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Die Hormuz-Krise eskaliert: Warum Schwefel jetzt der knappste Rohstoff der Welt ist

Die Hormuz-Krise eskaliert: Warum Schwefel jetzt der knappste Rohstoff der Welt ist

Die Hormuz-Krise eskaliert: Warum Schwefel jetzt der knappste Rohstoff der Welt ist – Bild: Xpert.Digital

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Dünger-Krise 2026: Warum Zentralasien jetzt zum Retter der Landwirtschaft wird

Ein Rohstoff, den die meisten bislang als bloßes Abfallprodukt der Öl- und Gasindustrie abgetan haben, hält plötzlich die globale Wirtschaft in Atem: Schwefel. Im Sommer 2026 haben geopolitische Spannungen rund um die Straße von Hormuz gepaart mit einer strukturellen Verknappung den Preis auf nie dagewesene 1.000 US-Dollar pro Tonne katapultiert. Diese beispiellose Kostenexplosion trifft nicht nur die Düngemittelindustrie mit voller Wucht und gefährdet damit die weltweite Ernährungssicherheit, sondern setzt auch Zukunftsmärkte wie die Batterie- und Metallproduktion massiv unter Druck. Wie aus einem unscheinbaren Nebenprodukt die neue Achillesferse der Weltwirtschaft wurde, warum es keine schnellen Lösungen für den Engpass gibt und wieso Lieferketten nun hastig in Richtung Zentralasien umgeleitet werden, zeigt die aktuelle Krise in all ihrer Dramatik.

Schwefel: Wenn ein Nebenprodukt die Weltwirtschaft ins Wanken bringt

Vor einem Jahr kostete eine Tonne Schwefel rund 100 US-Dollar. Im Juli 2026 hat der staatliche Ölkonzern ADNOC aus den Vereinigten Arabischen Emiraten seinen offiziellen Verkaufspreis für den indischen Subkontinent auf 1.000 US-Dollar pro Tonne FOB Ruwais angehoben. Dies ist ein Anstieg von 140 US-Dollar gegenüber dem Juni-Preis und ein historischer Höchststand, der den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2008 deutlich übertrifft, als die Notierung bei 800 bis 820 US-Dollar lag. Auch die Kuwait Petroleum Corporation (KPC) hat den eigenen Julipreis auf 950 US-Dollar FOB angehoben, ein Plus von 145 US-Dollar gegenüber dem Vormonat, während QatarEnergy von 805 auf 890 US-Dollar FOB anzog. Diese parallele Bewegung dreier großer Golfproduzenten binnen weniger Wochen zeigt, dass es sich nicht um einen Einzelfall, sondern um eine strukturelle Verschiebung im globalen Angebots- und Nachfragegleichgewicht handelt.

Warum ein Abfallprodukt zur Achillesferse der Düngemittelindustrie wird

Der zentrale ökonomische Kern des Problems liegt in der Natur des Rohstoffs selbst. Schwefel wird nicht primär abgebaut, sondern fällt als Nebenprodukt bei der Entschwefelung von Rohöl und der Aufbereitung von saurem Erdgas an. Es gibt keine Produzenten, die bei steigenden Preisen einfach mehr davon herstellen, weil die Fördermenge von der Ölraffinerie- und Gasverarbeitungskapazität abhängt und nicht von der Marktnachfrage nach Schwefel selbst. Es existieren zudem keine strategischen Reserven, wie man sie von Erdöl oder Seltenen Erden kennt, sodass Angebotsschocks ungefiltert auf die Preise durchschlagen. Diese strukturelle Unelastizität erklärt, warum ein vergleichsweise kleiner Auslöser eine so extreme Preisbewegung erzeugen kann, wie sie 2026 zu beobachten ist.

