2,2 Billionen Dollar Außenstände – Vom Kreditgeber zum Gläubiger: Der Strukturwandel der chinesischen Seidenstraße
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Veröffentlicht am: 1. Januar 2026 / Update vom: 1. Januar 2026 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

2,2 Billionen Dollar Außenstände – Vom Kreditgeber zum Gläubiger: Der Strukturwandel der chinesischen Seidenstraße – Bild: Xpert.Digital
Interne Schuldenbremse: Wie Chinas Wirtschaftskrise die Auslandsinvestitionen limitiert
Geopolitik der Verschuldung: Wenn Intransparenz die globale Finanzarchitektur belastet
Was als das größte Infrastrukturversprechen des 21. Jahrhunderts begann, entwickelt sich für viele Nationen zunehmend zum finanziellen Albtraum. Ein Jahrzehnt nach dem Start der „Neuen Seidenstraße“ zeigt eine neue Analyse die verheerende Bilanz von Chinas globaler Expansion – und warum Peking seine Strategie nun radikal ändert.
Als Chinas Staatschef Xi Jinping 2013 die „Belt and Road Initiative“ (BRI) ankündigte, träumte die Welt von neuen Handelsrouten, modernen Eisenbahnen und blühenden Wirtschaftszonen. Doch im Jahr 2026 ist von der ursprünglichen Euphorie wenig geblieben. Stattdessen zeichnet sich das Bild einer gigantischen Schuldenfalle ab, die sich über Kontinente erstreckt. Neue Daten offenbaren, dass China mittlerweile Kredite in Höhe von atemberaubenden 2,2 Billionen US-Dollar vergeben hat – oft zu Bedingungen, die für die Empfängerländer kaum tragbar sind.
Die Rollen haben sich dramatisch verschoben: War China einst der willige Finanzier für Brücken und Staudämme, agiert die Supermacht heute zunehmend als globaler „Geldeintreiber“. Länder wie Pakistan, Angola oder Laos stehen mit dem Rücken zur Wand, gezwungen, ihre Rohstoffe zu verpfänden oder strategische Infrastruktur abzutreten, um den Zahlungsaufforderungen aus Peking nachzukommen. Doch auch China selbst steht unter Druck: Eine interne Immobilienkrise und wachsende Schuldenberge zwingen die Führung dazu, den Geldhahn zuzudrehen und ausstehende Forderungen aggressiver einzutreiben.
Der folgende Report analysiert die Anatomie dieses globalen Schuldenlabyrinths. Er zeigt auf, wie aus visionären Bauprojekten finanzielle Fesseln wurden, warum westliche Alternativen bisher kaum greifen und welche geopolitischen Konsequenzen drohen, wenn die größte Volkswirtschaft Asiens ihre Kredite fällig stellt.
Geopolitik der Verschuldung: Wenn Intransparenz die globale Finanzarchitektur belastet
Im Jahr 2013 verkündete Chinas Staatschef Xi Jinping mit großem Pathos die Belt and Road Initiative, jenes gigantische Infrastrukturprogramm, das Asien mit Europa verbinden und die wirtschaftliche Zukunft ganzer Kontinente neu definieren sollte. Mehr als ein Jahrzehnt später offenbart sich eine ökonomische Realität, die weit von den ursprünglichen Heilsversprechen entfernt ist. China hat sich vom weltgrößten Kreditgeber zum weltgrößten Geldeintreiber entwickelt, während zahlreiche Entwicklungsländer unter einer erdrückenden Schuldenlast ächzen, die ihre wirtschaftliche Souveränität fundamental bedroht.
