Veröffentlicht am: 5. April 2025 / Update vom: 5. April 2025 – Verfasser: Konrad Wolfenstein
Ungenutztes Potenzial: Wie Parkplatz-PV die Energiewende voranbringen kann
Parkplatz wird Kraftwerk: Photovoltaik auf Parkplätzen als Schlüsseltechnologie
Die Installation von Photovoltaikanlagen auf Parkplätzen bietet ein enormes Potential zur Steigerung der erneuerbaren Energieerzeugung in Deutschland und könnte einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten. Eine detaillierte Analyse zeigt, dass Parkplatz-PV ein bisher weitgehend ungenutztes Potential darstellt, das ohne zusätzlichen Flächenverbrauch erschlossen werden kann.
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Das Potential von Parkplatz-Photovoltaik in Deutschland
Deutschland verfügt über eine beachtliche Parkplatzfläche, die für die Solarenergieerzeugung genutzt werden könnte. Laut Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) beläuft sich die Gesamtfläche von Parkplätzen in Deutschland auf etwa 47.060 Hektar mit annähernd 360.555 Fahrzeugstellplätzen. Diese Flächen stellen ein technisches Potential dar, das bisher kaum genutzt wird.
Bei einer flächendeckenden Installation von PV-Anlagen auf diesen Parkplätzen ergäbe sich ein technisches Flächenpotential von 284 Quadratkilometern, was einem technischen Leistungspotential von 59 Gigawatt peak (GWp) entspricht. Mit einem spezifischen Ertrag von 930 kWh/kWp pro Jahr könnten dadurch 54.870 GWh Strom erzeugt werden. Diese Energiemenge würde ausreichen, um den jährlichen Strombedarf von über 17,2 Millionen Haushalten zu decken, wenn man einen durchschnittlichen Stromverbrauch von 3.190 kWh pro Haushalt zugrunde legt.
Beitrag zu den deutschen Klimazielen
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gibt vor, dass bis 2030 eine installierte PV-Leistung von 215 GW erreicht werden muss. Mit den ermittelten 59 GWp Leistungspotential könnte die Parkplatz-PV allein fast ein Viertel dieses Ziels abdecken. Einige Quellen gehen sogar davon aus, dass mit den Bestandsflächen der Parkplätze theoretisch ein Drittel der für 2030 angestrebten PV-Leistung gedeckt werden könnte.
Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass diese Potentialerschließung ohne zusätzlichen Flächenverbrauch realisiert werden kann, da es sich um bereits versiegelte Flächen handelt. Dies ist ein entscheidender Vorteil in einem Land, in dem Flächenknappheit zunehmend zu einem Problem wird.
Aktueller Stand und Nutzungsgrad
Trotz des enormen Potentials zeigt eine Abfrage im Marktstammdatenregister, dass bisher mit rund drei Megawatt installierter Leistung nur ein sehr kleiner Teil des möglichen Potentials genutzt wird. Dies steht im starken Kontrast zum allgemeinen Photovoltaikausbau in Deutschland: Ende 2024 waren bereits rund 4,75 Millionen Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 99 GW installiert, die einen Anteil von 14,5% an der deutschen Stromerzeugung hatten.
Im Jahr 2024 wurden Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von 15,9 Gigawatt neu installiert, was zeigt, dass der Ausbau der Photovoltaik insgesamt deutlich an Fahrt aufgenommen hat. Dieser Trend könnte auch dem Segment der Parkplatz-PV zugutekommen.
Vorteile und Synergien der Parkplatz-Photovoltaik
Parkplatz-PV bietet zahlreiche Vorteile, die über die reine Stromerzeugung hinausgehen:
Mehrfachnutzung bereits versiegelter Flächen
Ein zentraler Vorteil der Parkplatz-PV ist die Nutzung bereits versiegelter Flächen. Im Gegensatz zu klassischen Solarparks werden keine zusätzlichen Flächen in Anspruch genommen, was Flächenkonkurrenzen, insbesondere mit der Landwirtschaft, vermeidet und die Inanspruchnahme von Flächen im Außenbereich reduziert.
Schutz und Komfort für Fahrzeuge
Die PV-Module über Parkplätzen spenden Schatten und schützen die Fahrzeuge sowie die versiegelten Flächen vor Überhitzung und Witterungseinflüssen. Dies bietet einen zusätzlichen Komfort für die Nutzer und kann die Lebensdauer der Fahrzeuge und der Parkplatzflächen verlängern.
