Überraschung in München: Warum 14 bulgarische Firmen auf der größten Energiemesse allen die Show stehlen
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Xpert.Digital bei Google bevorzugen ⓘVeröffentlicht am: 23. Juni 2026 / Update vom: 23. Juni 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Überraschung in München: Warum 14 bulgarische Firmen auf der größten Energiemesse allen die Show stehlen – Kreativbild: Xpert.Digital
Europas heimlicher Solar-Gigant: Wie Bulgarien die Energiewende aufmischt – Batterien, KI und Solarboom
Vom Sorgenkind zum Tech-Pionier: Wie ein Balkanstaat zur neuen Großmacht der europäischen Energiewende werden kann
Vom Kohle-Staat zum Vorreiter der Energiewende: Bulgariens technologisches Erwachen
Lange Zeit galt Bulgarien auf der europäischen Energie-Landkarte als Randnotiz – ein Land, das in der öffentlichen Wahrnehmung eher für alte Braunkohlekraftwerke als für grüne Innovationen stand. Doch diese Zeiten sind endgültig vorbei. Mit einer beispiellosen Transformationsgeschwindigkeit hat sich der Balkanstaat in den letzten fünf Jahren zu einem der dynamischsten Märkte für erneuerbare Energien in ganz Europa entwickelt. Das eindrucksvollste Zeugnis dieses rasanten Aufstiegs liefert „The Smarter E Europe 2026“ in München: Auf Europas wichtigstem Energiemesse-Verbund präsentieren gleich 14 bulgarische Technologie-Unternehmen ihre Lösungen für die Welt von morgen. Von KI-gesteuerter Handelssoftware und globaler E-Mobilitäts-Infrastruktur bis hin zu hochmodernen Wasserstoff-Elektrolyseuren und einer EU-geförderten Batterie-Gigafabrik – die geballte Präsenz ist kein Zufall. Sie ist das Resultat einer neuen, mutigen Unternehmergeneration, massiver privater Investitionen und exzellenter Ingenieurskunst. Bulgarien tritt aus dem Schatten und beweist eindrücklich: Das Land hat das Zeug dazu, die europäische Energiewende nicht mehr nur zu begleiten, sondern als Produzent und Exporteur von Spitzentechnologie aktiv anzuführen.
Bulgariens grüner Aufstieg: 14 Unternehmen auf der Intersolar Europe 2026
Wer in München auf dem Messegelände die Hallen der The Smarter E Europe 2026 durchstreift, stößt unvermeidlich auf ein Phänomen, das noch vor wenigen Jahren kaum jemand auf dem Radar hatte: Bulgarien. Vierzehn bulgarische Unternehmen präsentieren sich vom 23. bis 25. Juni 2026 auf Europas größtem Energiemesse-Verbund – verteilt über alle vier Teilmessen von Intersolar Europe über ees Europe und EM-Power bis hin zu Power2Drive Europe. Das ist keine Zufallsanhäufung. Es ist das sichtbare Ergebnis einer technologischen und wirtschaftlichen Transformation, die in ihrer Geschwindigkeit und Tiefe die meisten Beobachter überrascht hat.
Bulgarien steht für das neue Gesicht Osteuropas in der Energiewende. Das Land, das in der öffentlichen Wahrnehmung des Westens lange als Peripherie des EU-Binnenmarkts galt, hat sich in weniger als fünf Jahren zu einem der dynamischsten Solarenergiemärkte des Kontinents entwickelt. Die installierte Photovoltaikkapazität stieg von gut einem Gigawatt Anfang 2021 auf nahezu sechs Gigawatt Ende 2025 – eine Verdreifachung in kaum drei Jahren. Für 2026 werden weitere 2,5 Gigawatt im Bau oder in fortgeschrittener Entwicklung gemeldet. Dahinter stehen nicht nur günstige Einstrahlungswerte, die im bulgarischen Mittel zwischen 2.000 und 2.600 Sonnenstunden pro Jahr liegen, sondern auch eine zielgerichtete Industriepolitik, private Risikobereitschaft und eine Unternehmergeneration, die den Sprung von der nationalen zur europäischen Bühne gewagt hat.
Diese vierzehn Unternehmen in München sind mehr als eine Delegationsausstellung. Sie sind eine Leistungsschau eines Landes, das lernt, seine komparativen Vorteile zu kapitalisieren – und das mit einer bemerkenswerten Breite: von EPC-Generalunternehmern für Solarparks über Hersteller stationärer Großspeicher, Software-as-a-Service-Plattformen für den Stromhandel, Wasserstoff-Elektrolyseure, Transformatorenhersteller mit 75 Jahren Industriegeschichte bis hin zu globalen EV-Charging-Software-Marktführern. Das Portfolio ist vollständig. Und es ist, in Teilen, von Weltklasse.
Vom Sonnenschein zum Stromnetz: Bulgariens rasanter Energieaufstieg
Um die Bedeutung der bulgarischen Präsenz in München richtig einzuordnen, lohnt ein Blick auf die makroökonomischen Weichenstellungen, die diesen Aufstieg ermöglicht haben. Bulgariens Energiesystem befand sich bis 2021 in einer strukturellen Ambivalenz: Das Land war gleichzeitig einer der größten Kohleproduzenten der EU und verfügte über die günstigsten Bedingungen für Solarenergie in Mittel- und Osteuropa. Diese Ambivalenz hat sich inzwischen teilweise aufgelöst – zugunsten der Erneuerbaren.
Im Jahr 2025 überschritten erneuerbare Energien erstmals in der Geschichte Bulgariens die Stromerzeugung aus Kohle. Solar- und Windkraft zusammen mit Wasserkraft und Biomasse lieferten mehr Strom als die heimischen Braunkohlekraftwerke – ein historischer Wendepunkt, der früher eintrat als in den nationalen Planungsdokumenten vorgesehen. Die Kohlestromerzeugung sank 2025 auf den niedrigsten Wert in der bulgarischen Geschichte und lag rund 60 Prozent unter dem Niveau von 2022. Am 20. Juni 2025 übertraf die Solarstromproduktion für zwei Stunden den gesamten Stromverbrauch des Landes – ein symbolischer Moment, der Bulgarien in eine Liga mit Deutschland und Spanien hob.
