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Gefahr für die Lieferketten: Iran schließt Straße von Hormus – 170 Containerschiffe stecken im Persischen Golf fest

Gefahr für die Lieferketten: Iran schließt Straße von Hormus – 170 Containerschiffe stecken im Persischen Golf fest

Gefahr für die Lieferketten: Iran schließt Straße von Hormus – 170 Containerschiffe stecken im Persischen Golf fest – Bild: Xpert.Digital

Eskalation im Nahen Osten: Benzin und Alltagsprodukte vor massivem Preisanstieg

Weltwirtschaft in der Krise: Die Straße von Hormus brennt – das sind die Folgen

Eine beispiellose militärische Eskalation im Nahen Osten hat zu genau dem Szenario geführt, vor dem Ökonomen und Sicherheitsexperten seit Jahrzehnten warnen: Die iranischen Revolutionsgarden haben die Straße von Hormus, das wichtigste Nadelöhr des globalen Handels, vollständig blockiert. Mehr als 200 Schiffe, darunter 170 voll beladene Containerschiffe sowie gigantische Öl- und Gastanker, stecken derzeit im Persischen Golf fest. Während große Reedereien den Verkehr aus der Region bereits abziehen, schießt der Ölpreis drastisch in die Höhe und weckt Erinnerungen an historische Preisschocks. Für die Weltwirtschaft – und insbesondere für Exportnationen wie Deutschland – drohen neben explodierenden Energie- und Spritpreisen nun auch gravierende Lieferengpässe. Die ohnehin fragile Architektur des Welthandels steht vor einer Zerreißprobe mit noch unvorhersehbaren Folgen für Verbraucher und Industrie.

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Die militärische Eskalation im Nahen Osten hat Anfang März 2026 eine Situation geschaffen, vor der Ökonomen und Sicherheitsexperten seit Jahrzehnten warnen. Nach massiven Luftangriffen der USA und Israels auf den Iran und der Tötung des Obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei haben die Iranischen Revolutionsgarden die Straße von Hormus für geschlossen erklärt. Die staatliche iranische Nachrichtenagentur Tasnim meldete, mit der Einstellung des Schiffs- und Tankerverkehrs sei die Meerenge praktisch geschlossen. Ein General der iranischen Revolutionsgarden drohte über Telegram, dass jedes Schiff, das die Straße von Hormus durchqueren wolle, verbrennen werde. Mehr als 200 Schiffe, darunter Öl- und Gastanker, lagen Schiffsdaten zufolge vor der Meerenge vor Anker.

Die Dimension dieser Krise übersteigt alles, was die globale Handelsschifffahrt in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat. Rund 170 Containerschiffe steckten im Persischen Golf fest, mit Ware aus geschätzten 450.000 Containern. Jeremy Nixon, CEO der Reederei Ocean Network Express, berichtete auf einer Branchenkonferenz in Long Beach von rund 100 blockierten Containerschiffen, was etwa zehn Prozent der globalen Containerflotte entspreche. Die Versicherungsunternehmen haben mittlerweile die Deckung für Reisen durch die Meerenge eingestellt, sodass Transportunternehmen mit massiven Risikoprämien oder einer völligen Ablehnung der Versicherung rechnen müssen.

Die strategische Bedeutung der Meerenge

Die Straße von Hormus ist eine nur etwa 55 Kilometer breite Meerenge, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und damit dem Arabischen Meer verbindet. Die Fahrrinnen sind jeweils knapp zwei Meilen breit und durch eine Pufferzone getrennt. Monatlich passieren rund 3.000 Schiffe diese Route. Die ökonomische Bedeutung dieser Wasserstraße ist kaum zu überschätzen: Täglich nehmen rund 20 Millionen Barrel Öl auf etwa 30 bis 40 großen Tankschiffen diese Route, was etwa einem Fünftel des weltweiten Bedarfs entspricht. Zudem spielt die Meerenge eine zentrale Rolle im Flüssigerdgas-Handel, denn rund ein Viertel des weltweiten LNG-Handels passiert die Straße von Hormus, darunter insbesondere Exporte aus Katar, die zur Versorgungssicherheit Europas beitragen.

80 Prozent des durch die Meerenge transportierten Öls und Gases ist für die asiatischen Märkte bestimmt. China ist mit mehr als 90 Prozent der bei weitem wichtigste Abnehmer iranischen Öls. Eine längere Sperrung der Straße von Hormus würde daher nicht nur den Westen treffen, sondern auch die iranische Wirtschaft selbst massiv schädigen und die Beziehungen Teherans zu seinen wichtigsten Handelspartnern belasten.

