
Der große DAX-Absturz: Warum Daimler Truck, BMW, Mercedes-Benz, Bayer, BASF und andere plötzlich mit Gewinneinbrüchen kämpfen – Bild: Xpert.Digital
Schock-Bilanzen der Kult-Marken: Bis zu 91 Prozent Gewinneinbruch in der deutschen Industrie!
US-Zölle und China-Krise: Das harte Erwachen für Deutschlands Autoindustrie
Das Jahr 2025 markiert einen beispiellosen Wendepunkt für die deutsche Wirtschaft. Einstige globale Vorzeigeunternehmen und DAX-Giganten wie Volkswagen, Mercedes-Benz, Porsche, BASF und Bayer stehen vor historischen Gewinneinbrüchen, die das Fundament des Standorts Deutschland erschüttern. Was sich in den Vorjahren zunächst als konjunkturelle Delle tarnte, offenbart sich nun als tiefgreifende strukturelle Krise: Strafzölle der USA, ein immer aggressiverer chinesischer Markt, explodierende Kosten und die teure Transformation zur Elektromobilität setzen dem traditionellen deutschen Geschäftsmodell massiv zu. Wenn Gewinne um bis zu 90 Prozent einbrechen, Margen dahinschmelzen und Zehntausende Arbeitsplätze auf der Kippe stehen, stellt sich eine drängende Frage: Ist der Motor der deutschen Wirtschaft nachhaltig ins Stottern geraten? Diese umfassende Analyse beleuchtet die dramatischen Bilanzen unserer Industrieikonen, deckt die vielschichtigen Ursachen ihres Absturzes auf und zeigt die drohenden Konsequenzen für die Zukunft der gesamten Nation.
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Wenn Deutschlands Industrieikonen ins Straucheln geraten, wackelt das ganze Geschäftsmodell einer Nation
Das Jahr 2025 markiert eine Zäsur in der jüngeren Geschichte der deutschen Wirtschaft. Was sich bereits in den Vorjahren als schleichender Rückgang abzeichnete, hat sich zu einem flächendeckenden Gewinneinbruch bei Deutschlands wichtigsten Börsenkonzernen ausgewachsen. Laut einer Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY schrumpfte der Gesamtgewinn der 100 umsatzstärksten börsennotierten deutschen Unternehmen um 15 Prozent auf 102 Milliarden Euro, wobei gut jedes zweite Unternehmen ein niedrigeres Ergebnis als im Vorjahr verzeichnete. Die Ursachen sind vielschichtig: eine hartnäckige Konjunkturflaute, geopolitische Verwerfungen, eskalierende Handelskonflikte mit den USA und ein zunehmend aggressiver chinesischer Wettbewerb setzen den exportabhängigen deutschen Industriekonzernen massiv zu. Besonders dramatisch trifft es die Automobilindustrie, traditionell das Rückgrat der deutschen Industrieleistung, sowie die Chemiesparte. Doch auch Nutzfahrzeughersteller und Zulieferer geraten in den Strudel sinkender Margen und schrumpfender Absatzmärkte. Die folgenden Abschnitte analysieren die zentralen Verlierer dieser Entwicklung, die strukturellen Ursachen und die ökonomischen Konsequenzen dieses tiefgreifenden Wandels.
