
Die dramatische Top-Schlagzeile bei Bild: „Alle 20 Minuten eine Pleite“: Was wirklich hinter den neuen Schock-Zahlen steckt – Bild: Xpert.Digital
Faktencheck zur Firmenpleite-Welle: Stimmt die dramatische Bild-Schlagzeile wirklich?
Alle 20 Minuten eine Firmenpleite in Deutschland: Detailanalyse
„Alle 20 Minuten geht eine deutsche Firma pleite“ – mit dieser prägnanten Schlagzeile sorgte die Bild-Zeitung kürzlich für bundesweites Aufsehen. Doch wie viel Wahrheit steckt tatsächlich in dieser dramatischen Rechnung? Fakt ist: Deutschland wird aktuell von einer beispiellosen Insolvenzwelle erfasst. Mit über 24.000 Unternehmenspleiten im Jahr 2025 verzeichnet die Wirtschaft den höchsten Stand seit über einem Jahrzehnt. Ob Baugewerbe, Handel, Automobilzulieferer oder Gesundheitswesen – die Krise zieht sich quer durch alle Branchen und trifft den Mittelstand ebenso hart wie Großkonzerne. Die Folgen sind gravierend: Milliardenschäden für Gläubiger und Hunderttausende bedrohte Arbeitsplätze. Doch was sind die wahren Ursachen für diesen drastischen Anstieg? Handelt es sich lediglich um Nachholeffekte der Corona-Pandemie oder spiegeln die Zahlen eine tiefgreifende strukturelle Krise des Wirtschaftsstandorts wider? In unserer umfassenden Detailanalyse gehen wir den offiziellen Daten auf den Grund, unterziehen die alarmierenden Schlagzeilen einem Faktencheck und zeigen auf, was Experten für die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands prognostizieren.
Passend dazu:
Was genau hat die Bild-Zeitung berichtet?
Die Bild-Zeitung titelte am 13. März 2026 mit der Schlagzeile “Neue Schock-Zahlen: Alle 20 Minuten geht eine deutsche Firma pleite”. Hintergrund ist eine am selben Tag veröffentlichte Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes, wonach die deutschen Amtsgerichte im Jahr 2025 insgesamt 24.064 beantragte Unternehmensinsolvenzen registriert haben. Das entspricht einem Anstieg von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der DIHK-Chefanalyst Volker Treier wird mit den Worten zitiert: “Im Schnitt musste in Deutschland alle 20 Minuten ein Unternehmen Insolvenz anmelden.”
Stimmt die Rechnung “alle 20 Minuten”?
Die Rechnung lässt sich mathematisch prüfen. Ein Jahr hat 525.600 Minuten (365 Tage mal 24 Stunden mal 60 Minuten). Teilt man diese durch 24.064 Insolvenzen, ergibt sich ein statistischer Wert von rund 21,8 Minuten pro Insolvenz. Bei Verwendung der Creditreform-Zahl von 23.900 Insolvenzen kommt man auf rund 22 Minuten. Die Aussage “alle 20 Minuten” ist somit eine leichte Aufrundung, aber im Wesentlichen zutreffend. Genauer wäre es zu sagen “etwa alle 22 Minuten”, doch die Abweichung ist journalistisch vertretbar und ändert nichts an der Grundaussage. Volker Treier hat die Zahl bewusst als Durchschnittswert formuliert, was methodisch korrekt ist.
Woher stammen die offiziellen Zahlen?
Die zentrale Quelle ist das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden. Dessen Pressemitteilung vom 13. März 2026 nennt die offizielle Zahl von 24.064 beantragten Unternehmensinsolvenzen für das Gesamtjahr 2025. Dabei ist zu beachten, dass Insolvenzanträge erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts in die Statistik einfließen, der tatsächliche Zeitpunkt des Antrags liegt in vielen Fällen etwa drei Monate davor. Ergänzend veröffentlicht die Wirtschaftsauskunftei Creditreform eigene Analysen. Sie hatte bereits im Dezember 2025 für das Gesamtjahr rund 23.900 Insolvenzen hochgerechnet, was einem Anstieg von 8,3 Prozent entsprach. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zählt nach einer engeren Methodik nur Personen- und Kapitalgesellschaften und kam auf 17.604 Fälle, den höchsten Wert seit 20 Jahren.