Die nackten Zahlen zeichnen ein beunruhigendes Bild der globalen Finanzarchitektur. Nach Berechnungen der Forschungsorganisation AidData hat China zwischen 2000 und 2021 insgesamt 1,34 Billionen US-Dollar an 165 Länder verliehen. Aktualisierte Daten für den Zeitraum bis 2023 beziffern das Gesamtvolumen sogar auf 2,2 Billionen US-Dollar, verteilt auf über 200 Länder und Territorien. Besonders alarmierend erscheint dabei die Tatsache, dass mittlerweile 80 Prozent der chinesischen Auslandskredite an Staaten fließen, die sich bereits in akuter finanzieller Notlage befinden. Die Gesamtsumme der ausstehenden Schulden gegenüber China beläuft sich auf knapp 920 Milliarden Euro, eine Größenordnung, die selbst die Kreditsummen traditioneller multilateraler Institutionen in den Schatten stellt.
Die Anatomie einer Schuldenkrise
Die globale Verschuldungsstruktur gegenüber China offenbart ein komplexes Muster regionaler und wirtschaftlicher Abhängigkeiten. Pakistan steht mit 68,9 Milliarden US-Dollar an der Spitze der Schuldnerländer, wobei diese Summe 22 Prozent der gesamten Auslandsverschuldung des südasiatischen Staates ausmacht. Der China-Pakistan Economic Corridor, ein Prestigeprojekt der Belt and Road Initiative mit einem Investitionsvolumen von über 60 Milliarden US-Dollar, hat Pakistan in eine gefährliche Abhängigkeit getrieben. Die Verzweiflung der pakistanischen Regierung zeigt sich darin, dass allein im März 2025 ein Kredit über zwei Milliarden US-Dollar verlängert werden musste, um einen drohenden Zahlungsausfall abzuwenden.
Angola präsentiert einen besonders instruktiven Fall ölgestützter Verschuldung. Mit 17 Milliarden US-Dollar Schulden bei China, die 40 Prozent der gesamten Auslandsverschuldung ausmachen, hat sich das südwestafrikanische Land in eine Struktur begeben, bei der Schuldentilgung direkt durch Öllieferungen erfolgt. Das sogenannte Angola-Modell sah vor, dass Rohstoffexporte die Kreditrückzahlung sicherstellen sollten. Doch als China begann, verstärkt Öl aus Russland, dem Persischen Golf und Asien zu importieren, geriet dieses Arrangement ins Wanken. Heute verschlingen Schuldenzahlungen etwa die Hälfte des nationalen Budgets Angolas, und das Land muss jährlich 10,1 Milliarden US-Dollar an chinesische Kreditgeber überweisen.
Der Fall Sri Lanka und des Hambantota-Hafens gilt als Paradebeispiel dessen, was Kritiker als Schuldenfallendiplomatie bezeichnen. Nach dem Bau eines ehrgeizigen Tiefseehafens an der Südküste mit chinesischen Krediten konnte Sri Lanka die Rückzahlungen nicht mehr leisten. Die Konsequenz war ein Arrangement, bei dem 85 Prozent der Anteile am Hafen für 1,12 Milliarden US-Dollar an die China Merchants Port Holdings Company verkauft wurden, verbunden mit einem 99-jährigen Pachtvertrag. Die strategische Bedeutung dieses Hafens an einer der wichtigsten Seehandelsrouten der Welt ist immens, und Indien beobachtet mit wachsender Besorgnis die chinesische Präsenz in unmittelbarer geografischer Nähe.
Äthiopien kämpft mit einer Schuldenlast von 14 Milliarden US-Dollar gegenüber China, was die Hälfte der gesamten äthiopischen Auslandsverschuldung von 28 Milliarden US-Dollar darstellt. Die Addis-Dschibuti-Eisenbahn, ein Prestigeprojekt mit Kosten von 4,5 Milliarden US-Dollar, von denen 2,5 Milliarden durch die China Exim Bank finanziert wurden, sollte die Reisezeit zwischen der Hauptstadt und dem Hafen von zwei Tagen auf zwölf Stunden reduzieren. Doch technische Probleme, Stromausfälle und mangelnde Auslastung haben das Projekt zu einer finanziellen Belastung werden lassen. Die äthiopische Regierung musste 2018 eine Umschuldung aushandeln, bei der die ursprüngliche Rückzahlungsfrist von zehn auf dreißig Jahre verlängert wurde.
