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Schlesien im Fokus: Pyskowice – Rossmanns strategischer Knotenpunkt für den polnischen Drogerie-Markt

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Veröffentlicht am: 10. Oktober 2026 / Update vom: 10. Oktober 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Schlesien im Fokus: Pyskowice – Rossmanns strategischer Knotenpunkt für den polnischen Drogerie-Markt

Schlesien im Fokus: Pyskowice – Rossmanns strategischer Knotenpunkt für den polnischen Drogerie-Markt – Kreativbild zum Thema, mit KI: Xpert.Digital

Der Drogerie-Wettbewerb: Wie Rossmann mit automatisierter Logistik neue Maßstäbe setzt

Logistik 2.0: Rossmanns Weg in die hochautomatisierte Zukunft

Rossmanns Investition als Katalysator für Wachstum und Innovation

Die Drogeriekette Rossmann steht vor einem monumentalen Schritt in die Zukunft: Mit einer Investition von 500 Millionen Złoty in den Ausbau seines Logistikzentrums in Pyskowice, Polen, will das Unternehmen nicht nur seine Lagerkapazitäten erweitern, sondern auch die Effizienz und Automatisierung seiner gesamten Logistikprozesse revolutionieren. Diese Entscheidung ist nicht nur eine Reaktion auf das beschleunigte Wachstum des polnischen Kosmetikmarktes, sondern auch eine strategische Wette auf die Zukunft des Einzelhandels, in der die Leistungsfähigkeit von Unternehmen zunehmend durch intelligente Logistiklösungen bestimmt wird. Pyskowice wird dabei zum Schlüsselstandort, an dem Rossmann seine ambitionierten Pläne umsetzen kann, um den Anforderungen eines wachsenden Filialnetzes und der steigenden Kundennachfrage gerecht zu werden. In diesem Kontext wird die Investition zu einem wichtigen Baustein, der nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit von Rossmann sichert, sondern auch den regionalen Arbeitsmarkt und die wirtschaftliche Infrastruktur in Schlesien stärkt.

Nicht der Preis entscheidet den Drogerie-Wettbewerb – sondern das Lager

Rossmann baut sein Logistikzentrum im schlesischen Pyskowice für 500 Millionen Złoty aus und macht den Standort damit zu einem strategischen Knotenpunkt seines polnischen Geschäfts. Die Investition ist weit mehr als eine Vergrößerung um zusätzliche Hallenfläche. Sie steht für einen grundlegenden Umbau der Wertschöpfung: weg von einer überwiegend manuellen Lagerlogistik, hin zu einem datengetriebenen, hochautomatisierten System, das Warenströme für mehr als 2.135 Filialen schneller, genauer und mit einer höheren Kapazitätsreserve steuern soll.

Die ökonomische Bedeutung liegt deshalb nicht allein in der Rekordsumme. Entscheidend ist, dass Rossmann physische Expansion, Prozessautomatisierung und eine regionale Neuordnung seines Distributionsnetzes gleichzeitig vorantreibt. Die Fläche in Pyskowice wächst um 23.000 Quadratmeter auf insgesamt 66.000 Quadratmeter. Damit steigt das Zentrum neben Łódź zum zweitwichtigsten Logistikstandort des Unternehmens in Polen auf. Bis zur zweiten Jahreshälfte 2027 soll der Ausbau abgeschlossen sein. Vorgesehen sind unter anderem ein Hochregallager mit rund 27.000 Palettenplätzen, automatisierte Kleinteilelager, mehrstufige Kommissionierbereiche, Transporttechnik und digitale Systeme zur übergreifenden Steuerung des Materialflusses.

Diese Dimensionen zeigen, wie sich Wettbewerb im Einzelhandel verändert hat. Sichtbar konkurrieren Drogerieketten über Preise, Sortimente, Eigenmarken, Filiallagen und Apps. Tatsächlich wird ihre Leistungsfähigkeit jedoch zunehmend in Bereichen entschieden, die Kunden kaum wahrnehmen: Bestandsplanung, Nachschubgeschwindigkeit, Verfügbarkeit, Fehlerquote, Transportauslastung und die Fähigkeit, Tausende unterschiedliche Artikel wirtschaftlich an Tausende Standorte zu verteilen. Das neue Zentrum in Pyskowice ist deshalb keine Nebenanlage des Handelsgeschäfts. Es ist ein Teil des eigentlichen Geschäftsmodells.

Wachstum braucht eine industrielle Basis

Rossmann eröffnet in Polen nach eigenen Planungen ungefähr 160 neue Filialen pro Jahr. Ein solches Tempo bedeutet rechnerisch, dass im Durchschnitt etwa alle zwei bis drei Tage ein neuer Standort in das Liefernetz integriert werden muss. Jede zusätzliche Filiale erweitert nicht nur die Verkaufsfläche. Sie erzeugt neue Bestellpositionen, Lieferfenster, Touren, Bestandsrisiken und saisonale Nachfragespitzen. Gleichzeitig besuchen täglich mindestens rund 1,18 Millionen Kunden die polnischen Geschäfte der Kette. Schon geringe Prognosefehler können sich bei dieser Größenordnung in erheblichen Fehlbeständen, Überbeständen oder zusätzlichen Transportkosten niederschlagen.

Die Logistik muss daher schneller wachsen als die Zahl der Filialen. Würde Rossmann lediglich weitere Geschäfte eröffnen, ohne die Distributionskapazität entsprechend auszubauen, entstünde ein schleichender Engpass. Zunächst würden Lieferungen dichter getaktet, vorhandene Flächen stärker belegt und Mitarbeiter intensiver eingesetzt. Später nähmen Suchzeiten, interne Transporte, Kommissionierfehler und Störungen zu. Am Ende würde das Filialwachstum die Effizienz des Gesamtsystems schwächen. Genau dieses Problem soll die Investition in Pyskowice vorbeugend lösen.

