Die Wirtschaftsordnung Südamerikas im Umbruch und die strategische Allianz mit Europa durch Mercosur
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Veröffentlicht am: 30. November 2025 / Update vom: 30. November 2025 – Verfasser: Konrad Wolfenstein

Die Wirtschaftsordnung Südamerikas im Umbruch und die strategische Allianz mit Europa durch Mercosur – Bild: Xpert.Digital
Argentiniens Wunder und Brasiliens Risiko: Die neue wirtschaftliche Landkarte des Südens
Südamerikas neue Rolle in der Weltwirtschaft: Zwischen radikalem Wandel, Rohstoffmacht und der historischen Annäherung an Europa
Der Dezember 2024 markiert einen geopolitischen Wendepunkt in den Beziehungen zwischen Europa und Lateinamerika. Nach einem Vierteljahrhundert zäher Verhandlungen steht das EU-Mercosur-Abkommen vor seiner Finalisierung – ein Schritt, der die größte Freihandelszone der Welt mit über 700 Millionen Menschen schaffen und die globalen Handelsströme neu ordnen würde. Doch dieser historische Schulterschluss trifft auf einen südamerikanischen Kontinent, der sich inmitten eines tiefgreifenden und teils widersprüchlichen Transformationsprozesses befindet. Von der Pampa Argentiniens bis zu den Minen Chiles wird die wirtschaftliche Landkarte der Region gerade neu gezeichnet.
Die politischen und ökonomischen Strategien der südamerikanischen Schwergewichte könnten dabei kaum unterschiedlicher sein. In Argentinien vollzieht der libertäre Präsident Javier Milei mit seiner “Schocktherapie” ein radikales Marktexperiment, das dem Land erstmals seit über einem Jahrzehnt Haushaltsüberschüsse beschert, aber der Bevölkerung enorme Opfer abverlangt. Währenddessen setzt Brasiliens Präsident Lula da Silva auf eine staatlich gelenkte Reindustrialisierung und grüne Energie, kämpft jedoch mit einer wachsenden Staatsverschuldung. Kolumbien unter Gustavo Petro wagt den ambitionierten Versuch, sich vom Erdöl zu lösen, und Chile festigt seine Position als unverzichtbarer Lieferant von Kupfer und Lithium für die Welt.
Für Europa ist die Hinwendung zu diesem heterogenen, aber chancenreichen Kontinent weit mehr als nur eine Frage des Zollabbaus für Autos und Maschinen. Es geht um strategische Autonomie. In einer Zeit, in der der globale Wettbewerb um kritische Rohstoffe eskaliert und die Abhängigkeit von China reduziert werden soll, bietet Südamerika als “Powerhouse” für grüne Energien und Batteriemetalle eine überlebenswichtige Alternative. Ob durch das gigantische Schiefergasfeld Vaca Muerta, die sonnenreichen Wasserstoff-Parks im Nordosten Brasiliens oder die Lithium-Salzseen der Anden – die Synergien zwischen europäischer Technologie und südamerikanischen Ressourcen könnten das Fundament für die Energiewende beider Kontinente bilden.
Dieser Artikel beleuchtet die drastischen Reformen in den einzelnen Nationalstaaten, analysiert die Chancen und Risiken des Mercosur-Deals und zeigt auf, warum die Allianz über den Atlantik hinweg trotz protektionistischer Hürden und ökologischer Bedenken für Europa wohl die letzte große Chance ist, sich im globalen Süden als relevanter Partner gegenüber China zu behaupten.
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Zwischen Reformeuphorie, Rohstoffhunger und geopolitischem Kalkül: Warum Europa Lateinamerika jetzt mehr braucht als je zuvor
Der südamerikanische Kontinent erlebt derzeit einen der tiefgreifendsten wirtschaftspolitischen Transformationsprozesse seit Jahrzehnten. Während Argentinien unter Präsident Javier Milei einen radikalen marktwirtschaftlichen Kurswechsel vollzieht, verfolgt Brasilien unter Luiz Inácio Lula da Silva eine Strategie der Reindustrialisierung mit Fokus auf erneuerbare Energien. Kolumbien unter Gustavo Petro strebt einen grundlegenden Umbau des Wirtschaftsmodells hin zu sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit an, während Chile seine Position als globaler Rohstofflieferant für die Energiewende zu konsolidieren versucht. In diese bewegte Gemengelage fällt die Finalisierung des EU-Mercosur-Abkommens im Dezember 2024, das die weltweit grösste Freihandelszone mit über 700 Millionen Menschen schaffen würde. Die Frage, ob und wie beide Wirtschaftsräume voneinander profitieren können, ist angesichts protektionistischer Tendenzen, geopolitischer Verwerfungen und des globalen Wettbewerbs um kritische Rohstoffe von strategischer Bedeutung für die Zukunft beider Regionen geworden.