Laos repräsentiert vielleicht den extremsten Fall relativer Verschuldung unter den BRI-Teilnehmerländern. Mit öffentlichen Schulden in Höhe von 112 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2023 und etwa 50 Prozent der externen Staatsschulden gegenüber China steht das Land vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Die Laos-China-Eisenbahn, ein sechs Milliarden US-Dollar teures Projekt, entspricht einem Drittel des gesamten laotischen BIP. Die laotische Währung Kip verlor 2022 die Hälfte ihres Wertes, was die in US-Dollar denominierten Schulden effektiv verdoppelte. Nur wiederholte Zahlungsaufschübe seitens Chinas verhindern bislang einen formellen Staatsbankrott.
Der Paradigmenwechsel von 2020
Das Jahr 2020 markiert eine fundamentale Zäsur in Chinas Auslandskreditvergabe. Die COVID-19-Pandemie führte zu einem dramatischen Rückgang der Neuausleihungen um nahezu 50 Prozent. Während China in den Spitzenjahren 2015 und 2016 jährlich über 150 Milliarden US-Dollar ins Ausland verlieh, brachen die Volumina 2020 auf etwa 60 Milliarden US-Dollar ein. Doch dieser Rückgang war nicht ausschließlich der Pandemie geschuldet. Bereits ab 2019 wendeten sich die Nettofinanztransfers ins Negative, ein klares Indiz dafür, dass mehr Geld in Form von Schuldendienst nach China zurückfloss als neue Kredite ausgereicht wurden.
Die Gründe für diese strategische Neuausrichtung sind vielschichtig und reflektieren sowohl Chinas eigene wirtschaftliche Herausforderungen als auch die ernüchternden Erfahrungen mit gescheiterten BRI-Projekten. China selbst steht vor gewaltigen inneren Problemen. Die Verschuldung der Lokalregierungen, die Immobilienkrise und strukturelle wirtschaftliche Schwächen haben Pekings Spielraum für ausländische Kreditvergabe massiv eingeschränkt. Die inländische Verschuldung erreichte 2024 303 Prozent des BIP, und die Regierung musste ein mehrjähriges Schuldenumwandlungsprogramm in Höhe von zehn Billionen Renminbi auflegen, um die Schuldenlast der Lokalregierungen zu bewältigen.
Gleichzeitig haben enttäuschende Projektrealisierungen im Rahmen der BRI Pekings Risikobereitschaft gedämpft. Eine Untersuchung von 24 chinesischen Megaprojekten in Südostasien ergab eine durchschnittliche Fertigstellungsrate von lediglich 33 Prozent. Von diesen Projekten im Gesamtwert von 77 Milliarden US-Dollar wurden nur acht abgeschlossen, während weitere acht im Wert von 35 Milliarden US-Dollar noch in Arbeit sind. Fünf Projekte im Wert von 21 Milliarden US-Dollar wurden komplett eingestellt. Die durchschnittliche Umsetzungsrate chinesischer Infrastrukturprojekte liegt bei mageren 35 Prozent, deutlich niedriger als die 64 Prozent Japans oder die 53 Prozent der Asiatischen Entwicklungsbank.
Von der Kreditvergabe zur Notfallrettung
An die Stelle neuer Infrastrukturkredite ist zunehmend ein System von Notfallkrediten und Rettungspaketen getreten. Zwischen 2008 und 2021 hat China insgesamt 240 Milliarden US-Dollar an 22 Länder in finanzieller Notlage ausgereicht. Davon entfielen 170 Milliarden US-Dollar auf Liquiditätsunterstützung durch Währungsswaplinien der People’s Bank of China, während weitere 70 Milliarden US-Dollar von staatseigenen Banken als direkte Zahlungsbilanzunterstützung bereitgestellt wurden. Diese Summe entspricht etwa 20 Prozent der gesamten IWF-Kreditvergabe im gleichen Zeitraum, was China faktisch zu einem parallelen Kreditgeber letzter Instanz macht.
