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Veranstaltung von EPP SME Defence und SME Europe mit Riho Terras zum Thema „Die Zukunft der europäischen Verteidigung und der KMU“

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Veröffentlicht am: 17. Februar 2026 / Update vom: 17. Februar 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Veranstaltung von EPP SME Defence und SME Europe mit Riho Terras zum Thema „Die Zukunft der europäischen Verteidigung und der KMU“

Veranstaltung von EPP SME Defence und SME Europe mit Riho Terras zum Thema „Die Zukunft der europäischen Verteidigung und der KMU“ – Bild: EPP SME Defence / SME Europe

Hintergrund und Zielsetzung der Expertenrunde: Die Zukunft der europäischen Verteidigung und die Rolle von kleinen und mittleren Unternehmen

Wann und wo fand das Expertentreffen zur Zukunft der europäischen Verteidigung statt und wer waren die Organisatoren?

Am Dienstag, den 10. Februar, fand im Europäischen Parlament in Straßburg eine bedeutende Expertenrunde statt. Organisiert wurde diese Veranstaltung von EPP SME Defence und SME Europe. Die Schirmherrschaft und inhaltliche Leitung übernahm der Europaabgeordnete Riho Terras, der nicht nur als Vorsitzender der EPP SME Defence Initiative fungiert, sondern auch als stellvertretender Vorsitzender des Unterausschusses für Sicherheit und Verteidigung (SEDE) im Europäischen Parlament tätig ist. Das zentrale Thema des Treffens lautete „Future of European Defence and SMEs“, wobei der Fokus auf der strategischen Einbindung kleiner und mittlerer Unternehmen in die europäische Sicherheitsarchitektur lag.

Welchen politischen und finanziellen Kontext skizzierte Riho Terras zu Beginn der Diskussion?

Riho Terras eröffnete die Diskussion, indem er die Dringlichkeit des Themas in den unmittelbaren Kontext der laufenden Verhandlungen über den Mehrjährigen Finanzrahmen (MFF) für den Zeitraum von 2028 bis 2034 stellte. Er betonte nachdrücklich, dass die zukünftigen Finanzierungsinstrumente der Europäischen Union so gestaltet sein müssen, dass sie eine widerstandsfähige und wettbewerbsfähige europäische verteidigungsindustrielle Basis stärken. Für Terras ist der kommende Finanzrahmen ein entscheidendes Instrument, um die Weichen für die langfristige Sicherheit Europas zu stellen. Dabei unterstrich er, dass finanzielle Mittel gezielt eingesetzt werden müssen, um nicht nur den Status quo zu erhalten, sondern echte Resilienz aufzubauen.

Welche spezifischen Prioritäten nannte Terras in Bezug auf KMU und Innovation?

Der Abgeordnete hob hervor, dass die Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die Förderung von Innovationen und die industrielle Skalierung – also das Hochfahren von Produktionskapazitäten – von zentraler Bedeutung sind. Ein besonderes Augenmerk legte er auf die Notwendigkeit, administrative Hürden im Verteidigungssektor drastisch zu reduzieren. Er merkte an, dass die aktuelle Europäische Kommission in ihren ersten 15 Monaten bereits Fortschritte in den Bereichen Verteidigung und Wettbewerbsfähigkeit erzielt habe. Als Beispiele nannte er die SAFE-Initiative und erste Bemühungen zum Abbau von Bürokratie. Terras betonte zudem die historische Bedeutung der Tatsache, dass es nun erstmals einen dedizierten Kommissar für Verteidigung und Raumfahrt gibt. Dies sei ein essenzieller Schritt, um eine engere Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten zu fördern und das industrielle Potenzial Europas besser zu erschließen. Abschließend forderte er, dass die Rolle von KMU neben den großen Hauptauftragnehmern (den sogenannten PRIMEs) klar definiert werden muss und dass Flexibilität bei der Verteidigungsfinanzierung fair und effektiv angewendet werden sollte.

Die Perspektive der Industrie und praktische Erfahrungen: Wie beschrieb Markus Becker die aktuelle Rolle von KMU in der europäischen Verteidigung?

