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Welt im Ausnahmezustand – die unterschätzten Brennpunkte der Woche vom 12. bis 16. Januar 2026

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Veröffentlicht am: 18. Januar 2026 / Update vom: 18. Januar 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Welt im Ausnahmezustand – die unterschätzten Brennpunkte der Woche vom 12. bis 16. Januar 2026

Welt im Ausnahmezustand – die unterschätzten Brennpunkte der Woche vom 12. bis 16. Januar 2026 – Bild: Xpert.Digital

Während alle über Grönland reden, verschieben sich die wirklich gefährlichen Bruchlinien anderswo

1. Iran am Rand einer Eskalation – und die geopolitische Risiko­prämie kehrt zurück

In der Woche vom 12. bis 16. Januar 2026 hat sich Iran zum gefährlichsten geopolitischen Brennpunkt entwickelt – mit deutlich größeren globalen Implikationen, als es die medienwirksame, aber symbolische Grönland-Debatte vermuten lässt. Nach rund zwei Wochen Massenprotesten gegen das Regime liegen Schätzungen zufolge bereits deutlich über 500, teils bis nahe 2.000 Tote vor, über 10.000 Menschen wurden festgenommen. Sicherheitskräfte gehen mit scharfer Munition vor, Krankenhäuser melden hunderte Augenverletzungen durch Schüsse auf Demonstrierende.

Parallel dazu verschärft die US-Regierung den Druck: Präsident Trump droht offen mit Militärschlägen und Cyberangriffen, kündigt Strafzölle von 25 Prozent auf Länder an, die weiter mit Iran Geschäfte machen, und lässt einen Flugzeugträgerverband in Richtung Naher Osten verlegen. Iran reagiert mit zeitweisen Luftraumsperrungen, stellt US-Basen im Golf als legitime Ziele dar und warnt Nachbarstaaten, dass sie in einen möglichen Schlagabtausch hineingezogen würden. Mehrere westliche Staaten fordern ihre Bürger auf, Iran zu verlassen; Neuseeland schließt vorübergehend seine Botschaft in Teheran.

Ökonomisch wirkt dieser Komplex über mehrere Kanäle. Erstens erhöht er die politische Risiko­prämie in allen Anlageklassen: Gold klettert in dieser Phase auf neue Rekordstände um 4.600 US‑Dollar je Unze, während der Dollar-Index schwächelt – beides klare Signale, dass Investoren den US-Policy-Mix aus geopolitischer Aggressivität und institutioneller Erosion mit wachsender Skepsis sehen. Zweitens bleibt die Ölpreisentwicklung trotz der Iran-Spannungen erstaunlich gedämpft, weil OPEC+ zugleich eine Angebotsbremse verlängert und die EIA für 2026 einen strukturell gut versorgten Markt mit einem durchschnittlichen Brent-Preis von rund 56 US‑Dollar je Barrel erwartet – etwa 19 Prozent weniger als 2025. Die Märkte preisen damit ein, dass das Risiko eher in unkontrollierbarer Eskalation und Finanzmarktschocks liegt als in einem klassischen Ölangebotsschock.

Drittens verschiebt der Konflikt die regionale Ordnung: Katar, Saudi-Arabien, europäische Staaten und Indien passen Flugrouten, Truppenpräsenz und Sicherheitsprotokolle an, was über Versicherungsprämien, Frachtkosten und Vertrauensindikatoren in Handel und Investitionen wirkt. Für Unternehmen mit Lieferketten durch den Golfraum steigt die operative Unsicherheit; gleichzeitig wächst der Druck auf Europa, Energieversorgung und Zahlungsverkehr weiter von Krisenregionen zu entkoppeln.

2. Venezuela nach dem Militärschlag – Rohstoffpolitik zwischen Regimewechsel und Rechtsunsicherheit

Nur wenige Wochen nach dem US‑Militärschlag, der Anfang Januar zur Gefangennahme von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro führte, prägen in der hier betrachteten Woche diplomatische Folgeschritte die Nachrichtenlage: Die venezolanische Oppositionsführerin Machado reist nach Washington, trifft den US‑Präsidenten und wirbt um politische und wirtschaftliche Unterstützung für einen Übergang. Gleichzeitig reist der CIA‑Direktor nach Venezuela, um mit der neuen Führung über Sicherheits- und Energiefragen zu sprechen.

