
„Von Just in Time“ zu „Just in Space“ – Die vertikale Lagerlösung von Containern in Hochregallagern – Bild: Xpert.Digital
„Just in Space“: Der geniale Hightech-Trick der Schwerlastlogistik gegen den globalen Container-Stau
Wenn der Boden nicht mehr reicht, geht die Logistik in die Höhe – und verändert damit die Spielregeln des Welthandels
Die globale Seefracht stößt an ihre physischen Grenzen. Während Schiffe und Transportvolumina Jahr für Jahr neue Rekorde brechen – allein 2024 wurden weltweit über 931 Millionen TEU umgeschlagen –, fehlt es in den Häfen schlichtweg an Platz. Konventionelle Terminals, in denen bunte Stahlboxen mühsam auf dem Boden übereinandergestapelt und bei Bedarf permanent umgeschichtet werden müssen, entpuppen sich als ineffiziente und teure Nadelöhre des Welthandels. Doch eine Technologie, die ursprünglich aus der Stahlindustrie stammt, verspricht nun die Revolution: das vollautomatisierte Container-Hochregallager. Indem die Logistik nicht mehr in die Fläche, sondern in die Höhe wächst, lassen sich Lagerkapazitäten verdreifachen, unproduktive Kranbewegungen auf null reduzieren und Millionen bei den Grundstückskosten einsparen. Vom erfolgreichen Pilotprojekt in Dubai bis hin zum Mega-Auftrag am London Gateway zeigt sich: Der Sprung von der horizontalen in die vertikale Dimension ist längst kein technologisches Experiment mehr, sondern die dringend benötigte Antwort auf den globalen Container-Stau.
Der globale Stau und seine Ursachen
Die weltweite Containerlogistik steht vor einem fundamentalen Dilemma. Mehr als 90 Prozent des globalen Warenhandels werden über den Seeweg abgewickelt, und die Volumina steigen ungebremst. Im Jahr 2024 erreichte der weltweite Containerumschlag mit rund 931,8 Millionen TEU einen neuen Rekord, ein Plus von 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein im Mai 2024 wurden rekordverdächtige 15,94 Millionen TEU transportiert, angetrieben durch Nachholeffekte nach der Pandemie und den boomenden Onlinehandel. Gleichzeitig werden die Containerschiffe immer größer; die Flotte wuchs 2025 auf 30,8 Millionen TEU Gesamtkapazität, was einem Zuwachs von 10,8 Prozent entspricht. Die Infrastruktur an Land hält mit diesem Wachstum schlichtweg nicht mehr Schritt.
Das Problem ist physischer Natur. Häfen sind keine Fabriken, die man beliebig auf die grüne Wiese setzen kann. Sie brauchen Tiefwasserzugang, Hinterlandanbindung, multimodale Verkehrsknotenpunkte und befinden sich zwangsläufig an urbanen oder periurbanen Küstenlinien, wo Fläche ein knappes und teures Gut darstellt. Der Hafen Rotterdam erstreckt sich über 10.500 Hektar auf einer Länge von 40 Kilometern, und selbst diese gewaltige Fläche reicht kaum aus, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Shanghai, der verkehrsreichste Containerhafen der Welt mit 51,5 Millionen TEU im Jahr 2024, hat mit dem vollautomatisierten Yangshan-Terminal Phase IV bereits neue Wege beschritten, stößt aber ebenfalls an räumliche Grenzen. Die Kosten für aufgeschüttetes Hafenland bewegen sich weltweit zwischen 2.000 und 3.000 Euro pro Quadratmeter, an manchen Standorten sogar darüber. Jeder Quadratmeter zählt, und jeder Quadratmeter, der ineffizient genutzt wird, vernichtet bares Geld.