Der Ausbau ist somit eine klassische Kapazitätsinvestition, aber mit einem entscheidenden Unterschied: Rossmann kauft nicht bloß mehr Raum, sondern mehr steuerbare Leistung. Das Unternehmen verbindet neue Fläche mit automatisierter Lagerung, präziser Sequenzierung und softwaregestütztem Materialfluss. Dadurch kann die zusätzliche Kapazität produktiver genutzt werden als in einem konventionellen Lager. Die geplante Steigerung der logistischen Effizienz um annähernd 30 Prozent bezieht sich deshalb nicht allein auf den Standort Pyskowice, sondern auf Wirkungen im gesamten polnischen Netzwerk.

Warum Pyskowice zum Schlüsselstandort wird

Pyskowice liegt in Oberschlesien und damit in einer der bedeutendsten Industrie- und Logistikregionen Polens. Die Region verbindet einen großen Absatzraum mit leistungsfähiger Verkehrs- und Gewerbeinfrastruktur. Von dort aus lassen sich insbesondere der Süden und Südwesten des Landes versorgen. Zugleich befindet sich der Standort in einem wirtschaftlichen Korridor, der für innerpolnische Verkehre ebenso relevant ist wie für Verbindungen nach Tschechien, in die Slowakei und weiter nach Mitteleuropa.

Der regionale Lagermarkt unterstreicht diese Bedeutung. Ende 2025 konzentrierten sich in Schlesien mehr als sechs Millionen Quadratmeter moderner Industrie- und Logistikfläche. Die Region gehörte damit zusammen mit dem Großraum Warschau und Niederschlesien zu den größten Lagerstandorten Polens. Eine Leerstandsquote von ungefähr acht Prozent deutete zwar auf verfügbare Flächen hin, zugleich blieb die Nachfrage nach modernen Objekten stark. Für einen Händler mit langfristigem Expansionskurs ist ein eigener, auf die Prozesse zugeschnittener Standort deshalb strategisch wertvoller als die ausschließliche Anmietung standardisierter Hallen.

Pyskowice ist außerdem kein Experiment auf der grünen Wiese. Das Zentrum arbeitet seit 2014 als logistische Basis für Südpolen. Nach einer früheren Erweiterung erreichte es 2023 rund 43.000 Quadratmeter. Der nun folgende Ausbau um 23.000 Quadratmeter entspricht einem Flächenzuwachs von etwa 53 Prozent gegenüber diesem Stand. Das reduziert einen Teil des Standortrisikos: Verkehrsanbindung, Arbeitsmarkt, Lieferbeziehungen und betriebliche Abläufe sind bekannt. Gleichzeitig steigt jedoch die technische Komplexität erheblich, weil bestehende manuelle Strukturen mit neuen automatisierten Bereichen verbunden werden müssen.

500 Millionen Złoty für mehr als Beton

Teilt man das Investitionsvolumen von 500 Millionen Złoty rein rechnerisch durch die zusätzlich entstehenden 23.000 Quadratmeter, ergibt sich ein Betrag von rund 21.700 Złoty je neuem Quadratmeter. Dieser Wert wäre als gewöhnlicher Baukostenvergleich jedoch irreführend. Die Summe finanziert nicht nur Gebäudehülle, Boden und technische Gebäudeausrüstung, sondern ein integriertes Produktionssystem für Handelslogistik. Dazu gehören Regalbediengeräte, Shuttle-Technik, Förderanlagen, Schienenfahrzeuge, Kommissionierbereiche, Steuerungssoftware, Sicherheitsarchitektur sowie die Verbindung von Neu- und Bestandsbau.

Die Investition zielt daher auf Kapazität, Geschwindigkeit und Verfügbarkeit zugleich. Ein klassisches Lager kann durch zusätzliche Fläche mehr Ware aufnehmen. Ein automatisiertes Zentrum soll darüber hinaus den Zugriff auf diese Ware beschleunigen, Bewegungen reduzieren und Aufträge in der richtigen Reihenfolge bereitstellen. Gerade im Drogeriehandel ist das relevant, weil große Mengen unterschiedlicher Artikel mit stark abweichenden Abverkaufsraten zusammenkommen. Shampoo, Kosmetik, Waschmittel, Babynahrung, Haushaltswaren und saisonale Aktionsartikel stellen jeweils andere Anforderungen an Lagerung und Nachschub.

Ökonomisch betrachtet verschiebt Rossmann einen Teil seiner Kostenstruktur. Der Konzern nimmt heute hohe fixe Investitionskosten in Kauf, um künftig variable Kosten je bearbeiteter Einheit zu begrenzen. Dieser Mechanismus funktioniert allerdings nur bei ausreichender Auslastung. Je mehr Behälter, Paletten und Filialaufträge durch die Anlage laufen, desto stärker verteilen sich Abschreibungen, Wartung und Systembetrieb auf einzelne Einheiten. Das anhaltende Filialwachstum liefert die notwendige Volumenbasis. Ohne diese Expansion wäre eine Investition dieser Größenordnung deutlich schwieriger zu rechtfertigen.

Das Hochregallager als zentraler Puffer

Das neue Hochregallager soll fast 27.000 Paletten aufnehmen. Acht Gassen und die entsprechende Zahl automatischer Regalbediengeräte ermöglichen eine dichte Lagerung bei standardisierten Ein- und Auslagerungsprozessen. Das Hochregallager übernimmt dabei nicht nur die Rolle eines großen Vorratsspeichers. Es bildet einen Puffer zwischen Wareneingang, Umpackung, automatisierter Kleinteilelagerung und dem weiterhin teilweise manuellen Bereich.