Argentiniens ökonomische Neuerfindung unter dem libertären Experiment Mileis
Die wirtschaftliche Entwicklung Argentiniens unter Präsident Javier Milei stellt ein beispielloses Experiment dar, das weit über die Grenzen Lateinamerikas hinaus Beachtung findet. Seit seinem Amtsantritt im Dezember 2023 hat der selbsternannte Anarchokapitalist einen Sparkurs durchgesetzt, der in seiner Radikalität in der jüngeren Geschichte des Landes ohne Vergleich ist. Das zentrale Ergebnis dieser Politik manifestiert sich in der Beseitigung des chronischen Haushaltsdefizits. Nach Jahrzehnten defizitärer Staatshaushalte weist Argentinien seit Januar 2024 erstmals wieder einen Primärüberschuss auf. Das Haushaltsdefizit fiel innerhalb von zwei Jahren von 6,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf null, was den ersten ausgeglichenen Haushalt seit 15 Jahren bedeutet.
Die Inflationsbekämpfung zeigt ebenfalls bemerkenswerte Fortschritte. Bei Mileis Amtsantritt lag die monatliche Inflationsrate bei 25,5 Prozent, mittlerweile ist sie auf etwa 1,6 Prozent pro Monat gesunken, den niedrigsten Wert seit über einem Jahrzehnt. Die jährliche Teuerungsrate, die zeitweise über 200 Prozent erreicht hatte, wird für Ende 2025 auf 27,8 Prozent prognostiziert, ein für argentinische Verhältnisse sensationeller Rückgang. Die Differenz zwischen dem offiziellen Wechselkurs und dem Schwarzmarktkurs, die bei Mileis Amtsantritt noch 153 Prozent betrug, hat sich weitgehend aufgelöst.
Die OECD prognostiziert für Argentinien 2025 ein Wirtschaftswachstum von 5,7 Prozent, der Internationale Währungsfonds erwartet 5,5 Prozent. Im zweiten Quartal 2025 legte das BIP um 6,3 Prozent zu, stärker als in China oder den USA. Diese Erholung erfolgt nach einer tiefen Rezession im ersten Jahr der Milei-Regierung, die Teil der sogenannten Schocktherapie war. Der Preis für diese makroökonomischen Erfolge manifestiert sich in gestiegener Arbeitslosigkeit und anhaltend hohen Lebenshaltungskosten. Die Binnenkonjunktur im mittleren und unteren Einkommenssegment bleibt durch niedrige Löhne und hohe Preise belastet.
Die Investitionslandschaft Argentiniens wandelt sich unter diesen veränderten Rahmenbedingungen. Das verarbeitende Gewerbe ist mit fast 39 Prozent des Bestands an ausländischen Direktinvestitionen von 129 Milliarden US-Dollar der wichtigste Sektor. Volkswagen kündigte Anfang April 2025 Investitionen in Höhe von 580 Millionen US-Dollar in sein Werk in Buenos Aires an. Das neue Förderprogramm für Grossinvestitionen RIGI hat bereits Projekte mit einem Gesamtvolumen von über elf Milliarden US-Dollar in den Bereichen Solarkraft, Öl-Pipelines, LNG-Anlagen und Lithiumförderung genehmigt.
Argentiniens Achillesferse bleibt jedoch die Staatsverschuldung. Mit über 63 Milliarden US-Dollar führt das Land die Liste der zehn grössten Schuldner beim Internationalen Währungsfonds an, weit vor der Ukraine mit knapp 15 Milliarden und Ägypten mit knapp 12 Milliarden US-Dollar. Im April 2025 schloss die Regierung ein neues Abkommen mit dem IWF, das bis zu 20 Milliarden US-Dollar an frischem Kapital zuführen könnte. Der ausgehandelte Zinssatz von 6,47 Prozent liegt fast fünf Prozentpunkte unter dem aktuellen Marktzins. Diese Abhängigkeit vom IWF schränkt die wirtschaftspolitische Handlungsfreiheit ein und macht Argentinien anfällig für externe Schocks.
Von strategischer Bedeutung für die Zukunft Argentiniens ist die Entwicklung der Vaca-Muerta-Schiefergasformation. Im ersten Quartal 2025 stieg die Ölproduktion um 26 Prozent und die Gasproduktion um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Formation liefert mittlerweile 65 Prozent der gesamten Ölproduktion und 67 Prozent der nationalen Gasproduktion des Landes. Im August 2025 erreichte die argentinische Ölproduktion mit 827.000 Barrel pro Tag ein Rekordniveau. Die Regierung plant, bis 2030 Öl und Gas im Wert von 30 Milliarden US-Dollar zu exportieren, was die globalen Exporte Argentiniens gegenüber dem aktuellen Stand verdoppeln würde. Mit dem Southern Energy LNG-Projekt soll eine Exportkapazität von sechs Millionen Tonnen pro Jahr geschaffen werden, mit Produktionsbeginn Ende 2027. Argentinien verfügt zudem über die drittgrössten Lithiumvorkommen der Welt, was dem Land eine Schlüsselposition für die globale Energiewende verschafft.
