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Die deutsche Erdgas-Krise und die fossile Dunkelflaute: Wenn das Erdgas-System versagt, das angeblich immer funktioniert

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Veröffentlicht am: 13. Februar 2026 / Update vom: 13. Februar 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Die deutsche Erdgas-Krise und die fossile Dunkelflaute: Wenn das Erdgas-System versagt, das angeblich immer funktioniert

Die deutsche Erdgas-Krise und die fossile Dunkelflaute: Wenn das Erdgas-System versagt, das angeblich immer funktioniert – Kreativbild: Xpert.Digital

Speicher auf historischem Tief: Etwa 25 bis 27 Prozent gefüllt – Das Märchen von der sicheren fossilen Versorgung

Systemversagen im Eis: Was passiert, wenn die „verlässliche“ Energie plötzlich nicht mehr liefert

Es war ein Szenario, das in den Beruhigungspillen der Energiepolitik eigentlich nicht vorkommen sollte: Im Februar 2026 legte sich eine massive Eisdecke vor die Küste Rügens und brachte das LNG-Terminal Mukran zum Stillstand. Während in Deutschland politisch oft und lautstark über die „Dunkelflaute“ bei Erneuerbaren Energien debattiert wird – jene Zeiten, in denen Wind und Sonne pausieren –, ereignete sich hier eine „fossile Dunkelflaute“ von weitaus bedrohlicherem Ausmaß. Über eine Woche lang konnte kein Tanker anlanden, die Gasversorgung stockte, und das in einer Phase, in der die deutschen Gasspeicher auf einen historischen Tiefstand von unter 30 Prozent gefallen waren.

Aktuell liegen die deutschen Erdgasspeicher auf einem historisch niedrigen Stand. Daten von Mitte Februar 2026 zeigen, dass die Gasspeicher in Deutschland zu etwa 25 bis 27 Prozent gefüllt sind, je nach aktueller Tagesausgabe der Messungen. Andere Quellen nennen um denselben Zeitpunkt herum einen Füllstand von rund 32 Prozent, was ebenfalls als der niedrigste Wert für Anfang Februar seit Beginn der Beobachtungen gilt.

Damit liegen die Gasspeicher deutlich unter den Vorkrisen‑ und sogar unter den Zielwerten der letzten Jahre, die im Vergleich meist zwischen 40 Prozent (Ende Januar) und 80 Prozent (1. November) lagen.

Dieser Vorfall ist mehr als eine wetterbedingte Anekdote; er ist ein Symptom für eine strukturelle Verwundbarkeit, die in der Debatte um Versorgungssicherheit oft ausgeblendet wird. Während Pipelinegas kontinuierlich fließt, ist die LNG-Versorgung eine Kette von Einzellieferungen, anfällig für Wetterextreme, Logistikstaus und geopolitische Spannungen. Wir haben uns von der fatalen Abhängigkeit russischen Pipeline-Gases gelöst, nur um uns in eine neue, volatile Abhängigkeit von verflüssigtem Erdgas zu begeben.

Die wirtschaftliche und sicherheitspolitische Bilanz dieses Systems ist ernüchternd: Jährlich fließen rund 81 Milliarden Euro für fossile Importe ins Ausland, während heimische Erneuerbare Energien längst die kostengünstigste Stromquelle darstellen. Doch noch immer wird mit zweierlei Maß gemessen: Ein Speicher, der bei Erneuerbaren fehlt, gilt als technisches K.o.-Kriterium; ein Hafen, der bei Fossilenergie zufriert, oder eine Pipeline, die gesprengt wird, gilt lediglich als Betriebsunfall.

Die folgende Analyse beleuchtet die Hintergründe dieser Dysbalance. Sie analysiert, warum die dezentrale Energiewende nicht das Sicherheitsrisiko, sondern die eigentliche Versicherungspolice gegen geopolitische Erpressbarkeit und physische Angriffe ist – und warum die wahren Kosten der fossilen Beharrlichkeit weit höher liegen als der Preis auf der Gasrechnung.

