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Billig, sauber, sicher? Die vier großen Mythen der deutschen Energiewende im Faktencheck

Billig, sauber, sicher? Die vier großen Mythen der deutschen Energiewende im Faktencheck

Billig, sauber, sicher? Die vier großen Mythen der deutschen Energiewende im Faktencheck – Bild: Xpert.Digital

Das Milliarden-Großexperiment: Warum die deutsche Energiewende an der Realität zerschellt

Strompreis-Illusion: Warum Wind und Sonne günstig sind – und wir trotzdem draufzahlen

Seit fast einem Vierteljahrhundert wird den Deutschen die Energiewende in einer vertrauten Tonlage verkauft: Sie sei sauber, mache unabhängig, senke die Kosten und die Versorgung bleibe ohnehin sicher. Doch hält dieses historische Großexperiment – der komplette Umbau eines hoch industrialisierten Landes auf wetterabhängige Energien – der physikalischen und ökonomischen Realität stand? Eine schonungslose Analyse abseits ideologischer Grabenkämpfe zeigt ein völlig anderes Bild. Von explodierenden Netzkosten und verdeckten Strompreistreibern über die neue, gefährliche Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten bis hin zur großen Illusion rund um Batteriespeicher: Die Diskrepanz zwischen politischem Wunschdenken und harten Daten war nie größer. Dieser Artikel zieht Bilanz und offenbart, warum das eigentliche Problem der Energiewende nicht ihre hehren Ziele sind, sondern ihr fundamental fehlerhaftes Design. Ein unverzichtbarer Faktencheck für alle, die verstehen wollen, wer die Zeche für das Energiesystem der Zukunft wirklich zahlt.

Warum die schönsten Sätze über saubere, billige und sichere Energie seit 25 Jahren an der Physik, der Betriebswirtschaft und der Geopolitik scheitern

Seit der Verabschiedung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000 wird die deutsche Energiewende in einer sehr spezifischen Tonlage kommuniziert. Sie ist sauber, sie macht unabhängig, sie wird billiger, und die Versorgung sei ohnehin gesichert. Diese vier Sätze sind über ein Vierteljahrhundert hinweg das rhetorische Grundgerüst einer Transformation, die in ihrer Dimension historisch einzigartig ist: Ein hoch entwickeltes Industrieland mit einem Primärenergieverbrauch von rund 3.200 Terawattstunden und einer exportorientierten Wertschöpfungsstruktur stellt sein komplettes Energiesystem auf wetterabhängige Erzeugung um. Das ist kein politisches Detail, sondern ein makroökonomisches Großexperiment mit Wirkung auf Wettbewerbsfähigkeit, Verteilung, Staatsfinanzen und Außenhandelsbilanz.

Die ökonomische Redlichkeit gebietet, zwischen drei Kategorien zu unterscheiden: Aussagen, die der empirischen Prüfung standhalten; Aussagen, die in einzelnen Teilsegmenten zutreffen, aber im systemischen Kontext irreführend verdichtet werden; und Aussagen, die schlicht falsch oder durch die Datenlage längst widerlegt sind. Genau diese Differenzierung fehlt in der öffentlichen Debatte regelmäßig. Sie wird in dieser Analyse konsequent durchgezogen, ohne ideologischen Rabatt nach links oder rechts.

Der Preis der guten Absichten: Was Strom in Deutschland wirklich kostet

Die These, die Energiewende mache Strom billiger, ist in ihrer absoluten Form nicht haltbar, in ihrer relativen Form aber auch nicht einfach Unsinn. Die Wahrheit liegt in einer Preisspreizung, die in der öffentlichen Debatte systematisch verwischt wird. Auf den Großhandelsmärkten erzeugen Wind- und Photovoltaikanlagen zu Grenzkosten nahe null, wodurch in Stunden hoher erneuerbarer Einspeisung tatsächlich sehr niedrige oder sogar negative Spotmarktpreise entstehen. Dieses Phänomen ist real. Daraus abzuleiten, der Endkundenpreis werde sinken, ist allerdings ein Kategorienfehler, weil der Endkundenpreis nicht aus dem Spotmarkt besteht, sondern aus Beschaffung, Netzentgelten, Umlagen, Konzessionsabgaben, Steuern und Vertriebsmargen.