Brasiliens Gratwanderung zwischen Wachstumsambitionen und fiskalischen Zwängen
Die grösste Volkswirtschaft Lateinamerikas präsentiert sich unter Präsident Lula da Silva in einem Spannungsfeld zwischen soliden Wachstumszahlen und wachsenden fiskalischen Risiken. Das brasilianische Bruttoinlandsprodukt wuchs 2024 um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, angetrieben vom Dienstleistungssektor mit 3,7 Prozent Wachstum und der Industrie mit 3,3 Prozent. Für 2025 prognostiziert das Finanzministerium ein Wachstum von 2,2 Prozent, nachdem die ursprüngliche Schätzung von 2,5 Prozent aufgrund schwächerer Konjunkturdaten nach unten korrigiert wurde. Das BIP Brasiliens wird für 2025 auf rund 2,26 Billionen US-Dollar geschätzt.
Die brasilianische Landwirtschaft bildet weiterhin das Rückgrat der Exportwirtschaft. Zwischen 22 und 31 Prozent des Bruttoinlandsprodukts stammen aus der Landwirtschaft und dem Agrobusiness, 42 Prozent aller Exporterlöse fliessen aus diesem Sektor. Für 2025 wird eine Rekordgetreideernte von 354,7 Millionen Tonnen prognostiziert, wobei Soja mit 177,6 Millionen Tonnen das herausragende Agrarprodukt bleibt. Brasilien ist weltweit der grösste Sojaexporteur, wobei China als Hauptabnehmer fungiert. Diese Agrarstärke spiegelt sich in der Handelsbilanz wider. Im Oktober 2025 verzeichnete Brasilien einen Handelsüberschuss von 6,96 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Schattenseite der brasilianischen Wirtschaftsentwicklung manifestiert sich in der Staatsschuldenproblematik. Die Staatsverschuldung ist auf fast 78 Prozent des BIP gestiegen, der höchste Wert unter den grossen lateinamerikanischen Volkswirtschaften. Das Finanzministerium schätzt, dass 2025 62,1 Prozent der öffentlichen Bundesschulden auf kurzfristige Zinsänderungen reagieren werden, der höchste Wert seit Beginn der Datenreihe 2008. Die Zentralbank hat den Leitzins Selic auf 14,25 Prozent angehoben, um die anhaltende Inflation von 5,5 bis 6 Prozent einzudämmen, die weit über dem offiziellen Ziel von 3 Prozent liegt. Das Haushaltsdefizit hat sich auf etwa 8 Prozent des BIP ausgeweitet.
Brasilien verfolgt unter Lula eine neue Industriepolitik mit Fokus auf grüne Reindustrialisierung. Das Land bezieht bereits über 90 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Quellen und setzt auf den Ausbau von Wasserstoffkapazitäten. Der Nordosten Brasiliens gehört zu den Regionen mit den weltweit besten natürlichen Voraussetzungen für Wind- und Solarenergie. Die EU fördert dort den Wasserstoffhochlauf über das Global-Gateway-Flagship Green Energy Parks and Green Shipping Corridors in Northeast Brazil. Von dort sollen künftig grüner Ammoniak, Methanol und andere Wasserstoffderivate kostengünstig nach Europa exportiert werden.
Deutschland ist innerhalb der EU Brasiliens wichtigster Importpartner, und umgekehrt ist Brasilien für deutsche Unternehmen der wichtigste Partner in Südamerika. Etwa 1.300 Unternehmen mit deutschem Kapital sind in Brasilien aktiv und erwirtschaften rund zehn Prozent der industriellen Wertschöpfung. Deutsche Unternehmen exportieren Waren im Wert von über 13 Milliarden Euro nach Brasilien, hauptsächlich chemische Produkte, Maschinen sowie Fahrzeuge und Autoteile. Allein in São Paulo haben über 800 deutsche Unternehmen mehr als 250.000 Arbeitsplätze geschaffen.
Kolumbiens ambitionierter Umbau des Wirtschaftsmodells unter Petro
Kolumbien befindet sich unter Präsident Gustavo Petro in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, der weit über konventionelle Wirtschaftsreformen hinausgeht. Der erste linke Staatspräsident des Landes versucht, das gesamte Wirtschaftsmodell von einer extraktivistischen zu einer dekarbonisierten Wirtschaft mit sozialer und ökologischer Gerechtigkeit umzubauen. Im ersten Quartal 2025 wuchs das BIP Kolumbiens auf Jahresbasis um 2,7 Prozent und auf Monatsbasis um 0,8 Prozent. Im dritten Quartal 2025 verzeichnete das Land ein Wachstum von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, womit die Erwartungen übertroffen wurden. Der IWF prognostiziert für 2025 ein Wachstum von 2,4 Prozent und für 2026 von 2,6 Prozent.
Die wirtschaftlichen Aktivitäten mit dem stärksten Wachstum waren Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei mit 7,1 Prozent sowie Handel, Verkehr und Gastronomie mit 3,9 Prozent. Die Zentralbank erwartet, dass Kolumbien das Jahr 2025 mit einer Inflation von 4,4 Prozent abschliessen wird, gegenüber 5,2 Prozent im Vorjahr. Der Privatkonsum wird als wichtigste Stütze der Konjunktur betrachtet, mit einem prognostizierten Wachstum von 3 Prozent.