Länder wie Argentinien, Pakistan, Sri Lanka, Türkei und Venezuela haben wiederholt auf chinesische Notfallkredite zurückgegriffen. Pakistan allein erhielt kontinuierliche Zahlungsbilanzunterstützung über mehrere Jahre hinweg, ein Muster, das an die serielle Kreditvergabe des IWF erinnert. Doch im Gegensatz zu den Programmen des Internationalen Währungsfonds kommen chinesische Rettungspakete ohne die typischen Reformauflagen und ohne die Transparenz multilateraler Institutionen. Die Zinssätze für diese Notfallkredite liegen typischerweise deutlich über denen konzessionärer Entwicklungskredite, was die finanzielle Belastung der Empfängerländer weiter erhöht.
Die ökonomischen Konsequenzen für Schuldnerländer
Die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der chinesischen Verschuldung auf die Empfängerländer variieren erheblich, folgen aber erkennbaren Mustern. Kenia, das zwischen 2000 und 2023 insgesamt 9,6 Milliarden US-Dollar von China geliehen hat, gibt mittlerweile über eine Milliarde US-Dollar jährlich allein für den Schuldendienst der Standard Gauge Railway aus. Im Juli 2025 machten die Zahlungen an China mehr als 81 Prozent des gesamten ausländischen Schuldendienstes Kenias aus. Ein Bericht der kenianischen Generalprüferin enthüllte, dass Kenya Railways 741 Millionen US-Dollar an Tilgung, 222 Millionen US-Dollar an Zinsen und zusätzlich 41 Millionen US-Dollar an Strafzahlungen für verspätete Rückzahlungen an die China Exim Bank schuldet.
Sambia, das erste afrikanische Land, das während der COVID-19-Pandemie im November 2020 in Zahlungsverzug geriet, demonstriert die Komplexität chinesischer Kreditstrukturen. Während die vorherige Regierung unter Edgar Lungu die Schulden gegenüber China mit 3,4 Milliarden US-Dollar bezifferte, ermittelte die China Africa Research Initiative den tatsächlichen Betrag mit 6,6 Milliarden US-Dollar, nahezu das Doppelte der offiziellen Angaben. Diese Diskrepanz resultiert aus undurchsichtigen Vertragsbedingungen, Geheimhaltungsklauseln und der Einbeziehung staatsnaher Unternehmen, deren Schulden nicht in den offiziellen Statistiken auftauchen.
Die Abhängigkeit von einem einzigen Rohstoff verschärft die Schuldenkrise vieler Länder dramatisch. Sambia generiert 70 Prozent seiner Exporterlöse aus Kupfer, Angola ist von Ölexporten abhängig, und Venezuela hat seine gesamte Schuldentilgung an Öllieferungen gekoppelt. Als die Rohstoffpreise 2014 einbrachen, gerieten diese Länder in einen Teufelskreis aus sinkenden Einnahmen und steigenden Schuldenlasten. Venezuela liefert heute über 300.000 Barrel Öl pro Tag nach China, um Schulden zu bedienen, die auf 19 bis 25 Milliarden US-Dollar geschätzt werden. Diese Öllieferungen machen mehr als ein Viertel der gesamten venezolanischen Exporte aus, was dem krisengebeutelten Land dringend benötigte Deviseneinnahmen entzieht.
Die geopolitische Dimension der Verschuldung
Die Belt and Road Initiative war nie ausschließlich ein ökonomisches Projekt. Von Beginn an verfolgte China mit der BRI weitreichende geopolitische Ziele. Die Einbindung der Initiative in die Verfassung der Kommunistischen Partei Chinas im Jahr 2017 unterstreicht ihre zentrale Bedeutung für Xi Jinpings politische Agenda. Die BRI dient der Sicherung strategischer Handelsrouten, dem Zugang zu kritischen Ressourcen und der Ausweitung des chinesischen Einflusses in Regionen, die traditionell vom Westen dominiert wurden.