Aus ökonomischer Sicht eröffnet das zwei gegensätzliche Szenarien. Auf der einen Seite könnte ein politischer Übergang mittelfristig zusätzliche Ölkapazitäten an den Markt bringen, wenn Sanktionen gelockert und Investitionen in die marode Infrastruktur wieder möglich werden. Das würde die ohnehin von der EIA erwartete Angebotsschwemme verstärken, die Brent-Preise in den mittleren 50‑Dollar-Bereich drückt und US-Benzinpreise 2026 im Schnitt auf etwa 2,90 US‑Dollar je Gallone sinken lässt.

Auf der anderen Seite ist der Weg dahin mit erheblichen Risiken gepflastert: Die militärische Entmachtung eines Staatschefs durch die USA erhöht weltweit die wahrgenommene politische Volatilität, gerade in rohstoffreichen Schwellenländern. Investoren müssen mit der Möglichkeit rechnen, dass künftige Regierungen Verträge nachverhandeln, ausländische Beteiligungen infrage stellen oder im Gegenzug zu politischen Garantien sehr selektiv vergeben. Für Lateinamerika insgesamt – von Argentinien bis Kolumbien – entsteht ein Spannungsfeld aus potenziell größeren Exportchancen und wachsender Abhängigkeit von wechselnden politischen Konstellationen in Washington.

3. Gaza zwischen Waffenruhe und humanitärer Katastrophe

Die Aufmerksamkeit der Woche richtet sich nicht nur auf Iran, sondern auch auf den „kalten Frieden“ im Gazastreifen. Während die US‑Regierung eine zweite Phase des Waffenstillstands ankündigt und eine Art „Verwaltungsrat“ für die Nachkriegsordnung vorstellt, gehen die Militärschläge weiter, wenn auch mit veränderter Intensität. Ein schwerer Wintersturm bringt Zelte zum Einsturz, überflutet improvisierte Unterkünfte und kostet zusätzliche Menschenleben; gleichzeitig bleiben weite Teile der Infrastruktur zerstört und über 60 Millionen Tonnen Schutt müssten nach UN‑Schätzungen langfristig geräumt werden.

Die wirtschaftliche Dimension reicht weit über Gaza hinaus. Erstens bindet der Konflikt erhebliche politische und fiskalische Ressourcen der USA und Europas und verdrängt andere Prioritäten – von globaler Armutsbekämpfung bis zur Klimafinanzierung. Zweitens wird der Wiederaufbau zu einem Milliardenprojekt, das öffentliche Gelder, Entwicklungsbanken und private Investoren gleichermaßen fordert. In einer Zeit, in der Zinsen erhöht bleiben und Haushaltsdisziplin politisch schwer durchzusetzen ist, konkurriert Gaza mit anderen Großprojekten um knappe Mittel – etwa mit der Energiewende, digitaler Infrastruktur oder Umsiedlungsprogrammen in klimagefährdeten Regionen. Drittens verschärft der Konflikt die politische Polarisierung in westlichen Gesellschaften und beeinträchtigt damit die Fähigkeit, langfristige außen- und wirtschaftspolitische Strategien konsistent umzusetzen.

4. Globale „Unruheökonomie“: Iran, Uganda, Sudan, Ukraine und Naturkatastrophen

Die Woche zeigt eindrücklich, dass die Weltwirtschaft nicht von einem einzelnen Großkonflikt, sondern von einer Vielzahl miteinander verflochtener Krisen geprägt wird. In Sudan tötet ein Drohnenangriff der RSF auf einen Armeestützpunkt 27 Menschen; die Regierung kehrt nach Jahren provisorischer Verlagerung wieder nach Khartum zurück, obwohl die Sicherheitslage alles andere als stabil ist. In Uganda eskalieren Proteste gegen Präsident Museveni, sieben Menschen sterben, der Oppositionsführer wird abgeführt – ein weiteres Beispiel, wie fragile Staaten kurz vor Wahlen in Gewalt abgleiten können.