Die Regierung Petro hat weitreichende Sozialreformen durchgesetzt, darunter eine Arbeitsmarkt- und eine Rentenreform. Die Rentenreform führt eine Grundrente für 2,5 Millionen ältere Menschen in Armut ein und gestaltet das Rentensystem inklusiver. Im November 2025 legte Petro dem Kongress eine zweite Steuerreform vor, mit der 6,6 Milliarden US-Dollar eingenommen werden sollen, um den Staatshaushalt 2026 abzusichern. Die Chancen auf eine Verabschiedung werden jedoch als gering eingeschätzt.
Kolumbiens Exportstruktur ist stark von fossilen Brennstoffen geprägt. Erdöl und Erdölerzeugnisse machten 2024 den grössten Anteil an den Gesamtexporten aus, gefolgt von Kohle mit 12,1 Prozent. Bei Kaffee, Bananen, Palmöl und Schnittblumen zählt Kolumbien zu den führenden Exporteuren weltweit. Im Juni 2025 stiegen die Exporte um 2,6 Prozent auf 3,96 Milliarden US-Dollar, getrieben von einem Anstieg der landwirtschaftlichen Produkte um 35,6 Prozent. Die Kaffeeexporte legten um 45,8 Prozent zu, Schnittblumen um 32,2 Prozent.
Die Energiewende steht im Zentrum von Petros wirtschaftspolitischer Vision. Kolumbien will den Anteil der erneuerbaren Energien an der heimischen Energieproduktion von derzeit vier bis fünf Prozent auf 25 Prozent bis 2029 erhöhen. Unter der Regierung Petro wurden 23 neue Umweltlizenzen für Wind- und Solarenergieprojekte vergeben. Ein Gesetzentwurf sieht vor, den staatlichen Ölkonzern Ecopetrol in einen Produzenten erneuerbarer Energien umzubauen. Das Land plant Investitionen von 40 Milliarden US-Dollar in die Energiewende, davon 14,5 Milliarden in erneuerbare Energien und 16 Milliarden in den Netzausbau. Kolumbien verfügt über ein sehr hohes Potenzial für erneuerbare Energien aus Sonne und Wind.
Chiles stabile Entwicklung als Rohstoffgigant der Energiewende
Chile nimmt unter den südamerikanischen Volkswirtschaften eine Sonderstellung ein. Das Land gilt als eine der stabilsten Volkswirtschaften Lateinamerikas, mit einem durchschnittlichen BIP-Wachstum von 0,85 Prozent im Zeitraum 1996 bis 2025. Die chilenische Zentralbank prognostiziert für 2025 ein Wachstum zwischen 1,75 und 2,75 Prozent, eine Anhebung gegenüber früheren Schätzungen. Im dritten Quartal 2025 wuchs die Wirtschaft um 1,6 Prozent im Jahresvergleich, nachdem sie im Vorquartal noch 3,3 Prozent zugelegt hatte. Die Inflation lag zuletzt bei 4,4 Prozent, die Zentralbank strebt für 2026 ein Ziel von 3 Prozent an.
Der chilenische Aussenhandel erreichte im Januar 2025 einen Rekordwert von 10,4 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 10,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Bergbausektor verzeichnete Ausfuhren im Wert von 4,8 Milliarden US-Dollar, angeführt von Kupfer mit 4,05 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 15,8 Prozent. Chile ist mit 27 Prozent der globalen Produktion der grösste Kupferproduzent und Kupferexporteur der Welt und verfügt mit 40 Prozent der weltweiten Reserven über die mit Abstand grössten Vorkommen dieses Metalls.
Die strategische Bedeutung Chiles für die globale Energiewende geht jedoch weit über Kupfer hinaus. Chile ist nach Australien der weltweit zweitgrösste Lithiumproduzent. Im Jahr 2023 erreichte die nationale Produktion 270.947 Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent, ein Anstieg um 4,3 Prozent gegenüber 2022 und 120,5 Prozent gegenüber 2020. Für 2025 werden 275.000 Tonnen prognostiziert. 79 Prozent der EU-Lieferungen von raffiniertem Lithium stammen aus Chile. Die Lithium-Produktionskapazität soll von 42.000 Tonnen 2024 auf 64.000 Tonnen 2030 und 79.000 Tonnen 2035 steigen. Die Exporteinnahmen aus Lithium werden für 2030 auf 7,3 Milliarden US-Dollar und für 2035 auf 8,9 Milliarden US-Dollar prognostiziert, was 2,2 beziehungsweise 2,7 Prozent des BIP 2024 entspricht.
Chile hat das Potenzial, seine Wertschöpfungskette über den reinen Rohstoffabbau hinaus zu erweitern. Die Produktion von Kathodenmaterial allein könnte bis zu 1,1 Milliarden US-Dollar an jährlichen Einnahmen 2030 und 2,2 Milliarden US-Dollar 2035 generieren. Die Ansiedlung der Kathodenproduktion könnte 900 bis 1.700 Arbeitsplätze 2030 und 2.100 bis 3.700 Arbeitsplätze 2035 schaffen.