Daimler Truck: Der Schwertransport der Krise
Am 12. März 2026 legte der Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck seine Jahreszahlen für 2025 vor, und sie bestätigen das Bild einer tiefgreifenden Marktschwäche. Das Konzernergebnis brach im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent ein, von rund 3,1 Milliarden Euro auf lediglich zwei Milliarden Euro. Diese Zahl verdichtet eine Entwicklung, die sich über das gesamte Jahr hinweg in den Quartalszahlen abzeichnete. Bereits im dritten Quartal 2025 war das bereinigte operative Ergebnis um 40 Prozent auf 716 Millionen Euro abgesackt, während der Absatz konzernweit um 15 Prozent auf 98.000 Fahrzeuge zurückging. Im Gesamtjahr 2025 verkaufte Daimler Truck weltweit 422.510 Lastwagen und Busse, was einem Rückgang von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Das Epizentrum des Einbruchs lag in Nordamerika, dem wichtigsten und profitabelsten Einzelmarkt des Konzerns. Dort brach der Absatz um 26 Prozent auf 141.814 Einheiten ein. Die nordamerikanische Sparte, die traditionell die höchsten Margen erwirtschaftet, musste allein im dritten Quartal einen Rückgang des bereinigten EBIT um 64 Prozent auf 254 Millionen Euro verkraften. Die Ursachen sind struktureller und konjunktureller Natur zugleich. Speditionen und Flottenbetreiber in den USA halten angesichts hoher Zinsen, steigender Betriebskosten und unsicherer Konjunkturaussichten ihre Investitionen zurück. Die Marke Freightliner, das Herzstück des US-Geschäfts, verzeichnete Einbrüche von fast 40 Prozent im Quartalsabsatz. Daimler Trucks Finanzchefin Eva Scherer ordnete die Lage als Folge schwieriger Marktbedingungen in den USA ein. Immerhin zeigte sich das europäische Geschäft etwas stabiler, wo Mercedes-Benz Trucks seinen Absatz um acht Prozent und den Gewinn vor Steuern um zwölf Prozent steigern konnte. Die bereinigte Umsatzrendite im Industriegeschäft fiel im Gesamtjahr jedoch auf ein Niveau zwischen sieben und neun Prozent, nachdem sie 2024 noch bei 8,9 Prozent gelegen hatte. Die Dividende dürfte entsprechend unter Druck geraten, obwohl der Konzern seinen Prognoserahmen im Verlauf des Jahres mehrfach bestätigte.
Volkswagen: Der angeschlagene Riese in Wolfsburg
Europas größter Autobauer lieferte mit seinen Jahreszahlen für 2025 das schlechteste Ergebnis seit dem Dieselskandal vor zehn Jahren. Das Konzernergebnis nach Steuern sackte um 44 Prozent von 12,4 Milliarden Euro auf 6,9 Milliarden Euro ab, während der Umsatz um 0,8 Prozent auf knapp 322 Milliarden Euro zurückging. Die Dimension dieses Einbruchs wird deutlich, wenn man bedenkt, dass der Umsatz nahezu stabil blieb, während der Gewinn fast halbiert wurde. Dies offenbart ein massives Margenproblem, das weit über konjunkturelle Schwankungen hinausgeht.
Bereits das erste Quartal 2025 hatte den Ton gesetzt: Der Nettogewinn fiel um knapp 41 Prozent auf 2,19 Milliarden Euro, belastet durch Sonderkosten von rund 1,1 Milliarden Euro für CO2-Rückstellungen, den Dieselskandal und die Softwaretochter Cariad. Im zweiten Quartal verschärfte sich die Lage, als der Gewinn um 36,3 Prozent auf 2,29 Milliarden Euro einbrach, wobei die US-Zölle und Umstrukturierungsmaßnahmen zusätzlich belasteten. VW-Finanzchef Arno Antlitz räumte ein, dass eine operative Marge von rund vier Prozent deutlich zeige, dass noch eine Menge Arbeit vor dem Konzern liege. Die US-Importzölle, die von 2,5 auf 15 Prozent angehoben wurden, bedeuten für Volkswagen allein potenzielle Einnahmeverluste von bis zu fünf Milliarden Euro jährlich. Der Konzern reagierte mit einem radikalen Sparkurs: Bis 2030 sollen an den zehn deutschen Standorten 35.000 Stellen gestrichen werden, wobei allein im Jahr 2024 bereits 2,5 Milliarden Euro und 2025 weitere 900 Millionen Euro für Restrukturierungsmaßnahmen aufgewendet wurden.
Mercedes-Benz: Der Stern im freien Fall
Noch dramatischer als bei Volkswagen gestaltete sich das Jahr 2025 für Mercedes-Benz. Am 12. Februar 2026 präsentierte der Stuttgarter Konzern eine Bilanz, die den Aktionären und Analysten die Schamesröte ins Gesicht trieb. Das Konzernergebnis brach um 49 Prozent von 10,4 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro ein, der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern fiel sogar um 57 bis 58 Prozent auf 5,82 Milliarden Euro. Es war bereits das dritte Jahr in Folge mit schrumpfenden Gewinnen, wobei sich die Abwärtsspirale beschleunigte.