Der Markt für Solarenergie erreichte 2026 eine installierte Gesamtkapazität von 5,29 Gigawatt und wird laut Mordor Intelligence bis 2031 auf 9,07 Gigawatt wachsen – bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 11,35 Prozent. Diese Prognose erscheint eher konservativ, gemessen an der tatsächlichen Dynamik: Allein 2025 wurden 1.416 Megawatt neue PV-Kapazität installiert, das dritte Jahr in Folge mit mehr als einem Gigawatt Zubau. Neunzig Prozent davon entfielen auf Freiflächen-Großanlagen, finanziert über wettbewerbsfähige Kreditlinien und Power Purchase Agreements.
Für die Batteriespeicher zeichnet sich eine noch explosivere Entwicklung ab. Rund 500 Megawatt BESS-Leistung mit einer Speicherkapazität von 1.300 Megawattstunden waren Mitte 2025 installiert. Bis Ende 2026 soll sich diese Kapazität auf über 10.000 Megawattstunden vervielfachen – ein Anstieg um fast das Achtfache innerhalb von 18 Monaten. Der Stromnetz-Betreiber ESO bestätigte, dass in den nächsten 12 bis 18 Monaten 7.000 bis 7.500 Megawatt zusätzlicher Batteriespeicher installiert werden sollen – ausreichend, um 10 bis 15 Prozent des täglichen Verbrauchs abzudecken. Bulgarien hat sich zudem als Nettostromexporteur etabliert: In den ersten sieben Monaten 2025 lag der positive Exportsaldo bei 230.000 Megawattstunden.
Dass 67,27 Prozent des Stroms in Bulgarien von September 2024 bis August 2025 aus CO₂-armen Quellen stammten – davon 53 Prozent aus Solarenergie –, ist nicht nur eine umweltpolitische Erfolgsgeschichte. Es ist die Grundlage für einen industriepolitischen Paradigmenwechsel: Bulgarien will nicht mehr nur Konsument europäischer Grüntechnologie sein, sondern Produzent und Exporteur. Dieser Anspruch ist in München materialisiert.
Europas größte Energiemesse als Bühne: The Smarter E Europe 2026
Die Kulisse, vor der sich diese Leistungsschau entfaltet, ist nicht beliebig gewählt. The Smarter E Europe ist der weltweit wichtigste Treffpunkt der Branche für Solar-, Speicher-, Mobilitäts- und Energiemanagementtechnologien. Allein auf der Intersolar Europe werden 2026 rund 1.300 Aussteller erwartet; der Gesamtverbund versammelt 2.800 Unternehmen auf 200.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche – bei mehr als 100.000 erwarteten Besuchern aus aller Welt. Das Vorjahresereignis zog Teilnehmer aus 157 Ländern an.
Vierzehn bulgarische Unternehmen auf dieser Bühne – das ist eine kritische Masse. Kein vereinzeltes Ausreißerunternehmen, das sich internationale Sichtbarkeit erkauft, sondern ein kohärentes Cluster, das die gesamte Wertschöpfungskette der Energiewende abdeckt. Die Verteilung über die Teilmessen unterstreicht die Diversität: Zwei Unternehmen auf der Intersolar Europe (Photovoltaik), fünf auf der ees Europe (Energiespeicher), fünf auf der EM-Power Europe (Energiemanagement und Software) und zwei auf der Power2Drive Europe (E-Mobilität). Zwei davon haben es als Finalisten für den renommierten The Smarter E Award 2026 in die engere Auswahl geschafft – Solarpro Technology in der Kategorie Outstanding Projects und International Power Supply (IPS/EXERON) in der Kategorie Energy Storage.
Pioniere der Photovoltaik: Solarparks von der Donau bis zur Nordsee
Solarpro Technology – Der EPC-Champion aus Sofia, der Osteuropa neu kartiert
Solarpro Technology ist das Aushängeschild der bulgarischen Solarwirtschaft – und eines der eindrücklichsten Beispiele dafür, was osteuropäische Unternehmen in der Energiewende leisten können. Das Unternehmen wurde 2007 gegründet und hat sich in den vergangenen Jahren zu einem führenden EPC-Generalunternehmer (Engineering, Procurement, Construction) für erneuerbare Energien in Zentraleuropa und darüber hinaus entwickelt. Mehr als 1.500 Mitarbeiter haben in dieser Zeit Photovoltaikanlagen mit einer kumulierten Kapazität von über 12 Gigawatt geplant, gebaut und integriert – in sechs Ländern Osteuropas, mit Projekten auf globalem Niveau. Das Unternehmen versteht sich als Multi-Technology-Integrator: Neben klassischen PV-Anlagen realisiert Solarpro hybride Projekte, die Photovoltaik, Windkraft, Batteriespeicher und Wasserstoff kombinieren.
Auf der Messe präsentiert sich Solarpro am Stand A4.631 mit dem Fokus auf EPC-Services für Solarparks und BESS-Projekte, Lithium-Batterien sowie – technologisch besonders bemerkenswert – Batterie-Recycling und Second-Life-Konzepten. Das Thema Kreislaufwirtschaft für Batterien ist in der Branche noch unterentwickelt, und Solarpro besetzt damit eine strategische Nische, die in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen wird.
Die jüngsten Referenzprojekte unterstreichen den europäischen Anspruch: Im Sommer 2026 gab Solarpro in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Batteriehersteller Hithium die erfolgreiche Inbetriebnahme des damals größten BESS-Projekts in Südosteuropa bekannt – ein 55-MWh-Speicher in Razlog, Südwestbulgarien, für den Solarpro den gesamten EPC-Lebenszyklus verantwortete. Zuvor hatte das Unternehmen den EPC-Auftrag für einen 229-MW-Solarpark in Silistra übernommen, finanziert von Rezolv Energy und gebaut auf einem ehemaligen Militärflugplatz mit knapp 400.000 Solarmodulen auf 165 Hektar. Für den 240-MW-Solarpark in Tenevo wurde eine strategische Kooperation mit JA Solar vereinbart, finanziert von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD). Die Tatsache, dass Solarpro als Finalistin für den The Smarter E Award in der Kategorie Outstanding Projects nominiert wurde, ist eine externe Bestätigung dieser Leistungskurve.