Hafenprojekte spielen in dieser Strategie eine Schlüsselrolle. Neben Hambantota in Sri Lanka hat China strategische Häfen in Gwadar in Pakistan und in Dschibuti am Horn von Afrika finanziert. Dschibuti, dessen Schulden gegenüber China 38 Prozent des BIP erreichen, beherbergt sowohl die einzige chinesische Militärbasis außerhalb Chinas als auch amerikanische und französische Militäreinrichtungen. Die 1,2 Milliarden US-Dollar schweren Kredite der China Exim Bank für Infrastrukturprojekte haben das kleine ostafrikanische Land in eine Position gebracht, in der 78 Prozent der Zahlungsrückstände auf chinesische Gläubiger entfallen.
Die Verschuldung schafft politische Abhängigkeiten, die über rein wirtschaftliche Beziehungen hinausgehen. Länder mit hohen Schulden gegenüber China zeigen eine signifikant geringere Wahrscheinlichkeit, mit dem Pariser Club traditioneller Gläubigerländer zu kooperieren. Eine akademische Untersuchung ergab, dass eine höhere Verschuldung gegenüber China die Wahrscheinlichkeit einer Umschuldung mit dem Pariser Club um etwa 5,7 Prozentpunkte reduziert. Dies deutet darauf hin, dass China als alternativer Kreditgeber und Retter in der Not die Verhandlungsposition traditioneller westlicher Gläubiger systematisch untergräbt.
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Chinas globale Macht bröckelt: Darum gehen Peking die Milliarden für die Seidenstraße aus
Das Problem der intransparenten Schuldenrestrukturierung
Die Bewältigung der globalen Schuldenkrise wird durch Chinas Weigerung erschwert, sich in etablierte multilaterale Schuldenrestrukturierungsmechanismen einzubinden. Anders als Mitglieder des Pariser Clubs besteht China auf bilateralen Verhandlungen, verweigert die Offenlegung von Kreditbedingungen und lehnt Schuldenschnitte kategorisch ab. Stattdessen bevorzugt Peking die Verlängerung von Laufzeiten und Zinsstundungen, was die Gesamtschuldenlast letztlich erhöht statt verringert.
Ein besonders problematischer Aspekt sind die in vielen chinesischen Kreditverträgen enthaltenen Geheimhaltungsklauseln. Kenia weigerte sich auf Grundlage solcher Klauseln, die Verträge für die Standard Gauge Railway offenzulegen, mit dem Argument, dass dies bilaterale Vereinbarungen mit China verletzen würde. Diese Intransparenz macht es für andere Gläubiger und internationale Finanzinstitutionen extrem schwierig, das tatsächliche Ausmaß der Verschuldung einzelner Länder zu bewerten. Der Internationale Währungsfonds kann nur dann Hilfsprogramme auflegen, wenn alle wichtigen Gläubiger Finanzierungszusicherungen abgeben, doch Chinas bilateraler Ansatz verzögert oder verhindert solche Abkommen systematisch.
Der Fall der Republik Kongo illustriert diese Dynamik anschaulich. Als Kongo-Brazzaville 2018 den IWF um ein Hilfsprogramm ersuchte, stockten die Verhandlungen über ein Jahr lang, weil China sich weigerte, die vom IWF geforderten Finanzierungszusicherungen zu unterzeichnen. Die Volksrepublik bestritt nicht die Notwendigkeit einer Umschuldung, bestand aber darauf, diese bilateral auszuhandeln. Erst 2019, nachdem China und Kongo bilateral eine Umschuldung vereinbart hatten, konnte das IWF-Programm anlaufen. Die Auslandsschulden Kongos beliefen sich auf 61,75 Prozent des BIP, wovon etwa ein Drittel, also 21,4 Prozent des BIP, auf China entfielen.
Beschäftigung und Entwicklung: Das gemischte Vermächtnis der BRI
Bei aller berechtigten Kritik an der Verschuldungsproblematik darf nicht übersehen werden, dass chinesische Infrastrukturinvestitionen in einigen Bereichen durchaus positive Entwicklungseffekte erzielt haben. Eine umfassende Studie zur Beschäftigungswirkung der BRI in 51 afrikanischen Ländern fand heraus, dass BRI-Mitgliedschaft zu einer Reduktion der Arbeitslosigkeit um ein bis zehn Prozent auf Unternehmensebene und um elf bis 17 Prozent auf makroökonomischer Ebene beiträgt. Allerdings wirkt die BRI nicht direkt beschäftigungsfördernd, sondern verstärkt die beschäftigungsschaffende Wirkung von Wirtschaftswachstum.