Ein solcher Puffer hat einen hohen wirtschaftlichen Wert. Lieferungen von Herstellern treffen nicht immer im gleichen Rhythmus ein, in dem Filialen Ware benötigen. Außerdem schwanken Absatzmengen durch Aktionen, Feiertage, Wetter, Trends und kurzfristige Preisänderungen. Das Hochregallager entkoppelt diese Zeitstrukturen. Es nimmt größere Anlieferungen auf und gibt Paletten bedarfsgerecht an nachgelagerte Prozesse weiter. Dadurch kann Rossmann Beschaffungsmengen, Transportauslastung und Filialbedarf besser aufeinander abstimmen.

Die Dichte der Lagerung reduziert zudem den Flächenverbrauch je Palette. Das ist nicht nur bei Grundstücks- und Baukosten wichtig. Kürzere Wege und automatisierte Vertikalbewegungen können auch die interne Transportleistung senken. Allerdings entstehen neue Abhängigkeiten: Fällt ein Regalbediengerät oder die übergeordnete Steuerung aus, kann ein Teil der Bestände vorübergehend schwer erreichbar sein. Deshalb gehören Redundanz, vorbeugende Instandhaltung und Ersatzteilmanagement zu den betriebswirtschaftlich entscheidenden Faktoren. Die nominelle Kapazität allein sagt wenig aus, wenn die technische Verfügbarkeit nicht dauerhaft hoch bleibt.

Miniload macht Filialaufträge maschinenlesbar

Das Herzstück des neuen Systems ist der Miniload-Bereich. Darunter ist ein automatisiertes Kleinteilelager zu verstehen, in dem Waren in Behältern gelagert und für konkrete Filialaufträge bereitgestellt werden. Vorgesehen ist ein sieben-gassiges Shuttle-Lager mit ungefähr 110.000 Stellplätzen sowie Kommissionierzonen auf drei Ebenen. Ein weiterer, drei-gassiger Shuttle-Bereich soll als Puffer für ausgehende Waren dienen.

Der zentrale Vorteil liegt in der Entkopplung einzelner Prozessschritte. Die Ware kann nach dem Umpacken zunächst automatisiert eingelagert werden. Sobald ein Filialauftrag ansteht, bringt das System die benötigten Behälter zu den Kommissionierplätzen. Mitarbeiter müssen dann nicht mehr lange Wege durch statische Regalgassen zurücklegen. Stattdessen kommt die Ware nach dem Prinzip „Ware zum Menschen“ zur richtigen Station. Dies erhöht die Leistung pro Arbeitsstunde und kann ergonomische Belastungen verringern.

Für Rossmann ist das besonders wichtig, weil Filialaufträge aus vielen kleinen Positionen bestehen können. Ein Drogeriemarkt benötigt nicht zwangsläufig ganze Paletten eines Artikels, sondern karton- oder stückbezogene Mengen aus einem breiten Sortiment. Das Miniload-System übersetzt diese kleinteilige Nachfrage in einen maschinell steuerbaren Warenfluss. Ein nachgelagerter Sequenzierer ordnet die Behälter in der für die jeweilige Filiale vorgesehenen Reihenfolge. Dadurch wird nicht nur das Lager effizienter. Auch Entladung und Warenverteilung in den Geschäften können einfacher werden, wenn die Ladung bereits passend vorbereitet ist.

48 Umpackstationen verbinden zwei Welten

Ein automatisches Kleinteilelager kann nur funktionieren, wenn angelieferte Ware in geeignete Ladungsträger überführt wird. Deshalb sind 48 Umpackstationen vorgesehen, die über Fördertechnik an die übrigen Bereiche angebunden werden. Dort werden Artikel von Paletten oder aus größeren Verpackungseinheiten in standardisierte Behälter überführt. Dieser Schritt wirkt unspektakulär, ist aber prozesskritisch: Fehlerhafte Stammdaten, falsche Behälterwahl oder schlecht gesicherte Produkte können später den gesamten automatisierten Ablauf stören.

Die Umpackzone bildet die Schnittstelle zwischen der variantenreichen Lieferantenwelt und der standardisierten Welt des automatischen Lagers. Hersteller liefern unterschiedliche Kartonabmessungen, Palettenbilder und Verpackungsqualitäten. Die Automatisierung benötigt dagegen definierte Maße, Gewichte und Oberflächen. Wirtschaftlich entsteht hier ein Standardisierungseffekt. Je besser Rossmann Artikel- und Verpackungsdaten beherrscht, desto stabiler kann das System arbeiten.

Damit wächst die Bedeutung von Stammdaten erheblich. Maße, Gewicht, Empfindlichkeit, Gefahrguteigenschaften, Mindesthaltbarkeit und Lagerbedingungen müssen zuverlässig hinterlegt sein. Ein falsches Gewicht kann Fördertechnik belasten, eine fehlerhafte Größenangabe die Einlagerung verhindern, und eine unvollständige Kennzeichnung kann Bestände falsch zuordnen. Die digitale Qualität der Daten wird damit ebenso wichtig wie die physische Qualität der Anlage. Automatisierung beseitigt Unordnung nicht automatisch; sie zwingt das Unternehmen vielmehr, Prozesse und Daten konsequent zu disziplinieren.