Das Stapel-Paradox der konventionellen Terminals
Wer heute einen klassischen Containerterminal betrachtet, sieht bunte Stahlboxen, die in Türmen von vier bis sechs Lagen übereinandergestapelt auf dem Boden stehen. Was auf den ersten Blick effizient wirkt, ist in Wirklichkeit ein logistisches Dauerproblem. Um an einen bestimmten Container am unteren Ende eines Stapels zu gelangen, müssen häufig bis zu sechs andere Container zunächst bewegt werden. Dieser Vorgang, in der Fachsprache als Reshuffling oder Umstapeln bezeichnet, kann bis zu 60 Prozent aller Kranbewegungen in einem Terminal ausmachen. Im Hafen von Busan beispielsweise fielen vor der Modernisierung jährlich etwa 350.000 solcher unproduktiven Containerbewegungen an. Jede einzelne davon verbraucht Energie, bindet Personal und Gerät, erzeugt Emissionen und kostet Zeit, ohne einen einzigen Cent an Wertschöpfung zu generieren.
Dieses Paradox der konventionellen Containerlagerung lässt sich auf eine einzige Grundursache zurückführen: Container werden direkt aufeinandergestapelt, und dabei entsteht keine individuelle Zuordnung zu einem festen Lagerplatz. Was unten liegt, ist gefangen. In Spitzenzeiten, wenn die Terminalauslastung hoch ist und Schiffe schnell abgefertigt werden müssen, wird das Reshuffling zum operativen Albtraum. Die Liegezeiten der Schiffe verlängern sich, die Lkw-Wendezeiten steigen und die gesamte Lieferkette gerät ins Stocken. Der Containerumschlag der 470 in der Hafendatenbank des ISL erfassten Häfen wuchs 2024 um 3,4 Prozent, doch die Produktivität in den weltweiten Häfen droht zu sinken, weil die Infrastruktur mit dem Mengenwachstum nicht mithalten kann. Die Angriffe im Roten Meer, die den Suezkanal-Verkehr 2024 um 56 Prozent reduzierten, verschärften die Situation durch unvorhersehbare Ankunftsmuster zusätzlich.
Der Paradigmenwechsel: Von der Fläche in den Raum
Die Lösung für dieses Dilemma liegt in einem Gedanken, der aus der industriellen Intralogistik längst bekannt ist, aber für die Containerlogistik einen radikalen Paradigmenwechsel darstellt: das Container-Hochregallager. Das Prinzip folgt der Idee, Container nicht mehr horizontal auf dem Boden zu stapeln, sondern vertikal in mehrstöckigen Stahlregalkonstruktionen zu lagern – vergleichbar mit einem modernen automatischen Kleinteilelager, nur eben dimensioniert für tonnenschwere Seecontainer. Jeder Container erhält einen individuell zugewiesenen Lagerplatz in einem massiven Stahlregal, das bis zu elf oder sogar 16 Ebenen hoch reichen kann. Vollautomatische Regalbediengeräte, sogenannte Stacker Cranes oder Storage and Retrieval Machines, bewegen sich schienengeführt in den schmalen Gassen zwischen den Regalreihen und können jeden einzelnen Container direkt anfahren, ohne einen einzigen anderen bewegen zu müssen.
Dieser direkte Zugriff ist der entscheidende ökonomische Hebel. Das vollständige Eliminieren des Reshufflings bedeutet nicht nur eine massive Zeitersparnis, sondern verändert die gesamte Kostenstruktur eines Terminals. Weniger Kranbewegungen bedeuten weniger Energieverbrauch, weniger Geräteverschleiß, weniger Personal und weniger Unfallrisiko. Die Lagerkapazität auf derselben Grundfläche kann sich laut Herstellerangaben mehr als verdreifachen. Ein Hochregallager-System benötigt nur einen Hektar Terminalfläche für 3.000 TEU Lagerkapazität, während ein konventionelles System mit Rubber Tyred Gantry Cranes etwa vier Hektar für dieselbe Kapazität beansprucht. Bei Landkosten von 2.000 bis 3.000 Euro pro Quadratmeter ergibt die Flächeneinsparung von drei Hektar eine Ersparnis von 60 bis 90 Millionen Euro allein bei den Grundstückskosten – ein erheblicher Anteil der Gesamtinvestition.
Die Technologie hinter dem Turm
Die technologische Basis der Container-Hochregallager stammt aus einem Bereich, den man zunächst nicht mit Hafenlogistik in Verbindung bringt: der Stahlindustrie. Das Unternehmen Amova, eine Tochter der deutschen SMS group, automatisiert seit Jahrzehnten die Lagerung von bis zu 50 Tonnen schweren Stahlcoils in Hochregallagern. Die Übertragung dieses Prinzips auf Seecontainer liegt nahe, erfordert aber erhebliche Anpassungen in Statik, Steuerungstechnik und Materialflusslogik. Die SMS group brachte diese Expertise in das Joint Venture BoxBay ein, das sie gemeinsam mit dem global tätigen Hafenbetreiber DP World gegründet hat.