Hec Solar – Zwei Jahrzehnte internationaler Freiflächen-Expertise
Hec Solar ist ein weiterer Beweis dafür, dass die bulgarische Solarwirtschaft keine One-Hit-Wonder hervorbringt, sondern nachhaltige Kompetenzen aufgebaut hat. Das Unternehmen entwickelt und baut Solarkraftwerke auf globaler Ebene und kann auf 33 erfolgreich realisierte Solaranlagen mit einer kumulierten Kapazität von 1,8 Gigawatt Peak in neun Ländern verweisen. Seit 2012 aktiv, hat Hec Solar einen klaren Fokus auf Freiflächen-PV-Anlagen entwickelt und bietet dabei die komplette Wertschöpfungskette an: von der Projektentwicklung über die Finanzierungsberatung bis zur schlüsselfertigen Lieferung. In München ist das Unternehmen auf Stand A5.480 in Halle A5 präsent.
Was Hec Solar von vielen Mitbewerbern unterscheidet, ist die konsequente internationale Ausrichtung von Beginn an. In einem Markt, der in den frühen 2010er-Jahren noch stark von nationalen Förderprogrammen abhängig war, baute das Unternehmen früh Erfahrungen in mehreren Ländern auf – ein Vorteil, der sich nun auszahlt, da der europäische Solarmarkt zunehmend von grenzüberschreitenden Investoren und IPPs (Independent Power Producers) geprägt wird. Die Kombination aus technischer Realisierungskompetenz und internationalem Projektportfolio positioniert Hec Solar als verlässlichen Partner für Investoren, die bewährte Ausführungsqualität zu wettbewerbsfähigen Konditionen suchen.
Europas neue Batterie-Fabrikanten: Speichertechnologien made in Bulgaria
International Power Supply – EXERON: Bulgariens erste Batteriegigafabrik und ein EU-Strategie-Projekt
Die Geschichte von International Power Supply (IPS) und seiner BESS-Marke EXERON ist eine der bemerkenswertesten Industrieerzählungen in der jüngeren europäischen Wirtschaftsgeschichte. Das Sofioter Unternehmen, das seit Jahrzehnten im Bereich stationäre Großspeicher und Leistungselektronik tätig ist, hat in den Jahren 2024 und 2025 eine Transformation vollzogen, die in der EU ihresgleichen sucht. Im Oktober 2025 eröffnete IPS im Hemus High-Tech-Industriepark in Kremikovtzi bei Sofia die erste Batteriegigafabrik Bulgariens – eine Produktionsstätte mit einer Jahreskapazität von 3 Gigawattstunden, die bis Ende 2026 auf 5 Gigawattstunden ausgebaut werden soll.
Was dieses Projekt aus industriepolitischer Sicht besonders auszeichnet, ist sein Status als EU-Strategic-Project unter dem Net Zero Industry Act (NZIA): Das EXERON X-BESS-Vorhaben ist eines von lediglich sechs Projekten in der gesamten Europäischen Union, die bislang diese Einstufung erhalten haben. Die Europäische Kommission erkennt damit das Vorhaben als strategisch bedeutsam für die Versorgungssicherheit und die Dekarbonisierungsziele Europas an. Der Gesamtinvestitionsrahmen für drei geplante Produktionsstandorte beläuft sich auf rund 180 Millionen Euro, davon bis zu 95 Millionen Euro als EU-Zuschuss. Eine zweite, vollautomatisierte Roboterfabrik ist in Planung, mit einer Kapazität von bis zu 15 Gigawattstunden bis Ende 2027 – was Bulgarien theoretisch in die Position bringt, bis zu 15 Prozent des erwarteten europäischen Bedarfs zu decken.
Das technologische Herzstück ist das EXERON X-BESS-System: ein Batteriespeicher der nächsten Generation für Utility-Scale- und C&I-Anwendungen mit modularer Architektur. IPS hat die gesamte X-BESS-Technologie patentiert und fertigt nahezu alle kritischen Komponenten in eigener Produktion – von Batteriemodulen und -packs über verteilte Flüssigkühlsysteme bis hin zu Elektronik, Batteriemanagementsystemen, Steuereinheiten und Wechselrichtern. Lediglich die LFP-Zellen (Lithiumeisenphosphat) werden zugekauft. Das EXERON X-BESS 8, das neueste Modell, liefert eine Nennkapazität von bis zu 8,1 Megawattstunden mit einem integrierten 4-MW-Wechselrichter und setzt nach Unternehmensangaben einen neuen Standard in der Energiedichte für Großanwendungen. Die Finalistennominierung für den The Smarter E Award 2026 in der Kategorie Energy Storage ist die internationale Bestätigung dieser Innovationsleistung. In München präsentiert IPS/EXERON am Stand B1.580.
V-TAC EUROPE – Der globale Spezialist für Heim- und Gewerbespeicher
Während IPS den Utility-Scale-Markt adressiert, besetzt V-TAC EUROPE Ltd. das andere Ende der Speicherwertschöpfungskette: Lithium-Batterien und Energiespeichersysteme für Heimanwendungen und den gewerblichen Bereich. Das Unternehmen mit Sitz in Sofia ist Teil der internationalen V-TAC-Gruppe, die 2010 als LED-Leuchtenhersteller gegründet wurde und ihr Portfolio sukzessive in Richtung erneuerbare Energien erweitert hat. Heute deckt V-TAC ein Vollsortiment ab: Solarmodule, Wechselrichter, Batteriespeicher, Wärmepumpen, Ladestationen und Smart-Home-Produkte – vertrieben in über 70 Ländern durch Niederlassungen in Bulgarien, den Emiraten, Großbritannien, Ungarn, Polen, Rumänien, Indien, Hongkong und Irland. Das Portfolio umfasst über 4.500 Produkte.