In der Ukraine führen massive Drohnen- und Raketenangriffe auf Energieinfrastruktur zu weiteren Toten und zu langfristigen Schäden an Strom- und Wärmenetzen; 2025 war bereits das tödlichste Jahr für Zivilisten seit Beginn der Invasion 2022. Diese Form „chronischer Kriegswirtschaft“ bindet Produktionskapazitäten, zwingt Staaten zu hoher Militär- und Wiederaufbauverschuldung und verschiebt Investitionsströme – etwa hin zu Rüstungsindustrie und kritischer Infrastruktur.

Hinzu kommen klimabedingte Katastrophen: Schwere Überschwemmungen töten in Mosambik, Südafrika und Simbabwe mindestens 100 Menschen und zerstören tausende Häuser, in Australien brennen fast 900.000 Acres Wald- und Farmland ab. Solche Ereignisse wirken auf Nahrungsmittelpreise, Versicherungsprämien, Migrationsbewegungen und Staatsfinanzen. Ökonomisch betrachtet wird Klimarisiko immer weniger ein abstrakter Zukunftsfaktor und immer mehr ein laufender Kostenblock auf den Bilanzen von Staaten, Unternehmen und Haushalten.

5. Angriff auf die Fed-Unabhängigkeit – systemische Risiken durch die Powell-Ermittlungen

Eine der ökonomisch bedeutendsten, aber politisch hochsensiblen Entwicklungen der Woche ist die Strafuntersuchung gegen den Vorsitzenden der US‑Notenbank, Jerome Powell. Die Justizbehörde hat dem Fed-Chef und der Institution grand-jury-Vorladungen zugestellt; der Vorwurf dreht sich formal um Aussagen zu milliardenschweren Renovierungen des Fed‑Hauptquartiers, steht aber offensichtlich im Kontext wiederholter Angriffe des Präsidenten auf die Zinspolitik der Notenbank.

Ökonomisch steht hier nicht ein Bauprojekt, sondern die Unabhängigkeit der wichtigsten Zentralbank der Welt auf dem Spiel. Mehrere Beobachter sehen darin eine systematische Nutzung des Justizapparats, um unliebsame Entscheider zu disziplinieren – nach früheren, gerichtlich gescheiterten Verfahren gegen den früheren FBI‑Chef Comey und die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James. Die Kapitalmärkte reagieren differenziert:

– US‑Aktien schwanken, bleiben aber in der Nähe ihrer Höchststände; die großen Indizes verzeichnen nur moderate Rückgänge beziehungsweise leichte Gegenbewegungen.
– Die Renditen längerer US‑Staatsanleihen steigen relativ zu kurzen Laufzeiten, die Zinskurve wird steiler – ein Muster, das mit einem Aufschlag für politische und Inflationsrisiken vereinbar ist.
– Gold erreicht neue Rekordstände, während der Dollar gegenüber einem Währungskorb nachgibt.

Die zentrale Unsicherheit: Wenn die Fed künftig politische Eingriffe antizipieren muss, könnte sie versucht sein, Inflationsrisiken zu spät zu adressieren oder bei einem Konjunkturabschwung zu aggressiv zu lockern. Beides würde langfristig die Preisstabilität und die Glaubwürdigkeit der US‑Währung untergraben. Für Europa und andere Regionen bedeutet das die Notwendigkeit, sich stärker gegen US‑Politikrisiken zu hedgen – etwa durch Diversifizierung von Währungsreserven, stärkere Kapitalmarktunion oder den Ausbau alternativer Referenzwerte für globale Finanzverträge.

 

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6. Märkte zwischen KI-Euphorie, Zinsrealität und Energiepreisen

Trotz dieser politischen Spannungen zeigen die Finanzmärkte in der betrachteten Woche ein bemerkenswertes Spannungsfeld: Auf der einen Seite notieren viele Börsen nahe Allzeithochs, auf der anderen Seite ist die Volatilität bei geopolitischen und institutionellen Schocks deutlich erhöht. In den USA geben die großen Indizes temporär nach, erholen sich jedoch im Wochenverlauf; Europa erreicht sogar neue Rekordstände, während Asiens Leitindizes von Tech- und Gesundheitswerten getragen werden.