Zwei Transportadern für einen durchgängigen Betrieb

Der Neu- und der Bestandsbau werden über zwei oberirdische Verbindungen miteinander verknüpft. Eine dient dem Personalverkehr, die andere dem automatisierten Transport von Ladungsträgern. Diese Trennung ist mehr als eine bauliche Besonderheit. Sie verbessert Sicherheit, reduziert Kreuzungspunkte und ermöglicht es, Menschen und Material mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten zu bewegen.

Für Paletten, Behälter und Rollträger ist ein multimodales Fördersystem vorgesehen. Dazu gehören umfangreiche Förderstrecken sowie schienengeführte Fahrzeuge, die auf zwei Umlaufebenen arbeiten. Solche RGV-Systeme können hohe Transportmengen über klar definierte Strecken bewältigen. Sie sind besonders sinnvoll, wenn regelmäßig große Volumina zwischen festen Punkten fließen. Ergänzend sollen Spezialmaschinen Rollträger stapeln und für den Versand vorbereiten.

Die ökonomische Wirkung entsteht aus dem Zusammenspiel. Ein einzelnes schnelles Lagergerät bringt wenig, wenn der anschließende Transport zum Engpass wird. Ebenso nützt eine leistungsfähige Förderstrecke wenig, wenn Kommissionierung oder Versandpuffer nicht mithalten. Die Anlage muss deshalb als Gesamtsystem dimensioniert werden. Der langsamste dauerhaft belastete Prozess bestimmt den realen Durchsatz. Die geplante Materialflusssteuerung soll genau diese Abhängigkeiten koordinieren und Aufträge so verteilen, dass lokale Staus möglichst vermieden werden.

Software wird zur unsichtbaren Betriebsleitung

Mit zunehmender Automatisierung verlagert sich die operative Steuerung von Menschen und Papierprozessen in Software. Das Materialflusssystem K.Motion PMS soll die verschiedenen Technologien und Lagerbereiche miteinander verbinden. Parallel dazu wird die Lagerverwaltungssoftware modernisiert. Diese Systeme entscheiden, wo Ware gelagert wird, welcher Auftrag Priorität erhält, welche Route ein Behälter nimmt und wann ein Ladungsträger zum Versand bereitsteht.

Damit wird Software zu einem produktionskritischen Vermögenswert. Ein mechanischer Fehler betrifft häufig eine klar begrenzte Komponente. Ein fehlerhaftes Update, eine gestörte Schnittstelle oder inkonsistente Stammdaten können dagegen mehrere Bereiche gleichzeitig beeinträchtigen. Die Risikosteuerung muss daher klassische Instandhaltung mit IT-Betrieb, Cybersicherheit, Datenmanagement und belastbaren Wiederanlaufverfahren verbinden.

Der Nutzen digitaler Steuerung ist dennoch erheblich. Das System kann Tausende Bewegungen koordinieren, Prioritäten kurzfristig anpassen und Engpässe sichtbar machen. Es erzeugt zudem Daten über Durchsatz, Wartezeiten, Auslastung und Störungen. Richtig genutzt, entsteht ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess: Das Unternehmen kann nicht nur erkennen, dass ein Problem besteht, sondern auch, an welcher Station, zu welcher Zeit und bei welcher Artikelgruppe es auftritt. Aus einem Lager wird dadurch eine messbare, lernfähige Infrastruktur.

Dreißig Prozent Effizienz sind ein Netzwerkversprechen

Rossmann erwartet durch den Ausbau eine Effizienzsteigerung von annähernd 30 Prozent für seine polnische Logistik. Diese Zahl ist anspruchsvoll und sollte nicht als pauschale Kostensenkung von 30 Prozent missverstanden werden. Logistische Effizienz kann sich auf Durchsatz, Bearbeitungszeit, Leistung je Arbeitsstunde, Fehlerquote, Bestandsumschlag oder eine Kombination dieser Größen beziehen. Selbst wenn die physische Leistung um 30 Prozent steigt, müssen die Gesamtkosten nicht im gleichen Umfang sinken, da Abschreibungen, Energie, Wartung und hochqualifiziertes Personal hinzukommen.

Der entscheidende Hebel liegt im Netzwerk. Nach dem Ausbau stützt sich die Versorgung auf vier Hauptzentren: Łódź, Pyskowice, Grudziądz und Dąbrówka Wielka. Pyskowice konzentriert sich besonders auf den Süden Polens, während Łódź seine zentrale Funktion behält. Eine klarere regionale Arbeitsteilung kann Transportentfernungen reduzieren, Spitzen abfedern und das Wachstum einzelner Gebiete besser unterstützen.

Zugleich erhöht ein viergliedriges Netz die Resilienz, sofern Bestände und Prozesse teilweise verlagert werden können. Vollständig austauschbar sind hoch spezialisierte Zentren jedoch nicht. Je stärker Pyskowice automatisiert und auf bestimmte Warenströme zugeschnitten ist, desto schwieriger kann es sein, seine Leistung bei einer größeren Störung kurzfristig durch andere Standorte zu ersetzen. Rossmann muss deshalb zwischen Effizienz und Redundanz abwägen. Ein maximal ausgelastetes Netzwerk ist kostengünstig, aber störanfällig. Ein Netzwerk mit bewussten Reserven kostet mehr, kann aber Nachfragewellen, technische Ausfälle und Verkehrsprobleme besser absorbieren.

 

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Schlesien als Schlüsselregion für Drogeriemärkte

Automatisierung ersetzt Arbeit nicht einfach

Trotz der umfassenden Automatisierung sollen in Pyskowice ungefähr 300 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Auf den ersten Blick widerspricht dies der verbreiteten Annahme, Roboter und automatische Lagersysteme würden Beschäftigung zwangsläufig abbauen. Der Fall zeigt vielmehr, dass Expansion und Automatisierung gleichzeitig wirken. Rossmann automatisiert nicht ein unverändertes Geschäft, sondern schafft zusätzliche Kapazität für ein wachsendes Filialnetz. Maschinen übernehmen bestimmte Bewegungs-, Lager- und Sortieraufgaben, während das größere System neue personelle Anforderungen erzeugt.