Die nüchternen Zahlen zeigen eine differenzierte Lage. Der deutsche Haushaltsstrompreis liegt im ersten Quartal 2025 laut internationaler Preisanalyse bei rund 38 Cent je Kilowattstunde und damit auf Platz fünf der teuersten Länder weltweit. Für die mittelständische Industrie weist SMARD für den Januar 2025 einen Preis von knapp 18 Cent je Kilowattstunde aus, für privilegierte Großverbraucher liegt er bei gut 11 Cent. Die vom BDEW für 2025 erhobenen Werte für die mittelgroße Industrie pendeln um 15,9 Cent, für die große Industrie um 14,4 Cent. Die im Ursprungstext genannte Spanne von 30 bis 40 Cent ist also für Haushalte zutreffend, für die Industrie jedoch zu hoch angesetzt. Der politisch relevante Vergleichspunkt bleibt trotzdem dramatisch: Chinesische Industriebetriebe zahlen je nach Provinz zwischen 7 und 10 Cent, US-amerikanische Industrieverbraucher in energieintensiven Bundesstaaten häufig zwischen 6 und 9 Cent, französische Unternehmen bewegen sich im Korridor zwischen 12 und 20 Cent. Der deutsche Industriestandort operiert damit strukturell im obersten Preisquartil des OECD-Raums.

Aus dieser Preisarchitektur folgt eine betriebswirtschaftliche Logik, die jeder Controller in einem energieintensiven Betrieb sofort versteht. Wenn Strom im langfristigen Mittel 30 bis 70 Prozent teurer ist als im Wettbewerb, müssen höhere Produktivitäten, bessere Produkte, Subventionen oder ein freundliches Regulierungsumfeld diesen Nachteil kompensieren. Keine dieser Bedingungen ist in Deutschland gegenwärtig komfortabel erfüllt. Die Folgen sind in den Umfragen der Deutschen Industrie- und Handelskammer, des VDMA und der Stiftung Familienunternehmen dokumentiert: Ein substanzieller Anteil der Unternehmen prüft Verlagerungen, Drosselungen oder den Verkauf an strategische oder finanzielle Investoren. Die konkreten Prozentwerte schwanken je nach Erhebung und Frageformulierung, das Grundmuster ist aber robust: Der Energiepreis ist vom peripheren Standortfaktor zum zentralen unternehmerischen Risiko avanciert.

Zwischen Kohleknick und CO₂-Persistenz: Die unbequeme Klimabilanz

Die These, die Energiewende mache das Stromsystem sauberer, ist in ihrer Grundrichtung empirisch korrekt. Der CO₂-Ausstoß der deutschen Stromerzeugung ist seit 1990 deutlich gesunken, die spezifische Emissionsintensität je erzeugter Kilowattstunde hat sich annähernd halbiert, und 2024 wurde erstmals mehr als die Hälfte des Bruttostromverbrauchs aus Wind, Sonne, Biomasse und Wasserkraft gedeckt. Eine Darstellung, die pauschal behauptet, Deutschland sei trotz des Ausbaus eines der schmutzigsten Stromsysteme Europas, verzerrt diese Realität.

Nuanciert und wahr bleibt jedoch Folgendes: Im innereuropäischen Vergleich rangiert Deutschland bei der CO₂-Intensität der Stromerzeugung weiterhin hinter Frankreich, Schweden, der Schweiz, Norwegen und Finnland, also hinter jenen Ländern, die überwiegend auf Kernenergie und Wasserkraft setzen. Ein französischer Strommix emittiert je Kilowattstunde häufig weniger als ein Zehntel dessen, was ein durchschnittlicher deutscher Mix verursacht. Auch gegenüber Spanien und Großbritannien ist Deutschland in vielen Messzeiträumen schlechter positioniert. Der Grund ist keine Schwäche der Erneuerbaren, sondern die politisch herbeigeführte Ausstiegsreihenfolge: Die Kernkraftwerke wurden vor den Kohlekraftwerken abgeschaltet, was die residuale Fossilintensität in Stunden niedriger Wind- und Sonneneinspeisung erhöht. Ökonomisch ausgedrückt hat Deutschland eine CO₂-arme Regelenergiequelle durch eine CO₂-reiche Regelenergiequelle ersetzt und diesen Effekt nur teilweise durch zusätzlichen Zubau kompensiert. Das Ergebnis ist eine Dekarbonisierungskurve, die realer, aber flacher verläuft, als die offizielle Erzählung suggeriert.