Konkrete Projekte zeigen unterschiedliche Ergebnisse. Kenias Standard Gauge Railway schuf in der Bauphase über 46.000 Arbeitsplätze und stimulierte wirtschaftliche Aktivitäten im Dienstleistungssektor. Die Mombasa-Nairobi-Eisenbahn reduzierte die Reisezeit zwischen den beiden Städten dramatisch und wird von Passagieren positiv bewertet. Doch die Frachtraten der Eisenbahn liegen über denen des Lkw-Transports, und die mangelnde Integration mit Industriezonen führt dazu, dass viele Exporteure weiterhin den teureren, aber flexibleren Straßentransport bevorzugen.
Die chinesisch-indonesische Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Jakarta und Bandung, die im Oktober 2023 eröffnet wurde, ist die erste Hochgeschwindigkeitsbahn Südostasiens und reduziert die Reisezeit von dreieinhalb Stunden auf 45 Minuten. In Mosambik brachte ein BRI-finanziertes Projekt Satellitenfernsehen in tausend Dörfer. Die Dschibuti-Äthiopien-Eisenbahn verkürzt die Transportzeit von der äthiopischen Hauptstadt zum Hafen erheblich, auch wenn technische Probleme und geringe Auslastung die wirtschaftliche Rentabilität beeinträchtigen.
Kritisch zu bewerten bleibt jedoch, dass viele dieser Projekte primär mit chinesischen Unternehmen, chinesischer Technologie und chinesischen Arbeitskräften realisiert wurden, was den Technologietransfer und den Aufbau lokaler Kapazitäten begrenzt. Die äthiopische Regierung musste bei der Addis-Dschibuti-Eisenbahn feststellen, dass die Vergabe von Betrieb und Wartung an chinesische Bauunternehmen ohne Betriebserfahrung zu erheblichen Problemen führte. Im Gegensatz dazu verlief die Lokalisierung beim Betrieb der Stadtbahn in Addis Abeba erfolgreicher, wo nach drei Jahren der gesamte tägliche Betrieb in äthiopische Hände übergegangen ist.
Westliche Alternativen: Großer Anspruch, geringe Wirkung
Als Reaktion auf Chinas Belt and Road Initiative haben westliche Länder mehrere konkurrierende Initiativen ins Leben gerufen. Die G7-Staaten kündigten 2021 die Build Back Better World Initiative an, die später in Partnership for Global Infrastructure and Investment umbenannt wurde und 600 Milliarden US-Dollar über fünf Jahre mobilisieren soll. Die Europäische Union startete 2021 die Global Gateway Initiative mit einem geplanten Volumen von 300 Milliarden Euro zwischen 2021 und 2027. Die USA, Japan und Australien hatten bereits 2019 das Blue Dot Network mit anfänglicher Finanzierung von 60 Milliarden US-Dollar lanciert.
Doch bislang bleiben diese westlichen Initiativen weit hinter ihren eigenen Ansprüchen und erst recht hinter der chinesischen BRI zurück. Ein fundamentales Problem liegt in der unterschiedlichen Finanzierungsstruktur. Während Chinas staatseigene Banken und Unternehmen direkte Kredite und Investitionen bereitstellen, setzen westliche Programme primär auf die Mobilisierung privaten Kapitals durch Public-Private-Partnerships. Doch privates Kapital ist risikoavers und meidet gerade jene Hochrisikoprojekte in instabilen oder armen Ländern, die der dringendsten Infrastrukturentwicklung bedürfen.