In München präsentiert V-TAC EUROPE am Stand B1.171 in Halle B1 der ees Europe seine LFP-basierten Speicherlösungen, darunter etwa das VT-10240W-Hausspeichersystem mit einer Kapazität von 10,24 Kilowattstunden bei einer Garantielaufzeit von zehn Jahren. Die Stärke des Unternehmens liegt in der Skalierbarkeit: V-TAC liefert sowohl einzelne Heimspeicher als auch größere Gewerbespeicherlösungen und kombiniert dies mit einem breiten Vertriebsnetz, das viele kleinere Wettbewerber in dieser Form nicht besitzen. Die internationale Aufstellung des Konzerns verleiht der bulgarischen Tochtergesellschaft eine Reichweite, die deutlich über den Heimatmarkt hinausgeht.
Telelink Infra Services – Die Netzwerk-Kompetenz hinter der Energiewende
Telelink Infra Services EAD ist ein Unternehmen, das auf den ersten Blick vielleicht nicht das typische Bild eines Solarunternehmens vermittelt – und das ist genau seine Stärke. Als Infrastruktur-Spezialist bringt Telelink Kompetenzen mit, die in der klassischen Energiebranche oft fehlen: die Fähigkeit, komplexe Netzwerke zu planen, zu bauen und zu betreiben. Am Stand B1.580 in Halle B1 der ees Europe präsentiert Telelink seine Leistungen als EPC-Unternehmen für Solarparks und BESS-Projekte, kombiniert mit Lithium-Batterien und Netzinfrastrukturkompetenz.
Die Tatsache, dass Telelink als Infrastrukturdienstleister den Sprung in die Solarbranche vollzogen hat, spiegelt einen breiteren Trend wider: Die Realisierung großer erneuerbarer Energieprojekte erfordert immer mehr Netzwerk- und Dateninfrastrukturexpertise, von der Kommunikationsanbindung von Remote-Standorten über die Integration von SCADA-Systemen bis zur Cyber-Security. Telelink adressiert diese Schnittstelle und positioniert sich als Brückenbauer zwischen der klassischen Telekommunikationsinfrastruktur und der neuen Energiewirtschaft. Diese Positionierung macht das Unternehmen zu einem wertvollen Systemintegrator, insbesondere für Projekte, bei denen digitale Steuerung und physische Energieinfrastruktur eng verzahnt werden müssen.
World Transport Overseas – Wenn Logistik zur Batteriestrategie wird
Die Präsenz von World Transport Overseas (WTO) auf der ees Europe in München ist auf den ersten Blick erklärungsbedürftig. Ein Logistikunternehmen auf einer Energiemesse – was sucht es dort? Die Antwort offenbart einen strategischen Kurswechsel, der exemplarisch für die Diversifikationsdynamik bulgarischer Unternehmen steht. WTO, eines der am schnellsten wachsenden Logistikunternehmen Osteuropas mit eigenen Tochtergesellschaften in Bulgarien, China, Kroatien, Griechenland, dem Kosovo, Nordmazedonien, Rumänien, Serbien, Slowenien und Taiwan, hat sein Portfolio um Lithium-Batterien, stationäre Speichersysteme für C&I- und Utility-Anwendungen, Batterieladegeräte und – technologisch besonders interessant – Zellfertigungsanlagen erweitert.
Am Stand C3.129 in Halle C3 präsentiert WTO diese neue Dimension seines Angebots. Die Logik dahinter ist nachvollziehbar: WTO verfügt über ein etabliertes globales Netzwerk für die Beschaffung und Verteilung schwerer Industriegüter – genau die Infrastruktur, die für die Lieferung von Batteriesystemen und Fertigungsanlagen benötigt wird. Die Internationalisierung von Energieprojekten, der globale Rohstoff- und Technologiemarkt für Batteriekomponenten und die Komplexität der Lieferketten in der Speicherbranche schaffen einen echten Mehrwert für einen erfahrenen Logistikdienstleister. WTO nutzt seine bestehenden Stärken als strategisches Sprungbrett in einen Wachstumsmarkt.
Green Innovation / Hydrogenera – Bulgariens Hydrogen-Pionier mit VW-Auftrag
Hydrogenera – die operative Marke von Green Innovation AD – ist vielleicht das bemerkenswerteste Unternehmen in der gesamten bulgarischen Delegation, weil es in einem Technologiesegment operiert, das noch häufig als Zukunftsmusik abgetan wird: grüner Wasserstoff. Das Unternehmen, gegründet 2016 von Dragomir Ivanov, hat sich zum führenden Hersteller und Integrator von alkalischen Elektrolyseuren in Zentral- und Osteuropa entwickelt – und ist möglicherweise das einzige Unternehmen im europäischen Sektor für grünen Wasserstoff, das profitabel operiert.
Hydrogeneras Elektrolyseure decken ein breites Leistungsspektrum ab: von 10-kW-Modellen für kleine Anwendungen bis zum 1-MW-Modell, das 2024 als erster Elektrolyseur in dieser Leistungsklasse auf dem Balkan vorgestellt wurde. Der 1-MW-Elektrolyseur produziert täglich 423 Kilogramm Wasserstoff – genug, um den Energiebedarf von 536 Haushalten zu decken, oder einem Fahrzeug das Zurücklegen von 56.000 Kilometern zu ermöglichen. Das Effizienzlevel der Hydrogenera-Elektrolyseure liegt bei 85 Prozent – ein Wert, der im Wettbewerbsvergleich überzeugt. Das Unternehmen hat bis dato über 83 Projekte in Bulgarien, der Türkei und Polen realisiert und ist Mitglied der European Clean Hydrogen Alliance.
Was Hydrogenera 2026 besondere internationale Aufmerksamkeit verschafft, ist ein Auftrag, der zugleich technologische Reife und strategische Reichweite demonstriert: Volkswagen hat das Unternehmen als autorisierten Lieferanten qualifiziert und mit der Integration eines Elektrolyseurs in das VW-Werk in Poznań, Polen, beauftragt. Das Ziel ist die Einspeisung von Wasserstoff und Sauerstoff in einen Gasbrenner mit 1,5 MW Nennleistung, um den Erdgasverbrauch um bis zu 30 Prozent zu senken. Dieser Auftrag ist mehr als ein Geschäftsabschluss: Er ist ein Reputationsbeweis auf höchstem industriellen Niveau. In München präsentiert Hydrogenera am Stand B2.450B seine Elektrolyseure, Wasserstoffspeicher und H2-Produktionsanlagen.