Warum eingefrorene Häfen mehr über unsere Energiesicherheit verraten als jede Windstille

Bei aller thematischer Dramatik weisen wir darauf hin: Nur ein kleiner Anteil – gut zehn Prozent – erreicht Deutschland per LNG‑Tanker aus Übersee (davon aktuell 96 Prozent aus den USA). Die aktuelle Erdgas‑Krise hat weitaus tiefere und politisch größere Ursachen, als es der Fokus auf LNG‑Terminals allein vermuten lässt.

Im Februar 2026 ereignete sich etwas, das in der deutschen Energiedebatte kaum Beachtung fand, obwohl es dort eigentlich im Zentrum hätte stehen müssen. Eine dicke Eisdecke legte sich vor die Küste Rügens und machte den Hafen Mukran für LNG-Tanker unpassierbar. Das dort betriebene Terminal, eines der wichtigsten Elemente der deutschen Gasinfrastruktur nach dem Wegfall russischer Pipelinelieferungen, konnte über eine Woche lang kein Flüssigerdgas mehr ins Netz einspeisen. Erst der Einsatz des Eisbrechers Neuwerk und des Mehrzweckschiffs Arkona ermöglichte es, die Fahrrinne wieder freizuräumen und den wartenden Tanker Minerva Amorgos, der bereits zwei Wochen vor Sassnitz gelegen hatte, zum Terminal zu geleiten. Gleichzeitig sanken die deutschen Gasspeicher auf einen historischen Tiefstand von rund 32 Prozent, den niedrigsten Wert, der jemals Anfang Februar gemessen wurde. Was sich hier abspielte, war kein marginaler Betriebsunfall, sondern eine Systemstörung mit potenziell weitreichenden Konsequenzen, die grundlegende Fragen an die Architektur unserer Energieversorgung aufwirft.

Ein Terminal im Eis und die Illusion zuverlässiger Lieferketten

Das LNG-Terminal Mukran wurde im Eilverfahren errichtet, um nach dem Ende der russischen Gaslieferungen über Nord Stream eine alternative Versorgungsroute zu schaffen. Es sollte ein Garant für Versorgungssicherheit sein. Doch die Realität des Winters 2025/2026 offenbarte eine fundamentale Schwachstelle, die in der Planungsphase offensichtlich unterschätzt wurde. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie meldete besonders schwierige Eisverhältnisse vor der Ostküste Rügens, die Fahrwassertonnen unter dem Eis verschwinden ließen und die Navigationsreserve für die gewaltigen LNG-Tanker auf ein kritisches Minimum senkten. Der strukturelle Unterschied zu Pipelinegas wurde schlagartig sichtbar. Während Pipelinegas kontinuierlich fließt, kommt LNG in einzelnen Chargen, wobei jeder Tanker einen eigenen logistischen Fall darstellt. Verzögert sich ein Schiff um Tage, verschiebt sich die gesamte Einspeisung entsprechend. Anders als eine unterseeische Pipeline ist ein LNG-Terminal Wetter, Eis und Seegang unmittelbar ausgesetzt.

Diese Verwundbarkeit trifft auf eine ohnehin angespannte Versorgungslage. Die deutschen Gasspeicher wiesen Anfang Februar 2026 einen Füllstand von unter 30 Prozent auf, den niedrigsten Wert, der an diesem Stichtag jemals gemessen wurde. Binnen eines einzigen Monats waren die Reserven um 25 Prozentpunkte eingebrochen, von 56 Prozent am Neujahrstag auf den aktuellen Tiefstand, während der Gasverbrauch rund 7,4 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt lag. Der Gasspeicher im niedersächsischen Rehden, einst Deutschlands größter, hatte nur noch einen Füllstand von gut elf Prozent. Nach Berechnungen des Senders ntv hätten die Gasreserven theoretisch noch für etwa sechs Wochen gereicht, wobei es kaum Spielraum für zusätzliche Belastungen gab.