Im Rohstoffsektor überlagern strukturelle Trends kurzfristige Schlagzeilen. OPEC+ hat seine im November 2025 beschlossene Pause bei der Rücknahme von Förderkürzungen für das gesamte erste Quartal 2026 bekräftigt. Acht Kernländer – darunter Saudi-Arabien, Russland und die Vereinigten Arabischen Emirate – halten ihre Produktion konstant und signalisieren damit, dass sie eher Preisstabilität als Marktanteilsgewinne priorisieren. Parallel dazu prognostiziert die EIA für 2026 einen durchschnittlichen Brent-Preis von etwa 56 US‑Dollar und erwartet, dass die globale Ölproduktion die Nachfrage leicht übersteigt; Lagerbestände sollen 2026 und 2027 weiter steigen.

Für Endverbraucher in den USA bedeutet das voraussichtlich spürbar niedrigere Benzinpreise: Die Durchschnittspreise sollen 2026 bei knapp über 2,90 US‑Dollar je Gallone liegen, rund 6 Prozent weniger als 2025. Gleichzeitig prognostiziert die EIA für Erdgas am Henry-Hub einen Durchschnitt von knapp 3,50 US‑Dollar pro Million Btu in 2026, bevor die Preise 2027 infolge steigender LNG-Exporte und höherer Stromnachfrage deutlich anziehen.

In Europa steigt während der zweiten Januarwoche der Strompreis in fast allen großen Märkten; wöchentliche Durchschnittspreise liegen häufig über 100 Euro je Megawattstunde, mit Spitzenwerten von über 150 Euro in Deutschland. Treiber sind hohe Nachfrage, kältere Temperaturen, zeitweise schwächere Wind- und Solarproduktion und ein weiterer Anstieg der CO₂-Zertifikatspreise auf knapp 90 Euro pro Tonne für Kontrakte mit Laufzeit 2026.

Diese Kombination aus fallenden fossilen Brennstoffpreisen global, weiterhin hohen europäischen Strom- und CO₂‑Kosten und Rekordständen bei Gold kennzeichnet eine Übergangswirtschaft: Der klassische Energiepreisschock weicht einer strukturellen Belastung durch Klimapolitik und Netzengpässe, während geopolitische Unsicherheit und institutionelle Erosion in den USA eher über Risikoaufschläge in Finanzmärkten als über Ölpreise wirken.

7. EU–Mercosur: ein stiller, aber strategischer Quantensprung im Welthandel

Abseits der täglichen Krisen wurde in dieser Woche ein handelspolitischer Meilenstein erreicht, dessen wirtschaftliche Bedeutung langfristig deutlich größer sein dürfte als manch spektakuläre Schlagzeile. Nach über 25 Jahren Verhandlungen haben die EU‑Mitgliedstaaten am 9. Januar der Unterzeichnung des Partnerschaftsabkommens mit dem Mercosur‑Block (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay) zugestimmt; die formale Unterzeichnung ist für den 17. Januar vorgesehen.

Das Abkommen schafft eine Freihandelszone mit rund 700 Millionen Menschen und knapp 30 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung, hebt mehr als 90 Prozent der Zölle im bilateralen Handel schrittweise auf und soll europäischen Unternehmen insbesondere im Automobil‑, Maschinen‑, Chemie- und Pharmasektor deutlich verbesserte Marktzugänge eröffnen. Um die agrarpolitischen Bedenken in Europa abzufedern, wurden strikte Schutzklauseln, begrenzte Quoten für sensible Produkte wie Rindfleisch und Zucker sowie zusätzliche Agrarfonds von 45 Milliarden Euro vorgezogen.

Geostrategisch ist der Deal eine Antwort auf das „Waffenisieren“ von Handel und Abhängigkeiten: Während die USA mit konfrontativer Zollpolitik arbeiten und China seine Einflusssphären über Infrastrukturinvestitionen ausbaut, versucht die EU, durch umfassende, regelbasierte Handelsabkommen Lieferketten zu diversifizieren und Zugang zu Rohstoffen – von Agrargütern bis kritischen Metallen – zu sichern. Für Mercosur-Länder eröffnet sich umgekehrt ein großer Absatzmarkt unter strengeren Umwelt- und Sozialstandards, was mittelfristig Anreize für nachhaltigere Produktionsweisen setzen kann.

