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US-Militäraufmarsch vor dem Iran, EU-Terrorlistung der Revolutionsgarde und weitere Sanktionen: Analyse und Folgen

US-Militäraufmarsch vor dem Iran, EU-Terrorlistung der Revolutionsgarde und weitere Sanktionen: Analyse und Folgen

US-Militäraufmarsch vor dem Iran, EU-Terrorlistung der Revolutionsgarde und weitere Sanktionen: Analyse und Folgen – Kreativbild: Xpert.Digital

Geheime Operation „Midnight Hammer“: So bereiten sich die USA militärisch auf den Ernstfall vor

Ein Pulverfass kurz vor der Explosion: Der Iran am historischen Wendepunkt

Zu Beginn des Jahres 2026 blickt die Welt mit angehaltenem Atem auf den Nahen Osten. Die Islamische Republik Iran befindet sich im Zentrum eines perfekten Sturms aus innerem Zerfall und äußerem Höchstdruck, der in seiner Intensität seit der Revolution von 1979 beispiellos ist. Was als Währungskrise und wirtschaftliche Verzweiflung begann, hat sich binnen weniger Tage zu einem blutigen Volksaufstand ausgeweitet, auf den das Regime mit unvorstellbarer Härte reagiert: Zehntausende Tote und eine brutale Repressionswelle markieren den Versuch der Führung in Teheran, den Machterhalt um jeden Preis zu sichern.

Doch anders als in früheren Krisen steht das Regime dieses Mal auch geopolitisch mit dem Rücken zur Wand. Während die traditionellen Verbündeten der “Achse des Widerstands” – von der Hamas bis zur Hisbollah – massiv geschwächt sind, formiert sich im Persischen Golf eine gewaltige militärische Drohkulisse. Die USA unter Präsident Donald Trump haben mit einer massiven Flottenpräsenz und strategischen Bombern unmissverständlich klargemacht, dass die Zeit der Geduld vorbei ist. Flankiert wird dieser militärische Aufmarsch durch einen historischen Kurswechsel Europas: Mit der Einstufung der Revolutionsgarden als Terrororganisation sendet die EU ein längst überfälliges Signal der Härte.

Die folgende Analyse beleuchtet die vielschichtigen Dimensionen dieser Eskalation – von den wirtschaftlichen Abgründen und den Massakern im Landesinneren über die militärischen Optionen Washingtons bis hin zu den möglichen Szenarien für die Zukunft einer Region, die am Rande eines großen Krieges oder eines historischen Umbruchs steht.

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Was ist die aktuelle Ausgangslage im Iran und warum eskaliert die Situation gerade jetzt?

Die Islamische Republik Iran befindet sich Anfang 2026 in der schwersten innenpolitischen und außenpolitischen Krise seit ihrer Gründung 1979. Ende Dezember 2025 brach die iranische Währung Rial binnen Tagen dramatisch ein, die Inflationsrate erreichte über 42 Prozent, und die wirtschaftliche Verzweiflung trieb zunächst Händler auf dem Großen Basar in Teheran auf die Straße. Innerhalb weniger Tage weiteten sich diese ursprünglich wirtschaftlich motivierten Proteste zu landesweiten Demonstrationen aus, die in mindestens 70 Städten das gesamte politische System in Frage stellten.

Die iranische Führung reagierte mit beispielloser Brutalität. Nach übereinstimmenden Berichten internationaler Menschenrechtsorganisationen wurden zwischen dem 8. und 10. Januar 2026 Tausende Demonstranten und unbeteiligte Zivilisten durch Sicherheitskräfte getötet. Das exiliranische Portal Iran International berichtet von über 36.000 Todesopfern, das US-Magazin TIME spricht von 30.000 Toten innerhalb von nur zwei Tagen. Human Rights Watch hat Beweise für systematische Massentötungen dokumentiert, bei denen Protestierende gezielt mit Schussverletzungen an Kopf und Oberkörper getötet wurden. Die unabhängige Menschenrechtsorganisation HRANA hat bisher über 6.100 Todesfälle verifiziert und bearbeitet weitere 17.000 Fälle.

Diese Massaker, die zu den blutigsten in der modernen iranischen Geschichte zählen, erfolgten unter weitgehender digitaler Dunkelheit: Die iranische Regierung verhängte umfassende Internet- und Telefonsperren, schloss Universitäten, Behörden und Banken angeblich wegen Kälte und Energieknappheit, tatsächlich aber zur Eindämmung der Proteste. Zehntausende wurden festgenommen, viele spurlos verschleppt, Verletzte am Zugang zu medizinischer Versorgung gehindert oder direkt in Krankenhäusern verhaftet.

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Wie sieht der US-Militäraufmarsch konkret aus und welche Ziele verfolgt Washington?

Die Vereinigten Staaten haben im Januar 2026 die massivste Militärpräsenz im Nahen Osten seit Jahrzehnten aufgebaut. Der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln mit seiner gesamten Begleitflotte, bestehend aus Lenkwaffenkreuzern und Zerstörern, ist in der Region eingetroffen. US-Außenminister Marco Rubio bestätigte, dass zwischen 30.000 und 40.000 amerikanische Soldaten auf acht bis neun Einrichtungen in der Region stationiert sind. Zusätzlich wurden mehrere B-2 Tarnkappenbomber verlegt, die bereits im Juni 2025 bei der Operation “Midnight Hammer” gegen iranische Atomanlagen zum Einsatz kamen.

US-Präsident Donald Trump spricht von einer “massiven Armada”, die größer sei als jene, die zu Venezuela entsandt wurde. Neben der USS Abraham Lincoln soll eine weitere Flugzeugträgergruppe in die Region verlegt werden. Das US-Zentralkommando (Centcom) kündigte mehrtägige Luftwaffenübungen an, und der Centcom-Kommandeur traf sich persönlich mit dem Chef der israelischen Streitkräfte zu direkten Konsultationen über mögliche koordinierte Militäroperationen.