Die geopolitische Zündschnur am Golf von Hormuz

Der unmittelbare Auslöser der Krise liegt im eskalierenden Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran, der zeitweise zu militärischen Auseinandersetzungen rund um die Straße von Hormuz führte und die Schifffahrt durch diese kritische Meerenge wiederholt unterbrach. Da ein erheblicher Teil des weltweit gehandelten Schwefels aus den Golfstaaten stammt und über genau diese Route verschifft wird, führten die Spannungen zu Versicherungsaufschlägen, höheren Frachtraten und Verzögerungen bei Verladungen. Hinzu kommt, dass die US-Behörden im Juli 2026 eine zuvor gewährte Ausnahmegenehmigung für iranische Öleinfuhren widerriefen, was die regionalen Lieferketten zusätzlich unter Druck setzte. Berichte aus dem Frühjahr 2026 verweisen zudem auf einen sogenannten Hormuz-Schock, der bereits im Februar und März spürbare Verwerfungen bei Düngemittelpreisen auslöste, lange bevor die aktuellen Rekordwerte erreicht wurden.

Wie sich der Preisschock durch die Lieferkette fräst

Die Wucht der Verteuerung zeigt sich am deutlichsten bei den Frachtkosten selbst. Für eine Schiffsladung von 40.000 bis 45.000 Tonnen von Ruwais nach Indien lagen die Frachtraten zuletzt bei 105 bis 108 US-Dollar pro Tonne, wodurch sich ein Anlieferpreis von rund 1.105 bis 1.108 US-Dollar pro Tonne CIF ergibt. Für den chinesischen Markt kommen bei katarischen Lieferungen weitere 125 bis 140 US-Dollar pro Tonne Frachtkosten hinzu, sodass der Landepreis dort auf 1.015 bis 1.030 US-Dollar pro Tonne steigt. Zusätzliche Kriegsrisikoversicherungsprämien und höhere Bunkerkosten treiben die Endpreise noch weiter nach oben. Der brasilianische Markt zeigt eine ähnliche Dynamik: Dort wurde granulierter Schwefel Anfang Juli bei 1.200 US-Dollar pro Tonne CIF bewertet, verglichen mit einem Vorkriegsniveau von lediglich 525 US-Dollar im Februar.

Die Düngemittelbranche trägt die Hauptlast

Rund 88 Prozent der weltweiten Schwefelnachfrage entfallen auf die Düngemittelherstellung, insbesondere auf die Produktion von Schwefelsäure, die für die Umwandlung von Phosphaterz in Diammoniumphosphat und Monoammoniumphosphat benötigt wird. Historisch machte Schwefel etwa 30 bis 35 Prozent des Phosphatdüngerpreises aus, inzwischen liegt dieser Anteil bei über 130 Prozent. Das bedeutet, dass allein der Rohstoff mehr kostet, als das fertige Produkt am Markt erzielt. Diese Kostenverzerrung hat gravierende Folgen: Der US-Konzern Mosaic hat seine Produktionsprognose für 2026 komplett zurückgezogen und drosselt die Fertigung an den Standorten in Louisiana und Bartow (Florida), um den zusätzlichen Schwefelbedarf bei den aktuell hohen Preisen zu begrenzen. Anfang Juli 2026 kündigte das Unternehmen zudem an, die Phosphatproduktion in Brasilien schrittweise zu drosseln, wobei der Komplex Uberaba im Bundesstaat Minas Gerais ab September in eine geordnete Stilllegung übergehen soll, sobald die Schwefelsäurevorräte aufgebraucht sind.

Die Zahlen hinter der Margenkompression

Die folgende Übersicht verdeutlicht, wie dramatisch sich die Preisrelation zwischen Rohstoff und Fertigprodukt innerhalb weniger Monate verschoben hat.

Kennzahl Vorkrisenniveau (Anfang 2026) Juli 2026
ADNOC-Schwefelpreis FOB Ruwais rund 100 bis 150 US-Dollar/t 1.000 US-Dollar/t
KPC-Schwefelpreis FOB Kuwait rund 490 US-Dollar/t (Rekord 2022) 950 US-Dollar/t
Granulierter Schwefel CIF Brasilien 525 US-Dollar/t 1.200 US-Dollar/t
Phosphorsäure-Kontraktpreis Indien (P2O5 CIF) rund 1.360 US-Dollar/t 1.700 US-Dollar/t
Schwefelanteil am DAP-Preis (historisch vs. aktuell) 30 bis 35 Prozent über 130 Prozent

Diese Verschiebung erklärt, warum Produzenten wie Mosaic von einer schweren Belastung ihrer sogenannten Stripping-Margen sprechen, also der Differenz zwischen dem Verkaufspreis von Phosphatdünger und den Kosten für Schwefel und Ammoniak als Hauptinputs.