Das Herzstück eines BoxBay-Systems bilden die Regalbediengeräte, die sich in den Regalgassen vertikal und horizontal bewegen. Sie docken von oben an den standardisierten Eckbeschlägen der Container an und transportieren diese präzise zum zugewiesenen Lagerplatz. Ein automatisches Fördersystem im Untergeschoss übernimmt die Übergabe an Lkw oder Shuttle-Carrier über definierte Schnittstellenpositionen. Die gesamte Anlage wird vollelektrisch betrieben, und die optionale Integration von Photovoltaik-Modulen auf der Dachfläche ermöglicht eine teilweise oder vollständige Eigenversorgung mit erneuerbarer Energie. Energierückgewinnungssysteme, ähnlich der Rekuperationstechnik bei Elektrofahrzeugen, nutzen die Bremsenergie der Regalbediengeräte und speisen sie zurück ins System.
Der österreichische Intralogistikspezialist LTW Intralogistics verfolgt einen ähnlichen Ansatz.Das Unternehmen hat Hochregallagerlösungen für Kombiterminals entwickelt, die beladene und unbeladene Sattelauflieger, Container und Wechselbehälter in bis zu zehn Ebenen übereinanderlagern können. Auf einer Grundfläche von rund 9.000 Quadratmetern entsteht so beispielsweise ein Lager für bis zu 500 beladene Sattelauflieger, was etwa der sechsfachen Kapazität einer konventionellen Stellfläche entspricht. LTW hat über 2.500 schienengeführte Regalbediengeräte in mehr als 40 Jahren realisiert und verfügt über spezifische Erfahrung mit Schwerlastanwendungen bis 18.000 Kilogramm. Die Regalbediengeräte können mit Energiespeichern auf Supercap-Basis ausgestattet werden, die bis zu einem Drittel der Energie einsparen und sogar bei kurzen Stromausfällen den Betrieb aufrechterhalten.
LTW Intralogistics Lösungen
LTW bietet seinen Kund:innen keine losen Bausteine, sondern integrierte Gesamtlösungen. Beratung, Planung, mechanische und elektrotechnische Komponenten, Steuerungs- und Leittechnik sowie Software und Service – alles ist vernetzt und präzise aufeinander abgestimmt.
Besonders vorteilhaft ist die eigene Fertigung wesentlicher Komponenten. Dadurch können Qualität, Lieferketten und Schnittstellen optimal kontrolliert werden.
LTW steht für Verlässlichkeit, Transparenz und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Loyalität und Ehrlichkeit sind fest im Unternehmensverständnis verankert – hier zählt noch ein Handschlag.
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Die Referenzprojekte: Vom Piloten zum Großauftrag
Die erste vollständige Pilotanlage eines Container-Hochregallagers ging Ende 2020 im Jebel Ali Port in Dubai in Betrieb. Die BoxBay-Testanlage mit elf Ebenen und einer Kapazität von 792 Containern hat mehr als 63.000 Containerbewegungen durchgeführt und dabei die Erwartungen übertroffen. Das System erwies sich als schneller und energieeffizienter als ursprünglich kalkuliert, mit einer Leistung von 19,3 Bewegungen pro Stunde an jedem wasserseitigen Übergabepunkt. Modifikationen während der Testphase verbesserten die Leistung weiter und reduzierten zugleich die erforderlichen Investitionen für künftige Installationen erheblich.
Der nächste Meilenstein folgte mit der Beauftragung im Hafen von Busan in Südkorea. Die Pusan Newport Corporation, eine DP-World-Tochter, integriert die BoxBay-Technologie als erstes kommerzielles Projekt in ihren bestehenden Terminalbetrieb. Besonders bemerkenswert ist hier der Retrofit-Ansatz: Das System wird in eine bestehende, zuvor als Leerfläche genutzte Zone des Terminals eingebaut, ohne den laufenden Betrieb mit automatisierten Portalkranen und Lkw-Operationen zu unterbrechen. Die Eliminierung von 350.000 unproduktiven Containerbewegungen pro Jahr soll die Lkw-Abfertigungszeit um 20 Prozent verbessern.