Die verschobene Abhängigkeit: Von russischem Gas zu chinesischer Wertschöpfung

Die Behauptung, Deutschland werde durch die Energiewende energiepolitisch unabhängig, gehört zu jenen Sätzen, die in der Theorie konsistent klingen und in der Praxis an der realen Struktur globaler Lieferketten zerschellen. Wahr ist: Wer keine importierte Kohle, kein importiertes Erdgas und kein importiertes Uran mehr verbraucht, reduziert die klassische energetische Importabhängigkeit. Ebenso wahr ist: Ein Wind- oder Solarpark, einmal gebaut, produziert unabhängig von geopolitischen Stimmungen. Dieser Befund ist kein Marketing, sondern Physik.

Unwahr ist hingegen die Vorstellung, damit sei die Abhängigkeit verschwunden. Sie wurde schlicht verschoben und umgeformt. Die industrielle Wertschöpfungskette hinter den Erneuerbaren zeigt eine dramatische Konzentration. Rund 80 Prozent der globalen Produktionskapazität für Photovoltaikmodule und etwa 95 Prozent der Wafer-Fertigung liegen in China; bei Batteriezellen und Kathodenmaterial ist die Lage ähnlich, bei Seltenerdmagneten für Windgeneratoren und Elektromotoren noch deutlicher. Dazu kommen Abhängigkeiten bei Lithium aus Chile und Australien, Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo sowie Kupfer und Nickel aus einer überschaubaren Zahl von Förderländern. Aus der Perspektive nationaler Resilienz wurde also eine Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen gegen eine Abhängigkeit von mineralischen Rohstoffen, industrieller Hardware und chinesischer Prozessindustrie eingetauscht. Ob dieser Tausch vorteilhaft ist, hängt von der politischen Stabilität der neuen Bezugsquellen ab. Die empirische Antwort ist bislang gemischt, im Falle Chinas tendenziell ernüchternd.

Wenn Windstille zur Systemfrage wird: Die verdeckte Seite der Versorgungssicherheit

Der Satz, die Versorgung sei gesichert, ist vermutlich der interessanteste im Katalog. Er ist formal richtig und substanziell fragwürdig zugleich. Formal richtig ist er, weil in Deutschland bislang kein großflächiger Blackout auf erzeugungsseitige Knappheit zurückzuführen ist und die durchschnittliche Nichtverfügbarkeit je Letztverbraucher, gemessen in SAIDI-Minuten, international weiterhin niedrig liegt. Das ist eine Leistung der Netzbetreiber, nicht des politischen Systems.

Substanziell fragwürdig wird der Satz, wenn man hinter die Fassade der Gesamtbilanz schaut. Die Zahl der Netzeingriffe ist das beste Frühindikatorsystem. Die Bundesnetzagentur weist für 2024 ein Maßnahmenvolumen im Netzengpassmanagement von etwa 30.300 Gigawattstunden bei vorläufigen Gesamtkosten von rund 2,78 Milliarden Euro aus, nach 34.300 Gigawattstunden und 3,34 Milliarden Euro im Jahr 2023. Die im Ausgangstext genannten 19.318 Redispatch-Eingriffe pro Jahr korrespondieren mit den Einzelmaßnahmen im Übertragungsnetz und sind eine plausible Größenordnung. Aktuelle Einschätzungen aus dem Verteilnetzbereich zeigen allerdings, dass die Eingriffshäufigkeit im sogenannten Redispatch 2.0 nach Einbeziehung kleinerer Anlagen sprunghaft weiter wächst; erste Auswertungen aus 2025 deuten auf eine weitere Verdopplung der Fallzahlen hin. Das sind keine Randphänomene, sondern die ökonomischen Spuren eines Systems, dessen Erzeugungsorte nicht mehr mit den Verbrauchsorten zusammenpassen.

