
Elon Musks Kartenhaus wackelt: Die 1,8-Billionen-Illusion – Warum die Blase um Tesla und SpaceX jetzt platzt – Bild: Xpert.Digital
Vom Hype zum Crash: Warum SpaceX und Tesla an der Börse dramatisch abstürzen
Mondkolonien und KI-Fantasien: Die absurden Pläne hinter dem SpaceX-Börsengang
Schulden, Rabattschlachten, leere Versprechen: Das bittere Erwachen für Elon Musk
Mondkolonien, Asteroidenbergbau und Roboter, die den Alltag revolutionieren sollen: Elon Musk hat es wie kein anderer verstanden, gigantische Visionen in astronomische Börsenwerte zu verwandeln. Doch die spektakulären Zeiten des grenzenlosen Wachstums scheinen vorerst vorbei zu sein, und die Realität holt den Tech-Milliardär mit voller Wucht ein. Nach einem historischen – und nach Expertenmeinung maßlos überbewerteten – Börsengang von SpaceX befinden sich die Aktien des Raumfahrtunternehmens im Sinkflug. Gleichzeitig schwächelt das Elektroauto-Geschäft von Tesla massiv unter Rabattschlachten, rückläufigen Margen und nicht eingelösten Technologieversprechen. Der folgende Artikel analysiert detailliert, wie aus ehrgeizigen Zukunftsprojekten eine gefährliche Spekulationsblase wurde, warum die harten betriebswirtschaftlichen Fakten von SpaceX und Tesla bei Anlegern zunehmend die Alarmglocken schrillen lassen und welche weitreichenden Konsequenzen dieser Absturz für den gesamten KI- und Tech-Sektor haben könnte.
Die Tesla-SpaceX-Blase platzt: Wenn Milliarden auf Fantasie statt auf Fakten gebaut werden
Es geht um Geld, sehr viel Geld – und um die Frage, wie lange sich Bewertungen jenseits jeder betriebswirtschaftlichen Logik noch aufrechterhalten lassen. SpaceX hatte bei seinem Börsengang 85 Milliarden US-Dollar eingenommen, doch inzwischen sind die Kurse deutlich zurückgegangen, und bis das Unternehmen tatsächlich Geld verdient, werden nach Einschätzung von Analysten noch Jahre vergehen.
Es kam, wie es kommen musste. Nach einem fulminanten Start und rasanten, überdurchschnittlichen Kursaufschlägen ist auch die Weltraumfirma SpaceX von Elon Musk auf dem Boden der Realität gelandet. Die anfänglichen Gewinne ließen sich nicht halten, die Aktie näherte sich zeitweise wieder dem Ausgabepreis des Börsengangs an. Dafür gibt es mehrere, ineinandergreifende Gründe.
Der Höhenrausch und der jähe Absturz
Bis auf 225 US-Dollar war die Aktie von SpaceX nach dem vorläufig größten Börsengang der Geschichte gestiegen, ein fulminantes Debüt, das gleichzeitig erwartbar war. Doch dann kam der Kurseinbruch auf 147 US-Dollar. Markant war der 22. Juni, an dem die Aktie an einem einzigen Tag 16 Prozent verlor. Rund 600 Milliarden US-Dollar Börsenwert wurden an diesem Tag ausradiert, und mehrere ungünstige Entwicklungen kamen gleichzeitig zusammen.
Schulden als Warnsignal für die Anleger
Den Grund für den vorläufig größten Tagesverlust von SpaceX lieferte das Unternehmen selbst. Nach den eingenommenen 85 Milliarden US-Dollar beim Börsengang gab SpaceX bekannt, Anleihen im Volumen von 25 Milliarden US-Dollar auszugeben, was inzwischen auch geschehen ist, allerdings zu anspruchsvollen Konditionen. Allein für die zehnjährigen Papiere musste SpaceX 1,4 Prozentpunkte mehr Zins bieten als für zehnjährige US-Staatsanleihen, denn Investoren lassen sich Risiken gut bezahlen. Diese Risikoprämie wird absehbar kaum günstiger werden, sollten demnächst auch noch die Zinsen in den USA steigen.
Insgesamt kommt bei SpaceX vieles zusammen: die harten Zahlen aus dem Unternehmen, die Stimmung am Markt, Emotionen und überzogene Erwartungen. Lässt man angesichts der gewichenen Börsengang-Euphorie jegliche nachträgliche Besserwisserei beiseite, lohnt sich der Blick auf die nüchternen Fakten.