Das Milliardengrab der fossilen Importabhängigkeit

Die volkswirtschaftlichen Dimensionen der deutschen Abhängigkeit von fossilen Energieimporten sind bemerkenswert. Laut einer Datenauswertung von KfW Research kostet der Import von Erdöl, Erdgas und Steinkohle Deutschland durchschnittlich 81 Milliarden Euro pro Jahr, was rund 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder 1.000 Euro pro Einwohner entspricht. Im Jahr 2024 entfielen allein 51 Milliarden Euro auf Erdöl und 19 Milliarden auf Erdgas. Die Importabhängigkeit bei Erdgas liegt bei 95 Prozent, bei Erdöl bei 98 Prozent und bei Steinkohle bei 100 Prozent. Die heimische Erdgasförderung deckte 2024 lediglich etwa 5,4 Prozent des Bedarfs.

Diese strukturelle Abhängigkeit hat ihren Preis dramatisch offenbart, als Russland den Gashahn zudrehte. Im Jahr 2022 explodierten die Importkosten für Energie auf einen Rekordwert von 146 Milliarden Euro. Zwar sanken die Kosten seitdem wieder, doch das derzeitige Niveau liegt noch deutlich über dem Vorkriegsniveau. Im Jahr 2024 betrug die saldierte Importrechnung für Kohle, Öl und Gas noch immer rund 69 Milliarden Euro. Die Abhängigkeit wurde zwar diversifiziert, von 35 Prozent russischem Anteil im Jahr 2021 auf nur noch 0,1 Prozent im Jahr 2024, doch die Hauptlieferanten sind nun Norwegen mit 30 Prozent, die USA mit 19 Prozent und die Niederlande mit 17 Prozent. Es handelt sich um eine Umverteilung der Abhängigkeit, nicht um deren Überwindung. Auch die EU zahlte im Juli 2025 noch immer 1,31 Milliarden Euro für fossile Energieimporte allein aus Russland, davon 995 Millionen Euro für Erdgas.

Woher kommt unser Gas wirklich?

In Deutschland werden aktuell die LNG‑Terminals vor allem mit fossilem Erdgas – also mit konventionellem Methan – gefüllt. Fossiles LNG wird in der Regel über See in speziellen LNG‑Tankern angeliefert und stammt dabei zu einem sehr großen Teil aus den Vereinigten Staaten.

Konventionelles Methan wiederum stammt überwiegend aus fossilen Erdgas‑ und Erdölfeldern, also aus Bohrungen in tieferen Gesteinsschichten.

LNG steht für Liquefied Natural Gas, also verflüssigtes Erdgas, das in tiefkalten Tankern transportiert und im Terminal wieder in den gasförmigen Zustand („regasifiziert“) zurückgeführt wird, bevor es in das deutsche Erdgasnetz eingespeist wird. Die Terminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Lubmin/Mukran sind explizit als Erdgas‑Importterminals konzipiert, über die Deutschland vor allem russisches Pipelinegas ersetzen und die Versorgungssicherheit stabilisieren will.

Wo LNG‑Lieferungen über Schiffe herkommen

Beim LNG‑Import per Schiff ist Deutschland derzeit stark auf die USA angewiesen. Analysen zu den deutschen Gasimporten zeigen, dass im Jahr 2024 rund 91 Prozent der über deutsche Terminals angelandeten LNG‑Erzeugung aus den USA stammten. Im Jahr 2025 erhöhte sich dieser Anteil laut Bundesnetzagentur sogar auf etwa 96 Prozent der LNG‑Importe, was die Dominanz der US‑LNG‑Lieferungen noch deutlicher macht. Die US‑LNG‑Mengen gelten dabei als gut ausgebaut und werden in der Regel aus Schiefergas‑Feldern mit Fracking gewonnen.