Reaktionen der Reedereien

Die großen Containerreedereien haben unmittelbar auf die Eskalation reagiert. Hapag-Lloyd, die fünftgrößte Containerreederei der Welt, hat sämtliche Fahrten durch die Straße von Hormus gestoppt und leitet den Verkehr um das Kap der Guten Hoffnung. CEO Rolf Habben Jansen warnte in einem Interview vor höheren Treibstoffpreisen, Risikozuschlägen und möglichen Lieferkettenstörungen. Noch seien die Netzwerke außerhalb der Region stabil, doch bei längerer Eskalation drohten Verzögerungen und steigende Verbraucherpreise.

Die dänische Reederei Maersk, der weltgrößte Containerschifffahrtskonzern, setzt bis auf Weiteres den gesamten Verkehr durch die Meerenge Bab el-Mandeb und den Suezkanal aus und stoppt auch die Durchfahrten durch die Straße von Hormus. Schiffe auf Routen zwischen dem Nahen Osten, Indien, dem Mittelmeer und der US-Ostküste werden stattdessen um das Kap der Guten Hoffnung geleitet. CMA CGM, die drittgrößte Reederei der Welt, gab an, dass 14 Schiffe im Persischen Golf und weitere sieben auf dem Weg dorthin zum Schutz angewiesen wurden.

Die Umleitung um das Kap der Guten Hoffnung bedeutet für die Containerschifffahrt zwischen Europa und Asien einen Umweg von mehreren Tausend Kilometern. Die zusätzliche Fahrtzeit beträgt je nach Route zwischen sieben und vierzehn Tagen. Das erhöht nicht nur den Treibstoffverbrauch erheblich, sondern bindet auch Schiffskapazität, die an anderer Stelle fehlt. Dieser Effekt war bereits während der Houthi-Angriffe im Roten Meer in den Jahren 2024 und 2025 zu beobachten, als die Umleitung zahlreicher Schiffe zu einem spürbaren Anstieg der Frachtraten führte.

 

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Mehr als nur teures Benzin: Wie eine Blockade unsere Lieferketten zerreißt

Ölpreis unter Schock

Die Energiemärkte reagierten unmittelbar und heftig auf die Sperrung. Der Preis der Nordseesorte Brent stieg in den ersten Handelsminuten am Montag um 14 Prozent und erreichte 82,37 US-Dollar pro Barrel, den höchsten Stand seit Januar 2025. Am Samstag nach dem Beginn der Angriffe hatten Handelsplattformen den Preis bereits bei rund 80 Dollar taxiert, nachdem Brent am Freitag noch bei 72,48 Dollar notiert hatte.

Analysten der großen Investmentbanken zeichnen ein noch düstereres Bild. Die Ölmärkte könnten mit ihren schlimmsten Befürchtungen konfrontiert werden, hieß es in einem Bericht. Brent könnte 100 US-Dollar erreichen, da der Markt mit der Gefahr einer möglichen Versorgungsunterbrechung zu kämpfen habe. Rohstoffexperten warnen, dass bei einer langen Sperrung die Preise weit über 150 Dollar pro Barrel steigen könnten, was die Inflation anheizen würde, weil alle Produkte, für deren Herstellung Öl benötigt wird, teurer würden.

Zwar existieren Umgehungspipelines, etwa nach Yanbu am Roten Meer oder zum Golf von Oman. Laut der Internationalen Energieagentur könnten diese jedoch nur rund ein Viertel der üblichen Transportmenge ersetzen. Bei einer längeren Unterbrechung droht daher ein reales Angebotsproblem und nicht nur ein spekulativer Preisschock.

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Auswirkungen auf Deutschland und Europa

Die Konsequenzen für die deutsche Wirtschaft sind vielschichtig. Deutschland bezieht sein Erdgas hauptsächlich über Pipelines aus Norwegen und Belgien sowie in Form von Flüssigerdgas aus den USA und Kanada. Die bedeutendsten Öllieferanten sind Kasachstan, Norwegen und die USA. Die unmittelbare Versorgung mit Öl und Gas ist daher nicht akut gefährdet. Dennoch bestimmen die Weltmarktpreise den Preis an der Tankstelle und auf der Heizkostenabrechnung.

Die Spritpreise in Deutschland werden steigen. Steigende Rohöl-Notierungen übersetzen sich erfahrungsgemäß innerhalb weniger Tage in höhere Preise an den Zapfsäulen. Steigende Dieselpreise verteuern zudem die Logistik, die Landwirtschaft und den Flugverkehr und damit viele Alltagsgüter. Die deutsche Chemieindustrie ist besonders exponiert, da wichtige Rohstoffe über die Straße von Hormus transportiert werden.