Die Zusammensetzung der Beschäftigung verändert sich allerdings deutlich. Neben gewerblichen Lagermitarbeitern werden Spezialisten für IT, Automatisierungstechnik, Instandhaltung und Anlagenbetrieb benötigt. Hinzu kommen Fach- und Führungskräfte, die Schichten, Qualität, Sicherheit und kontinuierliche Verbesserungen organisieren. Die Arbeit wird damit technischer und stärker datenbezogen. Störungen müssen diagnostiziert, Softwaremeldungen interpretiert und mechanische sowie elektrische Komponenten präventiv betreut werden.

Rein rechnerisch entsprechen 500 Millionen Złoty Investitionsvolumen rund 1,67 Millionen Złoty je neu geschaffenem Arbeitsplatz. Diese Kennzahl darf jedoch nicht als Kostenpreis eines Arbeitsplatzes interpretiert werden. Die Investition dient primär der Versorgung von mehr als 2.100 Filialen, dem Aufbau von Lagerkapazität und einer höheren Produktivität. Die Beschäftigungswirkung ist ein zusätzlicher regionaler Effekt. Gerade darin zeigt sich der Charakter moderner Industrie- und Logistikinvestitionen: Sie sind kapitalintensiv, schaffen aber zugleich qualifiziertere und häufig stabilere Tätigkeiten.

Der schlesische Arbeitsmarkt bleibt ein Engpass

Schlesien verfügt über eine lange industrielle Tradition und einen großen Pool technischer Fachkräfte. Zugleich konkurrieren Logistikzentren, Produktionsunternehmen, Automobilzulieferer und Dienstleister um ähnliche Qualifikationen. Besonders gefragt sind Mechatroniker, Elektriker, Automatisierungstechniker, Instandhalter, Schichtleiter und IT-Spezialisten. Diese Engpässe verschärfen sich, wenn mehrere moderne Anlagen in derselben Region gleichzeitig Personal suchen.

Rossmann reagiert darauf mit einem breiten Paket an Sozial- und Mitarbeiterleistungen. Solche Leistungen sind ökonomisch nicht bloß freiwillige Zusatzkosten. In hochautomatisierten Betrieben kann eine geringe Fluktuation einen messbaren Produktivitätsvorteil erzeugen. Eingearbeitete Mitarbeiter kennen Störungsmuster, Sicherheitsregeln und die Wechselwirkungen zwischen einzelnen Bereichen. Verlässt erfahrenes Personal den Betrieb, entstehen Rekrutierungs-, Schulungs- und Anlaufkosten. Zudem steigt in der Übergangsphase das Risiko von Fehlern und Stillständen.

Automatisierung verringert deshalb nicht automatisch die Abhängigkeit von Menschen. Sie verändert sie. Statt einer großen Zahl relativ leicht austauschbarer Tätigkeiten benötigt das Unternehmen weniger manuelle Bewegungen, aber mehr verlässliches Wissen an kritischen Stellen. Ein einziger qualifizierter Techniker kann im Störungsfall die Leistung eines großen Anlagenbereichs beeinflussen. Personalbindung, Schichtmodelle, Ausbildungspartnerschaften und interne Karrierewege werden dadurch zu Bestandteilen der Investitionssicherung.

Polens Drogeriemarkt liefert den Nachfrageboden

Die Investition fällt in einen grundsätzlich wachsenden Markt. Der polnische Kosmetikmarkt erreichte bereits 2023 einen Wert von rund 25,4 Milliarden Złoty und wuchs seit dem EU-Beitritt langfristig im Durchschnitt um mehr als fünf Prozent pro Jahr. Drogerien sind der wichtigste Vertriebskanal und stehen für knapp 30 Prozent der Kosmetikverkäufe. Hinzu kommen Produkte für Haushalt, Gesundheit, Baby, Körperpflege und saisonalen Bedarf, die das für Rossmann relevante Marktvolumen erweitern.

Auch die realen Einzelhandelsdaten zeigten 2025 eine robuste Entwicklung. In der Warengruppe Arzneimittel, Kosmetik und orthopädische Produkte lagen die realen Umsätze beispielsweise im Mai sechs Prozent und im Juli knapp fünf Prozent über dem jeweiligen Vorjahreswert. Solche Zuwächse beweisen keine dauerhafte Sonderkonjunktur, sie stützen aber die Annahme, dass Gesundheits- und Pflegeprodukte vergleichsweise widerstandsfähige Konsumkategorien bleiben.

Diese Stabilität ist für eine langfristige Logistikinvestition entscheidend. Ein automatisches Zentrum amortisiert sich nicht innerhalb weniger Quartale. Es benötigt über Jahre hohe Volumina. Der Drogeriehandel bietet dafür günstige Voraussetzungen: Viele Produkte werden regelmäßig nachgekauft, ein Teil des Sortiments ist wenig konjunkturempfindlich, und die Filialdichte schafft wiederkehrende Warenströme. Gleichzeitig darf Rossmann die Preisempfindlichkeit der Verbraucher nicht unterschätzen. Inflation, steigende Wohnkosten und schwankendes Vertrauen können Kunden zu Eigenmarken, Aktionskäufen oder günstigeren Kanälen bewegen. Eine effiziente Logistik schützt in einem solchen Umfeld die Marge.