Warum kurzfristige Lösungen fehlen

Ein Markt, der so eng an die Produktionslogik anderer Industrien gekoppelt ist, kann nicht einfach durch zusätzliche Investitionen in neue Kapazitäten reagieren. Da Schwefel als Abfallprodukt der Erdöl- und Erdgasverarbeitung entsteht, würde eine Ausweitung der Fördermenge eine Ausweitung der Rohölverarbeitung oder Gasförderung voraussetzen, was wirtschaftlich unabhängig von der Schwefelnachfrage entschieden wird. Selbst wenn Raffinerien ihre Auslastung erhöhen wollten, ließe sich die zusätzliche Schwefelmenge nicht innerhalb von Wochen oder Monaten realisieren, sondern erst über Investitionszyklen, die sich über Jahre erstrecken. Hinzu kommt, dass viele Förderprojekte in abgelegenen Regionen aus technischen und ökologischen Gründen saures Gas lieber wieder in die Lagerstätte zurückpressen, statt es aufzubereiten, wenn die Schwefelpreise nicht hoch genug sind, um den logistischen Aufwand zu rechtfertigen.

Zentralasien als aufstrebender Ankerpunkt der Versorgungssicherheit

Während die Golfregion durch geopolitische Risiken belastet ist, rückt Zentralasien zunehmend in den Fokus international agierender Einkäufer. Kasachstan produzierte 2024 schätzungsweise 4,3 Millionen Tonnen Schwefel, wovon der überwiegende Teil aus den Großprojekten Tengiz und Kashagan stammt, während der Eigenverbrauch – vor allem durch die heimische Uranindustrie – bei lediglich rund 600.000 Tonnen liegt. Turkmenistan exportiert aktuell etwa eine Million Tonnen jährlich mit Aussicht auf einen Anstieg in Richtung zwei Millionen Tonnen im weiteren Verlauf des Jahrzehnts, während Usbekistan rund 300.000 Tonnen seiner Produktion von 550.000 Tonnen ins Ausland verkauft. Die gesamte GUS-Region trägt damit etwa 17 Prozent zur weltweiten Schwefelproduktion bei und stellte zuletzt rund 20 Prozent des international gehandelten Volumens.

 

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Modernste Frachtflugzeuge, optimierte Transportrouten und multimodale Logistikketten sind austauschbar – sie lassen sich kaufen, mieten oder outsourcen. Was sich nicht kaufen lässt, sind direkte Produzentenkontakte in peruanischen Minen, verlässliche Lieferbeziehungen in den GUS-Staaten und jahrelang aufgebautes Vertrauen in Märkten, die keine Fremden kennen. Der entscheidende Wettbewerbsvorteil im globalen Rohstoffhandel liegt nicht im Transport des Gutes von A nach B – sondern im Wissen, wo das Gut herkommt, wer es produziert und wie man Zugang bekommt, bevor andere überhaupt wissen, dass es diesen Markt gibt. Wer das Netzwerk besitzt, bestimmt den Preis. Alle anderen bezahlen ihn.

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Logistische Hürden als zweischneidiges Schwert

Die geografische Abgeschiedenheit zentralasiatischer Förderstätten ist gleichzeitig Fluch und Chance. Die Distanz von den Förderfeldern bis zu klassischen Exporthäfen wie Ust-Luga an der russischen Ostseeküste beträgt bis zu 3.000 Kilometer und erfordert wochenlange Bahntransporte, was Kosten und Vorlaufzeiten erhöht. Genau diese Distanz erweist sich jedoch inzwischen als strategischer Vorteil, da sie unabhängige Logistikkorridore erzwungen hat, die nicht durch die Straße von Hormuz führen. Anbieter mit Zugang zu alternativen Routen über den Hafen Baku beziehungsweise Alat am Kaspischen Meer sowie über das Schwarze Meer und georgische oder türkische Häfen positionieren sich damit als geopolitisch widerstandsfähigere Bezugsquellen für Käufer in Europa, Afrika und Asien. Kasachstan hat seine Exporte 2024 bereits um 35 Prozent auf gut vier Millionen Tonnen gesteigert, wenn auch teilweise durch einen Lagerabbau getrieben, der sich ab 2026 dem Ende zuneigt und danach wieder zu einem Niveau von rund 3,5 Millionen Tonnen jährlich zurückkehren dürfte.