In der Pkw-Sparte, dem Herzstück des Konzerns, fiel das bereinigte EBIT um 45 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro, während die Umsatzrendite von 8,1 Prozent auf lediglich 5,0 Prozent absackte. Der Absatz ging um 9,2 Prozent auf 1.801.291 Fahrzeuge zurück, besonders schmerzlich war der Rückgang in China mit 19 Prozent. China bleibt trotz der Schwäche der wichtigste Absatzmarkt, da fast ein Drittel aller Pkw dort verkauft werden. Mercedes-Chef Ola Källenius gab sich verhalten optimistisch und kündigte eine Fokussierung auf Effizienz, Geschwindigkeit und Flexibilität an. Das Sparprogramm mit Kosteneinsparungen von mehr als 3,5 Milliarden Euro in der Pkw-Sparte konnte einen Teil der Belastungen kompensieren, verhinderte aber nicht den historischen Ergebniseinbruch. Die Restrukturierungskosten allein beliefen sich 2025 auf 1,4 Milliarden Euro, die höchsten aller DAX-Konzerne.
BMW: Relativer Gewinner mit Schrammen
Im Vergleich zu seinen Stuttgarter und Wolfsburger Konkurrenten steht BMW mit einem blauen Auge da, doch von einer ungetrübten Bilanz kann keine Rede sein. Im Geschäftsjahr 2024 war der Gewinn des Konzerns bereits um 37,7 Prozent auf 11,5 Milliarden Euro bei einem Umsatzrückgang von 8,4 Prozent auf 142,4 Milliarden Euro eingebrochen. Das erste Quartal 2025 brachte dann einen weiteren Gewinneinbruch von 26,4 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro bei einem Umsatzrückgang von 7,8 Prozent auf 33,8 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr summierte sich der Gewinnrückgang auf 29 Prozent, wobei nach Steuern noch vier Milliarden Euro übrig blieben.
Einen Lichtblick bot das dritte Quartal, als BMW seinen Gewinn gegenüber dem Vorjahr auf knapp 1,7 Milliarden Euro nahezu verdreifachte. Allerdings war dies primär einem Basiseffekt geschuldet, da ein Problem mit einem von Continental gelieferten Bremssystem im Vorjahresquartal die Produktion massiv beeinträchtigt hatte. BMW konnte 2025 insgesamt 2.463.715 Fahrzeuge ausliefern, ein leichtes Plus von 0,5 Prozent. Bemerkenswert ist der Zuwachs bei elektrifizierten Fahrzeugen um 8,3 Prozent auf 642.087 Einheiten. Die EBIT-Marge im Automobilsegment pendelte sich mit 5,9 Prozent im Zielkorridor von fünf bis sieben Prozent ein, wurde aber durch Zölle und Währungseffekte um rund 1,5 Prozentpunkte gedrückt. Analysten schätzen den Nettogewinn für das Gesamtjahr 2025 auf rund 6,6 Milliarden Euro, was einem Rückgang von etwa 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche. Damit ist BMW zwar der stabilste unter den deutschen Premiumherstellern, doch die strukturellen Herausforderungen treffen auch die Münchner mit voller Wucht.
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Der perfekte Sturm: Ein toxischer Mix stürzt Deutschlands Industrie-Ikonen in die Krise
Porsche: Vom Sportwagenmythos zum Bilanzkrater
Der dramatischste Einzelfall unter den DAX-Konzernen ist zweifellos Porsche. Der Sportwagenbauer meldete für 2025 einen Gewinneinbruch von 91,4 Prozent. Das Ergebnis nach Steuern fiel von fast 3,6 Milliarden Euro auf lediglich 310 Millionen Euro. Das operative Ergebnis schrumpfte auf nur noch 90 Millionen Euro, nach knapp 5,3 Milliarden Euro im Vorjahr, was einem Rückgang von mehr als 98 Prozent entspricht. Die operative Rendite ging damit gegen null: Von 14,5 Prozent im Jahr 2024 blieben gerade noch 0,3 Prozent übrig. Der Umsatz sank um fast zehn Prozent auf 36,3 Milliarden Euro, der Absatz ging um 15 Prozent auf 266.000 Fahrzeuge zurück.
Die Ursachen dieses Desasters sind dreifach. Erstens stagnierten die Geschäfte in China, dem einstigen Wachstumsmotor. Zweitens belasteten die US-Zölle die ohnehin schmalen Exportmargen. Drittens verschlang der strategische Schwenk zurück zum Verbrennungsmotor Sonderkosten von rund 3,1 Milliarden Euro, nachdem die ambitionierten Elektro-Ziele samt geplanter Batteriefertigung kassiert worden waren. Der ehemalige Porsche-Chef Oliver Blume hatte vor seinem Rücktritt die Strategie verändert, um wieder stärker auf Verbrennungsmotoren zu setzen, was allerdings zunächst massive Investitionen erforderte. Bereits im dritten Quartal 2025 hatte Porsche rote Zahlen geschrieben, mit einem EBIT von minus 966 Millionen Euro.