Eine Bewertung ohne Bodenhaftung
SpaceX kam mit einer Bewertung von knapp 1,8 Billionen US-Dollar an die Börse. Doch wofür eigentlich? Bei rund 19 Milliarden US-Dollar Umsatz standen in der jüngsten Jahresbilanz immerhin knapp fünf Milliarden US-Dollar Verlust. Die Skepsis wächst angesichts der enormen Investitionen in Weltraumtechnik und künstliche Intelligenz sowie des schier unfassbaren Kapitalbedarfs, und diese Skepsis ist nicht unangebracht: Analysten schätzen, dass SpaceX vor 2030 keine Gewinne erwirtschaften wird.
Dabei sein wollen um jeden Preis
Viele Investoren zeichneten die Aktie dennoch, um „dabei zu sein“ und schnelle Gewinne mitzunehmen, denn es war klar, dass die am Börsengang beteiligten Banken den größten Börsengang der Geschichte nicht scheitern lassen würden. Zahlreiche Anleger verdienten am Börsengang tatsächlich gut mit, sie mussten lediglich rechtzeitig verkaufen.
Das ist grundsätzlich legitim. Problematisch wird es jedoch dadurch, dass auch viele Privatanleger beteiligt waren. Insgesamt kamen zwar kaum fünf Prozent aller SpaceX-Aktien auf den Markt, doch wenn zahlreiche Anleger gleichzeitig versuchen, ihre Gewinne mitzunehmen und ihre Anteile zu verkaufen, entsteht eine unschöne Verkaufsdynamik, die den Kurs zusätzlich unter Druck setzt.
Geduld zahlt sich bei Börsengängen aus
Nicht ohne Grund gilt die Faustregel, bei Börsengängen zunächst rund sechs Wochen abzuwarten. In dieser Zeit pendelt sich der Kurs ein, der anfängliche Hype verfliegt, die Bewertung nähert sich der Realität an, und die Erwartungen werden realistischer. Inzwischen dürften zahlreiche Investoren mit ihrem SpaceX-Investment im Minus liegen.
Zukunftsmusik ist bereits eingepreist
Es trifft zwar zu, dass an der Börse grundsätzlich die Zukunft gehandelt wird und die Vision von SpaceX groß und nachvollziehbar ist. Doch ein Großteil dieser Zukunftsmusik ist bereits in den aktuellen Bewertungen berücksichtigt, sodass zunächst kaum weiterer Spielraum nach oben besteht. Erst wenn das Unternehmen beweist, dass die Geschichte tatsächlich funktioniert, wenn Wachstum entsteht und sich Gewinne einstellen, sind weitere Kursaufschläge gerechtfertigt, vorher jedoch nicht.
Der Verkaufsdruck der Insider steht noch bevor
Gewinne sind bei SpaceX auf absehbare Zeit nicht in Sicht, was das Unternehmen aber auch schon vor dem Börsengang transparent kommuniziert hatte, sodass alle Beteiligten wussten, worauf sie sich einließen. Jetzt müssen Anleger und Investoren bestimmte Fristen im Blick behalten, denn demnächst laufen Haltefristen aus, die Altaktionären nach dem Börsengang auferlegt wurden. Das bedeutet, dass ab Mitte August weitere SpaceX-Aktien auf den Markt kommen und den Kurs zusätzlich belasten könnten.
Indexanbieter zwischen Regelbruch und Vorsicht
Bedenklich ist zudem, dass erste Indexanbieter die SpaceX-Aktie über sogenannte Fast-Entry-Regeln vorzeitig in ihre Indizes aufnehmen. MSCI tat dies bereits, die Nasdaq folgte kurz darauf mit dem Nasdaq 100, obwohl bislang eine dreimonatige Wartefrist üblich war. Im breit gestreuten MSCI World hat SpaceX nur geringes Gewicht, im Nasdaq 100 sieht das anders aus. Dennoch müssen Indexanbieter die Aktie kaufen, und das zu keineswegs günstigen Kursen, wobei die Käufe dieser großen Marktteilnehmer den Kurs zumindest zeitweise gestützt haben dürften.
Ein Anbieter macht diesen Schritt nicht mit: S&P hält weiterhin daran fest, dass Unternehmen profitabel sein müssen, um in den S&P 500 aufgenommen zu werden.
