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Zu schnell für das eigene Netz: Warum Chinas grünes Wunder plötzlich stockt – Stromnetz am Limit

Zu schnell für das eigene Netz: Warum Chinas grünes Wunder plötzlich stockt – Stromnetz am Limit

Zu schnell für das eigene Netz: Warum Chinas grünes Wunder plötzlich stockt – Stromnetz am Limit – Kreativbild: Xpert.Digital

Wenn der Ausbau zum Bremsklotz wird: Die bittere Wahrheit über Chinas Öko-Strom

Gigantische Strom-Verschwendung: Warum China seinen Wüsten-Strom nicht nutzen kann

Solar-Weltmeister am Limit: Warum Chinas Mega-Anlagen einfach abgeschaltet werden

China bricht beim Ausbau erneuerbarer Energien weltweit alle Rekorde: In der Volksrepublik entstehen derzeit mehr Solar- und Windkraftanlagen als im gesamten Rest der Welt zusammen. Vor allem in den riesigen, sonnenverwöhnten Wüstenregionen im Nordwesten wachsen gigantische Energieparks heran. Doch das beispiellose Tempo hat eine fatale Schattenseite, die das Vorzeigeprojekt zunehmend ausbremst. Weil der grüne Strom Tausende Kilometer entfernt von den industriellen Metropolen an der Küste produziert wird, fehlt es an leistungsstarken Übertragungsnetzen. Die Folge: Enorme Mengen an eigentlich wertvollem Ökostrom finden ihren Weg zum Verbraucher nicht, verpuffen ungenutzt und müssen abgeregelt werden. Mit einem gewaltigen 500-Milliarden-Euro-Investitionsprogramm versucht die chinesische Regierung nun, den drohenden Netz-Kollaps abzuwenden. Die Situation dient als Lehrstunde für die globale Klimapolitik – und offenbart strukturelle Engpässe, mit denen wir in kleinerem Maßstab längst auch in Europa zu kämpfen haben.

Chinas Milliarden-Kilowatt-Wette – Wenn der schnellste Ausbau der Welt zum Bremsklotz wird

500 Milliarden Euro gegen den Kollaps: Chinas radikaler Plan für die Energiewende

China hat sich in wenigen Jahren zum unangefochtenen Weltmeister im Ausbau erneuerbarer Energien entwickelt und stellt damit selbst die ambitioniertesten europäischen Programme in den Schatten. Im Jahr 2025 befand sich in der Volksrepublik eine kombinierte Leistung von Solar- und Windkraftanlagen von rund 500 Gigawatt im Bau, mehr als das Doppelte der gesamten installierten Wind- und Solarleistung Deutschlands. Damit errichtet ein einziges Land mehr grüne Erzeugungskapazität als der gesamte Rest der Welt zusammen. Der aktuelle Fünfjahresplan sieht vor, dass bis 2030 die Hälfte des chinesischen Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen soll – ein Ziel, das angesichts des gigantischen und weiter wachsenden Strombedarfs des Landes ambitioniert bleibt. Doch der Erfolg beim Zubau bringt mittlerweile Probleme mit sich, die europäischen Energieexperten bereits seit Jahren vertraut sind, in China jedoch aufgrund der schieren Dimensionen und der geografischen Besonderheiten des Landes eine ganz eigene Schärfe entfalten. Das Analyseinstitut Global Energy Monitor hat den chinesischen Umbauprozess von der Kohleverstromung zu erneuerbaren Energien detailliert untersucht und dabei aufgezeigt, wie strukturelle Netzengpässe den Erfolg der Energiewende zunehmend gefährden.

Die Wüste als Kraftwerk – Warum Chinas grüner Strom weit vom Verbraucher entsteht