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BASF und Bayer: Die Chemie- und Pharmakrise als Spiegel des Standorts
Die Gewinnkrise beschränkt sich keineswegs auf die Automobilindustrie. BASF, der weltgrößte Chemiekonzern, enttäuschte mit seinen Jahreszahlen für 2025 selbst die eigenen, bereits gesenkten Erwartungen. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen lag bei 6,6 Milliarden Euro und damit unterhalb der eigenen Prognosespanne von 6,7 bis 7,1 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahreswert von 7,2 Milliarden Euro entspricht dies einem deutlichen Rückgang, der auf niedrigere Margen und negative Währungseffekte zurückzuführen ist. Der Umsatz schrumpfte um knapp drei Prozent auf 59,7 Milliarden Euro. Im dritten Quartal 2025 sackte das Nettoergebnis sogar um 40 Prozent auf 172 Millionen Euro ab. BASF-Chef Markus Kamieth sieht keine schnelle Erholung und erwartet auch für 2026 ein Übergangsjahr.
Noch düsterer fällt die Bilanz bei Bayer aus. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern rutschte 2025 mit einem Verlust von 3,62 Milliarden Euro noch tiefer in die roten Zahlen als im Vorjahr, als das Minus bei 2,55 Milliarden Euro gelegen hatte. Hauptursache waren Sonderaufwendungen für Rechtsfälle in Höhe von gut sechs Milliarden Euro, die größtenteils aus den Glyphosat-Klagen resultieren. Im Februar 2026 schloss Bayer einen Sammelvergleich mit Klägern und erhöhte daraufhin die Rückstellungen um vier Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis sank um 4,5 Prozent auf 9,67 Milliarden Euro, der Konzernumsatz fiel um 2,2 Prozent auf 45,58 Milliarden Euro. Bayer hat seit Ende 2023 bereits rund 13.200 Stellen abgebaut, was 13 Prozent der Belegschaft entspricht.
Der Dominoeffekt: Arbeitsplatzabbau und Restrukturierungswelle
Die Gewinneinbrüche lösen einen Dominoeffekt aus, der weit über die Bilanzen hinausreicht. In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 gaben die DAX-Konzerne rund sechs Milliarden Euro für Restrukturierungsmaßnahmen aus, seit Anfang 2024 summieren sich diese Kosten auf 16 Milliarden Euro. Diese Mittel fließen hauptsächlich in Vorruhestandsregelungen und Abfindungen, die teilweise im sechsstelligen Bereich liegen.
Die Beschäftigtenzahlen spiegeln diesen Trend bereits wider. Zur Jahresmitte 2025 hatten die 40 DAX-Konzerne insgesamt rund 30.000 Stellen abgebaut, ein Minus von 0,9 Prozent. In der gesamten deutschen Autoindustrie gingen laut einer Studie sogar mehr als 50.000 Arbeitsplätze binnen eines Jahres verloren. EY-Deutschlandchef Henrik Ahlers warnte, dass der Rückgang der Beschäftigtenzahl anhalten und sich sogar verstärken werde, da viele Abfindungsprogramme zeitverzögert wirken.
Es gibt allerdings auch Gewinner in diesem Umfeld. Der Rüstungskonzern Rheinmetall erhöhte seine Mitarbeiterzahl um fast 17 Prozent, getrieben durch den weltweiten Aufrüstungsboom. Auch MTU Aero Engines legte um sieben Prozent zu, und E.ON, Siemens Energy, die Deutsche Börse sowie Hannover Rück verzeichneten ebenfalls Personalzuwächse. Siemens Energy schloss sein Geschäftsjahr 2025 mit einem Gewinn nach Steuern von 1,685 Milliarden Euro ab und zahlt erstmals seit vier Jahren wieder eine Dividende. Diese Zweiteilung zwischen kriselnden Industriekonzernen und boomenden Rüstungs- sowie Energieunternehmen verdeutlicht einen fundamentalen Strukturwandel innerhalb des DAX.