Die militärischen Ziele dieser beispiellosen Truppenkonzentration sind vielschichtig. Nach Informationen des Wall Street Journal und von Axios prüft Trump mehrere Optionen, die von begrenzten Angriffen auf Revolutionsgarden-Einrichtungen bis zu umfassenden Schlägen gegen das iranische Atomprogramm und die ballistische Raketentechnologie reichen. Laut CNN erwägt Trump im Falle eines Militäreinsatzes einen “starken, entscheidenden Schlag”, der Teheran zwingen soll, die US-Bedingungen für ein neues Atomabkommen zu akzeptieren.

Trump selbst formulierte am 28. Januar 2026 ultimativ: “Hoffentlich wird der Iran schnell an den Verhandlungstisch kommen und einen fairen und gerechten Deal aushandeln – KEINE ATOMWAFFEN. Die Zeit läuft ab. Der nächste Angriff wird weitaus schlimmer ausfallen”. Diese Drohung bezieht sich explizit auf die Operation “Midnight Hammer” vom Juni 2025, bei der US-Streitkräfte mit “Bunkerbrecherbomben” iranische Atomanlagen schwer beschädigten.

Was bedeutet die Einstufung der Revolutionsgarde als Terrororganisation durch die EU konkret?

Am 29. Januar 2026 haben die EU-Außenminister in Brüssel einstimmig beschlossen, die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) als Terrororganisation einzustufen. Damit steht diese militärische Eliteeinheit, die direkt dem obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei unterstellt ist, auf einer Stufe mit Al-Qaida, dem Islamischen Staat (IS) und der Hamas.

Dieser Schritt ist historisch beispiellos: Erstmals stuft die Europäische Union einen zentralen Teil eines Staatsapparates als Terrororganisation ein. Die Revolutionsgarde umfasst nahezu 200.000 Kämpfer in verschiedenen Waffengattungen und ist nicht nur die militärische Hauptstütze des Regimes, sondern mit zahllosen Unternehmen auch der größte Wirtschaftsakteur des Landes. Zu ihr gehört die Basidsch-Miliz, eine paramilitärische Einheit, die zur Überwachung der Gesellschaft und Unterdrückung von Opposition eingesetzt wird und bei der brutalen Niederschlagung der jüngsten Proteste eine zentrale Rolle spielte.

Die rechtliche Grundlage für diese Listung lieferte ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf aus dem Jahr 2023, in dem festgestellt wurde, dass eine staatliche iranische Stelle einen versuchten Brandanschlag auf eine Synagoge in Bochum beauftragt hatte. Der juristische Dienst des EU-Rates bestätigte, dass dieses Urteil als Grundlage für eine EU-Terrorlistung ausreicht, da die EU-Kriterien eine Gerichtsentscheidung oder Verbotsverfügung in mindestens einem Mitgliedstaat erfordern.

Die praktischen Konsequenzen sind weitreichend: Alle Vermögenswerte der Revolutionsgarde in der EU müssen eingefroren werden. EU-Bürgern und Unternehmen ist es untersagt, der Organisation oder ihren Mitgliedern finanzielle Mittel oder wirtschaftliche Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Betroffene Personen erhalten EU-Einreiseverbote. Zudem wird die Liste von Gütern erweitert, die nicht mehr aus der EU in den Iran ausgeführt werden dürfen.

Parallel zur Terrorlistung der Revolutionsgarde beschlossen die EU-Außenminister Sanktionen gegen 31 weitere iranische Akteure, darunter Innenminister Eskandar Momeni, Generalstaatsanwalt Mohammad Movahedi-Azad und der Leiter der Sicherheitspolizei Seyed Majid Feiz Jafari. Insgesamt hat die EU mittlerweile gegen über 700 iranische Organisationen, Unternehmen und Einzelpersonen Sanktionen verhängt.

Die politische Symbolkraft dieser Entscheidung ist enorm. Bundesaußenminister Johann Wadephul bezeichnete die Revolutionsgarden als “Häscher des iranischen Regimes” mit “Blut an ihren Händen”. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas betonte: “Wer sich wie Terroristen verhält, sollte wie Terrorist behandelt werden”. Bundeskanzler Friedrich Merz nannte die Einstufung ein “klares Signal”, dass die EU an der Seite der friedlich Demonstrierenden im Iran steht.

Allerdings ist die praktische Wirkung begrenzt, da die Revolutionsgarde bereits seit über einem Jahrzehnt umfassenden EU-Sanktionen unterliegt, die Vermögenssperren und Finanzierungsverbote vorsehen. Diese wurden hauptsächlich erlassen, um die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen durch den Iran zu verhindern. Die Terrorlistung hat daher vor allem politisch-symbolischen Charakter und sendet eine unmissverständliche Botschaft der Solidarität mit der iranischen Zivilbevölkerung.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen haben die Sanktionen für den Iran?

Die iranische Wirtschaft befindet sich bereits seit Jahren in einer schweren strukturellen Krise, die durch internationale Sanktionen massiv verschärft wurde. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte von etwa 600 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010 auf geschätzte 356 bis 437 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert für 2025 lediglich 0,3 Prozent reales BIP-Wachstum bei gleichzeitig dramatischen 43,3 Prozent Inflation – ein toxischer Mix, der Kaufkraft und Investitionsbereitschaft gleichermaßen vernichtet.