Dass Dunkelflauten real sind, ist keine polemische Behauptung, sondern ein meteorologisches Faktum. Wochenlange Hochdrucklagen im Winter mit geringer Windausbeute und kaum nennenswertem Solarertrag treten regelmäßig auf. Im Dezember 2022 und im November 2024 mussten Gas-, Kohle- und Biomassekraftwerke zusammen mit Importen aus Frankreich, den Niederlanden und Dänemark die Residuallast tragen. Dass das System in solchen Phasen funktioniert, ist ein Erfolg der gekoppelten europäischen Märkte und der noch vorhandenen fossilen Flotte, nicht ein Beweis der Autonomie des deutschen Erneuerbaren-Systems. Ökonomisch relevant ist, dass die Residualkapazität eine Versicherungsfunktion hat, die bezahlt werden muss, auch wenn sie nur wenige Hundert Stunden im Jahr läuft. Genau diese Finanzierungsfrage ist die eigentliche Konstruktionslücke der deutschen Marktarchitektur.

Die zwei Welten des Energiesystems: Stromsektor versus Endenergie

Eine der häufigsten Verzerrungen in der Debatte ist die Vermischung von Stromerzeugungsanteil und Primärenergieanteil. Wenn in Pressemitteilungen verlautbart wird, über die Hälfte des deutschen Stroms stamme aus Wind und Sonne, ist das faktisch korrekt. Es bedeutet aber nicht, dass die Hälfte des deutschen Energieverbrauchs klimaneutral ist. Der Anteil der Erneuerbaren am Bruttoendenergieverbrauch lag 2024 bei etwa 22 Prozent, am Primärenergieverbrauch bei rund 20 Prozent. Der Grund ist simpel: Strom ist nur ein Teilsegment des Energiesystems. Wärme in Gebäuden, Prozesswärme in der Industrie, Verkehr, vor allem Güterverkehr, Schifffahrt und Luftfahrt, werden weiterhin überwiegend aus fossilen Quellen bedient.

Aus dieser Asymmetrie ergibt sich ein strategisches Problem, das selten offen ausgesprochen wird. Jede Sektorkopplung, also die Umstellung von Wärme und Verkehr auf Strom, erhöht den Stromverbrauch. Wenn die Wärmewende und die Verkehrswende ernst gemeint sind, wird der Bruttostromverbrauch von heute rund 510 Terawattstunden auf 750 bis 1.000 Terawattstunden steigen, je nach Modell und Annahmen zu Wasserstoff. Das bedeutet, dass die Erzeugung, die Netze und die Speicher nicht nur den heutigen Bedarf decken, sondern diesen etwa verdoppeln müssen, und zwar in einem Zeitfenster von zwanzig bis fünfundzwanzig Jahren. Der Ausbau, der heute bereits als ambitioniert erlebt wird, ist gemessen am Zielzustand erst ein Drittel des Weges.

 

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Das Herzstück dieser technologischen Weiterentwicklung ist die bewusste Abkehr von der konventionellen Klemmenbefestigung, die seit Jahrzehnten den Standard darstellt. Das neue und zeit- wie kostengünstigere Montagesystem begegnet dieses mit einem grundlegend anderen, intelligenteren Konzept. Anstatt die Module punktuell zu klemmen, werden sie in eine durchgehende, speziell geformte Trägerschiene eingelegt und dort sicher gehalten. Diese Konstruktion sorgt dafür, dass alle auftretenden Kräfte – seien es statische Lasten durch Schnee oder dynamische Lasten durch Wind – gleichmäßig über die gesamte Länge des Modulrahmens verteilt werden.