Warum gibt es unterschiedliche Insolvenzzahlen?
Die Abweichungen zwischen den drei Quellen erklären sich durch unterschiedliche Erhebungsmethoden und Definitionen. Das Statistische Bundesamt zählt sämtliche bei den Amtsgerichten beantragten Unternehmensinsolvenzen, einschließlich Einzelunternehmen und Freiberufler. Creditreform nutzt eigene Datenquellen und Hochrechnungen und kommt auf ähnliche Größenordnungen. Das IWH hingegen erfasst ausschließlich Personen- und Kapitalgesellschaften und schließt Einzelunternehmer aus, weshalb deren Zahl deutlich niedriger liegt. Für die öffentliche Debatte und die Bild-Schlagzeile ist die Destatis-Zahl von 24.064 maßgeblich, da sie die umfassendste und amtlich verbindliche Statistik darstellt.
Wie hat sich die Insolvenzlage in den vergangenen Jahren entwickelt?
Die Insolvenzentwicklung in Deutschland zeigt seit 2022 einen kontinuierlichen und beschleunigten Anstieg. Im Jahr 2023 stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 22,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, 2024 folgte ein weiterer Anstieg um 22,4 Prozent. Im Jahr 2025 betrug der Zuwachs dann noch 10,3 Prozent, der Anstieg verlangsamte sich also, blieb aber auf hohem Niveau. Zum historischen Vergleich: Im Jahr 2014 lag die Zahl bei 24.085 Unternehmensinsolvenzen, was damals als Rekordtief seit Einführung der Insolvenzordnung 1999 galt. Deutschland ist also von einem historischen Tiefstand innerhalb eines Jahrzehnts auf eine Größenordnung zurückgekehrt, die zuletzt in den wirtschaftlich schwierigen Jahren vor 2014 üblich war. Das IWH stellt fest, dass die Insolvenzzahlen 2025 sogar rund fünf Prozent höher lagen als während der großen Finanzkrise 2009.
Welche Branchen sind am stärksten betroffen?
Die Insolvenzwelle trifft die deutsche Wirtschaft breit, doch einige Branchen stechen besonders hervor. Bezogen auf 10.000 Unternehmen verzeichnete der Wirtschaftsabschnitt Verkehr und Lagerei mit 12,3 Fällen die höchste Insolvenzquote, gefolgt vom Gastgewerbe mit 10,5 und dem Baugewerbe mit 8,5 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. Im verarbeitenden Gewerbe waren laut IWH rund 62.000 Arbeitsplätze von Insolvenzen betroffen, mehr als in jeder anderen Branche. Besonders auffällig war die Krise im Gesundheits- und Pflegesektor, wo mehrere große Einrichtungen wie die DRK Krankenhausgesellschaft, das Erzgebirgsklinikum und die Argentum Pflege Holding Insolvenz anmelden mussten. Im Automobilbereich traf es unter anderem Zulieferer wie Gerhardi Kunststofftechnik und VOIT Automotive, während im Handel Unternehmen wie Hammer Fachmärkte, KODi und Polo Motorrad betroffen waren.
Wie steht es um die Großinsolvenzen?
Das Jahr 2025 brachte einen Negativrekord bei Großinsolvenzen. Laut einer Studie des Kreditversicherers Allianz Trade rutschten 94 deutsche Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 50 Millionen Euro in die Insolvenz, ein Anstieg von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert seit Beginn der Auswertung im Jahr 2015. Weltweit meldeten 475 große Unternehmen Insolvenz an, statistisch gesehen eine Großpleite alle 18 Stunden. Deutschland machte dabei ein Fünftel aller globalen Großinsolvenzen aus, was die strukturellen Probleme des Standorts besonders deutlich macht. Laut Falkensteg meldeten insgesamt 471 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über zehn Millionen Euro Insolvenz an, ein Plus von rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 2021 haben sich die Großinsolvenzen damit nahezu verdreifacht.