Zudem unterscheiden sich die Konditionen erheblich. Chinesische Kredite kommen typischerweise ohne politische Konditionalität aus, verlangen keine Reformen in Bereichen wie Demokratie, Menschenrechte oder Umweltstandards und können schneller implementiert werden. Im Gegensatz dazu sind westliche Entwicklungskredite an umfangreiche Auflagen gebunden, die zwar prinzipiell wünschenswert sein mögen, den Projektstart aber erheblich verzögern. Für Regierungen in Entwicklungsländern, die unter innenpolitischem Druck stehen, schnell sichtbare Infrastrukturverbesserungen zu liefern, erweist sich die chinesische Option oft als attraktiver.
Ein weiteres Problem westlicher Alternativen ist der Mangel an konkreten Projekten. Während China auf eine Erfolgsbilanz von über 20.000 realisierten Projekten verweisen kann, haben westliche Initiativen bislang nur wenige greifbare Ergebnisse vorzuweisen. Die mediale Aufmerksamkeit konzentriert sich auf Ankündigungen und Absichtserklärungen, doch die tatsächliche Auszahlung von Mitteln und der Baubeginn von Projekten bleiben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Entwicklungsländer ziehen eine realisierte chinesische Infrastruktur einer versprochenen westlichen Alternative vor, selbst wenn letztere theoretisch bessere Konditionen bieten würde.
Chinas eigene wirtschaftliche Grenzen
Die Zukunft der chinesischen Auslandskreditvergabe wird maßgeblich durch Chinas eigene wirtschaftliche Entwicklung determiniert. Die Volksrepublik steht vor einer Reihe struktureller Herausforderungen, die ihren Spielraum für großzügige Auslandsinvestitionen einschränken. Die Immobilienkrise, die mit dem Zusammenbruch von Evergrande und anderen großen Entwicklern ihren Höhepunkt erreichte, hat das Vertrauen der Verbraucher nachhaltig erschüttert. Die Kreditvergabe an Haushalte wuchs 2024 nur noch um magere ein Prozent, und der Bestand an Bankkrediten erreichte 192 Prozent des BIP.
Die Verschuldung der Lokalregierungen stellt ein noch größeres Problem dar. Schätzungen des Internationalen Währungsfonds beziffern die tatsächliche öffentliche Verschuldung Chinas auf 124 Prozent des BIP Ende 2024, wobei die versteckten Schulden der Local Government Financing Vehicles noch nicht vollständig eingerechnet sind. Die Regierung musste im November 2024 ein Schuldenumwandlungsprogramm im Umfang von zehn Billionen Renminbi auflegen, um die Schuldenlast der Lokalregierungen zu bewältigen. Dieses Programm soll über fünf Jahre etwa 600 Milliarden Renminbi an Zinszahlungen einsparen und den Lokalregierungen größeren fiskalischen Spielraum verschaffen.
Gleichzeitig kämpft China mit Deflation, sinkenden Investitionen und einer alternden Bevölkerung. Die Verbraucherpreise stiegen 2024 um lediglich 0,2 Prozent, während die Erzeugerpreise um 2,2 Prozent fielen. Die Infrastrukturinvestitionen schrumpften in den Monaten Oktober und November 2024 um etwa zwölf Prozent im Jahresvergleich. Die Ausweitung der Exportüberschüsse, die 2024 erstmals die Billionen-US-Dollar-Marke überschritten, kann diese strukturellen Schwächen nur teilweise kompensieren. Die People’s Bank of China steht vor einem Dilemma: Weitere Zinssenkungen würden die Profitabilität der bereits angeschlagenen Banken weiter schmälern, während eine restriktive Geldpolitik das Deflationsrisiko verschärft.
Unter diesen Bedingungen erscheint eine Rückkehr zu den expansiven Kreditvolumina der BRI-Hochphase zwischen 2013 und 2017 unwahrscheinlich. China wird seine Auslandskreditvergabe weiter selektiv gestalten, mit Schwerpunkt auf strategisch wichtigen Projekten, Rettungskrediten zur Vermeidung von Zahlungsausfällen und zunehmend auf grünere, kleinere Projekte. Die Phase der Megaprojekte scheint weitgehend vorbei. An ihre Stelle tritt ein pragmatischerer, risikobewussterer Ansatz, der auch verstärkt private chinesische Unternehmen einbezieht, insbesondere in Zukunftssektoren wie Batterietechnologie, erneuerbare Energien und Elektromobilität.