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Freihandel mit 700 Millionen Menschen: Welche Chancen das EU-Mercosur-Abkommen für deutsche KMU eröffnet
Die gesamtwirtschaftliche Dynamik des Mercosur-Raums
Der Mercosur als Wirtschaftsraum umfasst mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay eine Bevölkerung von über 260 Millionen Menschen und stellt den fünftgrössten Wirtschaftsraum der Welt dar. Das gemeinsame Bruttoinlandsprodukt der Mercosur-Staaten belief sich 2024 auf etwa 2,9 Billionen US-Dollar, wobei Brasilien mit 2,18 Billionen US-Dollar den Löwenanteil ausmacht, gefolgt von Argentinien mit rund 604 Milliarden, Uruguay mit 82,5 Milliarden und Paraguay mit 44,9 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2024 erwirtschafteten die Mercosur-Länder zusammen etwa 3,3 Prozent des kaufkraftbereinigten globalen BIP.
Die Prognosen für die nähere Zukunft zeigen einen kontinuierlichen, wenn auch langsamen Bedeutungsverlust des Mercosur im globalen Kontext. Für 2030 wird der Anteil am weltweiten BIP auf etwa 3,2 Prozent prognostiziert. Im Ranking der Länder nach Anteil am kaufkraftbereinigten globalen BIP würde sich der Mercosur als Gruppe zwischen Deutschland und Russland positionieren.
Die Gesamtregion Lateinamerika und Karibik zeigt für 2025 eine gemischte Entwicklung. Der IWF senkte seine Wachstumsprognose für die Region auf 2 Prozent, gegenüber 2,4 Prozent 2024, wobei der Rückgang hauptsächlich auf Mexiko zurückzuführen ist. Für Mexiko wird sogar ein Rückgang von 0,3 Prozent erwartet, bedingt durch die Auswirkungen der US-Zölle und geopolitische Spannungen. Der IWF nennt als Gründe für die gedämpften Aussichten eine schwächere als erwartete Aktivität, Zollmassnahmen, Unsicherheit und ein angespannteres Finanzierungsumfeld.
Die ausländischen Direktinvestitionen in Lateinamerika erreichten 2024 184 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 30 Prozent gegenüber dem Niveau vor der Pandemie. Die Investitionsströme konzentrieren sich auf Brasilien mit 38 Prozent, Mexiko mit 24 Prozent, Chile mit 9 Prozent, Kolumbien mit 7 Prozent und Peru mit 4 Prozent. Die Europäische Union und die USA bleiben führende Investoren, während China, Japan und Südkorea ihre Beteiligung in den Bereichen Energie, Bergbau und Logistik ausbauen.
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Das EU-Mercosur-Abkommen als strategischer Meilenstein
Die am 6. Dezember 2024 abgeschlossenen Verhandlungen zum EU-Mercosur-Abkommen markieren nach 25 Jahren das Ende eines der längsten Verhandlungsprozesse in der Geschichte europäischer Handelsabkommen. Mit dem Abkommen entstünde eine Freihandelszone mit über 700 Millionen Menschen und ein gemeinsamer Markt von etwa 715 Millionen Verbrauchern.
Die EU-Länder exportierten 2024 Waren im Wert von rund 55,6 Milliarden Euro in den Mercosur-Raum, während die Importe aus Südamerika etwa 56,7 Milliarden Euro betrugen. Das resultierende Handelsbilanzdefizit der EU lag bei 1,1 Milliarden Euro, nachdem die EU in den Jahren zuvor durchgängig Handelsüberschüsse erzielt hatte. Die EU-Kommission schätzt, dass das Abkommen die jährlichen Exporte aus der EU nach Südamerika um bis zu 39 Prozent steigern kann, was einem Zuwachs von 49 Milliarden Euro pro Jahr entspricht.
Der Kern des Abkommens liegt im schrittweisen Abbau von etwa 90 Prozent der Zölle auf den bilateralen Handel. Die Mercosur-Staaten erheben derzeit einige der weltweit höchsten Zölle: 35 Prozent auf Autos, 14 bis 20 Prozent auf Maschinen und bis zu 18 Prozent auf Chemikalien. Mit dem Abkommen würden rund 90 Prozent dieser Zollabgaben wegfallen, was europäischen Unternehmen jährliche Entlastungen von etwa vier Milliarden Euro bringen könnte.
Für die deutsche Wirtschaft ist das Abkommen von besonderer Bedeutung. Rund 12.500 deutsche Unternehmen exportieren in die Mercosur-Region, wobei 72 Prozent davon kleine und mittlere Betriebe sind. Diese Exporte sichern nach EU-Angaben etwa 244.000 Arbeitsplätze in Deutschland und 855.000 EU-weit. Mit dem Abkommen könnten über 440.000 neue Arbeitsplätze in Europa entstehen.
Der Ratifizierungsprozess gestaltet sich komplex. Am 9. September 2025 legte die Europäische Kommission dem Rat der EU und dem Europäischen Parlament ihre Vorschläge zur Unterzeichnung vor. Um die Verabschiedung zu begünstigen, hat die Kommission das Assoziierungsabkommen in einen politischen Teil und einen Handelsteil aufgespalten. Der Handelsteil bedarf somit nicht der Zustimmung aller nationalen Parlamente, sondern nur einer qualifizierten Mehrheit im Rat und der Zustimmung des Europäischen Parlaments. Einige Mitgliedstaaten, darunter Frankreich, Italien und Polen, haben Bedenken hinsichtlich des Schutzes ihrer Landwirtschaft geäussert.