Gier, Strategie und die nächsten Kandidaten
Der Börsengang war insgesamt wieder ein Lehrstück über Gier und Strategie. Anleger haben nun die Gelegenheit, es bei den kommenden Börsengängen der KI-Unternehmen Anthropic und OpenAI, den Entwicklern der Chatbots Claude und ChatGPT, besser zu machen. Beide wollen mit einer Bewertung von jeweils rund einer Billion US-Dollar an die Börse gehen, doch auch künstliche Intelligenz ist keine Einbahnstraße nach oben. Derzeit überwiegt bei Investoren erneut die Skepsis, und selbst jene, die den Boom seit drei Jahren befeuern, fragen sich zunehmend, ob sich die enormen Investitionen jemals auszahlen werden.
Wenn aus jedem Hype die Luft entweicht
Möglicherweise dämpft das Beispiel SpaceX nun ein wenig die Börsengang-Euphorie im KI- und Technologiesektor, und etwas mehr Realitätssinn beim Blick in die Zukunft schadet gewiss nicht. Grundsätzlich lässt jede Übertreibung irgendwann wieder Luft ab, wie sich derzeit bei KI- und Technologieaktien, bei Kryptowährungen, im Rüstungssektor und bei Edelmetallen beobachten lässt.
Zwei Autofirmen erklären sich zu KI-Konzernen
Die Aktien der einstigen Elektroautofirma Tesla und der Raumfahrtfirma SpaceX verlieren inzwischen drastisch an Wert. Die ursprünglich für Elektroautos und Raumfahrt bekannten Unternehmen wurden von ihrem Vorstandsvorsitzenden Elon Musk in den vergangenen Jahren zu KI-Firmen umdeklariert, um an der allgemeinen Investitionsblase rund um künstliche Intelligenz teilzuhaben. Dabei wurde das jeweilige Kerngeschäft vernachlässigt und die Produktentwicklung vollständig den Vorstellungen Musks untergeordnet. Nun zeigen sich die Folgen dieser Strategie.
Elektroautoverkäufe ohne Profit trotz Ölkrise
Der einst weltweit führende Elektroautohersteller konnte trotz der Schließung der Straße von Hormus und weltweit steigender Benzinpreise keinen Profit mehr mit dem Verkauf seiner Elektroautos erwirtschaften. Dadurch machte sich nach der Aktionärskonferenz zum zweiten Quartal 2026 erhebliche Enttäuschung breit. Trotz des Verkaufs von 480.000 Fahrzeugen während der größten Ölkrise seit den 1970er-Jahren lagen die Profite unter den Erwartungen der Anleger, und der Aktienkurs fiel von über 380 US-Dollar auf unter 310 US-Dollar.
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Tesla und SpaceX: Warum die Milliardenbewertungen ins Wanken geraten
Rabattschlachten für veraltete Modelle
Das Unternehmen musste hohe Rabatte und Nullzinsfinanzierungen gewähren, um die inzwischen veralteten Modelle 3 und Y überhaupt noch verkaufen zu können. Dadurch und wegen zu hoher operativer Kosten verlor Tesla im betreffenden Quartal trotz hoher Verkaufszahlen über eine Milliarde US-Dollar an Cashflow. Die Luxusmodelle S und X, die zusammen mit den Modellen 3 und Y einst das Kürzel S3XY bilden sollten, wurden eingestellt. Der Cybertruck entwickelte sich zu einem historischen Flop der Automobilindustrie und wird inzwischen häufig mit dem Ford Edsel von 1958 verglichen.
Ein Katalog nicht eingehaltener Versprechen
Die dritte Version des stationären Megapack-Akkuspeichers wurde ins Jahr 2027 verschoben. Verschiebungen, wie jene des Tesla Semitrucks auf das nächste Jahr oder der Einführung eines vollständigen Full-Self-Driving-Systems für den Autopiloten, sind längst zum wiederkehrenden Ritual geworden. Der Roadster ist inzwischen zu einer beinahe mythischen Gestalt geworden. Das Robotaxi wird ohne fertigen Autopiloten in Produktion geschickt, was man vorsichtig formuliert als erhebliches Geschäftsrisiko bezeichnen muss.
Der Optimus-Roboter, inzwischen vorgeblich Kernbestandteil des Tesla-Geschäfts, ist kein kommerzielles Produkt. Ohne Fernsteuerung leistet er noch immer wenig, und auch mit Fernsteuerung nichts, was eine Massenfertigung rechtfertigen würde. Von den lange propagierten Plänen, jährlich 20 Millionen Autos zu verkaufen, ist schon länger nichts mehr zu hören.
