite SĂ€ule der Fairnessstrategie

Neben den zolltechnischen Instrumenten identifiziert der VDMA eine deutlich intensivere MarktĂŒberwachung als zweite wesentliche Maßnahme zur Sicherung fairer Wettbewerbsbedingungen im europĂ€ischen Binnenmarkt. Hintergrund dieser Forderung ist die wiederkehrende Beobachtung, dass chinesische Unternehmen Maschinen nach Europa exportieren, die schlicht nicht den geltenden EU-Rechtsvorschriften entsprechen, etwa hinsichtlich Sicherheitsstandards oder technischer Normen. Richtberg forderte in diesem Zusammenhang, dass RegelverstĂ¶ĂŸe konsequent geahndet werden sollten, da es sich hierbei nicht um ein hypothetisches, sondern um ein wiederholt auftretendes Problem handele. Der Verband schlĂ€gt konkret vor, Hersteller aus Drittstaaten, die gegen die Regeln verstoßen, zu einer Vorabzertifizierung durch eine unabhĂ€ngige PrĂŒfstelle zu verpflichten, und fordert zudem, dass Hersteller von Produkten mit Sitz in Drittstaaten sowie deren EU-ReprĂ€sentanten eindeutig identifizierbar sein mĂŒssen, damit gesetzliche Anforderungen an Produkte ĂŒberhaupt durchsetzbar sind. Diese Forderung nach besserer RĂŒckverfolgbarkeit trifft einen wunden Punkt der europĂ€ischen Binnenmarktordnung, denn die Durchsetzung von Produktvorschriften gegenĂŒber Herstellern ohne physische PrĂ€senz in der EU gestaltet sich in der Praxis regelmĂ€ĂŸig als Ă€ußerst schwierig, was faire europĂ€ische Anbieter, die vollstĂ€ndig regelkonform produzieren mĂŒssen, gegenĂŒber laxeren Wettbewerbern strukturell benachteiligt.

Der grĂ¶ĂŸere Kontext: Ein sich verschĂ€rfendes EU-China-Handelsklima

Das VDMA-Positionspapier erscheint keineswegs in einem handelspolitischen Vakuum, sondern fĂŒgt sich in ein Muster zunehmender Spannungen zwischen der EuropĂ€ischen Union und China ein, das sich ĂŒber zahlreiche Branchen erstreckt. Neben den bereits erwĂ€hnten Zöllen auf Elektrofahrzeuge und den chinesischen Gegenmaßnahmen bei Agrarprodukten hat die EU im laufenden Jahr eine Reihe weiterer Antidumpingmaßnahmen gegen chinesische Importe verhĂ€ngt, darunter Zölle von bis zu 83,9 Prozent auf Bariumcarbonat, vorlĂ€ufige Zölle von bis zu 142,5 Prozent auf den Chemierohstoff 1,4-Butandiol und Zölle von bis zu 42,3 Prozent auf AdipinsĂ€ure. Auch im Stahlsektor, wo die EU ihre ImportmengenbeschrĂ€nkungen im Rahmen der Safeguard-Maßnahmen ab Juli praktisch halbieren will, zeichnet sich eine deutliche VerschĂ€rfung ab, die allerdings schwierige Verhandlungen mit stahlexportierenden LĂ€ndern erfordert. Innerhalb der EU-Mitgliedstaaten mehren sich zudem Stimmen, die eine grundsĂ€tzliche Beschleunigung der Handelsuntersuchungen fordern, eine Ausweitung des Produktspektrums solcher Untersuchungen befĂŒrworten und fĂŒr eine flexiblere Anwendung von Schutzmaßnahmen eintreten, etwa durch die EinfĂŒhrung vorlĂ€ufiger Schutzmaßnahmen parallel zu lĂ€nger andauernden Antidumping- oder Antisubventionsverfahren. Ein von Frankreich angefĂŒhrtes Positionspapier hat jĂŒngst sogar die Möglichkeit zusĂ€tzlicher Zölle und Quoten vorgeschlagen, um die ÜberabhĂ€ngigkeit von einem einzelnen Land zu verringern und die europĂ€ische Industrie strukturell zu schĂŒtzen. Diese Gemengelage zeigt, dass der Maschinenbau mit seinen Forderungen keineswegs isoliert steht, sondern Teil einer branchenĂŒbergreifenden Neuausrichtung der europĂ€ischen Handelspolitik gegenĂŒber China ist, die sich ĂŒber die vergangenen zwei Jahre kontinuierlich verschĂ€rft hat.