Neu: Patent aus den USA – Solarparks bis zu 30 % günstiger und 40 % schneller und einfacher installieren – mit Erklärvideos!

Neu: Patent aus den USA – Solarparks bis zu 30 % günstiger und 40 % schneller und einfacher installieren – mit Erklärvideos! - Bild: Xpert.Digital
Das Herzstück dieser technologischen Weiterentwicklung ist die bewusste Abkehr von der konventionellen Klemmenbefestigung, die seit Jahrzehnten den Standard darstellt. Das neue und zeit- wie kostengünstigere Montagesystem begegnet dieses mit einem grundlegend anderen, intelligenteren Konzept. Anstatt die Module punktuell zu klemmen, werden sie in eine durchgehende, speziell geformte Trägerschiene eingelegt und dort sicher gehalten. Diese Konstruktion sorgt dafür, dass alle auftretenden Kräfte – seien es statische Lasten durch Schnee oder dynamische Lasten durch Wind – gleichmäßig über die gesamte Länge des Modulrahmens verteilt werden.
Mehr dazu hier:
Bulgarien auf der Energiemesse: Diese Startups treiben Europas Energiewende voran
Das digitale Rückgrat: Bulgariens Software-Champions für die Energiewende
TokWise – KI-gesteuerte Energiehandelsentscheidungen für das Zeitalter der Flatterness
In der Branche nennt man es das Problem der „Duck Curve“ oder der volatilen Einspeisung: Erneuerbare Energieerzeuger müssen in einem fragmentierten und volatilen Strommarkt zunehmend aktive Handelsentscheidungen treffen, ohne dabei über professionelle Trading-Teams zu verfügen. TokWise, 2018 in Sofia gegründet, löst genau dieses Problem. Die SaaS-Plattform ermöglicht Erneuerbare-Energieproduzenten, Industrieverbrauchern, Aggregatoren und Händlern, ihre Anlagen direkt an Strombörsen anzubinden und den Kauf sowie Verkauf von Strom zu automatisieren.
Das Herzstück der Plattform ist der sogenannte GuardianTrade-Agent: ein KI-gestütztes System, das rund um die Uhr Marktdaten analysiert, Preise prognostiziert und Handelsentscheidungen in Echtzeit ausführt. Die versprochenen Ergebnisse sind quantifizierbar: bis zu 30 Prozent Reduktion der Ausgleichsenergiekosten und bis zu 20 Prozent höhere Handelserlöse. Diese Versprechen haben namhafte Investoren überzeugt: 2023 erhielt TokWise eine Equity-Investition von 3 Millionen Euro, angeführt vom deutschen Erneuerbaren-Energieproduzenten Encavis AG, der den strategischen Nutzen der Plattform für sein eigenes Portfolio erkannte. Das bulgarische Venture-Capital-Unternehmen Vitosha Venture Partners beteiligte sich ebenfalls.
TokWise ist ein Paradebeispiel für das neue bulgarische Tech-Unternehmertum: aufgebaut auf einer soliden Data-Science-Kompetenz, auf ein konkretes Marktproblem ausgerichtet und mit dem ersten großen Investor bereits auf der B2B-Wertschöpfungskette verankert. In München ist TokWise auf Stand B5.275 in Halle B5 präsent und adressiert die europäischen Marktteilnehmer, für die die intelligente Vermarktung von Strom zunehmend zum Wettbewerbsfaktor wird.
Solarity BG – Flexible Energielösungen und DER-Management aus Plovdiv
Solarity BG OOD ist eines der wenigen bulgarischen Unternehmen auf der Messe, das nicht aus Sofia stammt. Gegründet 2009 in Plovdiv, Bulgariens zweitgrößter Stadt und einem aufstrebenden Industriezentrum, hat sich Solarity als spezialisierter Anbieter für verteilte Energieressourcen (DER), Systemintegration, Demand Response und Flexibilitätsmanagement etabliert. Das Unternehmen kann auf 16 Jahre Erfahrung im Photovoltaiksektor zurückblicken und hat sich auf hochperformante Solarinstallationen für industrielle Kunden, Investoren und Unternehmen spezialisiert.
Auf der EM-Power Europe, Stand B5.571, präsentiert Solarity sein APC-Energiemanagementsystem – ein proprietäres Automatisiertes Power Control-System, das für flexible Stromversorgungslösungen, Backup-Systeme, Off-Grid-PV-Installationen, Pumpenstromversorgung und umfassendes Energiemanagement konzipiert ist. Das DER-Management-Portfolio adressiert den wachsenden Bedarf industrieller Prosumenten, dezentrale Erzeugung, Speicher und Lasten intelligent zu koordinieren. Solarity BG repräsentiert den Typus des regional verwurzelten Spezialisten, der durch tiefgehende Marktkenntnis und langfristige Kundenbeziehungen eine stabile Marktposition aufgebaut hat.
ADEX Energy – Virtuelle Kraftwerke und KI-gestützte Betriebsoptimierung
ADEX Energy AD aus Sofia ist eine der technologisch interessantesten Neuentdeckungen auf der diesjährigen The Smarter E Europe. Das Unternehmen entwickelt eine KI-gestützte Software-Plattform für virtuelle Kraftwerke (VPP), Ertragsoptimierung, EMS/SCADA-Lösungen für Batteriespeicher und PPA-Stromhandel. Die Lösung basiert auf Big-Data-Aggregation aus multiplen Quellen und intelligenten Algorithmen, die strategiebasierte Kalkulationen ermöglichen: Wann sollte die Anlage Strom produzieren? Wann laden? Wann einspeisen?
Ein Pilotprojekt mit dem bulgarisch-deutschen Unternehmen Sunotec – das mit einem Minderheitsanteil bei ADEX Energy eingestiegen ist – hat ADEX jüngst erste Referenzen geliefert: In einem 26-MWp-Hybridpark in Pernik mit 61 MWh Speicherkapazität optimiert die Plattform Erzeugung, Speicherung und Netzeinspeisungsstrategie in Echtzeit. ADEX wurde im Bericht des Net-Zero-Lab der Sofioter Universität als eines der Unternehmen hervorgehoben, das Bulgarien auf die europäische Clean-Tech-Landkarte setzt. In München präsentiert das Unternehmen am Stand C5.416 in Halle C5.