Der überwiegende Teil des chinesischen Ausbaus an Solar- und Windkraft findet in den dünn besiedelten Regionen im Norden und Nordwesten des Landes statt, etwa in der Inneren Mongolei, in Xinjiang, Qinghai oder Gansu. Diese ausgedehnten Trockengebiete bieten enorme freie Flächen, die landwirtschaftlich kaum nutzbar sind und sich daher ideal für großflächige Solarparks und Windkraftanlagen eignen. Die wirtschaftliche Logik dieser Standortwahl ist auf den ersten Blick bestechend, denn Land ist günstig, die Sonneneinstrahlung in den Wüstenregionen ist hoch und die Windverhältnisse in den Steppen sind vielversprechend. Das eigentliche Problem entsteht jedoch dadurch, dass der wirtschaftliche und demografische Schwerpunkt Chinas an der Ostküste liegt, in Metropolen wie Shanghai, Peking, Guangzhou oder Shenzhen, wo Industrie und Bevölkerung den Löwenanteil des nationalen Strombedarfs erzeugen. Der Strom wird also tendenziell dort produziert, wo kaum jemand ihn benötigt, und muss über gewaltige Distanzen von mehreren tausend Kilometern zu den Verbrauchszentren transportiert werden. Diese räumliche Trennung von Erzeugung und Verbrauch stellt die Achillesferse des chinesischen Energiewendemodells dar und erklärt, warum die reine Ausbaugeschwindigkeit allein kein Garant für eine funktionierende Energiewende ist.

Verschwendetes Potenzial – Wie viel grüner Strom in China ungenutzt bleibt

Die Konsequenzen dieser Fehlallokation zeigen sich in den sogenannten Abregelungsquoten, also dem Anteil des theoretisch produzierbaren Stroms aus Wind- und Solaranlagen, der nicht ins Netz eingespeist werden kann und somit verloren geht. Aktuelle Daten des chinesischen Überwachungszentrums für den Verbrauch neuer Energien belegen einen deutlichen Anstieg dieser Verluste. Während im ersten Halbjahr 2024 noch rund drei Prozent des Solarstroms und vier Prozent des Windstroms abgeregelt wurden, waren es im gleichen Zeitraum 2025 bereits 5,7 Prozent bei Solar und 6,6 Prozent bei Wind, ein fast doppelter Anstieg innerhalb eines Jahres. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 verschärfte sich die Lage weiter auf 9,2 Prozent bei Solar und 8,5 Prozent bei Wind. Besonders drastisch fällt die Bilanz in den Regionen aus, in denen die Anlagenkonzentration am höchsten ist. In Tibet stieg die Abregelung von Windstrom von 2,3 Prozent im Jahr 2024 auf über 30 Prozent im Jahr 2025, während die Solarabregelung dort von rund fünf auf fast 34 Prozent hochschnellte. Auch in Qinghai kletterte die Solarabregelung von 8,8 auf über 15 Prozent. Die chinesische Regierung hat als Reaktion auf diese Entwicklung die nationale Toleranzgrenze für Abregelungen bereits von fünf auf zehn Prozent angehoben, um dem strukturellen Rückstand beim Netzausbau Rechnung zu tragen. Zum Vergleich: Die deutsche Bundesnetzagentur weist für erneuerbare Energien insgesamt eine Abregelungsquote von rund 3,5 Prozent der gesamten erneuerbaren Stromerzeugung im Jahr 2025 aus, wobei mehr als 96 Prozent des produzierten Grünstroms tatsächlich genutzt werden konnten. Zwar hat auch Deutschland spürbare Probleme, insbesondere bei der Photovoltaik-Abregelung, die 2025 um 94 Prozent gegenüber dem Vorjahr anstieg, jedoch liegt die Bundesrepublik bei ihrer Erzeugungsquote aus erneuerbaren Energien bereits deutlich über jenem Wert von 50 Prozent, den China erst für 2030 anstrebt.