Die Inflationsrate erreichte im Oktober 2025 einen Höchststand von 48,6 Prozent und lag im Dezember noch bei 42,2 Prozent. Der iranische Rial brach Ende Dezember 2025 dramatisch ein und verlor innerhalb kürzester Zeit massiv an Wert. Diese Währungskrise war der unmittelbare Auslöser der Massenproteste, da Händler ihre Preise nicht mehr kalkulieren konnten und die Bevölkerung mit galoppierenden Lebenshaltungskosten konfrontiert wurde.

Paradoxerweise exportierte der Iran im Jahr 2025 trotz internationaler Sanktionen Rekordmengen an Rohöl, hauptsächlich nach China, das zwischen 85 und 90 Prozent der iranischen Ölexporte abnimmt. Diese Lieferungen erfolgen über eine ausgeklügelte Schattenflotte und werden oft an kleine, unabhängige Raffinerien in der chinesischen Provinz Shandong geliefert, die außerhalb der großen staatlichen chinesischen Unternehmen operieren. Die Exporte hielten sich bei etwa 1,5 bis 1,7 Millionen Barrel pro Tag.

Dennoch brachen die tatsächlichen Einnahmen des iranischen Regimes aus dem Ölgeschäft dramatisch ein. Schätzungen zufolge erzielte der Iran 2025 Rohölexporte im Wert von etwa 30 Milliarden US-Dollar, behielt davon aber nur etwa 20 Milliarden US-Dollar als Gewinn. Der Grund: Ein Geflecht aus Zwischenhändlern und Käufern nutzt die prekäre Lage des Irans aus und fordert immer höhere Rabatte und Gebühren für die Abwicklung des sanktionierten Öls. Die Akteure im iranischen Ölhandel verlangen höhere Provisionen, und Käufer nutzen die Sanktionen, um das Öl mit massiven Preisnachlässen zu erwerben.

Die neuen EU-Sanktionen vom Januar 2026 verschärfen diese Situation weiter. Das Einfrieren von Vermögenswerten, Finanzierungsverbote und erweiterte Exportbeschränkungen treffen den Iran zu einem Zeitpunkt, an dem die Deviseneinnahmen bereits geschmälert sind und das Land verzweifelt auf diese angewiesen ist, um Importe zu bezahlen und die dramatisch geschwächte Währung zu stützen.

Die US-Administration unter Trump verfolgt eine Strategie des “Maximalen Drucks 2.0” und hat die Benennung wichtiger Ermöglicher iranischer Ölexporte, einschließlich Raffinerien in China und Unternehmen in Indien, der Türkei und den VAE, erheblich verstärkt. Zusätzlich hat Trump 25-prozentige Zölle für Länder eingeführt, die mit dem Iran Handel treiben.

Die wirtschaftlichen Folgen für die iranische Bevölkerung sind verheerend. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei etwa neun Prozent, dürfte aber deutlich höher sein. Die einst wohlhabende Mittelschicht ist weitgehend verarmt. Der private Konsum, der gut die Hälfte des BIP ausmacht, ist durch die galoppierende Inflation massiv unter Druck geraten. Eine Wasserkrise und dramatisch steigende Lebensmittelpreise verschärfen die humanitäre Situation.

Laut iranischer Führung sind die internationalen Sanktionen allein schuld an der Wirtschaftskrise. Die Hauptgründe für diese Sanktionen sind das Atom- und Raketenprogramm der Islamischen Republik, schwere Menschenrechtsverletzungen sowie regionale Destabilisierung und Terrorfinanzierung. Andere zentrale Ursachen der Wirtschaftskrise wie Korruption, staatliche Ineffizienz und Misswirtschaft blendet die Führung in Teheran systematisch aus.

 

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Irans Kartenhaus zerfällt: Das Ende der gefürchteten Achse des Widerstands?

Wie ist die Lage der regionalen Verbündeten des Iran?

Die sogenannte “Achse des Widerstands”, das Netzwerk iranischer Verbündeter und Stellvertretermilizen in der Region, ist dramatisch geschwächt. Dies stellt einen fundamentalen Machtverlust für Teheran dar, das jahrzehntelang durch diese “Proxies” seinen regionalen Einfluss projizierte.

Die Hamas in Gaza wurde durch den Krieg gegen Israel seit dem 7. Oktober 2023 massiv dezimiert, wenn auch nicht vollständig ausgeschaltet. Wichtige Anführer wie Ismail Hanija und Jahia Sinwar wurden getötet. Die Organisation hat ihre militärische Schlagkraft weitgehend verloren und ist nicht mehr in der Lage, dem Iran als wirksamer Stellvertreter zu dienen.

Die Hisbollah im Libanon, traditionell der mächtigste und am besten ausgerüstete Verbündete des Iran, befindet sich in einer existenziellen Krise. Im Krieg gegen Israel Ende 2024 wurde die Organisation massiv getroffen: Fast die gesamte Führungsriege, einschließlich des langjährigen Anführers Hassan Nasrallah, wurde getötet. Die Infrastruktur liegt in Trümmern, die militärischen Fähigkeiten sind stark reduziert. Der Politikwissenschaftler Mustafa Kamel as-Sayyed von der Universität Kairo konstatiert: “Die Hisbollah ist extrem geschwächt”. Maha Yahya vom Carnegie Institut in Beirut ergänzt: “Die Hisbollah muss sich aktuell neu definieren. Sie ist in einer existentiellen Krise”.

Während der aktuellen Iran-Krise hält sich die Hisbollah auffällig zurück. Zwar erklärte der neue Generalsekretär Naim Qassem, eine Attacke auf Iran könne die gesamte Region in Brand setzen und eine Tötung Khameneis wäre “eine Ermordung der Stabilität in der Region”. Doch ob die Miliz tatsächlich noch kampffähig ist oder ob diese Zurückhaltung strategisch motiviert ist, bleibt unklar.