Der bislang größte Auftrag kam im Oktober 2025: BoxBay erhielt einen Vertrag über 91,7 Millionen Euro für ein Container-Hochregallager am London Gateway, dem drittgrößten Containerhafen Großbritanniens. Die Anlage wird mit 16 Ebenen die bislang höchste ihrer Art sein und eine Kapazität von 27.000 TEU bieten. Sie ist speziell auf Leercontainer ausgelegt – ein Segment, das BoxBay-CEO Christoph Roth als enormes Potenzial einschätzt, weil nahezu jeder Hafen weltweit mit Leercontainern zu kämpfen hat, aber kaum einer über effiziente Lösungen verfügt. Die Anlage wird über zehn Lagergassen, 15 Regalbediengeräte und 40 Schnittstellenpositionen für Lkw und Shuttle-Carrier verfügen, mit einer wasserseitigen Kapazität von über 200 Containerbewegungen pro Stunde. DP World investiert insgesamt rund 1,15 Milliarden Euro in den Ausbau von London Gateway zum größten britischen Containerhafen, und die BoxBay-Anlage ist ein zentraler Baustein dieser Strategie.
Die ökonomische Gleichung: Warum sich der Aufstieg rechnet
Die Wirtschaftlichkeit eines Container-Hochregallagers ergibt sich aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die sich gegenseitig verstärken. Auf der Investitionsseite stehen zunächst hohe Anfangskosten für die Stahlkonstruktion, die Regalbediengeräte, die Automatisierungstechnik und die Integration in bestehende Terminalabläufe. Dem stehen jedoch massive Einsparungen bei den Grundstückskosten gegenüber. Bei einer typischen Flächeneinsparung von 70 Prozent gegenüber konventionellen Systemen und Landpreisen im vierstelligen Euro-Bereich pro Quadratmeter summieren sich die Grundstücksersparnisse schnell auf zweistellige Millionenbeträge.
Die operativen Kosten sinken aus mehreren Gründen. Weniger Reshuffling bedeutet weniger Gerät im Einsatz, weniger Energieverbrauch und weniger Wartungsaufwand. Die vollständige Automatisierung reduziert den Personalbedarf und erhöht gleichzeitig die Arbeitssicherheit, weil Menschen nicht mehr in Hochrisikobereichen zwischen tonnenschweren Containerstapeln arbeiten müssen. Die Kranproduktivität steigt um bis zu 20 Prozent, weil Quayside-Krane nicht mehr auf die Reorganisation des Yards warten müssen. Der erhöhte Durchsatz auf gleicher Fläche steigert den Jahresumsatz und damit die Rentabilität des Terminals. Reedereien profitieren von kürzeren Wartezeiten und flexibleren Zeitfenstern, Lkw-Spediteure von reduzierten Wendezeiten. Die frei werdenden Flächen können für höherwertige Logistikdienstleistungen genutzt werden, etwa Konsolidierung, Kommissionierung oder Mehrwertservices, die zusätzliche Einnahmeströme generieren.
Der Marktkontext: Automatisierung als Megatrend
Container-Hochregallager sind Teil eines umfassenderen Transformationsprozesses, der die globale Hafenlogistik erfasst hat. Der Markt für automatisierte Containerterminals wurde 2025 auf rund 11,9 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2032 auf 18,1 Milliarden US-Dollar anwachsen, bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 6,1 Prozent. Andere Marktanalysen sehen ein noch dynamischeres Wachstum mit einer CAGR von 11,2 Prozent und einem Zielvolumen von 22,3 Milliarden US-Dollar bis 2033. Die Treiber sind überall dieselben: steigende Handelsvolumina, Arbeitskräftemangel, Sicherheitsanforderungen, Nachhaltigkeitsziele und der technologische Reifegrad von Künstlicher Intelligenz, IoT und Robotik, der den wirtschaftlichen Einsatz vollautomatisierter Systeme erstmals flächendeckend ermöglicht.