Welche Schäden entstehen durch die Insolvenzwelle?
Die finanziellen und sozialen Folgen sind erheblich. Creditreform schätzt die Schadenssumme für Gläubiger im Jahr 2025 auf rund 57 Milliarden Euro, fast auf dem Niveau des Vorjahres von 59,1 Milliarden Euro. Im Durchschnitt belaufen sich die ausfallbedrohten Forderungen pro Insolvenzfall auf mehr als zwei Millionen Euro. Schätzungsweise 285.000 Arbeitnehmer waren von den Unternehmensinsolvenzen direkt betroffen. Die Gläubigerseite ist zudem breit gestreut: Betroffen sind Lieferanten, Banken, Vermieter und öffentliche Kassen. Hinzu kommen indirekte Effekte wie der Verlust von Innovationskraft, die Schwächung regionaler Wirtschaftsstrukturen und ein möglicher Dominoeffekt auf Zulieferer und Geschäftspartner.
Was sind die Hauptursachen für den Insolvenzanstieg?
Die Ursachen sind vielschichtig und längst nicht mehr nur konjunktureller Natur. Laut Creditreform-Leiter Patrik-Ludwig Hantzsch sind viele Betriebe hoch verschuldet, kommen schwer an neue Kredite und kämpfen mit strukturellen Belastungen wie Energiepreisen und Regulierung. Der DIHK benennt vier zentrale Belastungsfaktoren: hohe Arbeitskosten, hohe Energiekosten, überbordende Bürokratie und eine seit Jahren schwache Konjunktur. Die Nachwirkungen der Corona-Pandemie spielen ebenfalls eine Rolle: Während der Pandemie hatten staatliche Hilfen und die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht viele Unternehmen künstlich am Leben gehalten. Nach dem Auslaufen dieser Maßnahmen wurden die aufgeschobenen Insolvenzen nachgeholt. IWH-Forscher Steffen Müller betont allerdings, dass die hohen Zahlen sich “nicht mehr durch Nachholeffekte aus der Pandemie und mit der Zinspolitik erklären” ließen, sondern “immer deutlicher die gegenwärtigen wirtschaftlichen Herausforderungen in Deutschland” widerspiegelten. Zusätzlich belasten amerikanische Zölle und die verschärfte Konkurrenz aus China die exportorientierte deutsche Wirtschaft.
Unsere EU- und Deutschland-Expertise in Business Development, Vertrieb und Marketing
Unsere EU- und Deutschland-Expertise in Business Development, Vertrieb und Marketing - Bild: Xpert.Digital
Branchenschwerpunkte: B2B, Digitalisierung (von KI bis XR), Maschinenbau, Logistik, Erneuerbare Energien und Industrie
Mehr dazu hier:
Ein Themenhub mit Einblicken und Fachwissen:
- Wissensplattform rund um die globale wie regionale Wirtschaft, Innovation und branchenspezifische Trends
- Sammlung von Analysen, Impulsen und Hintergründen aus unseren Schwerpunktbereichen
- Ein Ort für Expertise und Informationen zu aktuellen Entwicklungen in Wirtschaft und Technologie
- Themenhub für Unternehmen, die sich zu Märkten, Digitalisierung und Brancheninnovationen informieren möchten
Die wahre Krise beginnt erst: Warum die Insolvenzen nur die Spitze des Eisbergs sind
Warum trifft es den Mittelstand besonders hart?
Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten machen den größten Anteil der Insolvenzen aus. In diesem Segment meldeten rund 19.500 Firmen Insolvenz an, das sind 81,6 Prozent aller Fälle. Der Mittelstand hat weniger finanzielle Reserven, um längere Durststrecken zu überstehen. Die Kombination aus gestiegenen Energiekosten, höheren Zinsen für Refinanzierungen, steigenden Personalkosten und einem wachsenden Bürokratieaufwand trifft kleinere Betriebe überproportional. Viele können anders als Großunternehmen keine günstigeren Konditionen an den Kapitalmärkten aushandeln und sind stärker auf Bankkredite angewiesen, deren Konditionen sich seit der Zinswende deutlich verschlechtert haben. Die DIHK warnt vor einem Dominoeffekt, bei dem die Insolvenz eines Unternehmens Auftraggeber, Zulieferer und Dienstleister mitreißt und ganze regionale Wertschöpfungsketten schwächt.
Passend dazu:
- Unternehmensinsolvenzen in Deutschland: Wacht endlich mal auf und gibt nicht immer nur der Politik die Schuld!
Sind auch Privatpersonen betroffen?
Ja, parallel zur Unternehmensinsolvenzwelle steigt auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen deutlich. Creditreform meldet für 2025 einen Anstieg um 6,5 Prozent auf rund 76.300 Fälle, den höchsten Stand seit 2016. Hauptursache ist die zunehmende Überschuldung der Bevölkerung. Bundesweit gelten aktuell 5,67 Millionen Bürger als überschuldet. Hohe Lebenshaltungskosten, Stellenstreichungen und steigende Arbeitslosigkeit bringen viele Haushalte an ihre finanziellen Grenzen. Die Insolvenzwelle bei Unternehmen und die Zunahme der Privatinsolvenzen verstärken sich gegenseitig: Verlorene Arbeitsplätze führen zu Einkommensausfällen bei Beschäftigten, was wiederum den Konsum schwächt und die wirtschaftliche Abwärtsspirale verstärkt.
Wie sieht der Ausblick für 2026 aus?
Die Aussichten sind wenig ermutigend. Creditreform geht davon aus, dass die Insolvenzzahlen 2026 nicht stagnieren oder gar zurückgehen werden. Allianz Trade prognostiziert einen weiteren Anstieg um drei Prozent auf rund 25.050 Fälle. Patrik-Ludwig Hantzsch von Creditreform betont, dass zusätzliche strukturelle Maßnahmen nötig seien, etwa eine Entlastung bei den Stromkosten. Ein kleiner Lichtblick sind die geplanten staatlichen Milliarden-Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung, die das Wirtschaftswachstum 2026 ankurbeln könnten. Die DIHK fordert konsequente Entscheidungen bei Bürokratieabbau, Energiekosten und Steuerentlastungen, damit die Trendwende bei den Insolvenzen überhaupt möglich wird. Frühindikatoren des IWH deuten darauf hin, dass auch das erste Quartal 2026 hohe Insolvenzzahlen aufweisen wird. DIHK-Analyst Volker Treier konstatierte bereits, der Blick auf 2026 schüre wenig Hoffnung auf eine Trendwende.
Ist die Bild-Schlagzeile also gerechtfertigt?
Die Kernaussage der Bild-Zeitung ist im Wesentlichen korrekt. Die Rechnung “alle 20 Minuten eine Firmenpleite” basiert auf den offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes und ist ein Zitat des DIHK-Chefanalysten. Mathematisch exakt ergibt sich ein Wert von rund 21,8 Minuten bei 24.064 Insolvenzen, sodass die Formulierung “alle 20 Minuten” eine geringfügige, aber journalistisch übliche Vereinfachung darstellt. Die Charakterisierung als “Schock-Zahlen” ist angesichts des Dreijahrestrends mit kumulierten Steigerungen von über 65 Prozent seit 2022 und des höchsten Standes seit elf Jahren durchaus angemessen. Allerdings fehlt in der zugespitzten Schlagzeile der Kontext: Insolvenzen bedeuten nicht zwangsläufig das endgültige Aus eines Unternehmens, da viele Verfahren in einer Sanierung oder einem Verkauf münden. Zudem ist die Insolvenzquote gemessen an der Gesamtzahl von über 3,4 Millionen Unternehmen in Deutschland statistisch immer noch relativ niedrig. Die dramatische Darstellung spiegelt jedoch die reale wirtschaftliche Belastung wider, die durch 57 Milliarden Euro Schäden und 285.000 betroffene Arbeitnehmer greifbar wird.