Synergien mit Elektromobilität
Parkplatz-PV bietet ideale Voraussetzungen für die Kombination mit Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Die vor Ort erzeugte Energie kann direkt zum Laden von Elektrofahrzeugen genutzt werden, was die Nutzung erneuerbarer Energien im Verkehrssektor fördert und zur Reduzierung von CO2-Emissionen beiträgt.
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Rechtlicher Rahmen und Wirtschaftlichkeit
Förderfähigkeit und Vergütung
Seit der Novellierung des EEG 2023 ist Parkplatz-PV förderfähig, sofern die Anlagen nach dem 1. Januar 2023 in Betrieb genommen wurden. Die Solaranlagen werden wie PV-Freiflächenanlagen mit 7 ct/kWh vergütet. Die Vergütungsfähigkeit gilt dabei sowohl für öffentliche als auch für nicht-öffentliche Flächen.
Landesspezifische Regelungen
Mehrere Bundesländer haben bereits PV-Pflichten für neue Parkplätze eingeführt. So gibt es in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen seit Anfang 2022 eine PV-Pflicht für neue Parkplätze ab 35 Stellplätzen. Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zogen Anfang 2023 nach, wobei die Mindestanzahl der Stellplätze für eine PV-Pflicht zwischen 50 und 100 variiert.
Wirtschaftlichkeit und Amortisation
Die Investitionskosten für die Installation einer PV-Anlage auf Parkplätzen werden in der Regel innerhalb von acht bis zwölf Jahren durch eingesparte Stromkosten und Einspeisevergütungen ausgeglichen. Danach erwirtschaften die Anlagen Gewinne, während sie noch viele weitere Jahre zuverlässig Strom produzieren.
Beispielhafte Projekte
Nationale Leuchtturmprojekte
Der größte PV-Parkplatz Deutschlands entsteht derzeit bei der Mosolf-Gruppe in ihrem Logistikzentrum in Rackwitz, Sachsen. Auf einer Fläche von neun Hektar wird eine Anlage mit 35.000 Solarmodulen und einer Spitzenkapazität von 16 MW errichtet, die etwa 6.000 Kraftfahrzeugstellplätze überdachen wird. Diese Anlage wird 40-mal mehr Strom erzeugen, als das Unternehmen selbst verbraucht.
Ein weiteres großes Projekt wurde am Flughafen Düsseldorf Weeze realisiert, wo eine vier MW große Solaranlage auf 66 Carports installiert wurde, die 1.350 Parkplätze überdacht. Der erzeugte Strom wird direkt vom Flughafen genutzt.
Internationale Vorreiter
Die größte Parkplatz-PV-Anlage weltweit befindet sich in Biddinghuizen in den Niederlanden. Der 35 MW-Solarcarport mit 90.000 Solarpanels überdacht 15.000 Parkplätze eines Veranstaltungsgeländes, auf dem jährlich mehrere große Musikfestivals stattfinden. Der dort erzeugte Strom ersetzt den bisherigen Einsatz von umweltbelastenden Generatoren.
Parkplatz-PV: Unterschätztes Potenzial für die Energiewende in Deutschland
Parkplatz-PV bietet ein enormes, bisher weitgehend ungenutztes Potential zur Steigerung der Solarstromerzeugung in Deutschland. Mit einem technischen Leistungspotential von 59 GWp könnte fast ein Viertel des deutschen PV-Ziels für 2030 auf bereits versiegelten Flächen realisiert werden. Dies würde nicht nur zur Erreichung der Klimaziele beitragen, sondern auch zahlreiche Synergieeffekte mit sich bringen, insbesondere im Bereich der Elektromobilität.
Die zunehmenden regulatorischen Anforderungen und Fördermöglichkeiten sowie die steigende Wirtschaftlichkeit dürften in den kommenden Jahren zu einem verstärkten Ausbau der Parkplatz-PV führen. Angesichts der ambitionierten Klimaziele Deutschlands und der begrenzten Flächenverfügbarkeit stellt Parkplatz-PV eine vielversprechende Option dar, um den notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben, ohne zusätzliche Flächen in Anspruch zu nehmen.
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