Die jemenitischen Huthi-Rebellen zeigen sich hingegen demonstrativ kampfbereit und drohen mit neuen Angriffen auf Schiffe im Roten Meer. Sie veröffentlichten ein Video mit der Bildunterschrift “Bald” und signalisieren damit ihre Bereitschaft, dem iranischen Regime im Falle einer Eskalation zur Seite zu stehen. Während des Krieges zwischen Hamas und Israel bombardierten die Huthi über 100 Schiffe und griffen den jüdischen Staat mit ballistischen Raketen und Drohnen an.

Auch irakische Hisbollah-Brigaden meldeten sich zu Wort. Der Generalsekretär der irakischen Hisbollah-Brigaden rief in einer dramatischen Rede zu Kriegsvorbereitungen auf, um dem iranischen Regime im Falle einer Eskalation beizustehen. Kataeb-Anführer Abu Hussein al-Hamidawi versprach, ein Krieg gegen den Iran “wird kein Spaziergang” und forderte seine Anhänger auf, “das Niveau eines Selbstmordanschlags zu erreichen”.

Der Sturz des Assad-Regimes in Syrien im Jahr 2025 bedeutete einen weiteren schweren Schlag für den Iran. Syrien war ein zentraler Bestandteil der schiitischen Versorgungsachse Iran-Irak-Syrien-Libanon, über die Waffen und militärische Unterstützung zur Hisbollah transportiert wurden. Mit dem Fall Assads ist diese Landbrücke unterbrochen.

Experten sind sich einig: Die Machtprojektionsfähigkeit des Iran ist massiv eingeschränkt. Der libanesische politische Kommentator Ronnie Chatah konstatiert: “Die Reaktionsfähigkeit der Hisbollah dürfte nicht mehr die gleiche sein wie vor dem Krieg. Es gibt nicht mehr die gleiche starke Front. Und das wird den Iran in Richtung Diplomatie treiben, weil seine Möglichkeiten in der Region begrenzt sind”.

Welche diplomatischen Optionen bestehen noch und wie sind die Aussichten für Verhandlungen?

Die diplomatische Lage ist äußerst angespannt und die Verhandlungsoptionen erscheinen begrenzt. Trump fordert vom Iran ultimativ, an den Verhandlungstisch zu kommen und ein Abkommen auszuhandeln, das iranische Atomwaffen kategorisch ausschließt. Zusätzlich verlangt Washington, dass der Iran vollständig auf heimische Urananreicherung verzichtet und seine Bestände an hochangereichertem Uran an Drittstaaten übergibt. Besonders brisant: Die USA fordern auch eine Begrenzung oder gar Abschaffung des iranischen Raketenprogramms.

Genau diese letzte Forderung stellt für Teheran eine rote Linie dar. Der Iran betrachtet die Forderung nach Raketenbegrenzung als inakzeptabel, insbesondere da Israel keinerlei vergleichbaren Beschränkungen unterworfen werden soll und die israelischen Luftangriffe auf iranische Atomanlagen im Juni 2025 das Misstrauen nur vertieft haben. Irans Atomchef Mohamed Eslami wies Trumps Forderungen zurück und erklärte, der Iran habe wie die USA das Recht, eine fortgeschrittene Nukleartechnologie zu nutzen: “Wir lehnen daher die amerikanischen Forderungen nach jeglichen Beschränkungen unseres Atomprogramms ab”.

Irans Außenminister Abbas Araghtschi formulierte die Bedingungen seines Landes klar: “Diplomatie und gleichzeitig militärische Drohungen sind weder effektiv noch nützlich. Wenn die USA Verhandlungen führen wollen, müssen sie Drohungen und unlogische Forderungen beiseitelegen”. Er betonte, der Iran habe von den USA noch keinen konkreten Vorschlag für diplomatische Verhandlungen erhalten.

Trotz dieser verhärteten Fronten gibt es diplomatische Aktivitäten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan positioniert sich als Vermittler und schlug in einem Telefonat mit Trump eine direkte Telefonkonferenz zwischen Trump und dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian vor. Der türkische Außenminister Hakan Fidan reiste nach Teheran, und Irans Außenminister Araghtschi befindet sich in Istanbul, um in letzter Minute einen Krieg abzuwenden. Trump soll dem Vermittlungsvorschlag Erdogans gegenüber durchaus aufgeschlossen gewesen sein.

Interessanterweise deutete Trump selbst in einem Interview mit Axios an, dass er glaube, der Iran wolle einen Deal: “Sie wollen einen Deal machen. Das weiß ich. Sie haben mehrfach angerufen. Sie wollen reden”. Am 29. Januar 2026 erklärte Trump, er habe bereits Gespräche mit Teheran geführt und plane, weitere Gespräche zu führen, und hoffe, die entsandte Flugzeugträgergruppe nicht nutzen zu müssen.

Diese widersprüchlichen Signale deuten auf einen klassischen Verhandlungspoker hin: maximaler militärischer Druck kombiniert mit einer schmalen diplomatischen Tür. US-Außenminister Marco Rubio schätzte ein, dass die iranische Führung so schwach sei wie nie zuvor und mit einem wirtschaftlichen Kollaps kämpfe. Aus dieser geschwächten Position heraus erhofft sich Washington, dass Teheran zu substanziellen Zugeständnissen bereit ist.

Allerdings gibt es erhebliche Zweifel am Erfolg dieser Strategie. Iran-Experte Cornelius Adebahr von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik argumentiert, dass es nicht der vorherrschenden Logik in Teheran entspreche, gerade jetzt unter massivem Druck Verhandlungsbereitschaft zu zeigen. Selbst hochrangige israelische Vertreter sind skeptisch. Ein israelischer Sicherheitsexperte erklärte gegenüber Reuters: “Wenn man das Regime stürzen will, muss man Bodentruppen einsetzen. Selbst wenn die USA Khamenei töten würden, wird ein neuer Führer ihn ersetzen”.