Die komplementäre Handelsstruktur als Fundament gegenseitigen Nutzens
Die Handelsbeziehungen zwischen der EU und dem Mercosur basieren auf einer komplementären Struktur, bei der beide Seiten ihre jeweiligen komparativen Vorteile einbringen. Europa liefert Industriegüter, Maschinen, Chemikalien und hochwertige Konsumgüter, während Südamerika Agrarrohstoffe, Rohstoffe für die Energiewende und zunehmend auch Energieträger exportiert.
Die Automobilindustrie zählt zu den grössten Profiteuren des Abkommens auf europäischer Seite. Deutschland ist mit einem jährlichen Umsatz von mehr als 2,1 Milliarden Euro bereits der grösste EU-Exporteur von Autos und Autoteilen in den Mercosur. Der europäische Marktanteil beträgt derzeit 14 Prozent und bietet mit dem Abkommen erhebliches Wachstumspotenzial. 2023 wurden lediglich 20.700 PKW aus Deutschland nach Argentinien und Brasilien exportiert, hauptsächlich wegen der prohibitiven 35-Prozent-Zölle. Mit dem Wegfall dieser Barriere eröffnen sich völlig neue Perspektiven.
Im Maschinenbau liegen die aktuellen Zölle bei 14 bis 20 Prozent, bei Chemie- und Pharmaerzeugnissen zwischen 15 und 20 Prozent. Deutsche Unternehmen bekommen mit dem Abkommen Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen in den Mercosur-Ländern. Deutsche Ingenieursbüros und Technologieunternehmen könnten die Modernisierung der Infrastruktur vorantreiben.
Auch für die europäische Agrar- und Ernährungswirtschaft bietet das Abkommen Exportchancen. Europäische Produkte wie Wein, Käse, Olivenöl und Schokolade könnten leichter Zugang zu den Mercosur-Märkten erhalten, da Zölle auf diese Produkte von teilweise 20 bis 35 Prozent reduziert oder abgeschafft werden. Die Agrar- und Lebensmittelexporte in die Mercosur-Staaten könnten um nahezu 50 Prozent steigen. Das Abkommen schützt 344 geografische Herkunftsbezeichnungen der EU vor Nachahmung und Missbrauch.
Auf der Gegenseite steht die südamerikanische Agrarindustrie. Soja ist das wichtigste Handelsgut, das die EU aus Südamerika einführt. Brasilien war 2019/2020 mit 46 Prozent Hauptversorger der EU mit Sojaschrot. Das Abkommen sieht für Rindfleisch, Geflügel, Zucker, Bioethanol, Honig und Reis Schutzmaßnahmen für europäische Produzenten vor. Nur 99.000 Tonnen Rindfleisch dürfen jährlich zu einem verringerten Zoll von 7,5 Prozent eingeführt werden. Die EU kann ihren Agrarsektor zu 82 Prozent sofort für Produkte aus dem Mercosur öffnen.
Die strategische Dimension kritischer Rohstoffe
Die Versorgung mit kritischen Rohstoffen für die Energie- und Digitalwende verleiht dem EU-Mercosur-Abkommen eine strategische Dimension, die weit über klassische Handelsinteressen hinausgeht. Von den 34 kritischen Rohstoffen auf der EU-Liste werden 25 in Lateinamerika abgebaut. Das Abkommen wird substanziell zur Sicherung der Versorgung mit diesen Rohstoffen beitragen, da die Mercosur-Länder wichtige Erzeuger vieler dieser Stoffe sind.
Brasilien ist bei mehreren kritischen Rohstoffen ein Schlüssellieferant für die EU. Das Land liefert 82 Prozent des in der EU benötigten Niobs, das für hochfesten Stahl und Superlegierungen verwendet wird, wobei Brasilien 88,8 Prozent der weltweiten Verarbeitung dominiert. Bei natürlichem Grafit, das für Batterien und Stahlerzeugung benötigt wird, stammen 13 Prozent der EU-Beschaffung aus Brasilien bei einem Anteil von 7,5 Prozent an der globalen Extraktion. Auch bei Aluminium/Bauxit mit 12 Prozent der EU-Beschaffung, Mangan mit 8 Prozent, Siliciummetall mit 9 Prozent, Vanadium mit 7 Prozent und Tantal mit 16 Prozent ist Brasilien ein relevanter Lieferant.
Argentinien trägt 6 Prozent zur EU-Beschaffung von Lithium bei, wobei das Land 11 Prozent der weltweiten Verarbeitung übernimmt. Mit den drittgrössten Lithiumvorkommen der Welt hat Argentinien Potenzial für eine erhebliche Ausweitung dieser Position. Chile als assoziierter Partner in den EU-Handelsbeziehungen liefert bereits 79 Prozent des raffinierten Lithiums für die EU.
Die EU-Verordnung zu kritischen Rohstoffen (CRMA) definiert ambitionierte Ziele: Bis 2030 sollen mindestens 10 Prozent des jährlichen Verbrauchs strategischer Rohstoffe im eigenen Land gewonnen, 40 Prozent aus eigenen Verarbeitungskapazitäten stammen und 25 Prozent aus Recycling kommen. Höchstens 65 Prozent eines strategischen Rohstoffs sollen noch aus einem einzigen Drittland stammen. Da die EU bei wichtigen Rohstoffen wie Seltenen Erden stark von China abhängig ist, gewinnt die Diversifizierung der Lieferquellen strategische Bedeutung.