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Netzausbau-Alarm: Warum Tausende Kilometer Leitungen über Erfolg oder Scheitern entscheiden

Das Kostendreieck: Erzeugung, Netze und die große Unbekannte Backup

Die Diskussion über Systemkosten leidet unter einer methodischen Schwäche. Sie wird meist auf die direkten Erzeugungskosten reduziert, also auf die Stromgestehungskosten neuer Wind- oder Solaranlagen, die mittlerweile in Ausschreibungen Werte zwischen 5 und 8 Cent je Kilowattstunde erzielen. Das ist ein beeindruckender Preisrückgang, und er sollte anerkannt werden. Er ist aber nicht das, was das Gesamtsystem kostet, denn Gesamtsystemkosten umfassen Erzeugung, Netze, Speicher, Backup, Regelenergie, Systemdienstleistungen und die Finanzierungs- und Opportunitätskosten von überschüssig errichteten Kapazitäten.

Die von der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Auftrag gegebene Studie von Frontier Economics summiert diese Kosten für den Zeitraum 2025 bis 2049 auf 4,8 bis 5,4 Billionen Euro. Die Aufteilung ist aufschlussreich: 2,0 bis 2,3 Billionen Euro entfallen auf Energieimporte, 1,2 Billionen Euro auf Netzkosten, 1,1 bis 1,5 Billionen Euro auf Investitionen in Erzeugungsanlagen und rund 500 Milliarden Euro auf deren laufenden Betrieb. Rechnet man diese Summe auf eine Bevölkerung von knapp 84 Millionen Menschen und 24 Jahre um, ergeben sich Pro-Kopf-Belastungen im niedrigen vierstelligen Bereich pro Jahr. Die im Ausgangstext zitierten 430 Euro pro Kopf sind insofern eher konservativ geschätzt und beziehen sich auf den engeren Systemkostenbegriff.

Besonders aufschlussreich ist die Komponente Netzausbau. Der von den Übertragungsnetzbetreibern im Netzentwicklungsplan ausgewiesene Bedarf umfasst im Zielbild mehrere Tausend Kilometer neuer Höchstspannungstrassen, ergänzt um erheblich größere Strecken im Verteilnetz. Die Angabe, es seien 16.800 Kilometer Leitungen nötig und erst 3.500 Kilometer gebaut, spiegelt den Gesamtumfang aller Maßnahmen wider, wenn Übertragungs- und Verteilnetz zusammengefasst werden, und ist in dieser Größenordnung realistisch. Ökonomisch zählt hier weniger die nominale Kilometerzahl als die Genehmigungs- und Bauzeit, die bei Großprojekten wie SuedLink und SuedOstLink regelmäßig über ein Jahrzehnt beträgt. Die Kostenfolge dieser Verzögerungen ist doppelt: Einerseits verteuern sich die Bauwerke durch Inflation und Engpasspreise, andererseits steigen die Redispatchkosten, weil das Netz nicht dort verfügbar ist, wo die Erzeugung stattfindet.

Gaskraftwerke als Brücke, die keine sein darf: Die neue fossile Abhängigkeit

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hat in den vergangenen Jahren wiederholt darauf hingewiesen, dass ohne einen raschen Zubau an steuerbaren Kraftwerksleistungen das gesamte Projekt der Energiewende gefährdet sei. Diese Position ist innerhalb des Sachverständigenrates und der wissenschaftlichen Energiepolitik mehrheitsfähig. Der Hintergrund ist technisch zwingend: Wenn die verbliebenen Kernkraftwerke abgeschaltet sind und die Kohleausstiegspfade eingehalten werden, entsteht in den kommenden Jahren eine Lücke an gesicherter Leistung in der Größenordnung von 20 bis 50 Gigawatt, je nach Szenario. Diese Lücke lässt sich mit heutiger Technologie weder durch Batterien noch durch Wasserstoff kurzfristig schließen.