Markus Becker, der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Verteidigung von SME Connect, brachte die Industrieperspektive in die Diskussion ein und beleuchtete die konkrete Rolle, die KMU bereits heute in der europäischen Verteidigung spielen. Er stützte sich dabei auf die Erfahrungen seines eigenen Unternehmens bei der Bereitstellung fortschrittlicher Logistik- und Infrastrukturlösungen. Becker machte deutlich, dass KMU keine theoretische Reserve sind, sondern aktive Akteure, die auf einem hohen operativen Niveau arbeiten. Dies belegte er mit Hinweisen auf jüngste Arbeiten für europäische Streitkräfte, darunter Reaktionen auf NATO-Anfragen sowie Projekte mit Partnern wie der Schweizer Armee. Diese Beispiele dienten ihm als Beweis dafür, dass KMU über kritische Verteidigungsfähigkeiten verfügen.

Welche Haupthindernisse identifizierte die Industrie für eine stärkere Einbindung von KMU?

Trotz der bewiesenen Leistungsfähigkeit stehen KMU laut Becker vor erheblichen Herausforderungen. Er unterstrich, dass diese Unternehmen zwar über das notwendige technische Know-how und die Innovationskraft verfügen, aber durch komplexe administrative und regulatorische Hürden ausgebremst werden. Diese bürokratischen Lasten erschweren es kleineren Akteuren oft, ihr volles Potenzial auszuschöpfen oder schnell auf neue Anforderungen zu reagieren. Die Diskrepanz zwischen der operativen Exzellenz der KMU und dem administrativen Aufwand, den sie bewältigen müssen, wurde als eines der Kernprobleme identifiziert, das dringend politischer Lösungen bedarf.

Herausforderungen für Startups und Technologieunternehmen: Wer vertrat die Interessen von Verteidigungs-Startups und welche Struktur hat dieser Sektor?

Fritz von Stülpnagel, der Geschäftsführer von DefenceTech Europe, vertrat die Interessen der jungen Technologieunternehmen. Er stellte seine Organisation als einen paneuropäischen Verband vor, der gegründet wurde, um Startups im Verteidigungsbereich eine dedizierte Stimme auf EU-Ebene zu geben. In seiner Analyse merkte er an, dass sich zwar viele Defence-Tech-Startups auf Software und Dual-Use-Technologien (Güter mit doppeltem Verwendungszweck) konzentrieren, es aber auch eine wachsende Anzahl von Unternehmen gibt, die Hardware-Lösungen entwickeln. Diese Diversifizierung zeigt, dass Innovationen im Verteidigungssektor nicht mehr nur von großen Rüstungskonzernen, sondern zunehmend von agilen Neugründungen vorangetrieben werden.

Welche spezifischen Probleme sprach von Stülpnagel bezüglich Lieferketten und Finanzierung an?

Ein zentraler Punkt in von Stülpnagels Ausführungen war die Feststellung, dass die Lieferketten im Bereich Defence-Tech noch nicht vollständig europäisch sind. Er betonte jedoch, dass diese Lieferketten schrittweise durch Startups gestärkt werden, was zur strategischen Autonomie Europas beitragen kann. Ein kritisches Hindernis für das Wachstum dieser Innovationen ist der Zugang zu privatem Kapital. Von Stülpnagel erklärte, dass private Investitionen für die Skalierung von Innovationen unerlässlich sind. Hierbei wies er auf die anhaltenden Herausforderungen im Zusammenhang mit ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) hin. Oftmals werden Verteidigungsunternehmen von Investoren und Banken aufgrund strenger ESG-Auslegungen gemieden, was die Kapitalbeschaffung massiv erschwert.

Was wurde zum Thema militärische Mobilität und Zollverfahren gesagt?

Neben den finanziellen Aspekten hob von Stülpnagel auch logistische Probleme hervor. Er äußerte Besorgnis über den Mangel an militärischer Mobilität für Industriegüter. Insbesondere komplexe Zollverfahren stellen nach wie vor ein erhebliches Hindernis dar. Diese bürokratischen Hürden beeinträchtigen die Fähigkeit von Startups, ihre Produkte schnell zu liefern, was sich auch negativ auf die Unterstützung der Ukraine auswirkt. Die Unfähigkeit, Ausrüstung und Technologie schnell über Grenzen hinweg zu bewegen, wurde als eine Schwachstelle identifiziert, die die Reaktionsfähigkeit der europäischen Verteidigungsindustrie im Krisenfall mindert.