Neue Nachfragequellen abseits der Landwirtschaft

Ein oft übersehener Faktor, der die strukturelle Verknappung verschärft, ist die wachsende Nachfrage aus dem Batterie- und Metallsektor. Im Jahr 2000 entfielen 98 Prozent der weltweiten Schwefelnachfrage auf Düngemittel und klassische Industrieanwendungen, während metallbezogene Verwendungen inzwischen auf einen Anteil von rund 9 Prozent gestiegen sind. Getrieben wird dies vor allem durch die Nickelverarbeitung im Hochdruck-Säureaufschluss-Verfahren in Indonesien sowie durch die Lithiumtongewinnung in den Vereinigten Staaten. Eine Nickelanlage mit einer Jahresproduktion von 60.000 Tonnen in Indonesien benötigt bereits 1,5 Millionen Tonnen Schwefelsäure, was einem Schwefelverbrauch von rund 500.000 Tonnen entspricht. Bis 2030 dürfte die indonesische Nickelindustrie insgesamt etwa 6,75 Millionen Tonnen Schwefel benötigen. Auch die Lithiumindustrie in Nevada und die chinesische Produktion von Lithium-Eisenphosphat-Batterien tragen zunehmend zu einer strukturellen Verschiebung der Nachfrage bei, die früher praktisch ausschließlich landwirtschaftlich geprägt war.

Die Reaktion der globalen Düngemittelindustrie

Die Produktionskürzungen bei Mosaic sind kein isoliertes Ereignis, sondern spiegeln ein branchenweites Muster wider. Analysten weisen darauf hin, dass die Kombination aus explodierenden Schwefelpreisen, gestörten Ammoniaklieferketten und erneut aufflammenden Spannungen am Golf von Hormuz Produzenten weltweit dazu zwingt, ihre Betriebspläne für die zweite Jahreshälfte 2026 grundlegend zu überarbeiten. Der Vorstandsvorsitzende von Mosaic bezeichnete die aktuellen Stripping-Margen bei Fertigprodukten trotz historisch hoher Verkaufspreise als unter erheblichem Druck stehend. Das zeigt, dass selbst gestiegene Düngemittelpreise die Kostenexplosion bei Rohstoffen nicht vollständig kompensieren können. Parallel dazu haben indische Importeure für das dritte Quartal 2026 einen Phosphorsäurepreis von 1.700 US-Dollar pro Tonne P2O5 CIF akzeptiert – ein Anstieg von 340 US-Dollar gegenüber dem Vorquartal, der maßgeblich auf die festen Schwefelpreise zurückgeführt wird.

Auswirkungen auf die Landwirtschaft und Ernährungssicherheit

Die Folgen dieser Kostenspirale reichen bis zu den Landwirten selbst, die höhere Preise für Phosphatdünger zahlen müssen, während gleichzeitig die Anwendungsfenster für die kommende Anbausaison näher rücken. Analysten aus der Agrarbranche warnen, dass anhaltende Schwefelknappheit die Verfügbarkeit von bezahlbarem Dünger just zu jenem Zeitpunkt einschränken könnte, an dem Landwirte auf verlässliche Lieferungen angewiesen sind. Bangladesch hat bereits im Juli 2026 eine Ausschreibung über 15.000 Tonnen Schwefel gestartet, nachdem ein früherer Versuch im April mangels akzeptabler Angebote gescheitert war – ein deutliches Zeichen für die angespannte Verfügbarkeit selbst bei kleineren Importmengen.