Die im April 2025 begonnenen Gespräche zwischen USA und Iran in Oman wurden nach den israelischen Angriffen im Juni 2025 auf Eis gelegt. Damals ging es zunächst nur um verhandlungstechnische Fragen, und beide Seiten wollten einen Krieg vermeiden. Doch die aktuelle Eskalation hat diese fragilen Ansätze zunichte gemacht.

Welche Rolle spielt Europa und wie positioniert sich Deutschland?

Die Europäische Union spielt in dieser Krise eine ambivalente Rolle, die durch Zögerlichkeit und begrenzte Handlungsfähigkeit gekennzeichnet ist. Zwar hat die EU mit der Terrorlistung der Revolutionsgarde und neuen Sanktionen ein deutliches Signal gesetzt, doch die tatsächliche Einflussmöglichkeit auf die Entwicklungen vor Ort bleibt begrenzt.

Die neue EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat in einer bemerkenswerten Rede am 28. Januar 2026 die grundlegenden Veränderungen in den transatlantischen Beziehungen angesprochen. Sie erklärte, die Veränderungen seien “strukturell und nicht vorübergehend” und warnte: “Keine Großmacht in der Geschichte hat jemals ihr Überleben ausgelagert und überlebt”. Europa müsse sich an die neuen Realitäten anpassen, in denen es nicht mehr Washingtons wichtigstes Gravitationszentrum sei.

Kallas zeichnete ein düsteres Bild der Weltlage: Russland als “große Sicherheitsbedrohung”, China als “langfristige Herausforderung” und der Nahe Osten als “völlig unberechenbare” Region. Sie warnte: “Die Gefahr einer vollständigen Rückkehr zu einer Politik der Zwangsgewalt, zu Einflusssphären und zu einer Welt, in der Macht Recht schafft, ist sehr real”.

Die praktische Iran-Politik der EU bleibt jedoch hinter der Rhetorik zurück. Nach jahrelanger Diskussion und dem Widerstand vor allem Frankreichs gelang erst Ende Januar 2026 die Einstufung der Revolutionsgarde als Terrororganisation. Auch die Militärschläge Israels und der USA gegen iranische Atomanlagen im Juni 2025 haben wenig an der abwartenden Haltung in Brüssel verändert. Die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, wurde scharf kritisiert, ihre Maxime sei “Abwarten und Tee trinken”.

Bemerkenswert: Das Handelsvolumen zwischen der EU und dem Iran betrug 2024, im zweiten Jahr nach der Niederschlagung der Proteste von 2022, noch 4,3 Milliarden Euro. Deutschland ist laut EU-Statistikbehörde Eurostat größter Handelspartner der Islamischen Republik unter den 27 Mitgliedsstaaten. Die Gemeinsame Erklärung zwischen der damaligen EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini und Irans Außenminister Javad Zarif aus dem Jahr 2016 über den Aufbau kooperativer Beziehungen wurde offiziell nie aufgehoben.

Deutschland unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat eine deutlich schärfere Position bezogen. Merz erklärte Mitte Januar 2026 während eines Besuchs in Indien: “Wenn sich ein Regime nur noch mit Gewalt an der Macht halten kann, dann ist es faktisch am Ende. Ich gehe davon aus, dass wir jetzt hier auch gerade die letzten Tage und Wochen dieses Regimes sehen”. Diese Äußerungen führten dazu, dass das iranische Außenministerium den deutschen Botschafter Axel Dittmann einbestellte und Merz eine “verantwortungslose Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Iran” vorwarf.

Bundesaußenminister Johann Wadephul forderte eine Verschärfung der Sanktionen und kündigte an, dass Deutschland und die USA gemeinsam darauf hinarbeiten, dass die G7-Staaten eine gemeinsame Erklärung abgeben. Nach einem Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio in Washington betonte Wadephul, die internationale Gemeinschaft müsse klarstellen, dass sie solidarisch an der Seite des iranischen Volkes stehe.

Die Terrorlistung der Revolutionsgarde bezeichnete Merz als “klares Signal”, dass die EU an der Seite der friedlich Demonstrierenden im Iran stehe. Wadephul nannte die Listung wegen der Ereignisse im Iran “dringend notwendig” und bezeichnete die politische Führung als “Unrechtsregime”.

Der Deutsche Bundestag beriet am 16. Januar 2026 einen Antrag der Fraktion Die Linke zur “Solidarität mit den Menschen in Iran”. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, die demokratischen Bestrebungen der Zivilgesellschaft zu stärken, humanitäre Hilfe auszubauen, auf Abschiebungen in den Iran zu verzichten und Schutzprogramme für iranische Oppositionelle einzurichten.

Kritiker bemängeln jedoch, dass konkrete Maßnahmen fehlen. Merz prophezeite zwar das baldige Ende der Islamischen Republik, was er konkret dazu beitragen wolle, verriet er aber nicht. Die Europäer bleiben in dieser Krise weitgehend “zaudernde Zaungäste”, wie die Jüdische Allgemeine konstatiert.

Was sind die mittelfristigen Folgen für die regionale Stabilität im Nahen Osten?

Die Entwicklungen im Iran haben das Potenzial, die geopolitische Ordnung im gesamten Nahen Osten fundamental zu verschieben. Die Schwächung der “Achse des Widerstands” und der mögliche Zusammenbruch oder radikale Wandel des iranischen Regimes schaffen ein Machtvakuum, das sowohl Risiken als auch Chancen birgt.