Der unterdimensionierte Draht – Chinas Stromnetz kommt nicht mit

Das eigentliche Nadelöhr der chinesischen Energiewende liegt nicht in mangelnder Erzeugungskapazität, sondern im fehlenden Übertragungsnetz. Um Strom über mehrere tausend Kilometer effizient und mit möglichst geringen Verlusten zu transportieren, ist eine Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung notwendig – eine Technologie, die auch in Europa bereits zur Verknüpfung nationaler Stromnetze zum Einsatz kommt. Dort dient sie jedoch überwiegend zur Verbindung benachbarter Länder und nicht zur Überbrückung kontinentaler Distanzen. Laut den Berechnungen von Global Energy Monitor liegt die im aktuellen Fünfjahresplan eingeplante Kapazität für den Ausbau dieser Höchstspannungstrassen deutlich unter dem tatsächlichen Bedarf. Statt der von Analysten für notwendig gehaltenen knapp 30 neuen Stromtrassen sind im laufenden Plan lediglich elf neue Verbindungen vorgesehen. Immerhin hat die chinesische Führung die Dringlichkeit des Problems inzwischen erkannt: Das staatliche Energieunternehmen State Grid Corporation kündigte an, im Rahmen des 15. Fünfjahresplans von 2026 bis 2030 rund vier Billionen Yuan, umgerechnet etwa 500 Milliarden Euro, in den Ausbau von Übertragungs- und Verteilnetzen zu investieren – ein Plus von 40 Prozent gegenüber der vorherigen Fünfjahresperiode. Zusätzlich sollen 15 weitere Ultrahochspannungsleitungen bis 2030 in Betrieb gehen, was die interprovinzielle Übertragungskapazität um weitere 35 Prozent steigern soll. Bereits im Juni 2026 wurde mit einer neuen Verbindung zwischen den Provinzen Shaanxi und Anhui eine solche Trasse in Betrieb genommen, die jährlich mehr als 36 Milliarden Kilowattstunden Strom übertragen kann, wovon mehr als die Hälfte aus erneuerbaren Quellen stammen soll. Diese Investitionen zeigen, dass Peking das Problem angeht. Doch angesichts der Wachstumsdynamik bei Solar- und Windkraft bleibt fraglich, ob der Netzausbau tatsächlich mit dem Erzeugungszubau Schritt halten kann, zumal ein einziger Kilometer Hochspannungs-Gleichstrom-Leitung Kosten von deutlich über einer Million Euro verursacht.

 

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Neu: Patent aus den USA – Solarparks bis zu 30 % günstiger und 40 % schneller und einfacher installieren – mit Erklärvideos! - Bild: Xpert.Digital

Das Herzstück dieser technologischen Weiterentwicklung ist die bewusste Abkehr von der konventionellen Klemmenbefestigung, die seit Jahrzehnten den Standard darstellt. Das neue und zeit- wie kostengünstigere Montagesystem begegnet dieses mit einem grundlegend anderen, intelligenteren Konzept. Anstatt die Module punktuell zu klemmen, werden sie in eine durchgehende, speziell geformte Trägerschiene eingelegt und dort sicher gehalten. Diese Konstruktion sorgt dafür, dass alle auftretenden Kräfte – seien es statische Lasten durch Schnee oder dynamische Lasten durch Wind – gleichmäßig über die gesamte Länge des Modulrahmens verteilt werden.

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Energiewende in der Sackgasse: Warum China dieselben Fehler macht wie Europa

Déjà-vu aus Europa – Bekannte Fehler wiederholen sich auf anderer Skala

Wer die europäische Energiewende der vergangenen anderthalb Jahrzehnte aufmerksam verfolgt hat, erkennt in den chinesischen Schwierigkeiten ein vertrautes Muster. Auch in Deutschland zeigte sich früh, dass ein isolierter Ausbau der Erzeugungskapazitäten ohne gleichzeitige und ausreichend dimensionierte Netzertüchtigung zwangsläufig in Engpässen und Abregelungen endet. Vor allem im Süden der Bundesrepublik fehlt es bis heute an ausreichender Windkraftleistung, die auch in den sonnenarmen Wintermonaten verlässlich Strom liefern könnte, während im windreichen Norden Photovoltaikanlagen unterrepräsentiert sind. Diese regionale Schieflage ist ökonomisch nachvollziehbar, denn die jährlich erzeugbare Strommenge fällt in der jeweils ungünstigeren Region naturgemäß geringer aus, weshalb Investoren dort seltener investieren. Allerdings zeigt genau dieses Beispiel, dass eine gleichmäßigere geografische Verteilung der Erzeugungskapazitäten den Bedarf an teuren Übertragungsleitungen erheblich reduzieren könnte, weil Angebot und Nachfrage regional besser aufeinandertreffen würden. Die neuesten Zahlen der deutschen Bundesnetzagentur bestätigen zudem eine Verschiebung des Problems von den Übertragungsnetzen hin zu den Verteilnetzen, denn mittlerweile wird rund ein Drittel aller Redispatch-Maßnahmen bei erneuerbaren Energien durch Engpässe im Verteilnetz ausgelöst, gegenüber einem Viertel im Vorjahr. Auch die Gesamtkosten des deutschen Netzengpassmanagements sind trotz eines stabilen Gesamtvolumens auf rund 3,1 Milliarden Euro gestiegen, wobei besonders die Vorhaltekosten für Reservekraftwerke deutlich zunahmen. China wiederholt also im Grunde einen bekannten Fehler, allerdings mit einem noch deutlich größeren geografischen Ungleichgewicht als in Europa, da die Distanzen zwischen Erzeugungsregionen und Verbrauchszentren in China um ein Vielfaches größer sind als jene innerhalb Deutschlands.