Die strategische Neuausrichtung der Einkäufer

Vor diesem Hintergrund vollzieht sich in der Beschaffungsstrategie großer Abnehmer ein spürbarer Wandel. Statt sich weiterhin überwiegend auf die Golfregion zu verlassen, prüfen Einkäufer verstärkt Lieferbeziehungen zu Ursprungsländern, die über eigenständige, von der Straße von Hormuz unabhängige Logistikkorridore verfügen. Zentralasien profitiert dabei von seiner Doppelrolle als bedeutender Produzent und als geografisch entkoppelter Standort, dessen Exportrouten über das Kaspische Meer, den Kaukasus und das Schwarze Meer führen und damit ein fundamental anderes Risikoprofil aufweisen als der Persische Golf. Diese Diversifizierung ist weniger eine Frage des Preises als eine Frage der Versorgungssicherheit, denn selbst Käufer, die kurzfristig höhere Kosten in Kauf nehmen müssten, priorisieren zunehmend die Verlässlichkeit der Lieferkette gegenüber dem reinen Einstandspreis.

Historische Einordnung der aktuellen Preisspitze

Ein Blick auf frühere Schwefelzyklen zeigt, dass extreme Preisausschläge in diesem Markt keine Neuheit sind, ihre heutige Intensität aber ohne historisches Vorbild ist. Der bisherige Rekord von 2008 lag bei etwa 800 bis 820 US-Dollar pro Tonne FOB und wurde durch eine globale Kombination aus hoher Ölnachfrage, begrenzten Raffineriekapazitäten und starker Düngemittelnachfrage ausgelöst. Der aktuelle Preis von 1.000 US-Dollar bei ADNOC liegt somit 180 bis 200 US-Dollar über diesem historischen Höchststand, wird jedoch von einem zusätzlichen geopolitischen Risikofaktor begleitet, der 2008 nicht in vergleichbarer Form existierte. Auch der KPC-Rekord von 950 US-Dollar liegt 460 US-Dollar über dem bisherigen Höchstwert aus dem Jahr 2022, was die Geschwindigkeit und das Ausmaß der aktuellen Preisbewegung nochmals unterstreicht.

Langfristige strukturelle Trends jenseits der akuten Krise

Auch ohne die geopolitische Zuspitzung wäre der Schwefelmarkt schon vor der aktuellen Krise auf einen Angebotsengpass zugesteuert, da das globale Wachstum der Rohölverarbeitung sich verlangsamt, während die Nachfrage aus Düngemittel-, Metall- und Batteriesektoren strukturell zunimmt. Marktanalysten hatten bereits Anfang 2026 vor einer zunehmenden Angebotsverknappung gewarnt, die durch die parallele Entwicklung der Energiewende und den Nickelboom in Indonesien getrieben wird, wodurch Schwefel von einem reinen Abfallprodukt zu einer strategisch bedeutsamen Ressource aufsteigt. Der weltweite Schwefelmarkt wird nach Branchenprognosen von rund 9,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf etwa 14,7 Milliarden US-Dollar bis 2035 wachsen, was einer jährlichen Wachstumsrate von 5,45 Prozent entspricht und die zunehmende wirtschaftliche Relevanz dieses vermeintlichen Nebenprodukts verdeutlicht.

Von Abfall zu strategischem Gut: Die neue Bedeutung von Schwefel in der Lieferkette

Die Ereignisse des Jahres 2026 zeigen exemplarisch, wie ein scheinbar unbedeutendes Nebenprodukt der Öl- und Gasindustrie zum limitierenden Faktor für die globale Ernährungssicherheit werden kann, wenn geopolitische Störungen auf eine strukturell unelastische Angebotsbasis treffen. Für Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Phosphatproduzenten über Handelshäuser bis zu Logistikdienstleistern – verschiebt sich der strategische Fokus zunehmend von der reinen Preisoptimierung hin zur Absicherung verlässlicher, geopolitisch entkoppelter Lieferketten. Regionen mit eigenständigen Exportkorridoren, die nicht von der Straße von Hormuz abhängen, dürften in den kommenden Jahren überproportional von dieser Neuausrichtung der globalen Beschaffungsstrategien profitieren.

 

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