 

Hub für Sicherheit und Verteidigung - Beratung und Informationen

Hub für Sicherheit und Verteidigung

Hub für Sicherheit und Verteidigung - Bild: Xpert.Digital

Der Hub für Sicherheit und Verteidigung bietet fundierte Beratung und aktuelle Informationen, um Unternehmen und Organisationen effektiv dabei zu unterstützen, ihre Rolle in der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu stärken. In enger Verbindung zur Working Group Defence der SME Connect fördert er insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die ihre Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit im Bereich Verteidigung weiter ausbauen möchten. Als zentraler Anlaufpunkt schafft der Hub so eine entscheidende Brücke zwischen KMU und europäischer Verteidigungsstrategie.

Passend dazu:

  • Die Working Group Defence der SME Connect – Stärkung der KMU in der europäischen Verteidigung

 

Nicht nur mehr, sondern besser: Die neue Milliarden-Strategie für Europas Sicherheit

Die Strategie der Europäischen Kommission: Welche Prioritäten skizzierte Simonas Šatūnas für die Europäische Kommission?

Simonas Šatūnas, der Kabinettschef des EU-Kommissars für Verteidigung und Raumfahrt, legte die Verteidigungsprioritäten der Kommission dar. Im Mittelpunkt stehen dabei Wettbewerbsfähigkeit, Koordination und industrielle Skalierung. Šatūnas analysierte die aktuelle Lage nüchtern: Trotz erhöhter Verteidigungsausgaben in den Mitgliedstaaten steht Europa weiterhin vor einer signifikanten Fähigkeitslücke. Diese Lücke ist das Resultat jahrelanger Unterinvestition und einer fragmentierten Beschaffungspolitik, bei der nationale Interessen oft Vorrang vor gemeinsamer Effizienz hatten.

Was bedeutet das Ziel, nicht nur mehr, sondern „besser“ auszugeben?

Das erklärte Ziel der Kommission ist es laut Šatūnas nicht allein, die Budgets zu erhöhen, sondern die Mittel effizienter einzusetzen – also „besser auszugeben“. Dies soll durch die Förderung gemeinsamer Beschaffungsvorhaben, langfristige Planung und den koordinierten Einsatz von Instrumenten wie der SAFE-Initiative und dem vorgeschlagenen Europäischen Wettbewerbsfonds erreicht werden. Die Idee ist, Synergien zu schaffen und Doppelstrukturen zu vermeiden, um so mehr militärische Fähigkeiten für jeden investierten Euro zu erhalten.

Welche Rolle sieht die Kommission für KMU und welche neuen Instrumente sind geplant?

Šatūnas betonte, dass KMU ein kritischer Bestandteil des Verteidigungsökosystems sind. Er räumte jedoch ein, dass diese Unternehmen oft Schwierigkeiten haben, den Schritt von der Innovation zur industriellen Skalierung und Markteinführung zu bewältigen. Um diesem Problem zu begegnen, stellte er mehrere neue und kommende Instrumente vor, die darauf abzielen, innovative KMU schneller und flexibler zu unterstützen. Dazu gehören gezielte Finanzierungsmechanismen sowie Programme, die eine Zusammenarbeit und Erprobung von Technologien direkt in der Ukraine ermöglichen. Er schloss mit dem Gedanken, dass Finanzierungen auf EU-Ebene als Hebel wirken sollten, um nationale Anstrengungen aufeinander abzustimmen und Kooperationen zu intensivieren, anstatt nationale Verteidigungsausgaben lediglich zu ersetzen.

Analyse der Diskrepanz zwischen Ambition und Realität: Welche Bedenken wurden hinsichtlich der politischen Ambitionen im Vergleich zur industriellen Umsetzung geäußert?

Die Diskussion während des Expertentreffens offenbarte eine breite Besorgnis über die Kluft zwischen den politischen Ambitionen der EU und der tatsächlichen industriellen Umsetzung. Die Teilnehmer betonten, dass der Mangel an langfristigen Verträgen und vorhersehbarer Nachfrage private Investitionen in den Ausbau von Kapazitäten entmutigt. Ohne Planungssicherheit zögern Unternehmen, in teure Produktionsanlagen und Personal zu investieren, was wiederum die Skalierung der europäischen Verteidigungsindustrie hemmt.