Die Filiale bleibt trotz Onlinehandel zentral

Das polnische Einzelhandelsgeschäft ist digitaler geworden, doch der stationäre Handel bleibt bei Drogeriewaren dominant. Kunden möchten viele Produkte kurzfristig erwerben, Verpackungen ansehen, Düfte testen oder Einkäufe mit anderen Besorgungen verbinden. Das erklärt, warum Rossmann weiter in ein dichtes Filialnetz investiert, obwohl Onlinebestellungen und digitale Kundenprogramme an Bedeutung gewinnen.

Für die Logistik entsteht daraus kein Entweder-oder. Ein modernes Distributionszentrum muss verschiedene Nachfrageformen unterstützen. Filialbelieferung bleibt der volumenstarke Kern, während digitale Daten die Planung verbessern. Apps, Kundenkarten und Onlineinteraktionen liefern Signale über Aktionen, Warenkörbe und regionale Präferenzen. Werden diese Informationen mit Bestands- und Absatzdaten verbunden, kann Rossmann Nachfrage präziser prognostizieren und Nachschub früher auslösen.

Das eröffnet langfristig auch Möglichkeiten für eine engere Verzahnung von Filiale und Onlinekanal. Geschäfte können als Abholpunkt, Rückgabeort oder lokaler Bestandspuffer dienen. Dafür müssen Bestände nahezu in Echtzeit sichtbar und zuverlässig sein. Das automatisierte Zentrum in Pyskowice ist somit nicht nur eine Antwort auf mehr Filialen. Es schafft zugleich die infrastrukturelle Grundlage für einen Handel, in dem physische und digitale Kontaktpunkte stärker zusammenwachsen.

Schlesien profitiert über 300 Stellen hinaus

Die regionale Wirkung beschränkt sich nicht auf die unmittelbar angekündigten Arbeitsplätze. Während Bau, Installation und Inbetriebnahme entstehen Aufträge für Bauunternehmen, Anlagenbauer, technische Dienstleister, Transporteure und Planer. Im laufenden Betrieb folgen Nachfrage nach Wartung, Reinigung, Sicherheit, Ersatzteilen, Energie- und Facility-Management. Ein großer Logistikstandort kann außerdem Zulieferer und spezialisierte Serviceanbieter dazu bewegen, eigene Kapazitäten in der Nähe aufzubauen.

Für Pyskowice stärkt die Investition die kommunale Wirtschafts- und Steuerbasis. Gleichzeitig erhöht sie Anforderungen an Straßen, Verkehrssicherheit, Energieversorgung und berufliche Qualifizierung. Der Nutzen für die Region hängt deshalb davon ab, ob öffentliche und private Infrastruktur mitwachsen. Wenn zusätzliche Lkw-Verkehre lokale Engpässe verursachen oder Fachkräfte nur aus weiter Entfernung pendeln können, entstehen externe Kosten. Gute Verkehrsanbindungen, abgestimmte Schichtzeiten und leistungsfähiger öffentlicher Nahverkehr können diese Belastungen verringern.

Strukturpolitisch ist das Projekt ebenfalls bemerkenswert. Schlesien befindet sich in einem langfristigen Wandel von Bergbau und Schwerindustrie hin zu diversifizierter Produktion, Logistik und technologieintensiven Dienstleistungen. Ein automatisiertes Distributionszentrum schafft zwar keine Forschungseinrichtung, verlangt aber Kompetenzen in Software, Elektronik, Mechatronik und Prozessmanagement. Damit trägt es zu einer breiteren industriellen Wissensbasis bei. Entscheidend ist, ob regionale Bildungseinrichtungen und Unternehmen diese Nachfrage nutzen, um passende Ausbildungs- und Weiterbildungsangebote aufzubauen.

Produktivität wird zum Schutzschild gegen Kosten

Polens Kostenvorteil gegenüber Westeuropa besteht fort, ist aber weniger selbstverständlich als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. Löhne, Baukosten, Energiepreise und regulatorische Anforderungen sind gestiegen. Gleichzeitig bleibt der Arbeitsmarkt in wichtigen Logistikregionen angespannt. Unternehmen können ihre Wettbewerbsfähigkeit daher nicht dauerhaft auf niedrigere Personalkosten stützen. Sie müssen mehr Wertschöpfung je Arbeitsstunde, Quadratmeter und transportierter Einheit erreichen.

Die Investition in Pyskowice folgt genau dieser Logik. Durch hohe Lagerdichte, automatische Transporte und Ware-zum-Menschen-Kommissionierung soll derselbe Mitarbeiter mehr Aufträge mit weniger Lauf- und Suchzeit bearbeiten können. Präzisere Sequenzierung kann Wartezeiten an Verladetoren reduzieren. Bessere Bestandsführung senkt das Risiko, dass Ware am falschen Ort liegt oder unnötig mehrfach bewegt wird.

Produktivität ist dabei nicht mit maximaler Geschwindigkeit gleichzusetzen. Ein System, das kurzfristig sehr hohe Spitzenleistungen erzielt, aber häufig ausfällt oder hohe Fehlerkosten verursacht, ist ökonomisch schwach. Nachhaltige Produktivität entsteht aus dem Verhältnis von Durchsatz, Qualität, Verfügbarkeit und Ressourceneinsatz. Rossmann muss daher nicht nur zeigen, dass die Anlage theoretisch 30 Prozent mehr leisten kann. Entscheidend wird sein, ob dieser Vorteil im täglichen Betrieb über Jahre stabil erreicht wird.