Singapur verfolgt mit dem Tuas-Megahafen das wohl ambitionierteste Projekt. Bis in die 2040er Jahre soll auf 1.337 Hektar aufgeschüttetem Land ein vollautomatisierter Hafen mit 65 Millionen TEU Jahreskapazität entstehen – fast das Doppelte des aktuellen Umschlags. Allein die zweite Phase kostet 1,1 Milliarden US-Dollar und umfasst die Aufschüttung von 387 Hektar neuem Land. Dieses Projekt zeigt das Ausmaß der Investitionen, die nötig sind, um in der horizontalen Logik zu wachsen, und unterstreicht damit die ökonomische Attraktivität vertikaler Alternativen, die keinen zusätzlichen Quadratmeter Neuland erfordern.
Europas Häfen unter Druck
Für europäische Häfen ist die Raumfrage besonders akut. Die Prognose für das Fahrtgebiet Europa deutet auf ein Wachstum von 3,8 Prozent beim Containerumschlag im Jahr 2025 hin, wobei nordwesteuropäische Häfen mit nur 2,9 Prozent unterdurchschnittlich abschneiden dürften. Gleichzeitig steigt der Druck auf die Terminals und die Hinterlandtransportsysteme durch zunehmende Umschlagspitzen. Hamburg, Rotterdam und Antwerpen-Brügge, die drei großen Häfen der europäischen Nordrange, verzeichneten zwar moderate Zuwächse, operieren aber in einem Umfeld, in dem Flächenerweiterungen politisch, ökologisch und städtebaulich kaum noch durchsetzbar sind.
Am Duisburger Hafen, dem weltweit größten Binnenhafen und einer zentralen Drehscheibe des kombinierten Verkehrs, zeigt sich das Flächenproblem besonders deutlich. Leercontainer stapeln sich, Freiflächen zur flexiblen Nutzung sind eine seltene Ausnahme, und die Umschlagskapazität sinkt. Das Stapelsystem Stack-X, entwickelt von duisport, TX Logistik, SGKV und dem Konstrukteur Wecon, adressiert dieses Problem mit einem befahrbaren rechteckigen Metallrahmen, der die Stapelung von Trailern und Containern mittels Reachstacker oder Portalkran ermöglicht. Die Lösung richtet sich an die spezifischen Anforderungen des kombinierten Verkehrs, bei dem Sattelauflieger besonders viel Stellfläche beanspruchen und deren Anteil im Duisburger Hafen stetig gewachsen ist.
Sicherheit, Nachhaltigkeit und digitale Transparenz
Die Vorteile der vertikalen Lagerung gehen weit über die reine Flächeneffizienz hinaus. In einem konventionellen Containerterminal gehören Unfälle mit schweren Geräten, herabfallenden Containern und Kollisionen zwischen Fahrzeugen und Fußgängern zu den permanenten Risiken. Automatisierte Hochregalsysteme eliminieren einen Großteil dieser Gefahren, weil menschliche Arbeitskräfte nicht mehr im unmittelbaren Gefahrenbereich operieren. Container werden nicht mehr wackelig übereinandergestapelt und durch manuelle Krane bewegt, sondern einzeln in festen Fächern gelagert und maschinell transportiert.
Die ökologische Bilanz fällt ebenfalls positiv aus. Vollelektrische Antriebe ersetzen dieselbetriebene Straddle Carrier und Reach Stacker. Die Option, Dach- und Wandflächen der geschlossenen Lagerhallen für Photovoltaik-Anlagen zu nutzen, ermöglicht eine teilautonome Energieversorgung. Die Verkleidung der Gebäude sorgt zudem für Lärmschutz und Lichtemissionsfreiheit, was insbesondere in hafennahen Wohngebieten ein erheblicher Vorteil ist. Energierückgewinnungssysteme bei den Regalbediengeräten sparen bis zu ein Drittel des Energieverbrauchs ein.
Auf der digitalen Ebene ermöglicht die vollständige Automatisierung eine lückenlose Echtzeitüberwachung jedes einzelnen Containers. Warehouse-Management-Systeme steuern die optimale Belegung der Regalplätze, prognostizieren Abholzeitpunkte und synchronisieren die Materialflüsse zwischen Wasser- und Landseite. Die Integration von Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen hebt die Betriebssteuerung auf ein Niveau, das mit manuellen Systemen schlicht nicht erreichbar ist.