Vom Schuldenlabyrinth zur nachhaltigen Entwicklung?
Die globale Schuldenkrise, die durch chinesische Kreditvergabe maßgeblich mitverursacht wurde, erfordert koordinierte multilaterale Lösungen. Die jährlichen Schuldenzahlungen der 75 ärmsten Länder an China werden 2025 mit 22 Milliarden US-Dollar einen Rekordwert erreichen. Dieser Betrag entzieht diesen Ländern dringend benötigte Ressourcen für Gesundheit, Bildung und soziale Entwicklung. Ohne substanzielle Schuldenerleichterungen werden viele dieser Länder in einen Teufelskreis aus Verschuldung, stagniertem Wachstum und sozialen Spannungen geraten.
Eine Lösung der Schuldenkrise erfordert, dass China sich stärker in multilaterale Mechanismen einbindet. Der Common Framework for Debt Treatments, der im Rahmen der G20 etabliert wurde, hat erste Fortschritte erzielt. Sri Lanka erreichte 2023 als erstes Land eine vorläufige Einigung über die Umschuldung von 4,2 Milliarden US-Dollar chinesischer Schulden. Sambia konnte 2024 nach jahrelangen Verhandlungen bilaterale Umschuldungsvereinbarungen mit chinesischen Kreditgebern unterzeichnen. Doch diese Prozesse bleiben langwierig, intransparent und fallen hinter die Notwendigkeiten zurück.
Gleichzeitig müssen Empfängerländer ihre eigene Rolle kritisch reflektieren. Viele der gescheiterten BRI-Projekte resultierten nicht primär aus chinesischer Schuldenfallendiplomatie, sondern aus schlechter Regierungsführung, Korruption und unrealistischen Erwartungen in den Empfängerländern. Die laotische Regierung traf die Entscheidung, sechs Milliarden US-Dollar für eine Eisenbahn auszugeben, die einem Drittel des nationalen BIP entspricht, ohne adäquate Wirtschaftlichkeitsanalysen. Kenias Regierung akzeptierte überhöhte Baukosten für die Standard Gauge Railway, die teilweise auf Korruption zurückgeführt werden. Die Verantwortung für diese Fehlentscheidungen liegt nicht allein bei China.
Für eine nachhaltigere Entwicklungsfinanzierung bedarf es diversifizierter Kreditquellen, größerer Transparenz bei Vertragsbedingungen, realistischerer Projektevaluierungen und der Einbindung lokaler Bevölkerungen in Planungsprozesse. Westliche Alternativen zur BRI müssen über Absichtserklärungen hinausgehen und tatsächlich Kapital mobilisieren, das in konkrete Projekte fließt. Gleichzeitig sollte China erkennen, dass die Destabilisierung von Schuldnerländern langfristig auch chinesischen Interessen schadet. Ein Umdenken hin zu konzessionäreren Krediten, größerer Beteiligung an multilateralen Umschuldungsmechanismen und verstärktem Fokus auf Projekte mit nachgewiesener wirtschaftlicher Rentabilität läge im wohlverstandenen Eigeninteresse Pekings.
Die Belt and Road Initiative hat die globale Entwicklungsfinanzierung fundamental verändert und vielen Ländern Zugang zu Infrastrukturfinanzierung verschafft, die sie von traditionellen Gebern nicht erhalten hätten. Doch die damit einhergehende Verschuldungskrise droht die positiven Entwicklungseffekte zunichte zu machen. Ob China den Weg vom weltgrößten Geldeintreiber zurück zu einem verantwortungsvollen Entwicklungspartner findet, wird eine der zentralen ökonomischen und geopolitischen Fragen des kommenden Jahrzehnts sein. Die Antwort auf diese Frage wird nicht nur das Schicksal zahlreicher Entwicklungsländer prägen, sondern auch die künftige Architektur der globalen Wirtschaftsordnung maßgeblich bestimmen.
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