Tesla lebt von fremden Kursgewinnen
Ein Großteil der Tesla-Profite des Quartals bestand zudem aus Kursgewinnen der SpaceX-Aktien, die sich im Besitz von Tesla befinden. Seit dem 30. Juni hat die SpaceX-Aktie jedoch drastisch an Wert verloren. Sie wurde zu einem nominellen Wert von 135 US-Dollar ausgegeben und erreichte an der Börse zunächst einen Preis von rund 160 US-Dollar. Am selben Tag stieg sie auf rund 180 US-Dollar und in den folgenden Tagen bis auf eine Spitze von rund 220 US-Dollar. Inzwischen ist sie auf rund 112 US-Dollar gefallen und fällt weiter.
Ein technologisches Prestigeprojekt ohne Nutzlast
Das Starship entwickelt sich zu einem zunehmend problematischen Aspekt im Geschäft von SpaceX, nicht zuletzt weil schon der einfache Abbruch eines Teststarts am 16. Juli einen spürbaren Kursverfall auslöste. Der Entwicklungsaufwand ist gigantisch. Anfang Juli wurde bekannt, dass SpaceX das 1.000. Merlin-1D-Triebwerk für die erste Stufe der Falcon-9-Raketen fertiggestellt hat. Damit wurden über 100 erste Stufen für Falcon 9 und Falcon Heavy gebaut, die inzwischen 675 Missionen mit weiteren 675 Merlin-Vakuum-Triebwerken durchgeführt haben.
Bei der Vorstellung des Raptor-3-Triebwerks trug das letzte Raptor-2-Triebwerk die Seriennummer 569. Vom Raptor 1 wurden über 50 Triebwerke gefertigt, und die Seriennummern des Raptor 3 nähern sich mittlerweile der 200. Mit insgesamt über 800 gebauten Triebwerken wurde bislang keine einzige Nutzlast in den Orbit gebracht, obwohl diese Triebwerke mit ihrer höheren Effizienz und dem dreifachen Schub pro Flug theoretisch fast die vierfache Nutzlast transportieren könnten. Hätte SpaceX stattdessen eine teilweise wiederverwendbare Rakete wie die Falcon 9 mit Raptor-Triebwerken weiterentwickelt, wären längst Hunderte Flüge mit 70 bis 100 Tonnen Nutzlast realisierbar gewesen.
Der bevorstehende Verkaufsdruck der Belegschaft
Ab dem 6. August dürfen Mitarbeiter von SpaceX erste Aktienpakete am Markt verkaufen. Es ist zu erwarten, dass das dadurch entstehende Angebot die Nachfrage übersteigt und die Aktienkurse weiter unter Druck setzt. Kein Wunder also, dass immer vehementer eine Fusion von Tesla und SpaceX gefordert wird, solange die nach objektiven Kriterien grotesk überbewertete SpaceX-Aktie noch nennenswerte Preise erzielt.
Ein Preis nach Gutsherrenart
Der Ausgabepreis der SpaceX-Aktie wurde, was unüblich ist, von Elon Musk selbst festgesetzt. Normalerweise ermitteln die am Börsengang beteiligten Banken den Preis. Diese verdienen ihr Geld jedoch über einen geringen Prozentsatz am Verkaufspreis der platzierten Aktien. Sie sind damit befangen und entsprechend geneigt, einer überhöhten Bewertung zuzustimmen, was bei den veranschlagten 1,8 Billionen US-Dollar offenkundig der Fall war.
Eine Bewertung, die jeder Kennzahl widerspricht
Dieser Wert wurde offenbar so gewählt, dass Elon Musk über seine gehaltenen Unternehmensanteile für kurze Zeit auf dem Papier zum ersten Billionär der Welt wurde. Er entsprach zudem dem Hundertfachen der rund 18 Milliarden US-Dollar Umsatz von SpaceX bei gleichzeitig etwa 5 Milliarden US-Dollar Verlust. Üblicherweise werden Aktien nach ihrem Kurs-Gewinn-Verhältnis bewertet, wobei ein Verhältnis von über 20 bereits auf eine deutliche Überbewertung hindeutet. Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 100 bei gleichzeitig hohen Verlusten von rund 25 Prozent des Umsatzes spottet dagegen jeder Beschreibung.
Üblicherweise werden Aktien zudem erst nach einem Jahr Handelsgeschichte und einem Jahr nachgewiesener Profitabilität in Aktienindizes aufgenommen. Die Nasdaq machte für SpaceX jedoch eine Ausnahme, setzte die Aktie bereits nach zwei Wochen und trotz erheblicher Verluste auf den Index und erzwang damit ihren Kauf durch sämtliche Indexfonds, die dem Kurs aller Nasdaq-Aktien folgen. Der Kurs der SpaceX-Aktie sank dennoch weiter.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, wie SpaceX heute sein Geld verdient, sondern womit das Unternehmen künftig seinen Börsenwert rechtfertigen will. Der Börsenprospekt liefert dazu einige aufschlussreiche Antworten.