Wie sehen die Insolvenzzahlen im Vergleich der vergangenen Jahrzehnte aus?
Ein Blick auf die langen Reihen des Statistischen Bundesamtes seit Einführung der Insolvenzordnung 1999 liefert ein überraschendes Ergebnis: Die aktuelle Insolvenzwelle ist historisch betrachtet keineswegs die schlimmste. Im Gegenteil, sie liegt deutlich unter den Höchstwerten der frühen 2000er-Jahre.
| Zeitraum | Unternehmensinsolvenzen pro Jahr | Einordnung |
|---|---|---|
| 1996 | 25.530 | Vor Insolvenzordnung, früheres Bundesgebiet |
| 1999 | 26.476 | Einführung der neuen Insolvenzordnung |
| 2001 | 32.278 | Anstieg nach Dotcom-Krise |
| 2002 | 37.579 | Weiterer starker Anstieg |
| 2003 | 39.320 | Absoluter Rekordwert, historischer Höchststand |
| 2004 | 39.213 | Nahezu gleichbleibendes Rekordniveau |
| 2005 | 36.843 | Beginn des Rückgangs |
| 2009 | 32.687 | Finanzkrise, erneuter Anstieg |
| 2010 | 31.998 | Abklingen der Finanzkrise |
| 2014 | ca. 24.000 | Langjähriges Tief, Rekordtiefstand |
| 2019 | 18.749 | Niedrigstes Niveau seit Langem |
| 2020 | 15.841 | Historisches Rekordtief durch Corona-Aussetzung |
| 2021 | 13.993 | Niedrigstes Niveau aller Zeiten, künstlich gedrückt |
| 2022 | 14.590 | Beginn der Normalisierung |
| 2023 | 17.814 | Starker Anstieg um 22,1 Prozent |
| 2024 | 21.812 | Weiterer Anstieg um 22,4 Prozent |
| 2025 | 24.064 | Aktueller Wert, höchster Stand seit 2014 |
Nach der Einführung der neuen Insolvenzordnung im Jahr 1999 mit 26.476 Fällen stiegen die Zahlen infolge der Dotcom-Krise auf 32.278 im Jahr 2001 an und erreichten 2003 mit 39.320 Unternehmensinsolvenzen einen absoluten Rekordwert, der bis heute den historischen Höchststand markiert. Ein erneuter Anstieg war während der Finanzkrise 2009 mit 32.687 Insolvenzen zu verzeichnen. Anschließend setzte ein Rückgang ein, der 2014 zu einem langjährigen Tief von circa 24.000 Fällen führte und sich bis 2019 mit 18.749 Insolvenzen fortsetzte. Eine Sondersituation ergab sich in den Corona-Jahren, in denen die Zahlen durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht künstlich gedrückt wurden und 2020 (15.841) sowie 2021 (13.993) historische Rekordtiefs erreichten. Seit 2022 begann mit 14.590 Insolvenzen eine Normalisierung, gefolgt von starken Anstiegen in den Jahren 2023 um 22,1 % auf 17.814 und 2024 um weitere 22,4 % auf 21.812 Fälle. Der aktuelle Wert für 2025 liegt bei 24.064, was den höchsten Stand seit dem Jahr 2014 darstellt.
Ist die aktuelle Insolvenzlage also dramatisch, erhöht, gleichbleibend oder niedriger?