Solarhome Ltd – Ganzheitliches Energiemanagement aus Gorna Oryahovitsa
Solarhome Ltd ist das einzige Unternehmen der bulgarischen Delegation, das seinen Sitz in einer mittelgroßen Provinzstadt hat – Gorna Oryahovitsa in Nordbulgarien. Dies ist kein Nachteil; im Gegenteil signalisiert es, dass die Energie-Innovationsdynamik Bulgariens längst nicht mehr auf Sofia und Plovdiv beschränkt ist. Solarhome kombiniert Speichertechnologien mit ICT-Software, virtuellen Kraftwerken (VPP) und Energiemanagementsystemen zu einem integrierten Angebot. Der Ansatz richtet sich an Kunden, die nicht einzelne Technologiekomponenten, sondern durchgängige Lösungen für das Energiemanagement suchen.
Am Stand C5.319 in Halle C5 der EM-Power Europe positioniert sich Solarhome als Vollintegrator für dezentrale Energiesysteme. Angesichts der wachsenden Komplexität des Energiesystems – mit einer zunehmenden Anzahl von Prosumenten, flexiblen Lasten und Speichern, die intelligent koordiniert werden müssen – ist diese Integrationskompetenz gefragt. Solarhome adressiert dabei sowohl industrielle als auch kommerzielle Kunden, die ihre Energiekosten senken und gleichzeitig am Flexibilitätsmarkt partizipieren wollen.
Netzinfrastruktur: Die unsichtbaren Helden der Energiewende
Elprom Heavy Industries – 75 Jahre Transformatoren-Exzellenz im Dienst der Energiewende
Wer glaubt, dass die Energiewende allein von Solarmodulen und Batterien getragen wird, übersieht eine entscheidende Komponente: die Netzinfrastruktur. Transformatoren, Umspannwerke, Schalt- und Schutzeinrichtungen – ohne diese Komponenten kann keine einzige Kilowattstunde aus einem Solarpark ins Netz eingespeist werden. Und genau hier liegt die Kernkompetenz von Elprom Heavy Industries, dem ältesten Unternehmen der bulgarischen Delegation.
Das Unternehmen wurde 1949 aus dem Zusammenschluss mehrerer kleiner Fabriken für elektrische Betriebsmittel gegründet. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Elprom zu einem international bedeutenden Hersteller von Stufenschaltern (On-Load Tap Changers, OLTC) und wurde in den 1970er-Jahren zum weltweit zweitgrößten Produzenten dieser Technologie. 1997 übernahm der südkoreanische Konzern Hyundai Heavy Industries das Unternehmen im Zuge der bulgarischen Privatisierungswelle; 2020 erwarb BEZ Transformatory aus der Slowakei die Mehrheitsbeteiligung, und seit 2021 firmiert das Unternehmen unter seinem heutigen Namen Elprom Heavy Industries. Die jährlichen Umsätze übersteigen 30 Millionen Euro.
In München präsentiert Elprom am Stand C5.111 in Halle C5 sein Portfolio aus Leistungstransformatoren, Umspannwerken sowie Schalt- und Schutzeinrichtungen. Angesichts des massiven Netzausbaubedarfs, der mit der Energiewende einhergeht – die EU schätzt, dass bis 2030 über 600 Milliarden Euro in Netzinfrastruktur investiert werden müssen –, ist Elprom strategisch hervorragend positioniert. Das Unternehmen verbindet industrielle Tradition mit modernster Fertigungstechnologie und bietet eine Zuverlässigkeit und Zertifizierungstiefe, die im Markt für kritische Netzinfrastruktur unerlässlich ist.
E-Mobilität: Bulgarische Software und Hardware für den Ladesäulen-Boom
AMPECO – Der weltführende EV-Software-Anbieter aus Sofia
AMPECO ist das Unternehmen, das selbst in einem globalen Maßstab Aufsehen erregt. Die in Sofia basierte Firma entwickelt eine White-Label-SaaS-Plattform für das Management von Ladesäulennetzen – und hat sich damit zur anerkannten Weltmarktführerin in ihrem Segment entwickelt. Gegründet von Orlin Radev, der seine Leidenschaft für Elektromobilität bereits 2010 beim ersten Fahren eines Elektroautos entdeckte, entstand AMPECO aus der Erkenntnis, dass nicht die Hardware das Nadelöhr der EV-Ladeinfrastruktur ist, sondern die fehlende Managementsoftware.
Heute vernetzt AMPECOs Plattform mehr als 120.000 Ladestationen in über 60 Märkten und wird von mehr als 160 Kunden weltweit genutzt – darunter Energieversorger, Mobilitätsdienstleister, Einzelhändler und Automobilkonzerne. Das IDC MarketScape – eines der renommiertesten Analyseinstitute der Tech-Branche – hat AMPECO 2024 als Leader in der Bewertung weltweiter EV-Charging-Management-Lösungen eingestuft. Im November 2024 schloss AMPECO eine Series-B-Finanzierungsrunde über 26 Millionen US-Dollar ab, angeführt von Revaia, mit Beteiligung von Cavalry Ventures, BMW i Ventures und LAUNCHub Ventures. BMW i Ventures als strategischer Investor unterstreicht die Relevanz, die AMPECOs Technologie in der Automobilindustrie genießt.
Die technologischen Alleinstellungsmerkmale von AMPECOs Plattform liegen in ihrer Hardware-Agnostizität (kompatibel mit nahezu allen Ladestationsherstellern), ihrer White-Label-Fähigkeit (Kunden können sie als eigene Marke vermarkten) und ihrer Skalierbarkeit von einzelnen Stationen bis zu nationalen Netzwerken. Konkrete Referenzen belegen die Praxistauglichkeit: Eldrive, einer der führenden EV-Infrastrukturoperatoren in Osteuropa, betreibt über 2.000 Ladepunkte in Bulgarien, Rumänien und Litauen auf der AMPECO-Plattform. In München präsentiert AMPECO am Stand C6.140 in Halle C6 der Power2Drive Europe seine Technologieführerschaft.