Israel hat durch seine militärischen Operationen seit dem 7. Oktober 2023 maßgeblich zur Schwächung der iranischen Einflusssphäre beigetragen. Die Zerschlagung der Hamas-Führung, die massive Schwächung der Hisbollah und die Unterbrechung der schiitischen Versorgungsachse durch den Sturz des Assad-Regimes in Syrien haben die iranische Machtprojektion drastisch eingeschränkt. Die Militärschläge Israels im Juni 2025 haben zudem neue operative Räume geöffnet, etwa im syrischen Luftraum, die strategische Angriffe gegen Irans Atomprogramm ermöglichen.

Diese Schwächung des Iran liegt nicht nur im Interesse Israels, sondern auch der sunnitisch geprägten Staaten der Region, die sich durch den iranischen Expansionismus unter Druck gesetzt sahen. Saudi-Arabien, Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar dürften den Wandel mit Erleichterung registrieren. Die Golfstaaten haben begonnen, sich anderweitig nach Sicherheit umzusehen, nachdem sie erkannt haben, dass die USA als regionale Sicherheitsgarantie nicht mehr verlässlich sind.

Besonders bemerkenswert ist die Neupositionierung der VAE und Saudi-Arabiens. Nach dem israelischen Angriff auf Katar im September 2025, der gezielt die Hamas-Führung in Doha traf, überschritt Israel eine rote Linie: Wenn die USA keinen israelischen Angriff auf einen Verbündeten verhindern konnten, war ihre Rolle als regionale Sicherheitsgarantie faktisch gescheitert. Die Golfstaaten suchen nun verstärkt nach alternativen Sicherheitspartnern, wobei auch Indien eine zunehmende Rolle spielt.

Die Türkei stärkt ihre geopolitische Position massiv, nicht zuletzt durch ihre wachsende Rolle in Syrien und ihre Vermittlungsbemühungen in der Iran-Krise. Präsident Erdogan nutzt die Situation, um sich als unverzichtbarer Akteur auf der Weltbühne zu positionieren.

Für die Stabilität der Region sind mehrere Szenarien denkbar. Das optimistische Szenario, das einige Analysten vertreten, sieht in der aktuellen Krise langfristig einen Impuls für politische und gesellschaftliche Reformen. Sollte der Iran gezwungen sein, seine außenpolitischen Ambitionen zurückzunehmen, könnte sich innenpolitisch Raum für Veränderung öffnen. Eine Rückkehr zu den Reformansätzen von 2015 und eine stärkere Öffnung – auch im Hinblick auf Menschenrechte, Frauenrechte und Religionsfreiheit – wären mögliche Folgen.

Das pessimistische Szenario warnt vor Chaos und Fragmentierung. Experten befürchten eine Entwicklung wie in Syrien, mit rivalisierenden Einheiten, Provinzen und einer Aufsplitterung des Landes. Das gravierendste Risiko sei nicht der Sturz des Regimes, sondern das Chaos danach. Der 86-jährige Khamenei hat sich zwar aus der täglichen Regierungsführung zurückgezogen, behält aber die letzte Entscheidungsgewalt über Krieg, Nachfolge und Atomstrategie. Bei seinem Ausfall droht ein erbitterter Machtkampf zwischen verschiedenen Fraktionen innerhalb der Eliten.

Ein weiteres massives Risiko ist eine Flüchtlingswelle nach Europa. Der Nahost-Experte Ragıp Soylu warnte eindringlich: Sollte der Iran “explodieren”, würden 90 Millionen Menschen nicht nur in der Region und der Türkei bleiben – sie würden definitiv nach Europa migrieren. Die Türkei würde in diesem Szenario als Transitland eine Schlüsselrolle spielen, was Erdogan erhebliche Verhandlungsmacht gegenüber der EU verschaffen würde.

Die Straße von Hormus, durch die über 25 Prozent des auf dem Seeweg gehandelten Öls und rund 20 Prozent des weltweiten Handels mit verflüssigtem Erdgas (LNG) transportiert werden, stellt ein weiteres Risikopotenzial dar. Eine Sperrung durch den Iran oder iranische Stellvertretermilizen könnte nach Schätzungen von Investmentbanken wie JPMorgan den Ölpreis auf bis zu 120 Dollar pro Barrel katapultieren und die Gaspreise in Europa massiv steigen lassen.

Russland würde durch einen Wandel im Iran erheblich geschwächt. Aus Sicht des Kremls ist fast jede denkbare politische Entwicklung im Iran problematisch. Ein Führungswechsel oder System-Umbruch in Teheran würde vermutlich dazu führen, dass die Beziehungen zu Europa wieder aufgebaut werden und das Land auf die globalen Märkte zurückkehrt. Steigende iranische Öl- und Gasexporte würden die Preise drücken und Russlands Fähigkeit einschränken, Energieknappheit als Druckmittel einzusetzen. Eine Veränderung im Iran würde eine der wenigen verbleibenden strategischen Partnerschaften Russlands unter Sanktionen und Isolation untergraben.

 

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Kollaps, Reform oder Chaos: Wohin der Iran jetzt wirklich steuert

Welche langfristigen Szenarien sind für die Zukunft des Iran denkbar?

Die Zukunft des iranischen politischen Systems steht an einem historischen Wendepunkt. Mehrere grundsätzlich unterschiedliche Entwicklungspfade sind denkbar, deren Wahrscheinlichkeit von internen und externen Faktoren abhängt.

Das erste Szenario ist die Fortsetzung des Status quo mit gradueller Reform. In diesem Fall würde das Regime die aktuellen Proteste niederschlagen, wie es bereits bei den Massendemonstrationen 2009, 2019 und 2022 der Fall war, und danach begrenzte Reformen einleiten, um den Druck zu reduzieren. Die Islamische Republik hat in der Vergangenheit wiederholt bewiesen, dass sie über erhebliche Repressionsfähigkeiten verfügt. Die Revolutionsgarde, die Basidsch-Miliz und die Sicherheitspolizei bilden einen umfassenden Unterdrückungsapparat.