Neben den USA kommen kleinere Mengen an LNG auch aus anderen Exportländern, etwa aus Katar, Nigeria, Ägypten, Angola und Trinidad und Tobago, doch diese spielen national für den deutschen Markt nur eine untergeordnete Rolle. Insgesamt machten LNG‑Importe 2025 rund 10,3 Prozent der gesamten deutschen Erdgasimporte aus, also weniger als ein Zehntel der gesamten Gasimporte, aber deutlich mehr als im Jahr 2022.

Anteil fossilen Erdgases aus Pipelines und LNG‑Tankern

Von den gesamten fossilen Erdgasimporten Deutschlands kommt der weitaus größte Teil immer noch über Pipelines ins Land, insbesondere aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien. Nur ein kleiner Anteil – gut zehn Prozent – erreicht Deutschland per LNG‑Tanker aus Übersee, vor allem aus den USA. Das bedeutet: Die Mehrheit des fossilen Erdgases in Deutschland stammt also aus pipelinegebundenen Importen, während LNG‑Lieferungen per Schiff als flexibler, aber mengenmäßig noch deutlich kleinerer Zusatzstrom fungieren.

Durch die LNG‑Terminals ergibt sich dadurch eine zweigleisige Versorgungsstruktur: Einerseits ein stabiles Grundangebot an Pipelinegas aus Nordeuropa, andererseits eine flexible, aber wetter‑ und geopolitik‑abhängige LNG‑Komponente über See.

Fossiles LNG heute – und künftig nicht‑fossile Gase

Die Infrastruktur der LNG‑Terminals ist heute primär auf die Abwicklung von fossilem Erdgas aus Übersee, insbesondere aus den USA, ausgelegt. Gleichzeitig wird allerdings bereits diskutiert, dass diese Terminals langfristig nicht nur fossile, sondern auch nicht‑fossile Gase wie biogenes Gas oder grünes e‑Methan bzw. Wasserstoff aufnehmen sollen. In politischen und brancheninternen Diskussionen wird explizit betont, dass die LNG‑Infrastruktur ein Teil der Energiewende sein kann, wenn sie künftig zunehmend mit klimafreundlich produziertem Gas gespeist wird, statt ausschließlich fossilem Fracking‑Gas aus den USA.

 

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Die fossile Dunkelflaute: Warum wir die Risiken von Gas und LNG falsch bewerten

Der doppelte Maßstab in der Versorgungssicherheitsdebatte

In der deutschen Energiedebatte hat sich ein bemerkenswerter doppelter Maßstab etabliert. Wenn Wind und Sonne ausbleiben, wird das als Dunkelflaute bezeichnet, ein Begriff, der seit Jahren als Totschlagargument gegen die Energiewende instrumentalisiert wird. Im Dezember 2024 fiel die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auf weniger als 6.000 Megawatt, was zu einer Versorgungslücke von bis zu 30 Prozent des Strombedarfs führte. Solche Ereignisse dominieren sofort die öffentliche Debatte. Doch wenn ein LNG-Terminal wochenlang vereist, Gasspeicher auf historische Tiefstände sinken und Tanker nicht anlegen können, wird das als bedauerlicher Betriebsunfall verbucht, nicht als systemisches Versagen.

Dabei ist die Liste der Störfaktoren im fossilen System lang und wächst stetig. Im September 2022 wurden durch vier Sprengungen beide Stränge von Nord Stream 1 und ein Strang von Nord Stream 2 zerstört. Diese Sabotage zeigte, wie verwundbar zentrale Energieinfrastruktur ist. Auch Unterseekabel und Pipelines in Nord- und Ostsee bleiben gefährdet, wie der niederländische Militärexperte Frederik Mertens vom Hague Center for Strategic Studies warnt, der sowohl physische Tiefsee-Sabotage als auch Cyberangriffe als realistische Bedrohungen identifiziert. Im Frühjahr 2023 warnte der niederländische Geheimdienst, Russland bereite möglicherweise Sabotageakte gegen die Energieinfrastruktur in der Nordsee vor. Geopolitische Spannungen, autokratische Regime, die Energielieferungen als Druckmittel einsetzen, zufrierende Häfen, unterbrochene Lieferketten: All das sind Dunkelflauten des fossilen Systems, nur nennt sie niemand so.