Die Autoindustrie als Seismograph nationaler Verwundbarkeit
Der summierte Gewinn von Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW ist in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 um 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Gemeinsam erzielten die drei Hersteller ein EBIT von lediglich 17,8 Milliarden Euro. Fachleute bezeichnen die Situation als einen perfekten Sturm für die deutsche Autoindustrie. Im vierten Quartal 2025 war der operative Gewinn der drei Konzerne sogar um fast 76 Prozent auf etwa 1,7 Milliarden Euro gefallen, den niedrigsten Wert seit dem dritten Quartal 2009. Laut EY verzeichnete die gesamte Autoindustrie im Ranking der Top-100-Unternehmen einen Gewinneinbruch von 46 Prozent, während die Chemiekonzerne sogar einen Rückgang von 71 Prozent hinnehmen mussten.
Die Ursachen liegen in einer toxischen Kombination. Die US-Zölle auf europäische Fahrzeuge stiegen seit Mitte 2025 von 2,5 auf 15 Prozent. In China nehmen über 100 heimische Marken den deutschen Herstellern rasant Marktanteile ab. Die enormen Kosten der Elektromobilitätswende belasten die Bilanzen, ohne dass sich die Investitionen bereits in entsprechenden Absatzzahlen niederschlagen. Bei BMW etwa machten Zölle und Währungseffekte 1,25 Prozentpunkte der Marge aus, ein Betrag in Milliardenhöhe. Gleichzeitig stiegen die Energiepreise, und bürokratische Hürden in Deutschland verteuerten die Produktion zusätzlich.
Gewinner und Verlierer: Die gespaltene DAX-Landschaft
Während die Industrie- und Automobilkonzerne massive Verluste einfahren, zeigt sich auf der Gegenseite ein bemerkenswertes Bild. Die IT-Unternehmen im DAX haben ihren Gewinn 2025 nahezu verdoppelt, Unternehmen aus dem Gesundheitssektor verzeichneten ein Gewinnwachstum von 40 Prozent. Die Deutsche Telekom führte die Gewinnrangliste mit einem operativen Ergebnis von 19,4 Milliarden Euro an, gefolgt von Siemens, BMW und SAP. Diese Divergenz hat tiefgreifende Implikationen für die Zusammensetzung und Zukunftsfähigkeit des deutschen Leitindex.
Der Gesamtumsatz der DAX-Konzerne ohne Banken stieg im ersten Quartal 2025 zwar um 3,3 Prozent auf 458,9 Milliarden Euro, doch zehn Unternehmen verzeichneten Umsatzrückgänge, darunter die Schwergewichte BMW, Mercedes-Benz, BASF und Bayer. Das operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen schrumpfte insgesamt um 8,1 Prozent auf 44,8 Milliarden Euro. 16 der DAX-Konzerne erwirtschafteten einen niedrigeren operativen Gewinn als im Vorjahr, darunter alle Autokonzerne sowie die Rückversicherer Hannover Rück und Münchener Rück, die hohe Lasten wegen der Waldbrände um Los Angeles schultern mussten. Für das Gesamtjahr 2025 erzielten die 40 DAX-Konzerne laut Bloomberg-Daten einen Nettogewinn von rund 113 Milliarden Euro, kaum mehr als die 111 Milliarden Euro des Vorjahres, obwohl Analysten zu Jahresbeginn noch ein Gewinnwachstum von rund zwölf Prozent prognostiziert hatten. Das erwartete Gewinnwachstum fiel von optimistischen elf Prozent im Januar auf enttäuschende minus ein Prozent im Dezember.
Ausblick 2026: Zwischen vorsichtiger Hoffnung und struktureller Krise
Für das Jahr 2026 herrscht unter Analysten ein vorsichtiger Optimismus. Es wird erwartet, dass die DAX-Unternehmensgewinne um sechs bis acht Prozent wachsen könnten, nachdem das Gewinnrevisionsmomentum sich zu verbessern beginnt. Allerdings stehen hinter dieser Prognose erhebliche Fragezeichen. Sollten sich die US-Zölle weiter verschärfen oder die Konjunktur in China nicht stabilisieren, droht eine weitere Enttäuschung. Mercedes, Volkswagen und Porsche haben für 2026 teils ambitionierte Ziele formuliert, doch die Vertrauensgrundlage ist dünn.