Energie und Nachhaltigkeit werden zu Kostenfaktoren

Automatisierte Logistik ist nicht automatisch energiearm. Regalbediengeräte, Shuttle-Fahrzeuge, Fördertechnik, Server, Kühlung und Sicherheitsanlagen benötigen kontinuierlich Strom. Das Zentrum in Pyskowice wird damit stärker von Energiepreisen und Netzqualität abhängig. Gleichzeitig können moderne Systeme Energie sparen, wenn sie Wege verkürzen, Bewegungen intelligent bündeln, Bremsenergie zurückgewinnen und den Flächenbedarf je Lagereinheit senken.

Auch die Transportseite bietet Potenzial. Eine bessere regionale Zuordnung der Filialen, höhere Fahrzeugauslastung und präzisere Abfahrtsplanung können Leerfahrten und Standzeiten reduzieren. Bereits die richtige Reihenfolge von Ladungsträgern beeinflusst, wie schnell ein Lkw entladen wird und ob Filialpersonal Ware effizient übernehmen kann. Nachhaltigkeit entsteht somit nicht nur durch Solaranlagen oder energiesparende Gebäudetechnik, sondern durch den gesamten Prozess vom Lieferanten bis ins Regal.

Für die wirtschaftliche Bewertung sollte Rossmann Energie- und Emissionskennzahlen direkt mit der Produktivität verknüpfen. Sinnvoll sind beispielsweise Stromverbrauch je bearbeitetem Behälter, Emissionen je ausgelieferter Einheit oder Transportkilometer je Filiale. Solche Kennzahlen verhindern, dass ein höherer Gesamtdurchsatz fälschlich als Effizienzgewinn gilt, obwohl der Ressourceneinsatz überproportional steigt. Bei einer Anlage mit jahrzehntelanger Nutzungsdauer werden Energieeffizienz und Anpassungsfähigkeit zudem zu einem Schutz gegen zukünftige Preis- und Regulierungsrisiken.

Die größten Risiken liegen in der Integration

Der Bau einer Halle ist planbar, die Inbetriebnahme eines komplexen automatisierten Gesamtsystems deutlich weniger. In Pyskowice müssen Hochregallager, Shuttle-Systeme, Fördertechnik, Umpackstationen, Versandpuffer, Bestandslager und Software zu einem stabilen Prozess verbunden werden. Jede Schnittstelle kann Verzögerungen oder Leistungsprobleme verursachen. Besonders anspruchsvoll ist der Umbau, weil der bestehende Betrieb weiterlaufen und die Versorgung der Filialen gesichert bleiben muss.

Das erste Risiko ist der Hochlauf. Automatisierte Anlagen erreichen ihre Zielkapazität selten am ersten Tag. Mitarbeiter müssen geschult, Artikelstammdaten bereinigt, Steuerungsregeln angepasst und reale Lastprofile getestet werden. Rossmann benötigt deshalb ausreichend Zeitreserven zwischen technischer Fertigstellung und voller operativer Belastung. Zu aggressive Umschaltpläne könnten genau jene Lieferfähigkeit gefährden, die das Projekt verbessern soll.

Das zweite Risiko ist die technologische Abhängigkeit. Je stärker Prozesse auf spezialisierte Technik zugeschnitten sind, desto wichtiger werden langfristige Ersatzteilverfügbarkeit, Softwarepflege und Anbieterkompetenz. Das dritte Risiko betrifft die Nachfrage. Bleibt das Filialwachstum hinter den Erwartungen zurück oder verändert sich das Sortiment stark, könnte ein Teil der Kapazität zunächst ungenutzt bleiben. Umgekehrt kann ein zu knapp dimensioniertes System bei schnellerem Wachstum früh an Grenzen stoßen. Die modulare Skalierbarkeit der eingesetzten Technik ist daher ökonomisch ebenso wichtig wie ihre heutige Leistung.

Resilienz darf nicht der Effizienz geopfert werden

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Lieferketten nicht nur mit normaler Nachfrage, sondern auch mit Pandemieeffekten, geopolitischen Spannungen, Energiepreisschocks, Grenzproblemen und extremen Wetterereignissen umgehen müssen. Ein modernes Zentrum kann auf solche Störungen flexibler reagieren, weil Bestände und Warenbewegungen transparenter sind. Automatisierung allein schafft jedoch keine Resilienz. Sie kann bei Strom-, Software- oder Netzwerkausfällen auch neue Verwundbarkeiten erzeugen.

Rossmann benötigt daher manuelle Notfallprozesse, alternative Versorgungswege und klar definierte Prioritäten. Besonders sensible oder umsatzstarke Artikel sollten bei einer Störung gezielt weiterbearbeitet werden können. Auch die vier Logistikzentren müssen so koordiniert sein, dass sie begrenzt füreinander einspringen können. Vollständige Redundanz wäre zu teuer, doch völlige Spezialisierung wäre riskant.

Resilienz besitzt einen wirtschaftlichen Wert, der in klassischen Investitionsrechnungen häufig unterschätzt wird. Verhindert eine Reservekapazität nur wenige Tage mit leeren Regalen, kann sie erhebliche Umsätze und Kundenvertrauen sichern. Umgekehrt verursacht ungenutzte Reserve laufende Kosten. Die richtige Lösung liegt nicht im Maximum, sondern in einer belastbaren Balance. Pyskowice sollte deshalb nicht ausschließlich an niedrigen Stückkosten gemessen werden, sondern auch an der Fähigkeit, unter ungewöhnlichen Bedingungen lieferfähig zu bleiben.

Aus Daten kann ein Wettbewerbsvorsprung werden

Mit jedem automatisierten Auftrag entstehen große Mengen operativer Daten. Rossmann kann erkennen, wie lange einzelne Artikel im Lager bleiben, welche Filialen ähnliche Bestellmuster aufweisen, wann Engpässe entstehen und wie sich Aktionen auf den Materialfluss auswirken. Diese Daten ermöglichen präzisere Prognosen, eine dynamischere Bestandsverteilung und eine bessere Personalplanung.