Der politische Kompromiss läuft auf wasserstofffähige Gaskraftwerke hinaus, die zunächst mit Erdgas betrieben und später auf Wasserstoff umgerüstet werden sollen. Das ist ökonomisch und klimapolitisch ein Drahtseilakt. Zum einen erhöht der Neubau von Gaskraftwerken die fossile Infrastruktur in einem Land, das genau diese reduzieren will. Zum anderen sind die Betreibermodelle ohne Kapazitätsmarkt oder staatliche Absicherungen nicht wirtschaftlich, weil ein Kraftwerk, das nur wenige Hundert Stunden pro Jahr läuft, seine Fixkosten nicht über den Spotmarkt refinanzieren kann. Der Bund steuert deshalb auf einen Kapazitätsmechanismus zu, der die Systemkosten weiter erhöht und in der öffentlichen Darstellung meist nicht den Erneuerbaren zugerechnet wird, obwohl er ohne deren Volatilität nicht nötig wäre.

Die Illusion der Batterie: Warum Speicher (neu: noch) kein Kraftwerk ersetzen

Ein hartnäckiges Narrativ lautet, Batterien und andere Speicher würden die fossile Backup-Struktur überflüssig machen. Dieses Narrativ verwechselt zwei völlig unterschiedliche Aufgaben. Kurzfristspeicher, wie Lithium-Ionen-Batterien, Pumpspeicher oder thermische Speicher, puffern Stunden bis maximal wenige Tage. Sie sind technisch ausgereift und wirtschaftlich zunehmend attraktiv, insbesondere für die Tag-Nacht-Verschiebung von Solarstrom und für die Vermarktung von Regelenergie. Ihre Kapitalkosten bewegen sich je nach Größe und Dauer zwischen 100 und 400 Euro je Kilowattstunde nutzbarer Speicherleistung.

Langfristspeicher, die eine Dunkelflaute von ein bis zwei Wochen überbrücken müssen, sind eine völlig andere Rechnung. Für Deutschland ergeben plausible Systemmodelle einen saisonalen Speicherbedarf zwischen 50 und 100 Terawattstunden. Zum Vergleich: Sämtliche in Europa installierten Lithium-Ionen-Großspeicher summieren sich derzeit auf weniger als 50 Gigawattstunden, also etwa ein Tausendstel der gesuchten Größenordnung. Die physikalisch denkbare Lösung heißt Wasserstoff, produziert über Elektrolyse mit überschüssigem Strom, gespeichert in Kavernen, rückverstromt in Gasturbinen. Jeder dieser Umwandlungsschritte verliert Energie, die Gesamtwirkungsgrade liegen zwischen 25 und 40 Prozent. Das bedeutet, dass für jede tatsächlich genutzte Kilowattstunde Rückverstromung das Zwei- bis Vierfache an erneuerbarer Erzeugung vorgeschaltet werden muss. Wer Wasserstoff ernst nimmt, muss die Ausbauzahlen für Wind und Sonne nochmals deutlich erhöhen, die Elektrolyseurkapazitäten in den dreistelligen Gigawattbereich bringen und eine Infrastruktur aus Pipelines und Kavernen schaffen, die heute nur in Ansätzen existiert.

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Das Plateau-Problem: Wenn Kapazität ohne Erzeugung wächst

Ein selten beleuchtetes Phänomen ist das Auseinanderdriften zwischen installierter Kapazität und tatsächlich erzeugter Energie. Die installierte Wind- und Solarkapazität ist seit 2015 dramatisch gestiegen, die Bruttostromerzeugung aus diesen Quellen wuchs aber langsamer, weil zunehmend Abregelungen, Netzengpässe und niedrige Volllaststunden an neuen, weniger optimalen Standorten dämpfen. Hinzu kommt, dass der Gesamtstromverbrauch nicht im geplanten Ausmaß gestiegen ist, weil Industrie, Elektromobilität und Wärmepumpen die rechnerischen Erwartungen unterschreiten. Das Ergebnis ist ein System, das in der politischen Kommunikation als rasch wachsend erscheint, in der Erzeugungsstatistik aber ein Plateau zeigt.

Aus wirtschaftspolitischer Sicht ist dieses Plateau gefährlich, weil es auf eine strukturelle Grenze des aktuellen Modells hindeutet. Jeder zusätzlich gebaute Solarpark in Süddeutschland oder Windpark in Norddeutschland erzeugt in Spitzenstunden Strom, der mangels Leitungskapazität entweder abgeregelt oder zu Negativpreisen exportiert wird. Der ökonomische Grenznutzen zusätzlicher Kapazität sinkt, während die Grenzkosten für Netze, Speicher und Backup steigen. In der Sprache der Ökonomie überschreitet das System die Schwelle zur negativen Skalenrendite.