4S4 Power – Hardwarekompetenz für AC- und DC-Schnellladung
Neben dem Software-Champion AMPECO setzt 4S4 Power den Hardware-Gegenpol in der E-Mobilitäts-Präsentation der bulgarischen Delegation. Das Sofioter Unternehmen entwickelt und vertreibt AC- und DC-Ladesysteme für Elektrofahrzeuge und adressiert damit den wachsenden Bedarf an physischer Ladeinfrastruktur, der trotz aller Digitalisierungstendenzen unvermindert bleibt. Der Markt für EV-Ladehardware ist durch eine zunehmende Konsolidierung und Qualitätsdifferenzierung geprägt: Kunden, insbesondere gewerbliche CPOs (Charge Point Operators), suchen zuverlässige Hardware, die mit den führenden Managementplattformen kompatibel ist.
Auf Stand C6.151 in Halle C6 der Power2Drive Europe präsentiert 4S4 Power sein Produktportfolio und positioniert sich als verlässlicher Hardware-Lieferant für den wachsenden europäischen Markt. Die Kombination aus einem Hardwareanbieter (4S4 Power) und einem Softwareanbieter (AMPECO) in der bulgarischen Delegation ist mehr als zufällig – sie spiegelt die Reife eines nationalen Ökosystems wider, das die gesamte technologische Wertschöpfungskette abdeckt und von Synergien zwischen seinen Akteuren profitiert.
Strukturanalyse: Was die 14 Aussteller über Bulgariens Wirtschaftsmodell verraten
Die vierzehn Unternehmen, die Bulgarien in München repräsentieren, sind kein statistischer Querschnitt der bulgarischen Wirtschaft. Sie sind eine Elite-Auswahl derjenigen Unternehmen, die den Mut und die Ressourcen hatten, den Sprung auf die internationale Bühne zu wagen. Dennoch erlauben sie Rückschlüsse auf die Stärken und die strukturellen Eigenheiten des bulgarischen Energieinnovations-Ökosystems.
Auffällig ist erstens die überwältigende Konzentration auf Sofia: Elf der vierzehn Unternehmen haben ihren Sitz in der Hauptstadt. Nur Solarity BG kommt aus Plovdiv, Solarhome aus Gorna Oryahovitsa, und Hec Solar unterhält neben Sofia weitere Standorte. Diese Konzentration spiegelt die strukturellen Realitäten des bulgarischen Ökosystems wider: Sofia ist das Gravitationszentrum für Venture Capital, Talente und internationale Geschäftskontakte. Gleichzeitig birgt sie ein Risiko: Ohne eine stärkere regionale Verteilung bleibt die Innovationsdynamik räumlich begrenzt.
Zweitens fällt die hohe Exportorientierung auf. Von AMPECO mit Kunden in 60 Märkten über Solarpro mit Projekten in sechs Ländern, Hydrogenera mit Aufträgen in der Türkei, Polen und nun Deutschland bis hin zu V-TAC mit 70-Länder-Präsenz: Das Gros der Unternehmen generiert den Löwenanteil seiner Umsätze außerhalb Bulgariens. Das ist sowohl Stärke als auch Notwendigkeit: Der bulgarische Heimatmarkt ist zu klein, um allein als Basis für technologische Skalierung zu dienen.
Drittens sticht das Segment der Software und KI-gestützten Plattformen besonders hervor. Mit TokWise, ADEX Energy, Solarity BG, AMPECO und Solarhome stellen digitale Plattformanbieter fünf von vierzehn Unternehmen – mehr als ein Drittel der Delegation. Dies ist kein Zufall: Bulgarien hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine tech-affine Unternehmerkultur entwickelt, gestützt auf eine hervorragende mathematisch-naturwissenschaftliche Ausbildungstradition, vergleichsweise niedrige Arbeitskosten und eine wachsende Zahl von Risikokapitalgebern wie LAUNCHub Ventures, Vitosha Venture Partners und Impetus Capital. Das Land produziert inzwischen B2B-Technologieunternehmen von Weltklasse – AMPECO ist das leuchtendste Beispiel.
Viertens zeigt die Präsenz von Elprom Heavy Industries mit seiner 75-jährigen Geschichte und World Transport Overseas mit seiner Logistikkompetenz, dass die Energiewende keine Chance nur für Startups ist. Etablierte Industrieunternehmen, die ihre bestehenden Kompetenzen in neue Wachstumsmärkte transferieren, spielen eine ebenso wichtige Rolle. Diese Mischung aus Tech-Startups, mittelständischen Spezialisten und industriellen Traditionsunternehmen verleiht der bulgarischen Delegation eine wirtschaftliche Solidität, die reine Startup-Delegationen oft vermissen lassen.
Geopolitik und Ökonomie: Warum Bulgarien jetzt Tempo macht
Bulgariens Aufstieg in der Energietechnologie ist kein isoliertes Phänomen. Er findet in einem geopolitischen und regulatorischen Kontext statt, der für Länder mit den spezifischen Standortvorteilen Bulgariens neue Opportunitätsfenster öffnet. Die russische Invasion in die Ukraine 2022 hat die europäische Diskussion über Energiesicherheit fundamental verändert und eine Beschleunigung der Energiewende ausgelöst, die zugleich nationale Interessen mit europäischen Klimazielen verknüpft. Für Bulgarien, das historisch stark von russischem Erdgas abhängig war, war diese Zäsur ein besonderer Impuls zur Diversifizierung.
Der EU Recovery and Resilience Plan stellt Bulgarien Mittel in Höhe von 342 Millionen Euro aus der Recovery and Resilience Facility für den Ausbau erneuerbarer Energien und Speicher bereit, ergänzt durch private Kofinanzierungen von 684 Millionen Euro. Der Nationale Energie- und Klimaplan sieht vor, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf 34,1 Prozent zu erhöhen und dafür insgesamt etwa 5 Gigawatt neue Solarkapazität über das Niveau von 2024 hinaus zu installieren. Das Ziel, bis 2026 die erneuerbaren Energien gegenüber 2020 zu verdreifachen, wird nach aktuellen Daten tatsächlich erreicht.