Die eigentliche Frage, die sich aus dem Krisenjahr 2025 ergibt, ist fundamentalerer Natur: Ob das deutsche exportorientierte Industriemodell in seiner bisherigen Form noch zukunftsfähig ist. Die Abhängigkeit von China als Absatzmarkt, die Verwundbarkeit gegenüber der US-Handelspolitik, die hohen Transformationskosten für Elektromobilität und Digitalisierung sowie die steigenden Produktionskosten am Standort Deutschland bilden zusammen ein strukturelles Defizit, das nicht mit einem oder zwei besseren Quartalen zu beheben ist. Die DAX-Konzerne stehen nicht nur vor einer konjunkturellen, sondern vor einer existenziellen Bewährungsprobe, deren Ausgang die wirtschaftliche Architektur Deutschlands für die kommenden Jahrzehnte prägen wird.
| Unternehmen | Gewinnveränderung 2025 | Umsatzveränderung 2025 | Hauptbelastungsfaktoren |
|---|---|---|---|
| Porsche | -91,4 % (310 Mio. Euro) | -10 % (36,3 Mrd. Euro) | Verbrenner-Strategiewende, China, US-Zölle |
| Mercedes-Benz | -49 % (5,3 Mrd. Euro) | -9 % (132,2 Mrd. Euro) | China-Schwäche, Zölle, Wechselkurse |
| Volkswagen | -44 % (6,9 Mrd. Euro) | -0,8 % (322 Mrd. Euro) | CO2-Rückstellungen, Cariad, US-Zölle |
| Bayer | Verlust -3,62 Mrd. Euro | -2,2 % (45,58 Mrd. Euro) | Glyphosat-Klagen, Agrargeschäft |
| Daimler Truck | -34 % (2 Mrd. Euro) | Rückgang (ca. 46 Mrd. Euro) | Nordamerika-Schwäche, Absatzrückgang |
| BMW | ca. -9,5 % (ca. 6,6 Mrd. Euro) | ca. -1,8 % (ca. 140 Mrd. Euro) | Zölle, China, Währungseffekte |
| BASF | EBITDA -8,3 % (6,6 Mrd. Euro) | -2,9 % (59,7 Mrd. Euro) | Niedrige Preise, Währungseffekte |
Die DAX-Konzerne stehen vor einer existenziellen Bewährungsprobe, da für 2025 erhebliche Rückgänge bei Gewinn und Umsatz erwartet werden. Besonders hart trifft es Porsche mit einem prognostizierten Gewinnrückgang von 91,4 % auf 310 Millionen Euro und einem Umsatzminus von 10 % auf 36,3 Milliarden Euro, bedingt durch die Verbrenner-Strategiewende, die Situation in China und US-Zölle. Mercedes-Benz rechnet mit einem Gewinneinbruch von 49 % auf 5,3 Milliarden Euro bei 9 % weniger Umsatz (132,2 Mrd. Euro), was auf die China-Schwäche, Zölle und Wechselkurse zurückzuführen ist. Auch der Volkswagen-Konzern erwartet einen Gewinnrückgang um 44 % auf 6,9 Milliarden Euro, belastet durch CO2-Rückstellungen, die Software-Tochter Cariad und US-Zölle, während der Umsatz nur leicht um 0,8 % auf 322 Milliarden Euro sinken soll.
Bayer muss voraussichtlich einen Verlust von 3,62 Milliarden Euro und einen Umsatzrückgang von 2,2 % auf 45,58 Milliarden Euro hinnehmen, hauptsächlich wegen der Glyphosat-Klagen und dem Agrargeschäft. Daimler Truck prognostiziert einen Gewinnrückgang von 34 % auf 2 Milliarden Euro und einen sinkenden Umsatz auf rund 46 Milliarden Euro aufgrund der Schwäche in Nordamerika und Absatzrückgängen. BMW erwartet einen moderateren Gewinnrückgang von etwa 9,5 % auf circa 6,6 Milliarden Euro bei einem Umsatzminus von rund 1,8 % (ca. 140 Mrd. Euro), verursacht durch Zölle, China und Währungseffekte. Bei BASF wird mit einem EBITDA-Rückgang von 8,3 % auf 6,6 Milliarden Euro und einem Umsatzrückgang von 2,9 % auf 59,7 Milliarden Euro gerechnet, was auf niedrige Preise und Währungseffekte zurückgeführt wird.
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