Der Kampf um Pfründe: Verteilungsökonomie einer Transformation

Jede große Transformation hat ihre Profiteure und ihre Verlierer, und die Energiewende ist hier keine Ausnahme. Zu den strukturellen Gewinnern gehören Projektierer von Wind- und Solarparks, Hersteller von Speicher- und Netztechnik, Beraterfirmen im regulatorischen Umfeld, Grundstückseigentümer, deren Flächen für Trassen, Windvorrangzonen oder Umspannwerke benötigt werden, sowie die exportorientierte Photovoltaik- und Batterieindustrie in China. Zu den strukturellen Verlierern gehören energieintensive Industrien ohne Privilegien, Mieter ohne Einfluss auf Heiz- und Dämmentscheidungen, Pendler in ländlichen Regionen ohne ÖPNV-Alternative sowie kleine und mittlere Unternehmen, die weder Entlastungen noch strategische Flexibilität besitzen.

Diese Verteilungswirkungen sind keine Nebenfolgen, sondern politökonomisch relevant, weil sie die Akzeptanz der Transformation bestimmen. Wenn Haushalte mit niedrigem Einkommen einen höheren Anteil ihres verfügbaren Einkommens für Energie aufwenden müssen, wenn Regionen mit hoher industrieller Konzentration überproportional unter Strompreisunterschieden leiden, und wenn gleichzeitig Subventionen in Segmente fließen, in denen die Wertschöpfung teilweise im Ausland stattfindet, entsteht eine politische Erosion, die sich in Wahlergebnissen und in Parlamentsmehrheiten niederschlägt. Ökonomisch betrachtet ist die Energiewende nicht nur ein Klimaprojekt, sondern ein riesiges Verteilungsprojekt, dessen Bilanz unter Gerechtigkeitsaspekten bislang unzureichend transparent gemacht wird.

Der europäische Kontext: Warum Deutschland nicht allein über das Ergebnis entscheidet

Die deutsche Energiewende wird häufig so diskutiert, als fände sie in einem geschlossenen System statt. Tatsächlich ist der deutsche Stromsektor in das europäische Verbundnetz integriert und wird durch die Preiszonen und Handelsströme auf der Pariser EEX-Tochter EPEX Spot, die Börsen in Oslo und Amsterdam sowie die grenzüberschreitenden Kapazitätsauktionen bepreist. Diese Integration ist ein gigantischer volkswirtschaftlicher Vorteil, weil sie in Dunkelflauten Importe ermöglicht und in Überschusssituationen Exporte, meistens zu sehr niedrigen Preisen. Sie ist zugleich ein Risiko, weil politische Entscheidungen der Nachbarländer, etwa der französische Ausbau der Kernenergie oder der polnische Kohlepfad, die deutsche Systemökonomie direkt beeinflussen.

Besonders interessant ist das Wechselspiel mit Frankreich. Die dortige Kernkraftflotte, die bis 2025 nach längeren Ausfällen weitgehend wieder verfügbar ist, exportiert in Wintermonaten regelmäßig signifikante Mengen nach Deutschland. In der deutschen Stromhandelsbilanz sind 2024 erstmals seit Langem wieder Nettoimporte dokumentiert. Das bedeutet schlicht, dass die in Deutschland propagierte Autarkie durch die gleichzeitige Abschaltung inländischer Grundlasterzeugung und Nutzung ausländischer Kernenergie erkauft wurde. Aus europäischer Sicht ist das effizient; aus nationaler Sicht ist es ein Bruch mit der Erzählung, man produziere seinen Strom zunehmend selbst.