Kurzfristig mag das Abkommen wenig Marktbewegung auslösen; mittelfristig beeinflusst es jedoch Investitionsentscheidungen in Industrie, Logistik und Agrarwirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks. In Kombination mit den bestehenden Freihandelsabkommen der EU – etwa mit Kanada, Japan oder Mexiko – verschiebt sich das globale Handelsgefüge schrittweise weg von rein bilateralen Großmachtabkommen hin zu dichten, multilateralen Netzen.

8. KI und Halbleiter: Vom Hype zur physischen Infrastruktur

Parallel zu den politischen Erschütterungen setzt sich ein fundamentaler ökonomischer Trend fort: Die KI‑getriebene Neuordnung der Halbleiter- und Infrastrukturindustrie. Der weltweite Halbleitermarkt soll 2026 laut Branchenverband WSTS rund 975 Milliarden US‑Dollar erreichen – eine Steigerung von mehr als 25 Prozent gegenüber 2025; Bank‑of‑America‑Analysten halten sogar ein frühes Überschreiten der Marke von 1 Billion US‑Dollar für möglich. Besonders Logic- und Speicherchips wachsen mit über 30 Prozent Jahr-zu-Jahr, getrieben durch den Hunger nach Hochbandbreitenspeicher (HBM) und spezialisierten KI‑Prozessoren.

An den Börsen schlägt sich das in Rekordständen von Halbleiterindizes und massiven Investitionsplänen nieder: SK Hynix plant allein für fortgeschrittene Packaging-Technologien Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe, während Foundry‑Schwergewichte wie TSMC ihre 2‑Nanometer‑Kapazitäten bis 2027 weitgehend ausverkauft melden. Gleichzeitig warnen Beobachter vor Engpässen bei DRAM für die Autoindustrie, weil Hersteller margenstärkere Rechenzentrumsaufträge priorisieren.

Auf der Anwenderseite verdeutlichen Schlagzeilen wie die geplante Nutzung von Google Gemini für ein umfassendes Siri‑Upgrade bei Apple, die Expansion von OpenAI in gesundheitsnahe Daten-Apps und milliardenschwere Rechenzentrumsprojekte in den USA, wie schnell KI von der Demo zur kritischen Infrastruktur wird. Staaten betrachten Rechenzentren zunehmend als strategische Assets; Netzinvestitionen, Wasserrechte und lokale Genehmigungsverfahren werden zu Engpässen in der Skalierung.

Regulatorisch zieht die Politik nach. Die EU konkretisiert die Umsetzung des AI‑Act, der einen risikobasierten Ansatz mit strengen Pflichten für Hochrisiko‑Systeme und Transparenzanforderungen für generative Modelle vorsieht. In den USA entsteht ein Flickenteppich aus ambitionierten Bundesstaatengesetzen (Kalifornien, Texas, Colorado), den das Weiße Haus durch eine bundesweite Rahmensetzung und mögliche Präemption teilweise einhegen will. Für Unternehmen bedeutet das eine zunehmend komplexe Compliance‑Landschaft, in der Training, Einsatz und Vermarktung von KI‑Systemen entlang mehrerer, teils widersprüchlicher Regelwerke ausgerichtet werden müssen.

Bemerkenswert ist zudem ein Stimmungswandel auf Investorenseite: Laut einer aktuellen BlackRock‑Umfrage sehen nur etwa 20 Prozent der befragten Kunden in den großen US‑Techkonzernen die spannendste Möglichkeit, vom KI‑Boom zu profitieren; 54 Prozent bevorzugen Energieversorger und 37 Prozent Infrastrukturunternehmen, die den Strom- und Kühlbedarf von KI‑Rechenzentren decken. Damit verlagert sich der KI‑Trade von „reinen“ Software‑ und Plattformwerten hin zu physischen „Pick-and-Shovel“-Profiteuren – Netze, Kraftwerke, Transformatoren, Bau- und Kühltechnik. Das ist ein klarer Hinweis, dass die KI‑Story 2026 an den Punkt gelangt ist, an dem reale Kapazitäten und Netzstabilität die Wachstumsgrenzen definieren, nicht mehr nur Algorithmik und Marketing.