Welche administrativen Lasten wurden von den KMU besonders hervorgehoben?

Von Seiten der KMU wurden schwere administrative Lasten beklagt. Dazu gehören insbesondere Exportkontrollen, Zollvorschriften, ESG-Anforderungen und der Zugang zu Finanzierung. Diese Faktoren binden Ressourcen, die eigentlich in Forschung, Entwicklung und Produktion fließen sollten. Die Komplexität dieser Regelwerke wirkt oft prohibitiv für kleinere Unternehmen, die nicht über große Rechts- und Compliance-Abteilungen verfügen wie die großen Rüstungskonzerne.

Wie wurde das Thema Abhängigkeit und strategische Autonomie diskutiert?

Ein weiteres wichtiges Thema war Europas Abhängigkeit von nicht-europäischen Lieferanten für kritische Komponenten. Dies wurde allgemein als eine Verwundbarkeit anerkannt. Gleichzeitig waren sich die Teilnehmer einig, dass eine vollständige Autonomie unrealistisch sei. Es geht vielmehr darum, kritische Abhängigkeiten zu reduzieren und Lieferketten zu diversifizieren, ohne den Anspruch zu erheben, alles selbst produzieren zu können. Die militärische Mobilität für verteidigungsbezogene Industriegüter wurde dabei erneut als ein großes, ungelöstes Problem identifiziert, das die industrielle Integration innerhalb Europas behindert.

Welche Lehren wurden aus dem Krieg in der Ukraine gezogen?

Die Debatte bezog sich stark auf die Ukraine als ein Beispiel aus der realen Welt, das die Notwendigkeit für Geschwindigkeit, Flexibilität und kontinuierliche Innovation verdeutlicht. Die Erfahrungen aus dem Ukraine-Konflikt zeigen, dass starre Beschaffungsprozesse und langwierige Entwicklungszyklen im modernen Krieg nachteilig sind. Die Fähigkeit zur schnellen Anpassung (Adaptabilität) und zum raschen Hochfahren der Produktion (Rapid Scale-up) wurde als essenziell für die zukünftige Gestaltung der europäischen Verteidigungspolitik angesehen.

Welches Fazit zog Riho Terras in seinen Schlussbemerkungen?

In seinen Schlussbemerkungen rief Riho Terras zu pragmatischen Lösungen auf. Er forderte einen Ansatz, der die Dringlichkeit der Sicherheitslage, die tatsächlichen Sicherheitsbedürfnisse und die industrielle Realität in Einklang bringt. Terras bekräftigte das Engagement von EPP SME Defence, sicherzustellen, dass die Perspektiven von KMU in der EU-Verteidigungspolitik berücksichtigt werden. Er machte deutlich, dass Lippenbekenntnisse nicht ausreichen, sondern konkrete Taten folgen müssen.

Was sind die Kernforderungen zur Stärkung der europäischen verteidigungsindustriellen Basis?

Der Runde Tisch kam zu dem Schluss, dass die Stärkung der europäischen verteidigungsindustriellen Basis mehr erfordert als nur erhöhte Budgets. Es bedarf vor allem Vorhersehbarkeit, Koordination und realistischer regulatorischer Rahmenbedingungen. KMU wurden konsistent als essenziell für Resilienz und Innovation identifiziert, jedoch unter den aktuellen Systemen als unzureichend unterstützt angesehen. Es bestand Einigkeit darüber, dass EU-Instrumente einfacher, schneller und besser auf die operativen Bedürfnisse abgestimmt sein müssen.

Warum ist der fortgesetzte Dialog zwischen Parlament, Kommission und Industrie notwendig?

Die Teilnehmer stimmten überein, dass die Lehren aus der Ukraine zentral für das zukünftige Politikdesign sein müssen, insbesondere im Hinblick auf schnelle Skalierung und Anpassungsfähigkeit. Ein fortgesetzter, intensiver Dialog zwischen dem Europäischen Parlament, der Kommission und der Industrie wurde als unerlässlich erachtet, um diese Ziele zu erreichen. Nur durch eine enge Abstimmung aller Akteure können die bürokratischen Hürden abgebaut und eine echte Verteidigungsunion geschaffen werden, die auf einer starken industriellen Basis ruht.

 

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