Was die Daten wirklich sagen: Eine ökonomische Gesamtwertung

Wenn man die vier eingangs zitierten Versprechen an der Datenlage prüft, ergibt sich ein ambivalentes, aber klares Bild. Das Versprechen, es werde günstiger, trifft auf die Gestehungskosten neuer Anlagen zu, auf die Endverbraucherpreise nicht, und zwar weder für Haushalte noch für den energieintensiven Mittelstand. Die Differenz zwischen Erzeugungskosten und Endkundenpreisen ist die Systemarchitektur aus Steuern, Umlagen, Netzentgelten und Marktdesign, die in zwanzig Jahren nicht schlanker geworden ist. Das Versprechen, es werde sauberer, trifft auf die Stromerzeugung zu, aber in einem internationalen Ranking und bezogen auf die Gesamtenergie deutlich weniger eindrucksvoll, als die politische Kommunikation nahelegt. Das Versprechen der Unabhängigkeit ist in Bezug auf fossile Importe teilweise eingelöst, in Bezug auf Rohstoffe, Komponenten und industrielle Vorleistungen deutlich verletzt. Das Versprechen der sicheren Versorgung hält heute, aber die Zahl der Netzeingriffe, die Höhe der Redispatchkosten und die strukturelle Abhängigkeit von fossilem Backup und Importen zeigen, dass diese Sicherheit immer teurer und immer fragiler wird.

Damit ist die Energiewende nicht gescheitert, aber sie ist auch nicht auf dem Pfad, auf dem ihre Befürworter sie gerne sehen. Sie ist ein halbfertiges Bauwerk, in dem die günstigen Teile, nämlich die einfache Aufstellung von Solar- und Windparks an guten Standorten, bereits realisiert sind und die teuren, schwierigen Teile, nämlich Speicher, Netze, Backup, Sektorkopplung, Rohstoffsicherung und europäische Harmonisierung, noch vor uns liegen. Jede ehrliche ökonomische Betrachtung muss festhalten, dass die Grenzkosten der nächsten zehn Prozentpunkte Dekarbonisierung deutlich höher sein werden als die der ersten fünfzig.

Die Richtung stimmt, das Tempo nicht, und das Design am wenigsten

Eine nüchterne Bewertung führt nicht zu der Schlussfolgerung, die Energiewende solle aufgegeben werden. Der globale Emissionspfad, die sinkenden Gestehungskosten erneuerbarer Energien und die geopolitische Fragilität fossiler Lieferketten machen eine Dekarbonisierung industrieökonomisch notwendig und strategisch klug. Sie führt aber zu der Schlussfolgerung, dass das aktuelle Design der deutschen Energiewende weder kosteneffizient noch industriepolitisch kompatibel ist. Der Ausbau erneuerbarer Kapazität ohne synchronen Netz- und Speicherausbau, die Abschaltung CO₂-armer Grundlast vor der fossilen Grundlast, die Auslagerung der Wertschöpfungskette an strategische Wettbewerber, die Vernachlässigung eines verlässlichen Kapazitätsmechanismus und die kommunikative Verengung auf den Stromsektor sind vermeidbare Konstruktionsfehler. Jeder dieser Fehler hat einen Preis, und dieser Preis wird nicht kleiner, je länger er ignoriert wird.

Die Aussage, Wind und Sonne schickten keine Rechnung, bleibt im engeren Sinn richtig. Das System dahinter schickt allerdings eine, und zwar eine große, verteilte, teilweise verdeckte Rechnung. Diese Rechnung zu benennen, zu priorisieren und in ein wirtschaftlich tragfähiges Design zu überführen, ist die eigentliche Aufgabe der kommenden Legislaturperioden. Wer das für defätistisch hält, verwechselt Kritik mit Ablehnung. Und wer es für irrelevant hält, hat das Projekt nicht verstanden, für das er einsteht.

 

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Konrad Wolfenstein

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Ich freue mich auf unser gemeinsames Projekt.

 

 

☑️ EPC-Dienstleistungen (Engineering, Procurement and Construction)

☑️ Schlüsselfertige Projektentwicklung: Entwicklung der Solarenergieprojekte von Anfang bis Ende

☑️ Standortanalyse, Systemdesign, Installation, Inbetriebnahme sowie Wartung und Support

☑️ Projektfinanzierer bzw. Vermittlung von Kapitalgeber

 

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