Zwischen Wachstumsschmerz und Systemrisiko – Was auf dem Spiel steht

Die wirtschaftlichen Implikationen dieser strukturellen Schieflage sind erheblich und betreffen nicht nur die operative Effizienz des chinesischen Stromsystems, sondern auch die Investitionsanreize für künftige Projekte. Die Beratungsgesellschaft Wood Mackenzie warnt, dass die durchschnittlichen Abregelungsraten für Solarstrom in den kommenden zehn Jahren in mehr als 21 chinesischen Provinzen die Fünf-Prozent-Marke überschreiten dürften, gegenüber aktuell zehn betroffenen Provinzen, was das Investitionskalkül für neue Projekte in besonders exponierten Regionen zunehmend belasten könnte. Wenn Investoren aufgrund hoher Abregelungsquoten mit geringeren Erträgen kalkulieren müssen, sinkt die Attraktivität weiterer Kapazitätserweiterungen in den betroffenen Provinzen, was paradoxerweise genau jene Regionen treffen würde, die für den weiteren Ausbau eigentlich am besten geeignet wären. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung aus Großbritannien, wie sie in einer Analyse der Universität Cambridge aufgearbeitet wurde, dass massive Investitionen in den Netzausbau die Abregelungsraten durchaus wieder senken können, wobei die marginale Abregelung – also der zusätzliche Verlust durch das jeweils letzte hinzukommende Kraftwerksprojekt in einer bereits überlasteten Region – mitunter das Drei- bis Vierfache der durchschnittlichen Abregelung erreichen kann. Für China bedeutet dies, dass punktuelle Verbesserungen beim Netzausbau zwar helfen, das grundsätzliche geografische Missverhältnis zwischen Erzeugung und Verbrauch jedoch nur durch eine Kombination aus beschleunigtem Leitungsbau, verstärktem Ausbau von Speicherkapazitäten und einer bewussteren regionalen Diversifizierung neuer Projekte gelöst werden kann. Zudem hat die chinesische Führung ergänzend zum Netzausbau ein neues Regelwerk zur Förderung des Verbrauchs erneuerbarer Energien erlassen, das unter anderem auf eine stärkere Kopplung von Erzeugung und lokalem Verbrauch sowie auf den beschleunigten Ausbau von Speichertechnologien und Pumpspeicherkraftwerken setzt.

Ein Wettlauf gegen die eigene Erfolgsgeschichte

Letztlich steht China vor einem paradoxen Problem, das direkt aus seinem eigenen Erfolg entsteht. Kein anderes Land der Welt baut Solar- und Windkraft in einem vergleichbaren Tempo aus, doch genau diese Geschwindigkeit hat die Infrastruktur des Stromnetzes überfordert und offenbart nun Schwächen, die strukturell weit gravierender sind als jene, mit denen europäische Netzbetreiber zu kämpfen haben. Die angekündigten Investitionen in Höhe von umgerechnet rund 500 Milliarden Euro sowie die geplanten neuen Ultrahochspannungstrassen zeigen, dass Peking die Dringlichkeit erkannt hat und entschlossen gegensteuert. Doch angesichts der schieren Dimension des laufenden Zubaus bleibt fraglich, ob der Netzausbau tatsächlich schnell genug erfolgen kann, um die Verlustquoten nachhaltig zu senken. Aus ökonomischer Perspektive zeigt der chinesische Fall exemplarisch, dass eine Energiewende nicht allein über die installierte Erzeugungsleistung gemessen werden darf, sondern immer als Gesamtsystem aus Erzeugung, Übertragung, Speicherung und Verbrauch betrachtet werden muss. Wer diese Balance vernachlässigt, riskiert, dass ein beträchtlicher Teil der ökologisch wie ökonomisch wertvollen Investitionen buchstäblich verpufft, weil der produzierte Strom seinen Weg zum Verbraucher nicht findet. Für die globale Klimapolitik ist diese Entwicklung von erheblicher Bedeutung, denn China ist mit seinem gigantischen Zubau der entscheidende Akteur dafür, ob die weltweite Energiewende insgesamt gelingt oder an eben jenen strukturellen Engpässen scheitert, die sich in Europa in kleinerem Maßstab bereits gezeigt haben.

 

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Konrad Wolfenstein

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