Allerdings sind die Bedingungen diesmal anders. Die Wirtschaftskrise ist so fundamental, dass kosmetische Reformen kaum ausreichen dürften. Die Bevölkerung, insbesondere die Jugend, glaubt kaum noch an die Reformierbarkeit des Systems. Auf den Straßen hört man Slogans wie “Tod dem Diktator” und “Islamische Republik – wollen wir nicht!”. Der anhaltende gesellschaftliche Gegendruck stellt das größte Hindernis für eine erfolgreiche Fortsetzung des Systems dar.

Das zweite Szenario ist ein geordneter Übergang innerhalb des Systems. Der oberste Führer Ajatollah Ali Khamenei, mittlerweile 86 Jahre alt, hat mit dem “Zweiten Schritt der Revolution” bereits 2019 seine Vision für die Zukunft verkündet. Im Zentrum steht ein Elitenwandel, der den Übergang von der Khamenei- zur Post-Khamenei-Ära sicherstellen soll. Khamenei strebt die Transformation der “Islamischen Republik” in einen “Islamischen Staat” an – faktisch die Abschaffung der noch verbliebenen republikanischen Merkmale des politischen Systems.

Für diesen Übergang hat das Regime systematisch neue, junge, radikale Kräfte aufgebaut, die auf die Person Khamenei eingeschworen sind. Doch zurzeit ist fraglich, ob die gewünschte Überführung in die Post-Khamenei-Ära gelingen kann. Neben möglichen Machtkämpfen innerhalb der politischen Eliten ist es vor allem der anhaltende gesellschaftliche Gegendruck, der das größte Hindernis für eine erfolgreiche Umsetzung darstellt.

Das dritte Szenario ist ein abrupter Regimewechsel, entweder durch Volksaufstand oder militärische Intervention. Iran-Expertin Azadeh Zamirirad von der Stiftung Wissenschaft und Politik erklärt: “Ein Regimechange steht zumindest im Raum”. Die Lage sei “ausgesprochen angespannt”, nicht zuletzt weil die iranische Luftabwehr durch die israelischen Angriffe faktisch außer Gefecht gesetzt worden sei.

Bundeskanzler Merz glaubt, dass das Regime kurz vor dem Zusammenbruch steht und formulierte: “Ich bin überzeugt, dass wir hier die letzten Tage und Wochen dieses Regimes erleben”. Diese Einschätzung wird allerdings nicht von allen Experten geteilt. Selbst israelische Sicherheitsquellen warnen, dass Luftschläge allein keinen Regimewechsel herbeiführen können und Bodentruppen erforderlich wären. Zudem würde selbst bei einer Tötung Khameneis einfach ein neuer Führer ihn ersetzen.

Das vierte Szenario ist Fragmentierung und Chaos. Dies ist das von vielen Beobachtern am meisten gefürchtete Szenario. Der Iran könnte sich in ein “frühes Syrien” mit rivalisierenden Einheiten und Provinzen verwandeln. Das gravierendste Risiko sei nicht der Sturz des Regimes, sondern das Chaos danach. Der Iran ist ein Vielvölkerstaat mit erheblichen ethnischen Spannungen zwischen Persern, Aserbaidschanern, Kurden, Belutschen und Arabern. Ein Zusammenbruch der Zentralgewalt könnte diese Spannungen freisetzen und zu Sezessionsbestrebungen führen.

Das fünfte Szenario ist eine demokratische Transformation. Dies ist das optimistischste Szenario, das von Teilen der iranischen Opposition und einigen westlichen Politikern erhofft wird. In diesem Fall würde nach dem Sturz des Mullah-Regimes ein demokratischer Übergangsprozess beginnen, möglicherweise unter Führung säkularer oder reformorientierter Kräfte. Eine konstitutionelle Monarchie oder eine säkulare Republik wären denkbare Staatsformen.

Allerdings gibt es erhebliche Zweifel, ob die iranische Gesellschaft nach Jahrzehnten autoritärer Herrschaft und angesichts tiefgreifender ethnischer, religiöser und sozialer Spaltungen einen friedlichen demokratischen Übergang bewältigen könnte. Es fehlen funktionierende demokratische Institutionen, Rechtsstaatlichkeit und Erfahrung mit pluralistischer Politik. Die Opposition ist zersplittert und verfügt über keine gemeinsame Führungsfigur oder kohärente politische Agenda.

Realistische Analysten rechnen damit, dass die Zukunft des Iran eine Kombination mehrerer dieser Szenarien sein wird: eine Phase anhaltender Instabilität mit graduellen Reformen, internen Machtkämpfen und möglicherweise regionaler Fragmentierung, bevor sich eine neue, stabilere Ordnung herausbildet – sei sie autoritär-reformistisch oder demokratisch.

Wie werden sich die internationalen Beziehungen und die globale Ordnung entwickeln?

Die Iran-Krise markiert einen Wendepunkt in den internationalen Beziehungen und der globalen Machtarchitektur. Sie verdeutlicht den fortschreitenden Wandel von einer unipolaren, US-dominierten Weltordnung hin zu einer multipolaren Konstellation mit komplexen regionalen Machtzentren.

Die transatlantischen Beziehungen unterliegen einem fundamentalen Wandel. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas formulierte dies unmissverständlich: Die Veränderungen sind “strukturell und nicht vorübergehend”. Europa ist nicht mehr Washingtons wichtigstes Gravitationszentrum, und diese Verschiebung begann bereits vor der aktuellen Trump-Administration. Die Gefahr einer vollständigen Rückkehr zu einer Politik der Zwangsgewalt, zu Einflusssphären und einer Welt, in der Macht Recht schafft, ist laut Kallas sehr real.