Künstliche Intelligenz kann diesen Prozess unterstützen, sollte aber nicht als Selbstzweck verstanden werden. Der größte Nutzen liegt zunächst in verlässlichen Prognosen und klaren Entscheidungen. Modelle können regionale Absatzmuster, Saisonverläufe, Wetter, Werbeaktionen und Feiertage kombinieren. Sie können Anomalien erkennen, etwa ungewöhnlich schnelle Abverkäufe oder Bestände, die sich langsamer bewegen als erwartet. In der Instandhaltung lassen sich Sensordaten nutzen, um Verschleiß frühzeitig zu erkennen und Wartung vor einem Ausfall einzuplanen.

Die Qualität solcher Anwendungen hängt von sauberen Daten und klaren Verantwortlichkeiten ab. Ein algorithmisch erzeugter Bestellvorschlag bleibt fehleranfällig, wenn Aktionsdaten verspätet eingegeben oder lokale Besonderheiten nicht berücksichtigt werden. Erfolgreich wird Rossmann daher nicht durch möglichst viele KI-Modelle, sondern durch eine Organisation, die Datenqualität, Fachwissen und automatisierte Entscheidungen sinnvoll verbindet. Pyskowice kann dafür ein reales Lernlabor werden, dessen Erkenntnisse auf das gesamte polnische Netzwerk übertragbar sind.

Die wahre Rendite entsteht in den Filialen

Der wirtschaftliche Erfolg des Projekts wird nicht im Lager allein sichtbar. Die entscheidenden Effekte treten in den Filialen und beim Kunden auf. Höhere Warenverfügbarkeit verhindert entgangene Umsätze. Besser sequenzierte Lieferungen verkürzen die Warenannahme. Weniger Fehlmengen reduzieren Nacharbeiten und Reklamationen. Eine zuverlässigere Versorgung ermöglicht es Filialen, mit geringeren Sicherheitsbeständen zu arbeiten und Verkaufsfläche produktiver zu nutzen.

Gerade bei einem Netz von mehr als 2.135 Geschäften können kleine Verbesserungen große Gesamtwirkungen entfalten. Spart jede Filiale täglich nur wenige Minuten bei der Warenbearbeitung, summiert sich dies über das Jahr zu einer erheblichen Arbeitsleistung. Sinkt die Fehlerrate nur geringfügig, werden dennoch Tausende falsche oder verspätete Positionen vermieden. Deshalb kann sich eine teure zentrale Investition durch viele kleine dezentrale Produktivitätsgewinne rechnen.

Auch die Kundenerfahrung profitiert indirekt. Kunden bewerten Logistik nicht als eigene Leistung, bemerken aber leere Regale, fehlende Aktionsware oder unordentliche Nachfüllprozesse. Eine stabile Lieferkette erhöht somit die Wahrscheinlichkeit, dass das gewünschte Produkt verfügbar ist und Mitarbeiter mehr Zeit für den Verkaufsraum haben. Die Logistik wird zum stillen Qualitätsmerkmal der Marke.

Eine strategische Wette mit plausibler Logik

Rossmanns Ausbau in Pyskowice ist eine Wette auf drei Entwicklungen: weiteres Wachstum des polnischen Drogeriemarkts, anhaltende Expansion des eigenen Filialnetzes und einen dauerhaften Produktivitätsvorteil durch Automatisierung. Alle drei Annahmen sind plausibel, aber keine ist risikofrei. Konsum kann schwanken, Wettbewerber können aggressiver investieren, und technische Systeme können hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Dennoch spricht die Struktur des Projekts für eine langfristig begründete Entscheidung. Der Standort ist etabliert, der südpolnische Absatzraum groß, das Filialnetz wächst und die heutige manuelle Logistik stößt bei steigender Komplexität an Grenzen. Die Investition verbindet zusätzliche Fläche mit moderner Technik, schafft ungefähr 300 Arbeitsplätze und stärkt das Netzwerk aus vier Distributionszentren. Sie ist damit weder bloße Rationalisierung noch reine Expansion, sondern eine Kombination aus beidem.

Die provokante These, dass der Drogeriewettbewerb künftig im Lager entschieden wird, ist deshalb mehr als eine Zuspitzung. Preise und Sortimente lassen sich relativ schnell kopieren. Eine über Jahre aufgebaute, integrierte Logistikinfrastruktur ist deutlich schwerer nachzuahmen. Wenn Rossmann die versprochene Effizienzsteigerung erreicht, technische Risiken beherrscht und die neue Kapazität auslastet, wird Pyskowice zu einem strukturellen Wettbewerbsvorteil. Scheitert die Integration, verwandelt sich derselbe hohe Automatisierungsgrad in eine teure Abhängigkeit.

Genau darin liegt die ökonomische Tragweite der 500-Millionen-Złoty-Investition. Rossmann baut nicht einfach ein größeres Lager. Das Unternehmen entscheidet sich für ein Handelsmodell, in dem Wachstum nur noch mit industrieller Präzision, hochwertiger Technik und konsequenter Datennutzung beherrschbar ist. Für Schlesien bedeutet dies neue Beschäftigung und zusätzliche technologische Kompetenz. Für den polnischen Handel setzt das Projekt einen Maßstab: Wer ein landesweites Filialnetz weiter verdichten will, muss die unsichtbare Infrastruktur dahinter mindestens ebenso schnell entwickeln wie die sichtbaren Verkaufsflächen.

 

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