Die ökonomische Überlegenheit der erneuerbaren Systemarchitektur

Die Gegenrechnung fällt eindeutig aus. Die aktuellen Stromgestehungskosten zeigen, dass Erneuerbare bereits heute die günstigste Form der Stromerzeugung darstellen. Photovoltaik-Freiflächenanlagen produzieren Strom für 3,2 bis 6,8 Cent pro Kilowattstunde, Onshore-Windanlagen für 4 bis 8 Cent. Fossile Neuanlagen liegen dagegen bei 8 bis 16 Cent, Tendenz steigend. Laut IRENA wurde Strom aus erneuerbaren Technologien bereits 2024 in rund 91 Prozent aller neu installierten Projekte günstiger produziert als Strom aus fossilen Quellen. Bis 2045 werden die Stromgestehungskosten von Gas-und-Dampf-Kraftwerken aufgrund steigender CO2-Preise und sinkender Volllaststunden auf Werte zwischen 14,1 und 40,5 Cent pro Kilowattstunde ansteigen.

Erneuerbare Energien lieferten 2024 bereits 59 Prozent des deutschen Stroms und stellten damit die wichtigste Stromquelle dar, ein neuer Rekord. Gleichzeitig sank die Stromerzeugung aus Steinkohle um 31 Prozent und aus Braunkohle um neun Prozent auf ein historisches Tief. Die konventionelle Stromerzeugung ging insgesamt um elf Prozent zurück. Deutschland hält derzeit noch etwa 65 Gigawatt an regelbarer Leistung aus Gas- und Kohlekraftwerken bereit, um Engpässe zu überbrücken. Doch perspektivisch sollen zusätzlich rund 10 Gigawatt wasserstofffähige Gaskraftwerke im Rahmen der Kraftwerksstrategie gebaut werden, die zunächst mit Erdgas und später mit grünem Wasserstoff betrieben werden können.

Speicher, Flexibilität und das Ende eines Scheinarguments

Das Argument, ein erneuerbares Energiesystem könne ohne Speicher nicht funktionieren, ist korrekt, aber es ist kein Argument gegen die Energiewende, sondern eine Beschreibung einer lösbaren technischen Aufgabe. Die Speicherkapazität in Deutschland wächst rasant. Heimspeicher stiegen zwischen 2021 und Januar 2025 von 1,6 auf 14,8 Gigawattstunden, dazu kommen Großbatteriespeicher mit 2,2 Gigawattstunden und Gewerbespeicher mit 726,8 Megawattstunden. Die gesamte installierte Speicherleistung belief sich Ende 2025 auf 25,5 Gigawatt, was rund 43 Prozent der Zielvorgabe für 2030 entspricht. Die installierte Speicherkapazität lag Ende 2025 bei 79,4 Gigawattstunden, was knapp sechs Prozent des durchschnittlichen täglichen Stromverbrauchs abdeckt.

Das Potenzial für weitere Skalierung ist enorm. Der Netzentwicklungsplan rechnet für den Zeitraum 2025 bis 2045 mit 41 bis 94 Gigawatt bei Großbatteriespeichern und 60 bis 81 Gigawatt bei Kleinbatteriespeichern. Allein auf stillgelegten Kraftwerksflächen könnten bis zu 25 Prozent des deutschen Speicherbedarfs realisiert werden. Co-Location-Modelle, bei denen Speicher direkt neben Wind- oder Solaranlagen errichtet werden, bieten allein in Kombination mit Anlagen über fünf Megawatt Leistung ein Potenzial von rund 33 Gigawatt. Die baurechtliche Privilegierung von Speichern, die sie auf eine Stufe mit anderer kritischer Infrastruktur stellt, schafft die dringend benötigte Planungssicherheit.