Diese Einschätzung findet Bestätigung in der konkreten Handhabung der Iran-Krise. Die USA agieren weitgehend unilateral, ohne substantielle Koordinierung mit europäischen Partnern. Washington trifft hochrangige Vertreter aus Israel und Saudi-Arabien zu Gesprächen über den Iran und plant möglicherweise militärische Optionen, ohne Europa ernsthaft einzubeziehen. Die EU beschränkt sich auf Sanktionsbeschlüsse und diplomatische Bekundungen, hat aber keinen erkennbaren Einfluss auf die tatsächliche Entwicklung.

Deutschland und die EU haben begonnen, die Konsequenzen aus dieser neuen Realität zu ziehen. Die EU hat sich das Jahr 2030 als gemeinsame Frist gesetzt, um die “volle Verteidigungsbereitschaft” zu erreichen und einen möglichen russischen Angriff auf einen EU-Mitgliedstaat abzuwehren. Mehrere milliardenschwere Initiativen wurden auf den Weg gebracht, um die Verteidigungsausgaben rasch zu erhöhen, die heimische Industrie zu fördern und die Abhängigkeit von US-Waffen zu verringern.

China spielt in der Iran-Krise eine ambivalente Rolle. Peking ist Irans wichtigster Handelspartner und primärer Energiekunde, wobei Rekordmengen an Rohöl importiert werden. Das 25-Jahres-Abkommen zwischen China und dem Iran umfasst langfristige Öl-, Gas- und Petrochemie-Investitionen von bis zu 400 Milliarden US-Dollar. China würde durch einen Zusammenbruch des Iran sowohl wirtschaftlich als auch geopolitisch verlieren, da es eine wichtige Energiequelle und einen strategischen Partner im Nahen Osten verlieren würde.

Gleichzeitig hat China kein Interesse an einem nuklear bewaffneten Iran, der die Region destabilisieren und möglicherweise andere Staaten zur Entwicklung eigener Atomwaffen motivieren könnte. Pekings Strategie ist daher durch einen zweigleisigen Ansatz charakterisiert: unmittelbare Energiesicherheit mit langfristigem geopolitischem Opportunismus in Einklang bringen.

Russland würde durch einen Wandel im Iran erheblich geschwächt. Die strategische Partnerschaft zwischen Moskau und Teheran ist eine der wenigen verbleibenden Allianzen Russlands unter internationaler Isolation. Der Iran liefert Drohnen für den Krieg in der Ukraine, und beide Länder koordinieren ihre Politik im Nahen Osten. Ein reformierter oder westlich orientierter Iran würde diese Zusammenarbeit beenden und Russlands Position sowohl im Nahen Osten als auch im Ukraine-Konflikt schwächen.

Russland hat in der ersten Januarwoche 2026 mehrere Transportflüge in den Iran durchgeführt, vermutlich um Waffen und Munition zu liefern, während größere Mengen iranischen Goldes ausgeflogen wurden. Diese Aktivitäten zeigen, dass Moskau verzweifelt versucht, das iranische Regime zu stabilisieren.

Die regionalen Machtverschiebungen im Nahen Osten sind fundamental. Die Schwächung des Iran und seiner Stellvertreter schafft Raum für sunnitische Mächte wie Saudi-Arabien, die VAE und die Türkei. Diese Staaten diversifizieren ihre Sicherheitspartnerschaften und orientieren sich zunehmend an asiatischen Mächten, insbesondere Indien. Der geplante Gipfel zwischen der EU und den Ländern des Golfkooperationsrates 2026 in Saudi-Arabien wird zeigen, welche neuen Wege der Zusammenarbeit bei Handel und Energie möglich werden.

Israel hat durch seine militärischen Erfolge nicht nur die iranische Bedrohung reduziert, sondern auch neue Realitäten geschaffen. Die faktische Ausschaltung der iranischen Luftabwehr und die Erlangung der Lufthoheit über weite Teile des Irans verschaffen Jerusalem beispiellose operative Möglichkeiten. Dies verändert das strategische Gleichgewicht im gesamten Nahen Osten fundamental.

Für die globale Ordnung bedeutet die Iran-Krise eine weitere Schwächung multilateraler Institutionen und internationaler Normen. Die Vereinten Nationen spielen in der Krise praktisch keine Rolle. Das iranische Atomprogramm, das ursprünglich durch das Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) von 2015 reguliert werden sollte, ist nach dem einseitigen US-Ausstieg 2018 unkontrolliert. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) wird vom Iran systematisch an ihrer Arbeit gehindert.

Das Jahr 2026 wird laut Analysten zum Schlüsseljahr der globalen Neuordnung, in dem sich Macht, Märkte und Allianzen neu sortieren. Die Iran-Krise ist dabei ein zentraler Katalysator. Sie zeigt exemplarisch, wie die alte, regelbasierte internationale Ordnung unter massivem Druck steht und durch eine neue, von Machtpolitik und regionalen Einflusssphären geprägte Ordnung ersetzt wird.

Die kommenden Jahre werden zeigen, ob dieser Übergang einigermaßen geordnet verläuft oder in weitreichendes Chaos mündet. Viel hängt davon ab, wie die Iran-Krise gelöst wird – oder ob sie eskaliert und einen noch größeren regionalen Konflikt auslöst. Die internationale Gemeinschaft steht vor der Herausforderung, zwischen kurzfristigen militärischen oder geopolitischen Gewinnen und langfristiger regionaler Stabilität abzuwägen.

 

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