Die politische Gratwanderung zwischen Konfrontation und Kooperation

Die deutsche und europĂ€ische Politik bewegt sich in dieser Frage auf einem schmalen Grat, denn China bleibt trotz aller Spannungen ein zentraler Absatzmarkt fĂŒr den deutschen Maschinenbau und zugleich ein mögliches Gegengewicht in einer Zeit, in der auch die Handelsbeziehungen zu den Vereinigten Staaten unter dem Druck einer aggressiveren amerikanischen Zollpolitik stehen. Beobachter weisen darauf hin, dass die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz gleichzeitig hart gegenĂŒber unfairen chinesischen Praktiken auftreten und China als Ausgleichsfaktor gegenĂŒber der amerikanischen Handelspolitik nutzen möchte – ein Balanceakt, der angesichts der neuen EU-Zölle auf chinesische Chemieprodukte zunehmend ins Wanken zu geraten scheint. FĂŒr den Maschinenbau als besonders exportabhĂ€ngige Branche, deren Produkte sowohl nach China verkauft als auch zunehmend von chinesischer Konkurrenz auf DrittmĂ€rkten bedroht werden, ist diese Ambivalenz besonders spĂŒrbar. Einerseits benötigen deutsche Maschinenbauer weiterhin Zugang zum chinesischen Absatzmarkt und zu chinesischen Zulieferketten, andererseits sehen sie sich gerade in WachstumsmĂ€rkten außerhalb Europas einer immer aggressiveren chinesischen Konkurrenz ausgesetzt, die durch Subventionen kĂŒnstlich verbilligte Angebote unterbreiten kann. Diese doppelte AbhĂ€ngigkeit erklĂ€rt, warum der VDMA in seinem Positionspapier bewusst auf gezielte statt pauschale Instrumente setzt, denn eine ĂŒbermĂ€ĂŸig konfrontative Handelspolitik könnte die eigenen Exportinteressen in China empfindlich beschĂ€digen und ĂŒber chinesische Gegenmaßnahmen zusĂ€tzliche KollateralschĂ€den verursachen.

Ökonomische Bewertung: Berechtigte Kritik mit Umsetzungsrisiken

Aus wirtschaftspolitischer Perspektive lĂ€sst sich die VDMA-Position als grundsĂ€tzlich berechtigt, aber nicht ohne Risiken einordnen. Die Dokumentation umfangreicher chinesischer Industriesubventionen ist inzwischen durch zahlreiche unabhĂ€ngige Untersuchungen und die Verfahrenspraxis der EU-Kommission selbst hinreichend belegt, sodass die Forderung nach wirksameren Gegenmaßnahmen keineswegs als protektionistische Übertreibung abgetan werden kann. Gleichzeitig bergen insbesondere die Forderung nach einer Beweislastumkehr und nach pauschalen Ausgleichszöllen auf Warengruppenebene erhebliche Umsetzungsrisiken, sowohl rechtlich im Hinblick auf die WTO-KonformitĂ€t als auch politisch im Hinblick auf mögliche chinesische Vergeltungsmaßnahmen, die wie im Fall der Elektrofahrzeugzölle rasch andere, oft unbeteiligte Branchen treffen können. Die differenzierte Haltung des Verbandes, der Einfuhrquoten explizit ablehnt und stattdessen auf zielgerichtete, evidenzbasierte Instrumente setzt, zeugt von einem reifen VerstĂ€ndnis dieser Kompromisssituation und unterscheidet die VDMA-Position wohltuend von pauschaleren protektionistischen Forderungen anderer Interessengruppen. Langfristig wird der Erfolg dieser Strategie davon abhĂ€ngen, ob die EuropĂ€ische Union tatsĂ€chlich in der Lage ist, ihre Verfahren spĂŒrbar zu beschleunigen und gleichzeitig die diplomatischen Kosten einer hĂ€rteren Gangart gegenĂŒber Peking zu kontrollieren, ohne dabei die eigenen exportorientierten Industrien wie den Maschinenbau selbst zum Kollateralschaden einer eskalierenden Handelsauseinandersetzung zu machen.

 

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