Der Net Zero Industry Act, der IPS/EXERON als eines von sechs europäischen strategischen Projekten auszeichnet, ist ein weiterer Baustein einer Industriepolitik, die Bulgarien nicht mehr nur als Absatzmarkt für westeuropäische Technologie sieht, sondern als Produktionsstandort für die europäische Energie- und Klimawirtschaft. Die Einstufung als EU-Strategieprojekt bedeutet beschleunigte Genehmigungsverfahren, Zugang zu EU-Fördermitteln und Sichtbarkeit in europäischen Wertschöpfungsketten – eine Kombination, die für die Ansiedlung weiterer Investitionen entscheidend sein kann.
Gleichzeitig gibt es strukturelle Herausforderungen, die auch die beste Unternehmensleistung nicht allein kompensieren kann. Die Netzinfrastruktur Bulgariens ist ein Engpass: Trotz der massiven Kapazitätserweiterung bei Erneuerbaren hat die begrenzte Netzkapazität den Zubau gebremst und den Anteil der Erneuerbaren auf 27 Prozent der Stromversorgung gedeckelt – obwohl die Potenziale deutlich höher liegen. Die Kosten für Öko-Gebühren und Recyclingabgaben für Solarmodule und Batterien liegen in Bulgarien 5 bis 10 Mal höher als in vergleichbaren EU-Ländern, was die Projektkosten belastet und Investoren abschreckt. Und die Marktreformen, die für ein funktionierendes Flexibilitätsmarkt-System notwendig wären, sind noch nicht abgeschlossen.
Das Jahr 2026 ist für Bulgarien tatsächlich ein Entscheidungsjahr – wie es der Vorsitzende der Solar Academy Bulgaria bereits Ende 2025 formuliert hat: Das Land steht vor der Wahl, sich als aktiver Teilnehmer in der neuen europäischen Energie- und Industriearchitektur zu positionieren oder an der Peripherie zu verbleiben, abhängig von externen Faktoren und alten Strukturen. Die 14 Unternehmen in München haben die erste Wahl bereits getroffen.
Ein Ökosystem in Bewegung: Die strukturellen Treiber des bulgarischen Energieclusters
Was macht Bulgarien zu einem fruchtbaren Boden für Energietechnik-Unternehmen? Die Antwort ist vielschichtig und geht über die offensichtlichen Faktoren wie günstige Sonneneinstrahlung und EU-Mitgliedschaft hinaus. Erstens: Bulgarien hat eine der höchsten Ingenieur- und Informatikdichten Osteuropas. Die traditionsreiche mathematisch-naturwissenschaftliche Ausbildung, kombiniert mit vergleichsweise niedrigen Lohnkosten, schafft einen Pool technischer Talente, der für software-intensive Unternehmen wie AMPECO, TokWise und ADEX Energy die Basis bildet. Zweitens: Die bulgarische Risikokapitalszene hat sich professionalisiert. Fonds wie LAUNCHub Ventures (Investor bei AMPECO), Vitosha Venture Partners (Investor bei TokWise) und Impetus Capital (Investor bei Hydrogenera) sind international aktiv und verstehen die Kapitalstrukturen, die für schnell skalierende Technologieunternehmen notwendig sind. Drittens: Bulgariens Mitgliedschaft in der EU seit 2007 hat für Unternehmen wie IPS/EXERON, Solarpro und Hec Solar einen direkten Zugang zu EU-Förderprogrammen, EBRD-Finanzierungen und europäischen Käufernetzwerken ermöglicht.
Diese drei strukturellen Faktoren – Talente, Kapital, Markt – schaffen ein Ökosystem, das über einzelne Erfolgsgeschichten hinausgeht und systemische Reproduzierbarkeit aufweist. Die Energiewende ist dabei nicht nur ein Markt, den bulgarische Unternehmen adressieren: Sie ist auch das gesellschaftliche Transformationsprojekt, das dem Ökosystem Richtung und Legitimität verleiht.
Was München als Signal für die Zukunft bedeutet
Vierzehn Unternehmen auf der Intersolar Europe 2026 – das ist eine Zahl, die sich einprägen sollte. Nicht weil sie eine kritische Masse für den europäischen Markt darstellt, sondern weil sie den Beginn einer Kurve markiert. Keines der vierzehn Unternehmen ist erst gestern entstanden. Solarpro, Elprom, WTO, Solarity – sie alle haben Jahre, manchmal Jahrzehnte gebraucht, um ihre Kompetenzen aufzubauen. Was sich geändert hat, ist die internationale Sichtbarkeit, der Mut zur Bühne und das Bewusstsein, dass die eigenen Lösungen weltmarktfähig sind.
AMPECO, das nach einer 26-Millionen-Dollar-Investitionsrunde mit BMW i Ventures als strategischem Investor über 120.000 Ladestationen in 60 Märkten verwaltet, ist kein Ausnahmefall mehr – es ist eine Blaupause. Hydrogenera, das einen VW-Auftrag auf Basis proprietärer Elektrolyseur-Technologie und dem einzigen profitablen Geschäftsmodell im europäischen Sektor für grünen Wasserstoff gewinnt, ist kein Glücksfall – es ist Ingenieurskultur. IPS/EXERON, die als eines von sechs EU-Strategieprojekten eine Batteriegigafabrik hochziehen und dabei fast alle Kernkomponenten in Eigenproduktion fertigen, ist kein Subventionsprojekt – es ist ein europäisches Industriemodell.
Bulgarien zeigt in München Flagge. Was jetzt folgt, hängt davon ab, ob die strukturellen Hemmnisse – Netzkapazität, überhöhte Recyclingabgaben, fehlende Marktreformen – schnell genug überwunden werden, um das Tempo zu halten. Die Unternehmen sind bereit. Der Markt wartet. Und München 2026 wird in Rückblicken auf die europäische Energiewende vielleicht als der Moment in Erinnerung bleiben, an dem ein kleines Balkanland Europas Aufmerksamkeit eingefordert hat – und bekommen hat.
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