Die Bundesnetzagentur hat bestätigt, dass die Stromnachfrage in Deutschland bis mindestens 2031 zu 100 Prozent gedeckt werden kann, auch bei reduzierter Kohleverstromung. Die Dunkelflaute ist kein physikalisches Unmöglichkeitsproblem, sondern ein lösbares System- und Designproblem, das durch das intelligente Zusammenspiel aus Speichern, Flexibilitäten, Lastmanagement, europaweit verteilter Erzeugung und steuerbaren Backup-Kraftwerken bewältigt werden kann.

Dezentralität als geopolitische Versicherungspolice

Die sicherheitspolitische Dimension der Energiewende wird systematisch unterschätzt. Bundesumweltminister Carsten Schneider brachte es bei der BMUKN-Tagung Ende Januar 2026 auf den Punkt, als er erneuerbare Energien als Sicherheitsenergien bezeichnete. Sie machen nicht nur unabhängiger von Rohstoffimporten, sondern sind durch ihre dezentrale Struktur auch weniger anfällig gegenüber Angriffen von außen. Der Bundesverband Erneuerbare Energie betonte im gleichen Zeitraum, dass dezentral erzeugter Strom aus Millionen individueller Erneuerbaren-Anlagen, verteilt über das ganze Land, schon heute wesentlich zur energetischen Unabhängigkeit beiträgt. Diese Dezentralität stärkt die Widerstandsfähigkeit des Energiesystems gegen Sabotage, Cyberangriffe und Versorgungsstörungen.

Die Stiftung Wissenschaft und Politik beschreibt die geopolitische Dimension der Energiewende als fundamentalen Systemwechsel. In einem dekarbonisierten Energiesystem wird der ökonomische Wert nicht mehr primär mit fossilen Ressourcen generiert, sondern durch technologieabhängige Prozesse der Erzeugung von End- und Nutzenergie. Die Elektrifizierung des Energiesystems reduziert die Abhängigkeiten von fossilen Rohstoff-Lieferketten, stärkt den Zugang zu Energie als Wirtschaftsfaktor und begünstigt damit indirekt auch die nationale und internationale Sicherheit.

Die wahre Risikorechnung

Die Initiative Energien Speichern modelliert jährlich die Versorgungssicherheit für Deutschland, und ihr November-Update 2025 war alarmierender als jede Ausgabe zuvor. Bei einem normalen Winter sinken die Speicher auf rund 20 Prozent bis Ende April, ohne Komfortreserve. Bei einem extrem kalten Winter hätten die Speicher bereits Mitte Januar 2026 leer sein können, mit der Folge von Unterdeckung und möglichen Rationierungen. Vier Faktoren verschärfen die Lage zusätzlich: ein unterdurchschnittlicher Startfüllstand, ein höherer Gasverbrauch seit Sommer 2025, der Wegfall des Ukraine-Transits seit dem 1. Januar 2025 und eine schwächere Speicherbefüllung im EU-Binnenmarkt. Für den kommenden Sommer müsste fast 50 Prozent mehr Gas eingespeichert werden als im Vorjahr, um die Füllstandsziele für den Winter 2026/2027 zu erreichen.

Die Bilder vom vereisten LNG-Terminal auf Rügen sind somit weit mehr als eine winterliche Anekdote. Sie sind die Illustration eines Systems, das strukturell verwundbar bleibt, solange es auf globale Lieferketten, fossile Rohstoffe und zentralisierte Infrastruktur angewiesen ist. Die eigentliche Frage lautet nicht, ob die Energiewende funktioniert. Denn die Kosten sinken, die Technologien reifen und die Speicher wachsen. Die eigentliche Frage lautet, wie lange sich Deutschland noch einredet, dass ein fossiles System, dessen Terminals zufrieren, dessen Pipelines gesprengt werden und dessen Lieferanten sich politisch instrumentalisieren lassen, die sichere Alternative darstellt.

 

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