Geschäftspläne zwischen Mondkolonie und Cyberpunk
Die aktuelle Wachstumsstrategie von SpaceX umfasst laut Prospekt neben dem Ausbau der Nutzlastkapazität in der Raumfahrt und des Starlink-Netzwerks vor allem den Aufbau einer sogenannten Mondökonomie mit Frachttransport, Energieversorgung und industrieller Fertigung auf dem Mond. Geplant ist zudem die weitere Monetarisierung von künstlicher Intelligenz und der ehemaligen Twitter-Plattform X sowie der Ausbau der irdischen KI-Infrastruktur und der eigenen Chipfertigung. Geschäftswachstum soll außerdem durch orbitale KI und sogenannte digitale menschliche Erweiterung gesichert werden, ein Konzept, das auch die von Musk gegründete Firma Neuralink verfolgt und Lesern von Cyberpunk-Romanen durchaus bekannt vorkommen dürfte.
Dabei handelt es sich lediglich um jene Geschäftsbereiche, in denen SpaceX kurzfristiges Wachstum erzielen will. Um die aktuelle Börsenbewertung überhaupt zu rechtfertigen, wäre darüber hinaus erhebliches Wachstum in reinen Zukunftsmärkten notwendig.
Wenn Weltraumtourismus zur Kernstrategie wird
Zu den Zukunftsmärkten von SpaceX zählt der terrestrische Punkt-zu-Punkt-Transport, also Passagierflüge mit dem Starship, das bislang bei fast der Hälfte aller Testflüge explodierte. Hinzu kommen Weltraumtourismus und industrielle Fertigung im Orbit, womit vermutlich zunächst der Erdorbit gemeint ist.
Die Liste setzt sich fort mit Passagier- und Frachttransport sowie Energieerzeugung und, erneut, industrieller Fertigung auf Mond und Mars. Dies stellt inhaltlich eine Wiederholung dar, und es bleibt unklar, warum hier nicht schlicht von der Ausweitung der Wachstumsstrategie auf den Mars gesprochen wird. Hinzu kommt schließlich noch der Asteroidenbergbau.
Astronomische Marktschätzungen als Rechtfertigung
SpaceX beziffert die weltweit möglichen Umsätze für Raumfahrt und Raumtransport auf 370 Milliarden US-Dollar. Starlink soll demnach jährlich einen Markt von 670 Milliarden US-Dollar adressieren, ein weiterer Markt von 740 Milliarden US-Dollar wird im Mobilfunk verortet, und weitere 200 Milliarden US-Dollar sollen aus Geschäfts- und Regierungsaufträgen stammen. Hinzu kommt ein angeblicher Marktumfang von 26.500 Milliarden US-Dollar im Bereich künstliche Intelligenz.
Raumfahrt ist damit in der Selbstbeschreibung des SpaceX-Geschäfts ein ähnlich vernachlässigbarer Nebenaspekt geworden wie das Autogeschäft bei Tesla. Dabei wird im Prospekt nicht einmal auf das eingangs formulierte Ziel eingegangen, das Licht des Bewusstseins zu den Sternen zu erweitern.
Ein Viertel der Weltwirtschaft als Zielmarke
Der Gesamtmarkt, den SpaceX bedienen möchte, entspricht heute rund einem Viertel des weltweiten Bruttoinlandsprodukts. Über die Außenhandelsbeziehungen der Erde mit dem Mond, dem Mars oder etwaigen Kolonien im Asteroidengürtel sowie deren wirtschaftliche Lage liegen naturgemäß keine belastbaren Zahlen vor. Auch die relevante Frage möglicher Zölle im Handel mit der Erdprovinz USA, in der sich der Firmensitz von SpaceX befindet, bleibt unbeantwortet.
Die Bewertung von Tesla und SpaceX beruht längst nicht mehr auf dem Verkauf von Elektroautos oder auf klassischer Raumfahrt, sondern auf Erwartungen an künstliche Intelligenz und Zukunftsmärkte, von denen bislang deutlich mehr in Science-Fiction-Romanen als in Wirtschaftsmagazinen zu lesen war, ohne dass sich die tatsächliche Realität seither in vergleichbarem Ausmaß verändert hätte. Genau diese Differenz zwischen den Erwartungen der Unternehmensführung und der objektiven wirtschaftlichen Realität scheint sich nun zunehmend in den fallenden Aktienkursen niederzuschlagen.
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