Herausforderungen und kritische Perspektiven
Bei aller Begeisterung für die vertikale Containerlogistik wäre es naiv, die Herausforderungen auszublenden. Die Anfangsinvestitionen sind erheblich. Der BoxBay-Auftrag für London Gateway beläuft sich auf 91,7 Millionen Euro, und dabei handelt es sich ausschließlich um die Lageranlage ohne Tiefbau und Peripherie. Für viele mittlere und kleinere Häfen in Entwicklungs- und Schwellenländern sind solche Summen kaum aufzubringen, auch wenn die Betriebskosten langfristig sinken.
Die Integration in bestehende Terminalstrukturen stellt eine weitere Herausforderung dar. In Busan gelang der Retrofit-Ansatz auf einer vorhandenen Leerfläche, aber nicht jeder Hafen verfügt über geeignete Flächen innerhalb des bestehenden Layouts. Die seismische Belastbarkeit von 16-stöckigen, mit tonnenschweren Containern beladenen Stahlkonstruktionen muss in erdbebenaktiven Regionen besonders sorgfältig nachgewiesen werden. Die Abhängigkeit von vollautomatisierten Systemen wirft zudem Fragen der Cybersicherheit und der Ausfallsicherheit auf, die bei kritischer Infrastruktur wie Containerhäfen eine besondere Dimension haben.
Nicht zuletzt ist die soziale Komponente zu berücksichtigen. Die Automatisierung von Containerterminals hat in der Vergangenheit weltweit zu Arbeitskämpfen geführt. Der Übergang von personalintensiven, manuellen Operationen zu vollautomatisierten Hochregallagern wird Arbeitsplatzprofile verändern, qualifizierte IT- und Wartungsspezialisten erfordern und traditionelle Hafenarbeiterjobs verdrängen. Dieser Wandel muss sozialverträglich gestaltet werden, wenn die Technologie breite Akzeptanz finden soll.
Ein struktureller Umbruch, kein technologisches Experiment
Die vertikale Containerlagerung ist keine Zukunftsvision mehr, sondern eine kommerziell erprobte Technologie, die sich vom Pilotstadium in die industrielle Skalierung bewegt. Das fundamentale Problem der globalen Containerlogistik, nämlich steigende Volumina bei begrenzter Hafenfläche, wird sich in den kommenden Jahrzehnten verschärfen, nicht abschwächen. Die Weltcontainerflotte wuchs 2024 um mehr als zehn Prozent, und die Schiffsgrößen nehmen weiter zu, während die Hafenflächen physisch endlich sind. In diesem Spannungsfeld bietet der Schritt von der zweidimensionalen Flächenlogistik in die dritte Dimension des Raumes einen ökonomisch und ökologisch überzeugenden Lösungsansatz.
Die Frage ist nicht mehr, ob sich Container-Hochregallager durchsetzen werden, sondern wie schnell und in welchen Marktsegmenten. Die Nische der Leercontainer-Lagerung, die BoxBay mit dem Londoner Projekt adressiert, könnte dabei der Türöffner sein. Nahezu jeder Hafen der Welt hat ein Leercontainer-Problem, und die Bereitschaft, in eine bewährte Lösung zu investieren, dürfte hoch sein, wenn London Gateway die versprochene Effizienzsteigerung von 65 Prozent tatsächlich liefert. Der Übergang von der flachen Containerwüste zum vertikalen Containerturm ist kein technologisches Experiment mehr. Es ist ein struktureller Umbruch, der die Architektur der Häfen, die Ökonomie der Lieferketten und die Geografie des Welthandels in den kommenden Jahrzehnten neu definieren wird.
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Container-Hochregallager und Container-Terminals: Das logistische Zusammenspiel – Experten Beratung und Lösungen - Kreativbild: Xpert.Digital
Diese innovative Technologie verspricht, die Containerlogistik grundlegend zu verändern. Anstatt Container wie bisher horizontal zu stapeln, werden sie in mehrstöckigen Stahlregalkonstruktionen vertikal gelagert. Dies ermöglicht nicht nur eine drastische Erhöhung der Lagerkapazität auf gleicher Fläche, sondern revolutioniert auch die gesamten Abläufe im Containerterminal.
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