Die Antwort hängt vom Bezugszeitraum ab und fällt differenzierter aus als die Schlagzeile vermuten lässt. Gemessen am absoluten Höchststand von 39.320 Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2003 liegt das aktuelle Niveau von 24.064 Fällen rund 39 Prozent darunter. Auch gegenüber den Jahren der Finanzkrise 2008/2009, als über 29.000 beziehungsweise fast 33.000 Unternehmen Insolvenz anmeldeten, ist die heutige Zahl deutlich geringer. In der gesamten Dekade von 2000 bis 2010 lag die Zahl der jährlichen Unternehmensinsolvenzen stets über dem heutigen Wert, teilweise sogar um mehr als 60 Prozent höher.
Gemessen am Vor-Corona-Niveau sieht die Lage allerdings anders aus. Im Vergleich zu den Jahren 2015 bis 2019, als die Insolvenzen konstant unter 20.000 lagen, stellen die aktuellen 24.064 Fälle einen erheblichen Anstieg dar. Gegenüber dem künstlich gedrückten Tiefpunkt von nur 13.993 Insolvenzen im Jahr 2021 haben sich die Zahlen nahezu verdoppelt. Der sprunghafte Anstieg seit 2022 mit drei aufeinanderfolgenden Jahren deutlicher Zuwachsraten von über 22, 22 und 10 Prozent ist besorgniserregend.
Die korrekte Einordnung lautet daher: Die Insolvenzlage ist erhöht und die Dynamik ist beunruhigend, aber die Situation ist historisch gesehen nicht dramatisch im Sinne eines Allzeitrekords. Die Zahl bewegt sich auf dem Niveau von etwa 2014, das damals allerdings nach einem jahrelangen Rückgang als Tiefstand gefeiert wurde. Allerdings warnen Experten wie Steffen Müller vom IWH, dass die Zahlen nicht mehr durch Nachholeffekte erklärbar seien und die wirtschaftlichen Strukturprobleme nun die eigentliche Triebkraft darstellten. Was die Lage besonders brisant macht, ist nicht allein die absolute Zahl, sondern die Geschwindigkeit des Anstiegs, die Zunahme der Großinsolvenzen auf Rekordniveau und die Schadenssumme von 57 Milliarden Euro, die weit über früheren Werten liegt.
Passend dazu:
Wie ordnen Experten die Lage ein?
DIHK-Chefanalyst Volker Treier nannte 2025 “ein ausgesprochen schwaches Jahr für den Wirtschaftsstandort”. Der Leiter der IWH-Insolvenzforschung Steffen Müller verwies darauf, dass Insolvenzen allerdings auch eine “notwendige Marktbereinigung” darstellten, “wodurch Platz für zukunftsfähige Unternehmen geschaffen werde”. Creditreform-Chef Patrik-Ludwig Hantzsch sieht tiefgreifende strukturelle Probleme als Ursache und nicht nur konjunkturelle Schwankungen. Allianz-Trade-CEO Milo Bogaerts kommentierte die Großinsolvenzen mit den Worten: “Wenn es kracht, dann oft richtig.” Die Experten sind sich einig, dass ohne grundlegende Reformen bei Energiekosten, Bürokratie und Steuerlast keine Trendwende zu erwarten ist. Die Insolvenzwelle ist demnach kein vorübergehendes Phänomen, sondern Ausdruck einer tiefgreifenden Standortkrise, die Deutschlands wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit in Frage stellt.
Ihr globaler Marketing und Business Development Partner
☑️ Unsere Geschäftssprache ist Englisch oder Deutsch
☑️ NEU: Schriftverkehr in Ihrer Landessprache!
Gerne stehe ich Ihnen und mein Team als persönlicher Berater zur Verfügung.
Sie können mit mir Kontakt aufnehmen, indem Sie hier das Kontaktformular ausfüllen oder rufen Sie mich einfach unter +49 7348 4088 965 an. Meine E-Mail Adresse lautet: wolfenstein∂xpert.digital
Ich freue mich auf unser gemeinsames Projekt.