Europas Investitionsoffensive Global Gateway in Lateinamerika
Die EU verfolgt mit der Global-Gateway-Initiative eine umfassende Investitionsstrategie für Partnerländer, die in Lateinamerika eine zentrale Rolle spielt. Auf dem EU-Lateinamerika-Gipfel im Juli 2023 kündigte die EU ein Investitionsziel von 45 Milliarden Euro bis 2027 an. Lateinamerika und die Karibik sind 2024 zur zweitwichtigsten Zielregion von Global Gateway aufgestiegen. Für die Jahre 2023 bis 2025 wurden insgesamt 53 Leuchtturmprojekte ausgewählt.
Die Global-Gateway-Strategie zielt darauf ab, Infrastrukturlücken zu schliessen und Partnerschaften nachhaltig auszubauen. Nach Schätzungen der G20 werden bis 2040 etwa 13 Billionen Euro fehlen, um globale Infrastrukturlücken zu schliessen. Global Gateway präsentiert sich als faires und nachhaltiges Angebot ohne versteckte Abhängigkeiten, das sich von Chinas Belt-and-Road-Initiative abgrenzen will.
Im Energiebereich fördert die EU den Aufbau von Wasserstoffkapazitäten in Lateinamerika. Laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme kann Deutschland bis 2030 nirgendwo auf der Welt so günstig Power-to-X-Produkte beziehen wie aus Brasilien, Australien und dem Norden Kolumbiens. Basierend auf angekündigten Projekten könnte Lateinamerika bis 2030 über 7 Millionen Tonnen pro Jahr an emissionsarmem Wasserstoff produzieren. Chile, Kolumbien und Brasilien gehören zu den Vorreitern beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft.
Die Europäische Investitionsbank (EIB) Global ist ein zentraler Partner bei Global Gateway und will bis Ende 2027 Investitionen von 100 Milliarden Euro mobilisieren. Die Global-Gateway-Strategie hat in nur vier Jahren mehr als 306 Milliarden Euro mobilisiert.
Synergieeffekte und Wertschöpfungsketten zwischen beiden Wirtschaftsräumen
Die potenziellen Synergien zwischen der EU und dem Mercosur gehen über den reinen Warenaustausch hinaus und umfassen die Entwicklung gemeinsamer Wertschöpfungsketten. Im Energiesektor bietet die Kombination aus europäischer Technologiekompetenz und südamerikanischem Ressourcenreichtum erhebliches Potenzial.
Argentiniens Vaca-Muerta-Formation könnte zur Versorgung Europas mit verflüssigtem Erdgas beitragen und damit die Abhängigkeit von russischem Gas weiter reduzieren. Das Southern Energy LNG-Projekt mit einer Kapazität von 6 Millionen Tonnen pro Jahr und die YPF-Shell-Partnerschaft mit geplanten 10 Millionen Tonnen Kapazität könnten Argentinien zu einem bedeutenden Gasexporteur machen. Die Erdgas-Importe Argentiniens sind bereits um etwa 60 Prozent zurückgegangen.
Im Bereich grüner Wasserstoff bietet Brasiliens Nordosten ideale Voraussetzungen für die Versorgung Europas. Die EU fördert dort Green Energy Parks mit dem Ziel, Abnahmeverträge zu generieren und endgültige Investitionsentscheidungen beim Klimagipfel COP 30 in Brasilien anzukündigen. Die natürlichen Bedingungen in Lateinamerika für alle erneuerbaren Energien sind hervorragend, bereits heute stammen mehr als 60 Prozent des Stroms der Region aus erneuerbaren Quellen.
Die Wertschöpfungskette für Batterien bietet besondere Kooperationspotenziale. Chile könnte über den reinen Lithiumabbau hinaus die Verarbeitung zu Kathodenmaterial übernehmen, was erhebliche Einnahmen und Arbeitsplätze schaffen würde. Die EU hat 13 strategische Rohstoffprojekte in Drittländern ausgewählt, darunter neun zu kritischen Batteriematerialien wie Grafit, Lithium, Kobalt, Nickel und Mangan.
Der Technologietransfer von Europa nach Südamerika könnte zur Modernisierung der lateinamerikanischen Industrie beitragen. Deutsche Unternehmen sind technologisch führend bei Digitalisierung, städtischer Entwicklung, Umwelt- und Klimaschutz sowie erneuerbaren Energien und Energieeffizienz. Im Gegenzug erhält Europa Zugang zu Märkten und Rohstoffen, die für seine eigene industrielle Transformation unverzichtbar sind.
Herausforderungen und Risiken der Partnerschaft
Das EU-Mercosur-Abkommen steht vor erheblichen Herausforderungen, die seine vollständige Umsetzung gefährden könnten. Die Opposition europäischer Landwirte richtet sich gegen die befürchtete Flut billiger Agrarprodukte aus Südamerika. Die Mercosur-Staaten verfügen über riesige landwirtschaftliche Flächen und geringere Produktionskosten, was ihnen einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Europäische Landwirte, die höheren Umwelt- und Sozialstandards unterliegen, könnten Schwierigkeiten haben, mit diesen Preisen zu konkurrieren.