9. Klima, Energie und langfristige Strukturverschiebungen

Während die politische Debatte von akuten Krisen dominiert wird, verschieben sich im Hintergrund die Parameter von Klima- und Energiepolitik weiter. 2026 gilt bereits als Schlüsseljahr für die Umsetzung zahlreicher Klimapläne: In Europa treten neue Klima- und Energiepakete in Kraft, Deutschland und die EU arbeiten an der konkreten Ausgestaltung von Klimaschutzinstrumenten, und in China wird das Erreichen des Emissions‑Peak im laufenden Jahrzehnt zum Prüfstein für die Glaubwürdigkeit der Klimaziele.

Die frühen Wochen des Jahres illustrieren, wie eng Physik und Ökonomie inzwischen verknüpft sind: Kältewellen in Europa treiben kurzfristig Strom- und Gasnachfrage, was trotz reichlich globaler Gasverfügbarkeit zu höheren regionalen Preisen führt. Gleichzeitig steigt der Preis für CO₂‑Zertifikate auf neue Hochs, was fossile Stromerzeugung weiter verteuert und Investitionssignale in Richtung erneuerbarer Energien und Flexibilitätsoptionen (Speicher, Lastmanagement, Wasserstoff) sendet.

Große Klimakonferenzen und Energie‑Summits im Jahresverlauf – vom North Sea Summit über ECOSOC‑Foren bis zu COP31 – setzen zusätzlich politische Rahmenbedingungen für Netzausbau, Offshore‑Wind, Wasserstoffkorridore und Klimafinanzierung. Für Unternehmen aus Industrie, Logistik und Energieversorgung entsteht dadurch eine Doppelherausforderung: Kurzfristig müssen sie mit volatilen Energie- und CO₂‑Preisen umgehen; langfristig stehen hohe Investitionen in Dekarbonisierung, Effizienz und Resilienz an.

10. Eine Welt im Doppelleben zwischen strukturellem Wandel und Dauerkrise

Die Woche vom 12. bis 16. Januar 2026 zeigt eine Welt, in der der lauteste Konflikt – die Grönland‑Auseinandersetzung – keineswegs der ökonomisch relevanteste ist. Im Schatten dieser symbolträchtigen Debatte verdichten sich mehrere tiefgreifende Trends:

Erstens verschärft sich die globale „Unruheökonomie“. Von Iran über Sudan und Uganda bis zur Ukraine und Gaza entstehen multiple Brennpunkte, die jeweils regionale Märkte, Handelsrouten und Investitionsentscheidungen beeinflussen, in Summe aber einen neuen Normalzustand hoher politischer Volatilität ergeben.

Zweitens geraten zentrale Institutionen der Weltwirtschaft unter Druck. Die Strafuntersuchung gegen den Fed‑Chef, die Nutzung der Justiz als politisches Instrument und die Bereitschaft, militärische Gewalt zur Durchsetzung wirtschaftlicher und strategischer Ziele einzusetzen, senden Signale, die langfristige Risikoaufschläge auf US‑Vermögenswerte, Währungsreserven und globale Verträge nach sich ziehen können.

Drittens vollzieht sich ein tiefgreifender Strukturwandel in Energie, Handel und Technologie. OPEC+ und die EIA signalisieren einen gut versorgten Ölmarkt bei fallenden Preisen, während Europa mit hohen Strom- und CO₂‑Kosten sowie steigenden Klimaambitionen ringt. Die EU–Mercosur‑Partnerschaft verschiebt das geografische Zentrum des Welthandels leise, aber nachhaltig. Gleichzeitig macht die KI‑ und Halbleiterindustrie den Sprung von experimentellen Anwendungen hin zu harter Infrastruktur, was Kapitalströme, Energiebedarf und Regulierung neu ordnet.

Für wirtschaftliche Entscheidungsträger ergibt sich daraus eine klare Implikation: Wer 2026 nur auf die symbolträchtigen Konflikte schaut, blendet die strukturellen Kräfte aus, die die Rahmenbedingungen der nächsten Dekade definieren werden – die Erosion institutioneller Unabhängigkeit, die Reorganisation von Handelsblöcken, die physische Unterfütterung der KI‑Ökonomie und die schleichende Verlagerung von Klimarisiko in laufende Cashflows. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, Geschäftsmodelle und Portfolios so aufzustellen, dass sie diese Dauerkrisen nicht nur überstehen, sondern die daraus entstehenden, oft unspektakulären Chancen im Hintergrund gezielt nutzen.

 

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