Neben den steigenden Energiepreisen bereiten der Wirtschaft insbesondere mögliche Störungen der Lieferketten Sorgen. Über die Golfstaaten verlaufen bedeutende Handelsströme, sowohl maritim als auch im Lufttransport. Fällt die Logistikdrehscheibe teilweise aus, könnte es zu Verspätungen oder sogar zum Ausbleiben von Waren auf Routen zwischen Europa und Asien kommen. Viele Lieferketten geraten durcheinander, und die bayerische Wirtschaft hofft, dass es sich um einen möglichst kurzfristigen Effekt handelt.

Historische Einordnung und Szenarien

Die Geschichte zeigt, dass geopolitische Ölpreisschocks häufig nur von kurzer Dauer sind. Entscheidend für die wirtschaftlichen Folgen ist die Dauer der Blockade. Bei einer kurzfristigen Eskalation steigen die Preise stark, fallen aber rasch zurück. Bei einer mehrwöchigen Unterbrechung würden die Angebotsengpässe real, und dreistellige Ölpreise wären möglich. Bei einer Ausweitung des Konflikts drohen massive Folgen für die globalen Energie- und Transportmärkte.

Der Iran hat in der Vergangenheit immer wieder mit einer Blockade der Straße von Hormus gedroht, etwa mit dem Einsatz von Seeminen. 2024 beschlagnahmten die Revolutionsgarden das unter der Flagge Portugals fahrende Containerschiff MSC Aries wegen angeblicher Verbindungen zu Israel. Doch eine tatsächliche vollständige Schließung der Meerenge ist historisch beispiellos. Während des Iran-Irak-Krieges in den 1980er Jahren kam es zwar zum sogenannten Tankerkrieg, bei dem beide Seiten Handelsschiffe angriffen, doch eine komplette Sperrung erfolgte nie.

Die aktuelle Situation ist qualitativ anders. Die Tötung des Obersten Führers hat eine völlig neue Dynamik erzeugt. Iran steht unter enormem Druck, Stärke zu demonstrieren, während gleichzeitig die eigene Wirtschaft unter der Blockade leidet. Der Iran exportiert selbst erhebliche Mengen Öl durch die Meerenge und bezieht über sie wichtige Importe. Eine längere Schließung wäre daher auch für Teheran ein zweischneidiges Schwert.

Die fragile Architektur des Welthandels

Die Krise in der Straße von Hormus offenbart einmal mehr die strukturelle Verwundbarkeit der globalisierten Wirtschaft. Der Welthandel hängt an wenigen geografischen Nadelöhren: der Straße von Hormus, dem Suezkanal, dem Panamakanal, der Straße von Malakka. Wenn auch nur einer dieser Engpässe ausfällt, pflanzen sich die Störungen wellenförmig durch die gesamte globale Lieferkette fort.

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben diese Verwundbarkeit wiederholt demonstriert: die Blockade des Suezkanals durch die Ever Given 2021, die Houthi-Angriffe im Roten Meer seit Ende 2023, die Niedrigwasserkrise im Panamakanal 2023 und 2024. Jedes Mal reagierten die Frachtraten mit sprunghaften Anstiegen, die sich mit Verzögerung in höheren Verbraucherpreisen niederschlugen.

Für Deutschland als exportorientierte Volkswirtschaft, die auf den freien Welthandel angewiesen ist, sind diese Verwundbarkeiten besonders bedrohlich. Die deutsche Industrie hat in den vergangenen Jahrzehnten ihre Lieferketten global optimiert, wobei Effizienz häufig auf Kosten der Resilienz ging. Just-in-time-Produktion funktioniert nur, solange die Lieferketten reibungslos laufen. Jede Störung erzeugt Kettenreaktionen, die sich über Wochen und Monate durch die Wirtschaft ziehen.

Die gegenwärtige Krise dürfte den bereits laufenden Trend zur Regionalisierung und Diversifizierung von Lieferketten weiter beschleunigen. Nearshoring, Friendshoring und der Aufbau strategischer Lagerbestände gewinnen an Bedeutung. Doch diese Anpassungen brauchen Zeit und kosten Geld. Kurzfristig bleibt die Weltwirtschaft den geopolitischen Risiken in den Schlüsselregionen des Welthandels ausgeliefert. Die Straße von Hormus ist dabei das empfindlichste Nadelöhr von allen, denn nirgendwo sonst fließen so viel Öl, Gas und Containerverkehr auf so engem Raum zusammen.

 

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