Umweltorganisationen kritisieren die potenziellen Auswirkungen auf die Abholzung südamerikanischer Wälder. Bei einer Verbilligung von Rindfleisch durch Zollerleichterungen nimmt die Nachfrage und damit die Produktion zwangsläufig zu. Die Abholzung der südamerikanischen Wälder hat bereits ein dramatisches Ausmass erreicht, das Abkommen könnte die Zerstörung beschleunigen. Die EU-Rindfleischimporte aus Südamerika könnten laut EU-Kommission um bis zu 64 Prozent steigen.
Das Abkommen enthält Nachhaltigkeitsverpflichtungen und Bestimmungen zur Bekämpfung von Entwaldung, jedoch kritisieren Umweltschützer die mangelnde Durchsetzbarkeit. Ein Mechanismus erlaubt es Handelspartnern, Strafzölle zu verhängen, wenn Umweltauflagen in der Wahrnehmung des Partners Geschäftsinteressen schädigen. Die EU-Entwaldungsverordnung könnte brasilianische Exporteure belasten und die Handelsvorteile relativieren.
Die politische Volatilität in Südamerika stellt ein weiteres Risiko dar. Argentiniens Erfolg unter Milei hängt stark von externen Faktoren ab: Rohstoffpreise, Kapitalströme und der Wechselkurs des US-Dollars. Eine globale Abkühlung oder geopolitische Spannungen könnten die Fortschritte schnell bremsen. Die Kongresswahlen in Argentinien im Oktober 2025 gelten als Stresstest für die Milei-Regierung. Brasiliens fiskalische Lage mit einer Staatsverschuldung von fast 78 Prozent des BIP und einem Haushaltsdefizit von 8 Prozent des BIP bleibt fragil.
Perspektiven für die wirtschaftliche Kooperation bis 2030
Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Europa und Südamerika steht vor einer Dekade, die von tiefgreifenden Veränderungen geprägt sein wird. Die Transformation der globalen Energiesysteme, der zunehmende Protektionismus in anderen Wirtschaftsräumen und die Notwendigkeit der Diversifizierung von Lieferketten schaffen Rahmenbedingungen, die eine engere Partnerschaft begünstigen.
Die EU-Kommission schätzt, dass das vollständig umgesetzte Mercosur-Abkommen das Potenzial hätte, etwa 440.000 neue Arbeitsplätze in Europa zu schaffen. Die Zolleinsparungen für europäische Unternehmen von etwa vier Milliarden Euro jährlich würden die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Produkte auf den südamerikanischen Märkten erheblich steigern.
Für Südamerika bietet die Partnerschaft mit Europa eine Alternative zur wachsenden Abhängigkeit von China. Obwohl China mittlerweile zum bedeutendsten Handelspartner Brasiliens avanciert ist, beklagen lateinamerikanische Regierungen, dass Investitionen angekündigt und dann nicht realisiert werden und dass China seine Märkte für lateinamerikanische Technologieprodukte nicht öffnet. Das EU-Mercosur-Abkommen könnte als Gegengewicht dienen und die Verhandlungsposition der südamerikanischen Staaten stärken.
Die strategische Rohstoffpartnerschaft wird an Bedeutung gewinnen, da die EU bei Lithium bis 2030 eine Verzehnfachung und bis 2050 eine Verzwanzigfachung der Nachfrage erwartet. Die Mercosur-Staaten mit ihren enormen Reserven an Lithium, Kupfer, Niob und anderen kritischen Materialien sind unverzichtbare Partner für die europäische Energiewende. Der Aufbau von Verarbeitungskapazitäten vor Ort würde beiden Seiten nützen: Südamerika durch höhere Wertschöpfung, Europa durch kürzere und diversifiziertere Lieferketten.
Die Green-Hydrogen-Partnerschaften könnten zum Fundament einer nachhaltigen Energieversorgung werden. Lateinamerika mit seinen hervorragenden natürlichen Bedingungen für erneuerbare Energien könnte zum wichtigsten Lieferanten von grünem Wasserstoff und seinen Derivaten für Europa aufsteigen. Deutschland fördert den Wasserstoffhochlauf aktiv mit über 20 bilateralen Wasserstoffpartnerschaften, darunter mit Brasilien.
Die Zukunft der Partnerschaft hängt letztlich davon ab, ob es gelingt, die Interessen beider Seiten auszugleichen. Europa braucht Rohstoffe, Energie und neue Absatzmärkte. Südamerika braucht Technologie, Investitionen und Marktzugang. Das EU-Mercosur-Abkommen bietet den Rahmen für eine Zusammenarbeit, die über den klassischen Nord-Süd-Handel hinausgeht und echte Partnerschaft auf Augenhöhe ermöglichen könnte. Ob dieses Potenzial realisiert wird, entscheidet sich in den kommenden Jahren durch die konkreten Umsetzungsschritte und den politischen Willen auf beiden Seiten des Atlantiks.
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